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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08SEP2026
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Noch immer höre ich im Wetterbericht: „Am Nachmittag wird es freundlicher.“ Oder: „Heute erwartet uns schönes Wetter.“

Was war daran eigentlich freundlich? Wochenlang lag diesen Sommer ein Hoch über dem Land. Keine Wolke am Himmel. Die Sonne stach. Die Erde wurde hart. Die Pflanzen haben gelitten. Wildtiere haben sich am hellen Tag gezeigt, auf der Suche nach Wasser. Flüsse hatten auch zu wenig davon. Das soll schön sein?

Dabei ist diese Einteilung uralt. Schon zu Jesu Zeiten unterschied man so: „Ist der Himmel abends rot, wird es morgen schön. Ist er morgens rot und trüb, gibt es Regen.“ So lese ich es bei Matthäus. Zwei Kategorien, seit über 2000 Jahren: schönes Wetter oder schlechtes Wetter.

Nur: Diese alten Kategorien passen heute nicht mehr. Wochenlang kein Tropfen Regen ist heute keine schöne Aussicht mehr, sondern Dürre. Sinkende Grundwasserspiegel. Ernteausfälle. Der Klimawandel macht aus dem einfachen „schön oder schlecht“ eine Frage, die viel genauer angeschaut werden muss.

Ich will den Regen in Schutz nehmen. Er ist nicht unfreundlich. Wenn er ruhig fällt, kann er ein Segen sein. Er füllt Bäche und Brunnen. Er lässt Pflanzen wachsen. Er kühlt die Luft. Ein Regentag ist nicht schlecht, er ist einfach regnerisch. Okay, als ich kürzlich beim Open-Air-Konzert auf dem Killesberg in Stuttgart richtig nass geworden bin, lag mir auch eine andere Formulierung auf der Zunge…

Ich will zukünftig anders vom Wetter reden. Nicht sofort bewerten. Nur sagen: Es ist sonnig. Es ist trocken. Es regnet. Das reicht doch.

Das Gleiche gilt auch für unser Leben. Wir sprechen von guten und schlechten Tagen. Aber ein Tag ist nicht gut oder schlecht. Er ist einfach schwer. Oder still. Oder voller Fragen. Oder er kommt überraschend leicht daher. Auch Tränen sind nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Müdigkeit ist kein Versagen, eine Pause keine verlorene Zeit.

Wie auch immer sich die Tage anfühlen. Und wie auch immer das Wetter ist: eines weiß ich. Gott ist mit in meinem Leben. Seine Begleitung ist verlässlich.

Und deshalb muss ich auch gar nicht so tun, als sei alles nur schön. Und wenn das Leben sich mal wirklich bescheiden anfühlt, ist das auch nicht die Katastrophe. Denn ich weiß, ich bin dem allem nicht allein ausgesetzt.

Ich lebe davon, dass Gott da ist - in der Sonne, im Regen, im Gegenwind, in der Flaute. Und das trägt mich, selbst durch Dürre und Sturm.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

08SEP2026
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Mein Enkel blickt nachdenklich vor sich hin.
„Weißt du was?“ fragt er plötzlich.
„Wenn man stirbt…“ und jetzt klingt seine Stimme sehr gewichtig, „wenn man stirbt, kommt nur der Po in den Himmel.“
„Wirklich…? Wie kommst du denn da drauf?“
„Wir waren mit der Kita im Museum. Und da habe ich ein Skelett gesehen. Und das hatte keinen Po mehr.“

So viel zur vielgerühmten Augenhöhe! Sonst wäre ihm vermutlich aufgefallen, dass auch die Schultermuskulatur gefehlt hat, das Gesicht, und was man sonst noch auf den Rippen hat… Wenn er allerdings recht hätte, und der Himmel wird tatsächlich nur von Hinterteilen bevölkert, dann hätte ich wirklich wenig Lust, dort zu landen. 

Aber ich glaube: So funktioniert das nicht, mit dem Himmel. Da finde ich es viel überzeugender, wie der Apostel Paulus es beschreibt:
Unser irdischer Körper stirbt mit allem drum und dran - auch der Po. Und dann erhalten wir einen neuen Leib - aber nicht aus Materie, sondern aus Geist. Komplett schwerelos, also - und das sind nun wirklich himmlische Aussichten, für meine Begriffe, jedenfalls!

Zu meinem Enkel habe ich gesagt:
„Ich glaube, alles, was wir an unserem Körper anfassen können, stirbt. Aber unsere Gedanken und alles, was wir fühlen - das lebt weiter.“

Aber ihm hat seine eigene Vorstellung besser gefallen. Kinder beschäftigen sich eben auf ihre ganz eigene Weise mit dem Tod; sie begegnen ihm ja auch schon auf Schritt und Tritt: Hier eine tote Hummel, da eine tote Fliege, dort ein paar tote Käfer…

Und was Kinder intuitiv begreifen:
Es kommt keine Angst davor auf, wenn man ganz natürlich darüber spricht.
Und so widersprüchlich es auch klingen mag: Im Tod liegt sehr viel Lebendig-keit. Er macht das Leben wertvoll. Und er stimuliert die Fantasie. Wie bei meinem Enkel…

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SWR4 Abendgedanken

08SEP2026
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Vorstellungsrunden gibt es fast überall: im Job, der Schule, im Verein oder sogar auf Partys. Oft laufen sie nach demselben Muster ab: Name, Beruf, vielleicht noch ein Hobby. Manchmal sind sie zäh und fast schon langweilig. Ich erinnere mich aber an eine ganz besondere Vorstellungsrunde.
Das war auf einer Fortbildung und die Leiterin hat uns darum gebeten, dass wir anstelle der üblichen Floskeln, eine Anekdote zu unserem Vornamen erzählen sollten.
Es war verrückt. Von der ersten Person an, war ich voll dabei und habe allen aufmerksam zugehört. Was für ein bunter Blumenstrauß an persönlichen Geschichten da zusammengekommen ist. Von Zoe habe ich erfahren, dass ihr Name auf Altgriechisch „Leben“ heißt und dass sie so genannt wurde, weil ihre Oma kurz vor ihrer Geburt gestorben ist. Ulla hat erzählt, dass ihr eigentlicher Name Ursula ist, aber dass sie noch nie mit ihrem Geburtsnamen angesprochen wurde und dass ihr der Name auch ganz fremd ist. Und Jakob ist zu seinem Namen gekommen, weil seine Eltern sich beim Pilgern auf dem Jakobsweg kennengelernt haben.
Die zwanzig Männer und Frauen im Raum, von denen ich ja niemand vorher gekannt habe, sind viel greifbarer geworden. Denn sofort ist es um mehr gegangen, als nur um den eigenen Namen. Seit dieser Runde höre ich einen Satz aus der Bibel mit ganz anderen Ohren. Da sagt Gott einmal: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
Wenn hinter einem Namen so viele Geschichten und Erinnerungen stecken und Gott meinen Namen kennt, dann kennt er auch meine Geschichte. Und nicht nur die, die sich hinter meinem Namen versteckt.
Mir ist bewusst geworden: Namen schaffen Nähe. Wer mich beim Namen ruft, spricht immer auch ein Stück meiner Identität an. Und Namen drücken aus, dass man in Beziehung zueinander steht. Es macht einen Unterschied, ob ich mit „Entschuldigung, Sie da hinten“ angesprochen werde oder mit meinem Namen.
Eltern geben ihrem Kind einen Namen. Freunde sprechen einander mit Namen an. Und Gott kennt eben auch den Namen eines jeden Menschen. Auch bei ihm bin ich nicht eine unter vielen, sondern Gott nimmt mich bewusst wahr. Mit allem was mich ausmacht.
Von der Vorstellungsrunde von damals habe ich mir zwar nicht alle Namen merken können, aber mit jedem Namen ist ein Mensch sichtbar geworden. Und ich will mir vorstellen, dass es bei Gott genauso ist, wenn er sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

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SWR3 Gedanken

08SEP2026
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Was ist das für ein seltsames Verkehrsschild? Groß und schwarz mit drei weißen schrägen Streifen. Wie vor einem Bahnübergang, nur viel größer und schwarz.

Ich bin mit dem Motorrad unterwegs von Baden-Baden hoch in den Schwarzwald. Und dann die Auflösung: „Schweigekilometer für die Verunfallten“ steht da und darunter ein Motorradhandschuh mit Bikergruß: zwei abgespreizte Finger.

Schweigen kenne ich gut als Biker, weil man unter dem Helm nicht redet – mit wem auch. Da hat man Zeit, die Gedanken ziehen zu lassen. Hinter jedem Unfall steckt ein Drama, und Angehörige, die den Menschen vermissen, der da gestorben ist. Ich habe Norman beerdigt, die Urne war in den Farben seines Motorrads lackiert. Und ich denke an Martin, der seinen Unterschenkel verloren hat oder Christoph, der seit seinem Unfall nur mit einem Arm klar kommen muss.

Die Gedanken schweifen zu weiteren Kranken: Thorsten, dessen Niere nicht mehr richtig arbeitet oder Mona, die gerade untersucht wird und das Ergebnis noch nicht kennt. Ich denke auch an Amanda, die einfach umgekippt und gestorben ist, weil ein Blutgerinnsel eine Ader verstopft hat.

Vielleicht ist so ein Schweigekilometer genau das richtige für all diese Dramen – also einfach schweigen. Denn wie will man trösten, was will man erklären, wen verantwortlich machen? OK, auf Gott könnte man es schieben. Aber da ich überzeugt davon bin, dass Gott nichts ferner liegt, als uns leiden zu sehen, ist das keine Option. Deshalb schweige ich und halte es aus, nichts schönreden oder rechtfertigen zu wollen – geht ja auch gar nicht unterm Helm.

Und plötzlich ist der Schweigekilometer schon um, und ich sehe gerade noch das Schild „Gute Fahrt“. Aber das Nachdenken in meiner kleinen Helm-Welt - das geht garantiert weiter.

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SWR Kultur Wort zum Tag

08SEP2026
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Was ist wichtiger - Geld oder Liebe? Diese Frage hat sich mir in St. Tropez gestellt, wo ich mit VW-Bus und Familie unterwegs war.

Wir hatten unsere Handtücher zufällig in der Nähe eines teuren Beach-Clubs ausgelegt. Und während meine Frau ein Buch liest, und die Kinder im Meer nach Steinen tauchen, beobachte ich, wie immer wieder ein paar Leute mit einem motorisierten Schlauchboot von ihren Luxusyachten abgeholt werden und am Steg des Beach-Clubs an Land gehen. Dort trinken sie einen Aperol, essen zu Mittag oder fläzen sich in eine Lounge mit Sonnenschirm. Die kostet in der ersten Reihe 150,- pro Person - das hat meine Frau rausgekriegt. „Kein schlechtes Leben“, denke ich und stelle mir vor, was ich mir alles leisten würde, wenn ich so viel Geld hätte. Geld macht sicher vieles einfacher. Das merkt man vor allem, wenn es knapp ist.

Und dann beobachte ich noch eine Szene, ein paar Handtücher weiter. Da liegen zwei junge, frisch Verliebte am Strand. Sie sind offenbar sehr glücklich. Haben nichts als ein Handtuch und eine Wasserflasche dabei. Sie leben sprichwörtlich von Luft und Liebe - wie ein Gegenentwurf zu den Leuten im Beach-Club. Und sie scheinen nicht unglücklicher zu sein - im Gegenteil. Echte Liebe ist doch eigentlich das höchste der Gefühle. Und ich meine jetzt nicht nur die Liebe zu einer Partnerin, sondern auch zu den Eltern oder zu den eigenen Kindern. Für manche ist auch die Liebe zu Gott etwas ganz Großes.

Später laufen wir am Hafen von St. Tropez entlang. Die haushohen Luxusyachten dort sprengen jeden Rahmen, nicht nur finanziell. Sie sind so riesig, dass sie sogar die Sicht auf die Stadt verdecken. Aber dann entdeckt meine Frau eine Skulptur aus Metall. Ein Männchen, das knapp überm Boden schwebt. In der linken Hand einen schweren Geldsack, der es zu Boden zieht. Und in der Rechten ein Luftballon-Herz, das nach oben zieht. „Geld oder Liebe?“, scheint es zu fragen. Geld kann runterziehen, Liebe nach oben. Während ich die Skulptur betrachte, denke ich: Die passt gut hier her. Denn gerade wer viel Geld hat, sollte ab und zu überlegen, wie wichtig man es nimmt, ob es mich regiert, ob es mich gierig oder oberflächlich macht - runterzieht. Und wer nicht so viel davon hat, darf sich immer wieder bewusst machen, welch wunderbares Geschenk doch die Liebe ist.

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SWR3 Worte

08SEP2026
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Was das Entscheidende am Glauben ist, das formuliert Papst Leo XIV. so:

„Das Entscheidende am Glauben ist nicht, ob man an Gott glaubt oder nicht, sondern, dass man nach ihm auf der Suche ist.“

 

Quelle: Online am 1.7.26 unter: https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2026/10-2026/zitat-der-woche/

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

07SEP2026
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Heute, am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, ist ein Tag, an dem ich es ruhig angehen lasse. Ich werde mich, wenn’s geht, zurückziehen, denn ich brauche Zeit zum Nachdenken. So viele Gedanken schießen mir durch den Kopf: Warum unterstützen Leute, die sich benachteiligt fühlen, ausgerechnet eine Partei für Reiche? Warum gewinnen die, die schon konkrete Pläne für den Demokratie-Abbau in der Schublade haben?

Mich nimmt das sehr mit. Wenn das Wetter passt, gehe ich zwei Stunden in den Wald, denn beim Gehen kann ich immer ganz gut denken. Oder ich schnappe mir mein Strickzeug, denn Stricken beruhigt. Ich habe da ein Vorbild. Nicht für Waldspaziergänge und Stricken, sondern fürs sich Zurückziehen und sich pflegen lassen: Den Propheten Elia aus der Bibel.

Elia hatte mal eine Phase, da wurde es richtig schwierig für ihn. Er hatte eine entscheidende Abstimmung verloren, und dann wurde er auch noch von Feinden verfolgt. Er hat sich so schlecht gefühlt. Er war nicht nur wütend, er hatte auch Zukunftsängste. Er ist in die Wüste geflohen. In der Bibel wird berichtet, dass Gott Elia sieht und reagiert. Gott schickt Elia zweimal einen Engel mit Brot und Wasser vorbei. Es funktioniert. Elia kann schlafen, er kann sich erholen und kommt wieder zu Kräften.

Das brauche ich jetzt auch. Atmen, essen, schlafen. Damit nicht gleich wieder die großen Fragen da sind. Die Frage, warum viele Menschen heutzutage so blauäugig sind und Gefahren nicht erkennen. Die Frage, wie Menschen dazu gebracht werden können, genau auf die Fakten zu schauen, um zu wissen, was wahr ist. Die Frage, wie Menschen wieder miteinander ins Gespräch gebracht werden können, damit sie sich gegenseitig verstehen. Bevor ich überhaupt an Gespräche denken kann, brauche ich erstmal Zeit mit mir selbst und mit Gott. Elia hat damals erlebt, dass die Solidarität nicht tot war. 7.000 Leute standen auf seiner Seite. Für ihn war das ein Zeichen, dass alles gut ausgehen wird. Darauf will ich auch hoffen, dass genug Leute da sind, die mit mir auf die Gefahren aufmerksam machen. Genug, die erkennen, dass oft auch die, die sich besonders christlich geben, mit ihren Positionen weit weg vom Christentum sind. Ich setze darauf, dass es viele sind, denen Nächstenliebe und Solidarität wichtig sind. Und wenn ich morgen wieder mehr Kraft habe, werde ich mich auch wieder dafür einsetzen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07SEP2026
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Es gibt so viele Dinge, die brauchen zum Reifen nichts weiter als Zeit. Zeit und Geduld. Man muss nur mal der Schöpfung zuschauen.

Nehmen wir Zum Beispiel meine Tomaten. Die wachsen kein bisschen schneller, wenn ich mich grimmig vor sie hinstelle und auf die Uhr tippe.  Oder haben Sie schon mal Petersilie ausgesät? Da braucht es Wochen, bis das erste, zaghafte Grün aus dem Boden ragt.

Und erst unsere eigenen Sprösslinge: Die brauchen ganze neun Monate, um heranzureifen! Und wir können nichts dazu beitragen, außer uns umsichtig zu verhalten; und abwarten und geduldig sein. Von all den Geduldsproben, die uns erwarten, wenn sie erstmal auf der Welt sind, einmal ganz zu schweigen…

Und später dann, wenn alle die Erziehungsarbeit überstanden haben - und die Kinder aus dem Haus gehen und die Eltern zurückbleiben - dann heißt es wieder: Abwarten. Und geduldig sein. Und Zeit lassen, zum Nachreifen…

Und irgendwann wird man dann plötzlich überrascht. Da ruft beispielsweise unser Sohn an und sagt:
„Elterns, ich muss Euch unbedingt was erzählen: Gestern, bei der Hitze, hatte ich nach der Arbeit so eine Lust auf ein schönes, kaltes Bier! Ich hab mir eine Flasche geschnappt und hab mich genüsslich im Park auf die Wiese gesetzt.

Und als ich gerade ein zweites Mal daraus trinken will, hatte ich plötzlich eure ständigen Warnungen im Ohr:
Pass bloß auf, dass da keine Wespe drin ist!
Das habt Ihr mir wohl tausend Mal gesagt.
Ich hab gelacht, den Kopf geschüttelt und gesagt:
Okay, Elterns! Dann schaue ich halt erstmal nach.
Und was soll ich euch sagen? Da war doch tatsächlich eine Wespe in der Flasche!“

Das hat ihm womöglich das Leben gerettet. Ist das nicht unglaublich! Aber es hätte auch schiefgehen können...

Abwarten und geduldig sein ist echt kein Spaß. Vielleicht ist es sogar die größte Leistung, die wir erbringen können. Voller Hoffnung, aber ohne Garantie. Wie die Schöpfung auch.

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SWR4 Abendgedanken

07SEP2026
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Wenn eine Frau ihr erstes Kind erwartet, sind die Menschen drum herum oft auf ganz besondere Weise aufgeregt. Bei meiner Familie ist das gerade so, denn meine Schwester erwartet ihr erstes Kind. Besonders meine neunjährige Nichte Sophie, die Tochter meines Bruders, kann es gar nicht abwarten Cousine zu werden. Sie fiebert mit und ist total interessiert. Deshalb hat sie auch mitbekommen, dass meine Schwester lange nach einer Hebamme gesucht hat.
Als wir uns mal wieder mit der Familie getroffen haben, hat Sophie meine Schwester gefragt: „Hast du jetzt schon eine Bet-Amme?“. Wir haben uns alle amüsiert, denn sie hat mir nichts dir nichts, ein neues Wort erfunden, die „Bet-Amme“.
Was für ein goldiger Versprecher! Und irgendwie ist da ja auch etwas dran, an der Idee von einer Bet-Amme. Was die Hebamme für den medizinischen Bereich ist, das könnte eine Bet-Amme auf seelische Weise tun.
Denn ein Kind zu erwarten ist ja nicht nur etwas Medizinisches, da tut sich auch innerlich ganz viel. Das Leben verändert sich komplett. Aus einem Paar wird eine Familie, Verantwortungen wachsen, die Hoffnungen natürlich auch und manchmal auch die Sorgen. Und gerade die Geburt selbst ist unplanbar. Ein Ereignis bei dem man so sehr auf Hilfe angewiesen ist und doch über sich selbst hinauswächst.
Wie gut wäre es da, wenn alle werdenden Eltern eine oder gleich mehrere Bet-Ammen hätten. Also Menschen, die einfach da sind, zuhören und die kleinen und großen Veränderungen mit begleiten: Der Nachbar, der ein frisch gekochtes Mittagessen vorbeibringt, Freundinnen, die im Wochenbett zu Besuch kommen und die Wohnung aufräumen, oder Großeltern, die viel Zeit und Erfahrung mitbringen, bei
Fragen weiterhelfen und Sicherheit geben können. Und eben alle, die beten oder an die werdende Mutter und das Kind denken, wenn die Geburt losgeht.
Sophie hat ganz unbewusst ein Wort erfunden, dass in vielen Lebenslagen helfen kann: die Bet-Amme. Jemand, der begleitet, wenn das Leben eine neue Richtung einschlägt. Gerade wenn Neues beginnt, oder sich das Leben ganz plötzlich verändert, tut es gut zu wissen, dass da jemand ist, der einen im Herzen trägt und gute Gedanken zum Himmel schickt.
Was für ein Segen, wenn ich Menschen um mich habe, die sich nicht aufdrängen, aber mit mir mitgehen, Hoffnung schenken und gerade an den großen Wendepunkten des Lebens unterstützen. So eben wie eine ganz persönliche Bet-Amme.

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SWR3 Gedanken

07SEP2026
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Ich war bei einer „Wald-Erkundung“ dabei.  Und der Ranger hat die Gruppe einzeln mit kleinen Suchaufträgen in den Wald geschickt. Wir sollten ganz unterschiedliche Sachen suchen: was Rundes, was Eckiges, was Helles, was Dunkles, was Geordnetes oder was Chaotisches. Unsere Schätze haben wir auf einem Tuch gesammelt und bestaunt.

Dann hat der Ranger angekündigt: „So, das war der Grundkurs, jetzt kommt was für Profis.“ Und damit hat er uns neue Aufträge in die Hand gedrückt. Auf meinem stand: „Gehe in den Wald und suche Begeisterung. Mach ein Foto oder Video davon.“

Begeisterung im Wald? Ich war skeptisch. Aber kaum war ich losgezogen, da habe ich vier Schmetterlinge um eine seltsame lila Pflanze flattern sehen. Wenn das keine Begeisterung ist! Und dann habe ich Vögel gehört, die sich ein Frage-Antwort-Match geliefert haben, das es nur so gezwitschert hat. Am Bach über dem Wasser haben im Gegenlicht eine Menge kleiner Mücken getanzt. Und auch wie das Wasser gemurmelt und geplätschert hat war einfach hinreißend. Kurz: Ich habe Begeisterung gefunden – mitten im Wald.

Als wir uns die Ergebnisse unserer Suche angeschaut haben, war die ganze Gruppe ergriffen: Niemand hätte diese Vielfalt im Wald vermutet: Begeisterung, Genügsamkeit, Überfluss, Balance, Endlosigkeit – alles war da. Und ich bin mit zwei Dingen heimgegangen. Erstens war ich total erholt und erfüllt. Und zweitens hat mich der Gedanke nicht losgelassen: Gottes Schöpfung ist so reich, und wenn man aufmerksam draufschaut, dann kann man einfach nur dankbar sein und staunen.

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