Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2 / SWR Kultur

     

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

21JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich mag den jüdischen Humor. Dabei habe ich lange nicht verstanden, warum gerade ein Volk, das in seiner Geschichte so unendlich viel Leid erfahren hat, so viele Witze hervorbringt. Im Grunde aber ist das gar nicht verwunderlich. Denn wie sollte sich eine kleine Minderheit in der Gesellschaft behaupten, wenn nicht mit Humor? Da wird der Witz zur Waffe des Wehrlosen, zum Instrument des Widerstands.

Jüdische Witze sind intelligent, trickreich, keck und fast immer scharfsinnig. Eine große Rolle spielt dabei die Selbstironie. Über sich selbst lachen zu können, zeugt von Stärke und Selbstbewusstsein. Nichts ist vor dem jüdischen Humor sicher. Auch nicht die eigene Religion. So nehmen unzählige Witze die Gebote der Tora und wie man mit ihnen umgehen kann auf die Schippe. Beispiel gefällig?

„Shlomo sucht verzweifelt einen Parkplatz. Nach einer halben Stunde blickt er zum Himmel und sagt: „Entschuldigung, Gott, ich bin´s, Shlomo. Ich brauche deine Hilfe! Ich kann keinen Parkplatz finden. Ich verspreche dir: Wenn Du mir einen zeigst, werde ich jede Woche in die Synagoge gehen und mich an alle jüdischen Gebote halten. Im selben Moment wird ein Parkplatz vor ihm frei. Shlomo blickt wieder zum Himmel hoch und sagt: „Ach, mach´ dir keine Mühe, Gott. Ich habe gerade einen gefunden!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43719
weiterlesen...
20JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute, auf den Tag genau vor 65 Jahren, wurde John F. Kennedy als Präsident der USA vereidigt. Die Ansprache, die er damals an die Amerikaner und an alle Menschen in der Welt richtete, kann man als sein Vermächtnis verstehen. Denn nach nur 1000 Tagen im Amt starb der erst 46-Jährige bei einem Attentat in Dallas/Texas.

Ein Satz aus Kennedys Antrittsrede ist besonders in Erinnerung geblieben: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Dieser Appell sorgte damals für einen großen Aufbruch, besonders unter der amerikanischen Jugend.

Ich denke, einen solchen Aufruf könnten wir in unserem Land gerade gut gebrauchen. Vor allem junge Leute sind - auch in Folge der digitalen Medien - zunehmend orientierungslos. Vielen fehlt eine Perspektive für ihr Leben. Akuelle Studien zeigen, dass fast die Hälfte der 16- bis 30-Jährigen unter Einsamkeit leidet. Ein besorgniserregender Befund.

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ So käme wieder Bewegung in eine Gesellschaft, die vielerorts müde, antriebslos und schlecht gelaunt erscheint. Einige Politiker haben ein allgemeines Pflichtjahr für alle jungen Frauen und Männer ins Spiel gebracht. Jede und jeder könnte dann entscheiden, ob man sich in der Landesverteidigung engagieren will oder im zivilen Bereich mitarbeiten möchte. Die Kirchen wären dabei mit ihren sozialen Einrichtungen auf alle Fälle ein wichtiger Partner. Für ein Jahr mit anderen zusammen eine sinnvolle Tätigkeit ausüben. Anpacken statt jammern, aktiv mitgestalten statt passiv zuschauen. Das wäre für alle eine Win-Win-Situation.

Übrigens: Kennedys Satz hat sich nicht nur an die junge Generation gerichtet…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43718
weiterlesen...
19JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Die Zukunft war früher auch besser.“ Dieser flapsige Spruch des Komikers Karl Valentin hat wieder Konjunktur. Kein Wunder, denn immer mehr Sicherheiten brechen weg. Wir haben Krieg in Europa, nur zwei Flugstunden entfernt. Der Klimawandel lst in vollem Gange. Die Wirtschaft tritt auf der Stelle. Die Spaltungen in der Gesellschaft werden tiefer, der Streit immer unversöhnlicher. Kann die Demokratie überleben? Wie sollte man bei all diesen Krisen erwartungsvoll in die Zukunft blicken?

Manche reagieren mit einem Achselzucken: „Ach, die Hoffnung stirbt zuletzt“, frei nach dem Motto: Der Optimist hat genauso oft recht wie der Pessimist, aber er lebt froher. Aber damit ist es ja nicht getan. Es genügt nicht, die Hoffnung nur zu beschwören. Sie muss einen Grund haben. Überzeugte Christen glauben ihn zu kennen. Für sie ist es Jesus, der den Menschen in seiner Botschaft das „Leben in Fülle“ verheißt. Das ist kein billiger Trost, der das Leid übertünchen will. Schließlich stirbt Jesus elend an einem Kreuz. Aber in seiner Auferweckung zeigt sich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Wer daran glaubt, muss auch in unsicheren Zeiten nicht resignieren. Die Christen, so beschreibt es der Jesuitenpater Manfred Hösl, sind im Kern eine „GmbH“, eine „Gesellschaft mit begründeter Hoffnung“. In ihr wächst auch die Kraft, sich denen entgegenzustellen, die sich dem Egoismus, der Gleichgültigkeit oder sogar dem Hass verschrieben haben.

Glaube und Hoffnung sind zusammen mit der Liebe die wichtigsten Merkmale des Christentums. Sie gehören zusammen. Der Theologe Peter Kuzmic sieht es so: „Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören. Glaube ist der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43717
weiterlesen...
17JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Morgens auf dem Weg zur Arbeit passiert es mir regelmäßig: die Schranke ist unten. Ich fahre auf den Bahnübergang zu, die Ampel beginnt zu blinken, und die Schranke senkt sich. Der vor mir hat noch Glück und schafft es rüber. Ich muss stehen bleiben.

10 Minuten warten, dass ein Zug kommt. Manchmal sind es zwei Züge, dann dauert es noch länger. Kostbare Lebenszeit, die ich damit verbringe, auf eine rot-weiße Schranke zu schauen. Im wahrsten Sinne ausgebremst und eingeschränkt. 

Mich ärgert das. Jedes Mal. Ich ärgere mich, dass ich die Zeiten der Züge nicht im Kopf habe. Ärgere mich, dass ich nicht den Umweg genommen habe ohne Schranke. Ärgere mich vor allen Dingen darüber, dass es mich jedes Mal ärgert.

Ich könnte die 10 Minuten ja auch dafür nutzen, an irgendwas Schönes zu denken, oder mich im Geiste auf meinen nächsten Termin vorbereiten. Stattdessen ärgere ich mich und frage mich warum?

Vielleicht, weil mir die Schranke ein Gefühl gibt, dass ich anderswo her kenne. Das Gefühl, ausgebremst zu werden, zur Untätigkeit gezwungen.

Die Schranke wird nach 10 Minuten wieder aufgehen, und ich kann weiterfahren. Aber es gibt Situationen, da weiß ich nicht, ob sich Schranken öffnen und ob der Weg weitergeht. Da muss ich abwarten, bis etwas passiert. Kann selbst nichts tun, habe es einfach nicht in der Hand.

Was mir tatsächlich manchmal hilft in solchen Momenten, ist: mit jemand in Kontakt zu treten. Manchmal rufe ich meine Frau kurz an, um ihr zu sagen, dass ich mal wieder an der Schranke stehe, und wir könnten gemeinsam darüber lachen.

Manchmal nutze ich auch die Zeit und bete. Nicht mit „lieber Gott, bitte mach diese Schranke aufgeht...“ Das funktioniert nicht. Für mich ist es mehr so ein: „Hey, schau mal, was mit mir los ist! Es läuft grad echt nicht gut. Ich komm nicht mehr weiter!“

Noch nie habe ich erlebt, dass eine Stimme vom Himmel kommt und antwortet. Aber oft habe ich mich in dem Moment nicht mehr so allein gefühlt. Es hilft mir, wenn ich meine Situation mit jemand anderem teilen kann. Auch wenn alle Schranken unten sind und alle Wege versperrt. Das geht immer.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43652
weiterlesen...
16JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Durch Zufall bin ich neulich beim Zappen durch die Fernsehprogramme einem alten Freund wiederbegegnet. „Michel aus Lönneberga“ - dem schwedischen Jungen vom Katthult-Hof, der in ganz Småland für seine Streiche berühmt und berüchtigt ist.

Die Filme nach den Büchern von Astrid Lindgren haben mich durch meine Kindheit begleitet:

Michels Kopf in der Suppenschüssel, seine Schwester Ida auf der Fahnenstange, der Fuß seines Vaters in der Rattenfalle, das betrunkene Schweinchen und die von Armenhäuslern leergegessene Speisekammer - Ich finde Michel toll. Immer noch.

Und immer noch fühle ich mit ihm, wenn er im Holzschuppen eingesperrt Männchen schnitzen muss, weil er mal wieder etwas ausgefressen hat.

Denn eigentlich meint Michel es ja immer gut. Er will helfen, will das Richtige tun. Doch er denkt das Ganze manchmal nicht zu Ende - und dann passiert die nächste Katastrophe, und es wartet der Holzschuppen.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht – das kenne ich auch von mir. Oder wie Michel es einmal formuliert: „Unfug denkt man sich nicht aus, Unfug wird’s von ganz allein. Aber dass es Unfug war, weiß man erst hinterher.”

Michel ist mein Held, weil er sich trotzdem nicht unterkriegen lässt. Holzschuppen hin oder her, Michel bleibt herzensgut. Will da sein für die Menschen, die ihm wichtig sind. Will die Welt ein Stück besser machen. Aus Liebe. Auch wenn am Ende vielleicht wieder nur „Unfug“ herauskommt - Michel macht weiter.

Diesen „inneren Michel“ möchte ich mir gerne bewahren und bei allem Unfug, den ich anstelle, nicht nachlassen. Ruhig mal Fehler machen. Hinfallen, aber dann auch wieder aufstehen und es nochmal versuchen. Aus Liebe.

Dass das geht, sehe ich bei Michel. Und bei Martin Luther.   
„Sündige tapfer!“ hat Luther einmal gesagt. „Und glaube noch tapferer!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43651
weiterlesen...
15JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

An Weihnachten habe ich eine neue Uhr geschenkt bekommen. So eine digitale, die auch Bewegungen misst und Schritte zählt. Genau so eine habe ich mir auch gewünscht, denn: Bewegung ist wichtig, aber ich bewege mich einfach nicht genug!

Und wirklich: Seit ich die Uhr habe und genau weiß, welche Strecke ich heute gelaufen bin und wie viele Kalorien ich verbrannt habe - seitdem bewege ich mich mehr.

Laufen, Gehen, Radfahren - die Uhr zeichnet alles auf und am Ende des Tages weiß ich, ob ich meine selbstgesteckten Ziele erreicht habe, oder nicht.

Meine Fitness-Uhr ist eine gute Gegnerin für meinen inneren Schweinehund. Der sagt nämlich gerne: „Es ist grade so schön gemütlich, du willst doch jetzt nicht wirklich rausgehen!“

Doch es gibt auch Tage, da ist es anstrengend mit der Uhr. Da motiviert sie mich nicht, sondern setzt mich unter Druck.

Manchmal gibt es wirklich gute Gründe, warum ich morgens mal nicht laufen gegangen bin und zum Einkaufen nicht das Fahrrad genommen habe - weil ich zu müde war oder weil es in Strömen geregnet hat. Dann gibt mir die Uhr das Gefühl: Du hast dein „Soll“ nicht erfüllt! Du hättest noch mehr tun müssen!

Es bleibt dieses blöde Gefühl, dass ich den Ansprüchen nicht gerecht geworden bin. Darum habe ich angefangen, mit der Uhr zu reden - Nein, nicht laut, sondern leise, in Gedanken.

Wenn die Uhr mir mitteilt, dass ich noch etwas machen müsste, sage ich manchmal: „Danke, dass du mich erinnerst, aber mir reicht das für heute“. Und wenn ich sehr genervt bin, sage ich: „So, jetzt lass mich in Ruhe“ und schalte einfach die Mitteilungsfunktion aus.

Seitdem geht‘s. Seitdem arbeiten wir gut zusammen. An manchen Tagen schaffe ich mein Soll, an manchen nicht, und das ist auch okay. Die Uhr hilft mir. Aber ich bin nicht ihr Angestellter.

In der Bibel heißt es: „Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich“ (1. Korinther 10,23). Das habe ich auch meiner Fitness-Uhr gesagt und sie hat nicht widersprochen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43650
weiterlesen...
14JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Eigentlich wollte Katrin nur den Müll rausbringen. Aber jetzt steht sie seit zehn Minuten draußen bei den Tonnen in der Kälte und quatscht mit ihrer Nachbarin. Die beiden kennen sich eigentlich nicht besonders gut. Aber sie haben sich immer gleich was zu erzählen, wenn sie sich zufällig begegnen. Katrin findet: Das ist echt eine Nette, ihre Nachbarin.

Draußen bei den Mülltonnen wird es den beiden jetzt langsam zu kalt. Katrin zögert. Sie hat ihre Nachbarin noch nie zu sich in die Wohnung eingeladen. Sie will nicht übergriffig wirken. Und sie ist auch überhaupt nicht auf Besuch eingestellt. Aber dann gibt sie sich einen Ruck und sagt: „Du, wenn es dir nichts ausmacht, dass bei mir nicht aufgeräumt ist, könnten wir eine Tasse Tee zusammen trinken.“ Und ihre Nachbarin sagt ja.

Als die beiden Katrins Wohnung betreten, ist es Katrin dann doch furchtbar peinlich. „Tut mir leid, hier liegt alles rum, ich bin noch gar nicht zum Aufräumen gekommen“, murmelt sie, und stellt schnell ihr benutztes Geschirr in die Spüle. Es liegen auch noch Krümel vom Frühstück auf dem Tisch. Und auf dem Boden auch, zusammen mit relativ viel Staub. Aber Katrins Nachbarin grinst nur und sagt: „Entspann dich, bei mir zu Hause hätten wir erst über meinen Wäscheberg klettern müssen, um überhaupt in die Küche zu kommen.“ Und Katrin entspannt sich. Während sie den Tee aufgießt, erzählen sich die beiden von ihren größten Haushaltskatastrophen. Sie einigen sich darauf, dass hinter jeder perfekten Fassade irgendwo Staub und Krümel liegen. Und sie versprechen einander, sich in Zukunft nicht zu stressen, wenn die andere spontan vorbeikommt.

Katrin ist froh, dass sie über ihren Schatten gesprungen ist. Sie hat das Gefühl, dass eine neue Nähe entstanden ist zwischen ihr und ihrer Nachbarin. Und das geht eben nur, wenn man jemanden hinter die eigene Fassade schauen lässt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43649
weiterlesen...
13JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mein Auto hat einen eingebauten Sicherheitsassistenten.
Das heißt: Immer, wenn ich mich nicht ganz genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte, gibt das Auto einen ziemlich schrillen Warnton von sich. Zuerst habe ich mich jedes Mal total erschreckt. Dann hat es mich genervt. Denn mein Auto ist extrem pingelig und piepst andauernd. Dabei gehöre ich wirklich nicht zu den Raserinnen. Aber offensichtlich fahre ich häufig so einen kleinen Tick zu schnell. Und dann wird jede Unterhaltung mit dem Beifahrer immer wieder durch den unangenehmen Warnton unterbrochen. „Betreutes Fahren“, brummelt mein Mann auf dem Beifahrersitz dann, während ich anfange, mit dem Auto zu schimpfen.

Glücklicherweise haben wir irgendwann herausgefunden, dass man diese Funktion auch anders einstellen kann. Jetzt ist der Ton nicht mehr so schrill, sondern eher ein freundliches „Pling“. Seitdem schimpfe ich nicht mehr mit dem Auto. Denn es macht nicht mehr jedes Gespräch kaputt. Oft denke ich sogar „Du hast ja recht“ und nehme den Fuß vom Gaspedal. Im Grunde weiß ich ja, dass es um meine eigene Sicherheit geht und um die der anderen Verkehrsteilnehmer.

An der Sache hat sich dabei eigentlich nichts geändert. Nur am Ton. Und trotzdem fällt es mir jetzt leichter, die Kritik an meinem Fahrstil anzunehmen. Der Ton macht eben die Musik.

In der Bibel werden die Menschen immer mal wieder dazu aufgefordert, aufeinander acht zu geben. Da heißt es dann manchmal sogar, man soll sich gegenseitig ermahnen, wenn jemand sich nicht gut verhält. Ich habe mich damit immer schwergetan. Ich möchte mir nicht anmaßen, andere zu beurteilen oder zu kritisieren.

Andererseits ist es richtig, den Menschen, die mir wichtig sind, zu sagen, wenn ich mir um sie Sorgen mache. Wenn mir zum Beispiel etwas an ihrem Verhalten aufgefallen ist, von dem ich glaube, dass es ihnen oder anderen nicht guttut. Wenn ich so etwas ansprechen will, ist es unheimlich wichtig, den richtigen Ton zu treffen.

Von meinem Auto habe ich gelernt: Ein penetranter, schriller Besserwisser-Ton wird jede Einsicht kaputt machen. Am besten versuche ich es wohl mit einem freundlichen „Pling“.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43648
weiterlesen...
12JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen noch dunkel. Und wenn ich abends von der Arbeit komme, dann ist es wieder dunkel. Für meinen Körper ist das eine Herausforderung. Und auch für die Seele: Mich macht es so müde, dass das Sonnenlicht fehlt, und irgendwann schlägt das dann auch aufs Gemüt.

Die amerikanische Psychologin Kari Leibowitz wollte wissen, wie die Menschen in Norwegen mit der Dunkelheit umgehen. Denn in Norwegen ist der Winter noch länger als bei uns. Von Mitte November bis Ende Januar gibt es dort kaum Tageslicht.  Sie hat herausgefunden, dass die Norweger gute Strategien haben, um mit der dunklen Jahreszeit besser zurechtzukommen. Ich habe mir drei von ihren Tipps gemerkt.

Der erste lautet: Man muss ernst nehmen, dass die dunkle Jahreszeit Kraft kostet. Der Körper verbraucht mehr Energie. Manche Tiere halten ja sogar Winterschlaf. Und auch manchen Menschen tut es gut, sich etwas mehr Schlaf zu gönnen. Es ist okay, einfach mal früher ins Bett zu gehen.

Der zweite Rat lautet: Kopf und Körper müssen die Chance haben, sich auf den Winter einzustellen. Viele Norweger gehen mindestens 20 Minuten am Tag raus, bei jedem Wetter, und auch wenn es dunkel ist. So kann die innere Uhr verstehen, was jahreszeitlich gerade dran ist.

Und der dritte Tipp hat mir besonders gut gefallen: Die Menschen in Norwegen geben sich Mühe, ihr Zuhause schön einzurichten. In Skandinavien gibt es sogar ein Wort dafür: hygge. Es beschreibt eine gemütliche Einrichtung mit sanften Farben, weichen Stoffen und indirektem Licht. Ein Zuhause, das der Seele gut tut.

Was Kari Leibowitz herausgefunden hat, hilft mir. Ich lerne: Es ist keine Schwäche, wenn ich im Winter manchmal müder oder trauriger bin als sonst. Es ist ganz natürlich in dieser Zeit. Und es könnte klug sein, das nicht einfach zu ignorieren. Wir sind schließlich keine Maschinen. Sondern Menschen.

In der Bibel heißt es einmal: „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3) – und dass man das, was die Zeit mit sich bringt, annehmen soll. Ich glaube, jetzt im Winter ist es Zeit, auf die eigenen Kräfte achtzugeben. Und auf das, was die Seele so braucht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43647
weiterlesen...
10JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Da komme ich in einen Raum, zu einer Gruppe von Menschen, und spüre sofort: Da ist „dicke Luft“. Da gibt es atmosphärische Störungen, auf der Beziehungsebene knistert es – bis dahin, dass „die Luft zum Schneiden“ ist. Dann herrscht da ein unguter Geist, der das Miteinander beeinträchtigt, der die Menschen auseinanderbringt.

Gottseidank erlebe ich öfter das Gegenteil davon: Im Gespräch hören die Einzelnen aufeinander und fühlen sich verstanden. Es schwingt alles gut zusammen. Alle ziehen an einem Strang, es verbindet sie der gleiche Geist. Die Gemeinschaft untereinander wächst. Und ich kann im Zusammensein mit den anderen ganz bei mir sein und in innerem Frieden. Dann herrscht da ein guter Geist! Ein Geist, der die Menschen zusammenführt und tiefer verbindet. Für mich ist da der Geist Gottes am Werk, der Heilige Geist. Der ist nichts Abstraktes oder irgendwie „über den Wolken“. Der ist oft wie „zum Greifen nahe“. Der Heilige Geist ist in unseren Herzen, kann unsere Haltungen und unser Verhalten prägen. Er kann Beziehungen untereinander verstärken – und auch heilen. Der Heilige Geist schafft es, dass wir gut in Verbindung mit Gott und untereinander sind. Damit das Leben fließt und damit das Miteinander eine Wohltat für alle ist.

Das erlebe ich vor allem in so manchen Freundschaften - in denen uns viel verbindet, in denen ein tieferer Austausch möglich ist. Das habe ich aber auch im Dienst erlebt, bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – da waren die meisten Besprechungen eigentlich Vergnügungssteuer-pflichtig. Weil auch bei kniffligen Fragen das Miteinander einfach wohltuend war. Den Geist, der das Mitmenschliche fördert, den erlebe ich aber auch im Alltag, z.B. an der Supermarkt-Kasse, bei der Angestellten, die freundlich und zuvorkommend ihren Dienst tut, bei der durch ein paar persönliche Worte das Bezahlen an der Kasse zu einer Begegnung von Mensch zu Mensch wird.

Ich freue mich über jede und jeden, durch den ich etwas von diesem guten Geist Gottes erleben kann. Und ich gebe solchen Erfahrungen Raum in meinem Herzen, damit sie mich innerlich aufbauen. Je mehr ich selbst von diesem Geist der Mitmenschlichkeit erfüllt bin, desto leichter kann ich ihn dann auch meinerseits ausstrahlen. Damit das Schöne am Leben Kreise zieht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43635
weiterlesen...