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Seit einigen Jahren habe ich eine Seelsorgerin. Ich spreche regelmäßig mit ihr über mein Leben, meinen Beruf und viel über meinen Glauben. Und es tut mir gut, die unterschiedlichen Fäden meines Lebens zu sortieren und manchmal auch zu entwirren, wenn sich etwas verknotet hat.
Von meiner Seelsorgerin habe ich ein Bild geschenkt bekommen. Gemalt hat es die englische Künstlerin Rachel Noel. Maria ist darauf zu sehen wie sie Knoten aus zahlreichen bunten Fäden entwirrt. Und auf den einzelnen verknoteten Fäden stehen Worte wie: Ärger, Angst, Freude, Liebe, Verletzlichkeit, Einsamkeit, Hoffnung. Und dann stehen da noch Fragen: Bin ich gut genug? Kann ich vertrauen? Wie das eben manchmal so ist im Leben. Besonders, wenn es mir zu viel wird und ich die einzelnen Fäden meines Lebens nicht mehr auseinanderbekomme. Wenn sie sich miteinander und in meinem Herzen verknotet haben zu Fragen wie diesen: Kann ich noch hoffen angesichts der Kriege in der Welt? Wo bleibe ich mit meiner Verletzlichkeit? Wo lasse ich meinen Ärger über die Ungerechtigkeit?
Die Maria auf dem Bild strahlt eine freundliche Ruhe aus. Sie entknotet geduldig all diese Fäden. Und sie verwandelt damit die Worte und Fragen in Zusagen: Auf den entknoteten Fäden stehen Worte aus der Bibel: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen! Du bist wunderbar gemacht! Ich werde ihr Elend in Lob verwandeln! Friede über alle Vernunft!
Oft sitze ich inzwischen vor dem Bild, werde still und lasse mich von Maria, der Knotenlöserin, berühren und bete: Entwirre mich. Zeige mir die Schönheit meiner Lebensfäden. Lass sie wehen im Glanz deines Lichtes, zur Ruhe kommen in dir Und heute denke ich dabei an die vielen christlichen Kirchen, die Mariä Himmelfahrt feiern. Für mich ist Maria mehr als eine Gestalt aus vergangenen Zeiten. Sie ist zu einer Begleiterin im Glauben und eine weibliche Verbündete auf meinem Weg durchs Leben geworden. Eine, die geduldig Knoten löst, und Hoffnung wachsen lässt.
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„Ich habe lange an meinem Hass festgehalten, doch mit Hass kann es keinen Frieden geben.“ Das sagt Laila. Wir haben sie und ihren Kollegen Ofer in der Nähe von Bethlehem getroffen. Seit Jahren setzen sich die beiden mutig für den Frieden ein trotz ihres erfahrenen Leids. Laila erzählt von ihrem Sohn. Vor vielen Jahren, als er gerade 6 Monate alt war, gab es einen Angriff israelischer Soldaten auf ihr Dorf. Ihr Sohn brauchte dringend ärztliche Hilfe. Doch die israelischen Soldaten ließen die Familie zuerst nicht durch ins Krankenhaus. So verging zu viel Zeit. Als sie schließlich im Krankenhaus angekommen waren, kam die Hilfe zu spät und ihr Sohn ist gestorben. Nach dem Tod ihres Sohnes spürte sie in sich einen großen Hass und der galt allen Israelis. Doch in der ersten Nacht nach seinem Tod, hatte Laila auch einen Traum: Ihr Sohn hat sie besucht und auf seiner Schulter saß eine weiße Taube.
Ofer erzählt uns von seinem Bruder. Der hatte gerade seinen Militärdienst begonnen, als er durch einen palästinensischen Terroranschlag ermordet worden ist. Ofer erinnert sich noch immer sehr schmerzvoll an diesen Tag zurück. Als die Polizei an der Tür geklingelt hat und er kurze Zeit später seine Eltern so verzweifelt hat weinen hören, wie noch nie vorher. Und auch Ofer kannte den Hass.
Doch beide haben ihn hinter sich gelassen und engagieren sich seit vielen Jahren für Versöhnung und Frieden. In ihrer Organisation kommen Israelis und Palästinenser zusammen, die jeweils durch die andere Seite Familienangehörige verloren haben. Und nur so kann es gehen, da sind beide überzeugt, dass man seine Leidensgeschichten teilt und Empathie hat für die anderen.
„Ich liebe meine Leute“, erzählt uns Ofer, „aber die Politik dient nicht dem Frieden.“ Und Laila ergänzt: „Es geht nicht darum für Israel oder für Palästina zu sein, es geht darum, für den Frieden zu sein. Und ihren Traum von damals sieht sie heute als Auftrag Gottes, sich mit all ihrer Kraft dafür einzusetzen.
Laila und Ofer haben mir wieder Hoffnung geschenkt und ich glaube: Frieden ist möglich, weil es Menschen gibt wie diese beiden.
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Wenn ich mit mehreren Menschen an einem Tisch zum Essen sitze, achte ich darauf am linken Tischende zu sitzen. Ich bin Linkshänderin und Suppe löffeln mit der rechten Hand, das kann ich gar nicht. Und dann wird es neben einer Rechtshänderin in der Tischmitte schon mal eng.
Heute ist Weltlinkshändertag. Ich bin 1972 geboren und im Kindergarten haben die Erzieherinnen nur kurz versucht mich auf die rechte Hand umzutrainieren. Schnell haben sie es aufgegeben, denn meine linke Hand ist stark und ich habe mich auch geweigert, wie gut. In der Grundschule habe ich schnell gelernt, wie ich mit dem Füller schreiben kann, ohne alles zu verwischen. Kopfnüsse von einem sehr alten Lehrer gab es dennoch. Meine Schrift sei gar nicht schön und das hat er mich auch spüren lassen. Meine Eltern haben mich in meinem Linkshänderin-Sein sehr unterstützt. Sie waren selbst Linkshänder, wurden in ihrer Kindheit noch umerzogen und haben darunter gelitten.
Den Weltlinkshändertag gibt es seit 1976. Der US-Amerikaner Dean Campbell hat ihn damals eingeführt, um auf uns Linkshänder aufmerksam zu machen. Was heute selbstverständlich ist, nämlich dass Menschen mit links schreiben und die linke Hand im Alltag bevorzugt nutzen, galt lange als schlecht. Daran hat auch eine Geschichte aus der Bibel Anteil. In der Erzählung vom Weltgericht werden Menschen am Ende ihres Lebens nach ihren Taten beurteilt. Wer anderen mit Liebe begegnet, der kommt auf die rechte Seite von Christus. Und die wird als gut bezeichnet. Wer lieblos gelebt hat, der kommt auf die linke Seite. Und die ist schlecht. Liebe zu verschenken, solange man lebt, das ist immer gut und richtig! Aber mit der Erzählung vom Weltgericht wurde Menschen über Jahrhunderte hinweg Angst gemacht und das ist falsch und passt nicht zu einem Gott, der die Liebe ist. Und noch dazu diese Geschichte als Begründung zu benutzen, dass die linke Hand minderwertiges und schlecht ist, das ist wirklich unsinnig.
Heute dürfen Kinder mit der Hand schreiben, die für sie die Richtige ist. Gerade in der ersten Schulwoche ist es gut, daran noch einmal zu erinnern.
Und am Ende zählt nicht, welche Hand wir benutzen. Entscheidend ist, was wir mit unseren Händen tun – Sie ausstrecken und anderen die Hand reichen.
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Zu einem guten Frühstück gehört für mich ein Brot mit Honig. Wenn sich in meinem Mund die cremige Süße des Honigs mit dem Brot vermischt, dann kann der Tag kommen.
Und ich weiß natürlich, wem ich meinen morgendlichen Honig zu verdanken habe. Und wie wichtig die Bienen sind, nicht nur für meinen Honig. Sie bestäuben fast alle unserer Pflanzen, dass die jedes Jahr wieder wachsen. Damit sorgen sie natürlich auch dafür, dass es weiterhin so viele Pflanzenarten gibt. Die Biene ist wirklich ein Superinsekt. Und doch habe ich Bienenstöcke bisher eher gemieden, weil Bienen mir in großer Zahl unheimlich sind. Neulich hat mich aber ein Imker eingeladen, ihn zu seinen Bienenstöcken zu begleiten. Gegen meine Angst hat er mir einen Imkerschleier gegeben. Und dann hat er mich in die Stöcke reinschauen lassen und, was soll ich sagen, ich bin begeistert. Aus der Ferne hat es immer so ausgesehen, als ob die Bienen kreuz und quer und ohne Plan durch die Gegend fliegen. Doch je näher wir zu den Stöcken kommen, desto deutlicher sehe ich, dass sie anscheinend ganz genau wissen, wohin sie fliegen. Der Blick hinein in den Stock hat mir eine eigene Bienenwelt eröffnet. Dort gibt es Bruträume und Honigräume. In den Bruträumen wachsen neue Bienen heran und in den Honigräumen tragen die Bienen den Honig in die selbst gebauten Waben. Tausende Bienen arbeiten nebeneinander. Es summt und vibriert und der Stock verströmt einen wunderbaren Duft. Bis heute ist es noch nicht umfassend erforscht, woher die Biene genau weiß, welcher Stock ihrer ist und welche Aufgaben sie zu erfüllen hat. Ich sehe dieses geordnete Gewimmel und stimme ein in ein altes Gebet aus der Bibel: „Wie zahlreich sind deine Werke, Gott. In Weisheit hast du sie alle geordnet. Die Erde ist voll von deiner Güte.“ (Psalm 104, 24)
Genau das darf ich hier an den Bienenstöcken erleben. Mittlerweile traue ich mich auch ohne Schleier mit dem Imker an die Bienenstöcke heran.
Heute ist Weltbienentag. Wenn ich gleich mein Honigbrot zum Frühstück esse, bin ich besonders dankbar für das Wunder der Bienen. Wir brauchen sie, um zu leben.
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Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottes Güt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Ich mag dieses alte Volkslied sehr. Wenn ich es singe, dann ist es so, als tanzen vor meinen Augen die grünen Blätter und die bunten Blumen zur Melodie. Das zarte Grün tut meiner Seele gut.
Wie lieblich ist der Maien. Ja, ich mag dieses Lied. Und gleichzeitig ist für mich gerade in diesem Mai überhaupt nicht alles lieblich. Eine sehr gute Kollegin ist viel zu früh gestorben. Ich bin wütend und traurig und denke: Lass mich einfach in Ruhe mit dem lieblichen Mai. Und mir ist überhaupt nicht nach singen zumute. Ich will das zarte Grün und das Blütenmeer gar nicht sehen. Sie passen nicht zu meiner Trauer und Wut.
Wie lieblich ist der Maien. Martin Behm hat dieses Lied vor fast 400 Jahren gedichtet. Er war Pfarrer in Lauen, im heutigen Polen. Damals gab es in Lauen große wirtschaftliche Schwierigkeiten und oft nicht genug zu essen. Einige litten Hunger. Sie hatten wohl auch keinen Blick für den lieblichen Mai. Sie brauchten Essen, um ihre Familien satt zu kriegen. Und doch schreibt Martin Behm genau zu dieser Zeit diesen Text. Wollte er die Menschen damals einfach vertrösten? Ich deute seine Worte anders und spüre ihre Kraft. Für mich fordert er die Menschen zum einen auf: Schaut trotzdem hin auf den Mai, auf alles, was grünt und blüht, gerade wenn das Leben sehr schwer ist. Zum anderen malt Martin Behm hier die Zukunft aus: Auch wenn es gerade nicht so aussieht, es wird weitergehen, es wird wieder Mai werden. Ich bin ganz sicher: Das Leben wird wieder grünen und blühen.
Wie lieblich ist der Maien. Gerade geht mir dieses wunderschöne Lied echt schwer über die Lippen. Manchmal ist es kaum auszuhalten, dass das Leichte und das Schwere so direkt nebeneinander liegen. Heute versuche ich es zu verbinden, schaue auf meine Lieblingskastanie, berge mich an ihrem Stamm, und denke an meine Kollegin.
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Ich betrete den Felsenkeller am ehemaligen Turnerheim in Kaiserslautern. Es ist dunkel, feucht und kühl und auch ein wenig unheimlich. Hier und da tropft Wasser von der Decke. Im 19. Jahrhundert hat dieser Keller einer der vielen damaligen Bierbrauereien als Lager für Fässer und Eis gedient. Und während des 2. Weltkriegs war der Keller ein Bunker. Hat vor allem Frauen und Kindern Schutz bei den Bombenangriffen auf die Stadt geboten.
Momentan ist er ein Museum auf Zeit. 14 Künstlerinnen und Künstler leuchten ihn mit ganz unterschiedlicher Kunst aus. Sie haben sich von dem Ort und seiner Geschichte inspirieren lassen. Da drehen viereckige beleuchtete Objekte und es ist, als hörte ich die Stimmen der Frauen und Kinder. Und ich entdecke durch die Kunst, den Raum und irgendwie auch mich selbst ganz neu. Ich habe ganz unterschiedliche Gefühle, während ich durch den dunklen Keller gehe. Und plötzlich trifft mich das Licht und auch Geräusche der Kunstwerke. Sie umfangen mich, werfen Schatten und dringen in mich ein. Und ich erfahre etwas über die Künstlerinnen und Künstlern. Das alles gehört zusammen.
Der Kunstraum Westpfalz nutzt das Stadtjubiläum von Kaiserslautern, um dieser Kunst einen besonderen Ort zu schenken: einen Felsenkeller.
Ich gehe gerne in Museen. Kunst spricht meine Sinne an: Manche Kunstwerke, besonders Bilder, beruhigen mich, nehmen mich mit in eine ganz andere Zeit. Und dann kann Kunst mich manchmal auch total aufrütteln, meine normalen Sehgewohnheiten in Frage stellen.
Hier im Felsenkeller bringt die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkel. Und das kann Kunst auch. Sie unterbricht meinen Alltag. Sie stellt Fragen an mich, an die Welt und bietet eigene Deutungen an.
Heute ist Weltmuseumstag. Ich mag Kunst. Auch, weil sie etwas mit meinem Glauben gemeinsam hat: In der Kunst und im Glauben kommt etwas von außen an mich heran, das aber mein Innerstes berührt. Beide, die Kunst und der Glaube, bringen in mir etwas zum Klingen, bringen mich in Kontakt mit mir und mit etwas viel Größerem. Und manchmal bringen Kunst und Glaube auch Licht ins Dunkel.
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„Ich hab dich lieb!“ Dieser Satz klingt heute durch die Welt. Laut mit Blumen und Pralinen oder ganz leise geflüstert ins Ohr.
Heute ist Valentinstag. Und die Geschichte, die sich um den Heiligen Valentin rankt, hat alles, was eine gute Love Story braucht. Der heilige Valentin ist der Schutzpatron der Liebenden. Er lebte im 3. Jahrhundert in Rom. Damals hatte der Kaiser verboten, dass Paare sich christlich trauen ließen. Doch viele haben sich Gottes Segen für ihre Ehe gewünscht. Und Valentin hatte ein Herz für die Liebenden und hat sich einfach über das Verbot des Kaisers hinweggesetzt. Er hat vielen Paaren Gottes Segen zugesprochen und sich damit in Gefahr gebracht, aber das hat ihn nicht abgehalten. Und jedes Mal, wenn er ein Paar getraut hat, hat er ihnen Blumen aus seinem Garten geschenkt und mit dem Wunsch verbunden, dass die Liebe blühen möge. Aber sein Wirken blieb nicht unentdeckt und er wurde vom Kaiser gefangen genommen und am 14. Februar getötet.
Doch die Liebe lässt sich nicht töten. Im 5. Jahrhundert wurde der Gedenktag des Heiligen Valentin in der Kirche eingeführt und seitdem gilt er als der Tag für die Liebe und die Verliebten.
„Ich hab dich lieb!“ So klingt es heute durch die Welt, laut und groß oder leise und ganz klein. Und es macht gar nichts, dass man nicht sicher weiß, ob Valentins Geschichte nur eine Legende ist.
Der Tag ist geblieben und die Kirchen haben ihn wieder für sich entdeckt. Und so laden auch heute ganz viele Kirchengemeinden Menschen ein, sich und ihre Liebe segnen zu lassen. Der Segen gilt nicht nur Paaren, sondern allen Menschen, die heute wieder auf die Liebe setzen.
Denn die Welt braucht Liebe. Die Welt braucht Menschen, die auf die Liebe setzen und damit dem Hass die Stirn bieten.
„Ich hab dich lieb!“ So klingt es nicht nur heute an allen Orten trotz allem durch die Welt. Und das lässt mich hoffen, jeden Tag.
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Einen Tag vor Weihnachten ist unser Stromkasten verkohlt. Durch einen Wasserschaden ist Wasser auf den Sicherungskasten getropft, es kam es zu einem Knall und alle Sicherungen sind im wahrsten Sinne des Wortes durchgebrannt.
Es war früh am Morgen und wir standen plötzlich im Dunkeln. Mir hat nicht nur der Schreck über den Knall in den Gliedern gesteckt. Der plötzliche Stromausfall hat meinen wohlerstellten Plan für die Weihnachtsvorbereitungen total über den Haufen geworfen. Der Besuch war schon da, das Essen war eingekauft. Ich wollte es uns richtig schön machen zu Weihnachten. Und dann: Kein Strom und wir brauchten Handwerker einen Tag vor Weihnachten. Mir war gerade gar nicht mehr nach Feiern.
Nachdem wir alles geklärt hatten, was wir klären konnten, musste ich erst mal raus. Wir sind spazieren gegangen und mein jüngster Sohn hat mich angeschaut und gesagt: „Mama, du weißt doch selbst, dass es viel Schlimmeres gibt. Wir sind zusammen, wir haben ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, leiden keine Not und es wird Weihnachten, egal ob wir Strom haben oder nicht.“
Zurück Daheim durften wir erleben, dass die Nachbarn schon Platz in ihrer Gefriertruhe gemacht und eine Kabeltrommel zu uns rübergelegt hatten. Im Schein der Solarlampe haben wir gepuzzlet, Weihnachtslieder gesungen, Plätzchen gegessen und miteinander erzählt. Es war alles anders als geplant und gleichzeitig sehr schön. Die batteriebetriebenen Lichterketten haben es um uns herum und auch in uns hell gemacht. Und an Heiligabend hat der Bruder meiner Vermieterin sogar noch den Stromkasten repariert, so dass wir ab mittags wieder Strom hatten. Und natürlich hat mein Sohn recht gehabt, es ist Weihnachten geworden.
Mittlerweile ist auch der Wasserschaden repariert, Weihnachten ist längst vorbei, aber in diesem Jahr habe ich die Lichterketten hängen lassen damit sie mich erinnern, dass es gerade durch andere hell sein kann, auch wenn es dunkel ist.
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In meinem glänzenden Charlston Kleid mit Fransen, den schwarzen Satinhandschuhen, meiner Federboa und den Stiefeletten fühle ich mich lebenslustig und wunderschön. Heute an Weiberfasching kann ich mit meiner Verkleidung ganz leicht zeigen, wer auch noch in mir steckt. Im Alltag sieht man das nicht auf den ersten Blick, wenn ich in Jeans und Pullover durchs Leben gehe.
Deswegen mag ich Fasching. Ich schlüpfe in eine Rolle und verändere damit meinen eigenen Blick und den Blick der anderen auf mich. Denn, das was direkt vor Augen steht, verleitet leicht zu einem Urteil.
Das erlebt auch Samuel. Die Bibel erzählt von ihm. Samuel ist ein Prophet. Propheten haben eine besonders enge Beziehung zu Gott und die Aufgabe, den Menschen zu erzählen, was sie von Gott gehört haben. Aber diese Aufgabe hat es in sich: Gott will, dass Samuel den nächsten König für Israel salbt und so gibt Gott Samuel den Auftrag: „Geh zu Isai. Einer seiner Söhne wird der neue König.“ Doch Isai hat 8 Söhne. Schon als er den ältesten Sohn sieht, denkt Samuel: „Der wird es sein. Der ist groß und stark. Aber Gott mahnt ihn: „Lass dich nicht von seinem Aussehen beeindrucken, ihn habe ich nicht gemeint. Du musst wissen, Samuel: „Ich sehe nicht so, wie ihr Menschen seht. Ihr seht, was euch vor Augen steht, ich sehe ins Herz der Menschen.“ Und so salbt Samuel schließlich David, den Jüngsten, den Hirtenjungen mit den schönen Augen. Auf den ersten Blick erscheint er Samuel verträumt und klein. Aber Gott sieht in ihm den nächsten König.
Heute ist Weiberfastnacht und ich bin heute eine Charlston Tänzerin mit Federboa und kurzem Kleid. Aber ich war auch schon eine lustige Clownin mit einem bunt geschminkten Gesicht oder ein Blumenmädchen mit verträumten Augen. All das steckt in mir und im Alltag sieht man davon oft gar nichts.
Fasching durchkreuzt die normalen Sehgewohnheiten. Es ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Lass dich nicht direkt leiten von dem, was du siehst. Vielleicht steckt in einer Tänzerin auch eine Pfarrerin und in einem Hirtenjungen ein König.
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Heute ist Buß- und Bettag. Seit einigen Jahren feiere ich am Buß- und Bettag Gottesdienst zusammen mit einer Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes. Das Blaue Kreuz ist ein christlicher Verein, der Menschen Wege aus der Sucht aufzeigt. In den Gruppen lernen Menschen miteinander ein Leben ohne Alkohol neu zu gestalten. Das ist kein leichter Weg und es geht nur mit Ehrlichkeit. Da muss sich jemand eingestehen: „Ich brauche Hilfe von außen, denn ich bin alkoholkrank.“ Und es hilft, dass man den Weg aus der Sucht nicht alleine geht, sondern andere sieht, die diesen Weg ohne Alkohol schon viele Jahre gehen.
Die Gruppe zeigt: Wir sind da, wenn du uns brauchst. Das konnte ich vor einigen Jahren miterleben. Ich habe als Pfarrerin im Krankenhaus gearbeitet. Dort habe ich eine Patientin begleitet, die auch Mitglied einer Selbsthilfegruppe war. Uli war schwer krank und sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit in ihrem Leben haben würde. An manchen Tagen habe ich bei ihr im Krankenzimmer Menschen aus der Selbsthilfegruppe getroffen. Sie haben Uli besucht und begleitet. Nach Ulis Tod haben sie auch bei ihrer Beerdigung mitgewirkt. Einige Zeit danach haben wir auch in der Gruppe eine Abschiedsfeier für Uli gestaltet. Mich hat das sehr berührt: Der Zusammenhalt dieser Gruppe, wie sie füreinander da waren.
„Ich bin für dich da!“ Das ist in diesem Jahr auch das Motto des Buß- und Bettags. Das Motto erinnert an die Geschichte von Mose. Die Bibel erzählt von ihm. Mose hat das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten weggeführt. Er hatte eine besondere Beziehung zu Gott und gleichzeitig fühlte er sich manchmal ganz allein. Als er wieder einmal nicht weiterwusste, da ist ihm Gott in einem brennenden Dornbusch begegnet. Der Dornbusch hat gebrannt und ist nicht verbrannt. Und dann hat Mose Gottes Stimme gehört: „Ich bin für dich da!“ Hat Gott ihm versprochen.
Wenn ich weiß, dass jemand für mich da ist, dann fällt es mir leichter zu sagen, dass es in meinem Leben Brüche gibt. Dann kann ich ehrlich sagen, was in diesem Jahr nicht gut gelaufen ist und auch, wofür ich Hilfe brauche. „Ich bin für dich da!“ Gottes Versprechen gilt nicht nur heute am Buß- und Bettag.
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