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06JUN2026
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Auf dem großen Platz am Ingelheimer Rathaus stand im Mai ein langer Tisch. 30 Meter lang! Unser großer Esstisch zuhause ist ungefähr zwei Meter lang. 15mal unser Esstisch hintereinander – das ist eine eindrucksvolle Tafel! Menschen sind neugierig geworden, stehen geblieben, haben sich dazu gesetzt, sind ins Gespräch gekommen. Manchmal gab’s auch Musik am Tisch oder Interviews mit Leuten, die auf ungewöhnlichen Wegen nach Ingelheim gekommen sind. Und genau so war’s auch gedacht: Ein „Bunter Tisch der Vielfalt“.

Für mich war dieser Tisch noch mehr als nur eine Aktion in der Stadt. Für mich ist damit ein Stück Himmel auf die Erde geholt worden. Jesus erzählt einmal davon, dass es genau so sein wird, wenn Gottes Reich bei uns Wirklichkeit wird:

Aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt zu Tisch sitzen. (Lukas 13,29)

Was für ein Bild: Menschen aus allen Ländern dieser Erde sitzen gemeinsam an einem Tisch. Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Sprachen und Erfahrungen. Alle zu Gast bei Gott. Alle friedlich beisammen und interessiert aneinander.

Oft ist unsere Welt noch sehr weit entfernt von diesem wunderbaren Bild. Der „Bunte Tisch der Vielfalt“ hat auch nur für zwei Wochen auf dem Rathausplatz gestanden. Aber wie schön, dass es solche Hoffnungsorte gibt. Orte, an denen Frieden ganz niederschwellig beginnen kann. An denen nicht immer nur die zusammensitzen, die sich sonst auch begegnen. An denen jemand ein Stück zur Seite rückt und sagt: „Hier ist noch Platz.“, auch wenn er den anderen nicht kennt. Orte, an denen plötzlich Zeit und Raum ist, damit Menschen wirklich anfangen, sich kennen zu lernen.

Ich habe so jedenfalls mal wieder gemerkt, dass es sich lohnt, ein Stück zur Seite zu rücken und Platz zu machen für jemanden, der mir fremd ist. Dass mein Leben bunter und reicher wird durch neue Begegnungen. Manchmal beginnt Gottes Reich ganz unscheinbar an einem Tisch mitten in der Stadt.

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05JUN2026
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Ich habe eine Freundin in Ungarn. Ihr Sohn und meine Tochter sind fast genau gleich alt. Als sie klein waren, haben sie oft miteinander gespielt. Und einmal kam meine Tochter Paula wutentbrannt zu mir: „Der Janos hört nicht auf mich! Ich sag ihm, jetzt bin ich dran auf der Rutsche. Aber er hört einfach nicht auf mich!“ Janos spricht nur ungarisch. Paula nur deutsch. Er konnte sie gar nicht verstehen. Am Ende ist Paula handgreiflich geworden. Sie hat ihn von der Rutsche geschubst. Und dann waren beide beleidigt.

Meine Freundin und ich lachen noch heute miteinander über diese Geschichte. Aber sie fällt mir auch ein, wenn ich wieder mal feststelle, wie oft Menschen aneinander vorbeireden. Nicht nur, weil sie verschiedene Sprachen sprechen. Sondern weil sie unterschiedlich denken, fühlen und leben. Das passiert in der Familie. In der Politik. In der Kirche. Menschen reden und reden– aber manchmal erreichen sie einander einfach nicht. Und manchmal werden Worte dann hart und ungerecht. Oder Menschen reden gar nicht mehr miteinander. Oder werden sogar, wie meine Tochter, irgendwann handgreiflich.

Vor kurzem haben wir Pfingsten gefeiert. Und die Pfingstgeschichte erzählt davon, dass in Jerusalem Menschen aus aller Herren Länder zu einem großen Fest zusammenkommen. Alle sprechen unterschiedliche Sprachen. Keine gute Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis. Aber dann geschieht etwas Besonderes: Die Jünger Jesu erzählen begeistert von Gottes Liebe – und jeder, der ihnen zuhört, spürt diese Liebe.

Ich finde das bemerkenswert: Gottes Geist verbindet Menschen nicht dadurch, dass alle gleich werden. Sondern dadurch, dass Menschen einander verstehen wollen und so Brücken zueinander finden. Da wird dann aus „Der hört nicht auf mich!“ ein „Ich versuche dich zu verstehen.“ In einer Welt voller Stimmen, Sprachen und Meinungen, brauchen wir diesen Geist, der uns hilft, nicht gleich ungeduldig zu werden. Sondern kurz innezuhalten. Hinzuhören. Und einander verstehen zu wollen.

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03JUN2026
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Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Fahrradfahren gelernt habe. Ich war vier, mächtig stolz und überzeugt:  Ich kann das jetzt. Genauso wie meine große Schwester. Deshalb habe ich gedrängelt, dass die Stützräder endlich weggemacht werden. An einem Samstagvormittag war es dann so weit:  Mein Vater hat die Stützräder abgeschraubt, und ich habe mich voller Stolz auf mein orangerotes Fahrrad gesetzt. Und – bin umgefallen.  Ich musste lernen, dass so ein Fahrrad mit seinen zwei schmalen Reifen erst stabil wird, wenn man losfährt. Meinen Vater hat das viel Mühe gekostet. Denn er musste bei meinen weiteren Fahrversuchen die ganze Zeit hinterherrennen und mich am Sattel festhalten. Irgendwann hat er einfach losgelassen. Und das Wunder ist passiert: Ich bin mühelos weitergefahren.

Ich habe gemerkt: Es trägt. Ich komme vorwärts. Es funktioniert tatsächlich.
Ich finde, dass Fahrradfahren und Glauben da eine ganze Menge gemeinsam haben.

Manchmal sagt jemand zu mir: „Ich kann erst an Gott glauben, wenn ich Beweise habe, dass es ihn gibt.“ Aber vom Fahrradfahren weiß ich: Auch der Glaube funktioniert gar nicht so, dass erst alle Zweifel verschwinden und man dann sicher losglauben kann.

Ich erlebe: Beim Glauben ist es wie beim Fahrradfahren: Ich muss einfach mal loslegen. Obwohl ich nicht alles weiß. Sonst komme ich nicht vom Fleck. Vielleicht ein Gebet sprechen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es jemand hört. Vertrauen wagen, Schritt für Schritt. Die Stabilität kommt dann unterwegs. Dass mein Glaube mich trägt, das habe ich  oft erst mitten im Leben gemerkt.

Heute, am 3. Juni, ist der „Tag des Fahrradfahrens“. Ein Tag für etwas, das viele jeden Tag wie selbstverständlich tun. Trotzdem ist Fahrradfahren für mich ein kleines Wunder geblieben: Denn man bleibt nur im Gleichgewicht, wenn man sich bewegt. Und genauso erlebe ich meinen Glauben: nicht als fertige Sicherheit, sondern als Vertrauen auf dem Weg. Einfach losfahren — und irgendwann überrascht feststellen: Ich werde getragen. Wie wunderbar!

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02JUN2026
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Ein Marienkäfer landet auf meinem Arm. Und natürlich zähle ich sofort seine Punkte. Sieben Stück. Volle Punktzahl! Schutz und Segen für den ganzen Tag – so habe ich das jedenfalls von meiner Oma gelernt.

Und sofort sind sie wieder da, meine Erinnerungen aus der Kindheit: Mit meinen Freundinnen und Freunden habe ich Nachmittage lang Marienkäfer in den Wiesen gesammelt. Zu Hause, in meinem Sandkasten, haben wir den kleinen Käfern dann Wohnlandschaften gebaut. Haben Marienkäfer-Häuser eingerichtet und dafür mit Gras und Moos winzige Sandmulden ausgepolstert. Und Verbindungsstraßen gebaut zwischen den einzelnen Häusern, damit sie sich gegenseitig besuchen können. Die Marienkäfer sollten sich bei uns wohlfühlen. Wir wollten sie unbedingt behalten, weil sie doch Glück bringen. Aber am nächsten Morgen waren sie immer verschwunden. Davongeflogen.

Eigentlich seltsam, dass ich mir nie die Frage gestellt habe, warum sie überhaupt Marienkäfer heißen?

Sie haben ihren Namen tatsächlich von Maria, der Mutter Jesu. Im Mittelalter haben sie ihren Namen bekommen: „Tiere der Maria“. Denn Marienkäfer fressen Blattläuse und haben damit so manche Ernte gerettet. So sind sie zum Zeichen geworden für Schutz und Gottes Fürsorge. Zu einem Glückszeichen.

So ein Glückszeichen tut mir auch heute gut. Etwas landet genau im richtigen Augenblick auf meinem Arm, kreuzt meinen Weg, lässt mich aufmerken. So ist es mir jedenfalls mit diesem kleinen Marienkäfer gegangen. Ich sehe ihn nicht als Zauberwesen. Aber vielleicht als liebevollen Fingerzeig. Als würde Gott sagen: „Hey du, ich bin da!“

Festhalten kann ich diesen Glücksmoment nicht. Marienkäfer nicht. Segen nicht. Gottes Nähe manchmal auch nicht. Aber ich kann sie spüren. Für einen Augenblick. Und vielleicht reicht das schon, um glücklicher weiterzugehen.

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01JUN2026
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Schon der Titel klingt geheimnisvoll: „Beim Oganga von Lambarene“ Dieses Buch hat meine Mutter meiner Schwester und mir vorgelesen, da war ich in der 1. oder 2. Klasse. Ich erinnere mich gut an das Foto auf der Titelseite des Buches: Ein älterer Mann mit weißem Schnauzbart, weißem Hemd und Tropenhelm steht zwischen hohen Urwaldbäumen. Die Hände in die Seiten gestützt. Als würde er mal kurz verschnaufen und Pause machen von seiner anstrengenden Arbeit. Es ist Albert Schweitzer, der „Urwalddoktor“, wie man ihn damals nannte.

Jeden Abend hat meine Mutter uns vorgelesen aus diesem Buch. Wie Albert Schweitzer eine Klinik in Afrika errichtet hat. Mitten im Urwald, in Lambarene, im heutigen Gabun. Wie er es geschafft hat, das Vertrauen der Menschen dort zu erlangen. Das war nämlich gar nicht so einfach.

Besonders eine Geschichte hat mich fasziniert: Eltern bringen ihr krankes Kind nach Lambarene. Es ist schwach, fiebert, muss getragen werden. Die Eltern wollten zuerst nicht kommen ins Spital dieses fremden Arztes, aber Lambarene ist jetzt ihre letzte Hoffnung. Albert Schweitzer hat wenig Zeit, wenig Mittel, viele Patienten. Trotzdem schickt er die Familie nicht weg, kümmert sich um das Kind und um die Eltern. Und langsam wird das Kind gesund und das Vertrauen in den fremden Mann wächst.

Mit der Zeit erarbeitet sich Albert Schweitzer seinen afrikanischen Namen: „Oganga“ nennen sie ihn . „Oganga“, das heißt „Medizinmann“, „Zauberer“ oder auch „von den Göttern und Geistern Gesandter“. Zaubern konnte Albert Schweitzer nicht, aber er war nicht nur Arzt, sondern auch Pfarrer. Und sein christlicher Glaube hat seine Arbeit als Arzt geprägt. 

Heute, am 1. Juni, ist Internationaler Kindertag. Und in vielen Schulen wird heute auch an Albert Schweitzer erinnert. Und was mich bis heute an ihm fasziniert: Dass für ihn wirklich jedes Leben gezählt hat. Seine riesige Liebe zu allen Lebewesen ist für mich ein Spiegel von Gottes Liebe.

Deshalb feiere ich heute Albert Schweitzer und seine Ehrfurcht vor allem Leben.

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30MAI2026
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Wie rede ich Gott eigentlich an? Die Frage mag für manchen etwas merkwürdig klingen, aber ich bete regelmäßig und mich beschäftigt die Frage schon seit einer Weile. Viele überlieferte Gebete nutzen ja Anreden wie „Herr“ oder „Vater“, wie zum Beispiel das „Vater unser“, das wichtigste Gebet der Christinnen und Christen. Aber Gott ist nicht nur Vater und Herr. Sogar ein Papst hat das einmal gesagt, Papst Johannes Paul I.: Gott ist Vater und viel mehr: Gott ist Mutter.

Interessanterweise gibt’s in der Bibel etliche Stellen, die von Gott als Frau oder Mutter sprechen. „Ich will dich trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13) So spricht Gott selbst von sich beim Propheten Jesaja. Und in den Gleichnissen, die Jesus erzählt, wird Gott nicht nur als barmherziger Vater beschrieben, der den verlorenen Sohn in die Arme schließt. Gott wird auch gleichgesetzt mit einer Frau, die ein verlorenes Geldstück sucht – so wie Gott intensiv nach einem verlorenen Menschen sucht (vgl. Lukas 15,8-10).

Ich erzähle das heute auch deswegen, weil morgen in den Kirchen der sogenannte „Dreifaltigkeitssonntag“ gefeiert wird. Gott wird da gefeiert als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Für mich ist das auch ein Anlass, darüber nachzudenken: Wer oder was ist Gott für mich? Wie rede ich ihn an? Und mir tut es gut und es stärkt mich, dass Gott nicht nur ein liebender Vater ist, sondern auch eine liebende Mutter. Gott sucht mich und tröstet mich, wie das meine Mutter gemacht hat.

Gott muss übrigens schon deswegen auch weiblich sein, weil ich als weibliches Wesen Gottes Bild bin, wie die Bibel sagt (vgl. Genesis 1,27). Wenn ich Gott als Frau anspreche, dann spreche ich auch vom Göttlichen in mir selbst. All das ist mir immer wichtiger geworden in den letzten Jahren. Und deswegen rede ich Gott in meinen Gebeten nicht nur an mit: Vater unser, sondern ab und zu auch mit: Mutter unser.

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29MAI2026
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Die Natur ist wahnsinnig vielfältig! Das kann man in diesen Tagen auch bei vielen Aktionen rund um die „Woche der Artenvielfalt“ erleben. Allein für Mainz hab ich für heute fünf Veranstaltungen entdeckt: einen Workshop über Wildkräuter, einen zu den vielen verschiedenen Pflanzensamen, ein Workshop, bei dem man Vogelnistkästen bauen kann, und ein anderer, bei dem es um Igelhäuser geht, und schließlich einen Stadtteilrundgang zu besonderen Orten der Artenvielfalt. Ehrlich gesagt kann ich mich kaum entscheiden, wohin ich gehen möchte. An anderen Orten in Rheinland-Pfalz gibt’s noch viele weitere Angebote zum Mitmachen bei dieser „Woche der Artenvielfalt“, noch bis Sonntag geht sie.

Die Vielfalt ist so wichtig, das begreifen wir immer mehr. Wenn es nur noch Monokulturen gäbe in der Landwirtschaft, wenn immer mehr Arten von Pflanzen, Insekten oder Vögeln verschwinden: Dann ist die Welt nicht nur weniger schön. Sie wird auch gefährlicher für uns Menschen. Wir brauchen die Vielfalt. Wir brauchen die Insekten, die unsere Nahrungspflanzen bestäuben. Wir brauchen die Vielfalt der Natur sogar, um Medikamente herstellen zu können.

Für mich als Christin ist die Vielfalt der Natur auch etwas, was Gott geschaffen hat und was ich schon deswegen genießen und schützen will. Im berühmten Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi heißt es: „Gelobt seist du, mein Gott, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.” Der orthodoxe Patriarch Bartholomäus hat es einmal eine Sünde genannt, „dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören.“ (Laudato Si Nr. 9)

Die Vielfalt nicht zerstören, sondern bewahren: Das kann in dieser Woche sogar richtig Spaß machen. Ich jedenfalls freu mich drauf, an einer Veranstaltung zur Aktionswoche der Artenvielfalt teilzunehmen. Ich muss mich nur noch entscheiden: für Igelhäuser, Wildkräuter oder den Stadtrundgang.

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28MAI2026
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Wie singt eine Kohlmeise? Oder wie hört sich eine Mönchsgrasmücke an? Ehrlich gesagt hatte ich davon bis vor ein paar Wochen keine Ahnung. Den Amselgesang hinter meinem Haus, den hab ich schon immer bewundert und genossen. Und ich erkenne vielleicht noch eine Taube oder eine Krähe an ihren Rufen. Aber ansonsten wusste ich bislang nicht viel von Vogelgesang. Dann hat vor ein paar Wochen bei einer Familienfeier eine junge Frau von ihrem Studium der Geoökologie erzählt und von ihrem Kurs über Vogelgesang. Sie hat mir eine App empfohlen, mit der sich Vögel ziemlich treffsicher anhand ihres Gesangs bestimmen lassen. Die hab ich mir runtergeladen.

Und seitdem bleibe ich jetzt ab und zu, wenn ich durch die Stadt laufe, abrupt stehen. Ich zücke mein Handy, starte die App und freu mich über die Vögel, die in meiner Umgebung unterwegs sind: eben zum Beispiel eine Kohlmeise oder eine Mönchsgrasmücke. Und ich versuche mir zu merken, wie sie klingen. Ein klein wenig kann ich sie jetzt schon auseinanderhalten, die Vögel in meiner Stadt und hinter meinem Haus.

Für mich ist diese Vielfalt der Vögel auch Teil der wunderbaren Schöpfung Gottes. Ich genieße sie. Und deshalb will ich sie schützen und bewahren. Ich hab meinen Balkon zum Beispiel jetzt sehr bewusst mit dem Ziel bepflanzt: Er soll Insekten und Vögeln gefallen. Es gibt ja Unterschiede bei Pflanzen, manche bieten weniger Insektenfutter, andere mehr. Und ich hab mal wieder einem Naturschutzverband eine Spende überwiesen dafür, dass sie sich einsetzen für den Vogelschutz, für weniger Pestizide in der Landwirtschaft und mehr Lebensraum für Vögel.

Seit ich die Vogelapp auf meinem Handy hab, fühl ich mich verbundener mit der Natur in meiner Stadt. Mit Kohlmeise, Amsel und Mönchsgrasmücke. Und ich fühl mich glücklicher. Das hat sogar eine Studie vor kurzem gezeigt: Den Vögeln lauschen macht Menschen glücklicher.

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27MAI2026
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Mit einem fröhlichen „Salam aleikum“ begrüßen sich die beiden Männer. Sie scheinen sich zufällig auf dem Bahnsteig zu begegnen, auf dem ich auf meinen Zug warte. Ich bekomme das mit und denke mir: Eigentlich ist das schön, sich so zu begrüßen. Denn übersetzt heißt das ja so viel wie: Der Friede sei mit euch. Das gab‘s sogar schon zur Zeit der Bibel. Man wünschte sich Frieden, wenn man sich traf. Auch Jesus hat das oft gemacht, wenn er Menschen begegnet ist. Wenn ich das allerdings heute tun würde und auf der Straße Leute begrüße mit „Friede mit dir“; sie würden mich im besten Fall wohl schräg anschauen. Mich für einen irgendwie komischen Kauz halten.

Shalom, Salam, Friede mit dir, dahinter verbirgt sich aber mehr als hinter den üblichen Begrüßungsfloskeln, die wir so benutzen: Servus. Hallo. Unn …? Wenn einer mir Frieden wünscht, meint er damit nämlich nicht nur, dass mich keiner verprügeln soll. Dass ich im Job nicht gemobbt und runtergemacht werde. Dass ich keinen Zoff mit meinen Nachbarn habe. Shalom, Salam, Friede, das ist auch ein Wunsch für meine Seele. Dass ich Frieden finde in mir selbst. Dass ich versöhnt sein kann mit mir, trotz allem, was vielleicht nicht rund läuft. Versöhnt auch mit allem, was ich an mir nicht leiden kann. Friede mit dir, das heißt zuerst: Ich wünsch dir inneren Frieden. Frieden mit Gott und der Welt. Seelenfrieden.

Und da, finde ich, begegnet sich der Wunsch mit dem, was so Vielen inzwischen auf den Geist geht. Das endlose gemeckert und gehässig geredet wird. Dass Gewalt zunimmt. Wer so drauf ist, der kann wohl kaum Frieden in sich haben. Und so wünsche ich Ihnen heute, dass Sie Frieden finden. Draußen auf der Straße ebenso wie tief in sich drinnen.

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26MAI2026
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Das kleine Kind mit dem roten Luftballon. Das Nashorn, das auf ein Auto klettert. Der Revolutionär, der statt eines Pflastersteins einen Blumenstrauß wirft. Die Werke, die der Künstler Banksy an Mauern und Hauswänden hinterlässt, faszinieren ganz viele. Zu dieser Kunst gehört aber auch, dass niemand weiß, wer dieser Banksy eigentlich ist. Ein Er? Eine Sie? Banksy ist ein Mysterium. Vor kurzem hat mal wieder einer damit geprahlt, dass er Banksy enttarnt habe. Dass er genau wisse, wer sich dahinter verbirgt. Ob an der Prahlerei was dran war? Unklar. Ich hab mir nur gedacht: Sei einfach still und behalt es für dich. Ich will auch Geheimnisse haben.

Natürlich ist es gut, wenn wir immer mehr wissen. Das Klima besser verstehen, erforschen, wie sich Krankheiten heilen lassen. Aber was wäre das letztlich für eine Welt, in der es nichts Geheimnisvolles mehr gäbe, nichts Rätselhaftes mehr? In der einfach nichts mehr verborgen bliebe? Es wäre eine kältere und ärmere Welt. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen das Geheimnisvolle brauchen. Etwas, das vielleicht daran erinnert, dass die Welt immer mehr ist als das, was ich sehen, riechen, anfassen oder im Mikroskop erkennen kann. Zu diesem Mehr gehört für mich auch der Glaube. Niemand hat Gott je gesehen, heißt es schon in der Bibel. Und doch glauben unzählige Menschen an ihn. An etwas, das größer ist als die Welt. Das ich als Mensch nie begreifen kann. Und viele finden genau darin, so wie ich auch, Trost und Hoffnung.

Und deshalb hoffe ich, dass Banksy einfach ein Geheimnis bleibt. Eines das fasziniert und das Leben dadurch ein bisschen reicher macht.

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