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Als unsere Kinder klein waren, hatte ich immer mal wieder das Gefühl, dass sie viel mehr wahrnehmen als ich. Mal schauten sie wie gebannt auf eine Stelle im Zimmer, als gäbe es da etwas Besonderes zu entdecken – aber für mich war da nichts. Mal hatten sie Angst an Stellen und Orten, die ich so gar nicht zum Fürchten fand. Oder Orte im Garten oder im Wald zogen sie magisch an ohne dass ich mir erklären konnte, warum. Wenn ich sie gefragt habe, was denn los ist, erklärten sie mir, dass sie etwas gesehen oder gehört haben. Oder, dass sie dort etwas Spannendes vermutet haben.
So befremdlich für mich das Verhalten meiner Kinder manchmal war, trotzdem habe ich mich auch bei dem Gedanken erwischt: „Vielleicht gibt es da doch etwas. Etwas, was ich nicht entdecken, nicht wahrnehmen kann – nicht fühle. Vielleicht auch: nicht mehr fühle.“ Ich erinnere mich, dass die Natur in meiner Kindheit für mich auch voller Geheimnisse war. Heute überfällt mich dieser Schauer des Geheimnisvollen, den ich nicht erklären kann, nur noch selten. Aber manchmal zum Glück doch noch. Und ich liebe solche Momente: Sie sind eine Erinnerung daran, dass es mehr gibt, als ich in diesem Moment sehe und wahrnehme. Dass ich eingebettet bin in Gottes Schöpfung und verwoben bin mit Gottes Welt.
Was seltsam klingen kann, ist mir wichtig geworden, gerade weil es sicher mehr gibt als das, was wir sehen. „Es gibt auf dieser Welt viel mehr, als Du sehen kannst.“ Diese Wahrheit hat der Dichter Matthias Claudius schon vor über 200 Jahre wunderbar in Worte gefasst. Er hat in dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ gedichtet: „Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen Sie nicht sehn.“ (Matthias Claudius, Der Mond ist aufgegangen, Strophe 3)
Ich möchte offen sein, für das, was ich nicht sofort wahrnehme. Offen sein, für mehr als das, was offensichtlich ist. Das ist mir wichtig geworden, um mehr von der Welt zu sehen.
Auch Ihnen wünsche ich heute offene Sinne für die Menschen und für die Welt, die sie umgibt. Für das, was erst auf den zweiten Blick zu sehen ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45305Was hilft Ihnen, zur Ruhe zu kommen? Zu sich selbst zu finden? Ihr Zentrum zu spüren? Vielleicht ein Waldspaziergang? Vielleicht joggen oder meditieren Sie? Vielleicht brauchen Sie dafür Ihre Familie oder ein gutes Buch oder die Lieblingsserie im Fernsehen.
Bei mir gibt es verschiedene Wege, wieder zu mir zu kommen. Mal klappt bei mir das eine, mal das andere besser. Aber was immer gleich ist: Mein Zentrum ist das Herz. Wenn sich die Gedankenwolken lichten, wenn Ruhe und Ordnung in mich kommen – dann spüre ich mein Herz in mir. Es entspannt sich und füllt meinen Körper gleichmäßig und ruhig aus. Diese neue Ruhe stärkt mich von meiner Mitte, aus meinem Herzen heraus.
Ich habe mich eigentlich immer für einen Kopfmenschen gehalten – aber wenn ich es richtig besehe, bin ich ein Herzmensch. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass meine Herzensmenschen am besten dazu beitragen, dass ich wieder zur Ruhe komme, dass ich mein Zentrum, meine Mitte finde. Dass ausgerechnet diese Menschen es sind, die mich manchmal auch am schnellsten aus der Ruhe bringen können, nehme ich dafür gerne in Kauf.
Bei Kopfmenschen mag das anders sein – da sind es vielleicht weniger Menschen, als vielmehr Situationen, Worte oder Dinge, die sie zur Ruhe bringen - aber eben auch wieder aus der Ruhe heraus.
Was sind Sie: Herz- oder Kopfmensch? Wo liegt ihr Zentrum? Was bringt sie aus der Ruhe – und was hilft Ihnen, wieder zur Ruhe zu kommen?
Wie auch immer: Ich finde, es ist nicht das eine besser oder schlechter als das andere. Wichtig ist, zu wissen, wie ich meine Mitte wieder finde, und was mir dabei hilft. Ich muss schauen, wie ich mit mir umgehe und was meine Aufgabe im Leben ist, damit mein Herz und mein Kopf im Einklang sind.
Egal ob Kopf- oder Herzmensch: Kommen Sie gut durch den Tag!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45304Gewalt ist schlimm. Und Gewalterfahrungen können Menschen lange begleiten, manchmal ein ganzes Leben. Deshalb sind Schutzkonzepte gegen Gewalt entwickelt worden. Zum Beispiel in Kirche und Diakonie, aber auch in Vereinen, Schulen und Unternehmen. So soll Gewalt verhindert werden, bevor sie entsteht. Und wenn doch etwas passiert, sollen die Schutzkonzepte einen offenen und klaren Umgang mit einem Vorfall sicherstellen. Und zwar bei allen Arten von Gewalt. Denn Gewalt kann viele Formen haben: Körperliche, sexuelle, seelische oder auch verbale Gewalt.
Gerade die möchte ich heute in den Blick nehmen: verbale Gewalt. Also Gewalt die durch Worte wirkt. Und ich meine hier nicht nur offensichtliche verbale Gewalt wie Beschimpfungen, Beleidigungen oder Hasstiraden. Auch scheinbar unscheinbare Worte und Sätze können verletzen und als Gewalt erlebt werden.
Wenn z.B. der Lehrer beim Austeilen der Klassenarbeit sagt: „Wenn sogar Sven eine drei hat, dann kann die Klausur ja nicht so schwierig gewesen sein“. Oder wenn bei der Mannschaftswahl fürs Fußballspiel gesagt wird: „Na dann nehmen wir heute mal Julia zuerst, dann fühlt sie sich nicht so schlecht, am Ende landet sie eh bei uns.“ –
Ich glaube wir alle kennen solche Sätze – vielleicht oft gar nicht wirklich böse gemeint– aber sie tun trotzdem weh. Manchmal jahrelang. Sie setzen sich in Menschen fest und tun weh. Sätze, die sitzen.
Sensibilität, Zugewandtheit und einen liebevollen Umgang kann man leider mit keinem Schutzkonzept sicherstellen. Denn zunächst einmal ist es ein Stück Papier, das mit Leben gefüllt werden muss. Da kommt es auf uns alle an: Nicht einfach schnell mal einen Satz raushauen, sondern erst denken, dann reden. Und wenn es doch passiert ist, wenn ich doch jemanden verletzt habe mit meinen Worten, dann bitte wenigstens nicht kleinreden nach dem Motto: So habe ich das doch nicht gemeint. Sondern zuhören und ernst nehmen, wenn es mein Gegenüber schafft mir zu sagen – „Du, das hat mit echt getroffen, das hat mich verletzt“. Und mich dann entschuldigen. Und beim nächsten Mal ein bisschen behutsamer mit meinen Worten umgehen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45303„Es geht mir nur um die Sache.“ Diesen Satz hört man oft, wenn jemand in einer Diskussion sehr engagiert seine Position vertritt, vielleicht sogar verletzend wird. Ich frage mich dann immer: Warum passiert das? Warum schießt hier Jemand so über das Ziel hinaus?
Ich glaube, dass es etwas mit dem Herzen zu tun hat. Wenn es mir wirklich nur um die Sache geht, dann steuert eher der Kopf. Und dann schieße ich seltener über das Ziel hinaus. Ich überlege genauer, was ich wann und vor allem wie ich es sage. Ich wäge ab, wie ich am besten zu meinem Ziel komme. Dabei kann ich mich stärker von der Sache selbst distanzieren und sachlich argumentieren. Aber wenn ich mit dem Herzen bei der Sache bin, zumal mit vollem Herzen, geht es irgendwie um mehr. Dann bin ich viel stärker mit dem Thema verbunden. Es berührt mich. Ich bin emotional beteiligt. Dann wird es schwieriger, zwischen der Sache selbst und mir zu unterscheiden.
Mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein bedeutet alles daran zu hängen, sich voll und ganz rein zu begeben: Mit meiner ganzen Kraft, mit meinen ganzen Emotionen. Und weil ich mich ganz und gar hineinbegebe, ist es oft so schwierig, wenn meine Mitmenschen nicht mitgehen oder mitmachen. Dann fühle ich mich unverstanden, fühle ich mich allein gelassen und ohnmächtig und ja, dann schieße ich leicht über das Ziel hinaus und werde verletzend. Das will ich nicht. Dann sage ich entschuldigend: „Aber es geht mir doch um die Sache!“
Schwierig.
Denn ich will nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit vollem Herzen bei der Sache sein. Denn ich bin anders, wenn ich mit ganzem Herzen bei der Sache bin. Dann bin ich voll dabei.
Nicht umsonst heißt es beim Doppelgebot der Liebe in der Bibel „Liebe Gott von ganzem Herzen und mit ganzer Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Vielleicht ist genau das die Herausforderung: Mit ganzem Herzen bei der Sache sein und gleichzeitig Kritik an der Sache nicht persönlich zu nehmen und dadurch ein offenes Herz für den anderen zu behalten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45302Seit unsere Tochter in Leipzig lebt, entdecke ich nach und nach diese Stadt. Vor 1990 war sie für mich unerreichbar. Jetzt setze ich mich einfach in den Zug und fahre hin. So wie in jede andere Stadt. Aber Leipzig ist nicht jede andere Stadt. In der Nikolaikirche finden ab 1982 die Friedensgebete statt. Gemeinsam beten, singen, schweigen und sich austauschen. Einer der wenigen Orte in der DDR, an denen Menschen ihrer Nöte, Sorgen und Anliegen ungestraft aussprechen dürfen. Aus den kleinen Anfängen wächst eine Bewegung. Auch, weil viele Betende danach auf dem Nikolaikirchhof bleiben, sich vernetzen, ins Gespräch kommen.
Aus diesen Friedensgebeten heraus nehmen dann die Montagsdemonstrationen ihren Anfang. Sie führen zum Ende des DDR-Unrechtsstaates. Einer, der dabei war, Christian Führer, Pfarrer der Nikolaikirche, zitiert die Reaktion der Staatsmacht so: „Wir hatten alles geplant, wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Auf Kerzen und Gebete hat der Staatsapparat keine Antwort.
Oft genug diskutiere ich mit Menschen über den Glauben. Sie fragen mich, welchen Sinn der christliche Glaube hat. Wie das mit Gott ist. Obs Gott überhaupt gibt. Und wenn ja, wofür. Schwierige Fragen. Auf die ich oft nur annäherungsweise Antworten geben kann. Eine lautet: Der Glaube zeigt, dass mit Kerzen und Gebeten die Welt besser werden kann. Dass die Ohnmacht am Ende gewinnt. So wie ein ohnmächtiger Jesus am Kreuz stirbt. So wie Gott scheinbar ohnmächtig ist, angesichts von Leid und Tod. Aber im Glauben an diesen ohnmächtigen Gott kann Macht gebrochen werden. Können Menschen aufstehen und sich zusammenschließen. Können neue Kraft gewinnen.
Die Anfänge der Friedlichen Revolution und der Fall der Mauer zeigen das eindrücklich und rufen mir das heute, am Tag der deutschen Einheit, in Erinnerung.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45286Hier im Radio spreche ich. Und auch sonst viel und oft. Mit meiner Frau, mit der Nachbarin, im Chor, an der Kasse, ins Telefon. Sprache dient der Verständigung. Sprache hilft, Gedanken in Worte zu fassen, miteinander zu kommunizieren. Sprache macht menschliche Gemeinschaft möglich. Das aber setzt voraus, dass die Sprache der Wahrheit dient. Sonst wäre ein gutes Gespräch kaum möglich. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten sich immer überlegen, ob das stimmt, was jemand sagt. Ein Gespräch käme so nicht auf. Jede Lüge entspringt demnach einem Missbrauch der Sprache. Das Problem: Wenn Menschen falsche Versprechungen machen, für ihre Zwecke lügen, andere verleumden, dann verliert das Wort seinen Wert. Denn worauf soll man sich dann noch verlassen?
Umgekehrt gilt: Wahrheit ist ein schweres Geschäft. Vor allem, wenn sie Konsequenzen hat. So kommt etwa in der Antike den Zeugen enorme Bedeutung zu. Lügen Zeugen, dann kann dies den Angeklagten um Ehre, Eigentum und manchmal auch um das Leben bringen. Wahrheit wird da zur bitteren Notwendigkeit.
Heute ist das nur wenig anders. Mit Worten lassen sich Menschen ausgrenzen, in die Ecke stellen, in Verzweiflung stürzen. Durch die sozialen Medien kann das verstärkt werden. Sie sorgen dafür, dass manches Wort ewig überdauert. Für eine Hölle schon auf Erden sorgt.
Eine Ahnung davon, wie wichtig Sprache ist, liefert die Bibel. Das Johannesevangelium setzt mit dem berühmten Satz ein „Am Anfang war das Wort“. Nicht Gott oder der Mensch, nicht der Urknall oder das Nichts. Es ist das Wort, das alles anfangen lässt, das einen Beginn setzt. Lässt sich Tag für Tag erfahren: Da ruft mich jemand an – und die Sonne geht auf. Da diskutieren wir miteinander und merken: Wir können reden und müssen nicht gegeneinander kämpfen. Da sagt mir jemand „Ich mag dich“. Das trägt mich durch die ganze Woche. Jedes einzelne Wort ist wichtig. Und gerade deshalb ist jeder Mensch gefragt, mit der Sprache und seinen Worten weise umzugehen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45285Nach einem Umzug, im Urlaub, an einer neuen Arbeitsstelle lässt sich diese Erfahrung machen: Fremd zu sein. Nicht zu wissen, wie man sich verhält, was üblich ist, wie man sich anzuziehen hat oder worüber man besser nicht spricht.
Solche Fremdheitserfahrungen machen auch die ersten Christinnen und Christen in der griechischen und römischen Welt. Sie gelten als Außenseiter. Werden isoliert. Oft auch diskriminiert. Es sind dunkle Zeiten für Glaubende.
Wie die frühen Gemeinden damit umgehen? Sie haben zwei Strategien. Zum einen rufen sie sich in Erinnerung, dass alle Menschen Gäste und Fremde auf der Erde sind. Dass alle nur für eine kurze Zeit da sind. Sie werden geboren, leben und sterben. Das menschliche Leben: Nur ein winziger Augenblick in der Geschichte der Menschheit. In der Geschichte des Universums erst recht.
Zum anderen sehen sie auf ihre Gemeinschaft. Sie erleben da, wie Menschen friedlich und in einem Geist miteinander leben können. Erleben ein Stück Himmel auf Erden. Natürlich gabs auch im frühen Christentum Streit und Konflikte. Aber auch die Erfahrung: Menschen können Licht füreinander sein, wenn sie füreinander einstehen, füreinander da sind, miteinander leben.
Mit diesen Erfahrungen der frühen Christinnen und Christen kann ich auf meine Gegenwart sehen. Ich frage mich, was es taugt, Menschen in Fremd und Nicht-Fremd zu unterteilen. Sicher: Es ist manchmal hilfreich, zu wissen, wer wo herkommt. Aber oft genug wird dabei übersehen, dass jeder Mensch immer irgendwo fremd ist. Dass jeder Mensch nur Gast auf dieser Erde ist. Ich bin fest davon überzeugt: Das verbindet uns viel mehr, als das, was uns möglicherweise trennt. Für mich ein Grund, immer wieder auf Menschen zuzugehen. Statt auf das Fremde auf das Verbindende zu sehen. Und mich so von den Menschen, denen ich begegne, beschenken und überraschen zu lassen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45284Ich muss gestehen, ein bisschen mulmig war mir schon zumute. Der Rucksack stand bereit, die Schuhe geputzt und die Zugfahrkarte war gebucht. Eigentlich alles bestens. Ich wollte zu einer Pilgertour aufbrechen. Das erste Mal. Ob ich das schaffe? Durchhalte, wenn die Füße weh tun, die nächsten Höhenmeter anstehen, mich verlaufe und kein Schatten in Sicht ist? „Das klappt schon“, meint meine Tochter. „Du wirst sehen“.
Das Wort Pilgern kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „in der Fremde sein“. Ja genau das macht mir so ein mulmiges Gefühl. Die Fremde, die reizt und gleichzeitig ist es das Unbekannte, das mir Angst macht. Beides rumort in mir und heute bin ich heilfroh, dass die Ängste ich nicht gebremst haben. Die Fremde, die unbekannten Wege, die Menschen, die mir zufällig begegnen, die Stille, die einfachen Unterkünfte – alles Erfahrungen, die mich bereichert haben. Und über all das, was mir scheinbar zufällig auf den fremden Wegen begegnet ist und sich ergeben hat, kann ich im Nachhinein nur staunen: Der Trinkbrunnen, der genau dann auftaucht, wenn die Wasserflasche fast leer ist. Die helfende Hand über den wackligen Steg. Und weil mir die Sprache fremd war, hab ich mich gefreut, wenn ich mich trotzdem mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch verständigen konnte und meist alles in ein herzhaftes Lachen mündete.
Die Bilder und Eindrücke der Pilgertour bleiben in mir. Und ich hoffe, dass sie mich stärken, wenn ich mich wieder mal fremd fühle. Dann kann ich mich erinnern, wie bereichernd das Fremde sein kann. Mit ein bisschen Mut und ganz viel Gottvertrauen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45246Michael, Raphael, Gabriel – drei Engel, die einen Namen haben. Heute ist ihr Gedenktag. Und diese drei werden in der katholischen Kirche als Erzengel bezeichnet.
Ganz ehrlich, mit dem Wort kann ich wenig anfangen. Das klingt in meinen Ohren verstaubt und altbacken. Erzengel bedeutet so viel wie „Oberengel“. Sorry, aber das ist nicht mein Fall. Soll es etwa auch noch bei den Engeln eine Hierarchie geben?
Ob mit oder ohne Namen, unter Engeln verstehe ich Boten zwischen Gott und den Menschen. Und diese drei, Michael, Raphael und Gabriel, sie stehen für ganz unterschiedliche Aspekte Gottes. Das wiederum finde ich schön und damit kann ich auch was anfangen.
Da ist Gabriel. Bekannt aus der Weihnachtserzählung. Er bringt Maria die Botschaft, dass sie ein ganz besonderes Kind zur Welt bringen wird.
Oder Raphael, der in der Bibel den Israeliten Tobit begleitet. Ganz unscheinbar, aber äußerst hilfreich.
Und schließlich Michael. Im letzten Buch der Bibel wird er als Kämpfer gegen das Böse vorgestellt.
Die Erzählungen zeigen mir, wie in dieser Welt schon ein Stück Himmel erfahrbar werden kann. Engel bringen mir Gott nahe, machen mir deutlich, wie sich Gott mitten in unserem Alltag zeigt. Manchmal überraschend, manchmal ganz versteckt oder auch ganz offensichtlich. Und das Beste: Durch Menschen wie du und ich. So kommt es, dass auch ich hin und wieder zu jemandem sage: „Du bist ein Engel“. Das kann die Nachbarin sein oder der Freund.
Es sind Momente, in denen ich spüre: Da ist jemand für mich da. Da kommt Hilfe zur rechten Zeit. Da hat jemand ein gutes Wort für mich eingelegt oder eine Hand ausgestreckt nach einer Auseinandersetzung. Und das finde ich weder verstaubt noch altbacken, sondern richtig gut!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45245Der erste Eindruck – der ist oft entscheidend. Wenn ich fremden Menschen begegne, zum Beispiel. Oder ein neues Kleidungsstück anprobiere oder auch, wenn ich einen fremden Raum betrete. Da achte ich meist sehr bewusst auf den ersten Eindruck.
So habe ich das bei einer Wanderung erlebt. Eher zufällig habe ich am Weg eine kleine Kapelle entdeckt. Ich war überrascht, dass die Tür offen war. Also bin ich hineingegangen. Langsam. Erst einmal bin ich stehen geblieben. Habe die Stille auf mich wirken lassen. Bin ein paar Schritte weiter gegangen und habe die Akustik ausprobiert und dann mit der Hand die alten Steine berührt. Es war schön, diesen Ort so behutsam zu erkunden, mich von der Atmosphäre berühren und den Raum auf mich wirken zu lassen. Ein erster Eindruck.
Ganz ähnlich war es auch bei meinem letzten Krankenbesuch. Ich wusste: Die Frau, zu der ich gerufen wurde, hat nicht mehr lange zu leben. Sie wollte noch einmal besucht werden und mit einer Seelsorgerin sprechen. Da ist klar: In so ein Zimmer gehe ich nicht einfach hinein. Da klopfe ich an. Warte einen Moment. Und dann taste ich mich langsam vor. Zu dem Menschen hinter der Tür. Zur Situation, die mich erwartet. Und ich versuche zu spüren, was jetzt dran íst – und was eben auch nicht. Dieser erste Eindruck ist mir besonders wichtig und er hilft mir, mich auf das, was kommt, einzustellen.
Für mich sind das sehr besondere Momente. Momente, die ich versuche, ganz bewusst wahrzunehmen. Höre. Rieche. Schaue. Spüre. Mich innerlich öffne für das, was mir begegnet. So wie in dem Krankenzimmer. So wie in der alten Kapelle. Wenn es mir gelingt, für einen Moment ganz da zu sein, dann ahne ich: Gott ist es jetzt auch.
Der erste Eindruck – der ist oft entscheidend. Wenn ich fremden Menschen begegne, zum Beispiel. Oder ein neues Kleidungsstück anprobiere oder auch, wenn ich einen fremden Raum betrete. Da achte ich meist sehr bewusst auf den ersten Eindruck.
So habe ich das bei einer Wanderung erlebt. Eher zufällig habe ich am Weg eine kleine Kapelle entdeckt. Ich war überrascht, dass die Tür offen war. Also bin ich hineingegangen. Langsam. Erst einmal bin ich stehen geblieben. Habe die Stille auf mich wirken lassen. Bin ein paar Schritte weiter gegangen und habe die Akustik ausprobiert und dann mit der Hand die alten Steine berührt. Es war schön, diesen Ort so behutsam zu erkunden, mich von der Atmosphäre berühren und den Raum auf mich wirken zu lassen. Ein erster Eindruck.
Ganz ähnlich war es auch bei meinem letzten Krankenbesuch. Ich wusste: Die Frau, zu der ich gerufen wurde, hat nicht mehr lange zu leben. Sie wollte noch einmal besucht werden und mit einer Seelsorgerin sprechen. Da ist klar: In so ein Zimmer gehe ich nicht einfach hinein. Da klopfe ich an. Warte einen Moment. Und dann taste ich mich langsam vor. Zu dem Menschen hinter der Tür. Zur Situation, die mich erwartet. Und ich versuche zu spüren, was jetzt dran íst – und was eben auch nicht. Dieser erste Eindruck ist mir besonders wichtig und er hilft mir, mich auf das, was kommt, einzustellen.
Für mich sind das sehr besondere Momente. Momente, die ich versuche, ganz bewusst wahrzunehmen. Höre. Rieche. Schaue. Spüre. Mich innerlich öffne für das, was mir begegnet. So wie in dem Krankenzimmer. So wie in der alten Kapelle. Wenn es mir gelingt, für einen Moment ganz da zu sein, dann ahne ich: Gott ist es jetzt auch.
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