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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

08OKT2025
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Johann ist Keramiker. Er töpfert Vasen, Tassen und Teller. Und er modelliert leidenschaftlich gerne Figuren aus Ton. Und weil er das gut kann, hat er im Januar einen großen Auftrag von Herrn Wesseling bekommen. „Machen Sie mir bis zum nächsten Weihnachtsfest eine Krippe, Johann. Eine große, schöne Krippe mit allen Figuren, die dazu gehören. Ich zahle das. Eine Krippe mit allem drum und dran.“

Johann fängt an. Er modelliert Maria und Josef, das Jesuskind, die Könige und die Hirten. Und weil Hirten eine Schafherde brauchen – eine Richtige, die nicht nur aus drei Schafen besteht – darum macht Johann ganz viele Schafe, nämlich 23 Stück.

Im Oktober, also rechtzeitig vor Weihnachten ist alles fertig, und Johann liefert die Figuren an Herrn Wesseling. Aber dem ist diese Krippe mit allem drum und dran jetzt viel zu teuer geworden. Und kurzerhand storniert er fünfzehn Schafe. Johann muss sie wieder einpacken und mitnehmen.

Jetzt stehen die fünfzehn übrig gebliebenen Schafe im Schaufenster des Töpferladens, gucken raus und warten, dass sie einer kauft. Johann hat ein Schild vor die Schafe gestellt, darauf steht: „Stornoschaf. 60 Euro.“ Und darunter etwas kleiner noch ein Vers aus der Bibel: „Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?“ (Matthäus 18,12)

Tatsächlich werden die Stornoschafe aus dem Schaufenster gekauft: Max kommt an der Hand seiner Oma in die Werkstatt und will unbedingt eines haben. Es soll in den Garten neben den Gartenzwerg, damit der nicht so allein dasteht. Auch Frau Zimmermann kommt, lacht und kauft ein Schaf, weil sie die Geschichte von den stornierten Schafen mitbekommen hat. Und Frau Krüger, die Lehrerin aus der Schule, kauft ein schwarzes Schaf, weil sie sowieso ein besonderes Augenmerk auf Außenseiter hat und diese fördert.

Am Ende bleiben vier Schafe übrig – zu wenig für eine Herde, aber genug, um Johann lächeln zu lassen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07OKT2025
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Jetzt atmen sie erstmal durch. Sie können auch gerne seufzen oder Luft auspusten. Atmen. Luft holen. Das ist total wichtig. Lebenswichtig. Das wissen die Menschen bereits seit vielen tausend Jahren. Und schon genauso lange denken sie den Atem und das Leben zusammen.

Schaue ich in die hebräische Bibel, also den Teil der Bibel, dann entdecke ich folgendes: das Wort für Seele und für Kehle ist im Hebräischen das gleiche Wort. Und Kehle meint nicht nur das Stück vom Hals, durch das die Luft strömt. Sondern Kehle meint das ganze Atemorgan mit der Lunge.

Daraus hat sich folgende Vorstellung entwickelt: So wie die unsichtbare Luft durch die Kehle strömt und den Menschen leben lässt, so strömt die unsichtbare Seele in den Menschen und macht ihn lebendig. Und weil Gott lebendig macht, darum kommt auch der Atem von Gott. Atem gleich Seele. Beides von Gott gegeben. Darum heißt es in der Bibel auch: „Der Atem Gottes gibt mir Leben.“ (Hiob 33,4)

Leben und Atem gehören also zusammen. Das stimmt medizinisch, aber auch im Glauben. Und aus diesem Grund sollte es auch eine Glaubenssache sein, mit dem Atem und dem Atmen aufmerksamer umzugehen.

Natürlich geht das Atmen ganz oft unbemerkt und nebenbei. Einatmen. Ausatmen. Läuft halt. Aber dann gibt es plötzlich Momente, da stockt mir der Atem oder ich werde kurzatmig. Oder ein tiefes Seufzen kommt aus mir. Das sind dann wirklich die Momente, in denen ich mich meinem Atem zuwenden sollte. Was sagt mir mein Atem? Was ist los mit mir? Dann sollte ich mich auf meinen Atem konzentrieren. Bewusst einatmen. Ausatmen. Möglicherweise Sorgen ausatmen. Aber vor allem darf ich merken: da ist der Lebensatem von Gott in mir. Und das macht mich lebendig.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06OKT2025
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Der Dichter Friedrich Schiller hat einmal gesagt: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Vgl. Schiller: Ästhetische Erziehung des Menschen.15. Brief.) Und er hat damit gemeint, dass sich im Spiel zeigt, dass der Mensch frei ist – frei von den Zwängen und von dem immer gleichen Trott des Alltags.

Wenn Menschen also frei sein wollen, dann brauchen sie das Spiel. Nicht Halma und Quartett, sondern jede Form von Spielerischem. Musik hören oder selbst musizieren, Kunst, auch Basteln, Tanzen, Theater und Sport treiben. Ohne Zwang, sondern spielerisch. Ich spiele nicht, weil ich muss, sondern, weil ich es kann und darf. Das ist eine Form von Freiheit.

Für mich bekommt das Spielen noch mehr Bedeutung, wenn ich dazu den Text aus der Bibel lese, wo die Weisheit höchst selbst eine Rede hält und sagt: „Ich, die Weisheit, bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich dauernd bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf Gottes Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8,22-31 i.A.)

Ja, auch die Weisheit ist eine Spielerin. Und ich male mir ein Bild von Frau Weisheit aus. Natürlich Frau Weisheit, denn es heißt ja die und nicht der Weisheit, und das nicht nur in unserer Sprache. Also Frau Weisheit, die sicherlich keine ernst dreinblickende Dame ist, sondern eine heitere Spielerin. Sie lacht und spielt vor Gott. Und sie spielt auf der Erde bei den Menschen. Gott mag die Spielerin Weisheit. Und sie mag die Menschen.

Mir gefällt diese Vorstellung. Und mich motiviert es, selbst etwas spielerischer durchs Leben gehen. Am liebsten würde ich jetzt den Rest des Tages spielend verbringen.

Nur schade allerdings, dass heute noch so viel zu erledigen und zu arbeiten ist. Wobei – ich könnte es ja wenigstens mal versuchen und es etwas spielerischer angehen, ein paar Momente der Freiheit genießen. Ganz Mensch und Frau Weisheit an meiner Seite wissen, die mir zuzwinkert.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

05OKT2025
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Heute wird in den meisten Kirchen Erntedank gefeiert. Wahrscheinlich ist es der Feiertag, der sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr verändert hat als alle anderen Festtage. Denn früher waren viele Menschen mit der Landwirtschaft beschäftigt. Sie waren Bauer oder Bäuerin. Oder sie haben wenigstens bei der Ernte geholfen. Das ist heutzutage nicht mehr so.

Außerdem hat sich auch – ich sag` mal – das Handwerk der Landwirtschaft gewandelt. Mittlerweile gibt es ganz andere Geräte und Maschinen als früher. Überhaupt gibt es heutzutage ganz andere Möglichkeiten, um Einfluss auf Pflanzen und Tiere zu nehmen. Ich denke da zum Beispiel an die Entwicklung des Mineraldüngers im 19. Jahrhundert oder an die Erfindung der Melkmaschine. Selbstverständlich hatten die Landwirte vergangener Zeiten auch ganz viel Know How. Aber sie waren noch viel mehr vom Lauf der Natur abhängig.

Doch selbst wenn heute mehr Einfluss ausgeübt wird, es bleibt trotzdem etwas, das sich eben nicht beeinflussen lässt. Wenn die Sonne nicht scheint, dann kann man sie immer noch nicht übers Feld schieben.

Es gibt einen unverfügbaren Rest. Und um diesen Rest, um das, was ich nicht beeinflussen kann, darum geht es am Erntedankfest. Denn dieses Unverfügbare wird im Dank an Gott ausgedrückt. „Danke, dass die Sonne die Früchte süß gemacht hat. Danke, Gott, dass du keinen Hagel geschickt hast, der die Ernte zerstört.“ Sicher glaubt niemand mehr, dass Gott ganz direkt die Sonne scheinen lässt, oder die Regenwolken übers Land pustet. Dazu wissen wir heute viel zu viel. Trotzdem muss ich akzeptieren, dass es Grenzen gibt. Nicht alles kann der Mensch machen. Und er weiß auch nicht alles. Es bleibt eben etwas Unverfügbares.

Und an dieser Stelle kann ich mich einreihen, auch wenn ich kein Landwirt bin. Denn auch in meiner Arbeit und in meinem Leben gibt es diesen Rest, der unverfügbar ist. Das Erntedankfest erinnert mich daran. Und es macht mich demütig und dankbar, weil trotz Rest und Unverfügbarkeit doch so viel klappt und funktioniert.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

02JUL2025
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Vorgestern habe ich den Zug um Sechs Uhr Siebzehn erreichen müssen. Also bin ich früh aufgestanden und aus dem Haus gegangen. Jetzt im Sommer war zu dieser Uhrzeit der Tag bereits erwacht.

Ich mag das, wenn morgens die Sonne scheint. Trotzdem brauche ich eine Jacke. Die Morgenfrische kitzelt in der Nase. Natürlich sind die Vögel bereits wach und pfeifen um die Wette. Und wie die Vögel so zwitschern, denke ich: das ist bei uns Menschen ähnlich. Es gibt sozusagen die frühen Vögel, die sind morgens früh munter und agil. Lerchen nennt man sie. Und es gibt Eulen, also die Nachtmenschen, weil sie wie Eulen abends und nachts fit und aktiv sind.

Und während ich über morgendliche Lerchen und Nachteulen nachdenke, frage ich mich: Wozu gehört Gott? Ist Gott eine Eule oder eine Lerche? Mein erster Gedanke: wahrscheinlich eine Lerche. Denn die Bibel erzählt, wie Gott kurz nach der Erschaffung der Welt durch die Morgenfrische im Garten Eden spaziert (1. Mose 3,8).

Und mir gefällt die Idee. Das wäre doch was. Wenn ich jetzt in der Morgenfrische, auf dem Weg zum Bahnhof, Gott treffen würde. Kommt Gott gerade da vorne um die Ecke? Oder winkt er mir von der anderen Straßenseite zu? Ja, so wird es sein: Gott ist früh auf den Beinen. Aber ich glaube sogar: er ist schon die ganze Nacht unterwegs. Unterwegs durch die Nacht und gerade in den Nächten des Lebens, wenn alles so düster scheint.

Ist Gott also doch eher eine Nachteule und keine Lerche? Oder ist er einfach immer da? Ich entscheide mich für: immer da. Gott kann mir und dir jederzeit begegnen, nicht nur auf dem Weg zum Bahnhof. So verspricht es auch die Bibel: „Siehe, der dich behütet, schläft und schlummert nicht. Gott behütet dich, damit dich am Tag die Sonne nicht steche, noch der Mond in der Nacht.“ (Psalm 121,4-6)

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

01JUL2025
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Heute vor 67 Jahren, am 1. Juli 1958 ist in der Bundesrepublik Deutschland das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft getreten. Endlich durften verheiratete Frauen auch ohne die Zustimmung ihres Mannes arbeiten gehen. Außerdem wurde noch einmal bestätigt, dass in der Ehe das Letztentscheidungsrecht nicht beim Mann liegt, sondern dass die Eheleute in ihrer Ehe gemeinschaftlich Verantwortung tragen. Und es wurde beschlossen, dass die Ehe eine Zugewinngemeinschaft ist. So wird im Falle einer Scheidung das gemeinschaftlich erwirtschaftete Vermögen geteilt und bleibt nicht allein beim Ehemann.

Allerdings ist mit dem Gesetz von 1958 die Gleichberechtigung noch lange nicht vollumfänglich erreicht worden. Es folgten weitere Gesetze. Außerdem geschieht Gleichberechtigung nicht nur im Bundestag. Sondern sie muss auch in den Köpfen und Herzen der Menschen passieren. Es gibt noch einiges zu tun, um Frauen und Männer wirkungsvoll gleich zu stellen.

Das Statistische Bundesamt hat beispielsweise ermittelt, dass es aktuell deutliche Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Frauen verdienen häufig weniger, weil sie weniger Stunden arbeiten. Weil es immer noch die Frauen sind, die sich um die Kinder oder um die pflegebedürftigen Angehörigen kümmern. Dabei könnten dies genauso gut Männer tun, oder?

Auch in der Lebenswelt der Bibel werden Frauen und Männer selten als gleichgestellt beschrieben. Und trotzdem hat der Apostel Paulus im Brief an die Galater geschrieben: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Galater 3,28) Und damit werden alle Christenmenschen gleichgestellt. Alle sind eins im Glauben.

Allerdings muss dieser Satz mehr sein als ein frommer Wunsch. Er muss ein Ziel sein, das wir im Kopf und im Herz verwirklichen – als Christinnen und Christen und als Bürgerinnen und Bürger.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

30JUN2025
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Guten Morgen …… oder heute mal: Hej! Denn so grüßen sich die Leute in Schweden. Ein Hej ist wie ein Hallo bei uns.

In Luleå, einer Stadt in Schweden, ist vor einiger Zeit eine Hej-Kampagne ins Leben gerufen worden. Die Stadtverwaltung von Luleå hat die Bewohnerinnen und Bewohner aufgerufen, sich gegenseitig zu grüßen. Jederzeit. Jede Person. Egal ob man sich kennt oder nicht. Einfach jedem Menschen ein Hej zurufen. Keine großen Worte. Ein Hallo reicht. Und es haben fast alle mitgemacht.

Tatsächlich ist in Luleå die Stimmung untereinander spürbar gestiegen. Einfach weil sich alle gegrüßt haben. Ein Hej für die gute Laune. Sogar ein Hej gegen die Einsamkeit. Denn im schwedischen Luleå, so hoch im Norden, bleibt es im Winter wochenlang dunkel. Das schlägt den Menschen aufs Gemüt. Viele fühlen sich einsam. Aber als dann alle begonnen haben sich zu grüßen, ist das mit der Einsamkeit besser geworden.

Es gibt sogar wissenschaftliche Untersuchungen dazu: bereits ein kurzer Kontakt zwischen Menschen hebt die Stimmung und hilft gegen Gefühle von Einsamkeit. Bereits ein kurzer Gruß signalisiert dem anderen: ich habe dich gesehen; du bist nicht allein. Einander sehen und sich das gegenseitig zeigen ist also total wichtig.

Die Hej-Kampagne in Luleå erinnert mich an die Hej-Kampagnen von Jesus. Jesus hat mal eine Frau an einem Brunnen angesprochen, die für die anderen am Ort eine Außenseiterin war. Aber weil sie angesprochen wurde – Hej, du! – fühlte sie sich auf einmal angenommen. Endlich hat ihr jemand das Gefühl gegeben, dass sie dazu gehört. Eine wundervolle Begegnung war das.

In Luleå, in Schweden ist nicht aus jedem Hej ein Wunder geworden. Trotzdem hat das Hej vieles verändert und möglicherweise einiges geheilt. Und darum wünsche ich Ihnen heute und allezeit ein freundliches Hej auf die Lippen oder gerne auch ein Hallo.

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29MRZ2025
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„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt./ Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand./ Er pflüget den Boden, er egget und sät/ und rührt seine Hände frühmorgens und spät.“ So lautet die erste Strophe eines bekannten Kinderliedes. Sie kennen es bestimmt auch. Damals in der Grundschule habe ich es gelernt. Aber das Lied war schon zu meinen Kindertagen aus der Zeit gefallen. Von den Landwirten bei uns am Ort hat keiner mehr seine Pferde eingespannt, um den Acker zu pflügen.

Diesen Mangel an Aktualität haben auch andere gespürt. Und darum wurde der Text des Liedes im Laufe seiner 150-jährigen Geschichte immer wieder angepasst. Eine durchaus ideologische Aktualisierung gab es zum Beispiel im Liederbuch der DDR-Jungpioniere. Dort wurde folgende neue Strophe veröffentlicht: „Ja, so war es einst, und die Arbeit war schwer./ Jetzt schaffen Traktoren und Mähdrescher mehr;/ Und seit nun die Felder zusammengetan,/ da kommt die Genossenschaft schneller voran.“

Aber egal, in welcher Zeit das Lied angepasst wurde, selten waren es Landwirte, die die neuen Strophen geschrieben haben. Darum fehlt oft der Realismus.

Ob da die Menschen, die die Bibel geschrieben haben, realistischer waren? Zumindest wussten sie, dass Landwirtschaft keine Romantik ist, sondern Arbeit. Darum sagt die Bibel deutlich, dass es Arbeit ist, den Acker zu bestellen, und dass du danach im Schweiße deines Angesichts dein Brot essen wirst. (vgl. Gen 3,19)

Und weil ich jetzt nicht selbst für mein Brot sorge, sondern es einfach beim Bäcker kaufen gehe, darum will ich besonders jetzt im März den Menschen in der Landwirtschaft Danke sagen. Sie sorgen an erster Stelle dafür, dass ich und alle anderen Nahrung bekommen.

Im Märzen kein Bauer mehr Rösslein einspannt,/ aber ganz viel schafft – das ist doch bekannt.

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28MRZ2025
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Frau Grubber ist eine leidenschaftliche Gärtnerin. Selbst im Winter vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht im Garten werkelt. Und wenn die ersten grünen Spitzchen der Winterlinge und Krokusse aus dem Boden luken, dann geht ein Lächeln über ihr Gesicht. Denn dann wird es Frühling.

Aber heute ärgert sich Frau Grubber ein bisschen. Sie hat im Radio gehört, dass heute, am 28. März, der Tag des Unkrauts ist. „Wer hat sich das bloß ausgedacht?“, fragt sie sich. Sicher, das Wort Unkraut ist nicht schön. Das haben die meisten Gewächse und Kräuter nicht verdient, dass man sie ein Unkraut schimpft. Aber gleich einen Tag des Unkrauts ausrufen – wo doch Frau Grubber oft stundenlang braucht, um die Quecken aus den Beeten zu ziehen.

Immerhin. Jetzt ist sie doch nachdenklich geworden. Giersch, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Vogelmiere können es einem im Garten schwer machen. Aber einige von diesen Unkräutern sind Heilkräuter. Außerdem findet Frau Grubber, dass ein Schöllkraut, das aus einer Straßenritze herauswächst, sehr schön zeigt: da ist noch Leben unter dem grauen Asphalt.

Klar, sie mag auch nicht alles Kraut in ihrem Garten. Und schließlich sind doch alles Pflanzen auf Gottes schöner Erde. Warum sollte da nicht jedes Kräutlein einen Sinn haben? Und wenn es nur einen Sinn für Frau Grubber hat.

Zum Beispiel findet sie: Der Löwenzahn ist fürs Träumen da. Denn, wenn aus ihm endlich eine Pusteblume geworden ist, dann kann man mit den zarten Samenschirmchen die Träume in Richtung Sonne pusten. Oder die Schlüsselblumen. Die schenkt man einem lieben Menschen und hofft, dass sie sein Herz aufschließen.

So streifen Frau Grubbers Gedanken über die Wiesen und durch die Beete, bis sie merkt: Unkraut, Heilkraut, schöne Blume. Es ist wie so oft eine Frage der Perspektive.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27MRZ2025
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Heute, am 27. März ist der Welttag des Theaters. An diesem Tag wird an die Bedeutung des Theaters für die Gesellschaft erinnert.

Leider habe ich das Gefühl, dass man vom Theater immer weniger mitbekommt. Als willkommener Zeitvertreib für die Menschen ist das Theater von Film, Fußball und Social Media abgelöst worden.

Mich fasziniert am Theater, dass auf der Bühne und im Zuschauerraum echte Menschen dabei sind. Und alles ist live. Wenn ich mich als Zuschauer trauen würde, dann könnte ich aufstehen und etwas sagen oder mich sogar ins Spiel bringen. Sicher, das macht man nicht. Man überlässt den Schauspielerinnen und Schauspielern die Bühne. Aber dass ich es könnte, macht ein besonderes Gefühl. Und darum schafft es das Theater, mich voll mit reinzunehmen.

Szenenwechsel. Im letzten Buch der Bibel, im Buch der Offenbarung, wird erzählt, dass einst Himmel und Erde neu werden. Und es wird gesagt: da wird es eine Hütte Gottes bei den Menschen geben. (vgl. Offb 21,3) Ursprünglich wurden diese Worte auf Griechisch geschrieben. Und im Griechischen heißt das Wort für „Hütte“ auch „Bühne“. Da steht also: Gottes Bühne bei den Menschen.

Und wenn ich mir das vorstelle, dann bringt mich das besonders heute am Welttheatertag auf Ideen: Die Welt ist eine Bühne – Gottes Bühne. Und auf dieser Bühne komme ich mit Gott ins Spiel. Selbst wenn ich nur Zuschauer sein will, muss ich darauf gefasst sein, dass Gott mich anspricht, denn im Theater gehöre ich immer dazu. Und weder spielt Gott allein auf der Weltbühne, noch kann ich allein auf dieser Bühne ein Einpersonenstück geben, sondern jeder Tag ist Welttheatertag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41819
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