Alle Beiträge

Die Texte unserer Sendungen in den SWR-Programmen können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.

Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2

    

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

SWR4 Sonntagsgedanken

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Da ist eine vollkommen verzweifelte Frau: eine Sklavin, die aus ihren fürchterlichen Lebensverhältnissen geflohen ist. Die jetzt auf der Flucht ist, völlig allein, ohne Anlaufstelle und noch dazu – schwanger. Die Bibel erzählt von ihr im Alten Testament. Die Frau heißt Hagar. Sie ist völlig am Ende – da findet sie ein Engel, also ein Bote Gottes; mitten im Nirgendwo. Offensichtlich hat er Hagar gesucht. Ein Engel! Die Rettung für Hagar – könnte man meinen.

In der biblischen Erzählung hört sich der Engel Gottes Hagars Leidensgeschichte an – und schickt sie dann zurück. Zurück zu ihrer Herrin Sarah und damit zurück ins Elend. Und ich denke nur: Wie kann das sein? Der Bote Gottes macht Hagar auch keine Versprechungen, keine Illusionen, dass es besser werden würde. Dass die Herrin ihre Sklavin nun besser behandeln würde oder sie sogar gleichberechtigt leben dürfte. Nein, der Engel schickt sie zurück und sagt ihr ausdrücklich, dass sie sich weiter demütigen lassen soll. Wie kann das sein? Warum ist Gott derart unbarmherzig?

In meinem Hinterkopf tauchen sofort die Bilder von den vielen Flüchtlingen weltweit auf. Und natürlich die Diskussion bei uns über Migration, Integration und Abschiebung. Um auf die Parallele zu kommen, braucht’s nicht viel Phantasie, finde ich. Gerade bei der Diskussion rund um die Abschiebung. Denn selbst wenn geflüchtete Menschen in ihrer alten Heimat nicht mit dem Tod bedroht sind. Und selbst wenn man die Ansicht vertritt, dass wir so viele Menschen bei uns nicht aufnehmen können – ist es nicht unfassbar unbarmherzig von unserer Gesellschaft, diese Menschen zurück in ihre hoffnungs- und perspektivlose Lebensumstände zurückzuschicken?

Der Sonntag heute trägt den altkirchlichen Namen „Misericordias Domini“. Das heißt: „Die Barmherzigkeit des Herren.“ Und gerade heute geht es in den evangelischen Gottesdiensten genau um die Geschichte von Hagar und dem Engel Gottes. Ich finde, man sollte diese Geschichte noch etwas genauer anschauen.

Also noch einmal: Hagar ist geflohen, weil ihre Herrin sie bei jeder Gelegenheit gequält hat. Hagar ist nämlich schwanger. Sie soll an Stelle von Sarah ein Kind austragen, weil Sarah selbst keine Kinder bekommen kann. Eine üble Konstellation. Sarah ist eifersüchtig und lässt ihren Frust an ihrer Sklavin aus.

Und genau in diese Situation schickt der Engel Gottes Hagar zurück. Aber eben nicht, um sie einfach abzuschieben – aus den Augen aus dem Sinn. Der Engel Gottes hatte Hagar ja selbst gesucht und hat ihre Geschichte hören wollen. Und er gibt ihr eine Perspektive für die Zukunft mit. Und Hagar geht zurück – mit der Gewissheit, dass sie einen Sohn zur Welt bringen wird und dass ihr Sohn ein gutes Leben haben wird. Das ist es, was Hagar wohl mehr braucht als alles andere: Die Gewissheit, dass es Hoffnung gibt. Für sie und für ihr ungeborenes Kind!

Wieder muss ich an die Bilder der Flüchtlingsströme unserer Zeit denken. An die vielen Männer, Kinder und Frauen – und auch die schwangeren Frauen – die aus Verzweiflung ihre Heimat verlassen und hoffen, dass sie irgendwo jemanden finden, der ihnen hilft.

Und im reichen Europa und bei uns in Deutschland, da ringen wir um die Frage, ob es vertretbar ist, verzweifelte Menschen einfach zurückzuschicken. Die biblische Geschichte von Hagar lässt mich auf diese Frage klar mit einem „Nein!“ antworten. Selbst wenn wir nicht alle aufnehmen können oder wollen, wir dürfen Menschen in Not nicht einfach abschieben nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn.  Wenn wir Menschen ohne Hoffnung lassen, dann wäre das wirklich unbarmherzig.

Wie das gehen kann? Wie unsere Gesellschaft Menschen auf der Flucht eine Perspektive geben kann – ob nun hier oder in einem anderen Land? Das ist eine riesige Herausforderung, denke ich. Aber eine, der wir uns stellen müssen. Wir müssen barmherzig sein und Menschen, die zu uns kommen auf der Suche nach Hilfe eine Perspektive geben. Ich denke, das ist es, was mehr braucht als alles andere. Wir brauchen – Hoffnung.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39739
weiterlesen...

SWR1 Begegnungen

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Seit 20 Jahren ist Gabi Sauer die Mesnerin der evangelischen Veitskirche in Nehren, einem Dorf bei Tübingen. In anderen Gegenden würde man sagen: Sie ist Kirchendienerin oder Küsterin. Ich würde sagen: Sie ist die gute Seele ihres Kirchleins mit dem markanten Fachwerkturm, sie für frische Blumen auf dem Altar sorgt, die die Glocken läutet und sich darum kümmert, dass sich bei einem Hochzeitsgottesdienst alle wohl fühlen. Nur durch einen Zufall hatte sie damals erfahren, dass händeringend jemand für die Betreuung des Kirchengebäudes und der Gottesdienste gesucht wurde.

Wir sind (...) in die Kirche. Da stand der Pfarrer da. Und er hat mir leid getan: Wenn Sie jemand wissen, der jemand weiß, der jemanden kennt, der gerne Mesner werden würde, dann schicken Sie den doch bitte zu mir.

Ein, zwei Wochen hat Gabi Sauer das in sich gären lassen. Und ist dann zum Pfarrer hin und hat gemeint: 

Also ich weiß jemand, aber das Problem ist, Sie sehen es. Ich bin schwanger und - katholisch bin ich auch. Und Sie sind ja evangelischer Pfarrer.

Der stellte aber sofort klar, dass beides kein Hinderungsgrund war, Gabi Sauer als Mesnerin für die evangelische Kirche anzustellen.

Das ist kein Problem. Das eine vergeht und das andere ist kein Problem.

Seither, also seither sicher über 1000 Mal, beginnt Gabi Sauer den Sonntagmorgen erst einmal mit einer Tasse Kaffee und etwas Ruhe:

Bei einem normalen Gottesdienst ohne Taufe, ohne irgendwas mache ich mich um viertel nach neun auf den Weg zur Kirche. Ich schließ die Kirche auf, mach die Lichter an, zünde die Kerzen an, begrüß den Pfarrer meistens, die Organistin. Die Glocken läuten. Die Gottesdienstbesucher kommen und ich freue mich über jeden, der kommt. Man darf jeden herzlich willkommen heißen. Wir feiern Gottesdienst. Anschließend das Ganze wieder rückwärts, Kerzen aus: Türen zu und der Rest wird am Montag dann erledigt oder am Dienstag... (lacht)

Die 46-Jährige liebt das, was sie tut. Das spürt man. Deshalb ist sie auch „die Mesnerin der Kirch‘“ außerhalb der Gottesdienste.

Ich schließ‘ mich beim Putzen nicht ein. Meine Kirche ist immer wagenweit offen, wenn ich am Putzen bin. Und dann kann man auch mal kommen. Und wenn man dann ins Gespräch kommt, dann kommt da manchmal... ja, die Nöte, die Sorgen der Menschen zur Sprache.

Gabi Sauer ist „die“ Mesnerin ihrer Kirche. Und wenn die Leute zum Gottesdienst kommen, dann kommen sie manchmal eher zu ihr als zum Pfarrer. Als Hausfrau und als Mutter zweier Kinder ist sie außerdem im Sportverein mit dabei. Mit einem Wort, sie ist bekannt und fester Bestandteil eines Dorflebens, wie man es sich vorstellt.

Das Dorfleben hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und Gabi Sauer erlebt auch die wachsenden Vorbehalte gegenüber Kirche und Glaube, wenn andere erfahren, was sie nebenberuflich macht:

Wie? Du schaffst bei der Kirch‘? Bist du so gläubig? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Dann sag ich: Also die Bibel, die kann ich nicht auswendig. Aber deswegen kann man trotzdem bei der Kirch‘ schaffen und den Mesnerdienst verrichten.

Mittlerweile ist Gabi Sauer auch als evangelische Kirchengemeinderätin engagiert. Und auch hier erlebt sie live mit, wie stark sich das kirchliche Leben verändert hat und welche Konsequenzen das für sie und den Dienst ihrer Mesner-Kolleginnen und -Kollegen haben könnte.

Ich befürchte, dass es irgendwann das als Bezahltes nicht mehr gibt -  dass man das versucht mit Ehrenamtlichen. Und wenn man jetzt sieht, wie viele Pfarrstellen gestrichen werden, wie viele Gemeinden zusammengelegt werden. Ich weiß es nicht. Ich bin irgendwie skeptisch, wie lange es uns überhaupt noch gibt.

Aber noch gibt es sie, die Mesnerinnen und Mesner, die liebevoll ihre Kirchengebäude betreuen und die Menschen, die hierherkommen, gleich mit. Und – Mesnerinnen und Mesner werden weiterhin händeringend gesucht! Gabi Sauer kann ihren Beruf jedenfalls nur wärmsten weiterempfehlen, auch die Gottesdienste jeden Sonntagmorgen:

Das ist eine wunderschöne Zeit. Das ist für mich nicht arbeiten, sondern fast wie Urlaub. Es tut einfach gut. Ich höre nicht immer der Predigt zu, muss ich ganz ehrlich gestehen. (…) Aber es tut einfach der Seele gut, mal nichts zu hören, (...) die gelernten Lieder einfach zu singen und nichts zu denken und nix tun zu müssen.

In ihrer Kirche erlebt Gabi Sauer gelebte Verbundenheit. Und mir wird klar, wie viel sie selbst entscheidend dazu beiträgt, als sie mir folgende kleine Anekdote erzählt von einer Frau, die sich bei ihr entschuldigt hat, weil sie einmal sonntags nicht in die Kirche kommen konnte. Die alte Dame sagte damals zu ihr:

Ich konnte nicht in den Gottesdienst kommen. Weißt, ich musste Kartoffelsalat mache. Beim Gesangverein habet mer Hockete. Die kann ich die doch nicht im Stich lassen. Aber ich konnte zu dir nicht in die Kirche komme.(lacht)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39726
weiterlesen...

SWR3 Worte

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Gott danken für diesen Tag – Menschen auf der ganzen Welt tun das heute in ihren Gottesdiensten. Hier ein Psalm aus Afrika:

Herr ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert und ich freue mich am Licht. So ein Tag, Herr, so ein Tag!
Deine Sonne hat den Tau weggebrannt vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt an diesem Morgen, das ist Dank.
Herr ich danke dir für alles, was ich bin. Für meinen Körper, der wächst trotz der mageren Kost in der Schule. Auch mit Malaria im Blut. Ich danke dir, dass ich diesen Job gefunden habe. Gutes Geld kommt rein fürs Abitur. Herr ich freue mich an der Schöpfung.
Deine Sonne steht milde am Himmel und krault das Gras, setzt Blumen darauf,
zerrt Mahagoni daraus. Ich freue mich, Herr, ich freue mich und freue mich.
Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert, knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Du zählst jeden Tag wie die Kräusel auf meinem Kopf. Halleluja!

Grundkurs KU – Neuausgabe. Arbeitsbuch für Konfirmandinnen und Konfirmanden

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39719
weiterlesen...

SWR1 3vor8

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Am liebsten möchte man ihn weglassen, den Bibeltext, der heute in der katholischen Liturgie vorgesehen ist. Er ist wie ein Wespennest, in das man hineinsticht, und dann am besten das Weite sucht, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Dort heißt es, dass Petrus zum Volk, also zu den anwesenden Juden, das Folgende gesagt hat:

Der Gott Abrahams, Ísaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt …[1] Petrus attackiert hier scharf seine eigenen Leute, seine Herkunft, von der er sich nun deutlich distanziert. Er wirft ihnen vor: Ihr seid schuld, dass Jesus tot ist. Ihr habt es so weit kommen lassen. Ihr seid – nein, das sagt er nicht, aber das wird man auch wegen dieser Bibelstelle später den Juden vorwerfen – ihr seid die Gottesmörder! Zwar mussten das Töten damals die Römer übernehmen, weil sie als Besatzer die Gerichtsbarkeit hatten. Aber Schuld daran waren eben die Juden. Wie häufig geht man mit seinen eigenen Leuten am härtesten ins Gericht. Petrus ist dafür ein gutes Beispiel. Er ist selbst Jude, jetzt aber auf dem neuen Weg unterwegs. Und der grenzt sich strikt gegenüber dem ab, was vorher war. Deshalb überzieht Petrus, wenn er sagt: Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt[2]. Das hatte furchtbaren Konsequenzen, die er zwar nicht vorhersehen konnte, aber die trotzdem bis heute wirken und eine Spur des Grauens mit sich ziehen. Menschen jüdischen Glaubens wurden und werden angefeindet, ausgegrenzt, beleidigt und in ihrer Existenz bedroht. Obwohl viele, die das tun, gar nicht gläubig sind, geschweige denn über diese religiösen Feinheiten Bescheid wissen, liegt eine Wurzel eben hier. Dass die Christen sich so schroff gegen die Juden abgegrenzt haben. Und ich als Christ trage heute Verantwortung, dass die lange Tradition der christlich motivierten Judenfeindschaft aufhört. Zumal das Judentum eine meiner Wurzeln ist. Woran Petrus ja keinen Zweifel lässt, wenn er sagt: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist der Gott unserer Väter. Ja, das sind die Juden, Mütter und Väter im Glauben. Und Jesus ist ein Sohn meiner jüdischen Herkunftsfamilie.

Viele werden es nicht wahrnehmen, wenn sie heute den Bibeltext hören. Aber dieser Text ist gefährlich. Er kann missverstanden und missbraucht werden. Er muss gedeutet und klug interpretiert werden. Damit er nicht noch mehr Unheil anrichtet.

 

[1] Apostelgeschichte 3,13

[2] Apostelgeschichte 3,15

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39718
weiterlesen...

Anstöße sonn- und feiertags

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ostern hat in den Evangelien ein Nachspiel: Immer wieder, so wird erzählt, taucht der  auferstandene Christus unvermutet im Kreis seiner Anhänger auf. Die stehen noch gewaltig unter Schock, denn in Jerusalem haben sie den hingerichtet, der ihre ganze Hoffnung war. Und nun steht er, der „Meister“, plötzlich wie aus dem Nichts in ihrer Mitte – dringt durch Wände und verschlossene Türen. Die Versammelten spüren: Er ist da, anders zwar als zu seinen Lebzeiten, aber er ist es, gibt sich selbst zu erkennen. Sie erschrecken sich zu Tode. Er aber wünscht ihnen Frieden (Lukas 24,36; Johannes 20,19; 20,21; 20,26). Daran erinnert bis heute der „Friedensgruß“ in der katholischen Messe, den die Gläubigen einander mit einer freundlichen Geste weitergeben.   

Also „Friede, Freude, Eierkuchen?“ „Friede“ ist in der Bibel mehr als eine Schleckerei. Er meint Glück, Wohlergehen, Zu-frieden-heit, wie die deutsche Sprache treffend sagt. Friede bedeutet, dass Leben gelingt und Beziehungen tragen. Er beginnt im eigenen Herzen. Wer mit sich selbst im Reinen ist, sich aushalten kann auch mit seinen Macken und Fehlern, der wird auch mit andern im Frieden leben, weil er sie achtet und respektiert. Achtung und Respekt sind auch die Basis für das friedliche Zusammenleben der Völker. Friede ist für Christen nicht zuletzt Friede mit dem „Gott des Friedens“, „der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“, wie Jesus einmal sagt (Matthäus-Evangelium 5,9).

Zwei Milliarden Getaufte würden zu einer weltweiten „Friedensbewegung“, wenn sie Frieden in ihrem Alltag leben. Da bliebe für Bosheit und Hass kaum noch Raum. Denn das ist mein Verdacht: Es ist zu viel Unfriede in der Welt. Der verdichtet sich in den Knallköpfen unfähiger Politiker immer wieder zu einem explosiven Gemisch, das sich dann in verbrecherischen Kriegen entlädt.

Friede im eigenen kleinen Leben bedeutet, einem streitsüchtigen Nachbarn doch die Hand hinzureichen. Einen lächerlichen Erbschaftsstreit zu begraben, weil wir nackt und bloß, wie wir gekommen sind, auch wieder gehen müssen. Friede heißt: sprechen, verhandeln, sich aussöhnen, für Ausgleich sorgen, mit Kompromissen leben.  

Friede ist kein Wort – Friede ist ein Programm. Daran denke ich, wenn ich heute der Gemeinde zuspreche: „Der Friede des Herrn sei allezeit mit Euch!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39711
weiterlesen...

SWR3 Gedanken

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Eine schöne Tasse Kaffee, eine frische Brezel, leckeres Obst, ein gekochtes Ei. Manchmal genieße ich es total, sonntags ausgiebig zu frühstücken. Wenn ich frei habe und Zeit. Oder mir abends die Zeit zu nehmen, mit einem kalten Bier, einer leckeren Pizza oder einem Käsebrot. Am schönsten ist es natürlich mit Menschen zusammen, die ich mag.

Für mich gehört Genuss auch zu meinem Christsein dazu. Obwohl ich sehe, dass andere gerade nichts zu lachen haben und das Leben nicht genießen können. Manchmal gar nicht einfach. Bin ich gleichgültig, wenn ich trotzdem morgens schön frühstücke oder abends mit Freunden zusammen lache? Ich glaube, dass Gott uns die vielen guten Dinge geschenkt hat, die es gibt, weil er uns liebt. Und dass wir die genießen dürfen – auch, wenn andere das gerade nicht können.  

In der Bibel steht sogar ein Spruch dazu. Da sagt einer: „So habe ich erkannt: Es gibt kein größeres Glück bei den Menschen, als sich zu freuen und sich’s gut gehen zu lassen. Jeder Mensch soll essen, trinken und glücklich sein als Ausgleich für seine ganze Arbeit. Denn auch dies ist eine Gabe Gottes.“

Ich glaube das auch. Dass Genuss eine Gabe Gottes ist und, dass es wichtig ist, dass wir auch mal was genießen. Zum Leben gehört natürlich auch die Arbeit. Und auch, dass ich Mitgefühl habe und versuche, für die da zu sein, die gerade nichts zu lachen haben, aber eben auch das Ausruhen und das Genießen. Essen und Trinken natürlich, aber auch ein gutes Buch, ein spannender Film, ein lustiger Abend beim Bowling oder eine Kneipentour. Alles eine Gabe Gottes, damit wir uns freuen und es uns gut gehen lassen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39701
weiterlesen...

SWR2 Lied zum Sonntag

14APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ein Lied, das zum Tanzen einlädt! „Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut geschieht!“ Heiter und beschwingt ist die Melodie. In Hoffnung verliebt der Text. Er stammt von demselben Dichter, der auch das schwungvolle Sommerlied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ gedichtet hat: Paul Gerhardt.
Auch in diesem Osterlied steht ein weckender Impuls am Anfang: Mach dich auf! Lass die Traurigkeit hinter dir! Nimm wahr, was an Ostern geschehen ist: „Es kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht.“

Auf, auf, mein Herz,
mit Freuden nimm wahr,
was heut geschieht;
wie kommt nach großem Leiden
nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt
da, wo man uns hinträgt,
wenn von uns unser Geist
gen Himmel ist gereist.

Ein Lied, das zum Hoffen einlädt! Licht fällt in das Grab, in dem Christus begraben lag. Und von dort in die stickigen Grabkammern der Trostlosigkeit überall auf der Welt. Es wird nicht dunkel bleiben. Denn seit Ostern weht ein Hoffnungsschimmer durch die Welt. Oder wie es Paul Gerhardt sagt: „Das Leben schwingt seine Siegesfahne.“

Er war ins Grab gesenket,
der Feind trieb groß Geschrei;
eh er's vermeint und denket,
ist Christus wieder frei
und ruft "Viktoria",
schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held,
der Feld
und Mut behält.

Ein Lied, das zum Lachen einlädt! Zum Osterlachen! Diese Welt mit ihrer Verbissenheit und in ihrer Zerrissenheit ist lächerlich! Ich will mich davon nicht länger entmutigen lassen. Denn an Ostern leuchtet ein Gegenlicht auf. Es stellt in den Schatten, was mich deprimieren und mein Leben verdunkeln will. Und lässt noch in die finstersten Nächte einen „Sonnenblick“ fallen.

Tanzen, hoffen, lachen! So will ich hineingehen in diesen österlichen Sonntagmorgen...

Die Welt ist mir ein Lachen
mit ihrem großen Zorn;
sie zürnt und kann nichts
machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht
mein Herz und Angesicht;
das Unglück ist mein Glück,
die Nacht mein Sonnenblick.

                    *

CD 1: Paul Gerhard, die schönsten Choräle, Bach Chor Siegen
CD 2: Lob, Ehr und Preis sei Gott, Vocal Concert Dresden, Berlin Classics 2013

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39692
weiterlesen...

SWR2 Wort zum Tag

13APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Echte Freundschaft stelle ich mir – ehrlich gesagt – ein bischen anders vor. Als Freundin oder Freund wartest du doch auf den anderen, zumal wenn du weißt, dass der ja sicher alles andere tut als zu trödeln, sondern dass er noch bei den Leuten bleiben muss, die seine gute Nachricht hören wollen oder mit einer Krankheit gekommen sind, von der sie geheilt werden möchten. Seltsam, wie es die Bibel da berichtet: Die Freunde des Jesus von Nazaret gehen schon mal zum Boot voraus; sie wollen heimfahren, auf die andere Seite des Sees. Schließlich sind die Abend-Winde gefährlich und gefürchtet. Und Jesus kennt sich damit ja vielleicht weniger aus. Aber als der immer noch nicht da ist, fahren sie einfach schon mal los… Ungeduldig, die Freunde – sie stechen in See.

Und wie erwartet: Der Abendwind kommt von vorn und macht die Ruderei noch schwieriger als üblich – scheint, dass sie echt in Panik geraten. Es ist schon dunkel, berichten die Evangelien, und reden von einem heftigen Sturm. Als sie etwa sechs Kilometer gefahren sind, also mitten auf dem See, da sehen sie, wie Jesus über den See geht und sich dem Boot nähert; und sie fürchten sich noch mehr.

Schon klar: die Lage ist offenbar angespannt. Aber da ruft er ja schon: Ich bin es; fürchtet euch nicht! Und ehe sie ihn zu sich ins Boot nehmen können, sind sie schon am Ufer, das sie erreichen wollten. Das zweite Wunder: sechs Kilometer bei Gegenwind und Wellengang im Nu zurückgelegt…

Das ist mehr als nur eine Wundergeschichte. Es geht doch um sehr menschliche und für viele Menschen alltägliche Erfahrungen. Geduld und Ungeduld in einer Freundschaft; Gefahren, die plötzlich auftauchen und mit denen du doch eigentlich hättest rechnen können: Abends ist der See Gennesaret einfach immer unruhig…

Und hoffentlich gibt es oft oder sogar fast immer Beistand; direkt von Gott selbst – und häufiger noch durch Menschen. Beistand ist bitter notwendig und kommt gern unerwartet – und hilft dir manchmal mehr als du dir selbst wünschen konntest: dass der Freund oder die Freundin, dass Mutter oder Vater oder dass jemand Wildfremdes da ist und dir zur Seite steht.

Dass echte Hilfe eben doch näher ist als befürchtet: Das wünsche ich Ihnen und mir auch für mich selbst. Auch wenn ich an meiner Zuversicht sicher noch arbeiten muss…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39690
weiterlesen...

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Jetzt – nach fast zwei Wochen – habe ich mich so langsam an die Zeitumstellung gewöhnt. Mich nervt die Umstellung von Normal- auf Sommerzeit zwar jedes Mal – aber ich liebe es auch, wenn es abends lange hell ist.

Es hat Zeiten in meinem Leben gegeben, da konnte die Abenddämmerung für mich gar nicht spät genug anbrechen. Denn wenn es dunkel geworden ist, dann ist auch meine Seele immer wieder mal in die Dunkelheit abgetaucht. Und ich bin sicher, das geht vielen Menschen ähnlich: Anstatt zur Ruhe zu kommen, fangen die Gedanken an, zu kreisen: Was ist liegen geblieben? Was ist morgen zu tun? Wo weiß ich nicht weiter? Abends stapeln sich ihre Sorgen im Kopf und manche begleitet das sogar bis unter die Bettdecke. Wer nachts nicht schlafen kann, weil die Gedanken kreisen, der hat wirklich eine finstere Nacht.

Am nächsten Morgen ist das Gefühl meistens wieder verflogen. Es wird hell, und bei eine Tasse Kaffee oder Tee sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ich bin immer froh, wenn mir ein neuer Tag auch neuen Schwung gibt. Bei Licht betrachtet sind meine Probleme auch nicht größer als die, anderer Leute, und ich fürchte, ich nehme sie manchmal einfach zu wichtig. Und trotzdem: Abends sitze ich wieder da und grüble.

Ich ärgere mich darüber, denn eigentlich weiß ich es ja besser. Anstatt auf das zu starren, was liegen geblieben ist, sollte ich lieber an das denken, was mir gelungen ist. Vielleicht ist das gar nicht viel. Vielleicht habe ich nur den Müll rausgebracht oder ein bisschen aufgeräumt - aber immerhin. Und warum sollte morgen nicht etwas Gutes auf mich warten? Morgen ist ein neuer Tag. Und ganz sicher geht die Sonne wieder auf.

Es gibt ein Lied im evangelischen Gesangbuch, das nimmt den Abend und den Morgen zusammen in den Blick: „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ und darin heißt es:

„Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht: und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für Gottes Taten spricht.“

Das ist doch ein schöner Gedanke: Wenn es hier langsam auf den Abend zugeht, dann geht irgendwo anders auf der Welt gerade die Sonne auf. Ich stelle mir vor, wie die Menschen aus ihren Betten kommen und sich erst einmal recken und strecken. Bestimmt kocht gerade irgendjemand Kaffee - oder was auch immer dort zu einem Frühstück gehören mag. Irgendwo auf der Welt fängt gerade jemand neu an. Und hier bei mir? - Hier kommt nach einer langen Nacht auch wieder der nächste Morgen. Und ich bin gespannt, was der neue Tag bringen wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39683
weiterlesen...

SWR3 Gedanken

13APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Er wolle kein „betreutes Moderieren“. So ähnlich hat sich Thomas Gottschalk geäußert vor seiner endgültig letzten Wetten-Dass-Show. Da war er 73. Ob Gottschalk wirklich zu alt ist für den Job? Keine Ahnung. Aber ich frage mich manchmal, was das überhaupt heißen soll? Zu alt sein für irgendwas! Sicher, ein 70-Jähriger dürfte einem Fußballteam mit lauter 20-Jährigen auf dem Platz keine echte Hilfe sein. Und auch ein Dachdecker wird im hohen Alter eher nicht mehr auf steilen Dächern rumklettern. Kraft, Beweglichkeit und manches andere lassen im Alter einfach nach. Das merke ich selbst. Aber warum sollte der 70-Jährige mit viel Erfahrung nicht das Team coachen, der versierte Dachdecker junge Kollegen anleiten? Und selbst ein 81-Jähriger, der das politische Geschäft seit vielen Jahrzehnten beherrscht, kann ja ein guter US-Präsident werden? Vorausgesetzt, er ist im Kopf fit und beweglich geblieben.

Je älter ich selbst werde, umso mehr ärgere ich mich über solche Alters-Diskussionen. Weil so viele davon unwürdig sind. Weil da manchmal unausgesprochen mitzuschwingen scheint, dass jeder über 70 ein grenzdebiler Zausel sein muss. So alt bin ich zwar noch nicht. Aber ganz so weit ist es bis dahin eben auch nicht mehr. Wenn es mal soweit ist, dann würde ich mich jedenfalls freuen, wenn mich Jüngere trotzdem noch um Rat fragen. Und wenn mein Geist eines Tages dann auch nicht mehr richtig mitmacht, dann hoffe ich, dass andere viel Verständnis mit mir haben. Und nicht nur den senilen Opa sehen, sondern den Menschen mit ganz viel Lebenserfahrung, der ich war und immer noch bin.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39671
weiterlesen...