Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

24 Türchen – dieser kleine Hinweis reicht vermutlich, dass Sie schon ein Bild davon haben, um was es mir heute geht: Den Adventskalender. Er begleitet Kinder, Jugendliche, auch Erwachsene durch die Adventszeit.

 

Ich habe auch einen Adventskalender. Jeden Morgen freue ich mich darauf,  ein Türchen aufzumachen.

Der Liedermacher Rolf Zuckowski hat darüber einmal ein Lied geschrieben. „Kleine Kinder, große Kinder“, hat er es genannt. Da singt er von den 24 Türchen, die den Weg zum Weihnachtsbaum begleiten. Von Kindern, die manchmal gar nicht abwarten können, bis das nächste Türchen dran ist und manchmal gleich alle öffnen. Und von großen Leuten, die auch leuchtende Augen bekommen, wenn sie vor ihrem Adventskalender stehen und die Türchen öffnen. Viele Erinnerungen an die Kindheit sind damit verbunden, die sich Erwachsene gerne erhalten möchten. So werden die Tage bis zum Weihnachtsfest nicht so lang. Ich finde auch, dass ein Adventskalender immer an Weihnachten erinnert. Und genau darum geht es ja im Advent, sich für das Fest der Geburt Jesu bereit zu machen.

Manche Städte und Gemeinden lassen sogar Gebäude zu Adventskalendern werden. Das größte Adventskalenderhaus der Welt steht in Gengenbach im Kinzigtal. Das Rathaus dort hat genau 24 Fenster und die werden zum Adventskalender. Kunstwerke werden da in jedem Jahr gezeigt, auf Folie gezogen und hinterleuchtet. In diesem Jahr sind es Bilder von Andy Warhol. Vor einer Stunde ist das heutige Fenster geöffnet worden. Dort ist heute ein Katzenmotiv zu sehen.

Das zieht viele Menschen an. Im vergangenen Jahr sind es rund 100.000 gewesen, die im Lauf der Adventszeit Gengenbach besucht haben um den Adventskalender zu bestaunen.

Als meine Kinder noch klein waren, haben wir einen Fensterbild-Adventskalender gehabt, jeden Tag ist mehr von dem Bild zu sehen gewesen. Dazu  haben wir ein Stück einer weihnachtlichen Geschichte vorgelesen. Je älter die Kinder wurden, desto schwieriger wurde es aber, gemeinsame Zeiten zu finden, um die Geschichte mit der ganzen Familie zu lesen.

Ein Kollege geht noch einen ganz anderen Weg. Auf der Facebook-Seite der Gemeinde veröffentlicht er jeden Tag ein Bibelzitat. Heute aus dem 2. Kapitel des Lukasevangeliums die Verse 1 und 3: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.“ Mit den Bibelversen wird deutlich, dass Advent der Weg zum Geburtsfest Jesu an Weihnachten ist. Für mich heißt das dann: Mit Gott auf dem Weg zum Weihnachtsfest.

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Mir gefällt der Advent. Wenn es am Abend dunkel wird, kommen die Lichter besonders zur Geltung, mit denen die Häuser und die Straßenzüge geschmückt sind. In mir verstärkt das die Vorfreude auf Weihnachten.
Natürlich weiß ich auch, dass die geschmückten Einkaufsstraßen und Geschäfte die Weihnachtsstimmung in den Kunden heben soll, damit sie noch lieber auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken gehen. Das ist die geschäftsmäßige Seite des Advents. Ich lasse mich lieber von der Adventsstimmung mitnehmen in die Gedanken an das bevorstehende Weihnachtsfest. So freue ich mich darauf, an Weihnachten wieder Christmette zu feiern, die Botschaft von der Geburt Jesu zu verkünden. Hoffentlich gelingt es auch in diesem Jahr, das Weihnachtsfest friedlich und als Fest der Liebe zu feiern mitten in einer Welt, die das durch Kriege, Terroranschläge und Lieblosigkeiten nicht einfach macht.
„Dezemberträume“, so hat der Liedermacher Rolf Zuckowski eines seiner Lieder überschrieben. Er macht sich Gedanken, was Weihnachten bedeutet. Er fragt:„Weihnachten, was war das noch? War Licht und Glockenklang. Geschenke unterm Tannenbaum, Gedichte und Gesang.Weihnachten, was war das noch?
Denk schnell noch einmal nach! Bestimmt wird die Erinnerung in deinem Herzen wieder wach.“

Ich verbinde viele Erinnerungen mit Advent und Weihnachten, etwa den Duft nach Zimt und Mandarinen, das Flackern von vielen Kerzen. Das Warten mit meiner Schwester und meinen Großeltern, bis wir ins Wohnzimmer kommen durften. Im Wohnzimmer haben wir dann jedes Jahr zuerst die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium in der Bibel gelesen. Dann erst hat es die Geschenke gegeben.

Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Innehalten und innerlich ausrichten. Ich setze mich im Advent gerne in die Kirche, wo ich Pfarrer bin,  und zünde die Kerzen am Adventskranz an. Besonders beeindruckend finde ich, wie wenige Kerzen es braucht, damit die Kirche nicht mehr dunkel ist. Und mit jeder Kerze mehr wird es heller. Das ist die besinnliche und stille Seite des Advents.

Die gefällt mir besonders gut. Wenn dann noch der alte Ruf „Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab“ erklingt, dann drückt es für mich die Sehnsucht des Advents aus. Dass Gott selbst in unserer Welt ist und er mich unterstützt auf meinem Weg.

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