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SWR3 Worte

13JUN2026
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Wir sind ständig Erwartungen von Menschen ausgesetzt.  Das gehört zum Alltag dazu. Und es macht müde. Josephine Teske kennt das. Die Pfarrerin hat für solche Situationen ein Gebet geschrieben:

„Gott, mich macht es müde, wenn ich daran denke, mich irgendwie verändern zu müssen – zum Besseren oder was auch immer, mich neu zu denken. Was ich brauche, ist keine Perfektion. Was ich brauche, ist Liebe. Frei will ich sein von der Erwartung, das Leben müsste besser sein, von den Rechnungen, Sorgen, meinen Rollen. Dich brauche ich, Gott, dass du in mir wirkst!“

Josephine Teske, Unsere Réstistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben

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SWR3 Worte

12JUN2026
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Christsein findet überall statt. Daheim, in der Kirche und in der Öffentlichkeit.  Christsein bedeutet auch das Leben zu genießen. Dazu hat der Pfarrer Siegfried Eckert einen passenden Segen geschrieben: 

„es segne uns der gemütliche gottvater
Sein angesicht leuchte humorvoll über allen
es segne uns sein wasser in wein verwandelnder sohn
was heute noch groß und wichtig erscheint ist bei ihm morgen schon nichtig und kleine
es segne uns der heilige geist der seine gemeinde mit begeisterung trunken machte
er gewähre unserem tun und lassen die nötige gelassenheit
gott gebe uns eine fröhlichkeit die nicht alles bierernst nehmen muss
und die seele in sonnigen gärten vor halbvollen krügen auf belastbaren bänken entspannt baumeln lässt.“

Siegfried Eckert, neulich küsste ich gott. Berührende gebete, edition christmon, 2017

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SWR3 Worte

11JUN2026
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Manchmal sind es gar nicht die großen Aufgaben, die anstrengend sind. Manchmal ist es einfach nur der Alltag, der anstrengend ist.  Das kennt auch der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Deshalb bittet er am Morgen:

„Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin. Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.[…] Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.“

Antoine de Saint-Exupéry, in: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Gedanken, die gut tun

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SWR3 Worte

10JUN2026
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Im Alltag kann der Blick für sich selbst verloren gehen. Wir sind beschäftigt mit Arbeit, Familie und anderen tausend Themen. Wir können aber nur für andere sorgen, wenn wir auch für uns sorgen. Der Mönch Bernhard von Clairvaux sagt deshalb:

„Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.”

Bernhard von Clairvaux, in: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Gedanken, die gut tun

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SWR3 Worte

09JUN2026
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Menschen, die wir geliebt haben, sind schon gestorben und auch wir werden eines Tages sterben. Das kann Angst machen. Die Pfarrerin Tina Willms betet in solchen Momenten der Angst zu Gott: 

„Gott, einmal werde ich gehen müssen. Einmal werde ich nicht mehr da sein. Unvorstellbar, ich bin mir so selbstverständlich, dass ich mich nicht denken kann ohne den Tag nach dem Morgen. Ich will auf den Engel hoffen, der mich bewahrt, auch, wenn ich mir verloren gehe. Und ich will mich bergen in deinem Namen, der hinausreicht über die Zeit und uns aufnimmt wie offene Arme: „Ich bin da“.“

Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte

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SWR3 Worte

08JUN2026
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Wenn man um einen geliebten Menschen trauert, ist es oft schwer weiterzuleben. Ohne ihn. Die Pfarrerin Tina Willms erzählt von einem Besuch auf dem Friedhof und wie ein Engel ihr gezeigt hat, dass es weitergeht:

„Mein Blick fällt auf ein […] Grab: Dort ist ein lebensgroßer Engel zu sehen. Alles an ihm wirkt behutsam und offen. Er steht über denen, die an das Grab kommen, so scheint es. Sein Blick ruht auf ihnen, als wolle er sagen: „Weint ruhig. Ich sehe eure Trauer und kann sie verstehen“. Doch gleichzeitig weist seine Hand auch mit zarter und doch beharrlicher Geste ins Weite. Als gäbe er eine Erlaubnis, diesen Ort der Erinnerung auch wieder zu verlassen und sich der Zukunft zuzuwenden, dem neuen Land.“

Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte

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SWR3 Worte

07JUN2026
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Manchmal begegnen uns Engel im Alltag. Wir müssen nur die Augen offenhalten, meint die Pfarrerin Tina Willms:

„Manchmal, wenn ich durch die Stadt gehe, stelle ich mir vor, dass dort Engel unterwegs sind. Nicht nur zur Weihnachtszeit oder im Karneval, sondern auch an den ganz normalen Tagen. Versuchen Sie es ruhig, gehen Sie etwas langsamer und schauen Sie sich um. Nur lauter gewöhnliche Menschen, meinen Sie?
[…] Dass unter den Alltagsmenschen der ein oder andere Engel durch die Straße geht: ich halte es für möglich, durchaus. Denn unsere Schulterblätter: Sie könnten Flügelansätze sein. Engelsreste, die nicht nur erinnern an alte Zeiten. Nein, sie bergen auch Möglichkeiten für heute und morgen und jeden Tag, der noch kommt.“

Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte

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SWR3 Gedanken

30MAI2026
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Für Fußballfans beginnt morgen eine schwere Zeit. Die letzten Spiele in den verschiedenen Bundesligen sind gespielt, die Spiele um die DFB-Pokale sind vorbei und heute Abend ist das letzte wichtige Spiel. Das Champions League Finale. Dann ist erstmal Sommerpause.

Naja, so ganz stimmt das nicht. In knapp zwei Wochen beginnt ja die Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA. Nicht alle Fußballfans wollen diese WM-Spiele allerdings sehen. Schon im Vorfeld hat es große Diskussionen darum gegeben. Wie auch bei der letzten WM in Katar und davor in Russland. Es geht um Menschenrechtsverletzungen, Kriege und Hass gegen Einzelne. Das verdirbt vielen Fußballfans die Freude auf dieses Ereignis. Mir geht es genauso. Fußball ist für mich eigentlich mit Freude verbunden, Freiheit und Verbundenheit über soziale und andere Grenzen hinweg. Für Fans einer Mannschaft zählt nur, dass man gemeinsam jubelt und leidet. Da ist es erstmal egal, woher man kommt, was man arbeitet oder wen man liebt. Und das passt in diesen Tagen tatsächlich nicht so sehr zu den USA. Dort werden Menschen verfolgt, weil sie aus anderen Ländern kommen, weil sie sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, weil sie Menschen des gleichen Geschlechts lieben oder ihre politische Meinung zu deutlich äußern.

Aber auch in den USA gibt es Menschen, die genau für das einstehen, was mir auch wichtig ist. In Seattle soll deshalb und trotz vieler Proteste ein „pride-Tag“ rund um ein WM-Spiel stattfinden. Ein Tag, an dem Menschen einstehen für Liebe und gegen Hass. Für Menschenrechte für alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung und welcher politischen Einstellung.

Für mich passt das auch zu meinem Glauben. Ich glaube nämlich an einen Gott, der Menschen liebt. Alle. Bedingungslos. Und das kann ich auch beim Fußballschauen leben, sogar bei dieser WM.

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SWR3 Gedanken

29MAI2026
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Bald ist der sechste Todestag meiner Oma. Ich kann mich noch genau erinnern wie das damals war. Sie ist nachts gestorben. Es war in der Corona-Zeit und ich durfte sie vor ihrem Tod einige Tage lang nicht sehen. Als sie gestorben war, durfte ich nochmal zu ihr. Ich habe sie gesegnet. Ihr mit der Hand ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet und ein Gebet gesprochen.

Meine Oma hat an Gott geglaubt und daran, dass sie nach ihrem Tod bei ihm lebt. Sie hatte keine Angst vor dem Tod. Weil sie gehofft hat, dass es ihr bei ihm gut geht. Sie war alt und ihr Leben war schwer geworden. Bei Gott, so war ihre Hoffnung, gibt es kein Alter. Keine Schmerzen, kein Leid, keine Trauer.

Ich glaube das auch. Dass meine Oma jetzt bei Gott ist. Dass es ihr gut geht. Dass all das Schwere ihres Lebens keine Rolle mehr spielt. Das Schöne aber irgendwie noch präsent ist. So wie ich auch gerne an all das Schöne denke, das ich mit ihr erlebt habe.

In der Bibel wird das beschrieben, was meine Oma gehofft hat und an was ich glaube. Da steht: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Ich vermisse meine Oma heute immer noch. Aber der Schmerz über ihren Tod ist anders geworden nach sechs Jahren. Heute fallen mir viele Sprüche ein, die sie gesagt hat. Manches sage ich mittlerweile selbst. „Und damit Juck“ hat sie immer gesagt, wenn etwas für sie beschlossene Sache war.  Meine Oma ist jetzt bei Gott und damit Juck.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44473
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SWR3 Gedanken

28MAI2026
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Martin Luther King hat in den USA als schwarzer Pastor für gleiche Rechte für alle Menschen gekämpft. Gleich welcher Hautfarbe. Und das ohne Gewalt.

1963 hat Martin Luther King in Washington eine Rede gehalten. Sie beginnt mit den Worten „I have a dream“ und ist weltberühmt geworden. In seiner Rede sagt er: „Wenn wir die Freiheit erschallen lassen […], dann werden wir den Tag beschleunigen können, an dem alle Kinder Gottes – schwarze und weiße Menschen, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken – sich die Hände reichen und die Worte des alten […] Spiritual singen können: „Endlich frei! Endlich frei! Großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!“

Mich berühren diese Worte. Sie sind über 60 Jahre alt, aber gleichzeitig so aktuell. Heute würden wir neben den Juden und Heiden auch die Muslime nennen. Martin Luther Kings Traum ist teilweise wahr geworden, aber leider immer noch nicht ganz. Mittlerweile haben in vielen Ländern alle Menschen die gleichen Rechte. Ich habe aber trotzdem den Eindruck, dass wir Menschen wieder mehr die Unterschiede sehen als das, was uns verbindet.

Martin Luther King betont, dass alle Menschen Kinder Gottes sind. Und dass das wichtiger ist als alles andere. Deshalb sollen alle Menschen frei sein. Frei das eigene Leben zu leben. Ohne Einschränkungen, ohne Auflagen. Natürlich so, dass es dabei allen Menschen gut geht. Aber frei in den wesentlichen Entscheidungen.

Mit Martin Luther King träume ich davon, dass alle Menschen frei sein können. Dazu ist es notwendig darauf zu schauen, was uns als Kinder Gottes verbindet und einander die Hände zu reichen. Damit wir irgendwann gemeinsam singen können: „Endlich frei! Endlich frei! Großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!“.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44472
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