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SWR3 Gedanken

22JUL2026
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In der Bibel gibt es viele Geschichten vom Vergeben. Gott ist barmherzig und vergibt denen, die Schuld auf sich laden. Jesus stirbt, um unsere Schuld zu begleichen. Ich bin da nicht immer einverstanden. Bin misstrauisch: wenn Gott zu allen gleich ‚gütig und barmherzig‘ ist, das nährt in mir einen Verdacht: Steht Gott nicht immer wieder auf der falschen Seite? Bei Leuten, die in den Familien und auf der Arbeit auf Kosten anderer leben; Männern und auch Frauen, die prügeln und vergewaltigen; Priestern die Kinder missbrauchen; Mächtigen, die Kriege anzetteln gleichgültig gegenüber Leid und Tod.

Dieses Vergeben finde ich ungerecht, es macht mich ratlos, ja wütend. Warum tritt Gott denen nicht vors Schienbein? Lässt ihre Yachten rosten? Oder schleudert ihnen zumindest die Wahrheit ins Gesicht. Es kann doch nicht die ganze Welt leiden, weil Gott allen vergibt?! Und muss ich denen auch alles vergeben? Das will ich nicht müssen. Ich finde das eine schwierige Frage und verstehe Leute die sagen: „Nee, das mit dem Christentum, das hat mir zu wenig mit Gerechtigkeit zu tun. Immer das mit dem Vergeben.“ Ich will, dass Gott Partei ergreift. Klar und eindeutig. Für die Schwachen. Gegen die Starken.

Aber Gottes Gerechtigkeit sieht sogar da noch eine Möglichkeit, wo ich nur noch sage: „Fertig. Schluss. Vorbei.“

Für mich funktioniert das mit der Vergebung dennoch nur auf eine Weise: Gottes Barmherzigkeit stellt sich nicht auf die Seite der Täter. Gott stellt sich zwischen die, die schlagen, und die, die geschlagen werden. Gott schützt die Schwachen, tritt an ihre Stelle, lässt sich selbst schlagen und konfrontiert die Täter. Gibt ihnen so noch eine Chance. Ich vertraue darauf: Gott kann das, dazwischenstehen und gleichzeitig auf der Seite der Geschlagenen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

22JUL2026
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Da tritt ein Bürgermeister zurück, weil der in den social-media-Portalen gemobbt und auch direkt bedroht wird und weil er das nicht mehr aushält. Da winken hervorragend geeignete Kandidaten ab, wenn sie für ein Amt in der Politik angefragt werden, weil sie sich nicht antun möchten, was sie sich damit alles einhandeln würden. Und zwischen den Parteien und unter gesellschaftlichen Gruppierungen wird der Ton immer rauer, aggressiver.

Da ist etwas gekippt in unserer Gesellschaft. Die Art und Weise, wie kritisiert wird, ist nicht mehr förderlich. Im Gegenteil: Sie schadet dem gesellschaftlichen Klima und hilft oft auch in der Sache nicht. Ich habe den Eindruck, dass bei politischen Konzepten vorrangig die Schwachpunkte und Fehler ins Visier genommen und aufgespießt werden. Wem etwas nicht recht ist, der zerpflückt das oft unfair oder gar gnadenlos. Vielfach wird kein gutes Haar gelassen an Gesetzesentwürfen oder Entscheidungen. Das Gute daran kommt nicht richtig in den Blick. Und die immer komplexere Situation, die schwierigen Bedingungen, unter denen heute Politik gemacht werden muss, werden nicht gesehen. Auch nicht, dass Kompromisse unvermeidlich sind. Dass es die Lösung, die allen gefällt, oft gar nicht gibt.

Natürlich plädiere ich nicht dafür, zu allem „Ja und Amen“ zu sagen oder alles schönzureden. Wir brauchen in der Demokratie kritische Bürger und wachsame Medien. Wir brauchen eine Opposition, die ihren Finger in die Wunden legt, damit am Ende ein für alle besseres Ergebnis herauskommt. Aber es kommt darauf an, wie und mit welcher Absicht die politische Arbeit kritisiert wird. Geht es gegen den anderen, wird bewusst Stimmung gemacht und manipuliert – oder dient es wirklich der Sache, den Bürgerinnen und Bürgern? Wer immer alles schlechtredet, der ist entweder mit sich selbst nicht zufrieden – oder es geht ihm nur um die eigene Macht.

Wenn mir klar ist, dass jeder seine Grenzen hat und Fehler macht, nicht nur die Politiker, sondern auch ich selbst, dann kann ich gnädiger mit den anderen sein. Dann kann ich konstruktiv kritisieren. Dadurch wird das Miteinander nicht beeinträchtigt, und es führt am Ende auch zu besseren politischen Entscheidungen.

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SWR4 Abendgedanken

22JUL2026
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Loslassen fällt mir ganz schön schwer. Ich habe mich vor einigen Tagen von meinem Lieblingspulli getrennt. Er war mir längst zu klein geworden, aber ich habe immer gedacht: Irgendwann passt er wieder. Jetzt habe ich ihn in die Altkleidersammlung gegeben.

Wenn es doch nur der alte Pulli wäre, von dem ich mich schlecht trennen kann. Doch es gibt noch andere Dinge, die ich nicht einfach loslassen kann, obwohl sie mich gefangen nehmen: Sorgen, die ich mir mache. Verletzungen, die mir andere Menschen zugefügt haben. Schlechte Gewohnheiten. Ängste. Ich weiß ganz genau: Wenn ich das alles loslassen könnte, dann würde es mir besser gehen. Aber ich komme davon nicht los.

Das ist fast so wie bei der „Affenfalle“. Ich habe vor einiger Zeit davon gehört. Das ist eine jahrhundertalte Methode, wie man früher in Südostasien Affen gefangen hat.

Die Falle besteht aus einer hohlen Kokosnuss, die an einem Baum befestigt ist. Sie hat eine kleine Öffnung. Und in der Kokosnuss liegt ein Stück Frucht oder ein paar Nüsse.

Der Affe zwängt seine Hand durch die kleine Öffnung in die Kokosnuss hinein, greift nach der Beute – und will die Hand dann wieder herausziehen. Doch seine Faust passt jetzt nicht mehr durch das Loch. Der Affe ist gefangen. Eigentlich müsste er nur seine Beute loslassen, dann könnte er die Hand wieder herausziehen und wäre frei. Aber das kann er nicht. Weil er seine Chance auf die leckere Nahrung nicht aufgeben will.

Loslassen ist schwer, und doch ist es eine der wichtigsten Aufgaben, die ich im Leben lernen muss. Ohne Loslassen gibt es keine Freiheit. Die Bibel ermutigt Menschen wie mich, meine Sorgen, Ängste und Verletzungen loszulassen und Gott anzuvertrauen. „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“. So lese ich im ersten Petrusbrief (1.Petr.5,7) Das ist nicht einfach. Es ist ein Weg, den ich Schritt für Schritt lernen muss. Dabei hilft es, wenn ich lerne darauf zu vertrauen, dass Gott meine Sorgen und Ängste und Verletzungen kennt und sich darum kümmert. Wenn er das alles in seiner Hand hält, dann kann ich es loszulassen. Dann öffnet sich meine Hand und mein Herz und ich lebe freier.

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SWR3 Worte

22JUL2026
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Egal, ob ans Meer oder in die Berge oder an den heimischen Badesee – jetzt ist Urlaubszeit. Zeit zum Ausruhen und Verweilen. Der Neurologe Matthias Krohn erklärt, warum wir solche Auszeiten und zum Beispiel die Weite des Meeres brauchen:

„Ruhe fördert die Selbstreflexion und regt unsere Vorstellungskraft an, Ruhe lehrt unserem Gehirn quasi das Leben. Das heißt umgekehrt: Wer nie zur Ruhe kommt, wird den Weg zu sich selbst niemals finden und auf die Anforderungen der Außenwelt nicht vorbereitet sein. Er wird nicht wissen, wie er unvorhergesehene Probleme lösen, Risiken erkennen und kreative Ideen entwickeln soll. Wenn wir uns immer mal wieder aus dem Fluss der Zeit herausstehlen, können wir unseren Horizont erweitern.
Denn Gedanken und neue Einsichten brauchen Weile. Und dieses Verweilen erleben wir in der Weite.“

Matthias Krohn, „Warum mein Gehirn die Weite liebt“, in einfach.sein

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22JUL2026
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Zu meiner Priesterweihe 1995 habe ich Geschenke bekommen. Eines davon halte ich besonders in Ehren. Es ist ein Kunstdruck mit folgender Botschaft: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ Das ist eine steile These, eine strenge Behauptung. Weil sie absolut ist und ausschließlich, weil sie kein Ausweichen erlaubt und keine Alternative anbietet. Entweder die Kirche ist für die Menschen da, unterstützt sie in ihren Fragen und Nöten – oder sie verliert ihre Daseinsberechtigung. Weil sie andernfalls eine von den Institutionen ist, die viel Geld verschlingen, aber keinen Nutzen bringen. Ohne zu dienen, verliert die Kirche aber auch den Auftrag, den Jesus selbst tief in ihrem Inneren verankert wissen wollte. Er kommt immer wieder darauf zu sprechen, was die Frauen und Männer auszeichnen soll, die in seinem Sinne leben. Er sagt dann Sätze wie: Der Menschensohn – also er – ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.“[1]

Als er vor seinem Tod denen die Füße wäscht, die beim Letzten Abendmahl mit ihm zusammen sind, zeigt er damit, wie er den Dienst meint, von dem er immer wieder gesprochen hat: sich klein machen, dem Schmutz der Erde nicht aus dem Weg gehen, sich nicht für etwas Besseres halten, mit den eigenen Händen Gutes tun.

„Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“ Es ist aufschlussreich zu wissen, von wem der Satz stammt. Jacques Gaillot war 13 Jahre lang Bischof im französischen Évreux. Bis ihn Papst Johannes Paul XII. 1995 abgesetzt hat. Gaillot war zu oft aufgefallen, weil er sich für eine menschenfreundliche Einwanderungspolitik engagiert, öffentlich die Nutzung von Kondomen im Kampf gegen HIV propagiert und für die Priesterweihe verheirateter Männer ausgesprochen hatte. Als er dann auch noch als Aktivist in der Friedenspolitik auftrat, war offenbar das Maß voll und die französische Regierung wurde im Vatikan vorstellig. Gaillot musste gehen. Zu seinem Abschiedsgottesdienst in Évreux reisten 50.000 Katholiken aus ganz Frankreich in Bussen und Sonderzügen an.

Die Menschen haben offenbar verstanden, wie das mit dem Dienen gemeint ist. Sich in vielen Einzelfällen für Menschen einzusetzen, die in einer schwierigen Lage sind. Und im gesellschaftlichen Kontext den Mund aufzumachen, wo es in Kriegen und an Ländergrenzen menschenverachtend zugeht. Dort trifft Gaillots Ausspruch den Nagel auf den Kopf: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“

[1] Markusevangelium 10,45

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SWR Kultur Wort zum Tag

22JUL2026
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Was mir am Sommer gut gefällt: das mediterrane Flair, wenn Fenster und Balkontüren offenstehen. Man kann munteres Geplauder hören, Gesprächsfetzen, Stimmen und Geräusche aller Art. Die drei kleinen Mädchen von nebenan. Der pensionierte Lehrer, der seiner Frau aus der Zeitung vorliest. Der Musiker, der hin und wieder auf seinem Akkordeon spielt. 

Mir gefällt das. Meistens jedenfalls. So erlebe ich eine lebendige Nachbarschaft. Und ich lerne Menschen - besser noch als über ihre Gesichter - über ihre unterschiedlichen Stimmen kennen.  

Von einer ganz besonderen Stimme erzählt eine Geschichte im Alten Testament. Vom jungen Samuel. Der hält sich zur Ausbildung im Tempel auf, wo der alte Eli sein Mentor ist. Eines Nachts hört Samuel, wie jemand ihn ruft. Er meint, es sei der alte Eli. Samuel steht auf und geht zu ihm. Aber Eli verneint, er hat ihn nicht gerufen.

„Leg dich nur wieder hin“, sagt der Alte. Aber dann wiederholt sich derselbe Vorgang noch einmal. Als es ein drittes Mal passiert, wird dem alten Eli klar: unmöglich, dass es sich bei der Stimme um eine menschliche Stimme handelt. Also sagt er dem Jungen: „Wenn es noch einmal passiert, dann musst du genau aufpassen und hinhören! Denn Gott will dir etwas sagen.“

Genau hinhören - die verschiedenen Stimmen unterscheiden, hören, was Gott will - das muss Samuel lernen. Denn, das sagt diese kleine Episode, auf das Unterscheiden der Stimmen kommt es an. Im Leben wie im Glauben.

Zu fragen: welche der Stimmen um mich herum bietet Orientierung? Welche führt vielleicht in die Irre? Und welche vermehrt nur den Geräuschpegel um mich herum?

Das setzt voraus, dass ich aufmerksam hinhöre. Und mich anrufen lasse von dem, was mich in der Tiefe berühren will. Von der Stimme Gottes.

Manchmal klingt sie ganz unscheinbar und leise. Schwingt mit in der Frage eines Kindes. Manchmal begegnet sie mir in der Notiz einer Zeitungsmeldung. Manchmal in der Melodie eines Liedes, das meine Stimmung zum Guten wendet.

In der Bibel heißt es von Gott: „Heute, wenn ihr meine Stimme hört, dann verschließt eure Herzen nicht“.  

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SWR3 Gedanken

21JUL2026
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Wir machen Urlaub in Cornwall. Um der Hitze zu entfliehen und wegen der schönen Landschaft. Nach langer Suche haben wir eine günstige Unterkunft gefunden.

Unsere Vermieterinnen laden uns in den Pub ein, da treffen sie sich abends mit Freunden und Freundinnen zur Musik. Wir erleben einen unbeschreiblich schönen Abend. Leute kommen zusammen mit Geigen und Flöten, mit Trommeln und Gitarre. Einer mit einer Uilleann Pipe, der irischen sanft klingenden Schwester des Dudelsacks, Ellenbogenpfeife.

Sie jammen stundenlang, einer gibt eine Melodie vor, die anderen stimmen ein. Ich kenne mich nicht aus, aber es ist Folkmusik mit keltischem Ursprung. Die Leute, die da rundherum sitzen, kennen einander. Sie laden uns ein an ihren Tisch. Wir trinken Bier, auch ich, wo ich sonst nur Wein trinke. Sie erzählen uns von ihrem Cornwall, der Sprache, der Geschichte, von den Leuten, von der Herausforderung in diesem wenig industrialisierten Landstrich zu leben.

Fast alle leben nicht zufällig hier, sie haben sich dazu entschieden. Sind weggegangen aus dem lauten aufgeregten London, wo die guten Jobs sitzen. Es ist anstrengend, das Leben in Cornwall, nicht leicht zu finanzieren. Die meisten wurschteln sich durch mit mehreren Jobs, wohnen bescheiden. Immobilien werden von Investoren aufgekauft. Aber es ist es ihnen wert: ein besonderes Leben: Viel Freiheit und viel Frieden sagen sie und Wind und Wasser und Musik und gute Leute.

Wir debattieren, ob wir so etwas auch in Deutschland kennen: Einen Ort, an den Leute ziehen, weil das Leben da näher an dem dran ist, wie sie leben wollen. Ich kenne einen Stadtteil, aber keinen Landstrich, keine Region. Frei und in Frieden - für mich fühlt es sich an wie ein Versprechen. Fast biblisch. Ein Hauch von Paradies.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

21JUL2026
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Unter Motorradfahrern ist es üblich, dass sie einander kurz grüßen, wenn sie sich begegnen. Sie heben die Finger oder die Hand kurz an. Das signalisiert: „Ich habe Dich wahrgenommen. Schön, dass uns die Motorrad-Leidenschaft verbindet. Ich wünsche Dir gute Fahrt!“ Ähnlich erlebe ich es auch bei Stadtbusfahrern oder Fahrerinnen von Straßenbahnen. Wenn sie einander grüßen, dann bedeutet das: „Hallo, ich freue mich, Dich als Kollegen / als Kollegin zu treffen! Wir haben etwas gemeinsam: Wir sind im selben Beruf für die Menschen unterwegs. Ich wünsche Dir einen guten Tag - ohne technische Probleme und mit lieben Fahrgästen!“ Und wenn ich am Rheinufer jogge, dann passiert es manchmal, dass ein entgegenkommender Jogger kurz hersieht und wir einander mit einem Kopfnicken grüßen. So wird eine kleine Brücke von Mensch zu Mensch geschlagen. Darüber freue ich mich jedes Mal.

Ein solcher Gruß ist ein wichtiges Zeichen. Es gibt dem anderen zu verstehen: „Ich habe Dich gesehen, und Du bist mir nicht gleichgültig. Wir haben etwas gemeinsam, ein Hobby, den Beruf oder ein bestimmtes Interesse. Ich freue mich darüber, dass uns etwas verbindet.“ Ein solcher Gruß drückt aus, dass ich diesen Mitmenschen wertschätze und dass ich es mit ihm gut meine. Und das strahlt aus. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.  

Warum also nicht z.B. beim Aussteigen aus dem Bus den Fahrer kurz grüßen und ihm danken? Ein Gruß mit einem lieben Wort an die Kassiererin im Supermarkt, die ja auch für mich arbeitet – dieser Gruß kann wie ein kleines Licht in ihrer Routinearbeit sein. Weil sie dadurch spüren kann, dass ich sie wahrnehme und würdige. Und schon freut sie sich auf ein Wiedersehen. Im Alltag fördert jeder Gruß das Miteinander in unserer Gesellschaft, im Kleinen, aber wirksam.

In Bayern und Süddeutschland grüßt man sich übrigens traditionell mit „Grüß Gott!“ – was bedeutet: „Gott grüsse Dich! Gott segne Dich!“ Wenn ein solcher Wunsch bei einem Gruß mitschwingt, umso schöner!

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SWR4 Abendgedanken

21JUL2026
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Der Weg zum Mond ist weit. Es sind etwa 384.000 Kilometer. Unvorstellbar weit ist das. Und dennoch sind Menschen zum Mond gereist. Am 21.Juli 1969, also heute vor 57 Jahren, hat der Astronaut Neil Amstrong als erster Mensch den Mond betreten. Es war eine Sensation. Inzwischen haben es weitere 24 Menschen ihm gleichgetan und sind ebenfalls zum Mond gereist. In Zukunft soll es sogar noch weiter gehen: Zum Mars oder zu anderen Planeten in unserem Sonnensystem. Entfernungen spielen offenbar keine Rolle mehr.

Und doch: Es gibt Entfernungen, die sind viel schwerer zu überwinden als eine Reise zum Mond. Zum Beispiel der Weg zum Herzen eines anderen Menschen. Denn manchmal liegen Welten zwischen zwei Menschen. Fast jeder hat das schon mal schmerzhaft erlebt. Vertrauen ist zerbrochen. Worte haben verletzt. Man versteht einander nicht mehr. Oder der andere lebt in einer ganz anderen Welt – geprägt von einer anderen Kultur, anderen Erfahrungen, ganz anderen Vorstellen davon, was gut und böse, richtig und falsch ist. Der Abstand zwischen zwei Menschen kann unendlich groß sein. Man spricht die gleiche Sprache und versteht sich dennoch nicht. Eine Reise zum Mond ist dagegen ein Kinderspiel.

In der Bibel steht der Satz: „Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern.“ (Epheser 4,32) Das ist eine Art Anleitung dafür, wie ich das Herz eines anderen erreichen kann. Aber es ist ganz schön anspruchsvoll: Freundlichkeit, wo ich mich manchmal zurückziehen möchte, weil der andere Mensch mir weh tut. Vergebung, obwohl mich der andere verletzt hat. Vertrauen wagen, obwohl ich Angst habe, erneut enttäuscht zu werden.

Und doch beginnt genau hier der Weg zum Herzen eines Menschen. Mit Offenheit. Mit der Bereitschaft, neu auf den anderen zuzugehen. Mit dem Mut, den ersten Schritt zu machen – auch wenn ich nicht weiß, wie der andere reagiert.

Der Weg zum Mond mag weit sein – aber der Weg zu einem Herzen ist es auch. Doch dieser Weg lohnt sich.

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SWR3 Worte

21JUL2026
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Die Verhaltensforscherin Jane Goodall hat von ihrer Mutter gelernt, dass beides wichtig ist: Zuhören und seine eigene Meinung zu vertreten. Sie erinnerte sich:

„Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn jemand anderer Meinung ist als du, ist es wichtig, dass du ihm erst einmal zuhörst. Aber wenn du dann immer noch findest, dass du recht hast, musst du auch den Mut haben, zu deiner Meinung zu stehen.“

Jane Goodall auf dem Instagram-Kanal von Deutschlandfunkkultur, Beitrag vom 02.05.2025

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