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SWR4 Abendgedanken
„Diese Wand fliegt raus. Hier wird dafür eine neue hochgezogen. Aus welchem Material soll die sein?“
„Welche Fliesen sollen, eigentlich in die Bäder und wer besorgt die?“
„Wir haben hier ein Problem. Vier verschiedene Höhenunterschiede im Boden – was soll wir machen?“
Solche und ähnliche Fragen haben mich im vergangenen halben Jahr zuhauf erreicht. Als Kirchengemeinde haben wir unser Kirchengebäude modernisiert und umgebaut. Auf einmal war ich als Pastorin voll im Baugeschäft. Unzählige Entscheidungen mussten gefällt werden.
Keine leichte Übung und auf dem ersten Blick eher ein außergewöhnliches Arbeitsfeld für eine Kirchengemeinde und vor allem für eine Pastorin. Und gleichzeitig auch wieder nicht. Schon Jesus nutzt das Bild vom Haus bauen, um seine Botschaft bildhaft rüberzubringen. Lukas erzählt diese Geschichte in der Bibel so: Jesus sagte zu den Menschen: »Wer zu mir kommt und meine Worte hört und sie befolgt – der ist wie ein Mensch, der ein Haus baute. Er hob eine tiefe Grube aus und legte das Fundament auf felsigem Boden. Als es nun Hochwasser gab, prallten die Wassermassen gegen das Haus. Doch sie konnten es nicht erschüttern – so gut war es gebaut. Aber wer meine Worte hört und sie nicht befolgt: der ist wie ein Mensch, der sein Haus ohne Fundament direkt auf die Erde baute. Als die Wassermassen dagegen prallten, stürzte es sofort ein und wurde völlig zerstört.« (Lk 6,46-49)
Jesus will den Menschen mit dieser Geschichte zeigen, dass es klug ist auf das richtige Fundament zu setzen – beim Hausbau und im Leben. Dieses Bild vom Haus bauen, ist eindrücklich und lebensnah.
Ich erinnere mich gut daran, dass mir diese Geschichte schon als kleines Mädchen total gut gefallen hat. Sie war leicht zu verstehen. In der Kinderbibel mit schönen Bildern untermalt. Und natürlich wollte keiner von uns Kindern zu den Dummen gehören. Dieses Fundament, das damals in mir gelegt wurde, hält bis heute.
Mein Glaube ist mir wirklich zu einem richtig stabilen Fundament geworden. Selbst in Krisenzeiten habe ich mich immer wieder darauf zurückbesonnen, dass ich da nicht allein durchmuss. Habe mich neu verwurzelt in meinem Fundament – auf Gott und meinen Glauben.
Im Rückblick wird mir klar: in meinen Krisenzeiten wurde ich von Gott ganz neu gestärkt. Mein Fundament wurde sozusagen ausgebessert. Doch wie bei einem echten Haus auch, braucht es eben immer wieder Instandhaltungsmaßnahmen. Zeiten, wo ich mich bewusst Gott zu wende. Wo ich abchecke, ob ich weiterhin auf gutem Fundament stehe. Und so bin ich dann hoffentlich gut gewappnet für den nächsten Sturm.
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Letztes Jahr habe ich mir einen meiner größten Wünsche erfüllt: mein Mann und ich haben uns einen kleinen Wohnwagen gekauft. Und dieser kleine Wohnwagen ist für mich wahres Glück auf zwei Rädern.
Ich genieße es mit dem Wohnwagen unterwegs zu sein. Auf kleinstem Platz zu leben. Innerhalb von drei Schritten alles zu erreichen. Das Bett, die Kochnische mit Waschbecken und einen begehbaren Schrank. Mehr gibt es nicht. Ganz schlicht und einfach ist unser Wohnwagen gehalten. Und gepackt wird nur das Nötigste, wenn wir verreisen. Das funktioniert. Es reicht vollkommen zum Leben.
Früher hätte ich nie gedacht, dass mich sowas einmal glücklich machen würde. Mit wenig unterwegs zu sein. Neue Orte kennenzulernen und dabei bewusst langsam zu reisen. Mit Tempo 100 auf der Autobahn oder Landstraße. Oft auch nur mit 80, damit der Strom unseres E-Autos noch länger hält…
Doch diese Form zu reisen und zu leben, schenkt mir eine ungeahnte Freiheit. Wir sind flexibel, haben unser Zuhause stets dabei und müssen uns doch an jedem Ort auf neue Herausforderungen einstellen. Manchmal geht das ganz leicht: Da kommt man an und ist sofort zuhause. Ein anderes Mal dauert es, bis ich mich an den Campingplatz gewöhnt habe.
In der Bibel wird einmal erzählt, dass jemand Jesus unterwegs anspricht und zu ihm sagt: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst“ Und Jesus antwortet ihm: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.“ (Lk 9,57-58)
Im ersten Moment ist das eine ganz schön kryptische Antwort, die Jesus hier gibt. Doch ich glaube, Jesus will diesem begeisterten Menschen zugleich warnen und ermutigen.
Ganz nach dem Motto: wenn du mir nachfolgst, musst du dich darauf einstellen, flexibel zu sein – und zu bleiben. Du entscheidest dich nicht einmal und dann ist gut.
Glauben heißt veränderbar sein. Herausgefordert zu werden. Zu glauben und Jesus nachfolgen, heißt sozusagen zum Camper zu werden. Jederzeit bereit zu improvisieren….
In der Bibel wird nicht erzählt, ob sich dieser Mensch auf diese Lebensweise mit Jesus wirklich einlässt. Doch ich finde es ermutigend, mich auf solch einen Glauben und ein Leben einzulassen. Darauf zu vertrauen, dass Jesus und Gott mit mir unterwegs sind. Und zwar egal, wo ich gerade bin. Ob zuhause oder im Wohnwagen.
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Beständig und ruhig klappern die Stricknadeln vor sich hin. Masche für Masche nimmt die Strickjacke langsam immer mehr an Form an. Erst vor wenigen Wochen habe ich mal wieder angefangen etwas zu stricken. Und das nach 15 Jahren ohne Stricken!
Der Anfang war schwer: Wie war das nochmal? Rechte Masche. Linke Masche. Wie beginne ich eigentlich?
Doch nach und nach erinnern sich mein Kopf und meine Hände wieder daran, wie es geht. Mit jeder Reihe, die ich stricke, geht es leichter. Aus vollkonzentrierten Arbeiten wird nach und nach wieder entspanntes Abschalten und nebenher werkeln… Vor allem abends sitze ich seitdem wieder gern auf dem Sofa und stricke. Mit jeder Reihe erkenne ich mehr. Und ich freue mich darüber, dass das Muster immer besser erkennbar wird…
Während ich stricke, denke ich immer mal wieder auch über mein Leben nach. Mein aktuelles Strickprojekt hat so manche Parallele zu meinem Leben: In meinem Leben erkenne ich auch nicht sofort das Gesamtbild. Mal fällt eine Masche runter. Mal verrutsche ich in der Reihe. Muss wieder auftrennen und neu anfangen. Im Leben ist es genauso: Es läuft nicht immer alles geradlinig. Manchmal muss ich neu anfangen. Altes Vergessenes erst wieder neu entdecken und erinnern. Und mancher Neustart geht schwer von der Hand. Es dauert, bis ich wieder routiniert agieren kann. Und manchmal fällt es mir auch schwer dranzubleiben. Da frustet mich mein Alltag. Die Arbeit. Der Zeitdruck. Da frage ich mich, wofür das alles eigentlich gut ist. Wie diese Bruchstücke einmal zusammengefügt werden...
Doch ich bin nicht die erste, der es so ergeht. In der Bibel fragt sich ein Mann namens Paulus ganz Ähnliches. Im Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt er: „Denn was wir erkennen, sind nur Bruchstücke. (…) Wenn aber das Vollkommene kommt, vergehen die Bruchstücke. (…) Jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht.“ (1. Kor 13,9+10)
Paulus verwendet zwar ein anderes Bild als ich, aber es geht ihm um die gleiche Sache. Es geht darum die einzelnen Bruchstücke oder eben die einzelnen Maschen zusammenzufügen – bis ein Kunstwerk entsteht. Der Künstler dieses größten Werkes ist Gott.
Er hat uns Menschen geschaffen. Jede und jeden. Und ich glaube: Gott fügt alles zusammen. Voller Liebe verwandelt er, wo ich gescheitert oder falsch abgebogen bin. Verwebt es mit den schönen und guten Momenten und schafft so ein vollkommenes Bild. Ein Kunstwerk, das mich dann einfach nur staunen lässt.
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Das Feuer lodert ruhig vor sich hin. Mal raucht es stark, dann wieder große Flammen. Gemeinsam sitzen mein Mann und ich um die Feuerschale auf unserer Terrasse und beobachten das Züngeln der Flammen. Der Geruch von verbranntem Holz lässt mich dabei immer an mein Auslandsjahr vor knapp 20 Jahren in Schweden denken. Bei meinen Gasteltern hat das ganze Haus immer nach verbranntem Holz gerochen – kein Wunder, denn der offene Kamin brannte gefühlt die Hälfte des Jahres. Ich verbinde diesen Geruch deshalb mit nach Hause kommen, Gemütlichkeit und Wohlig-Sein.
Doch Feuer kann auch bedrohlich sein und Leben zerstören, wie der Prophet Joel zu Beginn des Prophetenbuches beschreibt. Dort schreibt Joel: Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen. Die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.“ (Joel 1,19-20)
Diese Worte lassen mich an diverse Waldbrände denken, die auch in diesem Jahr wieder verschiedene Regionen in der Welt niedergebrannt haben. Es ist die erschreckende andere Seite des Feuers. Die verzehrende Seite.
Auch bei Joel geht es um diese zerstörerische Seite des Feuers: Das Buch beginnt mit dem Rückblick auf eine wirtschaftliche Notsituation. Doch Joel hat eine Idee, wie man gemeinsam diese Misere beenden kann. Joel ist ein Prophet. Das heißt er vermittelt zwischen Gott und den Menschen. Er ist eine Art Botschafter und für ihn ist klar: Die Menschen sollen sich in ihrer Not an Gott wenden. Joel ist sich sicher: sobald die Menschen wieder auf Gott vertrauen und zu ihm beten, wird alles gut werden. Und tatsächlich: Gott sieht die Not der Menschen.
Der Prophet Joel behält also recht: Das Volk kehrt um und Gott wendet die Not zum Guten. Er schenkt Regen, um die Brände zu löschen. Das Volk feiert und jubelt daraufhin über Gottes Wirken. Gemeinsam singen sie: „Juble vor Freude, denn der Herr hat Großes getan! Denn er sorgte für Regen im richtigen Maß.“ (Joel 2,23)
In dieser biblischen Geschichte findet also alles ein gutes Ende. Das Feuer wird gelöscht. Die große Not abgewandt, weil Gott durch Regen im richtigen Maß hilft.
Die Worte des Propheten Joel ermutigen mich. Sie erinnern mich daran, dass Gott die Nöte der Welt sieht. Nicht immer erkenne ich direkt, wie er hilft, doch ich weiß, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann. Dass er niemanden in der Not alleine lässt. Selbst wenn alles hoffnungslos erscheint.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42920SWR4 Abendgedanken
Es gibt Momente im Leben, da schaut man zurück: Ich frage mich, was ist mir in meinem Leben bisher gelungen? Was misslungen? Wo sind Lebensträume in Erfüllung gegangen und wo sind sie wie Seifenblasen geplatzt? Für mich ist dieses Revuepassieren lassen eine Art inneres Aufräumen. Zurückzuschauen hilft, um Gegenwärtiges besser zu verstehen oder einordnen zu können. Auch der Apostel Paulus schaut immer mal wieder auf sein Leben zurück.
Paulus hatte ein sehr bewegtes Leben. Als junger Mann hat er die Christen verfolgt. Doch dann ändert sich sein Leben komplett. Bei der Stadt Damaskus hat er eine Vision. Jesus begegnet ihm. Er wird Christ. In einem seiner Briefe schreibt er, was das für ihn bedeutet hat, den christlichen Glauben kennenzulernen. Er fällt ein hartes Urteil: „Alles, was mir damals als Vorteil erschien, sehe ich jetzt – von Christus her – als Nachteil.“
Wie kommt Paulus zu solch einer negativen Lebensbilanz? Liegt es daran, dass er gerade mal wieder im Gefängnis sitzt und nicht weiß, wie lange er noch zu Leben hat? Oder liegt es an der krassen Lebenswende, die er vollzogen hat? Holt ihn das jetzt ein? Sozusagen zwischen zwei Glaubenstraditionen zu leben?
In verschiedenen Briefen schreibt Paulus begeistert und engagiert darüber, was dieses Erlebnis bei Damaskus für ihn bedeutet: „Christus ist mein ganzer Gewinn.“ Was für eine starke Aussage. Klar und prägnant. Scheinbar kein Funke des Zweifels. Oder findet Paulus hier gerade so deutliche Worte, um sich selbst zu überzeugen? Will er sich ganz sicher sein, dass er in seinem Leben für die richtige Sache gekämpft hat?
Alles andere ist zum Nachteil und wertlos geworden. Ich könnte auch sagen: es ist Paulus verloren gegangen. Und dann schwingt da auf einmal ein wenig Melancholie mit. Kein Wunder: Vermutlich hat Paulus ab und zu seinen Wurzeln nachgetrauert – oder versucht ihnen weiterhin treu zu bleiben. Gleichzeitig hat er viel aufgeben müssen, durch seine Bekehrung zum Christen. Seine alten jüdischen Freunde wollten sicherlich nichts mehr von ihm wissen. Liebgewonnenes musste er loslassen. Sowas tut weh. Auch wenn man „innen drin“ weiß, dass es nicht mehr passt. Dass es gut so ist, weil man sich selbst eben verändert hat. Doch es ist und bleibt eben ein Abschied vom Gewohnten. Trotz aller Melancholie bleibt Paulus aber seinem neuen Weg treu. Er baut auf Christus und bekennt: „Zu ihm will ich gehören.“ Ich finde das bewundernswert.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42919SWR4 Abendgedanken
Seite für Seite blättere ich durch mein erstes Fotoalbum. Meine Eltern haben es für mich gestaltet und es zeigt grob mein gesamtes erstes Lebensjahr: Es beginnt bei meiner Geburt, zeigt erste Entdeckungen in der Welt und Bilder von meiner Taufe… Daneben ist meine Taufpredigt eingeklebt.
Als Teenagerin habe ich auch mal durch dieses Album geblättert Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Und ich war damals sehr erstaunt, als ich dort meinen Taufspruch las: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Bis dahin war mir nicht klar, dass ausgerechnet dieser Vers aus der Bibel mein Taufspruch ist.
Ich habe mich gefreut, denn dieser Bibelspruch gehört auf jeden Fall zu meinen Favoriten aus der Bibel. Schon als Teenie habe ich mich gefragt, ob das Zufall ist. Ich weiß es nicht. Für mich ist es schlicht eine gute Fügung, dass, mir mein Taufspruch so gut gefällt. Er begleitet mich bis heute:
Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Für mich heißt das: immer, wenn ich liebe, ist Gott mit mir verbunden, denn Gott ist die Liebe. Ist. Kein „könnte sein“ oder „teilweise“, sondern schlicht und klar: er ist Liebe. Gott verkörpert selbst die Liebe. Er legt damit die Grundlage dafür, dass wir Menschen uns gegenseitig lieben können. Dadurch verbindet er uns Menschen miteinander.
Und mehr noch: aus der Liebe zweier Menschen kann neues Leben entstehen. Das ist ein Wunder. Ein Geschenk Gottes.
Für mich heißt das: Wir Menschen sind also „Handlanger und Multiplikatoren, Umsetzer und Transformatoren der Liebe Gottes.“ Und zwar unabhängig davon, ob wir Kinder haben oder nicht. Lieben kann schließlich jede und jeder. Alt und Jung. Menschen, die selber Kinder haben oder Menschen, die keine Kinder haben.
Mir gefällt das. Denn immer, wenn ich einen anderen Menschen liebe, begegnet mir dabei Gott. Auf ganz wundersame Weise. Tolle Begegnungen können daraus entstehen. Ich finde, da lohnt es sich gleich doppelt, zu lieben und respektvoll miteinander umzugehen.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42918SWR4 Abendgedanken
„Es wird schon wieder richtig früh dunkel. Daran habe ich mich noch nicht gewöhnt“ – das hat letztens eine Freundin zu mir gesagt und ich versteh sie so gut. Mir geht es genauso. Ich bin ein echter Licht-Mensch. Ich brauche Licht, um gut drauf zu sein. Dunkelheit dagegen bedrückt mich. Macht mich manchmal auch traurig oder depri. Ich kenne viele, denen es genauso geht. Vielleicht heißt es gerade deshalb in der Bibel: Jesus ist das Licht der Welt.
Wie das genau gemeint ist, zeigt mir die Geschichte von Zacharias. Neun Monate war er verstummt, weil er dem Engel Gabriel nicht glaubte, dass er Vater werden würde. Doch jetzt kann er endlich wieder sprechen. Die Worte brechen nur so aus ihm heraus: „Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen. Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe. Es leuchtet denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes leben. Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.“(Lukas 1,78+79)
Zacharias erlebt hier gerade sein ganz persönliches Wunder: Gott hat sich ihm ganz persönlich zugewandt. Sein Leid erkannt und sein Gebet erhört. Ihm wirklich einen Sohn geschenkt. Zacharias ist glücklich und dankbar. Er lobt Gott dafür. Neun Monate war er notgedrungen in sich gekehrt. Schweigen war angesagt. Ich stell mir das echt herausfordernd vor. Ich selbst war vor einigen Jahren mal in einem Schweigekloster. Schon fünf Tage haben ausgereicht, um die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen. Wie das wohl nach neun Monaten war?
Zacharias jedenfalls erkennt in dieser Wartezeit, dass den Menschen das Licht aus der Höhe zur Hilfe kommt. Für Zacharias ist das eine Freudenbotschaft, denn es zeigt ihm: „unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen“. Gott erbarmt sich. Er wendet sich den Menschen zu: Alle sind ihm wichtig. Er macht sich auf den Weg und kommt als Licht auf die Erde, um das Dunkel zu erhellen. Und mehr noch: er lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Licht und Frieden. Genau das braucht die Welt gerade, wo eine Krise, die nächste jagt und so vieles im Umbruch ist. Mich spricht diese Nachricht deshalb total an: Gott kommt als Licht aus der Höhe auf die Erde. In Jesus wurde er Mensch. Er macht sozusagen das Licht auf der Erde an. Geht mit mir in allem Auf und Ab. Ich find das super.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42917SWR4 Abendgedanken
Mir fällt es aktuell schwer die Nachrichten zu verfolgen. Egal, auf welchem Sender, ob im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung: überall sind die zentralen Themen der Nachrichten momentan: Krieg, Aufrüstung oder die Einweihung neuer Standorte für Kriegsmaschinerie. Mich verunsichert und ängstigt das. Krieg will keiner und doch wird aufgerüstet – auch in Deutschland.
„Wir rüsten nur zur Abschreckung auf.“ Das sagen die Verantwortlichen in Politik zu ihrer Verteidigung für diese Maßnahmen. Aufrüstung zur Abschreckung? Das soll funktionieren? Ich glaube das nicht. Gerade als Christin will ich mich für den Frieden einsetzen und nicht für Aufrüstung. Oder wie sagte Margot Käßmann einmal trefflich: „Mir ist kein Krieg bekannt, der durch mehr Waffenlieferungen gestoppt wurde.“
Mir auch nicht und deshalb setze ich lieber auf andere Hilfe: auf Gott. So wie es der Psalmbeter in Psalm 46 tut, wenn er betet: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.“
Vielleicht klingt das utopisch oder zu blauäugig, auf Gott zu setzen. Aber ich bin überzeugt, dass wir Menschen andere Wege wagen müssen, um Frieden in die Welt zu bringen. Warum also nicht auf Gott setzen? Mal wieder beten. Gott all mein Leid sagen und was mich ängstigt? Ihn um Frieden bitten und um Weisheit für die Menschen in Regierungen und Politik?
Gott verspricht den Menschen in der Bibel allumfassenden Frieden. Es geht also nicht nur darum, dass Völker in Frieden zusammenleben. Es geht darum, dass Menschen ganz von Frieden erfüllt sind.
Ich weiß, dass wir davon aktuell meilenweit entfernt sind, doch ich will die Hoffnung darauf nicht aufgeben, denn ich bin überzeugt: wir brauchen Friedensvisionen. Und deshalb baue ich mein Leben gerne auf Gott und auf seine Friedensvision. Ich setze meine Zuversicht auf ihn, denn er gibt mir Kraft und Stärke für jeden neuen Tag: Ermutigt mich, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Begleitet mich, wenn ich einsam bin, und lässt mich spüren, dass er das Beste für mich will.
Der Psalmbeter hat das bereits vor tausenden von Jahren ebenso erkannt. Auch er baut auf Gott. Vertraut ihm seine Wege an und wird mir so zum Vorbild. Ich weiß nicht, ob der Psalmbeter ein rundum gelungenes Leben geführt hat, doch ich bin überzeugt, dass Gott mit ihm ging. Jederzeit. In unruhigen Zeiten und im Frieden, denn Gott war seine Zuversicht und seine Stärke.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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Alles erlaubt, oder?
Manchen Eltern oder Großeltern stellen sich vermutlich gerade die Nackenhaare auf – nicht auszudenken, wenn den Kids alles erlaubt wäre. Manchmal braucht es doch Grenzen und Regeln, damit nicht völliges Chaos ausbricht…
Paulus hat zwar keine Kinder, aber seine Gemeindeglieder sind für ihn sowas wie Kinder. Er kennt das also. Er ist Apostel und schreibt diesen Satz in einem Brief an die Korinther: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.“ (1. Kor 6,12)
Als ich diese Briefzeilen das erste Mal gelesen habe, dachte ich spontan: „Wow, was für ein überraschender Satz, der hier in der Bibel steht.“, denn ganz ehrlich: Das klingt irgendwie so gar nicht nach Christ-Sein. Viele Menschen verbinden mit Christen und Kirche ja gerade, dass nicht alles erlaubt ist…
Als ich den Vers dann in einer anderen Bibelübersetzung gelesen habe, wurde ich enttäuscht. Da hieß es auf einmal: „Ihr sagt: ‚Ich darf alles!‘ – Aber das heißt doch nicht, dass auch alles gut für euch ist.“ Das klingt jetzt völlig anders. Und doch ist diese Übersetzung viel näher am Urtext und damit die richtige…
Also doch wieder alles verboten? Typisch langweiliges Christ-Sein eben?
Nein. Ich glaube, Paulus geht es hier um das richtige Maß und Ziel. Und dazu zählt er zunächst erstmal ausführlich sämtliche Missstände in der Gemeinde auf. Diese Zeilen entstehen im damaligen Kontext. Manches erscheint mir heute dabei fremd. Doch ich bin überzeugt: Paulus schreibt diese Worte nicht, um alles zu verbieten, sondern um klarzumachen: Als gläubige Menschen soll euer gesamtes Leben dem Herrn dienen. Und dafür müsst ihr euch entsprechend verhalten…
Für mich als Christin heißt das, dass ich mich zukünftig immer mal wieder frage: Dient mein Handeln zum Guten oder lass ich mich von falschen Überzeugungen leiten? Und dann will ich entsprechend handeln. Denn alles ist mir erlaubt. Vorausgesetzt, es dient zum Guten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=40839SWR4 Abendgedanken
„Auch große Fußstapfen haben mal klein angefangen.“ Dieser Satz stammt aus einer Werbung, die ich letztens zufällig gelesen habe. Wie wahr – und doch vergisst man das allzu oft. „Auch große Fußstapfen haben mal klein angefangen.“ Diese Weisheit ist uralt. Schon in der Bibel gibt es Geschichten, die davon erzählen, wie schwer es sein kann, eine Nachfolge anzutreten, also in große Fußstapfen zu treten.
Ich denke da zum Beispiel an Josua. Josua soll Mose in seinem Amt beerben. Mose hat das Volk aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Danach ist das Volk 40 Jahre mit ihm an der Spitze durch die Wüste gewandert. Mose ist in der Bibel also ein wichtiger Mann. Doch jetzt ist er tot.
Vermutlich zum Erstaunen vieler beruft Gott den jungen Mann, Josua, als Nachfolger. Keine leichte Sache für ihn. Sicherlich war es damals nicht anders als heute… Die einen waren dankbar, dass endlich mal wer jüngeres ran darf. Sie haben auf einen moderneren Leitungsstil oder schlicht neue Impulse gehofft. Vielleicht haben sie auch gehofft, dass es endlich mal wieder vorwärtsgeht. Und andere haben vielleicht eher noch an das gedacht, was passiert war, was Mose alles geleistet hatte und haben um ihn und die guten alten Zeiten getrauert.
Wie gut, dass Josua sich nicht allein gegen das Volk durchsetzen muss. Gott ist an seiner Seite und er gibt Josua einen Segen mit auf den Weg: „Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“
Was für ein genialer Zuspruch! Kein Wunder, dass auch heute viele Menschen diesen Vers als Tauf- oder Trauspruch wählen. Es sind starke Worte.
Vor tausenden Jahren haben sie Josua Kraft gegeben und heute, wenn ich diese Worte in der Bibel lese, ermutigen sie mich. Sie motivieren mich, mir Großes zuzutrauen. Denn ich bin überzeugt: so wie Gott Josua beistand, steht er jedem Menschen bei. Vielleicht bin ich mir dessen nicht immer bewusst, aber glauben will ich es: Gott geht mit. Jeden Tag. In diesem Wissen gehe ich mutig und entschlossen meinen Weg.
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