« Zeige Beiträge 11 bis 20 von 6394 »
Ich muss gestehen, ein bisschen mulmig war mir schon zumute. Der Rucksack stand bereit, die Schuhe geputzt und die Zugfahrkarte war gebucht. Eigentlich alles bestens. Ich wollte zu einer Pilgertour aufbrechen. Das erste Mal. Ob ich das schaffe? Durchhalte, wenn die Füße weh tun, die nächsten Höhenmeter anstehen, mich verlaufe und kein Schatten in Sicht ist? „Das klappt schon“, meint meine Tochter. „Du wirst sehen“.
Das Wort Pilgern kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „in der Fremde sein“. Ja genau das macht mir so ein mulmiges Gefühl. Die Fremde, die reizt und gleichzeitig ist es das Unbekannte, das mir Angst macht. Beides rumort in mir und heute bin ich heilfroh, dass die Ängste ich nicht gebremst haben. Die Fremde, die unbekannten Wege, die Menschen, die mir zufällig begegnen, die Stille, die einfachen Unterkünfte – alles Erfahrungen, die mich bereichert haben. Und über all das, was mir scheinbar zufällig auf den fremden Wegen begegnet ist und sich ergeben hat, kann ich im Nachhinein nur staunen: Der Trinkbrunnen, der genau dann auftaucht, wenn die Wasserflasche fast leer ist. Die helfende Hand über den wackligen Steg. Und weil mir die Sprache fremd war, hab ich mich gefreut, wenn ich mich trotzdem mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch verständigen konnte und meist alles in ein herzhaftes Lachen mündete.
Die Bilder und Eindrücke der Pilgertour bleiben in mir. Und ich hoffe, dass sie mich stärken, wenn ich mich wieder mal fremd fühle. Dann kann ich mich erinnern, wie bereichernd das Fremde sein kann. Mit ein bisschen Mut und ganz viel Gottvertrauen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45246Michael, Raphael, Gabriel – drei Engel, die einen Namen haben. Heute ist ihr Gedenktag. Und diese drei werden in der katholischen Kirche als Erzengel bezeichnet.
Ganz ehrlich, mit dem Wort kann ich wenig anfangen. Das klingt in meinen Ohren verstaubt und altbacken. Erzengel bedeutet so viel wie „Oberengel“. Sorry, aber das ist nicht mein Fall. Soll es etwa auch noch bei den Engeln eine Hierarchie geben?
Ob mit oder ohne Namen, unter Engeln verstehe ich Boten zwischen Gott und den Menschen. Und diese drei, Michael, Raphael und Gabriel, sie stehen für ganz unterschiedliche Aspekte Gottes. Das wiederum finde ich schön und damit kann ich auch was anfangen.
Da ist Gabriel. Bekannt aus der Weihnachtserzählung. Er bringt Maria die Botschaft, dass sie ein ganz besonderes Kind zur Welt bringen wird.
Oder Raphael, der in der Bibel den Israeliten Tobit begleitet. Ganz unscheinbar, aber äußerst hilfreich.
Und schließlich Michael. Im letzten Buch der Bibel wird er als Kämpfer gegen das Böse vorgestellt.
Die Erzählungen zeigen mir, wie in dieser Welt schon ein Stück Himmel erfahrbar werden kann. Engel bringen mir Gott nahe, machen mir deutlich, wie sich Gott mitten in unserem Alltag zeigt. Manchmal überraschend, manchmal ganz versteckt oder auch ganz offensichtlich. Und das Beste: Durch Menschen wie du und ich. So kommt es, dass auch ich hin und wieder zu jemandem sage: „Du bist ein Engel“. Das kann die Nachbarin sein oder der Freund.
Es sind Momente, in denen ich spüre: Da ist jemand für mich da. Da kommt Hilfe zur rechten Zeit. Da hat jemand ein gutes Wort für mich eingelegt oder eine Hand ausgestreckt nach einer Auseinandersetzung. Und das finde ich weder verstaubt noch altbacken, sondern richtig gut!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45245Der erste Eindruck – der ist oft entscheidend. Wenn ich fremden Menschen begegne, zum Beispiel. Oder ein neues Kleidungsstück anprobiere oder auch, wenn ich einen fremden Raum betrete. Da achte ich meist sehr bewusst auf den ersten Eindruck.
So habe ich das bei einer Wanderung erlebt. Eher zufällig habe ich am Weg eine kleine Kapelle entdeckt. Ich war überrascht, dass die Tür offen war. Also bin ich hineingegangen. Langsam. Erst einmal bin ich stehen geblieben. Habe die Stille auf mich wirken lassen. Bin ein paar Schritte weiter gegangen und habe die Akustik ausprobiert und dann mit der Hand die alten Steine berührt. Es war schön, diesen Ort so behutsam zu erkunden, mich von der Atmosphäre berühren und den Raum auf mich wirken zu lassen. Ein erster Eindruck.
Ganz ähnlich war es auch bei meinem letzten Krankenbesuch. Ich wusste: Die Frau, zu der ich gerufen wurde, hat nicht mehr lange zu leben. Sie wollte noch einmal besucht werden und mit einer Seelsorgerin sprechen. Da ist klar: In so ein Zimmer gehe ich nicht einfach hinein. Da klopfe ich an. Warte einen Moment. Und dann taste ich mich langsam vor. Zu dem Menschen hinter der Tür. Zur Situation, die mich erwartet. Und ich versuche zu spüren, was jetzt dran íst – und was eben auch nicht. Dieser erste Eindruck ist mir besonders wichtig und er hilft mir, mich auf das, was kommt, einzustellen.
Für mich sind das sehr besondere Momente. Momente, die ich versuche, ganz bewusst wahrzunehmen. Höre. Rieche. Schaue. Spüre. Mich innerlich öffne für das, was mir begegnet. So wie in dem Krankenzimmer. So wie in der alten Kapelle. Wenn es mir gelingt, für einen Moment ganz da zu sein, dann ahne ich: Gott ist es jetzt auch.
Der erste Eindruck – der ist oft entscheidend. Wenn ich fremden Menschen begegne, zum Beispiel. Oder ein neues Kleidungsstück anprobiere oder auch, wenn ich einen fremden Raum betrete. Da achte ich meist sehr bewusst auf den ersten Eindruck.
So habe ich das bei einer Wanderung erlebt. Eher zufällig habe ich am Weg eine kleine Kapelle entdeckt. Ich war überrascht, dass die Tür offen war. Also bin ich hineingegangen. Langsam. Erst einmal bin ich stehen geblieben. Habe die Stille auf mich wirken lassen. Bin ein paar Schritte weiter gegangen und habe die Akustik ausprobiert und dann mit der Hand die alten Steine berührt. Es war schön, diesen Ort so behutsam zu erkunden, mich von der Atmosphäre berühren und den Raum auf mich wirken zu lassen. Ein erster Eindruck.
Ganz ähnlich war es auch bei meinem letzten Krankenbesuch. Ich wusste: Die Frau, zu der ich gerufen wurde, hat nicht mehr lange zu leben. Sie wollte noch einmal besucht werden und mit einer Seelsorgerin sprechen. Da ist klar: In so ein Zimmer gehe ich nicht einfach hinein. Da klopfe ich an. Warte einen Moment. Und dann taste ich mich langsam vor. Zu dem Menschen hinter der Tür. Zur Situation, die mich erwartet. Und ich versuche zu spüren, was jetzt dran íst – und was eben auch nicht. Dieser erste Eindruck ist mir besonders wichtig und er hilft mir, mich auf das, was kommt, einzustellen.
Für mich sind das sehr besondere Momente. Momente, die ich versuche, ganz bewusst wahrzunehmen. Höre. Rieche. Schaue. Spüre. Mich innerlich öffne für das, was mir begegnet. So wie in dem Krankenzimmer. So wie in der alten Kapelle. Wenn es mir gelingt, für einen Moment ganz da zu sein, dann ahne ich: Gott ist es jetzt auch.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45244Langsam öffne ich die Kirchentür der Christuskirche in Mainz – und bleibe staunend stehen. Denn vor mir – mitten in der Kirche – hängt eine riesige, leuchtende Weltkugel. Diese Weltkugel Gaia ist eine Kunstinstallation des britischen Künstlers Luke Jerram. Im Durchmesser misst die Kugel sieben Meter– sie ist also nicht zu übersehen. Entstanden ist sie aus hochaufgelösten Fotos aus dem Weltall. Und so fühlt es sich auch an: Als ob ich aus dem Weltall einen Blick auf unseren leuchtenden, blauen Planeten werfen darf.
Schaue ich mir die Kugel genauer an – dann sehe ich Wolken und Meere, ich erkenne, wo Wüsten und Wälder sind. Damit verändert sich meine Perspektive: Ich sehe keine Länder und Städte - sondern vor allem einen leuchtenden blauen Planeten.
Diese Weltkugel lässt mich Staunen. Mir fällt ein Lied des Sängers Marteria ein. Er singt: „Wir leben auf einem blauen Planet‘, der sich um einen Feuerball dreht. Mit ‘nem Mond, der die Meere bewegt. Und du glaubst nicht an Wunder?“
Nein, eigentlich habe ich mit Wundern so meine Schwierigkeiten. Aber mit diesem riesigen blauen Planeten vor meinen Augen, wird mir bewusst: Dass es diese Erde gibt und alles so zusammenspielt, dass Leben möglich ist – das ist doch ein Wunder! Ich weiß: Für all das gibt es naturwissenschaftliche Erklärungen wie den Urknall und die Evolution. Aber je mehr ich weiß, desto unglaublicher finde ich es, dass es diese Erde gibt.
Die Bibel erzählt, dass Gott diese Erde geschaffen hat – und als Gott fertig war, sieht er sich die Erde an und alles Leben auf ihr. Und auch Gott staunt und sagt: „Es ist alles sehr gut.“
Ich freue mich, dass ich diesen Blick noch bis zum 4. Oktober hier in der Mainzer Christuskirche genießen kann. Denn jedes Mal verändert das meinen Blick auf die Welt und unser Leben. Mir wird wieder bewusst: Ja, diese Erde – sie ist wirklich sehr gut. Diese wunderbare, zerbrechliche Erde. Dieser eine Planet, auf dem wir alle leben. Und ich merke: Ich glaube ja doch an Wunder.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45106Kennen Sie Elmar? Elmar ist ein Elefant. Aber kein grauer Elefant wie alle anderen. Elmar ist bunt kariert. Grün, rosa, gelb, blau – Elmar sieht aus, als ob ihn jemand kunterbunt angemalt hätte. Irgendwann merkt Elmar, dass alle anderen Elefanten grau sind und er der einzige bunte Elefant in seiner Herde ist. Er ärgert sich und möchte sein, wie die anderen: Grau und unauffällig, „normal“ eben. Wie er dann versucht, auch grau und scheinbar normal zu sein, davon erzählt ein Kinderbuch.
Wenn ich Kindern von Elmar vorlese, dann erkenne ich in der Geschichte von Elmar vieles von uns Menschen wieder. Wie ungern bin ich als Kind aufgefallen! Weil ich noch Klettschuhe hatte und keine coolen Sneaker. Besonders als Jugendliche wollte ich sein wie die anderen. Bloß nicht anders!
Zum Erwachsenwerden gehört dazu, einen guten Umgang damit zu finden, dass man ist, wie alle anderen und dass wir gleichzeitig alle unterschiedlich sind.
Vor einiger Zeit sagte eine Kollegin: „Wir sind alle anders anders.“ Den Satz habe ich mir gemerkt. Niemand ist „normal“. Wir sind alle auf unsere Weise anders. Und deshalb geht es im Leben nicht darum, sich möglichst gut an anzupassen und einzufügen. Sondern zu akzeptieren, wie man ist. Und andere sein zu lassen, wie sie sind. Und vielleicht gelingt es ja auch, die eigenen Besonderheiten als Stärke zu entdecken.
Beim Elefanten Elmar ist das ähnlich. Elmar probiert es aus, wie es ist wenn auch er sich in grauer Farbe wälzt und aussieht wie alle anderen. Elmar entdeckt, wie viel sich verändert. Die anderen Tiere erkennen ihn nicht. Er stellt auch fest, dass er manches besonders gut kann. Elmar kommt auf die besten Ideen und niemand bringt die anderen so zum Lachen wie er. Verhält er sich, wie alle anderen - ist es viel langweiliger! Elmar entdeckt: Er ist gut so, wie er ist.
In der Bibel bedankt sich ein Mensch bei Gott: „Gott, danke, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Psalm 139,14) Dieser Satz kommt mir oft in den Sinn, wenn ich die Elmar-Bücher vorlese. Gott, ich danke dir, dass ich – und alle anderen auch – von dir ganz einzigartig gemacht sind. Ich danke dir dafür, dass wir alle anders anders sind.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45105Was macht ein Zimmer eigentlich zu einem Wohnzimmer? Für mich braucht es in jedem Fall ein Sofa und eine Lampe mit gemütlichem Licht. Aber allein diese Möbel verwandeln einen Raum nicht automatisch in ein Wohnzimmer. Ich muss auch das Gefühl haben: Hier kann ich es mir gemütlich machen. Hier kann ich sein, wie ich bin. Hier ist Raum für Erholung, für ehrliche Gespräche, für echte Begegnungen. Im Wohnzimmer geht es darum, alleine oder miteinander eine gute Zeit zu haben.
In diesem Sommer haben wir als Kirchengemeinde ausprobiert, was passiert, wenn wir eine Kirche zu einem Wohnzimmer umgestalten. In der Kirche haben wir die Stühle zur Seite geräumt und den Raum neu eingerichtet: Mit Sofas und Sesseln, Liegestühlen und Sitzecken. Denn: In einer Stadt wie Mainz gibt es wenige Orte, wo man sich einfach aufhalten kann, ohne etwas zu konsumieren oder kaufen zu müssen. Und es gibt wenig Räume, wo völlig unterschiedliche Menschen einander begegnen.
Aber weil neue Möbel alleine nicht reichen, hat das Planungsteam Initiativen und Vereine, Nachbarn und Engagierte eingeladen, Veranstaltungen in der umgestalteten Kirche durchzuführen. Und so haben in der Kirche in den letzten Wochen unzählige Veranstaltungen stattgefunden: Chorproben und Salsa-Tanzkurse, es wurde gemalt, Pokémon gespielt und Yoga gemacht. Und dann gab es gemeinsame Gesprächsabende – über das, was uns Mut macht, wie wir mit dem Tod umgehen oder wo gesellschaftliches Engagement nötig ist.
Manch einer hat gefragt, ob so etwas in einer Kirche sein muss. Und ob es dahin gehört – schließlich sind Kirchen doch Gotteshäuser. Für mich schließt sich beides nicht aus – in der Kirche Gottesdienst feiern und die Kirche mit Leben füllen. In der Bibel sagt Jesus: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (Joh 4,2 Basisbibel) Bei Gott findet jede und jeder Raum. Das heißt für mich auch: Kirchen sollen einladend sein, Menschen sollen sich willkommen fühlen. Sie sollen das finden, was sie brauchen – um gestärkt und inspiriert weiterzugehen. Und wir haben erlebt: Kirchen können so etwas sein wie das Wohnzimmer für alle.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45104Die Sommerferien liegen bereits einige Wochen hinter uns. Der Herbst winkt am Horizont. Es wird kühler und dunkler. Im September ist auch die Tag-Nacht-Gleiche. Das heißt: rund um den 23. September sind Nacht und Tag gleich lang. Auf dieses Datum fällt der Herbstanfang.
Untersuchungen von Psychologen haben gezeigt, dass Tiere und auch Menschen auf diesen Wechsel in den Jahreszeiten reagieren. Im September macht sich eine nachdenklichere Stimmung breit. Man kehrt sich mehr nach innen. Das kann dich auf der eine Seite melancholisch stimmen. Auf der anderen Seite liegt darin eine Chance, die man auch „September-Reset“, also September-Neustart, nennt.
Etwas auf Reset, also auf Neustart setzten, ist hilfreich, „wenn wir es lernen Bilanz zu ziehen, über unser Leben nachzudenken und die Zukunft zu entwerfen.“
Im Leben eines Christenmenschen gibt sowieso einen Reset. Dieser Neustart heißt Taufe. Denn mit der Taufe ist die Idee verbunden, dass der Mensch ein neues Leben mit Gott beginnt. Weil es aber die Taufe nur einmal im Leben gibt, darum hat der Kirchenreformer Martin Luther gesagt: du sollst dich immer wieder in deine Taufe hineinversetzen. Luther hat für hineinversetzen, das Wort hineinkriechen benutzt – wahrscheinlich, weil er es inniger fand, oder weil er sagen wollte, dass du schon gar nicht mehr aufrecht gehen kannst und mit letzter Kraft in die Taufe kriechst. Und dann: Reset. Frage dich: Was war? Was solltest du möglicherweise verändern? Und dann: neu anfangen. Erfrischt und belebt.
Gerade jetzt, sechs Wochen nach den Sommerferien, ist mein Alltag wieder turbulenter denn je. Einen September-Reset könnte ich gut gebrauchen, um neu ausgerichtet in die letzten vier Monate des Jahres zu gehen. Auch wenn die Arbeit das gerade nicht so will, der Herbst wird mich schon dahin bringen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45222Ich war in einem Konzert mit dem Titel "Henry & Harry". Gemeint waren der Komponist Henry Purcell und die Romanfigur Harry Potter. Zwischen den beiden liegen 300 Jahre, sie konnten sich also nicht kennen. Außerdem gab es den einen wirklich, und der andere ist erfunden.
In dem Konzert wurden Stücke aus Henry Purcells barocker Oper "Dido und Aeneas" und Filmmusik aus den Harry Potter-Filmen gespielt. Manch ein Liebhaber von klassischer Musik wird darüber die Nase rümpfen, und wer auf zeitgenössische Filmmusik steht, denkt möglicherweise: "Bleib mir weg mit dem Klassik-Zeug." Und dann hat es doch ganz großartig zusammengepasst. Aber das musste ich erst einmal erleben. Es ist halt wie im echten Leben, wo ich schneller "aber" sage als "und".
In der Bibel gibt es eine Prophezeiung für eine Zukunft, in der alles gut und heil werden wird. Da lese ich: "Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes." (Lukas 13,29) Es kommen nicht nur die aus dem Westen oder dem Süden, sondern sie kommen aus allen Himmelsrichtungen in eine gemeinsame heilvolle Zukunft. Hier hat das Wörtchen "und" eine total starke Wirkung.
Selbst wenn das ein Satz aus der Bibel für die Zukunft ist, finde ich: Es lohnt sich bereits heute, die Kraft des Wörtchens "und" auszuprobieren. Mehr "und" denken und sagen – weniger "aber".
Probieren Sie es doch mal aus, wenn sie sich heute mit einer Person unterhalten, die eine andere Meinung hat. Reagieren Sie auf die andere Meinung nicht mit "aber", sondern mit "und". Lassen Sie die Meinung Ihres Gegenübers stehen und stellen Sie ihre Meinung einfach daneben. Ich bin sicher, das verändert das Gespräch und die Stimmung. Weniger Konfrontation. Trauen Sie sich. Im Konzert hat es mit Henry und Harry doch auch geklappt, und es hat wunderbar geklungen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45221Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Das merke ich besonders in den letzten Jahren, seitdem der Krieg in der Ukraine das Thema mehr ins Bewusstsein gerufen hat. Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat davon gesprochen, dass die Gefahr eines Krieges wächst. Der Bundestag hat die Verteidigungsausgaben im Haushalt erhöht. Der Wehrdienst soll reaktiviert werden. Der Bundesverteidigungsminister hat gesagt: „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein."
Noch ist der Krieg bei uns in Deutschland zwar abwesend, aber so richtig wie Frieden fühlt es sich auch nicht an. Es liegt Bedrohung in der Luft. Denn Frieden ist eben mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Ich merke: Wir müssen wieder friedenstüchtig werden.
Heute ist der internationale Weltfriedenstag. Ein internationaler Gedenktag, den die Vereinten Nationen im Jahr 1981 ausgerufen haben. Ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit soll es sein. Aber nicht nur heute darf der Weltfriede ein Thema sein. Es reicht auch nicht, wenn nur die Waffen schweigen. Frieden muss gemacht werden.
Aber wie geht das? Ein Weg zum Frieden geht so, dass wir üben, gut miteinander umzugehen. Dazu gehört vor allem: miteinander zu reden, und zwar ehrlich und offen, auf Augenhöhe. Es ist wichtig, Dinge anzusprechen, statt sie unausgesprochen mit sich herumzutragen.
Doch es geht um mehr, als um bloßes miteinander reden. Genauso wichtig sind Zuhören und Wahrnehmen. Auch das muss man üben. Frage dich beim nächsten Streitgespräch mal selbst. "Habe ich wirklich verstanden, welches Bedürfnis mein Gesprächspartner oder meine Gesprächspartnerin hat?" Genau hinhören. Da steckt oft mehr hinter den Worten als es auf den ersten Hinhörer scheint.
Was hier für einen Streit zwischen zwei Menschen gilt, das darf man übrigens auch zwischen zwei Staaten üben. Das nennt man auch Diplomatie, und es hilft, um wieder friedenstüchtig zu werden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45220Anfang August traf mich die Nachricht vom Tod des Extrembergsteigers Nirmal Purja. Er starb mit seinen Kollegen im pakistanischen Hochgebirge unter einer Lawine. Nirmal Purja war ein Extremsportler, der es liebte, die Grenzen des Menschenmöglichen zu verschieben. Als erster Bergsteiger bestieg er alle vierzehn Achttausender innerhalb von nur sieben Monaten.
Extremsportler wie ihn gibt es viele auf der Welt. Sie gehen an ihre Grenzen und schaffen oft unglaubliche Dinge. Sie gehen Risiken ein, bei denen ich und andere nur mit dem Kopf schütteln können.
Solche Menschen faszinieren mich. Denn es geht ihnen nicht allein um den sportlichen Erfolg. Sie suchen nicht nur Rekorde, sondern vor allem sich selbst. Wenn ich meinem möglichen Tod ins Auge blicke, zum Beispiel bei einer gefährlichen Bergbesteigung, dann ist jede Selbsttäuschung dahin. Dann sehe ich mich so, wie ich bin. Eine solche Erfahrung verändert das Leben, das ist sicher.
Auch im christlichen Glauben spielt die Frage, wer ich selbst bin, eine wichtige Rolle. Denn nur wenn ich weiß, wonach ich mich sehne oder verstehe, wovor ich Angst habe, kann ich gute Entscheidungen für mein Leben treffen. Ein bedeutender Heiliger hat deshalb gesagt: Wenn du wissen möchtest, wer du bist, stelle dir vor, du liegst auf deinem Sterbebett. Wer möchtest du dann gewesen sein?
Mich dem Gedanken auszusetzen, das ich sterbe, kann heilsam sein. Das klingt zunächst absurd. Aber nicht nur die Extremsportler scheinen zu erahnen, dass da was dran ist. Umso tragischer, wenn manche dafür mit dem Leben bezahlen müssen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45146


