Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Da hat sich ein Kreis geschlossen,“ sagen Menschen manchmal. Und sie meinen damit, dass eine Geschichte zu einem Abschluss kommt und dabei gleichzeitig wieder dort anknüpft, wo sie begonnen hat. Eine solche Gesichte hat mir ein Freund erzählt, nachdem seine Frau gestorben war.

Mehr als sechzig Jahre waren sie verheiratet. Sie hatten sich kennengelernt, als beide Anfang zwanzig waren. Und den ersten Kuss hatten sie einander gegeben, als sie einmal an einem warmen Sommertag einen Ausflug unternommen haben. Mein Freund wusste noch genau, wo das gewesen ist: Wo sie ein Picknick gemacht haben und sich in die Sonne gesetzt haben auf einen großen Felsen am Waldrand.

Nach längerer Krankheit ist seine Frau jetzt gestorben, und er hat sich überlegt, wie der Stein für das Grab seiner Frau aussehen sollte. So ist er zum Steinmetz im Dorf gegangen. Der hat ihm angeboten: „Kommen Sie doch einfach mit, wenn ich in den Steinbruch fahre, wo ich immer meine Steine hole. Dann können Sie sich den Stein gleich selbst aussuchen“. So hat mein Freund den Steinmetz begleitet, als sie sich auf eine längere Fahrt gemacht haben. Und er hat nicht schlecht gestaunt, als der Steinmetz  mit ihm genau dorthin gefahren ist, wo er sechzig Jahre zuvor mit seiner Freundin das Picknick gehalten hat.

Ja, hier, von genau diesem Ort hat er dann den Stein bestellt, der auf das Grab seiner Frau kommen soll. Mein Freund schmunzelt jedes Mal, wenn er die Geschichte erzählt und wenn er an den Anfang denkt, an jenen Sommertag vor so langer Zeit. Jetzt hat sich der Kreis geschlossen, als er von diesem Steinbruch einen Stein fertigen lässt.

Manchmal schließt sich ein Kreis im Leben nach langer Zeit, und manchmal geschieht das sogar ohne, dass wir das bewusst herbeiführen.

Ich stelle mir vor, dass dieser besondere Stein meinem Freund hilft beim Abschied von seiner Frau. Es ist nicht nur ein schöner Grabstein, kunstvoll behauen und mit schöner Inschrift.  Es ist darüber hinaus ein Sinnbild dafür, wie lange die beiden beisammen waren.

Der Stein ist ein Sinnbild auch für den Weg, den sie zusammen gegangen sind seit diesem Ausflug damals, ein Sinnbild auch für die erste zarte Annäherung. Etwas was lange zurückliegt, ist beim Betrachten von diesem Stein wieder Gegenwart.

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„Eine Sache für Profis“ sei es, sich um das Klima zu kümmern - das hat ein bekannter Politiker im Fernsehen gesagt. Er hat gemeint, dass Schüler nicht naiv für die Rettung des Klimas streiken sollten, womöglich sogar während der Schulzeit. Klimarettung – das sollten sie den Wissenschaftlern und den Politikern überlassen. Solchen, die von Berufs wegen dafür zuständig sind. Profis eben.

Mit fällt dazu eine Gesichte von Jesus ein, wo es auch um Profis gegangen ist. Als er am See Genezareth dem Fischer Simon begegnet ist.
Simon war enttäuscht, wie die anderen Fischer. Sie hatten die ganze Nacht gearbeitet, und sie hatten kaum was gefangen. Jesus hatte vermutlich keine Ahnung vom Fischfang. Trotzdem hat er Simon und den anderen Fischern geraten, noch einmal hinauszufahren und die Netze noch einmal auszuwerfen.

Simon der Fischer hat es gewagt, zu widersprechen: Meister, wir haben die ganze Nacht über gearbeitet und nichts gefangen. Wahrscheinlich hätte er gerne noch dazu gesagt: „Jesus, das hat keinen Sinn! Wir haben es versucht. Es ist grad keine gute Zeit für Fischfang. Schon gar nicht am Tag.“ Und er hätte noch sagen können: „Jesus überlass das mal uns Fachleuten. Wir kennen uns damit aus.“

Aber dann hat er es sich anders überlegt. Simon scheint gespürt zu haben: Jesus war ein Fachmann für einen neuen Versuch. Simon sagt also zu Jesus: Wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
Und tatsächlich ist dieser zweite Versuch dann besonders erfolgreich. Die Bibel erzählt, dass es ein sensationeller Fang wurde. Sie waren Profis, die sich von einem anderen Profi haben etwas sagen lassen. Wie gut!

Die Schülerinnen und Schüler, die für die Rettung des Klimas streiken, halten sich nicht für Profis. Obwohl viele von ihnen sich sehr intensiv mit den Problemen beschäftigt haben. Die meisten von ihnen wissen dadurch inzwischen mehr darüber als viele Erwachsene.

Aber die Schüler und Schülerinnen sind Profis in Beharrlichkeit. Und sie zeigen damit denen, die sich vielleicht noch nicht genug einsetzen,  wohin es gehen muss: Macht‘s nochmal! Vielleicht gegen alle Erfahrung und gegen den professionellen Umgang, der noch nicht genug gebracht hat. Versucht es anders.

Ich denke, dass Jesus den Jugendlichen, die sich für die Rettung des Klimas einsetzen, Recht geben würde.

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