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Der britische Informatiker William Tunstall-Pedoe hat vor einigen Jahren in Cambridge ein Computerprogramm mit sage und schreibe 300 Millionen Daten gefüttert. Offensichtlich war ihm gerade langweilig. Und so wollte er wissen, welcher Tag der langweiligste Tag im gesamten 20. Jahrhundert gewesen ist. Das Ergebnis: Es war ein 11. April, und zwar im Jahr 1954. An diesem Tag hat sich, so scheint es, nicht wirklich etwas Berichtenswertes oder für die Menschheit Relevantes zugetragen. Zumindest, wenn man große Maßstäbe anlegt wie eben insgesamt 300 Millionen weltgeschichtliche Ereignisse, Geburten oder Todesfälle von berühmten Persönlichkeiten, eine spektakuläre Erfindung oder Uraufführung oder sportliche Höchstleistungen und so weiter. All die Daten, mit denen William Tunstall-Pedoe das Computerprogramm gefüttert hat.
Die Bibel sieht das anders als William Tunstall Pedoe. Sie konzentriert sich nicht auf Berühmtheiten. Jede und jeder einzelne bekommt hier immer wieder gesagt: Gott sieht dich. Und Gott findet es ganz und gar nicht langweilig, dich zu begleiten. Wenn du dich dann einmal langweilen solltest – dann langweilt sich Gott halt mit, so geht Liebe. Ob dir dann mit Gott zusammen immer noch langweilig ist, das könnt ihr ja anschließend miteinander herausfinden.
Was Krieg, Verbrechen und Katastrophen angeht, darf es ruhig mehr langweilige Tage geben. Das ist mir schon seit langem nicht langweilig genug. Ansonsten aber ist das mit der Langeweile so eine Sache:
Eines der wenigem vom Computerprogramm errechneten wenigstens halbwegs erwähnenswerten Ereignissen am 11. April 1954 ist die Geburt der türkischen Wissenschaftlers Abdullah Attalar von der Universität Ankara. Als der tatsächlich gefragt wird, wie es ist, am langweiligsten Tag des ganzen Jahrhunderts auf die Welt gekommen zu sein, da ruft er seine Mutter an. Die muss lachen. Denn für Attalars Mutter war es überhaupt kein langweiliger Tag. Sondern ein weltbewegender: Sie hat ihr erstes Kind auf die Welt gebracht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44200Es gibt für mich keinen hartnäckigeren Menschen als Abraham. Dem erzählt Gott in der Bibel, was er mit Sodom und Gomorrha vorhat: nämlich vernichten. Diese beiden Städte sind in der Bibel legendär für ihre Verbrechen – also kein Verlust, wenn sie von der Landkarte verschwinden.
Abraham sieht das anders. Kein Ort ist nur schlecht. Überall tun Menschen Gutes. Überall gibt es Gerechte. Also beginnt Abrahm mit Gott zu feilschen. Wenn es um Menschenleben geht, kennt Abraham keine Scheu. Auch nicht vor Gott und dessen Plänen. Abraham argumentiert und bittet, und er packt Gott bei seiner Ehre:
Gott, Du bist der Richter aller Welt. Du bist gerecht. Du kannst doch unmöglich die Guten mit den Bösen in einen Topf werfen. Im Gegenteil: Sollte nicht die Stadt wegen der Guten bestehen bleiben? Es könnten doch, sagen wir mal, fünfzig Gerechte dort leben.
Gott verspricht ihm: In dem Fall wird die ganze Stadt verschont.
Ein schöner Erfolg für Abraham. Aber er ist noch nicht zufrieden. Für Abraham war das erst der Einstieg in die Verhandlungen mit Gott. Denn es könnte ja sein, dass es fünf weniger sind, also fünfundvierzig. Diese fünf können doch unmöglich den Unterschied machen.
Das muss Gott natürlich einsehen. Und nachdem das Gespräch zwischen Gott und Abraham einmal diese Wendung genommen hat, sind für Gott dann auch konsequenterweise nur vierzig okay. Gilt das auch für dreißig? Ja, das gilt auch für dreißig. – Der traut sich was, der Abraham! Und Abraham bleibt hartnäckig: Was ist mit zwanzig? Ob Gott das Gespräch noch geheuer ist? Aber was soll er jetzt noch sagen, also: Dreißig waren in Ordnung, also sind es auch zwanzig.
Allmählich kommen wir den einstelligen Zahlen gefährlich nahe: Und wenn es nur zehn wären? Auch zehn Gerechte werden von Gott akzeptiert, bevor er das Gespräch beendet; wer weiß, was Abraham sonst zu guter Letzt noch ausgehandelt hätte.
Ich finde Abraham einfach unglaublich. Auch Gott, der mit sich reden lässt, ist nicht schlecht. Aber Abraham: der tritt ein für Gerechtigkeit, statt Vernichtung und Untergang das Wort zu reden. Die Botschaft ist klar: Trau dich was, setz dich ein für Gerechtigkeit, und bleib dran!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44199„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Das waren die letzten Worte von Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer und Widerstandskämpfer. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte er sich immer wieder gegen deren Herrschaft ausgesprochen. Er litt darunter, wie die Nazis die Ängste seiner Landsleute ausnutzten und sie zum Hass aufstacheln konnten. Wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation 1945 wurde Bonhoeffer noch ermordet. Als Gegner der Diktatur sollte er nicht überleben und musste auf Befehl Hitlers sterben. 39 Jahre wurde er alt.
„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Gerade erst haben wir Ostern gefeiert. Für Bonhoeffer war die Osterbotschaft die wichtigste Botschaft von allen: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Der Tod hat bei Gott keine Chance und alle Todbringenden auch nicht. Und allen, die gestorben sind, schenkt Gott einen neuen Anfang und ein neues Leben.
Dietrich Bonhoeffer hat dabei nicht nur an das Jenseits, nicht nur an sich selbst im Himmel gedacht. Er war voller Hoffnung, dass es auch für die Menschen auf der Erde einen neuen Anfang geben kann. Einem Freund in England ließ er kurz vor seiner Ermordung ausrichten, woran er glaubt: „eine universelle christliche Brüderlichkeit, die über nationale Interessen hinausgeht“. Er war überzeugt, dass die Nächstenliebe den Menschen den richtigen Weg zeigen kann.
Wir leben heute immer noch in einer Welt des Krieges. Angesichts all der Todbringer unserer Gegenwart sind unser Vertrauen und unser Mut gefragt – und unser Einsatz dafür, dass alle Menschen weltweit als Geschwister zusammenleben können. Gott selbst steht den Menschen dabei zur Seite. Dietrich Bonhoeffer hat für Gottes Begleitung schöne und gute Worte gefunden. In seiner Gefängniszelle hat er vor seiner Ermordung seine berühmtesten Zeilen gedichtet:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jeden neuen Tag.“ – Ostern, das Fest für das Leben, liegt hinter uns, aber die Zeit für das Leben beginnt gerade erst.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44198Vögel zu beobachten ist gerade stark im Kommen/liegt gerade voll im Trend In England, wo viele einen „Spleen“ haben, ist das keine Überraschung. Aber auch hier bei uns in Deutschland greifen immer mehr Menschen zum Fernglas, beobachten Vögel und lauschen ihrem Gesang. Schon frühmorgens ziehen sie hinaus, bei Wind und Wetter. Und notieren ihre Beobachtungen möglichst präzise.
Das dient zum einen oft der Bestandsaufnahme: Wie viele Vögel leben hier, welche Arten sind vertreten. Aber gleichzeitig hat das Beobachten auch Auswirkungen auf den Vogelfreund. Denn nun ist in mehreren Studien wissenschaftlich untersucht und bewiesen: Das Beobachten von Vögeln, das sogenannte „Birding“, macht Menschen glücklich. Es schärft die Beobachtungsgabe: Manchmal muss man schon genau hinschauen, um Unterschiede zu entdecken, damit sich ein Vogel bestimmen lässt. Und man braucht dabei einiges an Ausdauer: Hektik verwandelt sich in Ruhe, Ungeduld in die Fähigkeit zu warten. Die Hirnströme von Vogelbeobachtern, so genannten „Birdern“, zeigen diese positive Entwicklung ganz deutlich.
Einer der ersten Birder war tatsächlich schon vor zweitausend Jahren unterwegs: Jesus hat den Himmel und die Vögel unter dem Himmel genau betrachtet. Das Ergebnis seiner Beobachtungen hat er so zusammengefasst:
„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch!“
Ich stelle mir den Vogelbeobachter Jesus als einen glücklichen Menschen vor. Denn er hat Vögel gründlich beobachtet und ihnen dabei zugesehen, was sie den lieben langen Tag so machen. Natürlich machen die Vögel etwas, sie suchen ihre Nahrung, und das Tag für Tag. Sie tun es mit dem täglichen Segen Gottes.
Für mich ist das, was Jesus hier sagt, einer seiner schönsten und wichtigsten Sätze. Denn er gibt mir die Zuversicht, dass diese Erde und alle Geschöpfe darauf und wir Menschen mittendrin eine Zukunft haben – der himmlische Vater ernährt die Vögel und wird auch uns nicht vergessen. Sein Segen gilt auch uns.
Also ab nach draußen: Und das Fernglas nicht vergessen! Seht die Vögel unter dem Himmel und werft dabei einen Blick auf Gottes Segen. Das ist gut für die Nerven und macht glücklich.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44197Wir alle sind aus Sternenstaub. Ja, wir Menschen stammen tatsächlich von Sternen ab. Manchmal passen Poesie und Wissenschaft doch zusammen. Und auch bei Wissenschaft kann einem schon einmal ganz poetisch zumute werden. Denn, liebe Sternenstaublerinnen und Sternenstaubler, wir bestehen zum allergrößten Teil aus Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff. Diese Elemente stammen aber wiederum aus längst erloschenen Sternen. Und als diese Sterne einstens explodiert sind, wurden zwar nicht wir, aber doch diese Elemente, unsere Ausgangsprodukte, als Staub ins Universum hinausgeschleudert – und landeten dann auch auf dem Klumpen, der einmal unsere Erde werden sollte. Auf der Erde wurden dann, ganz, ganz langsam und allmählich, zunächst viele andere Lebensformen und schließlich wir aus diesen Elementen zusammengebaut. Ich finde es sehr beachtlich, dass aus solchen elementaren Bausteinen im Laufe von Milliarden von Jahren das menschliche Leben entstanden ist. Wenn ich mir allein schon die großen Lieferwege und die lange Lieferkette anschaue!
Einer, der das Universum mit allem Drum und Dran, diesen Sternenstaub und damit letztlich sich selbst erforscht, ist Richard D’Souza. Er ist Priester und Astronom und der Direktor der päpstlichen Sternwarte. Für ihn gehören die Sehnsucht nach dem Jenseits und die Wissenschaft untrennbar zusammen. Und er findet, dass genau diese Sehnsucht die Menschen weltweit verbindet: Die Menschen in Indien, woher er kommt, mit denen in Europa, Amerika, Afrika, überall auf der Erde. Richard D’Souza erinnert daran, dass wir neugierigen Menschen von Anfang an ergründen wollten, was es mit unserer Herkunft auf sich hat. Schon die Bibel hat sich einen Reim darauf gemacht:
Am Anfang ist die Erde nichts als wüst und leer, tohowabohu. Dann: Es werde Licht. Dann Pflanzen und Tiere. Dann, als Teil davon, der Mensch. Was für ein Weg! Was für ein Wunder! Wie großartig, was aus Staub alles werden kann! Wie wunderbar, dass wir Sternenstaubler heute die Sterne betrachten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44196Heute ist Karsamstag, der Tag der Grabesruhe Jesu.
An das Leid der Eltern Jesu habe ich früher nicht gedacht. Aber jeder weiß, dass es der größte Schmerz für Familien ist, wenn die Jüngeren vor den Älteren sterben. Sei es Krankheit, ein Unfall, wir haben das Gefühl: das darf nicht sein.
Das Sterben soll möglichst der Reihe nach gehen, sagt eine innere Überzeugung.
Erst die Großeltern, dann die Eltern, dann die Kinder.
So wird es auch Maria und Josef gegangen sein am Tag nach der Kreuzigung.
Es gibt aber nicht nur den körperlichen Tod, der Familienmitglieder voneinander trennt.
Etwas ganz anderes – aber auch ganz schlimm:
es gibt zunehmend mehr Familien, wo erwachsene Kinder sich von ihren Eltern trennen. Den Kontakt reduzieren oder ganz abbrechen. Das ist dann nicht „höhere Gewalt“, sondern eine bewusste Entscheidung.
Schmerzlich für beide Seiten: die Eltern können nichts tun, wenn Sohn oder Tochter schweigen. Die „Kinder“ treffen die Entscheidung natürlich auch nicht leichtfertig, und : es schmerzt sie vermutlich manchmal auch.
Wenn Enkel betroffen sind, wird es noch schwieriger: haben die ein Recht auf Opa und Oma, auch wenn die Eltern nicht dafür sind?
Für verwaiste und auch für verlassene Eltern gibt es heute Selbsthilfegruppen. Da können sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Trost finden.
Und ich persönlich glaube, dass es nach dem Tod, im Himmel, Platz gibt für alle getrennten Familien, dass Gott die Tränen abwischt und alle menschlichen Streitigkeiten durch seine umfassende Liebe auflöst.
Ich stelle mir vor, dass auch Jesu Eltern Maria und Josef das nach ihrem Tod so erlebt haben: dass sie wieder zusammen sein dürfen bei Gott.
Das ist meine Osterhoffnung.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44137Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz.
Betrieb wie immer in dem hohen, weitläufigen Treppenhaus. Nur im Erdgeschoss ist etwas anders:
Ein Tisch mit 12 Stühlen.
Auf dem Tisch ein Krug mit Wein und ein Teller mit Brot.
Spoiler: die Szene mit dem letzten Abendmahl, Jesus mit seinen Jüngern; es gibt wirklich viele Darstellungen davon.
Im Krankenhaus denkt man aber erst mal nicht an so was.
Mancher setzt sich an den Tisch, um kurz Pause zu machen oder um ein Formular auszufüllen. Ist das Brot für alle? Was ist in dem Krug? Manche riechen daran.
Viele schauen irritiert und überlegen, was das heute soll.
Und immer wieder stellt jemand den 13. Stuhl, der umgeflogen scheint, wieder ordentlich dazu. Das Team der Krankenhausseelsorge beobachtet die Szene und spricht diese ordentlichen Menschen an. Der 13. Stuhl soll Judas verdeutlichen, der vom Essen weggelaufen ist, um Jesus an die Römer zu verraten.
Das leuchtet unmittelbar ein und es ergibt sich manches gute Gespräch.
Die schönen freien Tage im Frühjahr sind ja nicht einfach so frei, sondern, weil wir Christen da etwas zu feiern haben. Aufgeteilt auf drei Tage:
den Gründonnerstag als Erinnerung an die Gemeinschaft von Jesus und seinen Freunden. Den stillen Karfreitag als Tag des Mitleidens mit Jesus und mit allen Menschen, die Leid ertragen müssen oder sterben.
Und den Ostersonntag als Fest für alle, die daran glauben, dass Gott Jesus nicht dem Tod überlassen hat. Und auch uns nicht dem Tod überlässt.
Diejenigen, die keine Christen sind, freuen sich einfach über das schöne lange Wochenende. Manche nennen es Hasenfest und rasen am Car-Friday über den Nürburgring.
Mir ist etwas anderes wichtig.
Ein Tisch mit 12 Stühlen erinnert mich heute daran:
Gott hat das letzte Wort, nicht der Tod. Seine Zeichen stehen auf Grün – nicht nur am sogenannten Gründonnerstag.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44136Orgelkonzert in Maria Laach, dem bekannten Kloster in der Eifel, mittags um 12.00.
Es ist Fastenzeit.
Auf dem musikalischen Programm steht der Kreuzweg von Jean Marie Plum, ein belgischer Komponist, leider ziemlich unbekannt bei uns. Geboren 1899. Gestorben schon mit 45 Jahren.
Den 1. Weltkrieg hat er als Jugendlicher miterlebt. Vielleicht hat er deshalb sein Werk „Via crucis“ (Kreuzweg) den Opfern des Krieges gewidmet. Er kannte das Elend ja aus dem 1. Weltkrieg und erlebte jetzt grade den Beginn des 2. Weltkrieges mit.
Es sind 14 kurze Orgelmeditationen zu den Kreuzwegstationen. Kreuzwege gibt es in vielen Orten in der Natur, als Bildstöcke. Und sie hängen in vielen Kirchen, so auch hier in der Abteikirche in Maria Laach.
- Station: Jesus wird zum Tod verurteilt. Ich höre das in der Musik: fremdartig, traurig. 2. Station: Jesus nimmt das Kreuz. Dunkle Molltöne.
Dann: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz, ich höre sein Stolpern und Fallen.
Jesus begegnet seiner Mutter – hier wird die Musik weicher, freundlicher, wechselt in Dur.
Noch heller: Simon hilft Jesus , das Kreuz tragen. Die Erleichterung ist hörbar. Endlich die Last teilen, ein Freund geht mit.
Es wird dann musikalisch wieder dunkler bis zur Kreuzigung,
die Hammerschläge sind klar zu erkennen.
Nach der letzten Station: Jesus wird ins Grab gelegt, wird es jetzt leise und sanft an der Orgel. Der Organist hatte gebeten, dass Stille sein soll, kein Applaus.
Also gehen wir ruhig in den hellen Mittag und sicher nicht nur ich denke an die vielen Menschen, die heute, auch in dieser Stunde, schwere Wege gehen und Leid ertragen müssen.
Jesus half die Hoffnung auf seinen Vater. Das ist auch meine Hoffnung: egal, wie schwer das Leben manchmal ist: Gott sieht die Tränen und wird sie abwischen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44135Felix muss ins Krankenhaus. Er ist 3 und eigentlich bedeutet ja Felix: der Glückliche, aber er hat Pech. Eine Fistel in seinem Hals geht seit Monaten nicht weg und die muss jetzt im Krankenhaus operiert werden. Ein Foto nach dem ersten Saft – ein Betäubungsmittel – zeigt ihn mit seligem Lächeln. Die Mutter hatte ihm das Ganze als Abenteuer dargestellt und eigentlich ist er stolz, morgen seinem Bruder erklären zu können, was er erlebt hat. Obwohl er auch ein bißchen Angst hat.
Dann geht es im Bett los über lange Flure in den OP. Jetzt weint er doch. Vor der Tür kommt eine Schwester, legt ihm einen Zugang für die Narkose und erklärt ihm: jetzt schläfst du gleich und wenn du aufwachst, ist schon wieder alles vorbei.
Felix schaut, überlegt sich das mit dem Schlafen und fängt dann an zu singen: Lalelu nur der Mann im Mond schaut zu wenn die kleinen
Babys schlafen, drum schlaf auch du.
Die Erwachsenen im Operationssaal sind sprachlos, einige gerührt, alle lächeln.
Ich finde, er macht seinem Namen Felix alle Ehre.
Das Abendritual von zuhause kann er selbst anwenden. Er glaubt seiner Mutter, dass alles gut gehen wird.
Als Erwachsene weiß ich: es geht nicht immer alles gut. Aber statt mich aufzuregen, könnte ich öfter versuchen, mich selbst zu beruhigen. Vielleicht mit dem Lied meiner Mutter: wer nur den lieben Gott lässt walten. Darin gibt es die Zeile: sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu.
Das hat meine Mutter in vielen Krisen ihres Lebens vor sich hingesummt. Ich summe es auch, wenn ich nachts zwischen 2 und 4 wachliege und mich Ängste plagen.
Das meine tun – und ansonsten auf Gott vertrauen – oder zumindest auf seine Hilfe hoffen – damit komme ich auch durch manche Krise.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44134Heute ist Karmontag. Klar, das Wort gibt es nicht, aber die Karwoche hat angefangen. Manche sagen Osterwoche, weil sie schon Osterferien haben, aber es ist die traurige Woche, kar kommt von kara, das bedeutet weinen. Viele Menschen gehen in dieser Woche in Gedanken den Weg von Jesus mit, der am sogenannten Kar-Freitag ans Kreuz geschlagen wurde und gestorben ist.
Als Kinder fanden wir schon die Fastenzeit traurig, so ganz ohne Schoko, aber obwohl die Mutter ein Süßmäulchen war, verzichtete sie selbst auch.
Seit vielen Jahren ist fasten wieder in. In ganz unterschiedlichen Arten. Handyfasten, das machen viele, einfach nicht mehr so viel mit dem Handy spielen, sondern am richtigen Leben teilnehmen.
Oder 7 Wochen ohne, wie es die evangelischen Christen nennen: 7 Wochen ohne Alkohol – oder weniger Zigaretten – oder ohne missmutige Reden – in diesem Jahr:
ohne Härte.
Im Bistum Trier gibt es auch seit vielen Jahren das Auto-fasten. In diesen 7 Wochen so wenig wie möglich Auto fahren, lieber zufuß gehen oder Fahrrad oder Bus oder zumindest Fahrgemeinschaften bilden.
Ich kann es auch positiv fassen: 7 Wochen täglich 5000 Schritte gehen – oder täglich einen Anruf bei Bekannten machen und so Kontakte pflegen – oder jeden Tag 2 Euro in ein Marmeladenglas und nach Ostern einer Organisation spenden, der ich vertraue.
Es gibt 1000 Möglichkeiten, dem eigenen Leben eine andere Richtung zu geben.
Wenn es sich bewährt, kann ich es beibehalten.
Wenn es nach 7 Wochen zu schwer ist oder für mein Leben nicht geeignet, lasse ich es eben wieder.
Und wenn ich bis jetzt nix besonderes gemacht habe in dieser Fastenzeit, dann habe ich ab jetzt diese eine Kar-Woche, um heute damit anzufangen.
6 Tage anders als sonst, von heute bis Samstag.
Dann ist Ostern.
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