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SWR2 Lied zum Sonntag

23JAN2022
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Das neue Jahr hat erst begonnen, die Vorsätze sind noch frisch – und zum Jahreswechsel geschmiedete Pläne warten auf ihre Umsetzung. Ob mir das, was ich mir vorgenommen haben, gelingt? Und ob es wirklich gute Ideen sind – oder doch eher nicht?
Diese Fragen hat sich schon des 17. Jahrhunderts schon Paul Gerhardt gestellt. Als Pfarrer und Dichter hat er seine Antwort darauf in Liedverse gefasst.

Musik Strophe1

Ich weiß, Herr, dass des Menschen Tun nicht in seiner Gewalt steht, und es liegt in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte. (Jeremia 10.23)

Vorspiel und Strophe 2, Jersak

Das Bibelzitat aus dem Buch Jeremia, das Paul Gerhardt zu diesem Lied inspiriert hat, klingt für meine Ohren erstmal nicht sehr ermutigend: Ja, mach nur deine Pläne – es liegt sowieso nicht in deiner Hand, ob sie gelingen. Dann kann ich es ja gleich sein lassen. Aber so resigniert ist es nicht gemeint.

Strophe 2

Paul Gerhardt, das zeigen die weiteren Strophen seines Liedes, findet durchaus, dass wir tätig werden sollen – und auch etwas schaffen können.

Vorspiel und Strophe 9, Jersak

Aber er weiß auch: Ob es wirklich gut wird oder nicht, das liegt eben nicht nur an uns selbst. So verstanden, entlastet mich diese Erkenntnis. Und macht es mir möglich, um Hilfe zu bitten, wenn es schwer wird. So wie Paul Gerhardt es tut:

Strophe 9

Was aber will ich überhaupt tun? Was ist ein guter Plan – für das neue Jahr oder für den Tag heute? Was hat Aussicht auf Erfolg? Auch das hat Paul Gerhardt bedacht. Es gibt Pläne, sagt er, die sind zum Scheitern verurteilt. Und er beschreibt das mit einem Bild aus der Bergpredigt Jesu:

Strophe 3

Ein Vorhaben, das nicht auf Sand gebaut ist, ein aussichtsreicher Plan – für Paul Gerhardt ist das einer, der nicht nur mir selbst und meinem Vorteil dient. Der vielmehr auch das Wohl anderer im Blick hat – und deshalb auch Gott gefällt.

Woher aber soll ich das wissen? Besonders, wenn ein Vorhaben das nächste jagt und kaum Zeit zum Nachdenken bleibt. Paul Gerhardt plädiert mit seinem Lied deshalb für etwas, für das er selbst noch kein Wort brauchte: für Entschleunigung. Um herauszufinden, ob mein Vorhaben gut ist, brauche ich Muße. Das Gespräch mit anderen, das Hineinhören in mich selbst – und auch in den Resonanzraum Gottes, in seine Ideen für mich.

Strophe 5, Chor der Friedenskirche Heidelberg

Und wenn das alles nicht hilft und ich trotzdem nicht weiß, ob meine Pläne für morgen etwas taugen? Wenn die letzten vielleicht auch gescheitert sind? Dann, sagt Paul Gerhardt, bin ich trotzdem gehalten bei Gott – und kann gespannt sein, was er noch mit mir vorhat: Du bist mein Vater, ich dein Kind: was ich bei mir nicht hab und find, hast du zu aller G‘nüge.

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