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SWR Kultur Wort zum Tag
Heute blicken viele ja zurück auf das Jahr, das um Mitternacht vergehen wird. Und das ist mehr als nur so traditionell dahingesagt. Es ist doch auch schön! Zurückblicken auf das, was gut war in den letzten zweiundfünfzig Wochen; noch mal in Erinnerungen schwelgen, den herben Geruch des Meeres oder die Kühle eines Morgens in den Bergen fast richtig schnuppern, noch mal daran denken, wo ich richtig gut drauf war, vielleicht sogar einen kleinen Erfolg hatte. Die Freude noch mal spüren, als mir jemand einfach nur gesagt hat: Gut, dass du da bist – oder Schön, dass ich mit dir zusammenarbeiten darf: Solche kleinen oder auch großen Sachen eben, die den Alltag oder den Urlaub schön gemacht haben.
Schon deswegen, weil sie ja sozusagen im Wettbewerb stehen mit den eher dunkleren Momenten; die hat’s ja nun auch gegeben. Der Sohn von entfernten Bekannten, der wg zu viel Drogen in die Klinik musste. Der Freund, der nach einem Unfall plötzlich nur noch im Pflegeheim sein kann. Die wirklich bösen Worte zwischen Mann und Frau, die sie haben stehen lassen, statt wenigstens zu versuchen, ob sie das vor dem Zubettgehen noch ausräumen oder sich sogar vertragen können…
Zurückblicken – das kann auch schon mal schmerzlich sein. Aber das muss ich aushalten – und ich kann es, weil eigentlich doch das Gute überwiegt, das, wofür ich dankbar bin und was mich gestärkt hat. Dankbar den Menschen; und dankbar dem Gott, der mir diese Menschen und so viel Gutes zur Seite stellt und bei dem ich mich trotz allem doch gut aufgehoben fühle.
Das Gute – weltweit ist es ja auch in diesem Jahr beinah komplett unter die Räder gekommen. Und die Aussichten scheinen kaum besser zu werden – trotz Weihnachten vor acht Tagen und trotz all der Friedensbotschaften und gegen die Hoffnung eigentlich aller Menschen guten Willens auf Gerechtigkeit…
Die Hoffnung nicht verlieren, hatte Papst Franziskus in seiner Friedensbotschaft zum Neuen Jahr 2025 vorgeschlagen: „Suchen wir den wahren Frieden, den Gott einem entwaffneten Herzen schenkt: einem Herzen, das (darauf verzichtet), zu berechnen, was mir gehört und was dir gehört; einem Herzen, das die Mutlosigkeit im Hinblick auf die Zukunft überwindet mit der Hoffnung, dass jeder Mensch eine Bereicherung für diese Welt ist.“
Jeder Mensch – auch Du und ich! – eine Bereicherung!!
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Zwischen den Jahren ist eine seltsame Zeit; und eigentlich ja nur so dahingesagt oder –gedacht – weil ganz genau gesehen ja immer Jahr ist: noch dieses oder schon das nächste Jahr, von einer Sekunde zur anderen. Zwischen den Jahren: das ist also eher nur eine gefühlte Zeit. Weihnachten ist vorbei mit seinen schönen gemütlichen Momenten; der ganze Stress der angeblich ruhigsten Zeit, die Frage, ob Geschenke angekommen sind oder lieber doch umgetauscht werden müssen: das regelt sich gerade. Und die Vorbereitungen für Silvester und Neujahr und eben das ganze 2026 können ja hoffentlich eher ruhig weitergehen…
Ja: es ist eine Zeit wie in einem Dazwischen. In manchen Gegenden hießen die Nächte in dieser Zwischenzeit „Rauhnächte“ – und waren wie ein großes Einfallstor für unheimliche Geister und böse Ereignisse.
Rauhe Nächte: das ist mir eher fremd. Aber das „zwischen den Jahren“ erinnert mich daran, wie die Christenheit eigentlich insgesamt lebt: Seit der Geburt des Jesus-Kindes oder spätestens seit seinen ersten Auftritten dann als Prediger im Heiligen Land gilt eine neue Zeitrechnung – und die zählt weniger in Jahren oder Jahrzehnten. Ich nenne sie „Zwischen den Zeiten“ – und bin da ganz bei dem Jesus, den ich aus der Bibel kenne: „Kehrt um,“ sagt er von Anfang an; „kehrt um, denn das GottesReich ist nah“.
Eine neue Zeit ist angebrochen, heißt das; eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen für alle, in der die Menschen Gottes Liebe erleben und weiterschenken. Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke werden gesund: Jesus hat gezeigt, dass diese Neue Welt schon da ist. Und doch hat er sich getäuscht, sagen viele – diese Botschaft hat er ja sogar selbst mit dem Leben bezahlt. Und das stimmt einerseits. Weil ich aber glaube, dass Jesus durch den Tod hindurch in ein Neues Leben gegangen ist, ist die Hoffnung doch noch mal viel stärker, dass es eben mehr gibt als Tod und Verderben aus Hass und Gewalt.
Noch leben wir dazwischen – zwischen Gottes Herrschaft, die schon angebrochen ist – und die doch noch auf sich warten lässt. Alles zu tun, damit die neue Zeit Wirklichkeit wird, schon heute: das ist der Auftrag an die Christinnen und Christen. Jetzt, zwischen den Zeiten – und natürlich auch in diesen Tagen „zwischen den Jahren“.
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„Brot statt Böller“ schlagen kirchliche Hilfswerke vor. Fast 200 Millionen Euro haben die Deutschen voriges Jahr beim Feuerwerk in den Himmel geschossen. Das könnte vielen Menschen zu einem besseren Leben helfen, statt in ein paar Stunden bunt und laut zu verbrennen. Noch mehr Millionen, hoffen Handel und Industrie, werden sie ab heute umsetzen. Wieviel Gutes könnten Hilfswerke mit so viel Geld tun!!!
Ein anderer Vorschlag war mal: Damit Menschen, die zu uns nach Deutschland geflüchtet sind, weniger erschreckt werden, sollten die Leute doch bitte eher leisere Raketen und Feuerwerks-Böller einsetzen in der Silvesternacht…
Schon wahr: Immer noch wieder sind sehr viele Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Krieg, und viele von ihnen, besonders die Kinder, sind in ihrer Seele schwer verletzt; und das könnte wahrscheinlich wieder aufbrechen und weh tun, wenn’s gegen Mitternacht zu krachen anfängt in diesem friedlichen Land.
Aber „leisere Kracher“ – ist das die Alternative? Andere Stimmen sind schon älter als die mit dem Rücksichtnahme-Feuerwerk; sie machen andere Vorschläge: „Beten statt Böller“, sagen zum Beispiel manche christliche Klöster. Und laden gegen Mitternacht in ihre Kirchen ein; lesen zum Beispiel den Anfang der Bibel: im Anfang schuf Gott Himmel und Erde… und bitten um Gottes Segen für ein gutes Jahr.
Alternative Lösung, ganz grundsätzlich: In vielen Ländern ist die ganze private Knallerei und Blitzerei ja schon verboten. Und sei es nur wg Feinstaub-Belastung und Müll und zum Schutz der Tiere vor so viel Lärm; und weil die Rettungsdienste überlastet sein können.
Wir werden ein paar Wunderkerzen abbrennen, draußen auf der grünen Wiese; vielleicht sogar die Maxi-Wunderkerzen. Und vor allem werden wir Gott danken für das Vergangene und ihm das Jahr 2026 und die ganze Welt und uns selbst ans Herz legen. Auch beten – etwa für die Menschen in der Ukraine und in den anderen Ländern in Krieg und Bürgerkrieg, wo der Tod mal laut daherkommt und oft auch leise…
Und wenn dann neben all dem Krach von Böllern und Raketen und hoffentlich sicher gezündeten MaxiKrachern die Kirchenglocken ins neue Jahr läuten dann heißt es natürlich auch bei uns: Prosit Neujahr!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43637SWR Kultur Wort zum Tag
Ganz am Anfang erzählt die Bibel in großen Bildern,
wie Gott die Welt erschaffen hat; Himmel und Erde in sechs Tagen
plus Ruhetag am siebenten, Shabbat.
Am vierten Tag hängt Gott Sonne Mond und Sterne an den Himmel
als große Lampen und als kleine Lichter.
Nur Lampen – das war vor dreitausend Jahren eine Revolution:
Rund um Israel herum galten die Gestirne als Göttinnen und Götter;
denen hatten die Menschen Opfer zu bringen,
damit es gutes Wetter und reiche Ernten gab.
Und jetzt: Lampen; die sollen Tag und Nacht regieren –
aber vor allem: leuchten. Das entzaubert und entmachtet sie.
Entzaubert haben die Menschen inzwischen ja auch Tag und Nacht.
Gefühlt jedenfalls beginnt heute Abend die längste Nacht des Jahres,
statt erst zur Wintersonnenwende im Dezember.
Umstellung auf die Winterzeit; da gibt es eine Nacht-Stunde mehr…
Wie viele schöne lange Sommerabende haben wir dieses Jahr genossen,
obwohl der Sommer nur so lala war!
Und jetzt, morgen früh, zum guten Schluss: eine Stunde länger schlafen...
Eigentlich, sagen viele, ist es doch völlig unnatürlich,
stört den Lebensrhythmus zweimal im Jahr,
bringt alles durcheinander.
Milchbauern finden ihre Kühe unruhiger durch die verschobenen Melkzeiten;
feinfühlige Menschen haben den Eindruck,
dass sie eine Stunde zu früh in die Mittagspause müssen.
Und viele Ökonomen und Ökologen finden Sommerzeit
sowieso Quatsch oder sogar schädlich.
Statt Energie zu sparen verursachen längere Sommerabende mehr Autoverkehr;
die Leute fahren in die Wälder und joggen bis tief in die Nacht…
Das EU-Parlament will das ja wieder abschaffen mit der Zeitumstellung –
unentschieden nur, ob es in ganz Europa weiter eine gemeinsame Zeit gibt;
und ob das dann vielleicht die jetzige Sommerzeit ist?
Alles vielleicht noch mal neu zu bedenken, schon richtig.
Aber es ist keine Frage der sogenannten Schöpfungsordnung.
Und auch die Bibel hält sich aus solchen Fragen total raus.
Oder noch mehr – für sie gibt es nur den einen Gott,
der die Sonne aufgehen lässt über alle und alles.
Welch ein Wunder.
Seit Sonne Mond Sterne als Götter entzaubert sind,
lassen sich auch Tag und Nacht mal eben um eine Stunde verschieben.
Sind nur Lampen, sagt die Bibel.
Und ob die eine Stunde früher oder später leuchten:
das entscheidet mal schön selbst, ihr Menschenkinder!
SWR Kultur Wort zum Tag
Zugegeben: Es fällt ganz schön schwer, immer weiter „dran“ zu bleiben.
Seit März 2022, also kurz nach Putins Überfall auf die Ukraine
treffen sich Menschen aus Trier und Umgebung zum Friedens-Gebet
im Trierer Dom – anfangs jede Woche, in der Hoffnung,
dass der Krieg bald zu Ende geht.
Aber schon bald nur noch einmal im Monat,
immer am 24. – am 24. Februar hatte der aktuelle Krieg ja angefangen.
Ein schnelles Ende wäre ein grausames und hässliches Ende gewesen,
jedenfalls für die Ukraine;
ein paar Wochen hat die überfallene Armee dann schon noch gebraucht,
die russischen Truppen zu stoppen und teilweise zurückzudrängen.
Und welches verbrecherische Chaos hatten die schon angerichtet,
wo sie Gott sei Dank nur kurz geherrscht und gewütet hatten.
Seither geht es aber immer weiter mit dem Versuch,
die Ukraine zu zerstören,
die Menschen zu zermürben,
den Winter noch grausamer werden zu lassen als in den letzten Jahren.
Drei Jahre und acht Monate lang immer neue Angriffe und immer neuer Tod
mit noch raffinierteren Waffen und Methoden.
Es fällt schwer, dran zu bleiben am Gebet um Frieden und Gerechtigkeit;
aber was ist das für eine Beschwernis – verglichen mit der Bedrohung,
unter der Familien und Einzelmenschen, Alte und Junge im ganzen Land leben,
ganz zu schweigen von den Soldaten im Grabenkrieg im Osten und Südosten.
Oder von der Unsicherheit und Angst der vielen Millionen,
die aus dem Land nach Europa gekommen sind und auch zu uns hier:
Ob die Angehörigen zu Hause die letzte Nacht überlebt haben,
ob sie Strom und Wasser haben –
von hier aus können sie denen ja nur sehr wenig helfen.
Und fühlen sich oft genug eher unwohl in einer Umgebung,
die ihnen inzwischen gelegentlich auch misstrauisch begegnet.
Gerade deshalb und auch mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine
bleiben wir dran und laden auch heute wieder ein:
Zum Gebet für die Menschen, die unter dem Krieg so sehr leiden;
und um Gottes Geist für die, die endlich etwas tun könnten,
damit erst einmal die Waffen schweigen und das Töten aufhört.
Und damit dann Verhandlungen möglich werden –
wenn es dabei nur gerecht zugeht…
Ob Beten hilft, fragen sich viele – und es ist ja klar:
Über Krieg und Frieden entscheiden eher Präsidenten und Machthaber,
militärische und wirtschaftliche Interessen.
Friedens-fähig und friedens-bereit macht Beten aber doch –
wenigstens alle, die dabei mitbeten;
wir müssen dranbleiben, auch wenn es manchmal schwerfällt.
SWR Kultur Wort zum Tag
Kinder sind immer wieder große Wunder; Kleinkinder eher noch größere.
Obwohl: „Kleinkind“ würde Tobi sicher weit von sich weisen – auf Deutsch;
und „infant“ auf Englisch oder „nen“ auf Mallorquin
oder das spanische „niño pequeño“ gleich mit.
Tobi ist schließlich schon sechs – aber staunen muss ich immer noch,
wie selbstverständlich er mit vier Sprachen umgeht:
Mit dem Vater redet er meist englisch;
mit Mutter und kleiner Schwester deutsch –
und in Kita und Vorschule eben in den Landessprachen Spanisch und Mallorquin.
Und wenn Oma und Opa zu Besuch sind
und noch ein Schulfreund:
da wechselt er schon mal mitten im Satz die Sprachen
und – noch mal faszinierender: auch den ganzen sound.
Tobi spricht die Sprachen einfach, ganz ohne sie eigentlich gelernt zu haben.
Hat sie aufgesaugt irgendwie mit der Muttermilch
und auf Papas Arm oder im Kindersitz auf dem Fahrrad.
So wie er irgendwann krabbeln und laufen konnte, trinken und essen,
schmusig sein oder kratzig.
Ganz normale Lebens-Abläufe, ganz normale Alltagssprache,
kein bisschen fremd – erstmal.
Und die Erwachsenen hüten sich, ihn darauf anzusprechen.
Er darf es einfach so drauf haben – ohne drüber nachzudenken.
Früh genug könnte alles ein bisschen schwieriger werden.
Grammatik und Vokabeln lernen – das macht einen neuen Abstand zur Sprache.
Aber dagegen ist er dann hoffentlich gut gewappnet –
er spricht einfach vier oder dreieinhalb Mutter- und keine Fremdsprachen.
Etwas ähnliches erzählt die Bibel von Pfingsten:
da kommt Heiliger Geist auf die Jüngerinnen und Jünger von Jesus
und sie erzählen von ihrem Freund Jesus draußen in der Stadt –
und ganz MultiKultiJerusalem kann alles verstehen, was sie da reden.
Alle verstehen alle – auch wenn die aus anderen Weltgegenden kommen
und ohne die Weltsprache Griechisch oder Latein zu benutzen.
Mir scheint, der Pfingstgeist hat einfach in den Leuten geweckt,
was sowieso in jedem Menschenkind und Erwachsenen
schon verborgen schlummert:
eine viel größere Fähigkeit, sich zu verständigen und zu verstehen,
in einer anderen Sprache als nur in der Muttersprache
oder in mühsam gelernten fremden Lauten.
Liebe ist der Name dieser menschlichen Grund-Verständigungs-Fähigkeit.
Wo liebevoll gesprochen und gehandelt wird,
statt auf Deutsch Englisch Spanisch Französisch Mallorquin –
oder vielmehr: egal in welcher SprechSprache:
da werden Friede und Gerechtigkeit ausbrechen.
Müssen die Menschen nur ein bisschen die Fenster aufmachen
für diesen Heiligen Geist…
SWR Kultur Wort zum Tag
Zuerst waren da seltsame Geräusche: so ein Rascheln, Schaben, manchmal ein Knabbern an Holz und vor allem auch ein Pieps-Ton, ein leises Pfeifen unter dem Terrassenboden, in der Ecke zum Wintergarten. Ich hörte nichts – Ehefrau Margret hat die besseren Ohren. Haben wir Ratten? Sind es die Mäuse? Mäuse-Dreck und unangenehme Mausgerüche hatten wir ja schon mal gehabt. Waschbär? Siebenschläfer? …
Tiere – unerwünschte Tiere in Haus und Garten zumal: sind oft ein Problem. Gar nicht zu reden von den Schnecken, die bei uns fast jedes Gemüse vernichten – und leider auch viele Blumen. Umso willkommener, was wir dann entdeckten: Die Terrassen-Geräusche kamen von einem Igel, der da ein sicheres Versteck gesucht und gefunden hatte. Schön – der tut bestimmt auch was gegen die Schneckenplage. Und vielleicht fängt er ja sogar auch Mäuse. Also haben wir versucht, unseren Gast möglichst wenig zu stören. Wenig Lärm machen auf der Terrasse; vorsichtig sein beim Blumengießen – solche Sachen eben.
Die ganze Wahrheit entdeckte sich nur allmählich. Ob ein Igel so seltsam piepst? Eines Abends im schönen Spätsommer entdeckt meine Frau dann zwei Igel – den großen kannten wir schon; und ein Jungtier. Noch ein bisschen klein, dachten wir. Ob er wohl sein Mindestgewicht kriegt, damit er den ersten Winter überlebt?
Noch ein paar Tage – und wir sehen: Zwillinge. Die Igelmutter hat zwei Kleine bei sich. Toll. Abenteuerlich. Wir haben sie dann ein wenig gefüttert – im Garten war einfach zu wenig Wasser – und es gab fast keine Schnecken. Und so kleine Tiere lösen einfach mütterlich-fürsorgliche Gefühle aus.
Unsere Igel sind dann leider weitergezogen, statt bei uns zu überwintern. Erinnern uns aber doch an die „Schöpfungszeit“: zu der laden jetzt gerade wieder die Kirchen im ganzen Land ein. Motto: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“. Dafür danken Christenmenschen ihrem SchöpferGott – und versuchen, auch ihrem Schöpfungs-Auftrag zu entsprechen: Die Erde zu nutzen und zu schützen damit auch kommende Generationen sie noch bewohnen können. Ist ja ziemlich dringend, angesichts von Dürre und Hitze und Klima und so.
Am vierten Oktober endet dieses Jahr die Schöpfungszeit. Das ist dann auch das Fest des heiligen Franziskus von Assisi. Für den waren alle Geschöpfe Schwestern und Brüder. Mit ihm zusammen haben wir unsere Schwester Igelmutter und ihre beiden Kleinen begrüßt und sie wieder verabschiedet… Auch wenn ihr jetzt anderswo seid: Wir tun was für euch! Versprochen.
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Also ich könnte mir einen schöneren Anlass vorstellen für ein neues Marien-Fest . Jedenfalls ist katholischerseits heute der Gedenktag „Mariä Namen“ – also sozusagen der Namenstag der Mutter des Jesus von Nazaret.
Mariä Geburt war heute vor vier Tagen, am 8. September. Heute also schon wieder ein Marien-Fest oder doch ein Gedenktag. Mit einer etwas schrägen, finde ich, mit einer jedenfalls sehr zeitbedingten und für mich eigentlich unerträglichen Geschichte: Ursprünglich hatte nur das spanische Bistum Cuenca Mariä Namen gefeiert. Aber dann, 1683, belagerten türkische Heere Wien und waren kurz davor, die HauptStadt einzunehmen – mit der Aussicht, dass sie dann bald auch ganz Westeuropa beherrschen.
Ein europäisches Heer von 65.000 Mann war gegen die dreimal so starken Türken aufgestellt; die zogen in die Schlacht, vorneweg ein Banner mit dem Bild der Gottesmutter. Am 12. September haben sie die Türken vernichtend geschlagen. Ziemlich blutig das alles – aber jedenfalls der Anlass, Maria als Retterin zu feiern. Und so hat der Papst den spanischen Feiertag für die ganze Kirche eingeführt.
Keine Frage: Maria – die biblische Maria jedenfalls – ist eine starke junge Frau. Das Lukasevangelium legt ihr einen LobGesang in den Mund: Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Das feiert einen starken Gott an der Seite der Schwachen und der Armen. Das haben sicher manche so gehört: Gott also an der Seite der sechzig- gegen die zweihunderttausend. Aber in Marias LobLied ist doch keine Rede von Krieg und Gewalt. Noch von Unterdrückung des unterlegenen türkischen Heeres.
Wer Maria so vereinnahmt, tut ihr Unrecht, glaube ich; jedenfalls aus heutiger Sicht. Ihre Stärke ist gewaltfrei – ganz bereit ist sie gewesen, sich auf Gott einzulassen und Jesus zur Welt zu bringen – und auch der ist alles andere gewesen als ein Kriegsherr oder gar KriegsGott…
Seltsame kriegerische Entstehung für ein Fest – aber trotzdem Glückwunsch an alle, die heute Namenstag feiern – die Marias und Marios, und Marion, Maja, Marietta, Mary, Mascha, Maruschka…
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42905SWR Kultur Wort zum Tag
Gerade wenn es frisch geregnet hat im Sommer, kriechen ja die Schnecken aus allen Verstecken – immer auf der Suche nach leckerem Grünzeug oder nach Paarungs-Möglichkeiten. Ich bin viel mit dem Rad unterwegs, am liebsten auf Feldwegen und im Grünen – und seltsamerweise, finde ich, schleimen da besonders viele Schneckentiere herum. Obwohl es ihnen da ja eigentlich zu trocken ist – ganz zu schweigen von der Lebensgefahr.
Lebensgefahr einfach durch so viel Verkehr. Na gut, weniger als auf der Straße – aber hier wandern die Leute, sind Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs... Und da mache ich bei mir selbst eine seltsame Beobachtung: Gelegentlich mal überkommt mich so eine kleine Wut; die Viecher haben wieder unseren ganzen Salat vernichtet. Und hier auf dem Weg scheinen sie beinah zu demonstrieren: wir sind noch da. Also: drüberfahren, Schnecke platt machen. Wie gesagt: eine kleine Wut. Und mal kurz vergessen, was ich mir doch eigentlich vorgenommen habe: Gottes Schöpfung zu bewahren und zu beschützen. Mit ihr zu leben statt gegen sie. Und auch Schnecken sind Gottes Geschöpfe – wenn auch lästig, manchmal. Trotzdem jetzt einfach mal draufhalten…
Aber das misslingt ganz häufig; irgendein innerer Impuls lässt mich im letzten Augenblick doch wieder einen kleinen Schlenker machen, kaum bemerkbar, ungefährlich für mich auf dem Rad; aber lebensrettend für das Schneckentier. Als hätte der Schöpfer-Gott mir eine Hemmung, einen Instinkt mitgegeben, der sogar stärker wäre als meine kurze Vernichtungswut. Ja, kenne ich auch zu Hause: Fliegen und Wespen und Spinnen versuchen wir einzufangen, mit Glas und Papier oder mit einer extra Schiebefalle, und sie dann nach draußen zu setzen. Schon, weil Totschlagen so hässliche Flecken an der Wand machen würde. Auch da widerstehe ich der ersten Vernichtungs-Wut.
Und bin dankbar, dass da so eine instinktive Hemmung zu sein scheint – hoffentlich ja auch bei anderen Menschen. Die sollte und müsste noch stärker werden – vielleicht lässt sie sich ja trainieren? Jetzt im September laden die Kirchen zur Schöpfungs-Zeit ein; Christenmenschen denken an den Schöpfungs-Auftrag: die Erde zu bebauen und zu bewahren – auch für sich selbst und die nächsten Generationen. Und wenn dieser Auftrag instinktiv doch schon in den Menschen angelegt ist: Wäre sicher gut für sie und die ganze Welt – und im Zweifel: ausbaubar.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42904SWR Kultur Wort zum Tag
Es war im Frühjahr vor zehn Jahren. Da hatte ich mir im Radio ein paar Gedanken gemacht über eher kleine Vergehen und Übergriffe. Und darüber, wie gern man sich bei sich selbst entschuldigt, mit einem Spruch wie „Trifft ja eh keinen Armen“…
Anlass war damals ein Schul-Flohmarkt in einer Trierer Schule. Ein Kunde hat sich für ein paar Altertümer entschieden – mit vierzig Euro wäre er dabei (billig, billig übrigens – war alles viel mehr wert). Er kommt an die Kasse, erfährt den Preis, entschuldigt sich, dass er gerade sein Portemonnaie im Auto vergessen hat, ob er es eben holen darf – „und da könnte ich doch schon mal die großen Teile mitnehmen.“ Klar, durfte er – und ward nicht mehr gesehen.
Sie, Herr Dieb, habe ich damals im Radio gesagt, das ist echt ärgerlich. Weil diesmal trifft es eben doch mal wieder die Armen… Ich mache ihnen einen Vorschlag: Überweisen sie mir die vierzig Euro – anonym – und ich gebe sie weiter. Sie können ihren Fehler wiedergutmachen; ich könnte wieder besser an das Gute im Menschen glauben – und die Schule kann das Geld für ihre Arbeit einsetzen mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.
Ob es eine Chance gab, dass der Typ mich hört – oder gar auf mich hört? Wohl kaum. Ich wollte einfach mehr tun als nur meinen Ärger teilen mit den Hörerinnen und Hörern. Herausgekommen ist dann sogar noch ein bisschen mehr.
Kurz nachdem meine Gedanken über den Sender gegangen sind, bekomme ich eine E-Mail: Habe das gerade im Autoradio gehört, ärgere mich auch. Ich bin nicht der Dieb – aber geben sie mir die Kontonummer, damit ich die vierzig Euro überweisen kann. Ich war überwältigt: Radiohören verändert die Welt! Oder jedenfalls den einen oder die andere da draußen…
Und fast endgültig wiederhergestellt war mein Glaube an das Gute im Menschen, als dann am nächsten Tag noch so eine Mail ankam. Ergebnis: doppelte Einnahme für die Schule, und – wie gesagt: Ein bisschen besser geworden ist die Welt dabei auch.
Sie, Herr Dieb – letzte Chance jetzt, nach all den Jahren: Sie können die Sache verdreifachen! Meine Mail-Adresse finden Sie auf www.kirche-im-swr.de
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42563