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13JUL2026
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Viel braucht es nicht: einige Tischtennisplatten, ein paar Stühle und Regale, Kaffeemaschine, eine immer gefüllte Keksdose – und ein leeres Ladengeschäft, in dem das alles Platz hat. Pingpong-Salon heißt das Projekt. Es lebt nicht hier, sondern in Neustrelitz an der mecklenburgischen Seenplatte. Aber ein solcher Pingpong-Salon würde überall passen. Denn dieser Salon ist ein Treffpunkt geworden, und für viele Menschen ganz wichtig. Er kostet keinen Eintritt. Niemand muss sich vorher anmelden. Man kann einfach hingehen. Immer findet sich jemand zum Tischtennis-Spielen oder zum Reden. Dieser Ping-Pong-Salon ist ein Ort für Gemeinschaft geworden. Wer kommt, kann tun, was ihm oder ihr guttut: einfach zusammensitzen, miteinander Karten spielen oder stricken oder was ihnen einfällt. Inzwischen hat sich das Angebot im ganzen Ort herumgesprochen - und nun gibt es dort auch gemeinsame Weihnachts-Abende, ab und zu Vorträge, Yoga-Übungen, Sing-Gruppen, Flüchtlings-Arbeit und mehr. Der Pingpong-Salon in Neustrelitz ist eine Art Marktplatz geworden. Hier können sich Menschen mit Menschen treffen. Der Rundlauf um die Tischtennisplatte ist das absolute Highlight geblieben. 

Nicht alleine zu Hause sitzen, sondern andere Leute treffen können – das ist einer der normalsten Wünsche der Welt. Wir Menschen sind Kontaktwesen. Wir brauchen Gespräche, gemeinsame Unternehmungen und Miteinander. Das findet sich in Vereinen, Chören, Kirchengemeinden, Volkshochschulen, auch Kneipen. Aber die gibts nicht mehr überall. In kleineren Orten ist manchmal viel vom früheren Gemeinschaftsleben eingetrocknet. Weil die Jüngeren weggezogen sind. Oder tagsüber weit entfernt arbeiten. Wie kriegen wir es also hin, dass die Menschen sich wieder treffen können, dass sie miteinander reden, sich bewegen, in Kontakt kommen? Ohne große Kosten, ganz niederschwellig?

Die Gründerin des Pingpong-Salons hat nicht gewartet, sondern ihre Idee einfach ausprobiert. Es hätte auch schiefgehen können. Aber bisher wird ihr Treffpunkt gut angenommen und entwickelt sich weiter. Ich finde einen Treffpunkt wie den Pingpong-Salon großartig. In der Form oder anders. Zum Nachmachen unbedingt empfohlen. Damit das Miteinander wieder rundläuft.

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10JUL2026
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„Ich bin ja nicht nachtragend, ich vergesse bloß nichts!“ Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Meist mit einem verlegenen Lächeln. Tja, eigentlich ganz lustig formuliert, aber doch irgendwie auch sehr ernst.

Ich merke oft, dass ich kein nachtragender Mensch bin, sondern bei Fehlern und Verletzungen von anderen wirklich vergeben und vergessen kann.

Aber ich habe auch gemerkt, dass ich mir selbst meine Fehler oft nachtrage. Dass ich mir selbst nicht verzeihen kann. Neulich zum Beispiel: Da bin ich am Telefon laut geworden. Ich war überfordert, gestresst. Die Situation hatte mich überrannt. Ich war darauf nicht vorbereitet. Und dann haben mein Bekannter und ich auch noch aneinander vorbeigeredet, haben uns gegenseitig nicht ausreden lassen. Da bin ich laut geworden und unsachlich. Ich habe es relativ schnell gemerkt, meinen Ton gewechselt und mich entschuldigt. „Alles gut“, hat mein Bekannter gesagt. „Wir haben es geklärt. Es ist vorbei. Entschuldigung angenommen.“

Das hat mich zwar beruhigt, aber ich konnte mir trotzdem selbst nicht verzeihen, habe mir das immer wieder vorgeworfen: „Warum bist du nur laut geworden? Warum ist dein Ton so verletzend geworden und deine Worte so unsachlich?“

Da könnte ich noch viel von Gott lernen. Denn Gott ist nicht nachtragend. In der Bibel beschreibt einer begeistert, wie nachsichtig Gott mit uns Menschen ist. Er sagt über Gott:

„Gibt es einen Gott, der so handelt wie du, der Schuld vergibt und Fehler nicht anrechnet? … Er wird wieder Erbarmen mit uns haben: Er wird unsere Schuld zertreten und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.“ (Micha 7,18-19)

Was für ein Bild! Gott stellt unsere Fehler nicht öffentlich aus, er trägt sie auch nicht nach, sondern er wirft sie ins tiefste Meer. Also dorthin, wo niemand sie mehr rausholen kann. Meine Fehler, alle Schuld, die ich auf mich geladen habe sind damit weg.

So ist Gott mit uns Menschen. Und wenn Gott uns Schuld vergeben kann, wenn ich anderen ihre Schuld vergeben kann, dann muss ich doch auch mir selbst verzeihen können. Das ist nicht einfach, aber ich kann es lernen. Wenn also das nächste Mal jemand zu mir sagt: „Sabine, alles gut. Entschuldigung angenommen! Vergeben und vergessen!“, dann will ich das wirklich ernst nehmen und mir selbst auch nichts mehr nachtragen. Denn ich muss nicht das wieder rausholen, was schon längst ins tiefste Meer geworfen wurde.

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09JUL2026
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„Baut eine Sänfte aus einer leeren Getränkekiste, zwei kurzen und zwei langen Dachlatten, einem Stuhl, einem Seil, Krepppapier und Luftballons. Zeichnet eine Skizze, baut dann gemeinsam und überlegt euch eine gute Präsentation für eurer Ergebnis.“

Diesen Arbeitsauftrag hat vor kurzem eine Gruppe Jugendlicher auf der Konfirmandenfreizeit bekommen. Gemeinsam sollten sie diese Aufgabe lösen. Nicht als Wettbewerb, sondern miteinander und jede und jeder sollte mitarbeiten.

Das war erst einmal schwierig: Sie haben alle durcheinandergeredet. Viele Ideen wurden genannt, aber sie haben einander wenig zugehört. Und manche haben einfach angefangen, irgendetwas zu machen. Bis eine gesagt hat: „Stopp, wir müssen uns unbedingt zuhören, jeder soll seine Ideen sagen und dann überlegen wir miteinander, welche die Beste ist.“

So haben sie es dann gemacht. Sie haben miteinander diskutiert und gemeinsam entschieden, wie die Sänfte aussehen soll: Der Stuhl dient als Sitz, die Kiste als Fußablage und die Latten müssen das Grundgerüst zum Tragen bilden. Jemand hat angefangen diese Idee aufzuzeichnen und die anderen haben sie dann umgesetzt. Sie haben es geschafft, miteinander eine Idee zu verwirklichen. Dabei wurde fröhlich gelacht und am Ende wurde das Ganze noch mit Luftballons und Krepppapier dekoriert. Die Jugendlichen haben zusammen etwas Wichtiges gelernt: Wenn einer nur seine eigene Idee durchsetzen will, kommt die Gruppe nicht voran. Nur, wenn man einander zuhört und miteinander arbeitet, dann gibt es ein Ergebnis, auf das alle stolz sind.

Als die Sänfte fertig war, dann die entscheidende Frage: „Wer hat so viel Vertrauen in die Konstruktion und in die Gruppe, dass er sich in der Sänfte tragen lässt?“

Einer der Jugendlichen hat sich schließlich hineingesetzt. Die anderen haben ihn vorsichtig getragen. Und plötzlich wurde aus ein paar Latten, einer Kiste und einem Stuhl etwas ganz anderes: ein Zeichen des Vertrauens.

Auch unser Glaube lebt vom Vertrauen. Niemand muss alles im Leben allein tragen. Wir brauchen Menschen, die uns zuhören, die mit uns gehen und uns tragen, wenn wir selbst nicht mehr können. Und manchmal dürfen wir selbst die sein, die andere tragen.

Jesus hat gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Ich glaube, er war auch an diesem Nachmittag dabei – zwischen Dachlatten, Luftballons und einer selbstgebauten Sänfte.

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08JUL2026
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Manche Dinge wiederholen sich regelmäßig. Irgendwer sucht bei uns immer irgendetwas. Mal sucht mein Sohn seine Fußballstutzen, mal suche ich mein Handy. Doch am allerhäufigsten ist der Haustürschlüssel verschwunden. Der Jubel ist groß, wenn das Verlorene wieder gefunden wird. Ich finde diesen Stimmungswechsel beeindruckend: Vom unruhigen Suchen übers hektische Rumgerenne im Haus, dem leisen oder lauten Vor-sich-Hingeschimpfe hin zur großen Freude und zum befreiten Gelächter. All die verlorenen Dinge bekommen plötzlich durchs Wiederfinden einen besonderen Wert: Die Fußballstutzen haben das Training gerettet, das Handy die Planung für den Tag und der Autoschlüssel ermöglicht den Ausflug zu den Großeltern.

Ich suche nicht gerne, aber die Freude danach ist immer wieder überwältigend. Jesus erzählt im Lukasevangelium von einer ähnlichen Situation: Eine Frau verliert eine von ihren zehn Silbermünzen. Das, was sie dann tut, kann ich so gut nachvollziehen. Sie stellt nämlich das ganze Haus auf den Kopf, zündet die Lampen an und kehrt alles durch. Das macht sie solange bis sie die Münze gefunden hat. Aber dann macht sie etwas, das ich so noch nie gemacht habe: Sie freut sich nicht nur, sie ruft auch noch ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und feiert ein Fest. Alle sollen sich mit ihr freuen, weil sie diese eine Münze wiedergefunden hat.

Ob Schlüssel, Münze oder Stutzen, all das sind alltägliche Gegenstände. Jesus erzählt die Geschichte von der verlorenen Münze, um uns zu erklären, dass Gott genauso ist wie diese Frau. So sehr wie sie sich freut, als sie ihre Münze wiederfindet, so sehr freut sich Gott, wenn ein Mensch, der verloren war, wiedergefunden wird.

Manchmal verlieren sich Menschen aus den Augen. Es gibt einige Freundinnen, die ich im Laufe der Jahre verloren habe. Aber manchmal passiert es, dass ich so eine verlorene Freundschaft wiedergewinne. Durch aktives Suchen oder weil ich gesucht werde. Nächstes Jahr feiert mein Schuljahrgang das 30jährige Jubiläum unseres Schulabschlusses. Darauf freue ich mich jetzt schon. Zurzeit suchen wir alle Schülerinnen, die mit uns gemeinsam Abitur gemacht haben und immer, wenn wir jemanden gefunden haben, dann ist die Freude groß. Wie groß wird erst die Freude und der Jubel dann beim Wiedersehen sein!

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07JUL2026
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„Der Segen ist das Beste am ganzen Gottesdienst!“ hat vor kurzem ein Jugendlicher zu mir gesagt. „Ja, klar, weil dann der Gottesdienst vorbei ist“, habe ich ihm flapsig geantwortet. Denn der Segen kommt ganz am Ende des Gottesdienstes. Dann, wenn alles gesagt, gebetet und gesungen ist. Aber das hat der Jugendliche gar nicht gemeint: „Nein, doch nicht deswegen. Sondern weil der Segen etwas Gutes ist und Gott mir das schenkt. Immer wieder.“

Ich war verlegen. Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Und zugleich war ich auch stolz auf diesen jungen Menschen, weil er so klar sagen konnte, was ihm der Segen Gottes bedeutet. Vielleicht kommt der Segen deshalb am Ende des Gottesdienstes. Denn der Segen erklärt nichts, fordert nichts. Gott schenkt uns einfach Gutes.

Im evangelischen Gottesdienst wird immer mit den gleichen alten Worten aus der Bibel gesegnet. Mit den Worten, die Gott Mose geschenkt hat, um den Menschen immer wieder Gutes zu sagen:

„Gott segne dich und behüte dich.“

Das sind Worte, die ich nicht erklären kann. Ich muss sie aber auch nicht erklären, weil sie nicht den Kopf überzeugen, sondern das Herz berühren wollen. Diese altvertrauten Worte, die immer wieder gesprochen werden, lösen in vielen Menschen etwas aus.

„Gott segne dich und behüte dich.“

Mich erinnern diese Segensworte immer an meine Konfirmation. An diesen einen besonderen Moment. Ich habe damals vor meinem Pfarrer gekniet, war aufgeregt, verlegen, habe nicht gewusst, wohin ich schauen, was ich machen soll.

Da hat er mir die Hand aufgelegt und mich gesegnet. Bis heute kann ich die Wärme spüren, die in dieser Geste gelegen hat.  Kann dieses Versprechen spüren, das mir fürs Leben gegeben worden ist. Da ist einer, der die Hand über mein Leben hält. Da ist eine, die mich behütet und begleitet. Gott mit seinem Segen. Ich kann diesen besonderen Moment nicht erklären, ich kann nur jedem wünschen, auch einen solchen Segensmoment erleben zu dürfen. Einen Moment, in dem man spüren darf: Du bist, gesegnet und reich beschenkt.

„Der Segen ist das Beste am ganzen Gottesdienst“. Und das Beste kommt bekanntlich oft am Schluss. Er stärkt, ermutigt, schenkt neue Kraft und erinnert uns einfach daran, dass Gott mit uns durch das Leben geht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: „Gott segne dich und behüte dich.“

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06JUL2026
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Beten ist etwas Besonderes. Diese kleine Szene zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat mir das wieder vor Augen geführt. Da haben Nationalspieler aus zwei verschiedenen Nationen zuerst gegeneinander gespielt und dann gemeinsam gebetet. Einfach so. Nach dem Schlusspfiff wurde aus dem sportlichen Duell eine betende Gemeinschaft.

Diese Verbindung durch den Glauben hat ein großes Echo in den Medien hervorgerufen. Viele Menschen haben über dieses gemeinsame Gebet mitten im Fußballstadion gesprochen, sich gewundert oder sich begeistern lassen. Plötzlich war das Beten, ob alleine oder gemeinsam, ein Thema, über das geredet und diskutiert wurde.

Mich hat das nachdenklich gemacht. Warum ist es mittlerweile so besonders in der Öffentlichkeit zu beten? Meine Erfahrung ist, dass ein öffentliches Gebet sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst. Das reicht von „Echt? Du betest? über „Boh, ist das altmodisch!“ oder „Oh, lass uns gemeinsam beten“ bis hin zu „Ey wie peinlich, kann man das nicht zuhause machen!“.

Mein Glaube gehört fest zu meinem Leben, beides lässt sich nicht voneinander trennen. Genauso ist das bei diesen Fußballspielern, die sich nach dem Spiel als Christen zusammengefunden haben. Sie haben ihren Glauben nicht versteckt, aber auch nicht inszeniert. Ihr Gebet kam von Herzen und sie sind ihrem Herzen gefolgt.

Jesus hat im Matthäusevangelium eine kurze Anleitung gegeben, wie wir beten können: Wenn du betest, dann stell dich nicht demonstrativ in die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass du beten. Mach dich nicht wichtig mit deinem Gebet, aber versteck dich auch nicht. Du brauchst auch gar nicht viele Worte für ein Gebet. Du darfst einfach mit Gott reden über all das, was dich bewegt, was dir das Herz schwer macht, wofür du danken willst und womit du haderst. (nach Matthäus 6,5ff)

Das macht Beten so besonders. Beten ist ein Gespräch, bei dem ich mich nicht verstellen muss, sondern so sein kann wie ich bin. Ich kann Gott geradeheraus sagen, wie es mir geht, worüber ich mich freue, an wen ich denke und für wen ich bete.

Manchmal geschieht das in der Kirche, im Restaurant, im Gottesdienst, auf dem Fußballplatz oder als stilles Gebet im überfüllten Zug: Und Gott hört zu – da bin ich ganz sicher!

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03JUL2026
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Jeder Mensch hat eine Zeitheimat. Ja, richtig gehört „Zeit“ und „Heimat“ in einem Wort.
Diesen Begriff habe ich neu kennengelernt und erstmal überlegt, was dahintersteckt. Man könnte ja spontan meinen, dass damit eine Heimat auf Zeit gemeint ist, also sowas wie eine Ferienunterkunft oder wenn man irgendwo zur Zwischenmiete wohnt. Das ist es aber nicht. Die „Zeitheimat“ meint eine Phase im eigenen Leben, die besonders prägend war. Die Zeit im Leben, die so etwas wie die Heimat der eigenen Persönlichkeit geworden ist.
Für die meisten Leute liegt die Zeitheimat in ihrer Jugend. Die Musik, die damals lief, welche Frisuren und Kleidung gerade in waren oder die eine Sendung, zu der sich wirklich alle vor dem Fernseher getroffen haben. All das und noch vieles mehr, sei es typisches Essen oder beliebte Hobbys, ergeben zusammen die Zeitheimat eines Menschen. Es ist die Lebensphase, in der man erste Schritte alleine geht und seine eigene Persönlichkeit immer mehr entfaltet.
In dieser Zeit entstehen viele Erinnerungen, die sich wohl tiefer festsetzen als andere. Vielleicht weil man in diesen Jahren vieles zum ersten Mal ganz für sich persönlich und eigenständig erlebt. Zum ersten Mal alleine mit Freunden in den Urlaub fahren, sich das erste Mal verlieben oder stolz auf den ersten eigenen Lohn sein. Und bei alldem das Gefühl zu haben, dass die Musik, Filme oder bestimmte Orte „die eigenen“ sind.
Bei mir war das Anfang der 2000er. Seitdem hat sich mein Geschmack verändert und über manche Outfits aus meiner Jugend kann ich nur noch herzlich lachen. Trotzdem habe ich eine besondere Verbindung zu genau dieser Zeit. Deshalb kann ich immer noch die Lieder aus meiner Jugend auswendig oder unterhalte mich
stundenlang mit meinen Freundinnen über Serien von früher, gemeinsame Erlebnisse oder wie revolutionär es damals war von einem Discman zu einem MP3-Player zu wechseln. Eben weil diese Dinge mit einem ganz bestimmten Lebensgefühl und einer Vertrautheit verbunden sind.
Die Zeitheimat ist viel mehr als Nostalgie. Sie ist ein Teil der eigenen Identität. So etwas wie ein Ankerpunkt, und ich kann mir Zeit nehmen und gedanklich immer mal wieder in diese Erlebnisse eintauchen. Einfach weil es dem Herzen guttut.
Die Heimat eines Menschen ist also viel mehr als nur ein Ort. Sie liegt in dem einen besonderen Lagerfeuerlied, im Gefühl mit viel zu weiten Schlaghosen zu gehen oder dem Geruch von Freibadpommes und Chlor. Und egal wie sehr sich die Welt verändert oder wo man zu Hause ist: Zu meiner eigene Zeitheimat kann ich immer wieder zurückkehren. Und so gönne ich meiner Seele ein Stückchen Heimat.“

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02JUL2026
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Die achtzehnjährige Carla aus meiner Straße häkelt und stickt für ihr Leben gern. Friedrich ist ein Arbeitskollege meines Partners, er besteigt mit Anfang sechzig noch einen Sechstausender und die 94-jährige Rosemarie schreibt an ihrer Doktorarbeit. Allen dreien ist eines gemeinsam: Sie passen nicht in typische Altersklischees.
Vermutlich hören sie immer wieder Sätze wie: „Was? Das machst du in deinem Alter?“. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es für jedes Alter bestimmte Dinge gibt, die man tut oder eben besser lässt. Und wenn jemand da nicht reinpasst, sorgt das schnell für Verwunderung. Eigentlich schade, denn ob ich etwas kann oder mir zutraue, hängt doch nicht nur vom Alter ab. Das findet auch die katholische Kirche hier im Südwesten, oder genauer gesagt das Erzbistum Freiburg.
Schon seit April finden zwischen Mannheim und Konstanz Veranstaltungen statt, immer unter dem Motto „Respekt kennt kein Alter!“, wie zum Beispiel am 14. Juli in Rastatt. Es geht darum, dass jüngere und ältere Menschen miteinander ins Gespräch kommen, eigene Vorurteile und Altersbilder hinterfragen und erleben: Wir können viel voneinander lernen.
In Zeiten in denen von „konservativen Boomern“ und der „faulen Generation Z“ gesprochen wird, hält die Freiburger Kampagne dagegen. Denn wer mit solchen Begriffen um sich schmeißt, steckt Menschen oft in Schubladen, bevor man sie überhaupt richtig kennengelernt hat. Menschen sind so viel mehr als ihr Alter und irgendwelche Klischees. Eine Doktorandin muss nicht 26 sein.
Natürlich gibt es Lebensphasen, die von ähnlichen Erlebnissen geprägt sind, z. B. wenn man kleine Kinder hat und wahnsinnig gefordert ist und gleichzeitig auch so viele schöne Momente erlebt, wenn Kinderaugen strahlen. Oder wenn man im Alter merkt, dass manches mühsamer wird, aber man gleichzeitig auf viele Erfahrungen
zurückgreifen kann und deshalb so viel gelassener ist. Es ist schön, wenn man sich dann mit Gleichgesinnten austauschen kann und diese Gemeinsamkeiten einander näherbringen.
Trotzdem wird es niemandem gerecht, wenn jemand pauschal von „den Alten“ und „den Jungen“ spricht. Umso besser, wenn ich auf dem Schirm habe, dass nicht jeder ältere Mensch technikfern sein muss. Und nicht jeder junge Mensch auf TikTok oder anderen sozialen Medien lebt.
Und ganz sicher entdecken diejenigen überraschend viele Gemeinsamkeiten, die nicht darauf schauen wie alt jemand ist, sondern was einen Menschen begeistert, beschäftigt oder antreibt. Das merke ich selbst immer wieder, wenn ich in der Boulderhalle meine Klettergruppe treffe und da Jutta dabei ist, die mit Mitte Fünfzig ihre Leidenschaft fürs Klettern entdeckt hat.
Meinen Respekt kriegen alle, die einander zuhören und voneinander lernen, ganz egal wie alt sie sind.

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01JUL2026
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Was es heißt mit dem Guten zu rechnen, daran hat mich eine Café-Mitarbeiterin erinnert. Sie hat mir gezeigt, dass es viel verändern kann, wenn ich mit einem warmherzigen Blick durch die Welt gehe.
Es war in Mannheim in einem Café und ich habe gerade einen Cappuccino bestellt. Meine Karte hatte ich schon gezückt, da sagt die Kellnerin zu mir: „Wir nehmen leider nur Bargeld“. „Mist“ geht es mir direkt durch den Kopf, denn ich habe keins mehr. Kaum noch 50 Cent im Geldbeutel, wie unangenehm. Mein Kopf rattert und ich überlege hektisch wie ich am schnellsten zum nächsten Bankautomaten komme. Ich setzte schon an: „Ohje, das tut mir jetzt leid…“ da meint die Kellnerin freundlich und ganz entspannt zu mir: „Kommen Sie doch einfach morgen nochmal vorbei und zahlen Sie den Kaffee dann.“ Ich bin total verblüfft und freue mich gleichzeitig riesig! Die Kellnerin und ich, wir kennen uns nicht und trotzdem vertraut sie darauf, dass ich wiederkomme und den Kaffee bezahlen werde.
Man könnte jetzt sagen: gut, das sind ja nur ein paar Euro, wenn die nicht zurückkommen, davon geht kein Laden pleite. So eine große Sache ist das nicht. Aber für mich ist es das schon. Denn hinter der kleinen Geste steckt eine ganze Lebenshaltung und die Frage wie ich mit Menschen umgehe. Ob ich eben von vorne herein misstraue, oder erst mal mit dem Guten rechne.
Laufe ich direkt weiter, wenn mich unterwegs jemand anspricht oder höre ich mir erstmal an, was er oder sie zu sagen hat? Wird ein frischgebackener Papa von seinem Chef für voll genommen, wenn er nach Entlastung fragt, weil gerade alles zu viel ist? Und nimmt ein Team die Vorschläge einer jungen Kollegin ernst, auch wenn sie noch gar nicht lange im Betrieb ist?
Ich kann jeden Tag neu entscheiden, ob ich zuerst das Risiko sehen will oder das Gute. Es geht mir um dieses erste Wollen. Das, was ich bewusst erwarte.
Natürlich wäre es naiv, wenn ich allem und jedem grenzenlos vertraue. Ich rede hier auch nicht davon zu allem ja zu sagen ohne auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Aber ich weiß, dass ein liebevoller Blick auf die Welt guttut. Er ist auch etwas typisch Christliches: Weil ich fest davon überzeugt bin, dass Gott in jedem Menschen erstmal sein ganzes Potential sieht, deshalb kann ich das auch.
Den Kaffee habe ich natürlich am nächsten Tag bezahlt. Aber das Wichtigste, was ich aus dem Café mitgenommen habe, war die großherzig entspannte Reaktion der Kellnerin: Kommen Sie doch einfach morgen wieder!“

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30JUN2026
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Als eine Freundin von mir schwanger war, hat sie ihrem engsten Freundeskreis Kerzen geschenkt. Und als dann die Wehen losgegangen sind, hat sie kurz Bescheid gesagt… Da haben wir sie alle angezündet. Mein Nachbar hat das für seinen verstorbenen Schulkameraden im Internet gemacht, mit einer digitalen Kerze auf einer Gedenkhomepage. Und meine Kollegin pflegt in ihrer Familie eine andere schöne Kerzentradition: sie lassen immer, wenn jemand Geburtstag hat, die Taufkerze von demjenigen brennen.
Menschen zünden aus ganz unterschiedlichen Gründen Kerzen an. Manche weil sie dankbar sind, andere weil ihnen eine schwierige Aufgabe bevorsteht, oder weil sie an einen lieben Menschen denken, der nicht mehr da ist. Kerzen zeigen immer, dass man sich innerlich mit jemandem verbindet und das soll auch von außen sichtbar werden. Besonders deutlich wird das, wenn nach einem tragischen Ereignis irgendwo ein Meer aus Lichtern brennt.
Die Theologin und Autorin Annette Jantzen greift diesen Gedanken auf. Sie hat eine ganz besondere Bezeichnung für die Kerzen gefunden, die jemand mit einem besonderen Anliegen aufstellt. Sie nennt sie „die Merkposten Gottes“. Damit meint sie einerseits, dass Kerzen von uns Menschen als Erinnerungsstützen für Gott gedacht sind, damit er niemanden vergisst und kein Anliegen verloren geht. Und andererseits, erklärt Annette Jantzen weiter, können solche Kerzen auch als Zeichen von Gott für uns Menschen verstanden werden. Dass wir zumindest „ein bisschen“ sehen können, dass Gott an uns denkt und an das was uns umtreibt. Glück oder Sorgen.
Mir gefällt dieser Gedanke. Wenn Kerzen brennen, dann ist das ein Hinweis für Gott und für mich. Das passt, denn jede bewusst angezündete Kerze erzählt davon, dass jemand an einen anderen Menschen denkt. Wie bei der Kerze, die ich für meine
Freundin angezündet habe mit der Hoffnung dass bei der Geburt alles gut laufen wird.
Kerzen können auch für all das stehen, was man nicht in Worte fassen kann, das aber irgendwo zum Ausdruck kommen will. Natürlich wird nicht alles gleich gut sobald man eine Kerze anzündet. Man kann ja auch zweifeln an so einer Geste. Für mich jedenfalls sind Kerzen kleine Hoffnungsschimmer, ein zaghafter Wunsch nach Halt in einer Welt, die von vielen Unsicherheiten geprägt ist.
Wenn heute irgendwo mitten im Sommer eine Kerze auf der Küchenkommode steht, weil da jemand eine große Sorge hat, dann flackert da ein Merkposten Gottes. Und alle kleinen Lichter zusammen zeigen, dass kein Mensch mit seinen Gedanken und Gefühlen allein bleiben muss. In jeder Kerze, die bewusst aufgestellt ist leuchtet ein Hinweis Gottes, der sagt: „Ich bin da. Das könnt ihr euch ruhig merken.“

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