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Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
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02JUL2022
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Manchmal sind die Sorgen schon früh am Morgen übergroß. Wie man damit umgehen kann erzählt Pfarrer Hinrich C.G. Westphal:

„Der Automobil-Pionier Walter Chrysler soll seine täglichen Sorgen aufgeschrieben haben und in einer kleinen Schachtel auf seinem Schreibtisch abgelegt haben. Wenn er diese Sorgenschachtel nach einigen Wochen wieder öffnete, konnte er die meisten seiner Befürchtungen in den Papierkorb werfen: Sie hatten sich von selbst erledigt oder waren längst vergessen. Diese handfeste Entsorgung kann natürlich nicht bei allen Problemen klappen, aber die Halbwertzeit der meisten Sorgen ist doch erfreulich gering. Das wusste offenbar auch Jesus, als er sagte: „Macht euch keine Sorgen um den morgigen Tag, er wird schon für sich selber sorgen. Es ist genug, wenn jeder Tag seine eigene Last hat.“

Hinrich C.G. Westphal in: Mein MutMachBuch

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01JUL2022
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Engel sind nicht nur himmlische Wesen. Manchmal sind sie sogar am Essener Hauptbahnhof unterwegs. Davon erzählt Christina Brudereck:

„Eine kleine Szene am Essener Hauptbahnhof. Zwei Männer. Sehr verschieden. Blauer Anzug, Aktentasche. Rutschende Hose, Parka. Ich kann beide riechen. Boss-Rasierwasser und Schweiß mit Pipi. Herr Anzug holt sein silbernes Zigarillo-Mäppchen raus. Herr Parka fragt: „Gibst du mir auch eine?“ Herr Anzug guckt ihm sehr direkt, fast fordernd in die Augen und sagt: „Dir? Dir geb ich sogar drei!“ Herr Parka und ich können es kaum glauben: Drei Rillos! Und dann sind da drei, die lachen. Anzug, Parka und ich. Die ja nur danebensteht. Eine doppelte Schmarotzerin des Glücks; zu geben und zu ergattern. Zu teilen und einzuheimsen.“

Christina Brudereck, TrotzKraft

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30JUN2022
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Damit es ein guter Tag wird kommt es auch darauf an, wie wir in den Tag starten. Anselm Grün sagt die Lebenslust beginnt am Morgen:

„Der Engel der Lebenslust beginnt schon am Morgen damit, mir die Augen zu öffnen für das Geheimnis des Tages, für die kleinen Freuden, die für mich bereitliegen, für die frische Luft, die durch das offene Fenster einströmt, für meinen Leib beim Duschen, für das frische Brot beim Frühstück, für die Begegnung mit Menschen, mit denen ich heute zu tun habe. Der Engel der Lebenslust nimmt mich an die Hand und zeigt mir, dass das Leben in sich schön ist. […] Es macht Spaß, frei durchzuatmen. Und es ist eine Freude, die täglichen Überraschungen des Lebens bewusst wahrzunehmen.“

Anselm Grün in: Mein MutMachBuch

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29JUN2022
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In unserer hektischen Zeit kann eine Schnecke ein Vorbild sein. So sieht es die Pfarrerin Elke Dangelmaier-Vincon:

„Gott segne euch mit der Weisheit einer Schnecke. Sie kommt langsam voran und erreicht doch ihr Ziel. Gott segne euch mit der Geborgenheit der Schnecke. Sie hat Raum für sich allein und weiß genau, wann sie Rückzug braucht. Gott segne euch mit der Offenheit der Schnecke. Sie streckt die Fühler aus in die Welt und findet, was ihr gut tut.”

Elke Dangelmaier-Vincon in: Mein MutMachBuch

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35645
28JUN2022
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Elli Michler hat besonders schöne Geburtstagswünsche für alle, die heute Geburtstag haben. Aber auch für alle anderen gilt:   

„Ich wünsche Dir, weil du Geburtstag hast, dass dich die Lust und Freude erfasst, teilzuhaben am Wunder des Lebens und zu wissen als dankbarer Erdengast: Keine Stunde war jemals vergebens. Ich wünsche dir, dass unterm Wolkenzug dich die Schatten nicht zu schwer drücken, dass du frei bist und mutig genug, getrost in die Zukunft zu blicken. Ich wünsche dir, dass du stets neugierig bleibst auf alle sich öffnenden Wege und Ziele und dass du dich dennoch nicht völlig zerreibst in des Lebens gefährlichem Spiele. Ich wünsche dir, zwischen dem Kämpfen und Streiten auch jene stillen und ruhigen Zeiten, in denen du spürst, dass das Leben sich lohnt, dass du im Lieben die Sterne berührst und dass Gott, den du suchst, in dir wohnt. “

Elli Michler in: Mein MutMachBuch

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35644
27JUN2022
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Mal anders denken, als man es gewohnt ist. Das tut gut. Weitet den Blick. Susanne Niemeyer hat eine Idee dazu:

„Bildet Paare: Vegane Köchin und Schweinebauer. St.-Pauli und HSV-Fan. Landmensch und Großstadtliebhaberhin. Fragt: Frau, die Kinder will und Frau, die anderes will. Fahrradfahrer und Autofan. Romantiker und Realistin. Diskutiert: Abtreibungsgegner und Vergewaltigte. Bibeltreue und Freidenker. Aktionärin und Müllsammler. Bleibt neugierig: Geflüchtete und Nationalist. Pfarrerin und Mönch. Lasst gelten: Impfskeptiker und Virologin. Transmensch und Kreationist. Kreuzfahrer und Rucksackreisende. Mensch und Mensch. Versteht ihr?“

Susanne Niemeyer in: Matthias Lemme und Susanne Niemeyer, Luft nach oben. Der Sonntagskalender, edition chrismon

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26JUN2022
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Zur Welt gehört der Sonntag. Seine Geschichte erzählt Susanne Niemeyer so:

„Als Gott die Welt baute, war er abends sehr erschöpft. So was macht man nicht alle Tage, und gut sollte es ja auch werden. Gott vermaß die Erde, nähte die Decke aus Gras, züchtete Fische und Tauben, säte Gemüse und Ringelblumen, strich den Himmel blau (nachdem er es erst in Beige versucht hatte, aber das bleibt unter uns), schuf Wohnraum, kümmerte sich um fließend Wasser, fand die ersten Mieter und versuchte auch sonst an alles zu denken. Fast ging ihm die Puste aus. „Hast du nicht was vergessen?“, fragte der Engel mit der Nelke im Knopfloch. „Wann machst Du nichts?“ Da erschuf Gott den Sonntag. Gut, dachte der Engel zufrieden, und über die 30-Stunden-Woche reden wir beim nächsten Mal.“

Susanne Niemeyer in: Matthias Lemme und Susanne Niemeyer, Luft nach oben. Der Sonntagskalender, edition chrismon

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07MAI2022
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Fast 40 Jahre hat sie nicht über das gesprochen, was ihr passiert ist. Das hat eine Überlebende des Holocaust erzählt. Schüler durften ihr Fragen stellen und haben gefragt, wie sie es geschafft hat, mit dem Erlebten klar zu kommen. Sie hat gesagt, dass die Realität zu schlimm war. Sie konnte darüber nicht reden. Sie musste verdrängen, wie viele Tote sie sehen musste, dass ihre Mutter in ihren Armen starb und was die Nazis mit Juden gemacht haben.

Aber irgendwann war es möglich und sie konnte darüber sprechen und seitdem erzählt sie ihre Geschichte. Sie geht in Schulen und zu verschiedenen Veranstaltungen und erzählt und erzählt und erzählt. Damit das nicht wieder passiert, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie erzählt nicht, um andere anzuklagen, sondern um aufzuklären. Sie will, dass Schülerinnen und Schüler merken, dass sie eine Verantwortung haben. Nicht, weil sie Deutsche sind. Sondern, weil sie Menschen sind und Menschen füreinander einstehen sollten.

Auf dem Heimweg denke ich: Wie gut, dass die Frau Ihre Stimme wiedergefunden hat und erzählt. Denn diese Botschaft nehmen wir mit: Füreinander einstehen - Mensch für Mensch. Unabhängig von Religion, Hautfarbe oder anderen Merkmalen, die eine Unterscheidung sein könnten. Damit niemand mehr erleben muss, was die Frau erlebt hat.

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06MAI2022
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Boah sieht die alt aus. Das habe ich gedacht, als ich eine frühere Klassenkameradin getroffen habe. Und gleich nach dem Heimkommen habe ich geschaut, ob ich auch so alt aussehe. Natürlich nicht. Aber es hat mich doch noch lange beschäftigt.

Altwerden ist nicht leicht. Graue Haare und Falten werden mehr und die Kraft und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Das muss man erstmal aushalten. Diejenige, die alt wird und derjenige, der dabei ist und sie begleitet. Mir fällt das manchmal schwer. Dann werde ich ungeduldig, wenn der ältere Herr beim Einkaufen so lange braucht, bis er sein Geld zusammen hat oder bis die ältere Dame endlich eine Parklücke gefunden hat.

„Bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet“. Das wird über Gott in der Bibel gesagt. Mich tröstet das irgendwie.

Gott ist und bleibt derselbe. Egal, wie alt ich werde. Gott verliert mit mir nie die Nerven. Er hat nicht irgendwann keine Kraft mehr. Er hat sogar so viel Kraft, dass er immer für mich da ist und mich trägt, wenn ich nicht mehr kann. Und das gilt für mich und für alle um mich rum, die auch alt werden.

Ich finde, so kann ich ganz zuversichtlich sein. Über meine grauen Haare freue ich mich zwar immernoch nicht. Aber die Lachfalten, die dürfen mehr werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35332
05MAI2022
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„Ausweis bitte“. An der Grenze zwischen Österreich und Deutschland gab es plötzlich eine Kontrolle im Zug. Ich hatte das vorher noch nie erlebt. Ich kenne Europa nicht mit Grenzkontrollen. Wegen Corona wurde zwar auch im Zug kontrolliert, aber das war irgendwie ein anderes Gefühl. Der Krieg in der Ukraine hat das Zusammenleben verändert.

Für mich ist die Idee der Europäischen Union etwas sehr Gutes. Ich genieße es frei reisen zu können. Aber es gibt ja viel mehr, was dahintersteht. Jetzt sieht man, wie zerbrechlich diese Gemeinschaft ist und wie schwierig es ist Frieden zu wahren. Und besonders schwer auszuhalten ist dabei, dass ich selbst manchmal gar nichts dazu beitragen kann, dass Frieden herrscht.

„Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Dieser Satz steht in der Bibel. Paulus hat ihn gesagt. Er versucht zu klären, wie Zusammenleben klappen kann.

Menschen sind ja verschieden. Das sieht man im Kleinen, aber auch im Großen - an den verschiedenen europäischen Ländern. Es gibt unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Mentalitäten, unterschiedliche Denkweisen. Und auch wenn das total bereichernd ist, kann es mitunter schwierig sein.  

„Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ Auch wenn es gerade so aussieht, als ob es nicht immer möglich ist Frieden zu halten: Paulus Satz bleibt wichtig. Als tägliche Herausforderung. Im Kleinen und im Großen. Und als Ziel. Wenn viele an dieses Ziel glauben, dann hilft es vielleicht dabei, dass in Zukunft wieder die Gemeinsamkeit im Vordergrund steht und es Frieden gibt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35331