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SWR2 Lied zum Sonntag

07AUG2022
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Es ist ein kleines, unscheinbares Liederbuch mit rotem Einband und einem merkwürdigen Namen. Die Mundorgel. Eine bunte Sammlung von Wander- und Fahrtenliedern. Entstanden Anfang der 1950er Jahre auf einem Sommerlager des Christlichen Vereins Junger Menschen in Köln.

Generationen von jungen Leuten sind mit der Mundorgel aufgewachsen. Auch mich hat das kleine Liederbuch in meiner Jugend begleitet. Heute ist es ein wenig aus der Mode gekommen. Aber nach wie vor finden sich in der Mundorgel Lieder, die es wert sind, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Wie der taufrische Morgenchoral „Es tagt, der Sonne Morgenstrahl“.

Musik

Es tagt, der Sonne Morgenstrahl
weckt alle Kreatur.
Der Vögel froher Frühchoral
begrüßt des Lichtes Spur.
Es singt und jubelt überall,
erwacht sind Wald und Flur.

Mich erinnert diese Strophe an den biblischen Psalm 108, in dem es heißt: „Wach auf meine Seele! Wach auf, Psalter und Harfe! Ich will das Morgenrot wecken. Ich will dir lobsingen unter den Leuten. Denn deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist, und deine Treue, so weit die Wolken gehen!“

Vielleicht hat sich Walter Gneist, von dem Text und Melodie des Liedes stammen, von diesem Psalm inspirieren lassen. Walter Gneist kam 1898 in Ulm zur Welt, schloss sich in den 1920er Jahren der Singbewegung an und arbeitete später als Musiklehrer und Komponist im schwäbischen Kirchheim unter Teck.

Mir gefällt besonders an seinem Lied, wie einfühlsam er den richtigen Ton trifft, um den Zauber eines sommerlich frühen Morgens draußen in der Natur einzufangen.

Und seine Einladung, mitzumachen und miteinzustimmen in die wunderbare Morgenstimmung! Denn, so heißt es in der nächsten Strophe: „Wem nicht geschenkt ein Stimmelein, zu singen froh und frei, der stimmt auf seine Art mit ein, wie schön der Morgen sei.“

Musik

Wem nicht geschenkt ein Stimmelein
Zu singen froh und frei,
Mischt doch darum sein Lob darein
Mit Gaben mancherlei
Und stimmt auf seine Art mit ein,
Wie schön der Morgen sei.

Ich denke, man muss dieses Lied am besten draußen hören und singen, unter freiem Himmel.

Denn da entfaltet es seinen ganzen Zauber. Bringt zum Klingen, was sich den Augen an Schönheiten bietet. Weckt die Sinne für die Vielfalt dessen, was da kreucht und fleucht. Beleuchtet die Schöpfung in allen ihren Farben.

Und endet mit dem großen Lob des Schöpfers: „Ein Morgenchor, an Freuden reich, zu Gottes Lob und Preis“!

Ich wünsche Ihnen mit diesem Lied einen aufgeweckten Sonntagmorgen!

Musik

Zuletzt erschwingt sich flammengleich
Mit Stimmen laut und leis’
Aus Wald und Feld, aus Bach und Teich,
Aus aller Schöpfung Kreis
Ein Morgenchor, an Freude reich,
Zu Gottes Lob und Preis.                                 

                                       

CD: Kein schöner Land. Knabenchor capella vocalis, Leitung Eckhard Weyand, Hänssler Verlag 1999, LC  06047

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