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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

30AUG2026
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Vor kurzem bin ich in Stuttgart in der Innenstadt auf Parkplatzsuche gewesen. Ich habe – gegen jede Wahrscheinlichkeit – tatsächlich auch einen gefunden; und musste deswegen kurz meinen Glauben hinterfragen.

An dem Abend hatte ich eine Freundin von außerhalb besucht. Und als ich aufgebrochen bin, da habe ich noch gesagt: Jetzt kommt der schlimmste Teil des Abends: die Parkplatzsuche in Stuttgart. Da hat meine Freundin nur gegrinst und gemeint: Meine Oma hat, wenn sie mit ihren sieben Enkeln unterwegs war immer für einen freien Parkplatz gebetet. „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ heißt es in der Bibel, also hat sie das gemacht. Soll ich das für Dich jetzt auch machen? Dafür beten, dass du einen Parkplatz findest?

„Kann ja nicht schaden“ oder so etwas ähnliches habe ich beim Losfahren gemurmelt – obwohl ich eigentlich fest die Meinung vertrete, das Gebet so nicht funktioniert. Auch meinen Konfis oder in meinen Predigten am Sonntag sage ich das: dass das Gebet nicht einfach eine Wunschmaschine ist, die unser Leben leichter macht.

Ich bin also losgefahren, die Freundin hat für den Parkplatz gebetet – und tatsächlich: als ich in meine Heimatstraße eingebogen bin, war der perfekte Parkplatz frei, direkt vor meiner Haustür. Sonst suche ich um diese Uhrzeit schon einmal eine halbe Stunde.

Und trotzdem bleibe ich dabei: Gebete sind keine Wunscherfüller. Und ich glaube, dass so eine Gebetspraxis auch gefährlich ist. Weil man schnell an die Frage kommt: Wenn ich das nächste Mal keinen Parkplatz finde – habe ich dann nicht genug gebetet? Oder sonst etwas falsch gemacht? Dann hängt meine Beziehung zu Gott auf einmal davon ab, wie oft ich einen freien Parkplatz finde. Und es würde wichtige Fragen offenlassen: Warum kümmert sich Gott um freie Parkplätze für mich, aber nicht um zum Beispiel ausreichend Essen für Menschen, die auf der Straße leben?

Die Frage kann ich nun mal nicht beantworten - und werde gleichzeitig trotzdem für Menschen in Not oder Obdachlosigkeit beten – und manchmal auch für einen freien Parkplatz. Ich finde darin kommt ein Grundvertrauen zum Ausdruck, das mir und meiner Beziehung zu Gott guttut. Was Gott draus macht, das überlass ich ihm.

Zwei Tage später habe ich es noch einmal versucht. Wieder Parkplatzsuche, wieder ein kurzes Gebet. Diesmal ohne Erfolg. Ich bin lange um die Häuser gefahren. Seltsamerweise war ich danach nicht enttäuscht von Gott. Vielleicht brauchte einfach jemand anderes den Parkplatz dringender. Vielleicht auch nicht. Aber es tut mir gut, dass ich Gott sagen kann, was mich belastet. Und genau wie die Oma meiner Freundin nehme ich den Satz ernst: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

29AUG2026
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Vor gut einem Monat habe ich davon gelesen. In einem großen Einkaufszentrum in der Stadt wurde eine Frau von ihrem Ex-Partner mit angegriffen und schwer verletzt. Bei allem Schreck war ich für eine Sache dankbar: In den Zeilen, die ich dazu gelesen habe, war nicht von „Familiendrama“ oder „Beziehungstat“ die Rede. Lange wäre mir das gar nicht aufgefallen. Erst in den letzten Jahren habe ich gelernt, warum solche Begriffe problematisch sind.

„Familiendrama“ klingt nach einem tragischen Schicksal, das über eine Familie hereinbricht. „Beziehungstat“ beschreibt zunächst nur den Rahmen, in dem die Tat geschieht. Beides lenkt leicht vom Wesentlichen ab: Hier handelt ein Mensch gewalttätig gegen einen anderen. Und statistisch sind es im sozialen Nahraum meist Männer, die Gewalt ausüben, während Frauen die Opfer sind.1 2

Und wenn wir von einem Familiendrama sprechen, rückt die Gewalt selbst oft in den Hintergrund. Sie erscheint als tragischer Teil einer konflikthaften Beziehung. Doch Gewalt ist kein Schicksal. Sie ist eine Entscheidung und hat Verantwortliche.3

Wir müssen das Problem benennen. Schwere körperliche Gewalt gegen Frauen wird überwiegend von Männern verübt. Und niemand wird ein so komplexes Problem4 mit einer einzigen Maßnahme lösen. Es braucht Schutzräume für Frauen. Gute Präventionsarbeit. Beratungsangebote. Eine Justiz, die aufmerksam hinschaut. Ich meine, wir müssen darüber spreche, welche Vorstellungen von Männlichkeit wir Jungen und Männern vermitteln:5 wie wir über Macht denken, über Kontrolle, über Kränkungen und Konflikte - wie wir reagieren, wenn jemand Hilfe braucht oder Gewalt ausübt -  und wie wir Männer selbst mit Abweisungen und Schwäche umgehen. Wir brauchen eine Gesellschaft, die Gewalt nicht verharmlost und privatisiert als Beziehungsdrama.

Denn das klingt dann fast so, als hätten die Umstände die Tat verursacht. Doch hinter solchen Worten kann leicht verschwinden, dass ein Mensch Verantwortung für sein Handeln trägt. Die Dinge beim Namen zu nennen, gehört zur Wahrhaftigkeit. Deshalb müssen wir fragen, woher Gewalt kommt, welche Vorstellungen von Männlichkeit wir weitergeben und wie wir mit Macht, Kränkungen und Konflikten umgehen.

Das ist nicht männerfeindlich. Im Gegenteil: Wenn wir Gewalt verhindern wollen, müssen wir auch über die Bedingungen sprechen, unter denen sie entsteht. Gelingt es, festgefahrene Muster zu durchbrechen, profitieren alle davon. Männer, weil sie bessere Wege finden können, mit Verletzungen und schwierigen Gefühlen umzugehen. Frauen, weil weniger von ihnen Gewalt erfahren oder sogar ihr Leben verlieren.

1Gewalt im Geschlechterverhältnis im engen sozialen Nahraum - Bundesstiftung Gleichstellung

2 Weibliche und Männliche Opfer von Partnerschaftsgewalt - Open Data Portal

3 Warum ein Femizid weder "Familiendrama" noch "Beziehungstat" ist | BR24

4 BKA - Meldungen - Polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
5 Toxische Männlichkeit - woher kommt der Hass auf Frauen? | tagesschau.de

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45084
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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

27AUG2026
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Anfang Juli haben wir mit dem diesjährigen Konfi-Jahrgang eine WG-Woche gemacht. Eine Woche lang im Gemeindehaus wohnen – und der Rest des Lebens geht ganz normal weiter. Die Konfis sind zur Schule gegangen, die Erwachsenen zur Arbeit. Und zwischendrin ist eine richtig schöne Gemeinschaft entstanden. Wir haben viel gespielt, gemeinsam der Hitze getrotzt, gekocht, gegessen, abgewaschen... Und irgendwann wurde dann auch geschlafen. Und obwohl es so einfach war – wir hatten keine spektakulären Aktionen – wollte am Ende der Woche kaum jemand gehen, so gut war die Gemeinschaft.

Oder ein anderes Beispiel – aber viel weiter weg, letzten Sommer: die Jugendfreizeit in Kroatien. Direkt am Meer. Dreimal baden am Tag, Geländespiele. Es war also viel mehr geboten. Und trotzdem war am wichtigsten: Leben miteinander zu teilen. Wir haben gemeinsam gegessen, gewartet, bis alle da waren, und am Ende des Tages miteinander geteilt, was wir erlebt haben. Hier das gleiche: Am Ende viel Abschiedsschmerz, und alle sind sich einig: die Gemeinschaft wird fehlen.

Ob im Alltag in Deutschland oder über die Alpen hinweg in Kroatien: Was diese Gemeinschaft ausmacht, ist eigentlich gar nicht so viel. Es braucht Zeit füreinander. Und die Lust, das Leben miteinander zu teilen.

Natürlich leben solche Angebote auch davon, dass von vornherein klar ist: Das ist eine Gemeinschaft auf Zeit. Da blendet man manches aus, was einem vielleicht nach drei Wochen auf die Nerven gehen würde.

Ich mag es, dass diese Suche nach Gemeinschaft eine Grundlage meines Glaubens ist. Die Grundlage, um gemeinsam nach dem richtigen Weg zu suchen. Und gemeinsam zu fragen, was der Glaube an Gott eigentlich bedeutet. Jesus hat mit seinen Jüngern intensiv das Leben geteilt. In den ersten christlichen Gemeinden wurde Gemeinschaft zu einem zentralen Gut. Und sogar die Dreieinigkeit gehört hierher: Gott ist Gemeinschaft. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gemeinschaft gehört also nicht nur zum christlichen Leben. Sie steckt schon in Gott selbst. Und dieser Gott sucht die Gemeinschaft mit Menschen.

Ich will herausfinden, wie solche Inseln der Gemeinschaft, die ich im Sommer erlebe, auch für andere Altersgruppen möglich werden können – oder ob es sie vielleicht längst gibt. Eine Idee habe ich schon: Bei uns in der Gemeinde das Kaffeetrinken und Zusammensitzen nach dem Gottesdienst wieder stärker zu beleben. Das ist vielleicht nicht so intensiv wie eine Woche gemeinsam im Gemeindehaus. Aber mir ist bewusst geworden: Es braucht nicht viel dafür. Eine Tasse Kaffee und etwas Zeit könnte schon reichen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

26AUG2026
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Vor kurzem bin ich in Stuttgart in der Innenstadt auf Parkplatzsuche gewesen. Ich habe – gegen jede Wahrscheinlichkeit – tatsächlich auch einen gefunden; und musste deswegen kurz meinen Glauben hinterfragen.

An dem Abend hatte ich eine Freundin von außerhalb besucht. Und als ich aufgebrochen bin, da habe ich noch gesagt: Jetzt kommt der schlimmste Teil des Abends: die Parkplatzsuche in Stuttgart. Da hat meine Freundin nur gegrinst und gemeint: Meine Oma hat, wenn sie mit ihren sieben Enkeln unterwegs war immer für einen freien Parkplatz gebetet. „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ heißt es in der Bibel, also hat sie das gemacht. Soll ich das für Dich jetzt auch machen? Dafür beten, dass du einen Parkplatz findest?

„Kann ja nicht schaden“ oder so etwas ähnliches habe ich beim Losfahren gemurmelt – obwohl ich eigentlich fest die Meinung vertrete, das Gebet so nicht funktioniert. Auch meinen Konfis oder in meinen Predigten am Sonntag sage ich das: dass das Gebet nicht einfach eine Wunschmaschine ist, die unser Leben leichter macht.

Ich bin also losgefahren, die Freundin hat für den Parkplatz gebetet – und tatsächlich: als ich in meine Heimatstraße eingebogen bin, war der perfekte Parkplatz frei, direkt vor meiner Haustür. Sonst suche ich um diese Uhrzeit schon einmal eine halbe Stunde.

Und trotzdem bleibe ich dabei: Gebete sind keine Wunscherfüller. Und ich glaube, dass so eine Gebetspraxis auch gefährlich ist. Weil man schnell an die Frage kommt: Wenn ich das nächste Mal keinen Parkplatz finde – habe ich dann nicht genug gebetet? Oder sonst etwas falsch gemacht? Dann hängt meine Beziehung zu Gott auf einmal davon ab, wie oft ich einen freien Parkplatz finde. Und es würde wichtige Fragen offenlassen: Warum kümmert sich Gott um freie Parkplätze für mich, aber nicht um zum Beispiel ausreichend Essen für Menschen, die auf der Straße leben?

Die Frage kann ich nun mal nicht beantworten - und werde gleichzeitig trotzdem für Menschen in Not oder Obdachlosigkeit beten – und manchmal auch für einen freien Parkplatz. Ich finde darin kommt ein Grundvertrauen zum Ausdruck, das mir und meiner Beziehung zu Gott guttut. Was Gott draus macht, das überlass ich ihm.

Zwei Tage später habe ich es noch einmal versucht. Wieder Parkplatzsuche, wieder ein kurzes Gebet. Diesmal ohne Erfolg. Ich bin lange um die Häuser gefahren. Seltsamerweise war ich danach nicht enttäuscht von Gott. Vielleicht brauchte einfach jemand anderes den Parkplatz dringender. Vielleicht auch nicht. Aber es tut mir gut, dass ich Gott sagen kann, was mich belastet. Und genau wie die Oma meiner Freundin nehme ich den Satz ernst: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26AUG2026
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Vor kurzem bin ich in Stuttgart in der Innenstadt auf Parkplatzsuche gewesen. Ich habe – gegen jede Wahrscheinlichkeit – tatsächlich auch einen gefunden; und musste deswegen kurz meinen Glauben hinterfragen.

An dem Abend hatte ich eine Freundin von außerhalb besucht. Und als ich aufgebrochen bin, da habe ich noch gesagt: Jetzt kommt der schlimmste Teil des Abends: die Parkplatzsuche in Stuttgart. Da hat meine Freundin nur gegrinst und gemeint: Meine Oma hat, wenn sie mit ihren sieben Enkeln unterwegs war immer für einen freien Parkplatz gebetet. „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ heißt es in der Bibel, also hat sie das gemacht. Soll ich das für Dich jetzt auch machen? Dafür beten, dass du einen Parkplatz findest?

„Kann ja nicht schaden“ oder so etwas ähnliches habe ich beim Losfahren gemurmelt – obwohl ich eigentlich fest die Meinung vertrete, das Gebet so nicht funktioniert. Auch meinen Konfis oder in meinen Predigten am Sonntag sage ich das: dass das Gebet nicht einfach eine Wunschmaschine ist, die unser Leben leichter macht.

Ich bin also losgefahren, die Freundin hat für den Parkplatz gebetet – und tatsächlich: als ich in meine Heimatstraße eingebogen bin, war der perfekte Parkplatz frei, direkt vor meiner Haustür. Sonst suche ich um diese Uhrzeit schon einmal eine halbe Stunde.

Und trotzdem bleibe ich dabei: Gebete sind keine Wunscherfüller. Und ich glaube, dass so eine Gebetspraxis auch gefährlich ist. Weil man schnell an die Frage kommt: Wenn ich das nächste Mal keinen Parkplatz finde – habe ich dann nicht genug gebetet? Oder sonst etwas falsch gemacht? Dann hängt meine Beziehung zu Gott auf einmal davon ab, wie oft ich einen freien Parkplatz finde. Und es würde wichtige Fragen offenlassen: Warum kümmert sich Gott um freie Parkplätze für mich, aber nicht um zum Beispiel ausreichend Essen für Menschen, die auf der Straße leben?

Die Frage kann ich nun mal nicht beantworten - und werde gleichzeitig trotzdem für Menschen in Not oder Obdachlosigkeit beten – und manchmal auch für einen freien Parkplatz. Ich finde darin kommt ein Grundvertrauen zum Ausdruck, das mir und meiner Beziehung zu Gott guttut. Was Gott draus macht, das überlass ich ihm.

Zwei Tage später habe ich es noch einmal versucht. Wieder Parkplatzsuche, wieder ein kurzes Gebet. Diesmal ohne Erfolg. Ich bin lange um die Häuser gefahren. Seltsamerweise war ich danach nicht enttäuscht von Gott. Vielleicht brauchte einfach jemand anderes den Parkplatz dringender. Vielleicht auch nicht. Aber es tut mir gut, dass ich Gott sagen kann, was mich belastet. Und genau wie die Oma meiner Freundin nehme ich den Satz ernst: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25AUG2026
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Es fängt an mit: auf die Zehenspitzen gehen – alle zusammen. Dann die Arme ausstrecken und sich dehnen – erst rechts, dann die linke Seite. Und wenn dann noch alle in der Gruppe zusammen herzhaft gähnen und seufzen und anfangen gemeinsam auf demselben Ton zu simmen – dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man in einem Chor gelandet ist.

Für mich ist das Chorsingen eine große Konstante in meinem Leben, auch wenn ich sehr oft umgezogen bin. Einer meiner ersten Wege am neuen Wohnort: In einen Chor. Ich bin dabei noch nie enttäuscht worden.

Denn eines habe ich überall gefunden: Eine Chorgemeinschaft. Und oft eine Chorgemeinschaft, die vielfältig war: Junge und alte Menschen haben da zusammen gesungen. Menschen mit engem Bezug zur Kirchengemeinde gemeinsam mit Menschen, die vor allem wegen des Gesangs waren.

Im Chor ist es wichtig, seine eigene Stimme so in den Gesamtklang einzufügen, dass ich die anderen nicht übertöne, aber meine Stimmgruppe trotzdem gut hörbar bleibt. Das funktioniert nur, wenn alle Stimmen mitziehen – und ganz ehrlich: auch nach über 30 Jahren Chorerfahrung muss man immer wieder daran erinnert werden.

Aber erst, als ich vor Kurzem einen internationalen Chor gehört habe,  da ist mir aufgefallen: in den normalen Chören auf dem Dorf oder bei mir in der Stadtgemeinde, da singen nur wenige Leute mit Einwanderungsgeschichte mit. Anscheinend ist das nicht ansprechend für sie.

Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber genau das habe ich mir vorgenommen.

Wenn wir bewusst Menschen einladen, dann entstehen vielleicht ganz neue Chöre – und es tun sich Leute zusammen die neugierig sind auf Musik aus der ganzen Welt. Es gibt schließlich noch viel mehr Musik außer Beethoven, Mozart und Mendelssohn. Denn  Gemeinschaft entsteht schließlich nicht von allein. Sie wächst dort, wo Menschen das Gefühl bekommen: Hier ist auch meine Stimme willkommen.

Denn Chorsingen lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Im Gegenteil. Ein Chor klingt gerade dann schön, wenn unterschiedliche Stimmen zusammenkommen, aufeinander hören und ihren Platz finden. Vielleicht gilt das nicht nur für die Musik. Sondern auch für das Zusammenleben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45086
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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25AUG2026
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Es fängt an mit: auf die Zehenspitzen gehen – alle zusammen. Dann die Arme ausstrecken und sich dehnen – erst rechts, dann die linke Seite. Und wenn dann noch alle in der Gruppe zusammen herzhaft gähnen und seufzen und anfangen gemeinsam auf demselben Ton zu simmen – dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man in einem Chor gelandet ist.

Für mich ist das Chorsingen eine große Konstante in meinem Leben, auch wenn ich sehr oft umgezogen bin. Einer meiner ersten Wege am neuen Wohnort: In einen Chor. Ich bin dabei noch nie enttäuscht worden.

Denn eines habe ich überall gefunden: Eine Chorgemeinschaft. Und oft eine Chorgemeinschaft, die vielfältig war: Junge und alte Menschen haben da zusammen gesungen. Menschen mit engem Bezug zur Kirchengemeinde gemeinsam mit Menschen, die vor allem wegen des Gesangs waren.

Im Chor ist es wichtig, seine eigene Stimme so in den Gesamtklang einzufügen, dass ich die anderen nicht übertöne, aber meine Stimmgruppe trotzdem gut hörbar bleibt. Das funktioniert nur, wenn alle Stimmen mitziehen – und ganz ehrlich: auch nach über 30 Jahren Chorerfahrung muss man immer wieder daran erinnert werden.

Aber erst, als ich vor Kurzem einen internationalen Chor gehört habe,  da ist mir aufgefallen: in den normalen Chören auf dem Dorf oder bei mir in der Stadtgemeinde, da singen nur wenige Leute mit Einwanderungsgeschichte mit. Anscheinend ist das nicht ansprechend für sie.

Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber genau das habe ich mir vorgenommen.

Wenn wir bewusst Menschen einladen, dann entstehen vielleicht ganz neue Chöre – und es tun sich Leute zusammen die neugierig sind auf Musik aus der ganzen Welt. Es gibt schließlich noch viel mehr Musik außer Beethoven, Mozart und Mendelssohn. Denn  Gemeinschaft entsteht schließlich nicht von allein. Sie wächst dort, wo Menschen das Gefühl bekommen: Hier ist auch meine Stimme willkommen.

Denn Chorsingen lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Im Gegenteil. Ein Chor klingt gerade dann schön, wenn unterschiedliche Stimmen zusammenkommen, aufeinander hören und ihren Platz finden. Vielleicht gilt das nicht nur für die Musik. Sondern auch für das Zusammenleben.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24AUG2026
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Das war vorletzte Woche schon etwas Besonderes: die Sonnenfinsternis. Ich und ein paar Freunde, wir haben sie von der Achalm aus angeschaut, dem Hausberg von Reutlingen. Freier Blick nach Westen, klarer Himmel, leichter Wind. Es war eine ganz eigene und  besondere Stimmung. Gefühlt hatte sich die halbe Stadt versammelt, um gemeinsam der Sonne beim Verschwinden zuzusehen.

Auf dem Höhepunkt gab es sogar Applaus für die Sonne. Man könnte sagen: Was für ein Quatsch. Aber ich mochte das. Menschen, die sonst vermutlich wenig miteinander zu tun haben, teilen für einen Moment dieselbe Begeisterung.

Wir hatten gesehen, dass eine Gruppe von drei Menschen unterhalb von uns keine Schutzbrillen dabeihatte und stattdessen mit mehreren übereinandergesetzten Sonnenbrillen versuchte, die Sonnenfinsternis zu verfolgen. Also haben wir uns kurzerhand abgewechselt und eine unserer Brillen weitergegeben. Die drei Freunde waren überglücklich.

Was aber noch viel schöner war: Eine andere Gruppe neben uns hatte beobachtet, wie wir die Brille geteilt haben. Wenig später fiel ihnen ein Pärchen auf, das ebenfalls keine Schutzbrille dabeihatte. Also haben sie ihrerseits eine Brille weitergegeben.

Innerhalb weniger Minuten war aus einer kleinen Geste etwas geworden, das sich ausbreitete. Niemand hatte darüber gesprochen. Niemand hatte andere dazu aufgefordert. Es war einfach passiert.

Das hat mich an einen Film erinnert, den ich vor vielen Jahren gesehen habe. Darin will ein Junge die Welt verändern. Er tut anderen etwas Gutes und bittet sie, nicht ihm etwas zurückzugeben, sondern stattdessen drei weiteren Menschen zu helfen.

Lange habe ich das für einen schönen, aber ziemlich utopischen Gedanken gehalten. An diesem Abend auf der Achalm habe ich ihn anders gesehen. Vielleicht ist es wirklich manchmal so einfach. Dass Teilen andere zum Teilen anregt. Vielleicht steckt in einer weitergegebenen Brille schon mehr Veränderungskraft, als man denkt.

Der christliche Glaube erzählt immer wieder von solcher Hoffnung. Dass Gutes Kreise ziehen kann. In einem bekannten Lied heißt es: „Segen kann gedeihen, wo wir alles teilen.“ Und da steckt ein tiefer Gedanke drin: Teilen macht nicht weniger, sondern mehr. Aus einer kleinen Gabe kann etwas Größeres wachsen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45085
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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24AUG2026
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Das war vorletzte Woche schon etwas Besonderes: die Sonnenfinsternis. Ich und ein paar Freunde, wir haben sie von der Achalm aus angeschaut, dem Hausberg von Reutlingen. Freier Blick nach Westen, klarer Himmel, leichter Wind. Es war eine ganz eigene und  besondere Stimmung. Gefühlt hatte sich die halbe Stadt versammelt, um gemeinsam der Sonne beim Verschwinden zuzusehen.

Auf dem Höhepunkt gab es sogar Applaus für die Sonne. Man könnte sagen: Was für ein Quatsch. Aber ich mochte das. Menschen, die sonst vermutlich wenig miteinander zu tun haben, teilen für einen Moment dieselbe Begeisterung.

Wir hatten gesehen, dass eine Gruppe von drei Menschen unterhalb von uns keine Schutzbrillen dabeihatte und stattdessen mit mehreren übereinandergesetzten Sonnenbrillen versuchte, die Sonnenfinsternis zu verfolgen. Also haben wir uns kurzerhand abgewechselt und eine unserer Brillen weitergegeben. Die drei Freunde waren überglücklich.

Was aber noch viel schöner war: Eine andere Gruppe neben uns hatte beobachtet, wie wir die Brille geteilt haben. Wenig später fiel ihnen ein Pärchen auf, das ebenfalls keine Schutzbrille dabeihatte. Also haben sie ihrerseits eine Brille weitergegeben.

Innerhalb weniger Minuten war aus einer kleinen Geste etwas geworden, das sich ausbreitete. Niemand hatte darüber gesprochen. Niemand hatte andere dazu aufgefordert. Es war einfach passiert.

Das hat mich an einen Film erinnert, den ich vor vielen Jahren gesehen habe. Darin will ein Junge die Welt verändern. Er tut anderen etwas Gutes und bittet sie, nicht ihm etwas zurückzugeben, sondern stattdessen drei weiteren Menschen zu helfen.

Lange habe ich das für einen schönen, aber ziemlich utopischen Gedanken gehalten. An diesem Abend auf der Achalm habe ich ihn anders gesehen. Vielleicht ist es wirklich manchmal so einfach. Dass Teilen andere zum Teilen anregt. Vielleicht steckt in einer weitergegebenen Brille schon mehr Veränderungskraft, als man denkt.

Der christliche Glaube erzählt immer wieder von solcher Hoffnung. Dass Gutes Kreise ziehen kann. In einem bekannten Lied heißt es: „Segen kann gedeihen, wo wir alles teilen.“ Und da steckt ein tiefer Gedanke drin: Teilen macht nicht weniger, sondern mehr. Aus einer kleinen Gabe kann etwas Größeres wachsen.

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SWR1 3vor8

16AUG2026
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Wessen Meinung bedeutet mir eigentlich etwas? Ich frage mich das, weil ich mich so oft ärgere, z.B. über Äußerungen im Internet. Hier darf man wirklich nicht jede Meinung zu nah an sich heranlassen. Und gleichzeitig finde ich es wichtig, sich nicht komplett zu verschließen. Nicht nur die ernstzunehmen, die den eigenen Vorstellungen entsprechen: von Bildungsstand, dem eigenen Weltbild oder auch dem Demokratieverständnis. Ich meine: Wessen Meinung wir Beachtung schenken, zeigt auch, wie selbstgerecht wir durch die Welt gehen.

Wie selbstgerecht sind wir unterwegs? Genau darum geht es Im Text, über den heute in vielen Evangelischen Kirchen gepredigt wird. Da erzählt Jesus im Lukasevangelium das Gleichnis von einem selbstgerechten Pharisäer. Also einem  Mann, der eine besonders fromme und gelehrte Lebensweise gewählt hat. Der geht in den Tempel in Jerusalem und betet: Danke Gott, dass ich nicht bin, wie die Räuber, die Ehebrecher und die Ungerechten. Daneben stellt Jesus einen Zöllner, also jemanden, der seine Mitmenschen schamlos ausgenutzt und ihnen viel zu viel Geld abgenommen hat - den Inbegriff von Gewissenlosigkeit. Der Zöllner betet auch, und zwar ganz knapp: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Die Pointe in der Geschichte, die Jesus da erzählt: In Gottes Augen ist der Zöllner und berufstätige Betrüger ein gerechter Mann.

Und umgekehrt hat der gelehrte und fromme Mann ein Problem: Er ist trotz seines moralisch einwandfreien Lebens selbstgerecht geworden. Und in seiner Selbstgerechtigkeit schaut er nur noch auf die Fehler anderer Menschen. Ich glaube so eine Selbstgerechtigkeit macht nicht nur hart. Sie macht auch blind. Blind für das, was andere Menschen mir zeigen können. Für mich steckt darin auch ein anderer Gedanke: Wer nicht ständig über andere urteilt, kann sich leichter von ihnen überraschen lassen.

Erst kürzlich hat mich ein Grundschüler überrascht. Aus dem Nichts hat er gefragt: Gell, wenn Gott die Mutter von allen Menschen ist, dann sind wir doch auch irgendwie alle Geschwister? Dass Gott für ein Kind so selbstverständlich auch Mutter sein kann und er einfach so verstanden hat, wie viel uns Menschen verbindet – er hat das so gut auf den Punkt gebracht, das hab ich nicht erwartet. Ja, meine eigenen Vorstellungen davon, wer etwas Kluges über Gott denken und sagen kann, die wurde hier in Frage gestellt. Ich wurde von der Weisheit eines Grundschülers überrascht. Vermutlich ein guter Schutz gegen Selbstgerechtigkeit: damit zu rechnen, dass Gott mir auch durch Menschen etwas zeigen kann, von denen ich es nicht erwartet hätte.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45045
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