Alle Beiträge

Die Texte unserer Sendungen in den SWR-Programmen können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.

Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

  

SWR3

  

SWR4

    

Autor*in

 

Archiv

Begegnungen

19JUL2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in
Mads Langer Copyright: Petra Kleis

Christopher Hoffmann trifft: den dänischen Singer-Songwriter Mads Langer

Der heute 42-jährige feierte internationale Erfolge mit Songs wie “You´re not alone” oder “Fact fiction”. Als junger Künstler wurde er in Dänemark entdeckt und zog zu einem großen Plattenlabel nach New York:

Das war wie ein Traum, gewaltig, es war viel größer, viel mehr Power als in Dänemark. Ich habe dort viel gelernt, schrieb Musik mit unglaublich talentierten Leuten. Aber nach einem Jahr war mir auch klar, dass das nichts für mich war. Man versuchte mich in eine Form zu pressen, aber das war nicht ich. Musik war immer kostbar für mich. Ich war froh, als mir klar wurde: Ich will nicht um jeden Preis berühmt sein. Also ging ich zurück, löste den Plattenvertrag auf und fing nochmal von vorne an. Ich habe immer auf meine innere Stimme gehört und fühlte mich mit meiner Seele verbunden.

Wenn ich die Musik von Mads Langer höre - seine kraftvolle Stimme, sein virtuoses Klavierspiel - spüre ich genau das: Seele. In seinen Popsongs verarbeitet er immer wieder auch existentielle Themen und auch seinen Glauben an Gott. Etwa in dem Song “Helt deroppe”, das ist dänisch und bedeutet: “ Ganz da oben”. Es geht um den Tag, als er erfährt, dass seine beste Freundin unheilbar an Krebs erkrankt ist:

Ich war am Meer in der Gegend wo meine Vorfahren lebten. Ich schaute in den Himmel, betete und fragte nach dem Sinn des Ganzen. Und dann habe ich in meinem Tagebuch notiert: Ich werde ein Lied schreiben, das heißt „…Ganz da oben“.

Erst Jahre später - er ist inzwischen Vater geworden -  erinnert ihn ein Satz seiner kleinen Tochter an diesen Tagebucheintrag:

An einem morgen, als ich am Klavier saß, kam meine zweijährige Tochter und zeigte aus dem Fenster auf eine Lücke in den Wolken am Himmel, wo die Sonne durchschien und meinte: „Ganz da oben, Dad…“ und sie sprach von einem Engel -  das war schon sehr berührend.

Und nun schreibt Mads Langer den Song “Ganz da oben” - und dort, glaubt er, ist auch seine verstorbene beste Freundin jetzt. Er hat auch das Lied “21:4” geschrieben. Das ist inspiriert von einem Bibelvers aus dem Buch der Offenbarung des Johannes. Da steht in Kapitel 21, Vers 4: ‚Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, und es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, kein Weinen, keinen Schmerz, denn das Alte ist vergangen.' Diese Zusage gibt auch Mads Langer Hoffnung, denn er glaubt an die Auferstehung und an einen Gott, der alles ins Leben rief:

Ich glaube, dass alle Lebewesen untereinander und mit Gott verbunden sind, daher sehe ich mich als Puzzleteilchen im großen Puzzle, im großen Ganzen. 

Ich treffe Mads Langer in Kopenhagen, wo der weltweit erfolgreiche Popmusiker lebt. Er spielt Klavier seit er drei Jahre alt ist und seinen Beruf versteht er als Berufung...

Mir war von Anfang an klar, dass ich hier bin, um zu singen und Lieder, Texte und Gedichte zu schreiben. Das war nie eine Wahl.

Mads Langer ist ein gläubiger Mensch - und für sein Gottesbild ist ein Satz aus der Bibel ganz zentral: Gott ist die Liebe. (1 Joh 4,8)

Der Schlüssel ist: Du bist von Anfang an schon geliebt. Für mich geht es bei „Spiritualität“ nicht darum, der Weltzu entfliehen, sondern um die Botschaft der Liebe, der Vergebung. Wie du einem Fremden auf der Straße begegnest oder wie du dich im täglichen Leben bewegst.

Mads Langer trägt bei unserem Treffen eine coole blaue Anzugkombination, ist bekannt für seinen individuellen Style. Und er trägt eine silberne Kette mit einer Taube darauf, die den Heiligen Geist symbolisiert. Ich fragen ihn warum.

Das bedeutet mir sehr viel: Ich gebe mich und mein Leben täglich in den Dienst des Heiligen Geistes. Ich habe erkannt: Ich bin nicht hier, um zu nehmen oder zu besitzen. Ich bin hier, um zu geben. Vieles hat sich verändert, seit ich das erkannt habe, das Leben öffnet sich.

Dem Heiligen Geist dienen? Für Mads Langer kann das ganz viele Dimensionen haben. Ein guter Vater sein, achtsam mit den Mitmenschen umgehen - aber auch: mit sich selbst. Sich selbst annehmen und lieben, trotz Macken und Fehler - das ist ein großes Thema von Mads Langer. Und die Liebe zum Nächsten? Die versteht er auch ganz global und konkret.  Etwa, als er im letzten Jahr unter anderem mit der dänischen Diakonie ein Flüchtlingscamp in Uganda besucht hat:

Das war eine lebensverändernde Erfahrung. Hauptsächlich junge Frauen mit Kindern ohne Ehemänner, die entweder getötet wurden oder noch im Krieg sind. Ihnen zu helfen, ihre eigenen Gärten anzulegen. Viele dieser starken Frauen waren schon so weit, dass sie genug Früchte aus ihren Gärten ziehen konnten, um sie auf dem Markt zu verkaufen und damit ihre Kinder in die Schule zu schicken. Die größte Hilfe ist die, Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen.

Für Mads Langer ist klar: wir müssen weiterhin geflüchteten Menschen helfen:

Flüchtlinge sind uns ebenbürtig, und wir sollten immer daran denken: Wie würden wir behandelt werden wollen, wenn wir an ihrer Stelle wären?

Und er hat kürzlich ein weiteres Stück Land besucht, weil es sich der Mann im Weißen Haus unter den Nagel reißen will: Grönland. Als Däne ist es ihm wichtig für die Ureinwohner der Insel seine Stimme zu erheben:

Grönland ist ein unglaublicher Ort. Ich war so bewegt von der Natur und den Menschen Grönlands. Stell dir vor, wie stark sie sind, sie haben dort seit Jahrhunderten überlebt. Ich möchte in Zukunft dazu beitragen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, ihre Kultur zu stärken und anzuerkennen und all das zu erhalten. Wir können viel von ihnen lernen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44840
weiterlesen...

Begegnungen

21JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in
Tobias Moretti copyright: Christian Hartmann

Christopher Hoffmann trifft: den Schauspieler Tobias Moretti.

Der Österreicher gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Charakterdarstellern - und das seit Jahrzehnten. Er hat so unterschiedliche Rollen wie Ludwig van Beethoven, Mackie Messer oder den Gründer der Gestapo  Rudolf Diels gespielt. Als Kind habe ich ihn in den 90ern zum ersten Mal bei “Kommissar Rex” gesehen  - und die Serie geliebt. Immer wieder schlüpft er seither in Filmen auch in die Rolle von Pfarrern. 1959 in Tirol geboren, wuchs Tobias Moretti mit dem katholischen Glauben auf - seine Mutter legte ihm dafür den Grundstein ganz unverkrampft in die Wiege:

“Aber nie in irgendeiner Form uns überstülpend, sondern einfach das vorgelebt in ganz einfachen Dingen: Einem Kind weitergeben, dass man eine Stärke erfährt, weil man nicht allein ist. Dass man die Grundbedingungen des Sozialen erlernt, dass was man sozusagen selber nicht möchte, das tut man auch den anderen nicht. Und ich hab mich da immer empfunden als ein Mensch, der durch die Familie und die Religion das Prinzip des Miteinander versteht und versucht -weil es ist ja immer nur ein Versuch, jeden Tag.“

Tobias Moretti erinnert sich auch daran, dass seine Mutter Abends immer ein Gebet mit ihm gesprochen hat. Das haben sie aber damals schon gemeinsam abgeändert. Und diese veränderte Version, die hat Tobias Moretti dann Jahrzehnte später auch wieder mit seinen drei Kindern gebetet:

“Jesukindlein komm zu mir, mach ein frommes Kind aus mir, mein Herz ist klein, darf niemand hinein, als du, mein liebes Jesulein.” So, damit geht man schlafen. Das haben wir gleich geändert und das hab ich dann auch bei meinen Kindern gemacht: das heißt dann  “Jesukindlein, komm zu mir, mach ein frohes Kind aus mir - nicht fromm, sondern froh! Mein Herz ist klein, dürfen alle hinein, - nicht niemand hinein, nur du - , sondern dürfen alle hinein, besonders du mein liebes Jesulein,” so haben wir sozusagen inhaltlich die Dinge interpretiert.

Neben seiner Mutter hat vor allem auch ein Jugendzentrum der Jesuiten in Innsbruck sein Interesse für religiöse Fragen geweckt:

Mit 10 Jahren bin ich dann zu den Jesuiten gekommen und das war das größte Jugendzentrum Europas damals mit über 1000 Leuten.

Hier geht es um die großen Fragen des Lebens, aber auch um die alltäglichen Sorgen der jungen Menschen, sie fühlen sich ernst genommen - Glauben und Leben, das gehört für Moretti immer zusammen. Und das imponiert ihm auch an einer seiner Figuren aus dem Film “Das ewige Lied ”. Er spielt darin den österreichischen Pfarrer Joseph Mohr, der den Text für das Lied “Stille Nacht, heilige Nacht” geschrieben hat . Und er spielt das mit einer Inbrunst für das Evangelium, die mich beeindruckt. Was fasziniert ihn an diesem Pfarrer Mohr?

Das war einer, der an den Menschen dran war und das ist das Entscheidende. Weil wir haben uns durch Jesus eine neue Erkenntnis geschaffen: die der Verzeihung, die der Nächstenliebe, die der Liebe.  Und das ist das, was, so Menschen wie der Mohr, die eine Vision haben, ob das eine soziale Vision ist oder eine geistliche oder geistige, dass die immer mit dem Leben zu tun haben muss.

Versöhnung, Nächstenliebe - Tobias Moretti sieht da auch in seinem Alltag noch viel Luft nach oben - aber er will an diese christlichen Werte immer wieder erinnert werden... und daran wachsen:

Ich bin ja gar kein guter Mensch,  also ich möchte es vielleicht sein, aber ich bin gar keine. Aber trotzdem hab ich das Bedürfnis, dass ich das sein will, als Orientierung.

Ich treffe den Schauspieler in Wien, wo er an jenem Abend im Burgtheater auftritt. Denn neben zahlreichen Filmen und Serien wie “Deutschstunde”, “Gipsy Queen” oder “Bad Banks”, spielt er auch immer noch auf der Bühne - ein Highlight für mich: seine Interpretation der Figur des “Jedermann” bei den Salzburger Festspielen. Dieser “Jedermann” in Hugo von Hofmannsthals gleichnamigem Theaterstück lebt rücksichtslos für Macht und Geld:

Da überhöht sich der Mensch selber und auch die Gesellschaft, die ja die nächste Struktur von Menschentum ist. Und das ist das Problem das wir haben und das ist - wenn man so will -  der globale Mammon.

Mammon  - dieser biblische Begriff meint, dass der Mensch von seiner Geldgier beherrscht wird - so wie die Figur des Jedermann, die für Reichtum und Ansehen über Leichen geht. Moretti glaubt, dass dieser Mammon, diese Gier, auch heute in der Welt vorhanden ist, zum Beispiel wenn Menschen  ausgebeutet werden. Wenn nur noch der Profit zählt. Moretti war bei seinem Jedermann ganz wichtig:

“Im entscheidenden Moment muss es zu einer Art von Erkenntnis kommen, zu einer Erkenntnis, dass es mehr gibt als das!”

Moretti glaubt: Wir sind als Menschen dazu fähig freie Entscheidungen zu treffen und gut zu handeln, wenn wir denn wollen:

“Der Mensch ist ja mit vielen göttlichen Prinzipien ausgestattet - die Erkenntnis und die Liebe, die Möglichkeit der freien Wahl . Weil jeder Mensch hat in sich sowas wie ein inneres, ein  moralisches Grundverständnis, das tragen wir in uns, wenn wir das nicht in uns tragen, dann ist etwas kaputt. Es ist nicht normal, dass  wenn ein anderer leidet oder einem Mitmenschen etwas widerfährt, dass man sich darüber freut, es ist so dass man Mitleid kennt und wir nennen das moralische Instanz und die hat jeder Mensch in sich.

Tobias Moretti ist nicht nur ein vielseitiger Schauspieler - er hat auch privat die unterschiedlichsten Interessen: Betreibt mit seiner Frau einen Bauernhof in den Bergen Tirols. Fuhr 2013 mit seinem Bruder auf dem Motorrad bei der “Africa race” mit, einer Rallye von Paris nach Dakar. Oder trägt an Feiertagen im Gottesdienst seiner Kirchengemeinde Lesungen aus der Bibel vor. So engagiert Tobias Moretti seine Rollen als Schauspieler verkörpert, so engagiert erlebe ich ihn  auch bei unserer Begegnung im Gespräch über Sinnfragen:

“Ich freu mich, dass es solche Sendungen gibt, dass wir drüber nachdenken, über uns nachdenken - finde ich unglaublich wichtig, gerade als Orientierung.”

Und es war mir eine große Freude sich mit dem Künstler und Mensch Tobias Moretti über Gott und die Welt zu unterhalten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44650
weiterlesen...

SWR3 Worte

20JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Samuel Koch war dieses Jahr bei den so genannten Heilig-Rock-Tagen im Bistum Trier zu Gast. Der Schauspieler und Autor, der seit seinem Unfall in der Sendung “Wetten dass...?” vom Hals abwärts gelähmt ist, sagte bei einer Veranstaltung:

 „Bei allem offensichtlich Trostlosen oder Hoffnungslosen, das uns in der Welt umgibt, ist für mich Hoffnung eine existenzielle Trotzreaktion. Auch aus Mangel an attraktiven Alternativen will ich ein Hoffender bleiben – und damit einhergehend auch ein Glaubender.“[...] „Gott spricht jedem Menschen maximalen Wert zu. Wir müssen aufhören, in Kategorien zu denken, wie nützlich wir für die Gesellschaft sind. Wir sind wertvoll, weil wir sind.“ 

Quelle: https://www.bistum-trier.de/news/aktuell/news/artikel/Samuel-KochIch-habe-nie-nicht-gehofft/ Ausdruck vom 09.06.2026 um 22:36 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44626
weiterlesen...

SWR3 Worte

19JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Als Christ treibt mich das Leid der Menschen im Sudan um. Omer Elnaiem ist im Sudan geboren und arbeitet für die UNO-Flüchtlingshilfe. Er steht den Menschen in der größten humanitären Katastrophe unserer Zeit zur Seite und schreibt:

 

“Seit drei Jahren sagen wir: “Es reicht!” Das Land ist zerstört, die Menschen wurden vertrieben.” Seit drei Jahren gehe ich in Flüchtlingscamps. Und die Geschichten sind die selben, sie haben sich nicht verändert. Dieser Krieg muss aufhören. [...] Wir sind müde, aber wir können nicht aufgeben. [...] Ich weiß, dass in der Welt viel los ist. Ich weiß, dass es schwierig ist den Überblick zu behalten. Trotzdem. Wir müssen weiterhin aufmerksam machen. Wir müssen weiter über den Sudan sprechen. Wir müssen es wiederholen und wiederholen, bis es einen Unterschied macht. [...] Bis dieser Krieg endet. Bis wir in unsere Heimat zurückkehren und unser Land wieder aufbauen können.“

 

Quelle:

 

https://www.instagram.com/p/DZU_HeGl5yL/?img_index=3 und

https://www.instagram.com/p/DZU_HeGl5yL/?img_index=4 und

https://www.instagram.com/p/DZU_HeGl5yL/?img_index=6 und

https://www.instagram.com/p/DZU_HeGl5yL/?img_index=7

 

Ausdruck vom 09.06.2026 um 22:36 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44625
weiterlesen...

SWR3 Worte

18JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mika ist 18 Jahre alt und lebt seit drei Jahren in einem Kinder- und Jugendhaus der Caritas. Er erzählt seine Geschichte:

 

“Zuhause gab es viel Stress, psychische und körperliche Gewalt sowie finanzielle Probleme. Oft musste ich mich mehr um meine Eltern kümmern, als sie sich um mich. Als ich dann ins “Heim” kam, haben viele direkt schlecht über mich gedacht. Die kannten mich gar nicht [...] und hatten trotzdem schon ihr Urteil. Die Jugendhilfe hat mir geholfen, wieder an mich selbst zu glauben und meinen eigenen Wert zu sehen. Meine Betreuer in meinem Kinder- und Jugendhaus waren immer da, wenn´s schwierig wurde. Die haben mich nicht einfach aufgegeben. [...] Dadurch habe ich meinen mittleren Schulabschluss geschafft. Heute mache ich eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer. [...] Ich hab´s geschafft.”

 

Quelle:

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=2 und

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=3 und

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=4 und

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=5 und

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=7 und

https://www.instagram.com/p/DZK9ToUDex9/?img_index=10

 

Ausdruck vom 09.06.2026 um 22:35 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44624
weiterlesen...

SWR3 Worte

17JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel war in dem Kloster Maria Laach in der Eifel zu Gast. Sie hat dort während eines Abendgebets eine Predigt gehalten und über ihren Glauben gesprochen. Merkel sagte:

 

“Christ sein ist eine Lebensaufgabe. [...]”[...] “Christ sein ist keine Bank zum Ausruhen, sondern eine [...] Aufforderung die eigenen Gaben zum Wohle anderer einzusetzen” [...]“Die gute Nachricht dabei ist: Dass wir auf Gottes Güte hoffen können, dass wir nicht perfekt sein müssen, dass wir Fehler machen  dürfen - und dennoch von ihm als Menschen angenommen sind.”

 

Quelle: https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=44210, Ausdruck vom 11.04.2026 um 13:08 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44623
weiterlesen...

SWR3 Worte

16JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Schauspielerin und Komikerin Annette Frier engagiert sich für die UNO-Flüchtlingshilfe. Sie sagt:

 

“Der Gedanke, mein Zuhause verlassen zu müssen, vertrieben zu werden, ist für mich unvorstellbar. Gleichzeitig weiß ich, dass das für Millionen Menschen weltweit Realität ist. [...] Ich bin davon überzeugt, dass es weiterhin viele Menschen gibt, die verstehen, dass Flucht niemals freiwillig ist – [...] aber oft sind diese Stimmen medial und politisch weniger präsent. Umso wichtiger ist es, sie sichtbarer zu machen. Wir müssen lauter sein!”

 

Quelle: https://www.beethovenfest.de/de/magazin/handeln-nicht-wegsehen/272, Ausdruck vom 09.06.2026 um 12:48 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44622
weiterlesen...

SWR3 Worte

15JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Johannes Ehrmann ist Redakteur der Wochenzeitung die ZEIT und Papa von Zwillingen.  Die beiden gehen in die vierte Klasse und sie löchern ihren Vater mit Fragen nach Gott. Johannes Ehrmann lässt für sich die Frage offen, ob es Gott gibt oder nicht. Aber er ist fasziniert davon, wie seine Töchter Glauben verstehen. Er sagt:

 

“Sie beziehen die Bibel auf sich [...] auf ihr Leben. Am Ende sind es ja auch universelle Geschichten, die den Kindern so ähnlich in der Schule oder im Sportverein begegnen. Die im besten Fall Vertrauen in ihnen wecken und ihnen das Gefühl geben, dass es immer Hoffnung gibt [...]. Und dass da jemand ist, der zu ihnen hält und auf sie aufpasst. [...]. Als ich mit einem Kollegen, der studierter Theologe ist, später darüber spreche, erzählt er mir: In den beiden Sprachen der Bibel, auf Hebräisch und Altgriechisch, bedeuteten die Worte, die wir gemeinhin mit »Glauben« übersetzen, eigentlich eher: Vertrauen, Treue, Zutrauen. »Insofern liegen deine Töchter genau richtig«, sagt er mir.

 

Quelle: https://www.zeit.de/familie/2026-05/kinder-religion-indoktrination-gott-neugierde/seite-2, Ausdruck vom 09.06.2026 um 22:04 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44621
weiterlesen...

SWR3 Worte

14JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Barbara Pachl-Eberhart hat bei einem Unfall vor 18 Jahren ihren Mann Heli und ihre Kinder Thimo und Fini verloren. Sie hat das Buch "Vier minus drei" geschrieben, das nun als Film auch im Kino zu sehen ist. Auf die Frage “Was hilft in der Trauer?” hat sie geantwortet:

 

"Ein Rat, den ich wirklich gerne und von Herzen gebe, ist, dass man nicht versuchen sollte die Dinge ganz allein zu schaffen, nur mit sich selbst auszumachen - das ist zu wenig. Deshalb gibt es ja so viele von uns. Und wenn man das auf eine spirituelle Ebene bringt, dann gibt es eben jenseits von allen Menschen, mit denen wir reden können,  auch noch ein Du, an das ich mich wenden kann , bei dem ich wirklich davon ausgehen kann, dass es mich versteht und vielleicht auch aktiv irgendwie mir hilft."

 

Quelle:  https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=44539, Ausdruck vom 09.06.2026 um 22:00 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44620
weiterlesen...

Begegnungen

31MAI2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in
Barbara Pachl-Eberhart copyright: Nina Goldnagl

Sie ist die Autorin des Buches „Vier minus drei”*, das nun verfilmt wurde. „Vier minus drei” - die drei steht für drei Personen: ihren Ehemann Heli und ihre Kinder Thimo und Fini. Alle drei hat die Österreicherin vor 18 Jahren bei einem schrecklichen Unfall verloren. Barbara Pachl-Eberhart kann sich noch genau daran erinnern:

Gründonnerstag 2008, ein sonniger Tag, ein bisschen kühl aber durchaus strahlend und ich war gerade unterwegs, hatte mich in der Früh noch verabschiedet, fröhlich, glücklich von meiner Familie. War bei einem Arzttermin mit dem Auto ein bisschen weit entfernt. Und dann noch schnell im Supermarkt Ostereinkäufe machen. Und gerade als ich ins Auto eingestiegen bin, hat mein Handy geläutet und es war die Tagesmutter meiner Tochter und am anderen Ende der Leitung war eine sehr brüchige Stimme - die nur gesagt hat: „Du, es war ein Unfall mit einem Clownbus an einem Bahnübergang.”

Der Clownbus - so hieß das Fahrzeug, weil Barbara und ihr Mann Heli beide als Clowns gearbeitet haben. Barbara als Krankenhausclown in jenem Hospital, in das nun ihre Kinder eingeliefert werden und wo sie kurz darauf sterben:

Ich hab zehn Jahre lang als Clown gearbeitet in genau diesem Krankenhaus - ich hätte auch am selben Tag um die selbe Zeit einen Clowneinsatz gehabt, auf der Station auf der meine Kinder lagen, und wo ich außerdem  - und ich glaub das ist ganz wichtig - , wusste dass ich bei Weitem nicht die einzige bin, der so etwas passiert.

Barbara Pachl-Eberhart beginnt in den Wochen nach dem Unfall ihren Verstorbenen Briefe in den Himmel zu schicken - sie glaubt bis heute ganz fest, dass es ihnen gut geht, da wo sie jetzt sind, bei Gott. Sie liest spirituelle Bücher, stellt die Sinnfrage...

Und ich denk geistige Nahrung kann an einer Stelle, wo alles andere wegbricht unendlich lebensrettend sein. Und die Herausforderung war dann eher mich auch um meinen Körper zu kümmern.

Dabei hilft ihr ganz konkret ihr Freundeskreis. An den hat sie in einer emotionalen Mail einen Hilferuf geschrieben:  „Vergesst mich bitte nicht...” Die Botschaft kommt an:

Meine Freunde haben mir Essen gebracht, aber sie haben mir z.B. auch Klopapier gebracht, die haben mitgedacht: Die haben gedacht die Barbara war jetzt schon zwei Wochen nicht mehr einkaufen, was könnte sie brauchen? Oder sie sind einfach gekommen und haben mir den Rasen gemäht und ich war so dankbar für diese praktischen Hilfen an einer Stelle, wo ich das selber einfach nicht konnte.

Mich beeindruckt sehr, wie der Glaube an Gott Barbara Pachl-Eberhart, trotz allem was sie erleben musste, immer noch trägt:

Ich glaub nicht, dass Gott die Kraft ist, die uns beschützt vor allem was uns weh tut. Aber ich glaube, dass Gott ganz unbedingt die Kraft ist, die ganz nah bei uns ist und die uns trägt, wenn etwas weh tut. Und wenn Menschen an mich denken im Krankenhaus am Bett meiner Kinder, die sterben und sich fragen:  „Wo war denn Gott da?” Dann sag ich: „Bei mir natürlich und er hat meine Hand gehalten und er ist mir beigestanden und er hat dafür gesorgt, dass ich irgendwie dadurch gehen kann.

Ich treffe Barbara Pachl-Eberhart in Wien, wo sie heute lebt. Nachdem sie mit Anfang 30 Ehemann und beide Kinder verloren hat, durchlebte sie Schmerz, Trauer, Depressionen, Zusammenbrüche. Ging zur Psychotherapie. Die heute 52-Jährige hat sich aber auch neu verlieben können, ist heute Mutter der 9-Jährigen Erika. Und sie strahlt mit ihren wachen Augen eine Lebensfreude aus, die mich vor dem Hintergrund ihres Verlusts, sehr bewegt. Das geht nicht nur mir so - inzwischen ist sie für viele Menschen zu einer Anlaufstelle in Trauerfragen geworden, hat darüber auch das Buch „Warum gerade du?”** verfasst, bietet Schreibseminare und Trauerkurse an.

Ein Rat, den ich wirklich gerne und von Herzen gebe, ist, dass man nicht versuchen sollte die Dinge ganz allein zu schaffen, nur mit sich selbst auszumachen - das ist zu wenig. Deshalb gibt es ja so viele von uns. Und wenn man das auf eine spirituelle Ebene bringt, dann gibt es eben jenseits von allen Menschen, mit denen wir reden können, auch noch ein Du, an das ich mich wenden kann , bei dem ich wirklich davon ausgehen kann, dass es mich versteht und nicht nur das, sondern dass es vielleicht auch aktiv irgendwie mir hilft.

Natürlich hat sich ihr Glaube an Gott verändert, aber verloren hat ihn die katholische Christin nicht:

Geblieben ist einfach dieses ganz tiefe Gefühl wir sind nicht allein, wir sind begleitet und vielleicht die Erscheinungsform in der mir Gott am meisten erscheint ist jeder neue Tag,  im Wissen da gibt es ein Du. Und der neue Tag ist ein Du, das ich noch nicht kenne, aber dem ich vertraue.

Dieses Vertrauen in den Urheber allen Lebens strahlt sie während unserer Begegnung auch aus. Und sie packt es in wunderbare Bilder - ihre Bücher zu lesen ist trotz der Schwere der Thematik immer auch eine literarische Freude. Weil sie so sprachsensibel ist, hat sie am eigenen Leib erlebt, dass Sprache auch verletzen kann. Insbesondere in der Trauer. Etwa die Frage: „Ist es nicht mal bald gut mit dem Trauern?” Aber auch: „Wie geht es dir?” Für trauernde Menschen oft total überfordernd. Besser ist: „Wie geht es dir heute?” Sie ermutigt mit Trauernden im Kontakt zu bleiben. Und sich immer wieder diese Fragen zu stellen:

Frage dich jeden Tag: wie wärs wenn ich morgen sterben würde, könnte ich im Frieden gehen, hab ich alle Konflikte geklärt, bin ich jemandem was schuldig innerlich, hab ich meine Werte in die Welt gebracht? Und diese Fragen find ich extrem wertvoll für jeden Tag, den uns das Leben schenkt.

Dass ihr Leben nun verfilmt wurde und sie auch ganz eng in den Prozess der Entstehung mit einbezogen war, das ist für Barbara Pachl-Eberhart ebenfalls ein großes Geschenk.  Der Film „4-3” wurde auf der Berlinale uraufgeführt, ist weiterhin in Kinos zu sehen und erscheint bald auf DVD.

Ich möchte wirklich allen Menschen danken, die den Mut haben den Film anzuschauen - danke, dass ihr euch traut ein offener Mensch zu sein, euch einzulassen.

Und ich danke Barbara Pachl-Eberhart, für den Lebensmut, den sie mit anderen teilt.

*Barbara Pachl-Eberhart: Vier minus drei. Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand, Wilhelm Heyne Verlag, München.

** Barbara Pachl-Eberhart: Warum gerade du?, Antworten auf die großen Fragen der Trauer, Wilhelm Heyne Verlag, München. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44539
weiterlesen...