Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Preisverleihung bei der GIZ, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit.

Ausgezeichnet werden Projekte in der Entwicklungsarbeit, die besonders innovativ und hilfreich sind.

Das Gewinnerteam hat eine neue Idee für Impferinnerungen in Kenia entwickelt.

Als die Sprecherin des Gewinnerteams gefragt wird, wie sie ihr Projekt entwickelt haben ,antwortet sie voller Begeisterung: „Failing and learning, failing and learning.“

Also: Fehler machen und lernen, sich irren und lernen, ausprobieren und lernen… Wir lernen durch Versuch und Irrtum, das ist eine Binsenweisheit.

Aber ich habe selten jemanden erlebt, der so überzeugt davon ist. Sie erzählt von dem Projekt, in Afrika Impfnachweise einzuführen, so wie wir unsere Impfpässe kennen. Das junge Team hatte viele verschiedene Formen der Dokumentation ausprobiert, bis sie dazu kamen, diese Impfnachweise auf Handys zu speichern und zwar mit Hilfe einer App, einer eigens dafür entwickelten Software.

Erst einmal ungewöhnlich, statt mit den üblichen Impfpässen mit Handy und Internet zu arbeiten. Deshalb war auch der Weg dorthin nicht geradlinig sondern hatte einige Umwege.

Mich hat diese Frau tief beeindruckt.

Wenn ich etwas erreichen will, was mir wichtig ist, dann brauche ich diese tiefe Überzeugung, dass Fehler und Rückschläge dazu gehören. Ich kann aus dem, was nicht gelungen ist, lernen und einen neuen Ansatz versuchen.

Wir gehen in diesen Tagen auch in der Kirche neue Wege: die vielen kleinen Pfarreien werden aufgelöst und neue große Pfarreien werden gegründet.

Das sind Großprojekte, für viele Menschen nicht vorstellbar. Wie soll das gehen?  Und natürlich gibt es auch hier harte Kritik und Ablehnung von verschiedenen Seiten.

Diese großen Veränderungen werden nicht einfach sein und es wird Enttäuschungen geben. Neue Strukturen werden ausprobiert und sicherlich auch wieder verworfen oder korrigiert.

Aber: „failing and learning“ könnte auch hier ein gutes Motto sein, um herauszufinden, was wir brauchen, damit wir uns als Christen gut beheimatet fühlen. Damit wir Christsein im dritten Jahrtausend mit Begeisterung leben und die Gesellschaft bereichern können.

Also: Fehler machen und lernen, scheitern und Neues wagen; enttäuscht sein und trotzdem weitermachen –auch in unserer Kirche. Denn gerade Kirche lebt von den Veränderungen und vom Neuaufbruch. Dazu sind wir Christen: scheitern und lernen – so geht es weiter!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29290

Dieser Sommer ist heiß und alle reden von Klimawandel. Klimawandel ist das große Thema, das nun auch die Politik für sich entdeckt hat und das ungeahnte Wählerpotentiale aktiviert. Gut so!

Mich beschäftigt darüber hinaus noch ein anderer Klimawandel. Der Klimawandel im Miteinander unserer Gesellschaft.

So wie sich das Wetter nicht mehr an die gewohnte Ordnung von Kälte und Hitze, von Regen und Trockenheit zu halten scheint, so wenig halten sich die Menschen an die Ordnung, die uns in den letzten Jahrzehnten ein friedliches Miteinander ermöglicht hat.

Die gewohnte Ordnung, die gewohnten Umgangsformen und Werte wie Höflichkeit, Respekt voreinander, Wahrheit oder Solidarität, scheinen heute kein Wert mehr zu sein. Das gesellschaftliche Klima ändert sich hin zu Rüpelhaftigkeit, Beleidigungen, Lügen und einer „ich zuerst“ Mentalität.

Das alles erleben wir auf der großen Weltbühne. Diese Weltbühne macht solche Umgangsformen gesellschaftsfähig und so werden sie auch in meinem Umfeld alltäglicher.

Ich bin davon überzeugt, dass wir den gesellschaftlichen Klimawandel eindämmen und aufhalten können.  Und auch hierbei kommt es auf jeden Einzelnen und jede Einzelne an.

Leider gibt es noch keine Einheit für den gesellschaftlichen Klimawandel wie den CO-2 Ausstoß bzw. den ökologischen Fußabdruck.

Aber vielleicht könnte man auch die Anzahl von verbreiteten Unwahrheiten, fake news, von Beleidigungen, von „ich zuerst“ Aktionen in eine Maßeinheit bringen. Da könnten wir noch etwas Phantasie entwickeln: Ego- Ausstoß, moralischer Fußabdruck,…

Keine Maßeinheit aber ein gutes Maß dabei ist die sogenannte Goldene Regel, die es in allen Religionen gibt: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen,“ sagt Jesus in der Bergpredigt (Mt 7,12). Das ist eine ebenso einfache wie klare Aussage: Wer von uns möchte beschimpft, beleidigt, ausgegrenzt oder belogen werden? Wer freut sich nicht über eine Anerkennung, ein Lob, ein freundliches Wort, eine Nachfrage: wie geht es Dir?

Ich kann die positive Seite stärken: für einen freundlichen und wertschätzenden Umgang sorgen auf meiner Arbeitsstelle und in der Familie. Positives ins Wort bringen, mich für eine Unterstützung bedanken… Auch solch kleine Veränderungen bewirken auf Dauer einen Klimawandel.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29289

„Am Sonntagmorgen gibt es nur einen feierlichen Wortgottesdienst.“
„Was soll das denn sein: ein feierlicher Wortgottesdienst?“
„Also, wenn das keine Messe ist, dann gehe ich da auch nicht hin.“
So unterhielten sich viele in der vergangenen Woche in unserer Pfarrei. Kein Priester, keine Messe, kein Gottesdienst – dann ist das eben so. Aber nicht alle denken so. Da gibt es einen Bibelkreis in unserer Pfarrei, zu dem ich auch gehöre. Wir lesen die Texte aus der Bibel, die am Sonntag im Gottesdienst vorgelesen werden und tauschen unsere Gedanken dazu aus.
In der Bibel im Alten Testament denkt ein Mensch über sein Leben nach:
Er ist kein armer Mensch, er hat genug zum Leben.
Genug Geld, genug Wissen, genug von allem.
Er fragt sich:  Wohin mit all meinem Geld, wohin mit all meinem Wissen? Irgendwann muss ich es loslassen - und dann? Dann bekommt es irgendwer, vielleicht jemand, der es nicht wert ist.
Wozu all die Sorge, all die Plage, die schlaflosen Nächte?
Und er kommt zu dem Ergebnis: alles ist Windhauch – Windgespinst:
Alle Sorgen, alle Mühen, aller Ärger, auch alle Freude – sie verwehen im Wind.
Das ist Menschenerfahrung. Jeder von uns im Bibelkreis konnte diese Erfahrung teilen: schlaflose Nächte, in denen die Gedanken kreisen in der Sorge, wie es weitergehen soll.
Sorgen um die Gesundheit, Sorgen um die Kinder, Sorgen um die Zukunft.
Jesus sagt dazu: Ja, der Mensch kann sich viele Sorgen machen, schaffen und raffen, aber was wirklich Bestand hat, ist ein Vertrauen in Gott. Alles andere ist vergänglich.
Im Gespräch wurde deutlich: es geht mir ja nicht nur um meinen Besitz, sondern auch um meine Stellung, mein Ansehen, meine – noch so kleine – Macht.
Und das soll ich alles loslassen im Vertrauen auf Gott?
Das ist eine Herausforderung, aber die Teilnehmer des Bibelkreises haben einen Schritt des Vertrauens gewagt: sie haben den Wort-Gottesdienst am Sonntag mit ihren Gedanken mit vorbereitet. Und sie haben ihn mitgestaltet mit Texten und Fürbitten.
Unabhängig davon, was die Leute denken und sagen. Volles Risiko!
Am Sonntag waren alle neugierig: kommt überhaupt jemand zum Gottesdienst?
Es kamen Menschen zum Gottesdienst, und wir waren eine Gemeinschaft, die miteinander den Sonntag gefeiert hat.
Diese Erfahrung möchte ich mit in die neue Woche nehmen: Neues wagen, Vertrauen wagen.
Und mein Leben nicht von den Sorgen bestimmen lassen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29288

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