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SWR1 3vor8

(Mt 13,24-43)

 Mit „ein Mensch“ beginnen viele Kurzgedichte von Eugen Roth, eines lautet:

„Ein Mensch ist fest dazu entschlossen, das gute Kräutchen wird begossen,

das Schlechte aber ausgerottet. Doch ach, des Lebens Wachstum spottet,

oft fällt’s schwer sich zu entschließen, soll man nun rotten oder gießen.“

Mir fällt dieses  Gedicht immer zu der Bibelstelle ein, die am heutigen Sonntag in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen: Ein Mann wirft guten Samen auf seinen Acker. Der Feind aber sät, während der Mann schläft, Unkraut dazwischen. Beides wächst und der Mann lässt auch beides wachsen. Erst bei der Ernte trennt er den Weizen vom Unkraut. Der Weizen kommt in die Scheune und das Unkraut wird verbrannt. Das Schöne an diesem Gleichnis: Jesus liefert im Matthäusevangelium auch gleich die Auslegung dazu, da ihn die Jünger ausdrücklich danach fragen. Der Mann, der den guten Samen sät ist der Menschensohn, sprich Jesus selbst. Der Feind ist der Teufel, also das personifizierte Böse und der Acker die Welt. Der gute Same sind die Guten, das Unkraut sind die Bösen und die Ernte, wo Unkraut und Weizen von einander getrennt werden, ist das Ende der Welt.

Ich finde es gut, dass erst am Ende der Welt entschieden wird, wer die Guten und wer die Bösen sind. Es enthebt mich von der Pflicht, dies jetzt entscheiden zu müssen. Und ich werde es auch nicht am Ende der Welt entscheiden, denn ich bin nicht der Herr der Ernte. In seiner Erklärung des Gleichnisses setzt Jesus die Arbeiter der Ernte mit den Engeln gleich. Und die haben bekanntlich nur einen Herrn. In christlicher Terminologie: Den guten Vater im Himmel. Ihm möchte ich das gerne überlassen, zu entscheiden was Unkraut und was Weizen ist. Und bis dahin halte ich mich an den Satz von Eugen Roth: „oft ist es schwer sich zu entschließen, soll man nun rotten oder gießen“

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