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SWR1 3vor8

Von Gott kann sich jeder was abschauen. Sie und ich. Und es tut gut, wenn wir uns was abschauen von Gott. Uns und den Menschen, die uns anvertraut sind. Über die wir Macht haben. Ich habe doch keine Macht über andere, sagen sie? Doch ich glaube, jeder und jede von uns hat zeitweise Macht über andere. Das darf man, glaube ich, akzeptieren.

Beispiel: Wenn ich kleine Kinder habe, wäre es doch unverantwortlich, die Macht und Verantwortung die man als Eltern für sie hat, nicht wahrzunehmen. Sie brauchen Fürsorge, Schutz. Jemand der den Weg ins Leben zeigt. Als Vater und Mutter sind wir so wichtig. Als hoffentlich gute Mächte für unsere Kinder.
Und es gibt noch viele Situationen, in denen wir Macht haben über andere. Auf Zeit oder manche auf Dauer: Als Lehrer, als Chefin, als Ärztin Patienten gegenüber. Als Trainer einer Mannschaft. Als Journalistin für Hörer. Oder als Politiker.

Ich finde, Macht haben ist nicht das Problem. Wer eine machtvolle Gabe hat, sollte sie nicht brach liegen lassen. Entscheidend finde ich, wie wir unsere Macht annehmen und sie gebrauchen. Und dabei kann sich jeder was abschauen von Gott.

In der Passage in der Bibel, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt steht, sagt Gott wie Macht gut wird: Er wird sie gebrauchen wie ein guter Hirte: Aufmerksam, fürsorglich. Anders als manche Menschen, wenn sie Macht missbrauchen. Menschen missbrauchen ihre Macht, so drückt sich die Bibel aus, „wenn sie sich selbst weiden! Dabei sollen doch die Hirten ihre Herden weiden.“ Sich selbst weiden. Das meint wohl: Die Macht einsetzen für sich selbst und nicht für die, für die man Verantwortung hat. Das ist Machtmissbrauch.  Und das wird in der Bibel mit klarer Kante kritisiert.

Das ist strenger Maßstab. So ein Machtmissbrauch kann ja leicht passieren. Ich habe mich als Vater manchmal gefragt: Habe ich jetzt entschieden, was für meine Kinder gut war, oder bin ich von mir ausgegangen? Bin ich ihnen gerecht geworden oder dem, was ich vielleicht aus ihnen machen will? Wie gebraucht man Macht gut? Dafür müssen Macht und Herz für andere zusammen finden und sich verbinden. So wie Gott verspricht „guter Hirte“ zu sein:

"Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist."

Gute Macht kümmert sich, wenn jemand unter die Räder kommt. Schreibt die nicht ab, die fehl gegangen sind, baut Schwache auf. Muss Starke nicht klein machen. Das wäre es, wenn wir so machtvoll wären: Ob als Eltern, Chefin oder Präsident.

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34,1 Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

10 So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

 

Hesekiel 34,1.2,10-16.

 

 

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