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SWR1 3vor8

6. Sonntag im Jahreskreis (A) 

„Den Willen Gottes tun" - Ein Satz, der oft in der Bibel zu lesen ist. Eine so steile wie vielleicht auch einschüchternde Formulierung. Denn: Was ist der Wille Gottes? Und woher weiß ich es, wenn ich es weiß? Und wie kann ich ihn tun? Fragen, die man schon auch stellen darf, wenn ich nur daran denke, wie viel Schindluder mit dem so genannten „Willen Gottes" schon getrieben wurde. Kirche und Staat haben in der Vergangenheit immer wieder Gehorsam eingefordert, um Macht auszuüben, um Menschen klein zu halten und sie zu beherrschen. Vollends verhängnisvoll wurde das, wenn sie auch noch behauptet haben, dass mit dem, was sie fordern, der „Wille Gottes" zum Ausdruck komme. In den katholischen Gottesdiensten ist heute  aus dem Alten Testament zu hören: „Gott gab den Menschen seine Gebote ... wenn du willst, kannst du sie halten und so den Willen Gottes tun." Jesus Sirach, ein alter Weisheitslehrer hat das geschrieben. Von ihm weiß man, dass er den Menschen nicht als Handlanger Gottes sieht, sondern eigenverantwortlich. Er ist überzeugt von den positiven Fähigkeiten des Menschen. So etwas höre ich gerne und frage noch einmal nach: „Was ist der Wille Gottes?" -  Und ich werde fündig bei den „Zehn Geboten". Die „Zehn Gebote" sind über lange Zeit gewachsen. Allmählich kamen die Menschen zu der Einsicht, wie sie miteinander umgehen sollen. Die Israeliten erkannten in den 10 Geboten den „Willen Gottes". Danach will Gott, dass wir entsprechend der von ihm geschenkten Vernunft  menschlich handeln. Den „Zehn Geboten" voran steht: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei befreit hat." (Deuteronomium 5,6) Ich verstehe darunter einen Gott, der mir gut will, der meine Freiheit ernst nimmt. Deshalb, so heißt es im biblischen Sinn übersetzt weiter - deshalb wirst du dich auch im Vertrauen auf Gott um ein menschenwürdiges Leben kümmern. Die „Zehn Gebote" nehmen mir also nicht die Freiheit, sondern erinnern an meine von Gott geschenkte Freiheit. Sie sind keine Befehle und keine Verbote. Sie ermutigen zum rechten zwischenmenschlichen Umgang: Ich werde eines jeden Menschen Würde achten. Ich werde eines jeden  Menschen Recht auf Leben schützen helfen. Ich werde versuchen, Menschen, die das Leben hart trifft, wieder aufzurichten, sie zu trösten, ihnen beizustehen. „Den Willen Gottes tun" - von Jesus her ist mir noch etwas neu aufgegangen: Gott will nichts für sich. Was könnten wir ihm schon geben, was ihm seither gefehlt hätte? Was könnten wir ihm nehmen, was ihm dann fehlen würde? -  Ich verstehe Jesus so: Gott will nichts für sich. Er will, dass unser Leben gelingt - trotz aller Brüche.

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