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SWR1 3vor8

Joh 1,35-42

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause.“ So heißt die Jahresaktion 2018 des Deutschen Caritasverbandes. Er schätzt, dass in Deutschland etwa 1 Millionen Wohnungen fehlen. Gerade für Leute, die nicht so viel Geld haben: Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern, ältere Menschen mit kleiner Rente und Hartz IV-Empfänger. Für die ist es oft schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause.“ Im biblischen Text, der heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird, geht es auch um ein Zuhause, nämlich um das von Jesus selbst.  Die Bibelstelle im Johannesevangelium handelt von der Berufung der ersten zwei Jünger. Die beiden waren wohl ursprünglich Jünger von Johannes dem Täufer. Der macht sie auf Jesus aufmerksam und daraufhin interessieren sich für ihn, wagen es aber nicht, Jesus direkt anzusprechen. Sie beobachten ihn, schleichen so ein bisschen um ihn herum.  Jesus merkt das, geht auf sie zu und fragt ganz direkt: „Was wollt Ihr?“ Und die antworten nicht etwa mit: „Wir wollen dich kennenlernen“ oder „Wir wollen wissen, wer du bist, was Du zu sagen hast.“ Sondern sie antworten mit der Frage: „Wo wohnst Du?“ Daraufhin Jesus ganz einfach: „Kommt und seht!“ Keine theoretische Erklärung, keine Visitenkarte, sondern die direkte Einladung zu sich nach Hause. Und es heißt, dass sie mitgehen und den ganzen Tag bei ihm bleiben. Und es hat ihnen dort so gut gefallen, dass sie Jesus fortan begleiten, seine Jünger werden. Nicht eine flammende Rede Jesu, nicht ein ausgefeiltes Programm hat sie überzeugt sondern die Einladung Jesu; dass sie bei ihm Zuhause waren.   

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“, wo er sich selbst hin zurückziehen kann, wo er daheim ist. Wo er aber auch andere hin einladen kann. Sagen kann: „Komm und sieh.“

Denn was ist ein großes Haus ohne Gäste? Was eine perfekte Küche, in der nicht gekocht wird? Was ein guter Wein, den man alleine trinkt?  

Deshalb setzt sich die Caritas in ihrer Jahresaktion nicht nur für bezahlbaren Wohnraum für alle ein, sondern auch für neue Wohnformen, die das Miteinander der Menschen stärken. Wohngenossenschaften, Wohnanlagen, die barrierefrei oder ganz bewusst Generationen übergreifend sind und andere ähnliche Projekte. Damit der eine zum andern leichter sagen kann: „Komm und sieh“.

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