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22JUN2024
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„Von jetzt auf gleich war alles anders.“ Wenn ich diesen Satz in Trauer- oder Seelsorgegesprächen höre, geht er mir immer sehr nahe. Das Klingeln an der Tür und Polizei und Pfarrerin überbringen die Todesnachricht. Der Abschied für immer von der Familie und Freunde, um auf die Flucht zu gehen, ob damals aus der DDR oder heute aus Syrien -  ohne Rückkehr. Die Gewissheit, dass ein geliebter Mensch gestorben ist. Die Trennung, die für die eine Person aus dem Nichts kommt.

Momente im Leben, die alles auf den Kopf stellen. Momente der totalen Veränderung. Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Momente, ab denen nichts mehr ist, wie es war.  Sie sind schrecklich und grausam. Und oft fragen Menschen sich, wie es weitergehen, wie sie weiterleben sollen.

In Seelsorgegesprächen ist dies meist ein ganz besonderer Moment. Ich spüre die Bodenlosigkeit, die Angst, in dieses Loch zu stürzen und darin gefangen zu bleiben. Einsam. Verlassen. Unverstanden.

Mir kommen dann oft die Worte in den Sinn, die Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz gesprochen hat: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen“ – Dieser Satz – Ein Zitat aus Psalm 22 -  bringt für mich diesen Moment des totalen Verlassenseins von Gott und der Welt auf besondere Weise zum Ausdruck.

Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen, sind kaum zu ertragen. Das weiß auch der Gott, der da am Kreuz hing.

Manchmal gelingt es in solchen Seelsorgegesprächen auch darüber zu sprechen. Über dieses Gefühl der Verlassenheit, das auch Jesus erlebt hat.

Und manchmal – nicht immer -  gibt es den Augenblick, in dem sich dann das Gespräch weitet. Indem der Blick über den Tod hinausgeht. Indem der Blick von der Verlassenheit am Kreuz, der Verlassenheit in diesen Momenten der Bodenlosigkeit weiter geht – bis zur Auferstehung. Nicht „nur“ am Ende aller Tage. Auch zu einer möglichen Auferstehung mitten im Leben. Wenn dieser Moment in einem Gespräch erscheint, danke ich innerlich Gott.

Diese Momente der Auferstehung wünsche ich allen Menschen, die den Moment der Bodenlosigkeit erlitten haben.

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21JUN2024
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„In der Ruhe liegt die Kraft.“ Oh, wie habe ich es gehasst, wenn meine Großmutter diese Worte zu mir gesagt hat.

Inzwischen kann ich den Satz besser verstehen. Rückblickend muss ich ja auch zugeben, dass sie ihn immer in Momenten gesagt hat, in denen ich ziemlich hektisch war. Manchmal gar panisch. Der Satz ist immer dann gefallen, wenn ich entweder ganz begeistert losgelegt habe, voller Energie, enthusiastisch, aber auch planlos. Oder sie hat ihn gesagt, wenn ich panisch war, weil ich etwas vergessen oder falsch gemacht hatte, wenn zum Beispiel für die Schule noch schnell eine Hausaufgabe gezaubert werden musste.

In solchen Momenten hat mich meine Großmutter dann unterbrochen: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Ich denke heute viel an sie, mein „Ich“ aus Kinderzeiten hat eben doch noch ganz schön viel mit dem erwachsenen „Ich“ zu tun. Auch heute kenne ich die Begeisterung, lege manchmal los, ohne groß nachzudenken.  Mittlerweile geht zwar seltener etwas schief, meist habe ich sogar einen Plan und die Erfahrung tut das ihrige. Aber wenn etwas nicht so läuft, ich etwas vergessen habe, oder ich merke, da muss jetzt ganz schnell etwas passieren – dann ist es oft wie früher: hektisch und planlos. Dann höre ich die Stimme meiner Großmutter sagen: „In der Ruhe liegt die Kraft.“

Dieser Satz, manchmal ärgert er mich, weil er mich ausbremst. Aber meistens schleicht sich dann ein zweiter Satz in meine Gedanken, den ich schon lange sehr schätze: „Nur wer betet, erhält die notwendige Kraft.“

In Momenten der Panik, der Hektik oder Überforderung innezuhalten, zu beten ist klug, um aus dem Gebet zu Gott dann Kraft zu schöpfen für die Aufgabe, die vor mir liegt. Diesen Moment des Krafttankens, ordnen und einsortieren wünsche ich Ihnen heute auch bei Ihren Aufgaben, die vor Ihnen liegen. Denn so hat sich der Satz meiner Großmutter für mich verbunden mit meiner Bitte: Gott, Bitte lass mich zur Ruhe kommen. Denn: In der Ruhe liegt die Kraft.

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20JUN2024
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Meine Kollegin Tina ist ein wandelndes Stopp-Schild. Nein, kein Verkehrszeichen. Ich meine: Wenn sie ansetzt zum Sprechen, kommt fast immer ein Ja, ABER! Heißt ja mit anderen Worten: Stopp! Lass uns nochmal nachdenken…..

Sie können mir glauben: oft und ausgiebig habe ich mich darüber schon geärgert. Denn dieses gedankliche Stopp-Zeichen – das mag ich eigentlich nicht. Ich komme mir dann so ausgebremst vor.

Manchmal war ich sogar schon genervt, bevor ich zu einer Besprechung mit Tina gegangen bin. Spätestens aber wenn sie den Mund aufgemacht hat, habe ich mich dann geärgert.

Ich gebe es zu:  Ein Teil des Problems lag durchaus bei mir. Aber mein Ärger – manchmal auch mein Frust war aufgrund der vielen Erfahrungen einfach da.

Bis zu dem Tag, an dem eine Kollegin zu mir gesagt hat: „Florian, Gott hat alle Menschen geschaffen und ich gehe davon aus, dass er sich dabei etwas gedacht hat. Vielleicht übersiehst du etwas bei all deinem Ärger.“

Das begleitet mich seither. Immer wenn es zu einem dieser nervigen Momente kommt, so einem Stopp-Moment, erinnere ich mich an diese Sätze. Ich atme durch und lasse mich auf das „Stopp“nein. Ich spreche mit Tina – oder wem auch immer - die Idee, das Anliegen, den Plan nochmal durch. Denke nochmal nach.

Mittlerweile kann ich so ein „Stopp“ besser annehmen. Ich sehe es als Chance, einen Augenblick innezuhalten, zu überlegen: ist das der richtige Weg?

Und ich kann zustimmen: Ja, Gott wird sich dabei etwas gedacht haben, Menschen wie Tina zu erschaffen, die mich zu einer Pause anhalten, zum Innehalten. Damit ich nochmal nachdenke, bevor ich dann weitermache. So oder so.

Inzwischen sehe ich Tina bei allen möglichen Gelegenheiten manchmal vor meinem geistigen Auge. Wie sie das Wort ergreift und zum Stopp-Schild wird. Und da hat Gott sicher recht – es ist wichtig, dass es solche Menschen gibt. Die sagen: Hey, denk nochmal nach! Und sei offen dafür, deinen Plan auch nochmal zu ändern. Gott wird sich ja hoffentlich auch etwas dabei gedacht haben, als er mich erschaffen hat.

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19JUN2024
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Wenn Deutschland bei der EM heute Abend gegen Ungarn spielt – dann gibt es wieder bekanntlich solche und solche.  Die einen, die es lieben, public viewing zu machen. Und die anderen.

Ich gehöre eher zu den Letztgenannten. Ich schaue gerne Fußball – ja – aber nicht unbedingt in großer Runde.

Mein Kollege Martin hingegen kann es sich kaum vorstellen, Fußballspiele nicht in Gemeinschaft zu erleben, nicht im Stadion oder beim public viewing zu sein.

Für ihn stellt sich die Frage heute Abend nicht. Für mich schon: allein zu Hause oder doch zusammen mit anderen? Gemeinschaftlich vorm Fernseher, der Leinwand oder allein auf dem Sofa?

Das, was Martin anzieht, ist gleichzeitig das, was es mir schwer macht. Der kollektive Moment, der Augenblick der Gemeinschaft. Das in der Menge aufgehen, Teil des Ganzen zu sein. Für Martin ein tolles Erlebnis. Für mich manchmal schwer, obwohl ich natürlich auch Teil einer Gemeinschaft sein möchte

Martin ist total glücklich, wenn er mit tausenden Anderen ein Tor bejubelt oder sich über ein Foul aufregt. Er beschreibt es fast schon spirituell – als Auflösen im großen Ganzen, eins sein anderen, mit der Natur, dem Universum, der Menschheit. Diese Momente liebt und sucht er.

 Martin wird heute Abend auf eine Weise also glücklich sein –   relativ egal wie die deutsche Mannschaft abschneidet.  Weil er Gemeinschaft erleben wird. Momente des Eins sein mit sich und allen anderen.

Diese Momente kann man natürlich nicht nur beim Fußball erleben. Für die einen ist es die Wagner Oper, das Taylor Swift Konzert oder auch die Demonstration. Etwas mit vielen anderen zusammen zu erleben - manchmal auch zu erleiden - und Gemeinschaft zu spüren – das ist das, was Menschen verbindet. Alle Menschen. Denn so hat Gott uns gemacht. Und deshalb werde ich heute Fußball schauen wie Millionen anderer Menschen auch. Wahrscheinlich in kleiner Runde, aber in Gemeinschaft. Und ich werde mich darüber freuen, dabei mit anderen zusammen zu sein und ihn genießen, diesen kleinen Gruß vom lieben Gott.

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18JUN2024
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„Das pralle Leben“, das hat man früher bei mir zu Hause gesagt, wenn in einem Moment alles zusammengekommen ist. Egal, ob gut oder schlecht. Eben prall, fast schon zum Platzen voll.

Das pralle Leben im positiven Sinne - in einem Moment zu spüren – das kann erhebend sein. Für manche ein Kick, den sie suchen. Diese Momente sind wertvoll. Oft vereinen sie vieles, was mir wichtig ist.

Manchmal ist es dann kaum auszuhalten, wenn so viel Gutes, Schönes und Gemeinschaftliches zusammenkommt. Die Geburten meiner Kinder waren zum Beispiel solche Momente des prallen Lebens: alles Glück der Erde in einem Moment. Und gleichzeitig auch Hoffen und Bangen.  

Das „pralle Leben“ besteht eben aus vielem – aus Glück und Zuversicht – aber manchmal eben auch aus Überforderung, Angst und Trauer – so ist das Leben – so ist das „pralle Leben“.

Die Bundestagsabgeordnete Marie Agnes Strack-Zimmermann hat in einem Interview das pralle Leben in ihrem Alltag beschrieben. Nicht nur die vielen Bedrohungen und Anfeindungen, die hohe Arbeitsbelastung und Verantwortung, sondern auch die Situation der Familie gehören dazu. In den Berlin-Wochen kommt sie samstags nach Hause, wenn da dann Kinder warten, dann ist das das pralle Leben und das fragt nicht, ob man jetzt vielleicht lieber kurz ausruhen würde.

Das, was Strack-Zimmermann da beschreibt, gilt für Politikerinnen und Politiker wie für viele andere auch: die Herausforderungen des prallen Lebens, das einfach da ist.

Ich jedenfalls habe sofort verstanden, was sie meint. Der Wunsch zu Hause zu sein, bei und mit der Familie und gleichzeitig das Bedürfnis danach, in Ruhe für sich zu sein. Da ist das „pralle Leben“: Gemeinschaft, Glück und Zuversicht, das aber auch aus Erschöpfung, Bangen und Verzagen besteht.

In diesen Momenten des „prallen Lebens“ kann die Stimmung in die eine oder andere Richtung kippen. Manchmal hat man es nicht in der Hand. Mir hilft es dann zu beten, kurz alles was das „pralle Leben“ ausmacht vor Gott zu bringen – Gutes und Schlechtes - und sinngemäß zu sagen: „Mach du mal. Hilf mir beim Sortieren“.

Das reicht manchmal schon, um den Kopf ein bisschen klarer zu bekommen und sich dann wieder hineinzustürzen in das pralle Leben – komme was wolle.

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17JUN2024
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Es sind ja bekanntlich die kleinen Dinge, die das Leben erst richtig schön machen. Wie wahr dieser Satz ist, das habe ich letztens erst wieder gemerkt: Ich war mit Roland, einem Freund von mir, wandern. Wir schaffen das viel zu selten, aber wenn wir uns am frühen Morgen im Pfälzer Wald treffen – und dann ein paar Stunden wandern, in eine der Hütten einkehren, dann sind es immer wundervolle Stunden. Nicht nur die Bewegung, das Miteinander, die Natur, sondern auch Rolands Blick auf die Welt tun mir gut.

Roland ist ein Mensch, der im Moment lebt. Es ist fast so, als ob jeder Schritt auf dem Waldboden für ihn Bedeutung hat. Jeder Atemzug, der Luft in seine Lungen und Gerüche in seine Nase spült, scheint ihn zu erheben. Und was mir besonders guttut: er zelebriert das nicht, er lebt das einfach.  Er belehrt mich nicht und lehrt mich doch.

Manchmal kommt es vor, dass er mitten im Satz kurz pausiert. Auf seinem Gesicht erscheint dann ein kleines Lächeln, bevor er weiterredet. Lange Zeit ist mir das gar nicht aufgefallen. Vermutlich, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt war. Als ich es dann das erste Mal wahrgenommen habe, hat es einige Zeit gedauert, bis ich ihn danach gefragt habe.

Fast ein bisschen beschämt hat er geantwortet, dass er in diesen Momenten ganz bei sich ist und ganz in der Welt. In diesen kurzen Augenblicken will er kurz dem Moment die Ehre geben, ihn ganz und gar wahrnehmen. Er wolle aber auf keinen Fall dadurch unsere Gespräche unterbrechen und falls es mich stören sollte, würde er versuchen, das in meiner Anwesenheit nicht zu machen.

Ich habe ihn gebeten, nicht damit aufzuhören. Im Gegenteil. Denn auch mir tut das gut. Auch in meinem Alltag. Und so genieße ich mittlerweile viel häufiger die kleinen Dinge und denke dabei oft an Roland. Dann z.B., wenn ein Geruch, eine Blume, ein Vogel oder ein Sonnenstrahl – wenn Gottes Schöpfung mir einen besonderen Moment der wunderbaren kleinen Dinge schenkt.

Ich wünsche Ihnen heute mindestens einen dieser kurzen Momente, in dem alles stimmt und die kleinen Dinge des Lebens ihnen große Freude machen.

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15JUN2024
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Meine Freundin Sabine ist seit 25 Jahren verheiratet. Und das möchte sie gerne feiern. Weil sie für die gemeinsamen Jahre sehr dankbar und die Silberhochzeit ja längst nicht selbstverständlich ist. Im Bekanntenkreis erlebt sie das: Der Schwager, der viel zu früh verstorben ist. Die Ehe der Freundin, die in die Brüche gegangen ist. Sabine ist froh, dass sie auf gute Jahre zurückblicken kann. Einfach war es nicht immer. Manches kam ganz anders als geplant. Aber auch, was schwer war, konnten sie miteinander tragen. Ja, sie hatten auch viel Glück und schauen nun zufrieden auf die gemeinsame Zeit. Aus einer am Anfang ganz zarten Beziehung ist eine lange Ehe geworden.

In der Bibel erzählt Jesus einmal von einem Senfkorn. Winzig klein. Aber wenn es ausgesät wird, kann es groß werden. Es wird zu einem Baum, in dem die Vögel sich niederlassen und nisten können. Jesus sagt: „So ist das mit dem Reich Gottes.“ Wie die Samen ist es erst winzig und klein. Aber es kann wachsen und groß und sogar anderen zur Heimat werden.

Das kleine Senfkorn ist für mich auch ein Bild für die Beziehungen, die klein und zart anfangen. Mit einem Blick, einem netten Wort, einer zarten Berührung. Aus einem kleinen Anfang kann eine Liebe wachsen, die sich durch ein ganzes Leben trägt. Jesus vergleicht das Wachsen des Senfkornes mit dem Reich Gottes. Und ich finde, auch die Paare, die ein gemeinsames Leben miteinander wagen, sich trauen, das Leben miteinander zu teilen, können etwas von diesem Reich Gottes zeigen. Sie versprechen sich, dass sie füreinander da sein, sich gegenseitig Halt schenken und miteinander wachsen möchten.

Für mich scheint da etwas vom Reich Gottes durch: Dass ich mich geborgen und angenommen fühle. Dass die guten und schweren Tage des Lebens gemeinsam getragen werden. Dass ich aufgehoben bin. Und in all dem ahne ich, dass dieser Gott mit mir geht, mich uneingeschränkt liebt und mein Leben begleitet. Wenn das kein Grund zu feiern ist!

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14JUN2024
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Heute Abend geht es also los mit der Fußballeuropameisterschaft im eigenen Land. Das ein oder andere Spiel werde ich mir sicherlich anschauen. Werde mitfiebern, fluchen und hoffentlich auch jubeln. Mal seh’n! Da treffen die Mannschaften Europas aufeinander. Messen ihre Kräfte und Talente, kämpfen leidenschaftlich gegeneinander, aber spätestens nach dem Schlusspfiff wird für mich auch klar sein: Das Ganze ist ein Spiel. Nicht mehr und nicht weniger. Denn für mich geht es bei der Europameisterschaft nicht nur um Fußball. Für mich geht es auch um Europa. Die vielen Nationen, die das Fußballturnier bestreiten, die zeigen mir, wie eng wir miteinander verbunden sind. Auch über alles hinweg, was uns unterscheidet und Probleme macht. Und ich hoffe, dass es bei dieser EM froh und friedlich zugeht. Dass in den Stadien und auf den Straßen auch gefeiert werden kann, wie verbunden wir untereinander in Europa sind.

Gefeiert wird sicher auch in meiner Nachbarschaft, je nach Spieltag eben: Die polnische Familie von nebenan. Der Austauschschüler aus Frankreich, der für zwei Wochen in unserer Straße wohnt. Die Pflegekraft aus Kroatien, die jeden Morgen vorbeikommt, damit meine Nachbarin solange es geht, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben kann. Über diese Vielfalt ganz in meiner Nähe freue ich mich. Wie gut, dass so vieles ganz selbstverständlich und unproblematisch läuft und den Alltag bereichert.

Ich finde, diese EM ist eine prima Gelegenheit, Europa zu feiern. In den Stadien oder auf den Straßen. Hauptsache friedlich und in Freundschaft.

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13JUN2024
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Ein schön gedeckter Tisch mitten im Garten: Weiße Tischdecke, feines Porzellan, bunte Blumen, herrlicher Sonnenschein. Über die Einladung zum Kaffeeklatsch mit den Freundinnen freue ich mich. Schon länger haben wir uns nicht mehr gesehen. Da gibt es viel zu erzählen. Die Gastgeberin will uns verwöhnen und hat sogar einen Kuchen gebacken. Alles soll perfekt sein! 

Doch dann das: Der Kuchen rutscht von der Tortenplatte als meine Freundin ihn in den Garten trägt. Nach einem ersten Schreck müssen alle herzhaft lachen.

Der Kuchen ist nicht mehr zu retten. Dafür liegt im Küchenschrank noch eine Packung Kekse. Die muss an dem Nachmittag reichen. Und das tut sie auch. Denn das Beste ist was ganz Anderes: Aus unserer Runde fängt eine nach der anderen an, von allen möglichen Missgeschicken zu erzählen. Da kann jede was beisteuern: Die Kaffeetasse, die umfällt und die weiße Bluse voll kleckert. Die Namen, die verwechselt wurden. Die aufgeplatzte Hosennaht.

Unser Kaffeeklatsch war klasse, auch ohne selbstgebackenen Kuchen. Und ich bin mir sicher: Es war so toll, weil alle ganz offen und ehrlich erzählt haben. Nicht von den tollsten Urlauben, den besten Rezepten und den begabtesten Kindern. Erzählt wurde von dem, was danebengegangen, misslungen, was peinlich war. An diesem Nachmittag konnten alle spüren: Ich muss nicht perfekt sein. Andere sind es auch nicht. Das entlastet. Und das tut richtig gut.

Wichtig ist, ob wir uns ehrlich begegnen. Ob wir nur erzählen können von dem, was schön und perfekt gelaufen ist oder eben auch von dem, was gerade richtig schiefläuft.

Auf die nächste Kaffeerunde in meinem Garten blicke ich nun jedenfalls total entspannt. Die Freundinnen kommen, auch wenn oder besser: Gerade weil nicht alles perfekt sein muss.  

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12JUN2024
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Ich bin passionierter Radfahrer. Wenn es geht schwinge ich mich auf den Sattel. Ich gehe mit dem Fahrrad einkaufen, fahre zum Bahnhof und unternehme Radtouren.

Zu verdanken habe ich das alles Karl von Drais. Von ihm stammt das erste Fahrrad. Obwohl sein Gefährt ziemlich weit weg ist von den E-Bikes und Drahteseln und Lastenrädern, die wir heute kennen. Das macht schon der Name deutlich. Karl von Drais nennt sein Fahrrad: Laufmaschine. Das besteht zwar auch aus zwei Rädern, die durch einen Rahmen verbunden sind. Und es besitzt Sattel und Lenker. Aber das wars dann auch schon. Pedale, Kette, Bremse oder Licht: Fehlanzeige. Angetrieben wird das Rad allein dadurch, dass man läuft. Nur eben im Sitzen. Heute vor über 200 Jahren, am 12. Juni 1817, unternimmt Drais seine erste Ausfahrt mit dem Ding. Der Erfinder kurvt rund um Mannheim und löst eine ungeahnte Begeisterung aus.

Die Erfindung der Laufmaschine fällt allerdings nicht vom Himmel. Sie hängt mit ganz irdischen Problemen zusammen. Anfang des 19. Jahrhunderts treiben Missernten die Kosten für Pferde in die Höhe. Das Problem: Pferdekutschen waren bis dahin das Nonplusultra für Transporte und Reisen aller Art. Und Hungersnöte zwingen Menschen dazu, auch Pferdefleisch zu essen. Womit jetzt Dinge und Menschen transportieren? Da kommt Drais mit seiner Laufmaschine gerade recht. Denn das Ding ist sogar schneller als jede übliche Postkutsche.

Das Fahrrad ist schon vor über 200 Jahren ein Kind der Krise. Drais antwortet mit seinem Gefährt auf die Nöte seiner Zeit. Heute scheint das ganz ähnlich zu sein: Das Fahrrad ist die modere Verkehrsalternative schlechthin. Was ich spannend finde: Am Fahrrad zeigt sich, wie Menschen mit einer Notsituation umgehen. Statt zu resignieren, suchen sie nach Auswegen. Und finden sie. Mir macht das Mut im Umgang mit heutigen Krisen

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