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SWR1 3vor8

Eine unhöfliche Tischrede hält Jesus da im Lukasevangelium. „Wenn du ... ein Essen gibst“, sagt er zu seinem Gastgeber, „so lade nicht deine Freunde ..., deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ (Lk 14) Einladung und Gegeneinladung – zu allen Zeiten ein Thema. Ich lade Menschen ein, weil ich auch eingeladen werden möchte. Ich schlage eine Einladung aus, weil ich fürchte, mich nicht revanchieren zu können. Einladungen sind ein sensibler Bereich. Hoffnungen und Ängste knüpfen sich daran. Wer mich einlädt, schätzt mich, traut mir, ist gern mit mir zusammen. Aber meint er es ernst? Will er mich wirklich bei sich haben? Oder lädt er mich ein, weil er irgendwas von mir will? Oder weil ich ihn mal eingeladen hatte und er mir nichts schuldig sein will? Andererseits: überall auf der Welt und zu allen Zeiten lädt man sich ein und verbindet einen Zweck damit. Arbeitsessen, Geschäftsessen, Empfänge bei Konferenzen, Einladungen an neue Kollegen oder Nachbarn.
Zusammen essen, Gastfreundschaft üben gehört zu den Grundvollzügen zwischen Menschen. In vielen Kulturen, nicht nur in der Bibel, gibt es ja auch die Vorstellung, in den Gästen Engel oder Götter zu beherbergen.
Einladen, ohne Gegenleistung zu erwarten – das fordert Jesus hier. Einfach deshalb, weil andere meine Gastfreundschaft brauchen: Essen, Wärme oder Erfrischung, einen Platz am Tisch. Das ist nötig für menschliches Zusammenleben. Und es ist nötig, um ahnen zu können, wie Gott ist. Gastgeber für die, die sich nicht revanchieren können. Das ist die Pointe in der unhöflichen Tischrede, die Jesus hält: wenn wir aufhören, im Schema von Gabe und Gegengabe zu denken, können wir ahnen, wie Gott ist. Immer wieder spricht Jesus davon, dass wir Gottes Liebe nicht verdienen können, nicht verdienen müssen. Schenken ohne Nebenabsichten, mich beschenken lassen ohne zurückgeben zu wollen, beides fällt schwer, beides lässt uns als Menschen besser zusammenleben, und beides macht uns fähiger, uns von Gott beschenken zu lassen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2037