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SWR3 Gedanken

20SEP2025
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Der Herbst ist wieder da. Und dazu gehört, dass irgendwann die Nächte wieder kälter werden, es morgens nebelig ist, die Sonne nicht mehr die Kraft hat, die sie im Sommer noch hatte. Ich mag den Herbst und gleichzeitig vermisse ich schon jetzt den Sommer, die Sonne, die Abende draußen, auch wenn es ja trotzdem noch schöne sonnige Stunden gibt und es noch nicht so richtig kalt ist. Der Herbst ist so eine Zwischenzeit. Zwischen Sommer und Winter, zwischen Wärme, Sonne und Kälte, zwischen T-Shirt und warmer Jacke. Mir fällt es oft leichter, wenn etwas ganz klar ist. Kalt oder warm. Schön oder hässlich. Sommer oder Winter. Der Herbst passt nicht in das Schema. Und eigentlich ist das ja auch ganz gut. Das Leben ist ja auch nicht immer so oder so. Es ist eben auch dazwischen.

Für mich ist das auch mit meinem Glauben so. Glaube ist nicht immer totale Überzeugung und Begeisterung. Glaube ist auch oft einfach da. Mit Zweifeln aber auch mit einer großen Portion Hoffnung. Mit großen Fragen, aber auch mit Zuversicht und Vertrauen. Nicht heiß und kalt, sondern mehr so Herbst. Auch mit der dazugehörenden Veränderung.

Manchmal habe ich den Eindruck meine Zuversicht, dass alles gut wird, schwindet. Wie im Herbst die Sommerblumen und die Sonnenstunden. Ich weiß aber, dass sie da waren und auch wiederkommen im nächsten Jahr. Manche Überzeugung, die ist im Nebel verschwunden, ich weiß aber, dass sie noch da ist. Zum Beispiel, glaube ich, dass Gott uns Menschen begleitet. Manchmal kann ich das aber nicht erkennen, da ist vieles viel zu schwer. Gott ist da in gewisser Weise im Nebel. Aber er ist da.

Im Herbst gibt es auch viel Schönes. Neue Farben, frische Luft, schöne Feste. Das gehört auch zu meinem Glauben dazu. Neue Hoffnung, Momente, in denen ich spüre, dass Gott da ist und in denen ich das Leben feiern kann, das er mir geschenkt hat.

Herzlich willkommen, lieber Herbst!

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SWR3 Gedanken

19SEP2025
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Heute startet der 4. Spieltag in der Fußball-Bundesliga. In Stuttgart spielen der VfB und St Pauli gegeneinander. Beide Vereine setzen sich sehr für ein gutes Miteinander unter den Fans ein. Beide Vereine haben in ihren Stadien Awareness-Teams. Awareness bedeutet, aufmerksam zu sein, Bewusstsein zu zeigen und sensibel auf Probleme zu reagieren.

Nicht nur in Stuttgart wird darauf hingewiesen. Auch in Discos, Bars, auf Festivals und an anderen Orten, wo Menschen zusammenkommen. Dabei steht oft ein Spruch im Mittelpunkt. Er kommt aus einem Kinderbuch und heißt „“Wo geht’s hier nach Panama“.

„Wo geht’s hier nach Panama“ ist quasi  ein Codewort aus einer Kampagne für „Awareness“ „Wo geht’s hier nach Panama“ kann aus verschiedenen Gründen gesagt werden, ob sich jemand belästigt fühlt, ob jemandem aus anderem Grund unwohl ist oder ob jemand etwas Merkwürdiges beobachtet hat. Man kann sich ans Panama-Team wenden und die werden versuchen zu helfen.

Ich finde das eine tolle Sache. Natürlich vor allem für mich als Frau. Aber es kommen ja auch Männer in Situationen, in denen es ihnen nicht gut geht und es hilft, wenn jemand für sie da ist.

Wir leben in einer Welt, in der Grenzen und Regeln fürs Zusammenleben oft nicht eingehalten werden. In der Menschen nicht so miteinander umgehen, wie es notwendig wäre. Das ist schon so, seit es Menschen gibt. Schon lange vor Christus hat der Prophet Jesaja den Menschen gesagt: „Lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten.“

Das ist heute noch nötig. Die Awareness-Teams und „Wo geht’s nach Panama“ versuchen daran zu arbeiten, dass das umgesetzt wird. Dass keiner allein ist, wenn es ihm schlecht geht. Dass sexuelle Gewalt und Belästigung keinen Platz in unserer Gesellschaft mehr haben. Ich finde diese Idee klasse und bin froh, dass auch heute Abend in Stuttgart gilt.

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SWR3 Gedanken

18SEP2025
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Gegen 21 Uhr kommt Heinz. Durch den Nachbargarten kommt er angelaufen und man hört ihn schon aus einiger Entfernung. Meist läuft er dann zuerst zu seiner Futterschale und snackt von seinem Premiumfutter. Man hört ihn dann zufrieden vor sich hin schmatzen. Danach geht er zur Wasserschale und schlürft etwas Wasser. Auch das kann man gut hören. Meist bleibt er eine Weile zu Besuch, wechselt vom Schmatzen zum Schlürfen und zurück und irgendwann verabschiedet er sich dann in die Nacht.

Ich liebe diese Besuche von Heinz. Dem kleinen Igel, der abends vorbei kommt. Im Radio habe ich gehört, dass man sich um die Igel in den Gärten kümmern soll mit Futter und Wasser, weil sie in den Gärten unserer Zeit nicht mehr genug Nahrung finden. Also habe ich es mal probiert. Futter hingestellt und eine Vogeltränke und tatsächlich kommt seitdem Heinz regelmäßig zu Besuch. Auch Freunde machen das nun bei sich und ihr „Heinz“ kommt auch regelmäßig zum Snacken und Schlürfen vorbei.

Für mich ist das ein kleiner Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. Das ist Gottes Auftrag an uns. Dass wir uns kümmern sollen, um die Erde. Um die Tiere und Pflanzen und alles, was auf ihr lebt und wächst. So steht das in der Bibel: Wir dürfen die Erde bebauen. Wir sollen aber auch auf sie aufpassen und nicht auf Kosten aller anderer von ihr leben. In meinem kleinen Bereich kümmere ich mich. Um Heinz und andere kleine Lebewesen, die ich im Garten pflegen kann. Weil ich mich genauso an Heinz und seinem Schmatzen und Schlürfen freue, wie er sich an meinem Futter.

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SWR3 Gedanken

17SEP2025
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Manchmal ist das Leben fast unerträglich. Bei einer Diagnose, die das ganze Leben auf den Kopf stellt, wenn es Streit gibt ums Sorgerecht für das gemeinsame Kind. Oder wenn einem der Arbeitsplatz wegbricht. Da gibt es auch keine guten Worte, um irgendwie zu trösten oder zu helfen, denn die Situation ist erstmal furchtbar und so schnell lässt sich ja auch nichts ändern.

Und trotzdem muss das Leben weitergehen. Muss man weitermachen, kämpfen, leben. Mir helfen in solchen Momenten mein Glaube und die Hoffnung, die er mir gibt. Dass das, was wir jetzt erleben, nur ein Teil des ganzen Lebens ist und wir es nicht verstehen, weil wir das Ganze eben nicht sehen.

Der Apostel Paulus schreibt dazu einen Satz, der mir Mut macht: „Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.“

Alles, was wir jetzt erleben, das begreifen wir noch nicht richtig. Als würden wir es durch einen trüben Spiegel sehen. Das passt vor allem auf die schweren, schlimmen Erfahrungen. Es bleibt oft dunkel, stückweise, unklar und undeutlich. Paulus sagt aber, dass es dabei nicht bleibt. Später, das heißt nach dem Tod, da stehen wir Gott gegenüber. Und wenn er uns ansieht, dann ist vieles, was jetzt noch unklar ist, klar. Dann gibt es kein Dunkel mehr, keinen Schmerz und nichts, was wir nicht verstehen. Dann löst sich alles und es wird einfach gut sein. Mich tröstet das schon jetzt, weil Gott mich ja schon jetzt genau kennt. Nichts bleibt ungelöst, weil Gott alles zum Guten auflöst.

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SWR3 Gedanken

16SEP2025
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„Geht’s Ihnen gut?“ Das hat mich ein junger Mann gefragt. Er hat das sehr eindringlich gefragt. Ich hab ihn nicht gekannt und mich im ersten Moment gewundert. „Geht’s Ihnen gut?“. Er hat es nochmal gefragt und dabei mit seinem Kopf in Richtung meines Gesprächspartners gedeutet. Ich war im Gespräch mit einem anderen Mann, der hat mich ziemlich zugetextet.  Es war unangenehm und lästig. Das hat wohl der junge Mann gemerkt und das hat er mir mit seiner Frage und der Geste gezeigt.

Den Mann, der so viel geredet hat, den kannte ich. Die Gespräche mit ihm laufen immer ähnlich. Unangenehm und lästig, aber mehr nicht. Er bedrängt oder belästigt mich nicht. Das ist aber im ersten Moment tatsächlich nicht erkennbar. Nicht zu unterscheiden von einem Gespräch, das zu weit geht und unangemessen ist.

Dass dieser junge Mann erkannt hat, dass es eine unangenehme Lage ist und mir da raushelfen wollte, das hat mir sehr viel bedeutet. Es hat mich sehr beeindruckt, dass er so sensibel war und geholfen hat bzw. geholfen hätte.

Ich finde, genau das ist Nächstenliebe. Wenn jemand mit offenen Augen durch die Welt geht und sensibel ist für andere. Wenn jemand Verantwortung übernimmt, nicht nur für sich, sondern auch für Fremde. Ich wünsche mir, dass ich so sein kann wie dieser junge Mann. Dass ich sensibel bin und wahrnehme, wo andere vielleicht meine Hilfe brauchen.

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SWR3 Gedanken

15SEP2025
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„Nicht jede Behinderung ist sichtbar“. Das steht in London in den Zügen und Bussen im öffentlichen Nahverkehr, und zwar bei den Sitzplätzen für Menschen mit Behinderung - direkt neben dem Symbol mit dem Rollstuhl.  Mir hat das gut gefallen. Denn bevor es Ärger und Streit gibt, ob da einer nun zu Recht sitzt oder nicht, gibt der Spruch einen wichtigen Hinweis:  Ganz oft sieht man nämlich gar nicht, dass jemand eine Behinderung oder Beeinträchtigung hat und deshalb zurecht auf so einem Platz sitzt.

In der Bibel steht ein Spruch, der passt für mich dazu. Sinngemäß heißt es da: Rede für die, die sich nicht selbst bemerkbar machen können. Das Schild macht das auf seine Weise. Es macht darauf aufmerksam, dass wir eine Behinderung eben oft nicht sehen. Weil sie entweder wirklich unsichtbar ist, oder weil wir einfach nicht in der Lage sind die Schwäche der anderen zu sehen. Und es erinnert daran, dass es Menschen gibt, denen es nicht gut geht und auf die wir Rücksicht nehmen sollten. Viel zu oft machen wir das nicht. Auch, weil wir manche Behinderungen und Probleme eben oft nicht sehen.

Trotzdem sind sie da und die Menschen haben mit ihnen zu kämpfen.

Ich will mir das für hier in Deutschland merken, in der Straßenbahn und an anderen Orten. Es gibt Behinderungen, die ich nicht sehen kann und vielleicht sitzt gerade einer mit einer nicht sichtbaren Behinderung auf einem solchen Sitz in der Bahn. Böse Blicke oder Sprüche kann ich mir sparen. Ein freundlicher Blick oder das Angebot für Hilfe, wo sie sinnvoll ist, das wäre viel besser.

„Rede für die, die sich nicht selbst bemerkbar machen können“, denn „Nicht jede Behinderung ist sichtbar“.  

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SWR3 Gedanken

14SEP2025
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Morgen geht’s wieder los. In Baden-Württemberg beginnt das neue Schuljahr. Für mich ein neues Schuljahr ohne eine liebgewonnene Kollegin. Sie ist in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Sie wird mir fehlen im neuen Schuljahr, aber ein Spruch von ihr begleitet mich. Sie hat so ungefähr gesagt: Der geheime Lehrplan der Schülerinnen und Schüler ist es mit den unterschiedlichen Lehrerinnen und Lehrern klarzukommen. Und das gilt natürlich auch umgekehrt bzw. ganz allgemein: Der geheime Lehrplan an Schulen ist es, miteinander klarzukommen.

So ist das, wo Menschen zusammenarbeiten müssen. Auch im Beruf oder daheim. Das ist herausfordernd. Jeder und jede ist anders. Für mich: So verschieden eben, wie Gott uns geschaffen hat. Wir alle haben komische Eigenarten und Marotten. Lehrerinnen und Lehrer natürlich auch. Der eine legt Wert auf Pünktlichkeit, die andere auf ein leises Klassenzimmer, der eine kann gut mit lockeren Sprüchen umgehen, die andere ist total zugewandt und kann gut auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen. Das müssen die Schülerinnen und Schüler aber erstmal herausfinden, wer was fordert und wo was möglich ist. Und die Lehrerinnen und Lehrer müssen die Schülerinnen und Schüler erstmal kennenlernen und herausfinden, wer was gut kann und wer wo noch gefördert werden sollte.

Manchmal fällt das leichter und manchmal schwerer. An der Schule ist jeder Tag anders, weil wir alle jeden Tag unterschiedlich drauf sind und unterschiedlich motiviert. Ich wünsche allen, die morgen ihren ersten Schultag im neuen Jahr haben, dass es klappt mit diesem geheimen Lehrplan, dass sie miteinander klarkommen und es nicht nur um Noten und Bewertungen geht, sondern auch darum miteinander und aneinander zu wachsen. Ich glaube, dass Gott uns durch dieses Schuljahr mit seinem Segen begleitet. Das hilft beim geheimen Lehrplan auf jeden Fall.

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SWR3 Worte

12JUL2025
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Es zählt nicht immer nur, dass man etwas tut. Manchmal zählt auch schon der Wille, etwas zu tun - anderen zu helfen. Der Pfarrer Axel Kühner erzählt eine Geschichte dazu: 

„Eines Tages wurde der russische Dichter Iwan Sergejewitsch Turgenjew auf der Straße angesprochen, ein Bettler bat ihn um ein Almosen. Da durchsuchte er gründlich alle seine Taschen – aber ohne Erfolg, er hatte kein Geld bei sich. Betrübt entschuldigte er sich bei dem Bettler: „Brüderchen, ich habe wirklich nichts bei mir; somit kann ich dir leider nichts geben.“ – „Doch ich danke dir von Herzen, mein Bruder“, antwortete der Bettler und verneigte sich. „Wofür denn?“, staunte Turgenjew, „du hast doch gar nichts von mir bekommen!“ – „Aber ja, Bruder! Deine Gabe war reich und schön. Du hast mir ehrlich helfen wollen.“

Axel Kühner, Voller Licht und Leben. 265 Andachten

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SWR3 Worte

11JUL2025
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Es kann nur Gutes entstehen, wo die Liebe die Wurzel ist. Der Kirchenlehrer Augustinus formuliert das so:   

 

„Ein für alle Mal schreibt dir darum ein kurzes Gebot Folgendes vor: Liebe und tu, was du willst! Wenn du schweigst, schweige aus Liebe; sprichst du, so sprich aus Liebe; wenn du tadelst, tadle aus Liebe; wenn du verzeihst, verzeih aus Liebe. Die Wurzel der Liebe soll das Innerste deines Herzens sein: Aus dieser Wurzel kann nichts als Gutes hervorkommen.“

 

Quelle: Axel Kühner, Voller Licht und Leben. 265 Andachten, Neukirchner Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 2016. S. 174

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SWR3 Worte

10JUL2025
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Jesus sagte einmal: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben! Eine Geschichte von Pfarrer Axel Kühner erzählt auf lustige Weise, was Jesus gemeint haben könnte:

 

„In der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren Nonnen aus einem Kloster in Trier ab und an in das nahe Luxemburg, um dort Lebensmittel einzukaufen, die es damals in Deutschland nicht gab. Zu allerhand Nahrungsmitteln besorgten sie auch einige Pfunde guten Bohnenkaffee. Diese besonderen Schätze verstauten sie in ihrer weiten Ordenstracht, indem sie die Kaffeepäckchen unter die Arme einklemmten. Einmal gerieten sie in eine Zollkontrolle, und der Zöllner fragte die Nonnen streng, ob sie etwas eingekauft hätten. Eine Nonne sagte ganz offen: „Ja, wir haben mehrere Pfund Kaffee gekauft, aber den haben wir unter den Armen verteilt! Die Nonnen durften ungehindert weiterreisen.“

 

Quelle: Axel Kühner, Voller Licht und Leben. 265 Andachten, Neukirchner Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 2016. S. 121

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