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Jeder Mensch
hat einen Himmel über seiner Wunde
und einen kleinen gesetzwidrigen Frühlingszettel
in seiner Tasche.
Diesen Vers hat Jannis Ritsos gedichtet. Jannis Ritsos ist ein griechischer Schriftsteller, der alle dunklen Zeiten seines Landes im letzten Jahrhundert erlebt hat. Er musste Krieg, Gewalt und Diktatur kennenlernen und wurde wegen seiner politischen Haltung mehrfach in die Verbannung geschickt. Die Poesie war für ihn unglaublich wichtig. Sie war sein Halt. Sie eröffnete ihm eine andere, größere Wirklichkeit. Sie half ihm, Gewalt und Unrecht nicht das letzte Wort zu lassen. Sondern etwas Schöneres und Besseres dagegen zu stellen:
Jeder Mensch
hat einen Himmel über seiner Wunde
und einen kleinen gesetzwidrigen Frühlingszettel
in seiner Tasche.
Dieses kurze Gedicht rührt mich an. Ja, da sind Wunden, große und kleine. Kein Mensch ist ohne Wunde. Und manche Wunde hast nur du. Aber sieh doch: Über jedem Leid und auch über deinem Leid und Kummer ist ein Himmel. Eine Weite und eine Hoffnung.
Manchmal ist dir der Himmel vielleicht zu weit weg. Oder es ist diesig und neblig und du siehst die Hand vor Augen nicht. Dann schau doch einmal in deiner Tasche nach. Da steckt ein Frühlingszettel. Vielleicht holst du den Zettel gar nicht heraus, sondern tastest nur danach und fühlst ihn nur in deiner Hand. Denn es kann sein, dass dein Zettel den Gewaltherrschern nicht gefällt. Dann erklären sie einfach, deine Hoffnung ist gegen das Gesetz. Solche Tyrannen gibt es in unserer Welt und nicht erst seit gestern weiß Gott oft genug. Sollen sie doch ruhig wüten – denn dein Zettel gibt dir die Hoffnung, dass es eines Tages wieder blüht und wächst. Er gibt dir die Zuversicht, dass allen Menschen Gerechtigkeit geschehen wird.
Auch wenn es vielleicht etwas verrückt klingt: Ich habe mir das kurze Gedicht von Jannis Ritsos abgeschrieben. Auf einen Zettel. Und in meine Jackentasche gesteckt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43494Taylor Swift ist Milliardärin und eine auf der ganzen Welt erfolgreiche Sängerin. In diesem Jahr hat sie der Liebe zu ihrem Verlobten Travis Kelce einen Song gewidmet: The fate of Ophelia, auf deutsch: Das Schicksal der Ophelia. Mit diesem Lied spielt Taylor Swift auf das Mädchen Ophelia im Drama Hamlet an. Diese Ophelia ist hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Menschen und Einflüssen und wird aufgerieben von den Intrigen ihrer Umgebung. Am Ende des Theaterstücks ist Ophelia tot.
Doch anders als Ophelia lebt Taylor Swift! Das verdankt sie, wie sie singt, ihrem Schatz. Denn ansonsten wäre sie in Melancholie versunken. Sie wäre nur mit sich selbst beschäftigt gewesen. Aber er hat ihren Himmel erleuchtet und ihr Herz gerettet.
Es ist ein Lied über die Liebe und was ein Mensch für den anderen sein kann. Es ist ein Lied über die Liebe, das beschreibt, worauf es auch für eine der reichsten und erfolgreichsten Frauen der Welt ankommt und was wirklich zählt. Und es zeigt, dass ein Weg nicht zwingend im Elend endet, sondern dass ein Leben zum Glück führen kann: Du magst dich wie Ophelia fühlen, aber dein Schicksal ist nicht festgelegt. Du sollst leben. Das ist, sage ich als Christ, Gottes Wunsch und Wille für dich.
Am Anfang ihres Musikvideos liegt Taylor Swift da wie Ophelia auf einem Gemälde im Museum Wiesbaden. Das hat dem Museum einen gewaltigen Besucheransturm beschert. Man kann sich jetzt vor dem Gemälde Ophelias genau so wie diese und wie Taylor Swift hinlegen und fotografieren lassen.
Das Entscheidende kommt danach: Anders als Ophelia steht man wieder auf. Im Musikvideo verlässt Taylor Swift die Pose aus dem Gemälde. Und genau so machen es ja auch alle, die sich kurz hingelegt haben. Hinlegen und wieder aufstehen - wie immer du heißen magst, Taylor Swift oder ganz anders: Du sollst leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43493Ein kleines Kerzenlicht flackert in der dunklen Kirche. Kinder tragen es durch den Mittelgang hinein. Ganz vorsichtig, damit es ja nicht ausgeht. Denn dieses Licht hat einen weiten Weg hinter sich: Es kommt aus Betlehem. Genauer: Es wurde an der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Und eine Gruppe junger Menschen, allesamt Pfadfinder, sorgt dafür, dass das Licht aus Betlehem in viele Länder verteilt wird. So wird es morgen auch im Mainzer Dom und kurze Zeit später bei uns in Budenheim landen. Am Abend werden wir das Licht in der Kirche willkommen heißen und an die Leute verteilen. So wandert es durch unseren Ort. Und findet einen Platz in vielen Häusern, an Krippen oder Fenstern, im Seniorenheim, der Schule oder Kirche.
Die Aktion der Pfadfinderschaft gibt es schon seit über 30 Jahren. Das Licht steht für den Frieden, der sich unter allen Menschen ausbreiten soll. Deshalb wird es auch Friedenslicht genannt.
In diesem Jahr lautet das Motto der Aktion: Ein Funke Mut. Mut, ja den braucht es dringend in einer Welt, in der so viel Unsicherheit, so viel Angst sich breit machen. Wenn eine aufrechte Haltung nötig ist, wo gehetzt und verunglimpft wird. Wenn ein „Nein“ zu ungerechten Verhältnissen und Strukturen gefragt ist. Wenn wegschauen bequemer ist als hinschauen und handeln. Dann ist Mut gefragt, dem etwas entgegenzusetzen. Mut, mit dem jeder und jede kleine Lichtfunken verbreiten kann.
Wenn die Flamme morgen in unserer Kirche und dann durch unseren Ort weiter gereicht wird, dann hoffe ich auf ganz viele Lichtblicke, die um uns herum zu leuchten beginnen und zeigen: Manchmal braucht es nur einen Funken Mut, um die Welt trotz aller Dunkelheit ein bisschen besser und heller zu machen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43440Wenn ich diese Sendung mit meinem Namen beginne, dann wissen Sie, wer heute Morgen für die Kirche dran ist. Den Namen eines Menschen zu kennen, finde ich wichtig. Es interessiert mich, mit wem ich es zu tun habe, wenn ich Menschen begegne, mit ihnen spreche oder ihnen zuhöre. Der Name erleichtert mir oft, andere kennenzulernen. Und wenn ich gerufen werde, dann weiß ich: Ich bin gemeint mit all dem, was mich einmalig und unverwechselbar macht.
Meinen Namen habe ich diese Woche an die Dormitio Abtei in Jerusalem weitergegeben.
Die Mönche der Abtei gehen an Heiligabend zu Fuß nach Betlehem. Und das Besondere: Sie nehmen dabei eine große Schriftrolle mit, auf denen Namen stehen. Namen, die sie Monate vorher schon gesammelt haben. Und meiner ist dabei. In der Geburtsgrotte Jesu legen sie diese Schriftrolle ab. Im letzten Jahr waren darauf über 100 000 Namen.
Ich habe den Mönchen meinen Namen geschickt, weil es mich berührt, wenn mein Name nach Betlehem getragen wird und mit meinem Namen auch meine Geschichte. Wenn das, was mich ausmacht, was mich freut und mir Sorgen macht an Weihnachten in Betlehem landet. Für mich ist es ein Bild. Ein Bild, dass ich mit allem, was mich beschäftigt zu Jesus kommen kann. Mein Herz vor ihm ausschütten und ihn bitten kann, mir Kraft zu schenken für das, was das Leben von mir fordert. Mein Name in Betlehem lässt mich dann hier spüren: Jesus ist mir nah.
Der Prophet Jesaja schenkt uns in der Bibel ein ganz ähnliches Bild von Gott, wenn er sagt: „Sieh her, ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben“. (Jes 49,16) Mein Name in Gottes Hand - Mein Name in der Geburtsgrotte in Betlehem: Diese Bilder nehme ich gerne mit in den Tag. Sie stärken mich und lassen mich spüren, dass Gott mich liebt und mein Leben begleitet.
https://dormitio.net/weihnachtsaktion
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43439Im Herbst war ich eine Woche lang in einem Kloster. In dieser Zeit konnte ich mich mit einigen Ordensschwestern unterhalten und mitbekommen, wie sie leben. Ich durfte auch an den Gebetszeiten teilnehmen. Und da staunte ich nicht schlecht, als im September eine große Futterkrippe wie ich sie von Weihnachten her kenne, in der Kirche stand. „Die sind aber früh dran“, dachte ich. Doch Schwester Beatrix erklärt mir: „An jedem 25. eines Monats und zu besonderen Festen unserer Gemeinschaft stellen wir eine Krippe auf.“ Also nicht nur zu Weihnachten am 25. Dezember, sondern auch am 25. Mai oder eben am 25. September. Jeden Monat!
Ich begegne in dieser Woche engagierten Ordensschwestern, denen jeder Mensch wichtig ist und die sich in unterschiedlichen Projekten für Frauen, die benachteiligt sind, einsetzen.
Kraft dazu schöpfen die Ordensschwestern aus ihrem christlichen Glauben, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist. Dass Jesus Kind war, so wie wir alle. Und die Krippe stellen sie auf, um immer wieder daran zu denken: Gott zeigt sich auch heute mitten in unserer Welt - oftmals ganz zart und schwach wie ein Kind.
Während der Gebetszeit wandert mein Blick immer wieder zur Krippe. Der Satz „Mach’s wie Gott, werde Mensch“ kommt mir dabei in den Sinn. Jesus hat uns gezeigt, wie das gehen kann und welcher Spur wir dabei folgen können. Zum Beispiel wenn wir für jene da sind, die in Not geraten sind. Wenn die Würde eines jeden Menschen geachtet wird. Wenn gerechte Strukturen und Lebensbedingungen geschaffen werden. Dann kommt ans Licht, was zutiefst menschlich und auch göttlich ist. Die Krippe stelle ich bei mir zuhause erst an Weihnachten auf. Aber das mit dem Menschwerden, das geht jeden Tag.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43438„Herr der Töpfe und Pfannen“, bei dieser Anrede hab ich erst mal an den Chef eines Haushaltswarengeschäftes gedacht. Teresa von Avila aber, eine spanische Heilige aus dem 16. Jahrhundert, spricht in einem ihrer Gebete Gott so an: „Herr der Töpfe und Pfannen“ Sie ist einfach fest davon überzeugt: Gott ist auch in ihrer Küche. Er sieht sie, wenn sie Töpfe und Pfannen schrubbt und er würdigt das.
Für Teresa ist Gott nicht nur der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, sondern auch der Herr der Töpfe und Pfannen. Gott ist auch im Kleinen und vor allem bei den Kleinen und Unscheinbaren. Passt ja auch zu ihm, denn in Jesus ist er selbst klein und unscheinbar geworden. Das ist ja das Verrückte an der christlichen Botschaft. Sie stellt die Welt auf den Kopf, sie ver-rückt sie. Gott, der Große und Allmächtige wird klein. Klein wie ein Kind, ein Kind einfacher Eltern aus einem unbedeutenden Dorf namens Nazareth.
Für mich heißt das: Wenn nun selbst Gott, der Allmächtige, die Kleinen und Unscheinbaren schätzt, dann sollte ich das auch tun. Die schätzen und ihr Tun würdigen, die die Töpfe und Pfannen schrubben, die Straßen kehren, den Müll entsorgen und die Büros putzen. Die, die in keiner Schlagzeile vorkommen. Bei ihnen ist Gott. Das ist gut für die Kleinen. Er gibt ihnen Ansehen und Größe.
Aber was ist mit den Großen? Nun, die können es machen wie Gott, sie können freiwillig klein werden. Mal die Töpfe und Pfannen schrubben, ohne Aufhebens den Hof fegen und die Klos saubermachen. Ich glaube, Gott würde sich darüber freuen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43450Mehr Menschen glauben an Engel als an Gott. Dieses seltsame Ergebnis kam bei einer Umfrage heraus.*
Von der Bibel her gesehen ist ein Glaube an Engel ohne den Glauben an Gott aber undenkbar. Denn die Engel in der Bibel sind nur die Gehilfen Gottes. Engel treten in der Bibel immer dann auf, wenn es eine knifflige Aufgabe zu lösen gilt. Wenn Gott damit rechnen muss, dass der Mensch nicht das will, was Gott will. Dann werden Engel eingesetzt. Um den Menschen von seinen alten Plänen abzubringen und für etwas Neues zu begeistern. Zum Beispiel das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten. Die wollten nämlich eigentlich gar nicht, die hatten Angst. Da stellt Gott einen Engel ab, der nichts anderes zu tun hat, als die wankelmütigen Israeliten bei der Stange zu halten (Ex 23,20). Je unmöglicher die Botschaft Gottes ist, ums so mehr müssen die Engel, seine Boten, Überzeugungsarbeit leisten.
In der Weihnachtsgeschichte tauchen sie direkt an mehreren Stellen auf. Maria bekommt Besuch vom Engel Gabriel, der ihr die Geburt des Kindes ankündigt. Josef erscheint im Traum ein Engel. Die Aufforderung des Engels : Verlass Maria nicht, was Josef eigentlich vorhatte, sondern bleib bei ihr und dem Kind. Immer wieder müssen die Engel den Menschen überzeugen, dass Gott was von ihnen will, an das sie selbst gar nicht gedacht haben.
In der Adventszeit – so heißt es – seien die Engel besonders aktiv. Aber man muss schon genau hinhören, um ihre Sprache zu verstehen. Und was die Sache noch ein bisschen komplizierter macht: Lange nicht alle Engel haben Flügel.
*https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/engel-mehr-menschen-glauben-an-schutzengel-als-an-gott
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43449Früher wurde im Advent gefastet. Aus heutiger Sicht ist das kaum vorstellbar. Denn wie soll das gehen bei dem Angebot von Lebkuchen, Bratwurst und Glühwein. Selbst wenn ich den Weihnachtsmarkt meide, Einladungen zu Weihnachtsfeiern im Betrieb, Verein oder Freundeskreis gibt es ja auch noch. Da ist ein Fasten im Sinne von wenig essen und trinken beim besten Willen nicht möglich. Aber es gibt ja auch noch ein anderes Fasten: „Das ist ein Fasten wie ich es liebe…an die Hungrigen dein Brot auszuteilen und die Obdachlosen in dein Haus aufzunehmen“, (Jes 58,5.7) sagt Gott dem Volk Israel beim Propheten Jesaja. Und dieses Fasten wird auch im Advent geübt. Denn der Advent ist nicht nur die Zeit der vielen Feierlichkeiten, des Essens und Trinkens, sondern auch die Zeit des Spendens. In kaum einer anderen Zeit des Jahres sind die Menschen so spendenfreudig. Und deshalb passt es, dass viele Wohltätigkeitsorganisationen, auch die kirchlichen, im Advent um Spenden bitten. Ist ja auch klar, denn die Menschen spüren, dass die Botschaft von Weihnachten einfach nicht in Übereinstimmung damit zu bringen ist, dass die einen schlemmen und die andern nichts zu essen haben. Denn „Frieden auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ - wie die Engel an Weihnachten singen - gibt es nur wenn die Güter dieser Welt gerecht verteilt werden. Wer das Kind in der Krippe ernst nimmt, kommt daran nicht vorbei.
In diesem Sinne kann auch im Advent gefastet werden. Und das Schöne: Auf Lebkuchen, Bratwurst und Glühwein brauche ich dabei nicht zu verzichten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43448„Hast du deine Stiefel auch geputzt?“ Das hat meine Oma mich immer gefragt, am 5. Dezember abends. Und natürlich hatte ich damals alles schon längst vorbereitet: Die Stiefel mehr oder weniger gut geputzt und aus Ermangelung eines Kamins unter den Heizkörper in der Küche gestellt. Damals als ich Kind war.
Auch als ich älter und erwachsen wurde, hat meine Oma die Frage immer mal wieder gestellt: „Hast du deine Stiefel geputzt?“ Und immer häufiger war ich unvorbereitet und die Stiefel waren nicht geputzt.
Längst der Aufregung am Vorabend des 6. Dezember entwachsen, habe ich auf die Frage meiner Oma, das ein oder andere mal blöd reagiert. Und zwar immer dann, wenn mir gar nicht bewusst war, dass es ja der Nikolausabend ist. Weil der alltägliche Stress den Blick verstellt hat für den in der Kindheit so wichtigen Tag.
Wenn es besonders blöd lief, habe ich die Frage tatsächlich sogar als Maßregelung gehört, habe nach unten geschaut, ob meine Schuhe sauber sind.
Wenn ich dann unwirsch reagierte, hat meine Oma mir einen enttäuschten, sorgenvollen Blick zugeworfen. Enttäuscht, weil ich unser Spiel aus Kindertagen vergessen habe und sorgenvoll, weil ich wohl so im Stress bin, dass ich noch nicht mal mitbekommen habe, dass Nikolausabend ist.
Heute – Jahrzehnte später – und einige Jahre nachdem meine Großmutter gestorben ist, tut mir ihr Blick immer noch weh, wenn ich an ihn denke. Denn er erinnert mich immer wieder daran, dass ich aufpassen muss, mich nicht zu verlieren.
Dass Advent und Nikolaus, Anker in meiner Zeit sein sollten – nicht Stressfaktoren. Anker, kleine Momente, in denen ich kurz innehalte, quasi die Stiefel putze und nachdenke – und eben ankomme bei mir und den anderen.
Der Nikolaustag ist für viele ein erster großer Schritt auf dem Weg nach Weihnachten. Heute verstehe ich die Frage meiner Großmutter „Hast du die Stiefel schon geputzt?“ als Aufforderung kurz innezuhalten und mich zu fragen: „Bist du auf dem Weg nach Weihnachten?“ Und wenn ich die Frage nicht ehrlich mit „Ja“ beantworten kann, dann lade ich mich selbst ein: Fang an! Erinnere dich an die Legenden vom Nikolaus, öffne dich für das Wunderbare, damit du an Weihnachten die Chance hast, mit geputzten Stiefeln und offener Seele dem Wunder der Geburt Jesu zu begegnen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43351Wie komme ich eigentlich an bei den Anderen? Eine Frage, die viele Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen stellen:
„Wie komme ich an bei den Anderen?“, fragt sich zum Beispiel ein Schüler, der neu in eine Klasse kommt. Oder die Kollegin, die das Gefühl hat, nicht so richtig dazu zu gehören. Wie komme ich an bei den Anderen?
In Rhetorikschulungen, in denen man lernt, Vorträge und Reden zu halten, die bei den anderen gut ankommen, steht sie auch immer im Raum, diese Frage: Wie komme ich gut an bei den Anderen? Heißt: Wie kann ich die Brücke schlagen zu anderen Menschen?
Es ist also gar nicht so leicht bei der Anderen oder bei dem Anderen anzukommen. Ankommen ist vielleicht auch gar nicht so leicht zu „machen“.
Ich glaube, eine Grundvoraussetzung, um überhaupt beim Anderen anzukommen ist, dass ich bereit bin für offene und ehrliche Gespräche. Ich muss die eigene Vorsicht, vielleicht sogar Abwehr ablegen - meine Maske fallen lassen, die mir so oft dabei hilft, mich und meine Gefühle zu verstecken. Wenn ich mich selbst offen und ehrlich zeige, dann mache ich es auch meinem Gegenüber einfacher, sich zu öffnen. So haben wir es leichter, uns näher zu kommen.
“Wie komme ich an? Bei mir und den anderen?“ Wie kommen wir uns näher – das hat erst einmal ganz viel damit zu tun, dass ich ehrliche und freundliche Angebote mache. Und dann – ja dann und das ist das Schwere – dann müssen die anderen auch noch wollen.
Das mit dem Ankommen und Sich-Öffnen ist also gar nicht so einfach. Aber: Im Advent fällt mir das etwas leichter – meistens.
Ich glaube das hängt damit zusammen, dass ich irgendwie „weicher“ bin, und das macht Nähe leichter. Und ja, wahrscheinlich ist der Grund für dieses „weicher sein“, dass ich auf Weihnachten warte, dass ich schon oft an die Geburt Jesu denke. Ich denke an Jesus. An das kleine Kind in der Krippe. Mit ihm ist Gott angekommen. Ganz klein, ganz nackt und verletzlich. Er ist bei uns, bei seinen Menschen, angekommen. Bei mir. Und bei allen anderen.
Vielleicht braucht es nur diese Verletzlichkeit und ein Lächeln. Probieren wir es aus. Advent heißt Ankunft, „Ankommen“. Einander Näherkommen. Lassen wir es darauf ankommen.
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