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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25MRZ2026
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Wenn es draußen wärmer wird, sehe ich wieder mehr Fahrradfahrer durch die Landschaft rollen und Joggerinnen durch die Wälder laufen. Wie wichtig Bewegung für den Körper ist, brauche ich nicht zu sagen. Aber wie wichtig der Körper für den Glauben ist, muss ich an dieser Stelle mal erwähnen.

Der Apostel Paulus hat einmal über den Körper geschrieben: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt?“ (1Kor 6,19a) Paulus sagt also, dass im Körper die göttliche Geistkraft wohnt. Das hat Folgen für meinen Umgang mit dem Körper, und es wirft die Frage auf: Wie gehe ich mit meinem Körper um?

Wahrscheinlich sollte ich meinem Körper mehr Aufmerksamkeit widmen. Wäre das eine Begründung für mehr Sport? Wer mag, darf das daraus ableiten. Sich ein leckeres Essen zuzubereiten, tut dem Körper aber ebenfalls gut. Aber sowohl beim Sport und als auch beim Essen gilt: achte auf das rechte Maß und auf einen liebevollen Umgang mit dir selbst. Sich selbst zu kasteien hilft genauso wenig, wie über die Stränge zu schlagen.

Doch es geht nicht nur darum, sich selbst Gutes zu tun. Genauso wichtig ist die Einsicht, dass eben jeder Körper ein Tempel des Hl. Geistes ist. Auch in einem schwachen oder kranken Körper wohnt Gottes Geistkraft. Sie wohnt sogar in einem Menschen, der seinen Körper nicht mag oder für unzulänglich erachtet.

Also lass dir sagen: du bist ein Tempel des Hl. Geistes. Gottes Geistkraft ist in dir. Das darfst du deinen Körper auch spüren lassen. Jetzt, wo der Frühling kommt, geh raus und lass dich von der Sonne bescheinen und spüre die Wärme auf der Haut. Du hast hat es verdient.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24MRZ2026
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Ein alter, frommer Bäcker hat mir mal erzählt, dass er während der Arbeit oft betet. Brote formen und dabei ein Gebet sprechen. Und er hat gesagt: „Es braucht keine besondere Haltung, um zu beten. Man muss auch nicht die Hände falten. Hauptsache man sprichst mit Gott.“ Das ist sehr wahr. Und mir tut es gut zu wissen: ich brauche nicht so viel Aufhebens um das Wie des Betens zu machen. Einfach mit Gott reden, wann und wo auch immer.

Wie so oft gibt es auch eine zweite Perspektive. Ich habe nämlich mittlerweile zusätzlich festgestellt, dass es für mich gut ist, wenn ich auch mal eine besondere Gebetshaltung einnehme. Sogar Bewegungen können mir beim Beten helfen.

Wenn ich zum Beispiel dastehe und die Hände mit offenen Handflächen vor der Körpermitte halte, dann bin ich konzentriert. Ich stimme mich bewusster auf das Beten ein. Außerdem tut es gut, Routinen – auch die Routinen der Arbeit – zu unterbrechen.

Gott braucht es nicht, dass ich eine besondere Haltung einnehmen. Gott macht das Gebet nicht davon abhängig, wie ich beim Gebet dastehe, ob ich die Hände falte, oder ob ich gleichzeitig Brote forme.

Aber für mich macht es einen Unterschied. Ich erlebe das Gebet anders, je nachdem, wie ich dastehe oder mich bewege. Darum geht es nämlich auch beim Beten: dass ich etwas wahrnehme. Ich behaupte sogar, dass ich in dem, was ich mit dem Körper wahrnehme, Antworten von Gott finden kann. Das Gebet ist nicht einseitig – also, dass nur ich rede und Gott zuhört. Gott teilt mir ebenfalls etwas mit. Und dafür ist es gut, meine Sinne zu öffnen und meinen ganzen Körper als Sinnesorgan zu empfinden.

In der Sprache der Bibel klingt das so: „Darum freut sich mein Herz. Es jauchzt meine Leber. Mein Fleisch wohnt in Sicherheit, denn meine Kehle überlässt du [Gott] nicht der Unterwelt.“ (Ps 16,7-10; übers. v. S. Schroer/ T. Staubli) Das klingt doch nach ganzem Körpereinsatz und ich merke: Beten geht auf viele Weisen: nebenher, bei der Arbeit, als Unterbrechung der Routine, in Ruhe, mit Bewegung und mit dem ganzen Körper.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

23MRZ2026
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Haben Sie als Kind auch im Gras gelegen und in die Wolken geguckt? Die Wolken haben manchmal wie Tiere oder Figuren ausgesehen. Ich habe Hasen und mal eine Lokomotive am Himmel entdeckt. Manchmal sind die Gedanken mit den Wolken auf Reisen gegangen.

Heute ist Welttag der Meteorologie. Denn heute vor bald 80 Jahren haben die Meteorologen aus aller Welt vereinbart, dass sie bei Wettervorhersagen künftig zusammenarbeiten werden.

Das war eine schlaue Idee, denn eine Wolke macht nicht an Ländergrenzen Halt. Man hat erkannt, dass man das Wetter besser vorhersagen kann, wenn man länderübergreifend zusammenarbeitet. Seit dieser Zeit können extreme Wetterereignisse besser vorhergesagt werden, und man kann sich besser auf Naturkatastrophen vorbereiten.

Der Blick in die Wolken und die Frage, wie das Wetter wird, war von jeher wichtig. Ernten hängen vom Wetter ab. Transport und Verkehr ebenso. Unwetter können ganze Landstriche verwüsten. Wetter kann lebensbedrohlich werden. Weil das alles so ist, darum hat schon vor Urzeiten die Beschäftigung mit Wolken, Wind und Regen eine religiöse Bedeutung bekommen. Die Menschen haben sogar geglaubt, dass Gott auf den Wolken durch den Himmel fährt. Darum steht in einem alten Gebet in der Bibel: „Gott, Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.“ (Ps 104,3)

Mit Gott auf der Wolke hat die moderne Meteorologie natürlich nichts zu schaffen. Sie ist eine Naturwissenschaft. Auch ich habe damals, als ich im Gras gelegen habe, nicht gesehen, dass Gott auf der Wolken-Lokomotive unterwegs war.

Trotzdem schaue ich heute noch gerne in die Wolken. Es verschafft meinen Gedanken freien Lauf. Es unterbricht den Alltag. Wenn sich Figuren und Formen am Himmel bilden, komme ich auf Ideen. Auch mal in den Himmel zu schauen ist besser als immer stur geradeaus.

Ich habe auch keine Angst vor Höhenflügen. Denn, wenn ich aus dem Gras aufstehe, dann stehe ich immer wieder mit beiden Beinen auf der Erde und auf dem Boden der Tatsachen. Aber nach dem Blick in die Wolken fühlt es sich freier an als zuvor.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03JAN2026
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Als Kind habe ich es komisch gefunden, wenn die Erwachsenen von „zwischen den Jahren“ gesprochen haben. Das hat mir zwar keine Angst gemacht, aber es war ein bisschen rätselhaft und geheimnisvoll. Ich habe es nicht verstanden. Was für ein „Dazwischen“ haben die Erwachsenen gemeint, wenn doch eigentlich das alte Jahr an Silvester um Mitternacht aufhört und zeitgleich, Schlag Zwölf, das neue beginnt.

Später habe ich gelernt „zwischen den Jahren“ ist die Zeit zwischen dem ersten Weihnachtstag und dem Dreikönigstag. Ganz früher hat man entweder an Weihnachten oder an Dreikönig den Beginn eines neuen Jahres gefeiert. Deswegen heißt die Zeit zwischen diesen Festtagen „zwischen den Jahren“.

Also ist „zwischen den Jahren“ doch gar nicht so rätselhaft und geheimnisvoll. Obwohl – es gibt nicht wenige Menschen, die gerade in dieser Zeit Horoskope lesen oder die Wohnung ausräuchern oder keine Wäsche waschen. Das sind alles irgendwie rätselhafte Gewohnheiten und Bräuche zwischen den Jahren. Sie sprechen dafür, dass es ein Bedürfnis gibt, den Übergang vom Alten zum Neuen zu gestalten.

Ich finde: die Kunst des Übergangs besteht besonders darin, nicht im Alten hängen zu bleiben, sondern vorwärts zu gehen. Ähnlich wie bei dem Satz, den Gott im Buch Jesaja spricht: „Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“ (Jes 65,17)

Also nach vorne leben, auch wenn ich selbst natürlich keinen neuen Himmel oder Erde schaffen kann. Aber in meiner kleinen Welt kann ich schon ein paar Dingen anpacken. Vor allem will ich mir nicht mehr alles zu Herzen nehmen.

Mein Brauch dazu ist eine Wanderung zwischen den Jahren. Möglicherweise allein und im eigenen Rhythmus gehen. Mich an das vergangene Jahr erinnern. Mir Empfehlungen für das Neue geben. Und sogar das Dazwischen hinter mir lassen, um mit Zuversicht dem Neuen entgegen zu gehen.

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02JAN2026
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Es ist eine grundlegende Überzeugung im Christentum, dass Gott jeden Menschen mit Würde ausgestattet hat. Auch in unserem Grundgesetz kommt diese Überzeugung zum Ausdruck, wenn es heißt: die Würde des Menschen unantastbar. Trotzdem muss ich feststellen, wie oft Menschen unwürdig behandelt werden. Darum finde ich es total wichtig, sich für die Würde einzusetzen. Und ich frage: was wäre, wenn Würde endlich würde – also geschehen würde?

Ich denke: Wenn Würde würde, dann wäre es Franzi egal, welche Kleidergröße sie hat und Metin wüsste gar nicht, was „in shape sein“ bedeutet.

Wenn Würde würde, dann würde miteinander anstatt übereinander gelacht werden.

Wenn Würde würde, dann würden wir uns gegenseitig etwas gönnen ohne  neidisch zu schauen. Und Donald würde nicht auf Grönland spitzen.

Ich glaube, wenn Würde würde, dann wäre die Frage „Was kann ich für dich tun?“ wichtiger als die Worte „Ich will haben!“

Wenn Würde würde, dann würde Frau Zimmermann im Pflegeheim gefragt werden, ob es in Ordnung ist, wenn man sie duzt.

Wenn Würde würde, dann würden Diskurse mit Argumenten in der Sache geführt und keine Person bräuchte persönliche Bedürfnisse in die Waagschale werfen.

Wenn Würde würde, dann würde Alexander angesichts von mehreren Millionen Opfern des Dritten Reiches nicht vom Vogelschiss sprechen.

Wenn Würde würde, dann wäre Würde bestimmt bald ein Fach in der Schule, weil man fürs Leben lernen soll.

Wenn Würde würde, dann würden die Frisörin Kim und die Pflegerin Melissa  angemessen entlohnt.

Wenn Würde würde, dann würden die Opfer von Missbrauch nicht nur gehört, sondern ihre Täter auch zur Rechenschaft gezogen.

Wenn Würde würde, dann würde fürs Tierwohl nicht nur Bobby, der Hund, gestreichelt werden, sondern auch Fanny, die Kuh, auf eine Weide gelassen.

Wenn Würde würde, dann wäre das für alle würdevoll und es würde ein gutes Jahr werden.

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01JAN2026
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Ich habe gehört, dass es im Französischen zwei verschiedene Worte für Zukunft gibt. Es gibt das Wort avenir und das Wort future. Avenir meint die Zukunft, die auf mich zukommt. Das, was mir geschieht oder widerfährt. Future ist die gestaltete Zukunft. Die Zukunft, die von mir gemacht wird, die ich selbst in die Hand nehme.

Mir leuchtet das ein, zwei Arten von Zukunft zu unterscheiden. Vor allem überzeugt es mich, Zukunft auch als das zu verstehen, was ich gestalten kann. Zukunft kommt mir nicht nur entgegen, sondern ich mache sie auch selbst.

Ich finde, dazu passt die Jahreslosung für 2026. Die Jahreslosung ist stets ein biblischer Satz als Motto für das neue Jahr. In diesem Jahr kommt die Losung aus dem Buch der Offenbarung und heißt: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb 21,5) Das passt doch zu future, oder? Die Zukunft selbst in die Hand nehmen. Neu machen.

Wenn ich allerdings den Satz in der Bibel suche und lese, dann entdecke ich: nicht ich bin es, der die Zukunft macht, sondern Gott. Weil Gott sagt: „Ich mache alles neu.“

Also was jetzt? Muss ich doch alles einfach geschehen zu lassen? Nein, ich muss nicht alles geschehen lassen. Die Bibel ist nämlich genauso voll mit Sätzen, die mich ermutigen, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Die Wahrheit liegt also in der Mitte. Darum klingt in dem kurzen Satz „Ich mache alles neu“ beides an. Ich kann selbst etwas tun. Aber ich kann nicht alles selber machen.

Die Jahreslosung ist Ermutigung und Hinweis zugleich. Sie ermutigt mich, Dinge anzupacken. Selber zu machen. Gleichzeitig weist sie mich darauf hin, nicht überheblich zu werden. Es liegt eben doch nicht alles in meiner Hand. Vieles widerfährt mir. Ein Leben zwischen future und avenir.

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr Liebe, Mut und Stärke, um Ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Und gleichzeitig wünsche ich Ihnen Hoffnung, Gelassenheit und Vertrauen, um der Zukunft zu begegnen, die auf Sie zukommt.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

08OKT2025
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Johann ist Keramiker. Er töpfert Vasen, Tassen und Teller. Und er modelliert leidenschaftlich gerne Figuren aus Ton. Und weil er das gut kann, hat er im Januar einen großen Auftrag von Herrn Wesseling bekommen. „Machen Sie mir bis zum nächsten Weihnachtsfest eine Krippe, Johann. Eine große, schöne Krippe mit allen Figuren, die dazu gehören. Ich zahle das. Eine Krippe mit allem drum und dran.“

Johann fängt an. Er modelliert Maria und Josef, das Jesuskind, die Könige und die Hirten. Und weil Hirten eine Schafherde brauchen – eine Richtige, die nicht nur aus drei Schafen besteht – darum macht Johann ganz viele Schafe, nämlich 23 Stück.

Im Oktober, also rechtzeitig vor Weihnachten ist alles fertig, und Johann liefert die Figuren an Herrn Wesseling. Aber dem ist diese Krippe mit allem drum und dran jetzt viel zu teuer geworden. Und kurzerhand storniert er fünfzehn Schafe. Johann muss sie wieder einpacken und mitnehmen.

Jetzt stehen die fünfzehn übrig gebliebenen Schafe im Schaufenster des Töpferladens, gucken raus und warten, dass sie einer kauft. Johann hat ein Schild vor die Schafe gestellt, darauf steht: „Stornoschaf. 60 Euro.“ Und darunter etwas kleiner noch ein Vers aus der Bibel: „Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?“ (Matthäus 18,12)

Tatsächlich werden die Stornoschafe aus dem Schaufenster gekauft: Max kommt an der Hand seiner Oma in die Werkstatt und will unbedingt eines haben. Es soll in den Garten neben den Gartenzwerg, damit der nicht so allein dasteht. Auch Frau Zimmermann kommt, lacht und kauft ein Schaf, weil sie die Geschichte von den stornierten Schafen mitbekommen hat. Und Frau Krüger, die Lehrerin aus der Schule, kauft ein schwarzes Schaf, weil sie sowieso ein besonderes Augenmerk auf Außenseiter hat und diese fördert.

Am Ende bleiben vier Schafe übrig – zu wenig für eine Herde, aber genug, um Johann lächeln zu lassen.

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07OKT2025
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Jetzt atmen sie erstmal durch. Sie können auch gerne seufzen oder Luft auspusten. Atmen. Luft holen. Das ist total wichtig. Lebenswichtig. Das wissen die Menschen bereits seit vielen tausend Jahren. Und schon genauso lange denken sie den Atem und das Leben zusammen.

Schaue ich in die hebräische Bibel, also den Teil der Bibel, dann entdecke ich folgendes: das Wort für Seele und für Kehle ist im Hebräischen das gleiche Wort. Und Kehle meint nicht nur das Stück vom Hals, durch das die Luft strömt. Sondern Kehle meint das ganze Atemorgan mit der Lunge.

Daraus hat sich folgende Vorstellung entwickelt: So wie die unsichtbare Luft durch die Kehle strömt und den Menschen leben lässt, so strömt die unsichtbare Seele in den Menschen und macht ihn lebendig. Und weil Gott lebendig macht, darum kommt auch der Atem von Gott. Atem gleich Seele. Beides von Gott gegeben. Darum heißt es in der Bibel auch: „Der Atem Gottes gibt mir Leben.“ (Hiob 33,4)

Leben und Atem gehören also zusammen. Das stimmt medizinisch, aber auch im Glauben. Und aus diesem Grund sollte es auch eine Glaubenssache sein, mit dem Atem und dem Atmen aufmerksamer umzugehen.

Natürlich geht das Atmen ganz oft unbemerkt und nebenbei. Einatmen. Ausatmen. Läuft halt. Aber dann gibt es plötzlich Momente, da stockt mir der Atem oder ich werde kurzatmig. Oder ein tiefes Seufzen kommt aus mir. Das sind dann wirklich die Momente, in denen ich mich meinem Atem zuwenden sollte. Was sagt mir mein Atem? Was ist los mit mir? Dann sollte ich mich auf meinen Atem konzentrieren. Bewusst einatmen. Ausatmen. Möglicherweise Sorgen ausatmen. Aber vor allem darf ich merken: da ist der Lebensatem von Gott in mir. Und das macht mich lebendig.

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06OKT2025
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Der Dichter Friedrich Schiller hat einmal gesagt: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Vgl. Schiller: Ästhetische Erziehung des Menschen.15. Brief.) Und er hat damit gemeint, dass sich im Spiel zeigt, dass der Mensch frei ist – frei von den Zwängen und von dem immer gleichen Trott des Alltags.

Wenn Menschen also frei sein wollen, dann brauchen sie das Spiel. Nicht Halma und Quartett, sondern jede Form von Spielerischem. Musik hören oder selbst musizieren, Kunst, auch Basteln, Tanzen, Theater und Sport treiben. Ohne Zwang, sondern spielerisch. Ich spiele nicht, weil ich muss, sondern, weil ich es kann und darf. Das ist eine Form von Freiheit.

Für mich bekommt das Spielen noch mehr Bedeutung, wenn ich dazu den Text aus der Bibel lese, wo die Weisheit höchst selbst eine Rede hält und sagt: „Ich, die Weisheit, bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich dauernd bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf Gottes Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8,22-31 i.A.)

Ja, auch die Weisheit ist eine Spielerin. Und ich male mir ein Bild von Frau Weisheit aus. Natürlich Frau Weisheit, denn es heißt ja die und nicht der Weisheit, und das nicht nur in unserer Sprache. Also Frau Weisheit, die sicherlich keine ernst dreinblickende Dame ist, sondern eine heitere Spielerin. Sie lacht und spielt vor Gott. Und sie spielt auf der Erde bei den Menschen. Gott mag die Spielerin Weisheit. Und sie mag die Menschen.

Mir gefällt diese Vorstellung. Und mich motiviert es, selbst etwas spielerischer durchs Leben gehen. Am liebsten würde ich jetzt den Rest des Tages spielend verbringen.

Nur schade allerdings, dass heute noch so viel zu erledigen und zu arbeiten ist. Wobei – ich könnte es ja wenigstens mal versuchen und es etwas spielerischer angehen, ein paar Momente der Freiheit genießen. Ganz Mensch und Frau Weisheit an meiner Seite wissen, die mir zuzwinkert.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

05OKT2025
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Heute wird in den meisten Kirchen Erntedank gefeiert. Wahrscheinlich ist es der Feiertag, der sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr verändert hat als alle anderen Festtage. Denn früher waren viele Menschen mit der Landwirtschaft beschäftigt. Sie waren Bauer oder Bäuerin. Oder sie haben wenigstens bei der Ernte geholfen. Das ist heutzutage nicht mehr so.

Außerdem hat sich auch – ich sag` mal – das Handwerk der Landwirtschaft gewandelt. Mittlerweile gibt es ganz andere Geräte und Maschinen als früher. Überhaupt gibt es heutzutage ganz andere Möglichkeiten, um Einfluss auf Pflanzen und Tiere zu nehmen. Ich denke da zum Beispiel an die Entwicklung des Mineraldüngers im 19. Jahrhundert oder an die Erfindung der Melkmaschine. Selbstverständlich hatten die Landwirte vergangener Zeiten auch ganz viel Know How. Aber sie waren noch viel mehr vom Lauf der Natur abhängig.

Doch selbst wenn heute mehr Einfluss ausgeübt wird, es bleibt trotzdem etwas, das sich eben nicht beeinflussen lässt. Wenn die Sonne nicht scheint, dann kann man sie immer noch nicht übers Feld schieben.

Es gibt einen unverfügbaren Rest. Und um diesen Rest, um das, was ich nicht beeinflussen kann, darum geht es am Erntedankfest. Denn dieses Unverfügbare wird im Dank an Gott ausgedrückt. „Danke, dass die Sonne die Früchte süß gemacht hat. Danke, Gott, dass du keinen Hagel geschickt hast, der die Ernte zerstört.“ Sicher glaubt niemand mehr, dass Gott ganz direkt die Sonne scheinen lässt, oder die Regenwolken übers Land pustet. Dazu wissen wir heute viel zu viel. Trotzdem muss ich akzeptieren, dass es Grenzen gibt. Nicht alles kann der Mensch machen. Und er weiß auch nicht alles. Es bleibt eben etwas Unverfügbares.

Und an dieser Stelle kann ich mich einreihen, auch wenn ich kein Landwirt bin. Denn auch in meiner Arbeit und in meinem Leben gibt es diesen Rest, der unverfügbar ist. Das Erntedankfest erinnert mich daran. Und es macht mich demütig und dankbar, weil trotz Rest und Unverfügbarkeit doch so viel klappt und funktioniert.

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