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SWR3 Gedanken

01APR2026
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Als ich damals mit 15 in meinen neuen Turnschuhen das erste Mal in die Schule gegangen bin, hatte ich den rettenden Einfall: Ich sage den anderen einfach voller Überzeugung: „Ich weiß, das sind keine Markenschuhe, aber Ich hab die ausgesucht, weil sie voll bequem sind!“ Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mir diesen Satz richtig zurechtgelegt habe. Markenschuhe waren damals einfach nicht drin. Mir war es natürlich superpeinlich, dass ich mit solchen Schuhen bei meinen Freunden auftauchte. Deshalb habe ich mich mit diesem Satz geimpft nach dem Motto: Ich hätte Markenschuhe haben können, aber die hier waren halt bequemer!

Das besondere war: Es hat funktioniert! Ein kurzer Blick der anderen auf meine Schuhe, ich hab meinen Satz gesagt und keiner hat je etwas abfälliges zu den Tretern gesagt. Und ich habe gelernt: Die klare eigene Haltung hilft, dass andere dich in Ruhe lassen.

Irgendwie auch schade, denke ich heute, dass es so einen Trick gebraucht hat, damit ich angenommen wurde. Schöner wäre es doch gewesen, wenn das alles gar kein Thema gewesen wäre. Markenschuhe hin oder her. Wenn ich darauf hätte vertrauen können: Egal mit welchen Schuhen, meine Freunde mögen mich und es juckt sie nicht, was ich anhabe.

Ich befürchte, dieses Thema bleibt uns auf ewig erhalten. Denn ich kenne solche Gedanken leider auch von den Kindern und Jugendlichen heute. Umso wichtiger vielleicht immer wieder dagegenzuhalten und ihnen unbedingt zu signalisieren: Egal, wie Du aussiehst und was du anhast: Ich find dich gut!

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SWR3 Gedanken

31MRZ2026
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Vor 15 Jahren war ich ganz tief am Boden. Das konnte man sogar sehen. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Was dazu führte, dass ich wirklich nur noch vornübergebeugt laufen konnte. Um nach vorne zu schauen, musste ich den Kopf heben. Schließlich musste ich operiert werden. Danach 3 Wochen Reha.

Natürlich gibt es in einer Reha ganz schön viel zu tun: Übungen, Behandlungen, Arzttermine, Informationsveranstaltungen. Aber dazwischen wollte noch konnte ich mich groß mit anderen Patienten unterhalten. Also lag ich oft in meinem Zimmer. Und auch wenn ich körperlich wieder einigermaßen aufrecht stehen konnte, fühlte ich mich doch weiterhin, tief am Boden.

Und da, ganz am Boden, drängten sich plötzlich viele Gedanken auf: Arbeit, Alltag, Familie. Alles wurde zu einem großen Problemklumpen, der mich nachts nicht mehr schlafen ließ.

Und weil ich nicht so richtig weiterwusste, gönnte ich mir, was ich sonst anderen gönne: Ein langes Gespräch mit einer Pfarrerin, einer Kurseelsorgerin. Die kam zu mir, saß bei mir am Bett und hörte sich meine Themen und Probleme an.

Als ich merkte, wie viel ich geredet hatte, habe ich kurz gedacht: Kein Wunder, dass dir die Bandscheibe rausgehüpft ist, bei so viel Kummer!  

Ich habe nämlich viel gefunden in der Tiefe meiner Seele und meiner Gedanken. Ich war unglaublich froh, dass mir die Kurseelsorgerin zugehört hat und dass sie dabei war, als ich für so Manches endlich Worte gefunden habe. Ich war nicht mehr am Boden. Die OP und das Zuhören haben mich wieder ein Stück aufgerichtet.

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SWR3 Gedanken

30MRZ2026
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Fieses Regenwetter. Die Strecke mit dem Fahrrad ist viel zu lang und meine Klamotten sind nur bedingt regenfest. Und dann gibt es nicht einmal einen Kaffee bei dieser Besprechung.

Aber auf dem Laptop meiner Kollegin entdecke ich einen schönen gelben Sticker, als sie ihn aufmacht. Ich kenne diese Sticker, die kann man inzwischen überall auf der Welt finden: „Nett hier, aber waren sie schon mal in …“ wo? „in Geberlaune?“ Okay, das hatte ich jetzt nicht erwartet. „Waren sie schon mal in Geberlaune?“ Und ich muss zugeben, dass dieser Spruch meine Laune etwas hebt. Meine Kollegin merkt, dass ich den Sticker aufmerksam lese und fragt: „Und? Warst Du da schon mal?“

Ich muss nicht lange nachdenken und stelle mir Geberlaune wirklich als Ort vor. Sage sowas wie: „Da ist es schön und warm. Da blühen die Bäume und es gibt keine Allergien. Geberlaune ist das Land des Lächelns und der hilfreichen Hände, weil jeder weiß: Mir ist so viel geschenkt worden in meinem Leben. Ich habe in meinem Leben überhaupt gar nicht alles alleine hinbekommen, sondern so viele Menschen haben mir weitergeholfen, mich unterstützt, in meinem Leben, in meinem Beruf oder bei meinen Hobbys. In Geberlaune wissen alle: Dass ich lebe, war nicht meine eigene Idee.“

Als ich nach der Besprechung wieder zurückradele, hat der Regen aufgehört. Wenigstens für einige Zeit. Ich fahre beschwingt und denke: Mal sehen, wem ich jetzt begegne. Ich hätte jetzt Lust auf Geberlaune.

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SWR3 Gedanken

29MRZ2026
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Ich liebe Achterbahn fahren. Ich leg mich in die Kurven, spüre bei Loopings und Schrauben kurze Moment der Schwerelosigkeit, und wenn es richtig steil bergabgeht, kann ich das Kribbeln im Bauch genießen.  

Vielleicht mag ich auch deshalb diese Woche, die vor uns liegt so.  Ich finde, die nächsten Tage, also von heute Palmsonntag, über Gründonnerstag und Karfreitag bis zu Ostersonntag bieten eine wahre Achterbahn der Gefühle, wenn man sich die Geschichte von Jesus anschaut. 

Denn: Heute ist der Tag, an dem Jesus nach Jerusalem kommt und bejubelt wird. Es geht aufwärts. Aber dann geht es Stück für Stück abwärts und so ein paar Loopings und Schrauben sind auch dabei. Da wird von Streit erzählt, davon, dass sich Jesus schweren Herzens verabschiedet, von Verrat und Versagen und schließlich kommt es zum Tod Jesu am Karfreitag. Da sind wir ganz unten angelangt. Ich kenne Achterbahnen, die sausen in ein Loch in die Erde!

Und dann, nachdem es stockdunkel war, wird man steil nach oben gerissen. Noch ein paar Schlenker und man bleibt stehen. Ostern! Halleluja!

Manche nennen diese Achterbahn der Gefühle auch: heilige Woche. Und für mich hat dieses Auf und Ab wirklich auch etwas Heiliges. Und ich freue mich, weil diese Woche auch mein eigenes Leben widerspiegelt: Dieses Auf und Ab kenne ich sehr gut. Ein Leben voller Hoffnungen und Bangen, ein Leben mit absoluten Tiefpunkten und unglaublich überraschenden Wendungen.

Und so, wie diese Woche nicht normal ist, ist es mein und unser Achterbahn-Leben auch nicht. Es ist heilig.

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SWR3 Worte

27DEZ2025
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Die Politikjournalistin Yasmin M’Barek spricht von Empathie und Liebe, gerade auch wenn es mal in politischen Diskussionen am Esstisch schwierig und sehr kontrovers zugeht. Sie sagt:  

Empathie [ist] ein Versuch andere Menschen zu lieben. Empathie setzt voraus, gemeinschaftlich sein zu können. […] Zu sagen: „Ich will dich verstehen und eine Brücke zwischen uns bauen […] Denn wenn wir uns entzweien, hat das politische und persönliche Konsequenzen. […] es geht nicht darum zu denken „Ich liebe alles an dir“, sondern Liebe als Gegenteil von Bösartigkeit und Misstrauen zu verstehen. Der Begriff ist groß, aber Menschen zu lieben heißt, ihnen zuzutrauen, dass sie etwas Gutes in sich haben.

Zeitschrift Galore Interviews, Ausgabe 74 Galore (01/2026) 

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SWR3 Worte

26DEZ2025
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Iris Macke beschäftigt sich als Chefredakteurin des Adventskalenderverlags „Der andere Advent“ hauptberuflich mit Weihnachten und dem Advent. Hier erzählt sie Ihre Weihnachtsgeschichte:  

Ich bin sieben und mein Herz pocht, als ich die Treppen zu Frau Peffs kleinen Laden hochgehe. Natürlich weiß ich, was Geld ist. Ich habe ja viel davon zusammengespart. Leider nicht genug, eine Mark fehlt mir noch für die beiden Weinrömer mit dem gedrechselten grünen Stiel. […] Sehr selbstbewusst hole ich die Weingläser aus dem Regal, gebe zum Tresen und schiebe Frau Peff meine Währung zu. Fünf Mark und zwei Muscheln. […] Leider schaffe ich es nicht Frau Peffs Blick standzuhalten. Da höre ich es rascheln. [Sie] wickelt die beiden Weingläser in graues Packpapier […] und gerade als ich gehen will höre ich: „Warte! Du hast etwas vergessen!“ Frau Peff schiebt mir 50 Pfennig über den Ladentisch. „Dein Wechselgeld.“

Der Andere Advent 2017/18 zum 24. Dez 2017

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SWR3 Worte

25DEZ2025
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Seit 1945 lädt die Evangelische Gesellschaft – auch „eva“ abgekürzt - zur Weihnachtsfeier in „eva’s Stall“. Für viele heißt die Veranstaltung einfach „der Stall“. Dieter Saltuari hat schon viele Mal dort Weihnachten gefeiert und erzählt:

Du merkst: Du bist nicht allein. Kannst dich sammeln. Kannst auch anderen etwas geben. Man geht beruhigt zum Stall hin, weil man weiß, dass man morgen wiederkommen kann und nicht allein sein wird. Der Stall erinnert mich an die Gemeinschaft. Es ist der letzte Weg, wenn man ganz vereinsamt ist. Der Stall ist für viele ein Rettungsanker. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Gemeinschaft wichtiger wird. Alle sollen verstehen: Es geht in Zukunft nur miteinander. Weihnachten ist der Anfang.

Himmelszeichen, hg. V. Diakonischen Werk Württemberg, 2022

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SWR3 Worte

24DEZ2025
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In Rom, genauer in der Kirche „Santa Maria in Trastevere“ gibt es einen spannenden und schönen Brauch zu Weihnachten. Das weiß Corinna Mühlstedt, die dort viele Jahre als Journalistin lebte, Sie erzählt:

Unmittelbar nach der Messe werden Tische in das Hauptschiff getragen und die christliche Basisgemeinschaft von San’Egidio lädt all jene zu einem Festessen ein, die nicht wissen, wie oder mit wem sie Weihnachten feiern sollen: seien sie arm, einsam oder behindert, Flüchtlinge, Obdachlose oder Emigranten. Für ein paar Stunden wird die Kirche zum Festsaal. Es duftet nach Rosmarin und Wein, Zimt und Kaffee. Aus den Augen der Menschen strahlt Lebensfreude – heller als das Licht der Kerzen. 

Gesegnete Weihnacht – Worte und Weisen zum Fest

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SWR3 Worte

23DEZ2025
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Der Autor und Pastor Matthias Lemme sehnt sich danach, dass die Menschen friedlich miteinander leben und füreinander da sind, auch wenn sie ganz unterschiedlich sind. Der Advent ist für ihn eine Zeit, in der diese Sehnsucht, diese „Adventshungrigkeit“, Platz hat. Darum ermutigt er sich und andere, die Herzen im Advent in Bewegung zu bringen.  

Die Engel flöten es von den Dächern: Gott, die große Träumerin, legt sich ins Zeug. Für die Lämmer unter den Löwen. Für die Mäuse unter den Schlangen. Für die Pazifisten unter den Kriegstüchtigen. Für die Utopistinnen unter den Phantasielosen.

Für alle, die im Schatten leben. Für die Toten, die zu Unrecht vergessen werden. Für die, die noch gar nicht geboren sind.

Allen weitersagen, flöten Sie den Adventshungrigen ins Gesicht. Macht eure Herzen zu Herbergen. Rührt euch.

Luft nach oben, Der Sonntagskalender 2025 Edition Chrismon, zum 14. Dezember

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SWR3 Worte

22DEZ2025
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Der Katholische Geistliche und Lehrer Anthony de Mello vermag es zu überraschen. Und ihm liegt die Mitmenschlichkeit am Herzen. Beides kommt in der folgenden Geschichte zum Audruck:

Ein Guru fragte seine Schüler, wie sie das Ende der Nacht vom Beginn des Tages unterscheiden könnten. Einer sagte: „Wenn man in der Entfernung ein Tier sieht und erkennt, ob es eine Kuh oder ein Pferd ist.“
„Nein“, sagte der Guru.
„Wenn man in der Entfernung einen Baum sieht und erkennt, ob es ein Paternosterbaum oder ein Mango ist.“
„Wieder falsch“, sagte der Guru.
„Also, wie denn?“, fragten die Schüler.
„Wenn man in das Gesicht eines Mannes blickt und darin seinen Bruder erkennt; wenn man in das Gesicht einer Frau blickt und in ihr seine Schwester erkennt. Wer dazu nicht fähig ist, für den ist – wo immer die Sonne auch stehen mag – Nacht.“

Gesegnete Weihnacht – Worte und Weisen zum Fest

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