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„Wer die Hand an den Pflug legt und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“
Solche Sachen hat Jesus den Menschen um die Ohren gehauen. Zum Beispiel einem jungen Mann, der mit den besten Absichten zu Jesus gekommen war. Der Mann wollte genau das: die „Hand an den Pflug legen“ – also etwas verändern, von Jesus lernen, ihm nachfolgen. Er wollte vorher nur ganz kurz noch einmal zurück – zu seiner Familie und in sein altes Leben – um sich zu verabschieden.
„Nein!“ - entgegnet Jesus. Denn jetzt ist Umbruch angesagt: Umpflügen – das Unterste nach oben kehren – mit dem, was war, radikal brechen, Bahn brechen für das Reich Gottes! Da gibt es keinen Schritt zurück.
Jesus konnte so hart sein. Oder – vielleicht trifft es das besser: so klar. Glasklar – geradezu erbarmungslos. Mit dieser Haltung bringt er mich in Schwierigkeiten. Und ich bin sicher nicht die Einzige, die sich „Nachfolge“ etwas harmloser vorstellen würde - als gute Sache, bei der ich mich an Jesus orientiere und frage, was richtig ist und was falsch… Dir aber auch nützlich ist für mich und mein Leben. Ich hätte aber auch gerne, dass Nachfolge mir etwas bringt. Mir hilft, mich in meinem Leben gut einzurichten.
Nachfolge soll meinem Lebensmodell dienen. Von Jesus höre ich aber: „Das ist nicht“. Es gilt nicht: „Dein Reich bleibe“, liebe Barbara – sondern „Gottes Reich komme“. Und wo sich nur die leiseste Chance ergibt, dass etwas vom Reich Gottes sichtbar wird, da darf es kein Zögern geben - nicht das leiseste.
Mir ist das zu viel – wirklich! Zu hart – zu klar. Es überfordert mich. Denn ich bin ein Mensch, der an der Vergangenheit hängt. An seiner Familie, an seiner Heimat, an bewährten Strukturen … Gleichzeitig will ich aber auch nicht stehenbleiben. Will die Hand an den Pflug legen – und schrecke doch wieder zurück: vor den ungewissen Folgen, die das haben könnte – zu pflügen, das unterste nach oben zu kehren, Bahn zu brechen für das Reich Gottes.
Wenn sich nur die allerleiste Chance bieten würde, das Reich Gottes voranzubringen – würde ich alles andere hintenanstellen? Ich denke: Nein. So mutig bin ich nicht – längst nicht. Aber: ich wäre es gerne…
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44014Wer die Münchener Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen zumindest ein wenig verfolgt hat, dem dürfte endgültig klar sein: Die Welt, wie wir sie kannten, hat sich dramatisch verändert. Das, was manche als die gute alte Zeit verklären, ist vorbei. Endgültig. Eine neue Epoche beginnt. Zeit, aufzubrechen. Aber wie und wohin? Auch mich macht das gerade oft ratlos.
Ein uralter Text, der heute Morgen in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist, könnte da ein wenig Mut machen. Er erzählt von Abraham, dem gemeinsamen Vorfahren von Juden, Christen und Muslimen. Eines Tages sagt Gott zu ihm: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! (Gen 12,1ff) Und Abraham? Der nimmt seine Sippe, macht sich auf und zieht los. Ohne zu wissen wohin. Aber im Vertrauen darauf, dass es gut ausgehen wird.
Ich gebe zu, ich könnte das nicht. Ich bin ein Mensch, der gerne vorausplant. Der wissen will, was ihn erwartet. Abraham aber hat etwas, das ihn in der Geschichte scheinbar gelassen losziehen lässt. Denn Gott verspricht ihm: Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Mehr noch: Ich werde segnen, die dich segnen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.
Segnen und gesegnet werden. Im Ursprung meinte Segen wohl einen Art Kraft, die etwas wachsen und gut werden lässt. Eine Kraft, die von Gott kommt. Und die wünsche ich eben einem Menschen, wenn ich ihn segne. „Gott segne dich“ meint also: Gott möge dir Mut und Kraft verleihen, damit dein Leben gelingt. Eine Garantie darauf gibt es natürlich nicht. Ein Segen ist kein Zauberspruch. Er ist eine Zusage: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir. Was die kleine Abrahamsgeschichte aber auch noch erzählt: Wer so gesegnet ist, Gottvertrauen gewonnen hat, kann sogar für andere zum Segen werden. Zum Mutmacher und Kraftspender.
Was die nähere Zukunft für mich und alle anderen bringen wird ist ungewiss. Vielleicht passt das etwas verstaubt klingende Wort vom „Gottvertrauen“ da ja ganz gut. Denn ich werde nie alles planen und im Griff haben können. Aber ich kann trotzdem losgehen und mit meinen begrenzten Möglichkeiten Gutes tun. Im Vertrauen darauf, dass ich gesegnet bin und Gott mir alles, was nötig ist, dafür mitgeben wird. Und vielleicht kann ich sogar zum Segen werden für andere.
Wer die Münchener Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen zumindest ein wenig verfolgt hat, dem dürfte endgültig klar sein: Die Welt, wie wir sie kannten, hat sich dramatisch verändert. Das, was manche als die gute alte Zeit verklären, ist vorbei. Endgültig. Eine neue Epoche beginnt. Zeit, aufzubrechen. Aber wie und wohin? Auch mich macht das gerade oft ratlos.
Ein uralter Text, der heute Morgen in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist, könnte da ein wenig Mut machen. Er erzählt von Abraham, dem gemeinsamen Vorfahren von Juden, Christen und Muslimen. Eines Tages sagt Gott zu ihm: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! (Gen 12,1ff) Und Abraham? Der nimmt seine Sippe, macht sich auf und zieht los. Ohne zu wissen wohin. Aber im Vertrauen darauf, dass es gut ausgehen wird.
Ich gebe zu, ich könnte das nicht. Ich bin ein Mensch, der gerne vorausplant. Der wissen will, was ihn erwartet. Abraham aber hat etwas, das ihn in der Geschichte scheinbar gelassen losziehen lässt. Denn Gott verspricht ihm: Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Mehr noch: Ich werde segnen, die dich segnen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.
Segnen und gesegnet werden. Im Ursprung meinte Segen wohl einen Art Kraft, die etwas wachsen und gut werden lässt. Eine Kraft, die von Gott kommt. Und die wünsche ich eben einem Menschen, wenn ich ihn segne. „Gott segne dich“ meint also: Gott möge dir Mut und Kraft verleihen, damit dein Leben gelingt. Eine Garantie darauf gibt es natürlich nicht. Ein Segen ist kein Zauberspruch. Er ist eine Zusage: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir. Was die kleine Abrahamsgeschichte aber auch noch erzählt: Wer so gesegnet ist, Gottvertrauen gewonnen hat, kann sogar für andere zum Segen werden. Zum Mutmacher und Kraftspender.
Was die nähere Zukunft für mich und alle anderen bringen wird ist ungewiss. Vielleicht passt das etwas verstaubt klingende Wort vom „Gottvertrauen“ da ja ganz gut. Denn ich werde nie alles planen und im Griff haben können. Aber ich kann trotzdem losgehen und mit meinen begrenzten Möglichkeiten Gutes tun. Im Vertrauen darauf, dass ich gesegnet bin und Gott mir alles, was nötig ist, dafür mitgeben wird. Und vielleicht kann ich sogar zum Segen werden für andere.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43955Kennen Sie Uli Keuler? Leider hat der schwäbische Kabarettist im letzten Dezember seine Abschiedsvorstellung gegeben. Ich kenne viele seiner legendären Stücke auswendig und gebe Ihnen gleich mal eine Kostprobe – natürlich auf Schwäbisch:
„Ah! Des hat mr jo dies Johr wiedr soo viel brocht: Die Landschaft, des Licht, die Leit!
Mr isch a so offe fir vieles, gell? I hab jo irreweise ausgrechnet dodurch, dass mr uff de Piazza Navona en Satz Kaffeedasse nunnergfalle isch, schlagartig glernt zu akzeptiere, dass sich s eigene Ich permanent verändert … wie de Kellner komme isch, han e glei gsagt, ich wars net!“
Ich war’s nicht! Dieser Satz führt uns direkt in den Predigttext für den heutigen Sonntag und mitten hinein ins biblische Paradies: Die Landschaft, das Licht, die Leute … Da sind Adam und Eva, das erste Menschenpaar. Sie haben sich versteckt, vor Gott, ihrem Schöpfer. Aber Gott, der in dieser Erzählung im Abendrot spazieren geht, kommt ihnen schnell auf die Schliche und stellt sie zur Rede. „Habt ihr etwa von dem verbotenen Baum gegessen?“ fragt er sie. Darauf Adam, wie aus der Pistole geschossen: „Die Eva war’s! Die hat mir von den verbotenen Früchten gegeben.“ Und Eva: „Die Schlange wars, die hat mich verführt!“
„Ich wars nicht!“ Anscheinend fällt es uns seit Menschengedenken schwer, Fehler zuzugeben. Auch ich kenne diesen Reflex, mich erst mal zu ent-schuldigen, wenn ich zur Rechenschaft gezogen werde. Und die Ausflüchte hören sich oft gar nicht so viel anders an als bei Adam und Eva: Da sind dann die Eltern schuld oder die misslichen Umstände. Oder die oder jene falsche Schlange, die mich mit falschen Informationen versorgt hat.
Was wäre passiert, wenn Adam und Eva damals gesagt hätten: „Gott, ja, du hast recht: wir haben von dem verbotenen Baum gegessen!“
Und was würde passieren, wenn ich öfter mal zugeben könnte: „Ja, ich hab’s verbockt! Das nehm ich auf meine Kappe!“? Vielleicht wäre das ja gar nicht so schlimm. Ja, vielleicht würde mir irrerweise ausgerechnet dadurch klar, dass ich verführbar bin, anfällig für Fehler und angewiesen auf die Fehlerfreundlichkeit anderer und ihre Vergebungsbereitschaft. Ich nehme mir vor, es auszuprobieren. Nächstes Mal sag ich: „Ich wars! Tut mir leid! Die Kaffeetassen sind kaputt, aber unsere Freundschaft soll daran nicht zerbrechen!“ Und vielleicht fühlt sich das dann ein bisschen so an wie im Paradies.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43895
In dem Roman „1984“ von George Orwell, der in einem autoritären Polizeistaat spielt, gibt es die sogenannte Gedankenpolizei. Die verfolgt nicht nur Leute, die irgendwas Verbotenes getan haben. Schuldig macht sich schon, wer nur an etwas Verbotenes denkt – ohne die geringsten Anstalten, es wirklich zu tun. Der Text, der heute Morgen in den Katholischen Gottesdiensten zu hören ist, den könnte man auch so verstehen. Er findet sich in der sogenannten Bergpredigt Jesu, in der er seine Lehre wie in einem Grundsatzprogramm zusammenfasst. Da heißt es dann zum Beispiel: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Mt 5,27f). Das ist starker Tobak. Hört sich auf den ersten Blick an wie ein Fall für Orwells Gedankenpolizei. Doch wie so oft in der Bibel steht auch hinter diesem Satz ein tiefer gehender Gedanke. Dass nämlich ein Vergehen, oder eine Sünde, wie es die Bibel nennt, fast immer im Kopf beginnt und nicht erst mit der eigentlichen Tat. Heißt in diesem Fall: Dass ich allein durch die Vorstellung, mit einer anderen Frau eine Affäre zu beginnen, schon das in Frage stelle, was ich meiner Frau mal versprochen habe. Und man kann ja weiterdenken: Die bloße Idee etwa, ich könnte bei der Arbeit doch mal Geld unterschlagen, beschädigt schon das Vertrauen, das der Arbeitgeber mir entgegenbringt. Wer etwas Falsches also nur in Erwägung zieht, ist moralisch schon nicht mehr integer. Auch wenn er oder sie sich nichts zu Schulden kommen lässt.
Trotzdem gibt es ziemlich gute Gründe, warum etwa unser Strafrecht ein Tatstrafrecht ist. Warum ich also nur wegen tatsächlich begangener Straftaten vor Gericht lande, und nicht für irgendwelche dunklen Gedanken. Wer das aufgäbe würde schnell auf einer schiefen Ebene landen, die – wie in Orwells Roman - in einem Überwachungsstaat endet.
Für die, die ihm folgen wollen, wünscht sich Jesus allerdings einen höheren Maßstab. Als Christ soll ich versuchen, moralisch integer sein. Innerlich so gereift, dass ich gar nicht in Erwägung ziehe, etwas Übles zu tun. Auf der Stufenleiter der moralischen Entwicklung ist das ziemlich weit oben. Ein hoher Anspruch, an dem ich selbst auch immer wieder mal scheitere. Aber ist er deshalb unrealistisch? Nicht lebbar? Nein! Es ist keine Vorbedingung um Christ zu sein. Aber ein Ziel, an dem ich mich als Mensch und als Christ ausrichten kann und wachsen darf.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43866„HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ist das nicht schön? Ein wunderschöner Text; aus einem alten Gebet der Bibel– aus Psalm 36.
Ehrlich gesagt: im ersten Moment denke ich bei dem Psalm gar nicht so sehr ans Beten. Ich muss eher an eine Fahrt durch die Berge denken, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Oder an meinen letzten Spaziergang übers freie Feld: an frische Luft, an einen weiten Himmel und weiße, luftige Wolken.
„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ – da geht der Kopf doch fast unwillkürlich nach oben. Und ich denke, genau deswegen ist es eben doch ein Gebet: weil man aufatmet. Der Druck lässt nach. Und auch wenn meine Sorgen – überhaupt Nöte und Ängste - nicht einfach so verschwinden –im Gebet höre ich, spüre ich: Gott ist größer als diese Sorgen, weiter, tiefer. Im Psalm selbst klingt das so:
„Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.“
Gottes Gerechtigkeit – die reicht von der höchsten Bergspitze bis hinunter in die tiefste Tiefe! Meinen kleinen Horizont sprengt das bei weitem. Und im Gebet höre ich, spüre ich: Nichts, was wir Menschen anrichten oder woran wir leiden kann Gott etwas anhaben. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen.
Ja: „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ Trotzdem gibt es auch Tage, da bleibt mein Himmel grau – trotz dieser Worte. Ich werde nicht automatisch zuversichtlich, wenn ich Psalm 26 spreche. Bete ihn an solchen Tagen aber trotzdem gern. Ich sehne mich danach, aufzuatmen. Und will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich der Himmel wieder weit über mir spannt.
An den grauen Tagen spreche ich die Worte des Psalms gern noch ein bisschen weiter. Denn weiter heißt es da:
Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (Psalm 36, 6-10)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43830Es ist noch früh heute Morgen, aber ich mute Ihnen dennoch direkt ein Fremdwort zu: „makarios“. Makarios ist griechisch und heißt übersetzt „selig“. Und wer heute einen katholischen Gottesdienst mitfeiert, wird dieses Wort in den so genannten Seligpreisungen ganz oft hören. Da heißt es zum Beispiel: „Selig sind, die Frieden stiften“ oder „Selig die Trauernden“ (Mt 5,1-12a).
Makarios bedeutet aber nicht einfach nur „selig“. Es ist viel mehr und meint eigentlich eine Seligkeit, die alles umfasst. „Makarios“, „selig“ bin ich, wenn alles einfach passt. Wenn es nichts mehr auszusetzen gibt. Wenn ich aus tiefstem Herzen zufrieden bin, unabhängig davon, wie meine Lebenssituation gerade ist. Selig sein – das gehört ganz eng zu der Vorstellung, wie es bei Gott sein soll.
Bei der katholischen Theologin Annette Jantzen[1] habe ich etwas ganz Interessantes gelesen. Es gehört in die Kategorie „Spezialwissen“. Sie schreibt, dass das Wort „makarios“ in der Bibel außer in den Seligpreisungen nur noch in der Szene vorkommt, in der sich Maria über ihre Schwangerschaft freut. Maria sagt da über sich selbst: „von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ (Lk 1,48)
Selig sein, bedeutet doch dann: in Maria, aber auch in mir und in allen Menschen steckt ein göttlicher Kern, der wachsen und geboren werden wird. Wie ein Kind. Das kann ich nicht selbst machen, sondern ist ein Geschenk. Ein Versprechen, dass Gottes Seligkeit grenzenlos ist und dass es in mir passiert, ohne dass ich dafür etwas tun muss.
Das im Hinterkopf, lese ich die Seligpreisungen nochmal anders. Gerade den Menschen, die leiden, traurig, arm, verfolgt oder einsam sind, ist Gottes Nähe zugesagt. Gerade mitten in der schweren Lebenssituation findet Gott mich. Dann wächst Gottes Nähe in mir, nicht immer spürbar, aber einfach präsent.
Diese Präsenz Gottes in meinem Leben ist so schwer und gleichzeitig so schön zu glauben. Vielleicht kann ich es mir immer wieder bewusst machen, wenn ich glückselige Momente erlebe, wenn ich ein bisschen „makarios“ bin: Ja, Gott ist tatsächlich in mir.
[1]4. Sonntag im Jahreskreis A // zum Evangelium | Gotteswort, weiblich (aufgerufen am 21.01.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43782Die Bibel erzählt, dass Gott uns Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat. Und Jesus unterstreicht das nochmal: In jedem Menschen, der dir begegnet, begegnet dir Gott höchstpersönlich. Manchen Menschen will ich aber gar nicht begegnen. Ich lebe ganz bequem in meiner kleinen Welt zusammen mit denen, die meine Meinungen und Werte teilen. Ich denke: So kann es bleiben, ziehe deshalb manchmal eine schützende Mauer um meine Welt – und merke es nicht mal. Dann zeigt Gott mir sehr humorvoll, dass seine Welt weiter ist als meine Grenzen.
Neulich wieder: Mein Mann und ich haben in Frankfurt einen alten jüdischen Friedhof besichtigt. Zurück auf der Straße sind uns zwei Tätowierte entgegengekommen, mit Kampfhund an der Leine. Sofort war ich auf Rückzug hinter meine innere Mauer. Nur schnell vorbei an denen. Aber die beiden sind stehen geblieben, haben uns angesprochen – freundlich und neugierig. Was denn das für ein Friedhof hier sei, auf dem so viele Grabsteine umgefallen sind. Und sie haben interessiert zugehört, was wir zu erzählen hatten darüber, dass er in der Zeit des Nationalsozialismus verwüstet worden ist. Weg war sie, meine innere Mauer. Oder wenigstens habe ich mal drüber geschaut. Und habe mal wieder gelernt: Gottes Welt ist weiter als meine Grenzen.
Gott zeigt auch dem Apostel Petrus sehr humorvoll, wie eng seine Grenzen sind. Kurz vor dem Mittagessen schickt Gott Petrus einen Tagtraum: Petrus sieht den Himmel offen und sein Mittagessen auf einem Tischtuch herabschweben. Aber Gott serviert ihm etwas, das er als frommer Jude nie essen würde. Tiere, die als unrein gelten: Schweine, Meerestiere, Schlangen – Petrus schüttelt es vor Ekel und sofort verkriecht er sich hinter die innere Mauer. Aber Gott fordert ihn nachdrücklich auf: „Iss! – Was ich rein gemacht habe, das sollst du nicht unrein nennen!“ (Apostelgeschichte 10,15) – Zum Glück ist dieser Tagtraum bald vorbei, aber damit noch nicht Gottes Lehrstunde zur inneren Grenzöffnung für Petrus. Direkt danach lädt ihn ein römischer Hauptmann mit Namen Kornelius in sein Haus ein. Das unreine Haus eines Nicht-Juden hätte Petrus als frommer Jude bis gestern nicht betreten – es hätte ihn geschüttelt vor Ekel. Aber jetzt versteht er: Wen Gott rein gemacht hat, den darf ich nicht unrein nennen. Ich soll Gott begegnen, in diesem Menschen, in Kornelius. Ja, Gottes Welt ist weiter als meine Grenzen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43750Mit Wasser getauft sind viele. Noch immer. Die meisten als Kind. Ich seit 61 Jahren. Aber mit Geist getauft? Das Sonntagsevangelium heute wirft diese Unterscheidung auf. Johannes tauft mit Wasser, Jesus mit heiligem Geist. Was bedeutet diese Unterscheidung? Wörtlich sagt Johannes der Täufer: Er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft[1].
Wer schon einmal bei einer Taufe dabei war, erinnert sich an das Wasser, das der Priester über das Haupt des Taufbewerbers ausgegossen hat. Wasser kann man sehen und jeder versteht, was es bedeutet. Wasser reinigt und erfrischt. Es ist unser Lebenselixier, auf das wir nur für kurze Zeit verzichten können. Wasser ist auch eine gewaltige Macht. Das Volk Israel konnte nur aus Ägypten fliehen, weil Gott sie vor den Flutmassen des Roten Meeres gerettet hat. Christen glauben, dass Gott so jeden rettet, der getauft ist und zu ihm gehört.
Und der Geist, was bedeutet es, mit ihm getauft zu sein? Den Heiligen Geist kann man nicht sehen. Er lässt sich nicht so leicht in ein konkretes Bild fassen wie Wasser. Wir können ihn nicht festhalten, ihn uns zu eigen zu machen. Das geht mit dem Geist Gottes nicht. Und das ist gut und richtig; und typisch für alles, was unmittelbar mit Gott zu tun hat. Denn zu Gott dringt man nur vor, wenn man nicht an Äußerlichkeiten hängen bleibt. Ich verstehe das Bedürfnis. Ich will auch lieber genau sagen können: So ist das mit Gott. Aber ich weiß auch: So geht das nicht. Gott ist immer mehr und größer und anders, als ich mir es ausdenke und wünsche.
Die Kirche lehrt: „Christus selbst tauft.“ Wer die Taufe vornimmt, ist lediglich sein Werkzeug. Also glaube ich, dass ich durch meine Taufe direkt mit Jesus verbunden bin, mit seinem Geist getauft wurde. Und dass es meine lebenslange Aufgabe bleibt, diesen Geist zu suchen und ihm zu folgen. Dazu darf ich nicht an Äußerlichkeiten hängen bleiben. Es kommt nicht in erster Linie auf das richtige „Gesangbuch“ an oder darauf, Vorschriften zu befolgen. Stattdessen muss ich hinter die Fassade schauen. Weil der Geist Jesu auch außerhalb der Kirche zu finden ist – auch bei denen, die ihr den Rücken gekehrt haben. Wo Not gelindert wird, wo der Gewalt ein Ende gemacht wird, wo Verzweifelte getröstet werden, da ist er. Denn: Der Geist weht, wo er will.
[1] Johannes 1,33
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43684Ein bisschen Wasser über den Kopf. Mehr passiert eigentlich nicht. Und doch ist es für mich jedes Mal ein ganz besonderer Moment, wenn ich einen Menschen taufe. Ich sehe das glitzernde Wasser im Taufbecken, meistens ist es extra ein bisschen angewärmt. Und ich beobachte die Reaktionen: Da sind die Säuglinge, die meine Hände ganz energisch von sich fernhalten wollen. Sie ahnen wohl, dass gleich etwas Ungewohntes passiert. Und da sind die anderen, die ganz neugierig nach den Tropfen greifen, die im Licht funkeln. Symbolisch lasse ich das Wasser dreimal über den Kopf des Kindes fließen und spreche die uralten Worte: Ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Predigttext des heutigen Sonntags erinnert daran, dass auch Jesus sich hat taufen lassen. Nur war er damals kein Säugling mehr. Er war ein erwachsener Mann, bereit loszuziehen und die Menschen für Gottes Welt zu begeistern. Er geht zum Fluss Jordan, zu Johannes. Der ist bekannt dafür, dass er die Menschen zur Umkehr ruft und sie tauft. Aber als Jesus vor ihm steht, zögert Johannes. Erst als Jesus ihn eindringlich bittet, willigt Johannes ein. Er taucht Jesus ganz unter im Jordan und zieht ihn tropfnass wieder herauf– ein kraftvolles Bild für einen Neuanfang. Und als Jesus wieder aus dem Wasser auftaucht, hört er eine Stimme, die ihm sagt: Du bist mein geliebter Sohn.
Damit wird klar, dass Jesus zu Gott gehört. Dass er bereit ist für seinen Weg. Aber – und das ist das Entscheidende: Noch hat er gar nichts geleistet. Er hat noch keine Kranken geheilt, keine Bergpredigt gehalten und noch nicht am Kreuz gelitten. Es ist noch gar nicht bewiesen, ob er dazu überhaupt in der Lage sein wird. Aber Gott bekennt sich zu Jesus, noch bevor der bewiesen hat, dass er das Zeug dazu hat. Gott sagt: „Du bist mein geliebtes Kind“ bevor Jesus dafür irgendwas Großartiges getan hat.
Deshalb passt es auch, dass wir Kinder oft ganz am Anfang ihres Lebens taufen. Noch bevor sie irgendetwas tun oder sagen könnten, was sie in den Augen der Welt wertvoll macht. Gott nimmt sie als seine Kinder an, ohne jede Gegenleistung. Wenn ich ein Kind taufe, dann sage ich danach oft einen Satz aus der Bibel, der für mich genau das ausdrückt: Fürchte dich nicht, sagt Gott zu dir, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43672„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“. Das Lied ist inzwischen ein echter Klassiker geworden. In diesen Tagen wird es wahrscheinlich öfter zu hören sein. Da, wo Kinder und Jugendliche, als kleine Könige verkleidet, an den Türen klingeln und um eine Spende bitten für Kinder in ärmeren Teilen der Welt. Mit dem Lied erinnern die Sternsinger an eine biblische Erzählung, die heute, am 6. Januar, im Mittelpunkt steht. Die Geschichte der weisen Sterndeuter aus dem Orient, die sich auf den Weg zur Krippe machen. Sterndeuter. Das waren Leute, die den Sternenhimmel aufmerksam beobachtet haben. Sie waren hoch angesehen damals. Eine Art frühe Wissenschaftler. In alter Zeit stellte man sich vor, dass jedem Menschen ein Stern leuchtet, der mit seiner Geburt aufgeht und mit seinem Tod wieder vom Himmel verschwindet. Und ein außergewöhnliches Ereignis am Himmel kündigte demnach einen außergewöhnlichen Menschen an. Gut möglich also, dass die Geschichte der Sterndeuter auf ihrem Weg nach Bethlehem an diese Idee anknüpft. Zu drei Königen hat man sie übrigens erst viel später gemacht.
Ob es sie wirklich gegeben hat? Ungewiss. Es ist auch nicht entscheidend. Denn genau genommen dreht sich die Geschichte vor allem um einen. Um Jesus, das Kind in der Krippe. Sie erzählt davon, dass sein Ruf einmal weit über Galiläa hinaus bis in entfernte Länder reichen wird. Sogar bis zu den sogenannten Heiden. Zu Menschen wie diesen Sterndeutern eben, die sich aufmachen, um das Kind zu finden. Sie erzählt davon, dass dieses Kind der Beginn von etwas ganz Großem sein wird. Weil Gott mit ihm ist. So groß, dass Menschen ihn noch heute suchen und seinen Spuren folgen. Trost und Inspiration finden in dem, was dieser Jesus später gesagt und was er vorgelebt hat. All das verbirgt sich bereits hinter den Zeilen dieser kleinen Geschichte.
Und die Sternsinger, die in diesen Tagen mit ihrem Stern durch die Straßen ziehen? Vielleicht verkörpern sie eher die Weisen, die nun auf ihrem Rückweg in die Heimat sind. Weihnachten ist vorbei. Sie haben das Kind gefunden und sind noch ganz erfüllt von dieser Begegnung. Und sie haben etwas von dort mitgenommen. Das tragen sie nun zu den Menschen, die sie in diesen Tagen an den Haustüren besuchen: Den Segen des Kindes. Christus mansionem benedicat: Christus segne dieses Haus.
Stern über Bethlehem für Chor a capella
Produktion 27.-28.01.2017 im Hans-Rosbaud-Studio Baden-Baden
Coro Piccolo; Raiser, C.-M.
M0472059 01-017
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