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SWR2 Lied zum Sonntag

17JAN2021
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Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus
Gotteslob. Aus dem Choralwerk-Zyklus "Das Heilige Jahr", für Orgel
Ahrens, Joseph | Ahrens, Sieglinde

 

Geht das: in diesen Zeiten ein Loblied auf Gott anzustimmen? Ich habe heute bewusst eines ausgewählt. Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus. Kann man das, wo eine Pandemie die Welt verändert, wo viele sterben, andere in ihrer Existenz bedroht sind? Die Welt als Schöpfung Gottes, wie der glaubende Mensch sie betrachtet, scheint kompliziert zu sein. Es mag uns schwer fallen sie zu lesen und zu begreifen. Aber die Spuren Gottes im Kosmos sind trotzdem da.

 

Gotteslobvideo (GL 381): Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus
gesungen von der Mädchenkantorei und Knabenchor am Dom St. Petrus zu Osnabrück im Dom St. Petrus in Osnabrück.

https://www.katholisch.de/video/15106-gotteslobvideo-gl-381-dein-lob-herr-ruft-der-himmel-aus

 

(1) Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus,
das blaue, lichterfüllte Haus,
mit so viel Zung`n als Sternen.
Der weiße Tag, die schwarze Nacht,
wann sie abwechseln von der Wacht,
sie kündens aus den Fernen.

 

Es gibt Leute, die behaupten, es sei einfach, an Gott zu glauben. Bequem. Etwas für schlichte Gemüter, die einen Lückenbüßer brauchen, weil sie auf die grundlegenden Fragen keine Antworten finden. Gläubige Menschen beantworten diese Fragen immer mit Gott. Das stimmt. Aber dass diese Antwort simpel, gar eine Ausrede sei, das denke ich gerade nicht. An Gott zu glauben ist anspruchsvoll, weil ich nie aufgeben will, auf der Suche nach IHM zu bleiben. Zu glauben ist ein lebenslanger Weg, ein unentwegtes Fragen und Zweifeln. Ich sehe eine Spur von Gott, verwerfe sie wieder. Ich halte fest und lasse los. Ich kreise um Gott mit allem Verstand, den ich habe. So, dass ich am Ende immer dahin komme, letztlich doch Gott zu loben. Auch in der aktuellen Pandemie.

 

Postludium, op 100, 6 (für Orgel) Orgelwerke, Vol. 2
Baumann, Max | Haas, Rosalinde

(3) Die Sonne ist des Himmels Ehr,
doch dein Gesetz, Herr, noch viel mehr,
das Du uns hast gegeben;
so trostreich, so gerecht und wahr,
so licht und mehr als sonnenklar,
erhellt es unser Leben.

 

Glauben bedeutet für mich: Gott zu loben im Auf und Ab meiner Existenz. Eben nicht nur an guten Tagen, im Glück, sondern auch wenn es um mich dunkel wird. Wenn ich es schaffe, an ihm festzuhalten, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz. Das ist auch der Grundtenor des Lieds, das ich Ihnen heute vorstelle. Der Dichter hat sich dabei an einem Lobgesang aus dem biblischen Buch der Psalmen orientiert. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk deiner Hände, heißt es am Beginn von Psalm 19. Ausgangspunkt ist also die Schöpfung. Gott hat die Welt gemacht und es gibt Grund genug, ihn dafür zu loben, was er gemacht und wie er es gemacht hat. Das zeigt auch der Dreiertakt, der an einen Reigentanz erinnert und die harmonische Gliederung der Melodie mit ihren gleichlangen Zeilen.

Nun geht aber nicht alles so, wie wir es uns wünschen oder es uns guttut. Das verschweigt das Lied nicht. Aber es lenkt den Blick auf die andere Seite und hält uns den Spiegel vor:

 

Postludium, op 100, 6 (für Orgel) Orgelwerke, Vol. 2
Baumann, Max | Haas, Rosalinde

(4) Behüt mich vor der stolzen Welt, 
die allen Sinn dahingestellt, 
von Dir mich abzuwenden.
Wann sie nicht wird mein Meister sein, 
so bleib ich, durch die Gnade rein, 
in Deinen guten Händen.

Am Ende steht die Bitte. Wer glaubt, legt sein Leben und die ganze Welt in Gottes Hand. Im festen Vertrauen, Gott werde nicht untergehen lassen, was er gemacht hat.

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