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SWR3 Gedanken
Bald ist Ostern. Noch gut zwei Wochen, dann wird der Stein vor dem Grab Jesu weggerollt… und das Leben gewinnt. Bis dahin kann aber noch so einiges passieren.
Vielleicht lässt sich die Zeit bis Ostern ja auch noch nutzen zum „Steine-Erweichen“. Steinerweichend - heißt es, wenn etwas so ergreifend ist, dass es selbst die härtesten Herzen doch mitfühlen lässt.
Mit Gefühl – und ohne Härte, so heißt dieses Jahr die Fastenaktion der evangelischen Kirche. Und das bedeutet vielleicht auch eben genau das: Zu schauen, wo sich mein Herz schon so verhärtet hat, dass es fast zu Stein geworden ist. So dass ich gar nicht mehr richtig mitfühlen kann und mag… Jetzt ist Zeit, in mich hinein zu spüren… Und zu schauen, wie sich das Versteinerte und Verhärtete in mir vielleicht wieder erweichen lässt.
Klar, manches lässt sich nicht in zwei Wochen auflösen und erweichen. Aber der eigenen Verhärtung auf die Spur zu kommen, löst oft auch schon einiges. Und der Blick auf Ostern hilft vielleicht auch – diese erste Vorahnung auf das, was da passiert und wofür Ostern steht: Da siegt das Leben über den Tod. Da schlagen Herzen wieder lebendig - wenn aus Härte Sanftheit wird, wenn mein versteinertes Herz sich erweichen lässt… Und wieder fühlen kann.
Diese Vorahnung, lass sie zu. Auf dass Steine erweichen.
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Noch schnell einen kleinen Recap… Ist einer von diesen Trends auf Social Media - kennen Sie das?
Man zeigt seine Highlights der letzten Woche oder des vergangenen Monats in Fotos. Das tolle Essen mit Freunden. Die Neuanschaffung fürs Wohnzimmer. Den sonnigen Urlaub. Eine schöne Idee, so eine kleine Rückschau der Highlights. Was aber sind denn eigentlich Highlights des Lebens?
Wenn ich an die letzten Wochen denke, dann darf in meinem Recap auch eine Erinnerung an die Dunkelheit und Scheißkälte, die mir bis in die Knochen und die Seele gedrungen ist, nicht fehlen. Und dass ich heute in der wärmenden Sonne sitzen und sie genießen kann, dafür bin ich umso dankbarer.
Da findet sich auch die Umarmung mit einem Freund. Der so krank war, dass es lange nicht gut aussah… Und der aber, Gott sei Dank, immer noch da ist. Die überstandene Trennungszeit von einem Lieblingsmenschen, ein langer Auslandsaufenthalt, weite Ferne, jetzt wieder unmittelbare Nähe.
Ich finde: Echte Highlights sind oft Dinge, die aus Schwerem, Traurigem entstehen. Einen echten Höhepunkt gibt’s oft ja nur, wenn es vorher auch mal einen Tiefpunkt gab… Das sind dann die schönsten Highlights, finde ich. Und sie haben eins gemeinsam: Sie zeigen auch, wofür man dankbar sein kann. Trotz und in allem.
Ein echtes Highlight für mich aus diesem Jahresbeginn?
Dass ich immer wieder spüren durfte: Ich muss dieser Welt und all ihren Herausforderungen nicht allein begegnen. Gott sei Dank!
SWR3 Gedanken
In einem Straßencafé: Eine kleine Gruppe junger Männer, so Ende zwanzig vielleicht. Sie lachen, erzählen, genießen die ersten richtigen Sonnenstrahlen. Die Stimmung ist gut. Dann machen sich die ersten auf den Weg, zahlen, brechen auf. Ciao, bis morgen! Rufen sie einander zu. Einige von ihnen umarmen sich zum Abschied. Drücken sich fest, und sagen: „Mach’s gut! Hab dich lieb!“ Das fällt nicht nur mir auf. Männer, die ganz öffentlich ein „Hab dich lieb“ zueinander sagen. Ich finde das super. Und denke gleichzeitig – sollte doch eigentlich auch total normal sein, oder? –
Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte, so heißt dieses Jahr die Fastenaktion der evangelischen Kirche. – Und das kann eben vielleicht auch genau das heißen: Gefühle zulassen, und zeigen. Aussprechen. Und einander sagen. Ganz egal wer. Ganz egal wem. Das ist sicher kein Zeichen von Schwäche, oder verkehrter Weichheit. Sondern einfach ein starkes Zeichen.
Ich hab euch lieb – das steht sogar genauso in der Bibel. Gott sagt das zu seinem Volk, sagt es zu mir und zu allen Menschen. (Maleachi 1,2, Lutherbibel 2017). Wie stark!
Und wenn Gott das kann, dann wir doch eigentlich auch, oder?
SWR3 Gedanken
„Ich war einfach nicht gut genug“, seufzt meine Freundin und lässt geknickt den Kopf hängen. Ein neues Projekt wollte sie in ihrer Firma an den Start bringen, dazu braucht es Fördergelder…
Aber der Antrag wurde abgelehnt, das Projekt erstmal verschoben. Und jetzt das. „Ich war einfach nicht gut genug“, bricht es aus ihr heraus. – 7 Wochen ohne, so heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche. In diesem Jahr: „Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte“.
Härte gibt es in vielen Formen, an vielen Stellen. Im Miteinander. In unserer Gesellschaft. 7 Wochen ohne Härte – das kann auch bedeuten, auch sich selbst gegenüber weniger hart zu sein. Denn wir sind manchmal viel zu hart, viel zu anspruchsvoll mit uns selbst.
So wie meine Freundin. Dass ihr Projekt erstmal nicht funktioniert hat – das heißt nicht, dass sie nicht gut war und ist. Die Richtlinien für Förderung sind sehr eng gesetzt, es gibt viele, die sich darum bemühen… es gibt also so einige Gründe, warum ihr Projekt nicht gefördert wurde. Gut ist meine Freundin trotzdem. Auf jeden Fall. Allein schon, weil sie den Mut hatte, es zu probieren.
7 Wochen ohne Härte – das heißt dann jetzt eben auch mal: Es war einfach gut genug. DU bist einfach gut genug.
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Der Kabarettist und Autor Florian Schroeder antwortet auf die Frage, wie man glücklich wird, so:
„Indem man damit aufhört, ständig glücklich sein zu wollen. Man darf sich auch von diesem Begriff verabschieden. Es gibt andere schöne Worte: ein erfülltes Leben zum Beispiel. Erfüllt heißt, dass auch Negatives dazugehört – Krisen, aus denen man vielleicht viel gelernt hat.“
Florian Schroeder, auf dem Instagram-Kanal ndr.de, Post vom 25.11.2025,
https://www.instagram.com/p/DRfHeOQjRVN/?igsh=cnU4a3czdGkzeHJ5- zuletzt abgerufen am 02.12.2025
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Die Schauspielerin Iris Berben bringt auf den Punkt, was echte Schönheit ausmacht:
„Wahre Schönheit liegt in uns. Wenn du Empathie für Menschen empfindest, eine Haltung hast und gute Argumente, um deine Sicht klarzumachen, dann bist du auch mit 80 schön.“
Iris Berben, in: „Iris Berben von gesellschaftlichem Stillstand schwer enttäuscht: „Ist leider immer noch so“, Merkur.de, Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co. KG, Artikel vom 21.06.2025, https://www.merkur.de/boulevard/iris-berben-von-gesellschaftlichem-stillstand-schwer-enttaeuscht-ist-leider-immer-noch-so-zr-93775581.html- zuletzt abgerufen am 02.12.2025
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Die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke weiß um die Wichtigkeit von Veränderungen:
„Veränderungen haben gesellschaftlich ein schlechtes Image bekommen, weil da heute immer der Verzicht mitschwingt: Da will mir jemand Lebensqualität nehmen! Ich finde, das ist ein bisschen kurzsichtig. Veränderungen gehen immer mit einem Risiko einher, und das widerstrebt denjenigen, die sich gemütlich eingerichtet haben und so weiterleben wollen, wie sie es bislang getan haben. Aber das ist natürlich Täuschung. Das Leben ist Veränderung, und wir sollten alle lernen, dass Veränderungen zu Chancen führen – und nicht dazu, dass etwas zwangsläufig schlechter wird.“
Interview mit Anke Engelke, „Das Diskutieren über Schuld macht den Menschen so klein“, in GALORE Interviews, November 2025, 11/2025
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Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Was kann man tun, um sie zu erhalten? In seiner Rede zum 9. November beschreibt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, was Demokratie jetzt braucht:
„Die Selbstbehauptung der Demokratie: Das ist die Aufgabe unserer Zeit. Es ist eine große Aufgabe. Wir werden sie nur gemeinsam bewältigen. Ja, es gibt viele, die schweigen und abwarten. Denen möchte ich sagen: Mischen Sie sich ein! Was wir jetzt brauchen, sind aktive Demokratinnen und Demokraten, die den Mund aufmachen, im Parlament, beim Fußball, am Stammtisch, in der Schule, an der Bushaltestelle und am Arbeitsplatz.
Ja, es gibt die, die sich ohnmächtig und hilflos fühlen. Denen möchte ich sagen: Wir haben schon so viele Krisen überwunden. Wir haben Mauern niedergerissen. Wir haben Dinge erreicht, die uns allen unerreichbar schienen. Und wir haben es auch diesmal in der Hand.“
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Rede zum 9. November 2025, 09.11.2025, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, www. bundespraesident.de
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2025/11/251109-9-November-Matinee.html- zuletzt abgerufen am 02.12.2025
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Es ist Advent, Weihnachten nähert sich - die Theologin und Autorin Susanne Niemeyer beschreibt, was da auf uns zukommt:
„Weihnachten heißt: Nichts bleibt, wie es ist. Da wirst du rausgeschmissen aus deiner Bequemlichkeit. Weihnachten ist ein weites Feld. Weihnachten ist der Himmel, der offen steht. Weihnachten ist ein Weg durch die Dunkelheit, denn nur im Dunkeln siehst du den Stern. (…) Weihnachten ist Hoffnung, die laufen lernt.“
Susanne Niemeyer, „Der Stolperengel - Funkelnagelneue Weihnachtsgeschichten“
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Vorstellungskraft und Mitgefühl haben viel miteinander zu tun. Denkt die französische Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine, und beschreibt, wie man beides trainieren kann:
„Die Vorstellungskraft ist ein Muskel, den man trainieren muss. Sie ist der wichtigste Muskel für unsere Gesellschaft. Denn man muss sich das Leben des anderen vorstellen. Der andere sieht nicht dasselbe wie Sie. Er ist nicht am selben Ort, hat nicht dasselbe Alter, Geschlecht, Kultur, Nationalität. Ohne Vorstellungskraft gibt es kein Mitgefühl.“
Ariane Mnouchkine, auf dem Instagram-Kanal ttt_titel_thesen_temperament, Post vom 01.11.2025, https://www.instagram.com/p/DQgTg_CDe3S/?igsh=bmpianhkMXVvYTc3, zuletzt abgerufen am 02.12.2025
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