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28MRZ2026
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Die Fähigkeit, selbst Licht zu erzeugen, zählt zu den wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Ein Feuer, eine Fackel, Öllampen. Ohne diese Möglichkeiten, wäre die Menschheit heute nicht da, wo sie ist. Und wenn ich an unser Leben heute denke, bin ich heilfroh und dankbar, dass wir elektrisches Licht haben. Denn einfach so das Licht einschalten zu können, das ist ein Segen: Im Winter morgens nach dem Aufstehen. Oder wenn mir etwas runtergefallen ist und ich es im Halbdunkel nicht mehr wiederfinde. Und Gott sei Dank können auch Ärztinnen und Pfleger, Mechatroniker und Mitarbeitende im Labor im hellen Licht arbeiten. Ohne Licht wäre unser Alltag nicht denkbar.

Heute Abend freue ich mich aber darauf, das Licht ausgeschaltet zu lassen. Denn heute, am dritten Samstag im März, ruft die Umweltorganisation WWF wieder dazu auf, bei der Earth Hour mitzumachen. Earth Hour, auf Deutsch: Stunde der Erde - so heißt eine Aktion, die auf den Klimawandel aufmerksam machen und ein weltweites Zeichen setzen möchte. Die Idee ist simpel: Eine Stunde lang bleiben weltweit Lichter aus – in Städten, an Wahrzeichen und bekannten Sehenswürdigkeiten, auch in vielen privaten Wohnungen. Auch bei mir in Mainz werden der Mainzer Dom und die Christuskirche und etliche andere Gebäude dunkel bleiben. Zumindest für diese eine Stunde von halb neun bis halb zehn.

Falls Sie heute Abend noch nichts vorhaben, kann ich Ihnen einen kleinen Abendspaziergang ans Herz legen: Ich staune jedes Mal aufs Neue, wie anders die Stadt wirkt, wenn große Bauwerke auf einmal im Dunkeln liegen.

Viel Strom wird bei der Earth Hour nicht gespart. Aber darum geht es auch nicht vorrangig. Viel wichtiger ist das Zeichen: Weltweit bleibt es für eine Stunde dunkel. Und überall auf der Welt wird mit diesem Lichtsignal daran erinnert, wie sehr der Klimawandel unsere Erde und viele Menschen schon jetzt bedroht. Auch bei mir zu Hause bleibt heute Abend ab halb neun das Licht aus. Es ist ein kleines Zeichen, das ich setzen kann, um daran zu erinnern: Wir alle tragen gemeinsam Verantwortung für Gottes gute Schöpfung. Damit hier auf der Erde noch lange das Licht anbleibt und alle gut leben können.

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27MRZ2026
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„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ So heißt es an einer Stelle in der Bibel. Viele Paare suchen sich diesen Satz als Trauspruch für ihre kirchliche Hochzeit aus. So ein Trauspruch kann ein Motto oder ein Leitspruch für die Ehe sein.

„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ Dieser Satz ist voller Liebe, voller Loyalität und Zukunftsgewissheit. Und ich glaube: Damit ist er ein gutes Motto für den weiteren gemeinsamen Weg eines Paares. Schließlich geht es doch genau darum: Gemeinsam durchs Leben zu gehen, egal was kommt. Dieser Trauspruch macht deutlich: Genau das möchten sich zwei ganz fest versprechen.

In der Bibel sind die beiden, die einander so die Treue schwören, zwei Frauen: Es sind Schwiegertochter und Schwiegermutter.

Die Geschichte der beiden ist wirklich bemerkenswert: Da ist die alte Frau, Noomi. Ihr Mann ist gestorben und ihre Söhne auch. Noomi fühlt sich fremd und allein in der Heimat ihres Mannes, die nicht ihre Heimat ist. So entscheidet sie sich, in ihre alte Heimat zurückzukehren. Und da ist Rut, ihre Schwiegertochter. Rut entschließt sich, mit Noomi in deren Heimat zu gehen. Allen Herausforderungen zum Trotz. „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ Eine mutige Entscheidung. Ob da Liebe im Spiel war? Ich weiß es nicht – aber diese unbedingte Loyalität und gegenseitige Übernahme von Verantwortung füreinander sind schon etwas ganz Besonderes. Und das ist es auch, was Brautpaare an diesem Satz so anspricht: Zwei, die bedingungslos zueinander halten und gemeinsam in die Zukunft gehen.

Als Pfarrerin darf ich zwei Menschen an diesem entscheidenden Punkt in ihrem Leben begleiten. Ich darf mit ihnen ihre Hochzeit vorbereiten und sie schließlich feiern. Dabei bewegt es mich jedes Mal aufs Neue, ihnen Gottes Segen zuzusprechen. Denn schließlich ist Segen ja auch nichts anderes, als dass Gott zu uns sagt: Ich bin bei euch, wo immer ihr hin geht, und ich bleibe bei euch, wo immer ihr auch seid.

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26MRZ2026
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Bei einem Besuch in Hamburg habe ich vor einiger Zeit einen besonderen Ort entdeckt. Auf den ersten Blick wirkt die U-Bahnstation Emilienstraße wie jede andere auch. Doch dann zeigt sich: Hier auf dem Bahnsteig ist ein besonderer Ort. In dem kleinen Büdchen zwischen den Gleisen ist kein gewöhnlicher Kiosk – sondern „Das Ohr“: ein Zuhör-Kiosk. Auf Schildern wird erklärt, was es mit diesem Zuhör-Kiosk auf sich hat: „Ich höre Ihnen zu! Kostenlos. Jetzt gleich – oder ein anderes Mal.“

Christoph Busch hat den Zuhör-Kiosk vor knapp 10 Jahren ins Leben gerufen. Als Drehbuchautor ist er immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Sein Plan ist aufgegangen. Viele Menschen haben Lust auf einen kleinen Plausch zwischendurch. Und viele Menschen scheinen nur darauf gewartet zu haben, dass sie sich endlich mal alles von der Seele reden können und ihnen einer wirklich zuhört.

Tatsächlich waren es so viele Menschen, dass Christoph Busch schnell gemerkt hat: Meine Zeit reicht nicht aus. Ich brauche Unterstützung. So gibt es jetzt einen großen Kreis von Ehrenamtlichen, die dem Zuhör-Kiosk „Das Ohr“ ihre offenen Ohren zur Verfügung stellen. Sie hören Fröhliches und Belangloses, hören zu bei schweren Schicksalsschlägen, komplizierten Problemen und vielen offenen Fragen. Ich finde es toll, dass sie das machen. Einander zuhören ist so wichtig. Mir tut es gut, wenn ein guter Freund, meine Schwester oder auch jemand Fremdes im Urlaub ein offenes Ohr für mich hat. Ich fühle mich dann gesehen. Mit allem, was ich bin. Wenn ich meine Freude teile, wird sie doppelt so groß und was mich bedrückt, fühlt sich, wenn ich es jemandem erzählt habe, nicht mehr ganz so schwer an. Darum bin ich froh, dass es Menschen gibt, die anderen einfach zuhören. Vertrauensvoll und offen.
Ich glaube, deswegen ist beten für mich auch so wichtig. Denn beim Beten kann ich genau das erleben: Gott hat ein offenes Ohr für mich. Zu jeder Zeit und für alle Anliegen. Gottes Zuhör-Kiosk, der immer geöffnet ist. Wie wunderbar!

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25MRZ2026
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Wenn es draußen wärmer wird, sehe ich wieder mehr Fahrradfahrer durch die Landschaft rollen und Joggerinnen durch die Wälder laufen. Wie wichtig Bewegung für den Körper ist, brauche ich nicht zu sagen. Aber wie wichtig der Körper für den Glauben ist, muss ich an dieser Stelle mal erwähnen.

Der Apostel Paulus hat einmal über den Körper geschrieben: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt?“ (1Kor 6,19a) Paulus sagt also, dass im Körper die göttliche Geistkraft wohnt. Das hat Folgen für meinen Umgang mit dem Körper, und es wirft die Frage auf: Wie gehe ich mit meinem Körper um?

Wahrscheinlich sollte ich meinem Körper mehr Aufmerksamkeit widmen. Wäre das eine Begründung für mehr Sport? Wer mag, darf das daraus ableiten. Sich ein leckeres Essen zuzubereiten, tut dem Körper aber ebenfalls gut. Aber sowohl beim Sport und als auch beim Essen gilt: achte auf das rechte Maß und auf einen liebevollen Umgang mit dir selbst. Sich selbst zu kasteien hilft genauso wenig, wie über die Stränge zu schlagen.

Doch es geht nicht nur darum, sich selbst Gutes zu tun. Genauso wichtig ist die Einsicht, dass eben jeder Körper ein Tempel des Hl. Geistes ist. Auch in einem schwachen oder kranken Körper wohnt Gottes Geistkraft. Sie wohnt sogar in einem Menschen, der seinen Körper nicht mag oder für unzulänglich erachtet.

Also lass dir sagen: du bist ein Tempel des Hl. Geistes. Gottes Geistkraft ist in dir. Das darfst du deinen Körper auch spüren lassen. Jetzt, wo der Frühling kommt, geh raus und lass dich von der Sonne bescheinen und spüre die Wärme auf der Haut. Du hast hat es verdient.

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24MRZ2026
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Ein alter, frommer Bäcker hat mir mal erzählt, dass er während der Arbeit oft betet. Brote formen und dabei ein Gebet sprechen. Und er hat gesagt: „Es braucht keine besondere Haltung, um zu beten. Man muss auch nicht die Hände falten. Hauptsache man sprichst mit Gott.“ Das ist sehr wahr. Und mir tut es gut zu wissen: ich brauche nicht so viel Aufhebens um das Wie des Betens zu machen. Einfach mit Gott reden, wann und wo auch immer.

Wie so oft gibt es auch eine zweite Perspektive. Ich habe nämlich mittlerweile zusätzlich festgestellt, dass es für mich gut ist, wenn ich auch mal eine besondere Gebetshaltung einnehme. Sogar Bewegungen können mir beim Beten helfen.

Wenn ich zum Beispiel dastehe und die Hände mit offenen Handflächen vor der Körpermitte halte, dann bin ich konzentriert. Ich stimme mich bewusster auf das Beten ein. Außerdem tut es gut, Routinen – auch die Routinen der Arbeit – zu unterbrechen.

Gott braucht es nicht, dass ich eine besondere Haltung einnehmen. Gott macht das Gebet nicht davon abhängig, wie ich beim Gebet dastehe, ob ich die Hände falte, oder ob ich gleichzeitig Brote forme.

Aber für mich macht es einen Unterschied. Ich erlebe das Gebet anders, je nachdem, wie ich dastehe oder mich bewege. Darum geht es nämlich auch beim Beten: dass ich etwas wahrnehme. Ich behaupte sogar, dass ich in dem, was ich mit dem Körper wahrnehme, Antworten von Gott finden kann. Das Gebet ist nicht einseitig – also, dass nur ich rede und Gott zuhört. Gott teilt mir ebenfalls etwas mit. Und dafür ist es gut, meine Sinne zu öffnen und meinen ganzen Körper als Sinnesorgan zu empfinden.

In der Sprache der Bibel klingt das so: „Darum freut sich mein Herz. Es jauchzt meine Leber. Mein Fleisch wohnt in Sicherheit, denn meine Kehle überlässt du [Gott] nicht der Unterwelt.“ (Ps 16,7-10; übers. v. S. Schroer/ T. Staubli) Das klingt doch nach ganzem Körpereinsatz und ich merke: Beten geht auf viele Weisen: nebenher, bei der Arbeit, als Unterbrechung der Routine, in Ruhe, mit Bewegung und mit dem ganzen Körper.

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23MRZ2026
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Haben Sie als Kind auch im Gras gelegen und in die Wolken geguckt? Die Wolken haben manchmal wie Tiere oder Figuren ausgesehen. Ich habe Hasen und mal eine Lokomotive am Himmel entdeckt. Manchmal sind die Gedanken mit den Wolken auf Reisen gegangen.

Heute ist Welttag der Meteorologie. Denn heute vor bald 80 Jahren haben die Meteorologen aus aller Welt vereinbart, dass sie bei Wettervorhersagen künftig zusammenarbeiten werden.

Das war eine schlaue Idee, denn eine Wolke macht nicht an Ländergrenzen Halt. Man hat erkannt, dass man das Wetter besser vorhersagen kann, wenn man länderübergreifend zusammenarbeitet. Seit dieser Zeit können extreme Wetterereignisse besser vorhergesagt werden, und man kann sich besser auf Naturkatastrophen vorbereiten.

Der Blick in die Wolken und die Frage, wie das Wetter wird, war von jeher wichtig. Ernten hängen vom Wetter ab. Transport und Verkehr ebenso. Unwetter können ganze Landstriche verwüsten. Wetter kann lebensbedrohlich werden. Weil das alles so ist, darum hat schon vor Urzeiten die Beschäftigung mit Wolken, Wind und Regen eine religiöse Bedeutung bekommen. Die Menschen haben sogar geglaubt, dass Gott auf den Wolken durch den Himmel fährt. Darum steht in einem alten Gebet in der Bibel: „Gott, Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.“ (Ps 104,3)

Mit Gott auf der Wolke hat die moderne Meteorologie natürlich nichts zu schaffen. Sie ist eine Naturwissenschaft. Auch ich habe damals, als ich im Gras gelegen habe, nicht gesehen, dass Gott auf der Wolken-Lokomotive unterwegs war.

Trotzdem schaue ich heute noch gerne in die Wolken. Es verschafft meinen Gedanken freien Lauf. Es unterbricht den Alltag. Wenn sich Figuren und Formen am Himmel bilden, komme ich auf Ideen. Auch mal in den Himmel zu schauen ist besser als immer stur geradeaus.

Ich habe auch keine Angst vor Höhenflügen. Denn, wenn ich aus dem Gras aufstehe, dann stehe ich immer wieder mit beiden Beinen auf der Erde und auf dem Boden der Tatsachen. Aber nach dem Blick in die Wolken fühlt es sich freier an als zuvor.

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21MRZ2026
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In allen katholischen Kirchen gibt es einen Kreuzweg. Er besteht aus vierzehn Bildern, die den Leidensweg Jesu hinauf nach Golgotha zeigen; von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung. In der Fastenzeit laden die Gemeinden traditionell zu Kreuzwegandachten ein.

Mich persönlich hat der Kreuzweg immer sehr berührt. Bei der sogenannten „fünften Station“ taucht ein Mann auf, der sonst im Evangelium nicht erwähnt wird, ein gewisser „Simon von Kyrene“. Er kommt zufällig des Weges und wird von den römischen Soldaten gezwungen, Jesus das Kreuz abzunehmen. Üblicherweise musste der zum Tode Verurteilte den Querbalken seines Kreuzes selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Dazu aber ist Jesus wegen der vorangegangenen Geißelung nicht mehr in der Lage. Und so trägt Simon das Holz durch die Straßen Jerusalems, wo viele Menschen dem Spektakel zusehen. Wie wird er sich da gefühlt haben?

Simon stammt aus der jüdischen Gemeinde in Kyrene, einer römischen Großstadt in Libyen. In Jerusalem selbst gibt es damals eine Synagoge der Kyrener. Sie wird in der Apostelgeschichte (Apg 6,9) erwähnt. Deshalb ist nicht klar, ob Simon nun in Jerusalem wohnt oder gerade als Pilger in die Heilige Stadt gekommen ist.

Markus, der älteste Evangelist, berichtet, Simon sei der „Vater des Alexander und des Rufus“ (Mk 15,21). Beide Männer müssen demnach in der christlichen Gemeinde bekannt sein, für die Markus sein Evangelium schreibt. Vieles spricht dafür, dass Simon von Kyrene nach der Begegnung mit Jesus auf dessen Leidensweg Christ geworden ist. Und schließlich auch seine Familie. Was für eine Geschichte!

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20MRZ2026
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Man mag es kaum glauben. In der Osternacht des letzten Jahres wurden fast 18.000 Erwachsene katholisch getauft. Nein, nicht bei uns in Deutschland, sondern in Frankreich. Das überrascht, ist die französische Gesellschaft doch ausgesprochen säkular. Staat und Kirche sind hier seit über 120 Jahren strikt voneinander getrennt!

Der Taufboom bei unseren Nachbarn ist keine Eintagsfliege. Seit einigen Jahren schon steigt die Zahl der Erwachsenentaufen stetig an. Und für das kommende Osterfest erwartet man noch mehr. Besonders auffällig ist das Interesse junger Leute. Fast drei Viertel der Taufbewerber sind zwischen 17 und 35. Und die Hälfte ist jünger als 25.

Wie ist das zu erklären? Studien zeigen, dass die meisten den Glauben für sich entdeckt haben, weil sie Orientierung suchen. Rund 40 % sprechen von einer tiefen spirituellen Erfahrung. Dabei kommen die meisten aus einem Elternhaus, in dem der christliche Glaube keine Rolle spielt. Ein Befund ist besonders bemerkenswert: 83 % der Neugetauften nennen den Gottesdienst als Schlüsselerlebnis für ihre Hinwendung zum Christentum.

Ich denke, Bischöfe, Priester und Laien bei uns könnten von der Entwicklung in Frankreich viel lernen. In Deutschland streitet man leidenschaftlich um Reformen in der Kirche. Das ist zweifellos wichtig. Aber Menschen, die sich nach dem Sinn ihres Lebens fragen, haben kein Interesse an innerkirchlichen Debatten um Strukturen und Finanzen.

Die erste Aufgabe der Kirche ist es, den Menschen zu vermitteln, wie man die Nähe Gottes spüren kann. Das geschieht in der glaubwürdigen Verkündigung der Botschaft Jesu, in der ansprechenden Feier des Gottesdienstes und im Erleben einer Gemeinschaft, in der sich jeder wahrgenommen fühlt. Der geistliche Aufbruch in Frankreich zeigt: Die Kirche kann eine Zukunft haben, wenn sie das Evangelium in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellt.

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19MRZ2026
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Heute vor 81 Jahren starb Marcel Callo. Mit nur 23 Jahren endete sein Leben an einem Ort des Grauens: im Konzentrationslager Mauthausen. Wie konnte es dazu kommen?

Marcel Callo stammt aus Rennes in der Bretagne. Er wächst zusammen mit acht Geschwistern in einer Arbeiterfamilie auf. Die Callos sind fromm. Marcel wird Messdiener und ein begeisterter Pfadfinder. Nach der Volksschule beginnt der Junge eine Ausbildung als Schriftsetzer. Er engagiert sich in der gerade entstandenen „Christlichen Arbeiterjugend“.

Marcel ist 18, als die deutsche Wehrmacht in Frankreich einfällt. Er muss erleben, wie die Besatzer junge Männer zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppen. In dieser Zeit lernt Marcel seine Marguerite kennen. Die beiden verloben sich und wollen heiraten. Da erhält auch Marcel den Bescheid zur Deportation nach Deutschland. Und er folgt dem Befehl. Seiner Familie erklärt er: „Ich gehe nicht als Arbeiter dorthin – ich fahre als Missionar. Ich will den anderen helfen durchzuhalten.“

In Thüringen muss Marcel in einer Rüstungsfirma schuften. Zusammen mit anderen Arbeitern gründet er eine katholische Aktionsgruppe. Marcel und seine Kameraden beten, singen und feiern Gottesdienst. Das bleibt nicht unbemerkt. Und so stecken ihn die Nationalsozialisten ins Gefängnis. Im Oktober 1944 kommt er ins KZ Mauthausen. Dem Lager angeschlossen ist die „Außenstelle Gusen II“. Hier müssen die Häftlinge in einem unterirdischen Stollen am Bau eines neuen Jagdflugzeugs arbeiten. Unter unsäglichen Bedingungen. Die meisten sterben nach drei, vier Monaten. Die SS nennt das „Vernichtung durch Arbeit“. Marcel Callo wird misshandelt und erkrankt an Ruhr und Tuberkulose. Entkräftet und ausgezehrt stirbt er wenige Wochen vor Kriegsende.

1987 hat ihn Papst Johannes Paul II. seliggesprochen, als „Märtyrer der Arbeiterjugend“.

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18MRZ2026
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„Viel Erfolg“! Vor kurzem erst habe ich das einer Kollegin gewünscht. Sie musste sich um eine Fernsehübertragung kümmern und da gibt’s unglaublich viel zu organisieren. Viel Erfolg! Was ich ihr damit sagen wollte: Ich wünsche dir, dass alles so gelingt, wie du es geplant hast.

Nun ist das mit dem Erfolg so eine Sache. Ein Erfolg kann ja ganz vieles sein. Ein berufliches Projekt, wie bei meiner Kollegin. Das Fairnesskaufhaus in unserer Stadt, wo Leute für wenig Geld gute, gebrauchte Dinge bekommen. Oder auch konsequenter Naturschutz, wenn Pflanzen und Tiere plötzlich wiederkommen, die wir fast ausgerottet hatten. Auf der anderen Seite kann aber auch ein Krieg erfolgreich sein. Oder ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter schikaniert und ausbeutet. Und ein Garant für gute Laune ist Erfolg leider auch nicht. Manchmal spaltet er. Lässt die neidisch und gehässig werden, die nicht so erfolgreich sind wie andere. „Über deine Erfolge freuen sich deine Eltern. Über deine Misserfolge freuen sich alle anderen“, meinte der Autor Harald Martenstein mal spöttisch in einem Interview.

Der große jüdische Religionsgelehrte Martin Buber war deshalb skeptisch beim Wort „Erfolg“. Erfolg, so hat Buber mal gesagt, sei für ihn „keiner der Namen Gottes“. Das heißt: Wenn irgendwas super läuft, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch gut und wünschenswert ist. Dass es Menschen nützt, ihnen Zuversicht gibt, im Sinne Gottes ist. Wer Schlechtes tut. Wer rücksichtslos mit Menschen und Natur umgeht, kann nicht mit Gott rechnen, selbst, wenn er noch so erfolgreich erscheint. 

Für mich heißt das: Als gläubiger Mensch sollte ich besonders wachsam sein, wenn ich mal wieder sage: Viel Erfolg. Es kommt halt drauf an, was damit gemeint ist.

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