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SWR1 3vor8

11JAN2026
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Ein bisschen Wasser über den Kopf. Mehr passiert eigentlich nicht. Und doch ist es für mich jedes Mal ein ganz besonderer Moment, wenn ich einen Menschen taufe. Ich sehe das glitzernde Wasser im Taufbecken, meistens ist es extra ein bisschen angewärmt. Und ich beobachte die Reaktionen: Da sind die Säuglinge, die meine Hände ganz energisch von sich fernhalten wollen. Sie ahnen wohl, dass gleich etwas Ungewohntes passiert. Und da sind die anderen, die ganz neugierig nach den Tropfen greifen, die im Licht funkeln. Symbolisch lasse ich das Wasser dreimal über den Kopf des Kindes fließen und spreche die uralten Worte: Ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Der Predigttext des heutigen Sonntags erinnert daran, dass auch Jesus sich hat taufen lassen. Nur war er damals kein Säugling mehr. Er war ein erwachsener Mann, bereit loszuziehen und die Menschen für Gottes Welt zu begeistern. Er geht zum Fluss Jordan, zu Johannes. Der ist bekannt dafür, dass er die Menschen zur Umkehr ruft und sie tauft. Aber als Jesus vor ihm steht, zögert Johannes. Erst als Jesus ihn eindringlich bittet, willigt Johannes ein. Er taucht Jesus ganz unter im Jordan und zieht ihn tropfnass wieder herauf– ein kraftvolles Bild für einen Neuanfang. Und als Jesus wieder aus dem Wasser auftaucht, hört er eine Stimme, die ihm sagt: Du bist mein geliebter Sohn.

Damit wird  klar, dass Jesus zu Gott gehört. Dass er bereit ist für seinen Weg. Aber – und das ist das Entscheidende: Noch hat er gar nichts geleistet. Er hat noch keine Kranken geheilt, keine Bergpredigt gehalten und noch nicht am Kreuz gelitten. Es ist noch gar nicht bewiesen, ob er dazu überhaupt in der Lage sein wird. Aber  Gott bekennt sich zu Jesus, noch bevor der bewiesen hat, dass er das Zeug  dazu hat. Gott sagt: „Du bist mein geliebtes Kind“ bevor  Jesus dafür irgendwas Großartiges  getan hat.

Deshalb passt es auch, dass wir Kinder oft ganz am Anfang ihres Lebens taufen. Noch bevor sie irgendetwas tun oder sagen könnten, was sie in den Augen der Welt wertvoll macht. Gott nimmt sie als seine Kinder an, ohne jede Gegenleistung. Wenn ich ein Kind taufe, dann sage ich danach oft einen Satz aus der Bibel, der für mich genau das ausdrückt: Fürchte dich nicht, sagt Gott zu dir, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.

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SWR1 Begegnungen

14DEZ2025
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Dieter Falk Bildrechte: Detlef Krentscher

Felix Weise trifft  Dieter Falk

Er hat die Popgruppe Pur produziert, hat den Musikpreis „Echo“ gleich mehrfach gewonnen,  und irgendwann hat er angefangen, selbst Musicals zu schreiben: über die  10 Gebote, über Moses, Luther... Viele haben christliche Themen – das ist das besondere an ihnen. Und: Es sind Chormusicals, das heißt: Ein Großteil des Musicals wird von einem riesigen Chor gestaltet. Und deshalb können auch Laien ganz einfach mitmachen – eigentlich jeder, der Freude am Singen hat. Jetzt gerade zum Beispiel, da  ist das Musical „Bethlehem“ wieder in einigen großen Städten zu hören. Es erzählt die Weihnachtsgeschichte. Warum hat es gerade den Titel „Bethlehem“ bekommen?

Die Idee, das Stück Bethlehem zu nennen, hatte Michael Kunze.

Michael Kunze ist der Librettist, der den Text für das Musical geschrieben hat.                                                                                                            

Er sagte, dass diese Stadt so vieles symbolisiert, was im Nahen Osten mehr denn je ein Thema ist. Drei Weltreligionen auf engstem Raum zusammen Kultur, Religion prallen auf kleinem Raum zusammen. Aber Michael Kunzes  Idee war an der Geschichte von Bethlehem, was dort passiert, ist, diese Geschichte neu aufzurollen, quasi ihn, wie er es so schön nennt, in den Brunnen der Vergangenheit einzutauchen, aber startend von der Jetztzeit in Bethlehem.

Bethlehem als Ort, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet – die Konflikte, die heute den Nahen Osten prägen verbunden mit denen von damals: als es auch schon um Herrschaftsansprüche ging, um Identität und natürlich auch ums liebe Geld. Das schwingt mit  in der biblischen Weihnachtsgeschichte. Aber vor allem die  Sehnsucht nach Frieden. Für Dieter Falk ist klar…

…dass das in der Weihnachtsgeschichte eine der großen Botschaften ist – Frieden auf Erden taucht in jedem dritten Weihnachtslied irgendwo als Botschaft auf. Und die Hoffnung, dass so ein kleines Baby diese Welt so verändert, dass es sich, ja, dass irgendwann mal Friede ist. Wir wissen alle, das war noch lange nicht so weit sind. Aber wenn ein 2000 Köpfe starker Chor diese Botschaft in die großen Hallen hinein singt, dann hoffen wir, dass sich viele da zumindest immer wieder dran erinnern.

Frieden. Dazu Vertrauen, das Wunder eines neuen Lebens. Themen, die heute wie früher berühren. Und die  im Musical in einem Song zu so etwas wie einer Kernbotschaft konzentriert sind: : 

Der vorletzte Song heißt das Leben gewinnt. Das ist eine schöne Zeile. Alle Eltern können das glaube ich nachvollziehen, dass sie in ihre Kinder all die Wünsche hineinprojizieren, die sie selbst vielleicht nicht erfüllt bekamen. Das Leben gewinnt. Wir projizieren die Hoffnungen und den auch den Wunsch nach Frieden in die nächste Generation hinein. Das Leben gewinnt mit jedem Kind. Das ist wirklich so eine dieser zentralen Aussagen dieses Musicals.

Das Leben gewinnt – eine der zentrale Aussagen, die mit der klassischen Weihnachtsgeschichte erzählt werden. Wie geht das insgesamt – von einer vorliegenden Geschichte zu einem Musical zu kommen? 
Das Musical ist natürlich eine Form, die gerade beliebt ist und Menschen anzieht.

Aus meiner Sicht eignet sich die Weihnachtsgeschichte ganz toll für ein Musical, weil man diese Hauptprotagonisten Maria und Joseph, ganz klar weiß. Dann natürlich die die Hirten, dann die Könige und dann König Herodes. Die Figuren sind klar, und das ist für den Stoff eines Musicals eigentlich wunderbar.

Der Stoff ist also geeignet. Aber wie geht es dann weiter? Wie findet Dieter Falk den richtigen Ton für die Geschichte?

Anfangs komponiere ich immer so auf Tonsilben. Bethlehem, Bethlehem, das stand schon so als Idee. "da,da, dadada" und das schicke ich Michael und zurück kommt wird Dokument und das passt dann wirklich zielgenau. Und dann muss ich nur noch mal ein neues Demo machen, mit dem Text drauf gesungen.

Bei einem Stück zu Weihnachten kommt man ja eigentlich gar nicht drum herum, nicht auch die klassischen Weihnachtslieder einzubauen. Auch im Musical „Bethlehem“ kommen Weihnachtslieder vor- aus ganz unterschiedlichen Traditionen:

Ich habe schon in der Tat weihnachtliche Songs benutzt und sie in Gospel neu arrangiert. Zum Beispiel Herbei, o ihr Gläubigen. Dann habe ich den amerikanischen Weihnachtsong „Joy to the World“ „Joy to the world“ heißt jetzt „Freue dich Welt“ und das Ganze ist auch relativ flott und sehr gospelig. Das habe ich gemacht. Und dann habe ich auch hin und wieder das Weihnachtsoratorium zitiert, das allerdings nur zitiert. Bei den anderen Songs sind Sie wirklich völlig neu arrangiert. Alles unter der Überschrift Gospel.

Wenn das Stück fertig ist, ist die Arbeit des Komponisten dann eigentlich getan. „Behlehem“ ist aber nicht nur ein Musical, sondern ein Chormusical, an dem viele Laiensängerinnen und -sänger mitwirken.  Und deswegen ist Dieter Falk bei fast jeder Aufführung dabei… .

weil ich das natürlich auch sehen möchte und diese Gänsehaut fühlen möchte, wenn zum Ersten Mal diese dieser Riesenchor von 2000 Sänger und Sängern in Bethlehem singt. Das ist einfach ein tolles, unvergleichlich tolles Gefühl.

Auch dieses Jahr ist das Musikal auf Tour – schon das dritte Jahr in Folge. In Stuttgart ist es am 28.12.  zu hören : Und Dieter Falks Musik zieht noch weiter ihre Kreise…,

wenn Lieder unseres Stücks, wenn die Sonntags dann Weihnachtsgottesdienst oder am Heiligabend, also nicht am ersten Weihnachtstag, wenn das an Weihnachten gesungen wird. Und das passiert schon seit einigen Jahren. Das freut uns sehr.

Ein Lied das es schon in einige Weihnachtsgottesdienste geschafft hat und auch eine Kernbotschaft des Musicals ausdrückt: „Das Leben gewinnt mit jedem Kind“. Ich wünsche Ihnen eine frohe Weihnachtszeit!

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Mehr Infos zu den Aufführungsorten und dem Musical gibt es hier: Chormusical Bethlehem
Einen kleinen Einblick ins Musical „Bethlehem“ gibt es hier: Weltpremiere in Düsseldorf | Bethlehem - Das Chormusical

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

06DEZ2025
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Ich hatte zum Glück nie Angst vor dem Nikolaus. Ich habe mich immer gefreut, und habe mir vorgestellt, wie er nachts in unser Haus kommt, wenn alle tief und fest schlafen.  Und dann bin ich mit meinen Geschwistern als allererstes nach dem Aufstehen raus und hab geschaut was wir bekommen haben.

Als ich dann älter geworden bin, durfte ich selbst 1-2 mal den Nikolaus spielen. Am spannensten war es in Indien, als ich dort meinen Freiwilligendienst gemacht habe.

Am sechsten Dezember war es dort über 30 Grad heiß. Und ich in einem viel zu warmen Nikolauskostüm steckte. Aber vor allem, weil die Kinder dort den Nikolaus nicht gekannt haben und total neugierig waren.

Ich bin also rein zu ihnen, mit meinem weißen Wattebart und ein paar roten Klamotten, die nicht so richtig passten. Und habe sofort gemerkt, dass ich ziemlich einschüchternd gewirkt habe für die Kinder. Sie haben doch ein bisschen Angst bekommen. Dabei hatte ich noch nicht einmal das klassisches Accessoire vom Nikolaus dabei: Das dicke Buch, in dem die guten und schlechten Taten aus dem letzten Jahr aufgeschrieben sind. Mein Auftreten alleine hat gereicht – erst als ich kleine Geschenke und Süßigkeiten ausgepackt habe, ist die Furcht bei den meisten dem Appetit gewichen.

Dass der Niklaus – nicht nur bei indischen Kindern – eine Figur ist, vor der man Angst hat, finde ich seltsam. Und erst recht das Buch mit den guten und schlechten Taten. Wie ein verfrühtes kleines Weltgericht. Und tatsächlcih kommt die Tradition, dass der Nikolaus ein goldenes Buch dabei hat, wohl genau daher: Dass er als Heiliger und Stellvertreter Gottes auch als Symbol für das kommende Gericht ein goldenes Buch dabei hatte.

In der Bibel ist von einem Buch die Rede. Zumindest indirekt. Aber nicht von einem Buch, in dem Gott kleinlich all unsere guten und bösen Taten notiert. Im Lukasevangelium ermutigt Jesus seine Anhängerinnen und Anhänger: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Wo jetzt genau – in einem Buch oder an einer Tafel – Gott führt keine Liste über unsere Verfehlungen. Ihm reicht es, dass er unsere Namen kennt. Und das soll es uns auch. Der Nikolaus braucht nichts anderes als die Namen der Kinder, die er beschenken soll – und natürlich was zum Verschenken.

Das passt auch viel besser zu den Legenden vom Heiligen Nikolaus – der ist nämlich großzügig und hat ein Herz für die, die es schwer haben.

Einen Frohen Nikolaustag!

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

05DEZ2025
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Manche Gerichte brauchen nur eine einzige, besondere Zutat, um ihren Charakter zu entfalten. Denken Sie zum Beispiel an das Gewürz Curry: Das gibt jedem Gericht eine unverkennbare Note. Und die meisten Sachen heißen dann sogar Curry – obwohl noch viele andere Zutaten drin sind. Die Kernzutat ist das, was den Unterschied macht.

Wenn ich das mal auf mich und meinen Glauben übertrage: Was gibt meinem christlichen Glauben den unverkennbaren Geschmack? Wonach sollte Kirche „schmecken“? Früher wäre die Antwort wahrscheinlich gewesen:  Der Gottesdienst am Sonntagmorgen.

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen. In den meisten Kirchengemeinden gibt es ihn immer noch. Manchmal ist er auf einen Abendtermin gewandert, und es gibt viel mehr unterschiedliche Formen als früher. Ich feiere gerne Gottesdienst! Aber einfach nur „Gottesdienst feiern“, das ist allein noch nicht die Kernzutat denke ich. Mich beschäftigt die Frage schon länger, seitdem ich mal wieder über einen Text aus dem Jesajabuch gestoßen bin: Dort spricht Gott zu den Menschen, die sich fragen, warum er manchmal so weit weg erscheint.

Und Gott gibt eine überraschend direkte Antwort. Er sagt, sie fokussieren sich auf das Falsche. Ja, die Gottesdienste sind voll. Alle beten viel und der König mitsamt der Regierung fasten regelmäßig. Aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei, sagt Gott. Weil sie sich von Gott trotzdem nichts sagen lassen.

Was Gott will, steht in den Versen danach:
„Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los!

Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Und entzieh dich nicht deinem Nächsten!“

Hier sind wir beim essenziellen für den christlichen Glauben angelangt. Das ist, kurz gesagt: ich muss mir von Gott auch etwas sagen lassen. Dafür muss sollte ich Gottesdienst feiern. Um Geschmack zu bekommen am Einsatz für seine Gerechtigkeit.

Der Text aus Jesaja ist da sehr deutlich: Er sagt, dass genau dort das Licht Gottes scheint. Dass wir dort, wo wir Gerechtigkeit tun, Gott am nächsten sind.

Wenn man diesen Text fragt, was das Unverzichtbare am Christsein ist, dann ist das nicht einfach bloß der Sonntagsgottesdienst. Es ist das, was der mir sagen will. Was er mir mit auf den Weg geben will: Geschmack finden an der besonderen Würze, die Gott unserem Leben geben will. Und sich einsetzen für Gottes Gerechtigkeit. Der Sonntagsgottesdienst erinnert uns daran, was wesentlich ist. Gerechtigkeit und Glaube funktionieren nicht ohne einander. Der Einsatz für Gerechtigkeit ist das, was unseren Glauben ausmacht. Das, was den Unterschied macht.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

04DEZ2025
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Im letzten Urlaub habe ich gemerkt, dass ich eine Sprache spreche, von der ich bislang nicht wusste, das ich sie kann. Das war  auf Korsika. Ich kann nur ein paar Brocken Französisch. Als ich aber am Sonntagmorgen die Kirchturmglocken gehört habe, wusste ich das Sonntag ist und dass bald ein Gottesdienst sein würde.  Und auch die Uhrzeiten, die durch den Glockenschlag mitgeteilt wurde, habe ich problemlos verstanden. Zugegebenermaßen: Besonders viel kann man mit dieser Sprache „Glockisch“ nicht kommunizieren. Aber für eine grundsätzliche Orientierung hat es gereicht. Früher wäre es noch mehr gewesen: Bevor es unsere modernen Kommunikationsmittel gab, wurde mit Glocken mitgeteilt, wenn Gefahr im Vollzug war, wenn Menschen geheiratet haben oder jemand gestorben ist.

An manchen Orten gibt es diese Traditionen auch heute noch. Und, das habe ich gemerkt, als ich angefangen hab, mich etwas mehr mit dieser universalen Sprache zu beschäftigen: Mit Glocken kann man noch weitaus mehr sagen. Wenn Glocken stumm bleiben, zum Beispiel, ist das meist kein gutes Zeichen. In den Weltkriegen im letzten Jahrhundert war das irgendwann so weit: Weil Glocken abgehängt wurden, um als Metallreserve für die Rüstungsproduktion zu dienen.

Glocken können aber auch ein Symbol des Widerstands sein. Als Protest gegen die Eröffnungsrede des Bischofstags der Deutschen Christen 1935, läutete die örtliche Gemeinde 10 Minuten lang die Glocken. Und auch in den letzten Jahren haben immer wieder Kirchengemeinden Glocken eingesetzt, um ihren Widerspruch gegen Aufmärsche rechter Gruppierungen deutlich zu machen.

Die Sprache der Glocken: Sie ist nicht nur grenzübergreifend, sondern kann auch ziemlich politisch sein. Und damit stehen Glocken auch immer in Gefahr für Propagandazwecke missbraucht zu werden. Das krasseste Beispiel aus der Vergangenheit sind wohl sogenannte Naziglocken, die mit nationalsozialistischer Symbolik verziert wurden oder sogar Hitler geweiht wurden. Es hat seinen Grund, dass in der heutigen Glockenverordnung der württembergischen Landeskirche der Satz zu finden ist: Die Glocke darf nicht zur Menschenehrung dienen.

Dieser Satz weist darauf hin, was die Hauptaufgabe der Glocke in christlich-geprägten Ländern ist: Der Ruf zum Gottesdienst und Gebet. Seitdem ich die Glocken auf Korsika gehört habe, höre ich sie auch hier in Deutschland wieder mehr. Als Ruf zum Gebet, sprachen und länderübergreifend.

Als Zeichen der Universalität und Verbundenheit miteinander. Oder wie Schiller es formuliert hat: Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.  

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

03DEZ2025
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„So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“

Diese Zeilen habe ich die letzten Wochen häufig vor mich hingesummt- besonders dann, wenn ich aus der Chorprobe gekommen bin. Da singen wir nämlich gerade ein Stück von Mendelssohn, und darin diese biblische Zeite: Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“. Die Frage ist nur: Was meint die Bibel damit – mit Waffen des Lichts“? Meine Schwester, die im gleichen Chor singt und mit diesem militärischen Bild der Waffen ein wenig hadert, singt manchmal einfach „Waffeln des Lichts“ statt „Waffen“. Die passen besser zu ihrer Vorstellung vom Christsein: Frischgebackene Waffeln des Lichts mit Puderzucker – da musste ich doch ganz schön schmunzeln.

Als ich einer Freundin davon erzählt habe, ist ihr dazu etwas ganz anderes eingefallen: Nämlich die Star-Wars-Filme und  an die Lichtschwerter der Jediritter. Ich habe grinsen müssen bei den Filmschwertern und dem Lichtstrahl als Klinge. Zum Glück gibt’s die nicht wirklich.

In der Bibel, wo das Bild von den „Waffen des Lichts“ herkommt, sind  auch keine echten Waffen gemeint.

Sondern was der Apostel Paulus meint: es gibt etwas, das uns Christen hilft,  uns für das Gute einzusetzen. Was genau diese Waffen sind, das wird im Römerbrief nicht ausgeführt. Ich finde es lassen sich aber gut drei Worte einsetzen: Glaube, Liebe und Hoffnung.

Glaube – das Vertrauen, dass Gott da ist, selbst in schwierigen Situationen. Ein unsichtbares Schild, das uns schützt, wenn alles um uns dunkel scheint. Liebe – aktiv und greifbar. Mit Liebe lassen sich Menschen gewinnen, ohne sie zu überrumpeln. Und Hoffnung – der Blick nach vorne, dass Veränderung möglich ist. Hoffnung schenkt einem Ausdauer und  lässt uns weitermachen, auch wenn alles aussichtslos scheint.

Glaube, Liebe Hoffnung als Waffen des Lichts, mit denen wir den Krisen unserer Welt entgegenstehen – damit kann ich doch mehr anfangen.

Es ist aber noch etwas ganz wichtig, und davon schreibt Paulus in der Bibel auch:  „Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen.“ Den Kampf gegen die Dunkelheit – um im Bild zu bleiben – das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe. Gott sorgt dafür, dass die Nacht vergeht. Wir dürfen uns darauf konzentrieren, den anbrechenden Tag zu gestalten. Mit unseren kleinen Lichtfunken aus Glaube, Liebe und Hoffnung. Das Licht kommt von allein.

An diese Hoffnung erinnern wir uns gerade in der Weihnachtszeit: Dass mit Jesus Gott in diese Welt gekommen ist und es anfängt, Licht zu werden. Weihnachten ist der Morgen einer Welt, die voller Frieden und Liebe sein wird. Und zum Frühstück gibt’s Waffeln.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03DEZ2025
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„So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“

Diese Zeilen habe ich die letzten Wochen häufig vor mich hingesummt- besonders dann, wenn ich aus der Chorprobe gekommen bin. Da singen wir nämlich gerade ein Stück von Mendelssohn, und darin diese biblische Zeite: Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“. Die Frage ist nur: Was meint die Bibel damit – mit Waffen des Lichts“? Meine Schwester, die im gleichen Chor singt und mit diesem militärischen Bild der Waffen ein wenig hadert, singt manchmal einfach „Waffeln des Lichts“ statt „Waffen“. Die passen besser zu ihrer Vorstellung vom Christsein: Frischgebackene Waffeln des Lichts mit Puderzucker – da musste ich doch ganz schön schmunzeln.

Als ich einer Freundin davon erzählt habe, ist ihr dazu etwas ganz anderes eingefallen: Nämlich die Star-Wars-Filme und  an die Lichtschwerter der Jediritter. Ich habe grinsen müssen bei den Filmschwertern und dem Lichtstrahl als Klinge. Zum Glück gibt’s die nicht wirklich.

In der Bibel, wo das Bild von den „Waffen des Lichts“ herkommt, sind  auch keine echten Waffen gemeint.

Sondern was der Apostel Paulus meint: es gibt etwas, das uns Christen hilft,  uns für das Gute einzusetzen. Was genau diese Waffen sind, das wird im Römerbrief nicht ausgeführt. Ich finde es lassen sich aber gut drei Worte einsetzen: Glaube, Liebe und Hoffnung.

Glaube – das Vertrauen, dass Gott da ist, selbst in schwierigen Situationen. Ein unsichtbares Schild, das uns schützt, wenn alles um uns dunkel scheint. Liebe – aktiv und greifbar. Mit Liebe lassen sich Menschen gewinnen, ohne sie zu überrumpeln. Und Hoffnung – der Blick nach vorne, dass Veränderung möglich ist. Hoffnung schenkt einem Ausdauer und  lässt uns weitermachen, auch wenn alles aussichtslos scheint.

Glaube, Liebe Hoffnung als Waffen des Lichts, mit denen wir den Krisen unserer Welt entgegenstehen – damit kann ich doch mehr anfangen.

Es ist aber noch etwas ganz wichtig, und davon schreibt Paulus in der Bibel auch:  „Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen.“ Den Kampf gegen die Dunkelheit – um im Bild zu bleiben – das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe. Gott sorgt dafür, dass die Nacht vergeht. Wir dürfen uns darauf konzentrieren, den anbrechenden Tag zu gestalten. Mit unseren kleinen Lichtfunken aus Glaube, Liebe und Hoffnung. Das Licht kommt von allein.

An diese Hoffnung erinnern wir uns gerade in der Weihnachtszeit: Dass mit Jesus Gott in diese Welt gekommen ist und es anfängt, Licht zu werden. Weihnachten ist der Morgen einer Welt, die voller Frieden und Liebe sein wird. Und zum Frühstück gibt’s Waffeln.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02DEZ2025
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Wenn ich einen Gottesdienst besuche, dann kommt mein persönliches  Highlight dabei fast ganz am Schluss: der Segen. Wenn vorne der Pfarrer oder die Pfarrerin vorne die Hände erhebt und den Segen spricht – dann ist das der Moment, der mich besonders stärkt. Dabei sind es nur ein paar Sätze: Guter Gott, segne uns und behüte uns… .

Ich glaube, ich bin damit nicht allein. Die Sehnsucht nach Segen, nach Zuspruch, boomt gerade. Spontane Segensangebote auf Volksfesten oder in Fußgängerzonen, Kurzclips auf Instagram und Youtube. Ich glaube, nach Segen haben wir Menschen uns schon immer gesehnt. Nicht nur früher, sondern heute auch. Und obwohl bei uns heute viele mit Religion nicht mehr so viel anfangen können.

Das Schöne am Segen für mich ist: Es bringt Menschen und Gott zusammen. Segen kann ich nicht einfach so für mich selbst „machen“ oder „haben“.  Man spricht sich keinen Segen selbst zu. Der Segen, das ist in der christlichen Tradition zumindest so, kommt von Gott.

Was macht aber der Segen? So einfach ist das gar nicht zu sagen. Eine alte Dame im Seniorenheim hat mal zu mir gesagt: „Es geht mir gut – das ist ein Segen.“

Trotzdem ist Segen kein Zauberspruch, der automatisch für mein Wohlbefinden sorgt ode mir sogar meine Wünsche erfüllt. Nur weil ich mir ein Ferienhaus auf Korsika leisten kann, bin ich noch lange nicht gesegnet.  Ein jüdischer Rabbi hat es mal so ausgedrückt: Segen bringt das, was schon da ist, zum Blühen und Wachsen.

Ich finde das eine schöne und gute Formulierung. Denn: Ich habe kein Ferienhaus auf Korsika. Aber selbst, wenn ich eins hätte, wäre ich vielleicht trotzdem nicht glücklich oder zufrieden. Gesegnet fühle ich mich, wenn etwas in meinem Leben zu blühen und zu wachsen anfängt. Und das passiert ganz besonders in den Beziehungen, in denen ich lebe: mit meiner Familie, meinen Freunden oder vielleicht auch einem Partner oder einer Partnerin. Und gerade deshalb finde ich, verdienen unsere Beziehungen den Segen. Gerade wenn es um die Frage geht, welche Beziehungen wir segnen sollten.

Wenn wir eine Beziehung segnen, dann bitten wir Gott darum, das, was diese Beziehung ausmacht, zum Blühen und Wachsen zu bringen. Vertrauen, Zuneigung, Fürsorge, Treue. All das, was wichtig ist, damit eine Beziehung funktioniert.

Ich sehe keinen Grund, warum man das nur auf eine einzige Beziehungsform beschränken sollte.

Was gibt es Besseres, als wenn Vertrauen, Zuneigung, Fürsorge und Treue in einer Beziehung wachsen? Deshalb tun wir gut daran, wenn wir Gott um seinen Segen für alle Menschen bitten, die so miteinander leben wollen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01DEZ2025
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Früher, da bin ich ein richtiger „Grinch“ der Vorweihnachtszeit gewesen: ein Adventsgrinch. Den ganzen Trubel in der Adventszeit fand ich einfach nur furchtbar. Die überfüllten Weihnachtsmärkte, die kitschigen und viel zu oft gespielten Lieder. "Last Christmas", "Jingle Bells", "Driving home for Christmas". Dann die Häuser, die Weihnachtsbäume, Rentiere und Weihnachtsmänner im Garten, die um die Wette blinken und leuchten.

Für mich ist das ganz schlimm gewesen – so furchtbar oberflächlich: Der ganze Kitsch. Was ist eigentlich mit der Besinnung in der Adventszeit?“ habe ich innerlich gestöhnt. „Und wer weiß eigentlich noch, um was es "wirklich" geht im Advent?“

Ich bin auch jetzt niemand, den man im Advent täglich auf dem Weihnachtsmarkt treffen würde. Und einen großen Weihnachtsbaum mit festlicher Beleuchtung habe ich immer noch nicht im Garten stehen – was allerdings daran liegt, dass ich keinen Garten habe. Wenn ich einen hätte, dann würde ich mir heute vielleicht sogar einen aufstellen. Denn ein Adventsgrinch bin ich nicht mehr.

Und zwar wegen einer biblischen Geschichte. Die gehört auch in die Adventszeit, und für mich ist sie immer wichtiger geworden: Die Erzählung, wie Jesus in Jerusalem einzieht. Das ist zwar nicht die Weihnachtsgeschichte, wie Jesus geboren wird und in unserer Welt ankommt. Sondern in der wird erzählt, wie Jesus als erwachsener Mann in Jerusalem ankommt. Wie die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt gespannt auf ihn gewartet haben. Und wie sie ihm fröhliche Lieder singen und sogar ihre Kleider auf den staubigen Boden werfen und Palmzweige dazu, wie einen roten Teppich auf seinen Weg. Ein angemessener Empfang für jemanden wie Jesus.

Die Geschichte hat mir klar gemacht: Wenn Jesus kommt, dann ist das ein weltbewegendes und für meinen Glauben zentrales Ereignis. Und die Vorfreude, dass Jesus geboren ist, ist ja wohl Grund genug, um fröhlich zu sein und die Straßen mit Lichtern zu schmücken und jedes Jahr die größte Geburtstagsparty der Welt zu schmeißen. Und Geburtstage kann man sehr unterschiedlich feiern – aber gutes Essen, viel Licht und fröhliche Lieder über Wochen hinweg – eigentlich passt das schon ziemlich gut.

Natürlich steht für einige nicht das im Mittelpunkt, was wir an Weihnachten in unseren Kirchen feiern: Dass Gott in Jesus auf die Welt gekommen ist. Ich glaube aber, dass die blinkenden Lichter, die Weihnachtsmärkte, die Geschenkberge und kitschigen Lieder für viele ein Licht sind in dunklen Tagen. Ein Zeichen von Wärme, von Gemeinschaft, von etwas, das größer ist als der graue Alltag. Vielleicht wissen nicht alle genau, warum sie eigentlich feiern. Vielleicht würden manche den Namen Jesu gar nicht zuerst nennen. Und doch spüren sie: Diese Zeit ist anders. Heller. Hoffungsvoller.

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SWR1 3vor8

23NOV2025
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Es gibt diese Zeiten in denen ich unzählige Dinge vor mir herschiebe.
Den Geburtstagsanruf, den ich längst hätte machen wollen. Das Ausmisten der berühmten Kruschtelschublade. Oder das Gespräch mit einem guten Freund, um ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen.

Und dann kommt das Leben dazwischen: Alltag, ein Arzttermine oder ein Handwerkerbesuch. Manche Dinge kann man problemlos schieben. Wenn die Schublade ein paar Wochen länger chaotisch bleibt – nicht schlimm. Aber beim Geburtstagsanruf oder bei einer versöhnenden Aussprache ist das anders. Da kann es tatsächlich ein „zu spät“ geben. Da macht es einen Unterschied, wenn ich meine Prioritäten falsch gesetzt habe.

Vorbereitet zu sein und die eigenen Prioritäten richtig zu setzten: Genau darum geht es auch in einer biblischen Geschichte, die Jesus einmal seinen Anhängerinnen und Anhängern  erzählt. Es geht um eine Hochzeit, ein großes Fest. Zehn junge Frauen sind auch dazu eingeladen. Sie warten nachts darauf, dass der Bräutigam in ihrer Stadt ankommt, um ihn dann festlich durch die Straßen zu begleiten. Dafür haben sie  Lampen dabei – kleine Öllampen. Fünf der jungen Frauen haben genug Öl eingepackt – sie sind vorbereitet. Die anderen fünf nicht. Als der Bräutigam endlich kommt, sind ihre Lampen ausgegangen.  Sie laufen schnell los, um Neues zu besorgen. Aber als sie zurückkommen, ist die Tür bereits geschlossen. Und Jesus schließt die Geschichte mit dem Rat: „Bleibt wachsam! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“

Das Gleichnis selbst erzählt hart davon, dass es ein „zu spät“ geben kann. Ein „zu spät“ um mich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist und was ich wirklich geklärt haben sollte in meinem Leben. Es gibt Dinge, die man nicht endlos aufschieben kann – anders als die Kruschtelschublade. Darum der sehr eindringliche Aufruf, seine Prioritäten richtig zu setzen.

Ich höre darin jedoch weniger eine Drohung als einen Weckruf. Einen Impuls, sich dem Wichtigsten zuzuwenden. Und zugleich vertraue ich darauf, dass Gott größer ist als jedes Gleichnis. Dass uns am Ende keine zugeknallte Tür erwartet, sondern eine Liebe, die uns kennt und trägt.
Diese Hoffnung ist es, die mich beruhigt – sogar dann, wenn ich selbst einmal zu spät dran bin.

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