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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Viele Menschen haben um diese Tageszeit Hektik: schon unterwegs im Auto zur Arbeit oder noch zuhause und alles vorbereiten für Kita, Schule, Arbeit und so. Frühstück, Klamotten, wo ist der Autoschlüssel, wer macht was? Alltagshektik.
Kenne ich von früher, aber auch als Rentnerin renne ich durch meine Tage. Rentnerin kommt ja von rennen; habe ich mittlerweile kapiert.
Aber da ich ja Theologin bin, geht mir dann automatisch der schöne Text aus der Bibel durch den Sinn: Alles hat seine Zeit. Uralt, dieser Text, von 300 vor Christus ungefähr, und total aktuell.
Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben, pflanzen und ernten, weinen und lachen, schweigen und reden, Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. Für mich füge ich noch hinzu: rennen und ausruhen hat seine Zeit.
Als Rentnerin habe ich mehr Zeit als früher, das zu tun, was mir Freude macht. Aber eigentlich konnte ich schon immer Schönes auch im Alltag finden: sowohl in der Arbeit selbst als auch nach Feierabend. So geht es vermutlich den meisten Menschen.
Es gibt Zeit für alles, was wichtig ist. Fast jeden Tag gibt es schöne Momente. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, das auch zu bemerken, aber den Moment dafür gibt es immer.
Wenn ich sonntags mit Helga meine 10.000 Schritte gehe, dann besprechen wir immer die Sorgen der Woche, das blöde, was passiert ist, was uns belastet hat. Da gibt es genug. Und plötzlich unterbrechen wir, weil uns ein Spinnennetz mit Diamanten auffällt – Regentropfen, aber sie sehen aus wie Diamanten. Oder eine schnelle Raupe. Husch, ist sie am Wegesrand verschwunden.
Soviel Zeit muss sein, sagt man manchmal, um zum Beispiel beim Schauspieler Sean Connery den Sir hinzuzufügen: Sir Sean Connery.
Soviel Zeit muss sein, in aller Tageshektik den schönen Moment zu bemerken.
Auch heute.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42929SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
„Hallo Frau Peters“, schallte es über den Krankenhausflur. Ich war da erst drei Wochen die Krankenhaus-Seelsorgerin in Mayen und der Krankenpfleger hatte sich schon meinen Namen gemerkt. „Sie haben aber ein gutes Namensgedächtnis“. Er: „Ich hieß früher auch Peters.“
„Ach, haben Sie den Namen Ihrer Frau angenommen?“ „Meines Mannes.“
„Ja klar, blöd von mir, ich hab Sie beide doch schon zusammen gesehen. Wie heißen Sie jetzt?“ „Wiese.“ „Das ist auch echt schöner als Peters.“
Diese kurzen kleinen Kontakte im Krankenhaus schaffen Verbindung; ich liebe das.
Und was genau war da jetzt blöd von mir?
Na, dass ich ihn in eine Schublade gesteckt habe. Der „Norm“-Mensch heiratet jemanden des anderen Geschlechts und nimmt vielleicht den anderen Namen an. Männer heiraten Frauen und Frauen Männer, so haben wir das abgespeichert, obwohl wir eigentlich wissen, dass es auch Menschen gibt, die anders lieben.
Vielleicht war die Bemerkung von Herrn Wiese nicht nur die Wahrheit, sondern auch ein Test. Ich war ja in dem Moment die katholische Kirche in diesem Krankenhaus. Vielleicht wollte Herr Wiese testen, ob ich seine Lebensweise verurteile.
Wir haben uns danach öfters unterhalten. Er hatte schon seine Leidensgeschichte mit der katholischen Kirche, aber in den letzten Jahren ist es besser geworden, meinte er.
Wenn Gott diese ganze bunte Welt gewollt hat, dann sind in seinem Herzen Liebende jeder Couleur abgebildet. Und nicht nur Liebende, sondern auch die ganzen anderen Verschiedenheiten, die wir in der Welt entdecken: Männer und Frauen, Reiche und Arme, verschiedene Hautfarben und Religionen, alle möglichen Menschen.
Gott, so stelle ich mir vor, ist nicht einfältig. Er ist männlich und weiblich und divers.
Gott ist vielfältig.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42928Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ungefähr in der 10. Klasse bekamen wir die Möglichkeit, nach Englisch und Französisch auch Latein zu lernen. Ich war in den Lehrer verknallt, also entschied ich mich dafür.
Nur: meine Rechnung ging nicht auf, statt des jungen Französischlehrers, der Latein aus Spaß unterrichten wollte, bekamen wir Herrn Jakoby, einen schüchternen, etwas freudlosen älteren Herrn.
Nach einem längeren Schul-Vormittag noch freiwillig Latein zu lernen, das muss man auch wollen, aber wir hatten unsere Tricks, um die Stunde zu verkürzen. Das hatte was mit der Klassengemeinschaft zu tun – dieses Jahr haben wir 50 Jahre Abitur und wir treffen uns immer noch.
Wenn damals die 6. Stunde begann, fingen wir einfach an zu singen. Herr Jakoby war jungen Damen gegenüber schüchtern – oder er mochte den Gesang – oder er hatte auch keine Lust – jedenfalls wartete er vor der Klassentür, bis wir aufhörten: diese Stunden waren deutlich kürzer als 45 Minuten.
Ein bisschen Latein haben wir trotzdem gelernt.
Mir ist das durch den Kopf gegangen, weil ich so gemeinsame Aktionen wie das gemeinsame Singen heute nicht mehr so oft erlebe.
Die Vereinzelung der Menschen nimmt zu, man kann es auch positiv Individualisierung nennen, aber es hat zwei Seiten.
Sportvereine verlieren Mitglieder, die Leute gehen allein in die „Muckibude“. Die Parteien verlieren Mitglieder. Wer sich politisch engagieren will, schreibt Kommentare in die sozialen Netzwerke – oder engagiert sich auf Zeit in einer Bürgerinitiative. Die Kirchen verlieren Mitglieder. Wer einen religiösen Impuls sucht, geht spontan in die Kirche oder engagiert sich den Kindern zuliebe in der Kommunionvorbereitung, aber dann ist wieder anderes wichtig.
Ich will nicht rumheulen nach der guten alten Zeit, aber der Zusammenhalt „in echt“ war anders früher, intensiver vielleicht.
In Kirchwald gibt es verschiedene Gruppen. Ob ich vielleicht doch mittwochs mal zur Gruppe „Nadelspiel“ stricken gehe statt abends allein für mich zu stricken?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42348Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wenn Helga und ich sonntags unsere 10.000 Schritte tun, dann auch gern in den Thürer Wiesen in der Eifel. Wir nennen es „wandern“, weil wir ja Wanderschuhe anhaben. Hätten wir High Heels an, wäre es „spazieren gehen“. 10.000 Schritte eben.
Jedenfalls sind die Thürer Wiesen ein Paradies. In der Stille hört man Frösche und Kröten. Der Wind fegt oder säuselt durch die Schilfhalme. Auf den flachen Wassern glitzert die Sonne. Enten ziehen ihren Weg, Fliegen tanzen. Ein Traum.
Seit ein paar Jahren leben auch Wasserbüffel dort. Kost und Logis frei und sie machen ihren Job: halten die Flächen sauber von zu hoch wucherndem Grünzeug.
Dann passierte der Unfall. Ein LKW mit 30.000 Litern Öl im Tank kippte um und das Öl floss in die Natur. Obwohl blitzschnell viel Hilfe kam, lässt sich die Natur nicht so schnell in Ordnung bringen. Die Wasserbüffel hatten wenig Probleme. Aber die ganzen Wasservögel, Störche, Reiher, Enten. Und die Kleintiere: Fliegen, Lurche, Libellen, keine Ahnung, wie sie alle heißen. Die hatten echt Schwierigkeiten. Tranken Öl. Ihre Flügel verklebten sich. Manche erstickten unter den Öllachen. Ein großes Elend.
In Kirchwald ist die Wildvogelstation aufnahmebereit. Freiwillige fangen die Tiere und bringen sie in die Station. Dort werden sie gereinigt und gefüttert und beruhigt, bis in den Thürer Wiesen die Welt wieder einigermaßen in Ordnung ist.
Hier wird Geld gebraucht für Tierfutter und Reinigungsmittel und Spritkosten für die Transporte.
Und – oh Wunder – der Mensch, der seinesgleichen oft verachtet oder bekämpft oder hasst und niedermacht:
zu den Tieren ist der Mensch freundlich. Spendet Trost, gute Worte, Geld, tatkräftige Hilfe. Vor meiner Tür stand auch eine Tasche mit Decken und Handtüchern, die ich weitergeben sollte an die Wildvogelstation, da hab ich noch eine Tüte Vogelfutter dazu gelegt.
Ich finde es prima, dass Menschen Tieren in Not helfen.
Menschen in Not helfen, das finde ich auch gut.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42347Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Hallo Mechthild“, hörte ich einen Ruf auf dem Markt in Mayen.
Es war Reza, früher unser Nachbar in Kirchwald, ursprünglich aus dem Iran.
„Ich bin jetzt sieben“, teilte er uns mit.
Super, schon richtig groß, geht in die Schule, trug eine schicke Brille.
Wir waren da wegen einer Kundgebung zum Ende des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren.
Reza schaute sich die kleine Ausstellung an und entdeckte jemanden, den er kannte.
Den Namen wusste er allerdings nicht.
„Das war ein Böser“, sagte ich. „Adolf Hitler“.
„Warum war der böse?“, fragte er, wartete die Antwort aber nicht ab.
Das Interesse von Siebenjährigen geht schnell vorbei.
Wie wäre es vor 85 Jahren gewesen, also 1940 ungefähr?
Hätten freundliche Herren ihn angesprochen, woher er das Bild kennt? Und was seine Eltern ihm über diesen Mann erzählt haben?
Hätten seine Eltern einen Besuch der freundlichen Herren bekommen? Hätten sie den Hitlergruß zeigen und sich zum Führer bekennen müssen?
Hätten die Nachbarn erzählen können, dass die Eltern sich manchmal kritisch über die Regierung äußern? Und welche Folgen hätte das gehabt?
Finstere Zeiten damals, jeder konnte jeden verraten.
„Nie wieder“, der Ausdruck der Überlebenden von Buchenwald.
Und ich will auch, dass es nie wieder passiert.
Kein Genozid an Juden. Oder an anderen Menschengruppen.
Keine Konzentrationslager. Keine Ausgrenzung oder Tötung von Menschen mit Beeinträchtigungen. Von Schwulen. Von Sinti oder Roma.
Keine staatliche Mordmaschinerie. „Nie wieder!“
Alle Menschen sind gleich – vor dem Grundgesetz und vor Gott.
Ich bin seit vielen Jahren Blutspenderin. Niemand hat mich jemals gefragt, ob ich Jüdin bin oder nix glaube, niemanden hat meine Hautfarbe interessiert. Alle wollen nur wissen, welches Blut in meinen Adern fließt. A, B, AB oder 0.
In allen Menschen fließt nämlich der gleiche, kostbare Lebenssaft.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42346Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ich bin Jahrgang 1956 und mir war immer klar: mit 21 bin ich volljährig, darf wählen, alles. Also im Juli 1977.
Dann kam ein neues Gesetz zum 1. Januar 1975, das Volljährigkeitsalter wurde auf 18 festgelegt und am nächsten Tag war ich volljährig:
mit 18 einhalb, völlig unspektakulär, nix zu feiern, einfach so.
Und dann war im März 1975 Landtagswahl.
Mein Vater hatte mir zwar erklärt, wen ich wählen sollte, aber in der Kabine war ich allein und machte zum ersten Mal im Leben in voller Verantwortung als Erwachsene mein Kreuz auf dem Wahlschein. Was für ein Erlebnis.
Heute ist wählen nix Besonderes mehr. Jedenfalls denken viele in Deutschland so. Und manchen ist es lästig.
Mir nicht, ich will mitbestimmen. Ich will, dass unsere Mitwelt gut behandelt wird: die Erde, das Wasser, die Luft, Pflanzen und Tiere. Das ist nicht unsere Umwelt, sondern das sind alles Lebensgefährten in der großen Schöpfung Gottes.
Gerechtigkeit ist mir wichtig. In der Bibel steht: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Ich will, dass die sogenannten kleinen Leute die Unterstützung erfahren, die sie brauchen.
Religionsfreiheit ist mir wichtig. Ich lebe in meinem christlichen Glauben und ich will, das jüdische und muslimische Menschen auch ihre Religion leben können.
Eine Hilfe bei der Wahlentscheidung ist für mich gern der Wahl-O-Mat.
Eine Wahlentscheidungs-Hilfe im Internet, die mir Fragen stellt und meine Antworten mit denen der Parteien vergleicht. So erfahre ich in 15 Minuten, mit welcher Partei ich die größte Übereinstimmung habe. Die muss ich nicht wählen, aber ich kann.
Dann gehe ich auch genau 50 Jahre nach meiner ersten Wahl zufrieden in die Wahlkabine und mache mein Kreuz.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41542Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Als Frau Schmitt Montag morgens ins Pfarrbüro kommt, blinkt der Anrufbeantworter energisch. Oje, das fängt ja gut an, denkt die Sekretärin der Kirchengemeinde. Die Stimme der Anruferin ist ihr nicht bekannt, die Nachricht ist von Samstagabend. Die Stimme sagt:
„Ich bin so traurig. Ich bin ganz allein. Mein Mann ist vor einem Jahr verstorben und meine Kinder sind weit weg. Ich habe auch kaum Bekannte. Ich bin ganz allein.“
Man hört, dass die Stimme weint, dann fängt sie sich wieder.
„Ich brauche jemanden, mit dem ich reden kann. Aber es ist Samstagabend, alle sind mit ihren Familien und Freunden zusammen, da kann ich niemanden stören.
In der Kirche war heute Licht, da dachte ich: hier erreiche ich jemanden.“
Die Stimme bricht wieder kurz.
„Was mache ich bloß? Gibt es niemanden, mit dem ich reden könnte? Und der lange Sonntag kommt erst noch.“
Frau Schmitt ist voller Mitgefühl.
Aber sie hat keine Ahnung, wer das sein könnte.
Da hilft die Technik weiter: die Stimme hat keine Rufnummernunterdrückung und die Gemeindereferentin, der Pastor oder sie selbst, könnten die Stimme zurückrufen.
Die beiden anderen haben schon Termine für den Vormittag, also ruft Frau Schmitt selbst die Stimme an. Die meldet sich nur zögerlich mit „Ja?“ und Frau Schmitt stellt sich vor und erklärt, woher sie die Nummer hat. Da wacht die Stimme auf und freut sich. Das Telefon hatte schon sehr lange nicht mehr geläutet und sie ist es nicht mehr gewöhnt, zu telefonieren.
Aber jetzt erzählt sie, wie sie den langen Sonntag rumgebracht hat.
Ein Buch, eine Runde bügeln, ein Spaziergang, ein interessanter Film im Fernsehen.
Zum Abschied gibt Frau Schmitt ihr noch einen Tipp:
wenn es wieder ganz still ist, einfach die Telefonseelsorge anrufen. 0800 1110111
Da ist immer jemand zum Reden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41558Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

Als Frau Schmitt Montag morgens ins Pfarrbüro kommt, blinkt der Anrufbeantworter energisch. Oje, das fängt ja gut an, denkt die Sekretärin der Kirchengemeinde. Die Stimme der Anruferin ist ihr nicht bekannt, die Nachricht ist von Samstagabend. Die Stimme sagt:
„Ich bin so traurig. Ich bin ganz allein. Mein Mann ist vor einem Jahr verstorben und meine Kinder sind weit weg. Ich habe auch kaum Bekannte. Ich bin ganz allein.“
Man hört, dass die Stimme weint, dann fängt sie sich wieder.
„Ich brauche jemanden, mit dem ich reden kann. Aber es ist Samstagabend, alle sind mit ihren Familien und Freunden zusammen, da kann ich niemanden stören.
In der Kirche war heute Licht, da dachte ich: hier erreiche ich jemanden.“
Die Stimme bricht wieder kurz.
„Was mache ich bloß? Gibt es niemanden, mit dem ich reden könnte? Und der lange Sonntag kommt erst noch.“
Frau Schmitt ist voller Mitgefühl.
Aber sie hat keine Ahnung, wer das sein könnte.
Da hilft die Technik weiter: die Stimme hat keine Rufnummernunterdrückung und die Gemeindereferentin, der Pastor oder sie selbst, könnten die Stimme zurückrufen.
Die beiden anderen haben schon Termine für den Vormittag, also ruft Frau Schmitt selbst die Stimme an. Die meldet sich nur zögerlich mit „Ja?“ und Frau Schmitt stellt sich vor und erklärt, woher sie die Nummer hat. Da wacht die Stimme auf und freut sich. Das Telefon hatte schon sehr lange nicht mehr geläutet und sie ist es nicht mehr gewöhnt, zu telefonieren.
Aber jetzt erzählt sie, wie sie den langen Sonntag rumgebracht hat.
Ein Buch, eine Runde bügeln, ein Spaziergang, ein interessanter Film im Fernsehen.
Zum Abschied gibt Frau Schmitt ihr noch einen Tipp:
wenn es wieder ganz still ist, einfach die Telefonseelsorge anrufen. 0800 1110111
Da ist immer jemand zum Reden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41541Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Auf einer kleinen Wanderung in Kirchwald begegnete mir Max mit seiner Familie.
Er ist vier und wir freuten uns, uns zu treffen. Ich trage mehr Schmuck als seine Mama, das interessiert ihn. Am Finger meiner linken Hand glitzerte es türkis. Er gab mir zu verstehen, dass er das schön findet, also zeigte ich ihm auch an der anderen Hand einen Ring mit einem leuchtenden Stein.
Woher er weiß, dass manche Frauen Ohrringe tragen, keine Ahnung. Aber er prüfte meine Ohren und fand da auch Glitzerdinger, die ihm gefielen. Ein kleiner Fachmann.
Es war sonnig, aber kalt, und er trug Stulpen, aus denen die Fingerspitzen rausschauten. Die Finger seien kalt, er brauche richtige Handschuhe, meinte er. Ich zeigte ihm, dass ich mit der Faust in meine Stulpen reinpasse und dass so die Finger warm bleiben auch ohne Handschuhe. Er probierte es aus und war erfolgreich.
Die Mutter verfolgte leicht amüsiert unsere Fachgespräche. Das muss ja eine große Freude sein, wenn der kleine Wicht, den man gefühlt noch gestern auf dem Arm herumgetragen hat, jetzt ernsthafte Gespräche mit Erwachsenen führt.
Ein guter Trick von Gott, der es so eingerichtet hat, dass Menschen, Tiere und Pflanzen klein anfangen. Und dass speziell wir Menschen vielleicht ein besonderes Gen oder sowas in uns haben, das uns das Kleine lieben lässt.
Ein kleines Blümchen, einen Welpen, ein kleines Kind, da lächeln wir und empfinden Sympathie – jedenfalls die meisten.
Ich finde, Gott war ziemlich pfiffig, als er die Welt ins Rollen brachte.
Er kam ja auch selber als Baby in die Welt – und die Weisen aus dem Morgenland gingen nicht zum mächtigen König Herodes, sondern zu diesem kleinen Kind.
Ich glaube, wir tun gut daran, nicht auf das Große oder die Großen zu starren, sondern das Kleine zu schützen und zu lieben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41557Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Auf einer kleinen Wanderung in Kirchwald begegnete mir Max mit seiner Familie.
Er ist vier und wir freuten uns, uns zu treffen. Ich trage mehr Schmuck als seine Mama, das interessiert ihn. Am Finger meiner linken Hand glitzerte es türkis. Er gab mir zu verstehen, dass er das schön findet, also zeigte ich ihm auch an der anderen Hand einen Ring mit einem leuchtenden Stein.
Woher er weiß, dass manche Frauen Ohrringe tragen, keine Ahnung. Aber er prüfte meine Ohren und fand da auch Glitzerdinger, die ihm gefielen. Ein kleiner Fachmann.
Es war sonnig, aber kalt, und er trug Stulpen, aus denen die Fingerspitzen rausschauten. Die Finger seien kalt, er brauche richtige Handschuhe, meinte er. Ich zeigte ihm, dass ich mit der Faust in meine Stulpen reinpasse und dass so die Finger warm bleiben auch ohne Handschuhe. Er probierte es aus und war erfolgreich.
Die Mutter verfolgte leicht amüsiert unsere Fachgespräche. Das muss ja eine große Freude sein, wenn der kleine Wicht, den man gefühlt noch gestern auf dem Arm herumgetragen hat, jetzt ernsthafte Gespräche mit Erwachsenen führt.
Ein guter Trick von Gott, der es so eingerichtet hat, dass Menschen, Tiere und Pflanzen klein anfangen. Und dass speziell wir Menschen vielleicht ein besonderes Gen oder sowas in uns haben, das uns das Kleine lieben lässt.
Ein kleines Blümchen, einen Welpen, ein kleines Kind, da lächeln wir und empfinden Sympathie – jedenfalls die meisten.
Ich finde, Gott war ziemlich pfiffig, als er die Welt ins Rollen brachte.
Er kam ja auch selber als Baby in die Welt – und die Weisen aus dem Morgenland gingen nicht zum mächtigen König Herodes, sondern zu diesem kleinen Kind.
Ich glaube, wir tun gut daran, nicht auf das Große oder die Großen zu starren, sondern das Kleine zu schützen und zu lieben.
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