Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Eine Schafherde mit ihrem Schäfer, zwei drei Hunde dabei. Wenn ich das sehe, geht mir das Herz auf. Genauso herzlich berühren mich diese Worte: „Der Herr ist mein Hirte, er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.“ Steht im Psalm 23. Und im Neuen Testament sagt Jesus von sich: „Ich bin der gute Hirte, meine Schafe hören meine Stimme. Ich kenne sie. Ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Diese herzliche Zusage ist heute dran in den evangelischen Gottesdiensten.

Es stimmt: wir Menschen kommen nackt und schutzbedürftig in die Welt. Und wir bleiben es: Wir gehen ein, wenn wir nicht angesprochen werden. Die Stimmen, die sich uns vertraut machen, die lassen uns leben. Als Säugling fängt es an: Er lässt sich in den Schlaf nur fallen, wenn Mama oder Papa vorsingen. Und als Erwachsener geht es mir noch ähnlich. Es macht mich ruhiger in heiklen Situationen, wenn mir einfällt: „trau Dich, bist nicht allein“.

„Ich bin der gute Hirte, meine Schafe hören mich.“ So verstehe ich was Jesus im Johannesevangelium sagt: Aus allem, was mich wohlmeinend anspricht, kann ich auch Gottes Stimme hören. ER ist der tiefste Grund, dass ich Zutrauen ins Leben haben kann: Auch in Sorge und Angst. Es gibt immer mehr Grund zu vertrauen, als sich zu fürchten. Weil Gott behütet. ---

Vor kurzem hab ich eine Schäferin gehört, was gutes Hüten ausmacht: Es gibt zwei Formen des Hütens, hat sie gesagt, einmal das enge Gehüt, da will man als Hirte die Schafe beieinander halten. Wenn schlechtes Wetter ist zB. Und es gibt das weite Gehüt, wenn eine große Fläche zum Weiden da ist, lässt man die Schafe auch weit gehen. Und ich würde mal sagen: Gott ist der, der das weite Gehüt bevorzugt.

Diese Beschreibung der Schäferin vom weiten Hüten gefällt mir sehr: Gott lässt freigehen. Und ist behutsam hinter mir. Vielleicht kann man sich davon auch was abgucken. Für Situationen wo man selber Hirte ist für andere. Verantwortlich sein für Kinder zum Beispiel, hat was von „Hirte sein.“ Da muss ich auch unterscheiden: Wann muss ich eng hüten und wann ist normale Zeit, wo ich weit hüte und machen lasse.

Vielleicht hüten viele Eltern heute zu eng. Sie gehen nicht behutsam neben oder hinter ihren Kindern, sondern gehen vorne weg. Räumen alles aus dem Weg und versuchen alle Wege zu ebnen. Vielleicht wäre weit hüten besser für Kinder. Vertrauen stark machen, dass sie Hindernisse allein angehen lernen.
Manchmal ist dafür eine ermutigende Stimme genug. Auch für mich als Erwachsener. Es ist genug und gut, wenn ich weiß, ich bin von Gott angesprochen.

 

Bibeltext: Joh 10,11-16.27-30
11 »Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt ist bereit, für die Schafe zu sterben.
12 Anders ist das bei einem, der die Schafe nur für Geld hütet. Er ist kein Hirt und die Schafe gehören ihm nicht: Wenn er den Wolf kommen sieht, lässt er die Schafe im Stich und läuft weg. Und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und jagt die Herde auseinander.
13 Denn so ein Mensch hütet die Schafe nur für Geld und die Schafe sind ihm gleichgültig.
14 Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die, die zu mir gehören, und sie kennen mich.
15 Genauso kennt mich der Vater und ich kenne ihn. Ich bin bereit, für die Schafe zu sterben.
16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall kommen. Auch die muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören. Alle werden in einer Herde vereint sein und einen Hirten haben.

27 Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir.
28 Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen und niemand kann sie mir aus den Händen reißen.
29 Mein Vater, der sie mir anvertraut hat, ist mächtiger als alle. Niemand kann etwas aus seinen Händen reißen.
30 Ich und der Vater sind untrennbar eins.«

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28582