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Jedes Jahr vor dem Familienurlaub die gleiche Diskussion: Wandern in den Bergen? Städtetrip? Einfach zuhause bleiben? Alles liegt auf dem Tisch.
Und am Ende fahren wir doch wieder ans Meer. Das Meer lässt uns nicht los.
Und wenn wir dann da sind und ich zum ersten Mal den Sand unter den Füßen spüre, den salzigen Wind im Gesicht, das Rauschen der Wellen in den Ohren – dann weiß ich: Es war die richtige Entscheidung, wieder herzukommen.
Am Meer muss ich eigentlich gar nichts anderes tun als einfach dasitzen und auf die Wellen schauen. Beobachten, was am Strand passiert. Mich vom Wind durchpusten lassen. Das reicht.
Irgendwann merke ich dann, wie der Druck nachlässt. Wie vieles, was zuhause total wichtig war, auf einmal ganz klein wird im immer gleichen Rauschen der Wellen. Wie meine Gedanken klarer werden. Das Herz weit. Keine andere Landschaft macht das mit mir.
Der Schriftsteller Thomas Mann hat einmal gesagt: „Das Meer ist keine Landschaft, das Meer ist das Erlebnis der Ewigkeit.” Ich finde, da ist etwas dran. Das Meer bleibt mir unbegreiflich. Faszinierend und fremd zugleich.
Ich stehe vor etwas, das unendlich viel größer ist als ich. Das geht vor mir los und hört nach mir auf – und eigentlich hört es gar nicht auf.
Das Meer macht mich klein. Aber auf eine gute Weise. Denn am Meer merke ich: Ich muss nicht alles können. Nicht alles verstehen. Nicht alles im Griff haben. Ich darf einfach sein.
„Das Meer ist keine Landschaft, das Meer ist das Erlebnis der Ewigkeit.”
Wenn ich am Meer sitze, dann erlebe ich ein Stück von Gottes Ewigkeit: Dass da jemand ist, der größer ist als ich und der mich trotzdem kennt. Jeden Gedanken. Jede Sorge. Jeden Atemzug.
Das Meer macht mich demütig. Und gleichzeitig frei. Es reicht, dass ich bin – im Angesicht der Ewigkeit.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44684Die Koffer sind zu. Irgendwie. Und endlich auch im Auto verstaut. Die Kinder nerven, weil sie seit einer Stunde warten und los wollen. Meine Frau und ich haben uns zweimal angekeift – einmal wegen des Proviants, einmal eigentlich wegen gar nichts.
Ich stehe vor dem Auto und überlege: Haben wir nichts vergessen? Sind im Haus alle Fenster zu? Ist die Alarmanlage an?
Und dann fahren wir los. Die ersten Kilometer sind noch angespannt. Das Navi sagt etwas, irgendjemand auf der Rückbank auch. Ich halte noch schnell an der Tankstelle, kaufe Kaffee und Gummibärchen, weil das immer gut geht.
Und dann, irgendwo auf der Autobahn, passiert es:
Mit jedem Kilometer, den wir uns von zu Hause entfernen, fällt etwas von mir ab:
Der Druck. Der Stress. Diese diffuse schlechte Laune der letzten Wochen.
Als würde jemand langsam die Luft rauslassen aus einem Reifen, der viel zu lange viel zu prall aufgepumpt war.
Die Landschaft wird fremder. Weiter. Offener. Und ich auch.
Ich fange an, Dinge zu bemerken, die ich im Stress fast vergessen hatte:
Dass meine Kinder lustig sind.
Dass meine Frau Geschichten erzählt, die ich noch nicht kenne.
Dass ich selbst Gedanken habe, für die im Alltag kein Platz war.
Die Gespräche werden tiefer. Der Ton freundlicher.
In der Bibel erzählt einer davon, wie Gott ihn aus Enge und Bedrängnis herausgeführt hat. Und dann sagt er: „Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9)
Da spürt einer: Ich habe wieder Platz zum Leben. Ich bin nicht mehr eingeengt. Stecke nicht mehr fest in Sorgen, Pflichten oder dem, was mir Stress macht. Gott schenkt mir Weite. Luft zum Atmen. Platz für Gedanken. Gespräche. Für Freude und all das, was im Alltag oft untergeht.
Genau das erlebe ich gerade. Auf der Autobahn, mit Kaffee und Gummibärchen, irgendwo zwischen zu Hause und Urlaub. Ich bin noch nicht angekommen. Aber ich atme schon freier.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44683„Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“ So beginnt ein altes Sommerlied, das Pauls Oma ihm immer vorgesungen hat. Aber Paul mag den Sommer eigentlich nicht besonders. Ihm sind die Jahreszeiten lieber, in denen er seinen dunklen Kapuzenpullover tragen kann. Er setzt dann seine Kopfhörer auf, zieht die Kapuze über den Kopf und bleibt für sich. Er braucht dann nur sein Handy. Keine Menschen, die sind ihm oft zu viel.
Es geht ihm gut unter seiner Kapuze. Dort kommt die Welt ihm nicht so nah. Jetzt, im Sommer, da ist es zu warm für den Kapuzenpulli. Und Paul wird dauernd gefragt, ob er nicht was unternehmen will:
„Kommst Du mit an den Badesee, zur Grillhütte, zur Fahrradtour?“
Seine Freunde haben Paul überredet, ein bisschen Wandern zu gehen. Im Wald. Am Anfang ist das ungewohnt. Das Handy und die Kopfhörer steckenzulassen. Stattdessen auf die Wegmarken zu achten. Zu diskutieren, welcher Weg der richtige ist. Zum Glück muss er ansonsten nicht so viel reden.
Beim Wandern sieht Paul, was er lange nicht mehr gesehen hat; Tanzende Mückenschwärme. Baumrinde und Moos. Käfer und Ameisen.
Paul riecht, was er lange nicht mehr gerochen hat: Den Waldboden. Und das Gemisch aus Brezeln, Äpfeln und Landjägern, als er die Picknicktasche öffnet.
Und Paul spürt, was er lange nicht mehr gespürt hat: Die Baumwurzeln unter den Schuhsohlen. Die Geborgenheit unter den hohen Wipfeln und den Himmel darüber.
Es ist okay, denkt Paul. Es ist okay, sich eine Zeit lang zurückzuziehen, wenn einem die Welt zu viel ist. Und es ist auch okay, dann wieder ein bisschen herauszukommen. Sich ein wenig mehr zu öffnen für diese Welt. So schlimm sie ist, so schön ist sie auch. Jetzt im Sommer.
Und in seinem Kopf klingt leise die Melodie von dem alten Lied, das seine Oma so mochte: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44682Simone ist erschöpft. In der letzten Zeit waren die Gedanken in ihrem Kopf besonders laut und besonders viel. Tausend Aufgaben, tausend Sorgen, tausend Entscheidungen, gefühlt jeden Tag.
Zum Glück ist Sommer. Und zum Glück weiß Simone, was ihr jetzt guttut. Sie blockiert einen halben Tag im Kalender nur für sich. Und sie verteidigt ihn entschlossen gegen alles, was sich wichtig macht auf ihrer To-Do-Liste.
Diesen halben Tag verbringt Simone am See. Sie leiht sich ein Stand-Up-Paddelboard und macht sich bereit. Geht barfuß über pieksige Steinchen ans Ufer, legt das Board auf die Wasseroberfläche und watet hinein in das kühle Nass. Sie kniet sich mit einem Bein auf das Brett und stößt sich ab. Unter sich entdeckt Simone einen Schwarm ganz kleiner silbriger Fische im Wasser.
Dann stellt sie sich aufrecht auf das Board. Erst fühlt sich das noch wackelig an. Aber mit der Zeit steht sie sicherer. Simone paddelt langsam. Sie hat keine Eile. Zum ersten Mal seit Tagen keine Eile.
Unter ihr zieht der Algenwald vorbei. Um sie herum die Wasseroberfläche. Das Schnattern der Gänse. Über ihr der weite Himmel.
Und endlich wird es leise in Simones Kopf. Der Druck lässt nach. Als die Gedanken langsamer werden, bemerkt Simone etwas. Hinter all ihren Aufgaben und Sorgen ist noch etwas anderes. Es war vielleicht die ganze Zeit da – nur überdeckt vom Lärm des Alltags. Ein Gefühl von Weite. Von Getragensein.
Simone betet nicht oft. Doch hier und jetzt, wo plötzlich Raum in ihr ist, kann sie nicht für sich behalten, was sie fühlt. Sie sagt „Danke“.
Dafür, dass es sie gibt. Dass sie hier ist, auf dem Wasser, in dieser wunderbaren Welt. Dass sie Kraft hat für ihre Aufgaben, für ihre Lieben und auch für sich selbst. Und dafür, dass sie getragen wird.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44681Ein Mann sitzt mit seiner Gitarre im Nashorngehege und singt. Einfach so. Er macht das öfter, für Tiere singen. Ob Wolf oder Waschbär, Kakadu und Krokodil, Lama oder Löwe. Auf Youtube kann man kleine Videos ansehen, in denen der französische Sänger Plumes für Tiere singt.
Er setzt sich mit größerem Abstand zu den Tieren auf einen Hocker, beginnt die Gitarre zu zupfen und zu singen. Oft sind es Lieder, die von Liebe oder Freundschaft handeln. Und so klingt es auch, eher leise, freundlich, leicht.
Egal ob Raubkatze, Reptil oder Fluchttier – die Tiere kommen zu ihm. Manche lassen sich direkt vor ihm nieder, so wie die Krokodile. Sie scheinen still zuzuhören.
Andere wollen es genauer wissen: die Pferde beschnuppern ausgiebig Gitarre und Gesicht, die Lemuren interessieren sich besonders für seine Finger und der Elefant macht seinen Rüssel ganz lang, um das Mikrofon zu ertasten.
Manchmal passiert es sogar, dass eines der Tiere den Mund aufmacht als ob es mitsingen will: Ein Faultier zum Beispiel, oder ein Affe. Ganz zu schweigen von den Graupapageien.
Die kleinen Videos von Plumes bei den Tieren berühren auf eigenartige Weise mein Herz. Als würden sie verstehen, dass er sein Lied von Freundschaft und Liebe für sie singt. Sie zeigen weder Angst noch Aggressionen, wenn sie näher kommen. Als würde die Musik Mensch und Tier dabei helfen, einander freundlich zu begegnen.
So ähnlich stelle ich mir das Paradies vor, von dem in der Bibel erzählt wird:
Der Mensch begegnet der Natur freundlich und zart. Unbewaffnet lebt er mit den Tieren zusammen und fürchtet sich nicht davor, verletzt zu werden. Mensch und Tier teilen das Leben, ohne Angst.
Und ich frage mich, ob sich in unserer Welt etwas ändern würde, wenn es mehr Menschen gäbe wie Plumes. Vielleicht kämen wir dem Paradies dann ein Stück näher.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44680
Klosterruinen sind Rückzugsräume und Oasen der Ruhe. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. In ihren Mauern kann man Stress und Hektik hinter sich lassen und neue Kraft schöpfen. Auch bei uns in Rheinland-Pfalz gibt es solche Klosterruinen. Ein Geheimtipp ist dabei das ehemalige Kloster Maria Rosenthal. Es liegt im Donnersbergkreis, nicht weit von Kerzenheim, am Ende eines stillen Tals. In dieser Abgeschiedenheit hatte Graf Eberhard von Eberstein Mitte des 13. Jahrhunderts ein Frauenkloster gegründet. Bis zur Reformation beteten und arbeiteten Zisterzienserinnen in Maria Rosenthal.
Wer heute die Ruine ihrer Kirche besucht, taucht ein in eine malerische Idylle. Da sind die Sandsteinmauern des Langhauses mit den spätgotischen Fenstern. Oder der zierliche Achteckturm über dem Giebel an der Westseite. Die Rosensträucher an den Wänden stehen sinnbildlich für den Namen des Klosters und für die Rose im Wappen des Gründers. Dessen Grabplatte und die Grabdenkmäler einiger Äbtissinen sind im Innenraum aufgestellt.
Im Sommer 1298 trat Maria Rosenthal unerwartet ins Rampenlicht der Geschichte. Unweit des Klosters tobte die Entscheidungsschlacht zwischen König Adolf von Nassau und seinem Herausforderer Albrecht von Österreich. Der Amtsinhaber verlor die Schlacht und sein Leben. Die Nonnen begruben den unglücklichen König in ihrer Klosterkirche. Erst elf Jahre später brachte man Adolfs Leichnam nach Speyer in die Herrschergruft des Kaiserdoms.
So malerisch so eine Ruine ist, sie erinnert auch immer an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Romantik und Melancholie kommen hier zusammen. So ist es auch im ehemaligen Kloster Maria Rosenthal.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44756Die große Moselschleife bei Bremm! Ein fantastisches Motiv für alle, die gerne fotografieren. Wer auf dem Gipfel des Calmont steht, dem offenbart sich die ganze Magie der Landschaft. Der Calmont ist der steilste Weinberg Europas, fast 400 m hoch. Von hier aus lässt sich auch die Klosterruine Stuben gut ausmachen. Umgeben von Weingärten ragen die Außenmauern ihrer ehemaligen Kirche in die Höhe.
Vor zweihundert Jahren war das Nonnenkloster ein – wie man heute sagen würde – „lost place“, ein verlassenes und verfallenes Bauwerk. Aber gerade der Reiz des Vergänglichen zog die großen Künstler der Romantik unwiderstehlich an. Einer von ihnen, der englische Maler William Turner, skizzierte bei seiner Moselreise 1824 auch die Klosterruine Stuben.
In mittelalterlicher Zeit war das Augustinerinnenkloster dagegen ein ausgesprochen lebendiger Ort. Vor allem seit 1208 der Kreuzritter Heinrich von Ulmen den Ordensfrauen eine wertvolle Reliquie vom Kreuz Christi übergab. Sie befand sich in einem kostbaren Schrein, den Heinrich bei der Eroberung Konstantinopels vier Jahre zuvor erbeutet hatte. Fast 600 Jahre lang verehrte man die Heilig-Kreuz-Reliquie im Kloster Stuben. Ihretwegen kamen unzählige Pilger ins Moseltal. Vom Kaiser bis zum Tagelöhner. Heute ist der Reliquienschrein, ein Meisterwerk byzantinischer Goldschmiedekunst, das Glanzstück der Sammlung des Bischöflichen Museums in Limburg an der Lahn.
Wer die lichte Kirchenruine an der Mosel besucht, der ahnt vielleicht noch etwas von der Sehnsucht der mittelalterlichen Menschen nach Heil und Erlösung. Gebete oder Gesänge füllen den Raum schon lange nicht mehr. Dafür aber kann man an diesem Ort der Stille ungehindert in den offenen Himmel schauen!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44755Die Ruinen alter Klöster ziehen viele Menschen in ihren Bann. Auch ich mag diese stillen Orte mit ihrer mystischen Atmosphäre. Großbritannien und Irland sind berühmt für ihre stimmungsvollen Klosterruinen. Aber man muss nicht auf die Britischen Inseln reisen, um solche Stätten zu erleben. Es gibt sie auch bei uns in Rheinland-Pfalz. Wie wäre es mit einem Besuch - gerade jetzt in der Urlaubszeit? Ich möchte in dieser Woche drei dieser romantischen Orte vorstellen.
Den Anfang macht der Disibodenberg. Das Kloster liegt reizvoll auf einem bewaldeten Bergrücken am Zusammenfluss von Nahe und Glan in der Nähe von Odernheim. Der Besucher spürt sofort, wie eng sich hier Natur und Architektur verbinden. Die verstreut liegenden Reste der Abtei regen die Fantasie an. Viele Menschen kommen wegen der hl. Hildegard von Bingen auf den Disibodenberg.
Sie war eine der beeindruckendsten Frauen des Mittelalters, vielfältig begabt als prophetische Seherin, Dichterin und Komponistin. Ihre Naturheilkunst begründete eine ganzheitliche Medizin, die bis heute nachwirkt. Als achtjähriges Mädchen war Hildegard in die Frauenklause des Klosters eingetreten. Fast vierzig Jahre blieb sie auf dem Disibodenberg.
Streift man durch das Gelände, entdeckt man Teile der Abtei, die in der Reformation aufgehoben wurde und später als Steinbruch diente. Die Baureste sind eingebettet in eine parkähnliche Landschaft. Kreuzgang, Speisesaal oder auch die Backstube lassen sich noch ausmachen. Überragt wird der Ort von der Giebelwand des klösterlichen Hospizes. Hier wurden Pilger, Arme und Kranke aufgenommen.
Von der Kirche selbst stehen nur noch die Grundmauern. Aber aus der Mitte des ehemaligen Gotteshauses wächst eine imposante dreistämmige Eiche. Der Baum erscheint wie ein Sinnbild für die Kraft, die der Disibodenberg noch heute ausstrahlt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44754Eine Grundschülerin fährt gegen Abend mit dem Fahrrad zur Kirche.
Die ist zu, es ist Mittwoch. Das hindert sie aber nicht. Sie faltet die Hände und bittet Gott, dass der ihr helfen möge.
In der Schule klappt es nicht. Ein Junge ärgert sie, sie hat noch keine richtigen Freunde; leider spricht sie auch die Sprache noch nicht gut, weil sie erst seit ein paar Monaten in Deutschland ist.
Manchmal sind die Lehrer sauer, weil sie die Hausaufgaben nicht verstanden hatte.
Sie steht enorm unter Stress. Ob Gott ihr helfen kann?
Bei mir hatte sie sich vorher nochmal versichert, dass Gott in der Kirche wohnt.
Und offenbar glaubt sie, dass man Gott auch erreichen kann, wenn man vor der Kirche betet.
Ich finde das sehr rührend. Ein Kind will seine Eltern nicht zu sehr belasten und wendet sich deshalb an Gott. Sie weiß, wo sie hinfahren kann; sie kennt die Adresse.
Ich glaube allerdings, dass Gott nicht nur in und an der Kirche wohnt, sondern auch in der Welt. Er wohnt überall und man kann ihn jederzeit und von jedem Ort aus ansprechen.
Trotzdem verstehe ich das Mädchen gut.
Es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn man sich auf den Weg macht, um Gott zu besuchen und mit ihm zu reden, als wenn man das einfach so von irgendwoher macht. Im Notfall geht das natürlich immer, ein Stoßgebet aus dem Auto oder im Krankenhausbett oder wenn ein gelber Brief im Kasten liegt. Notfall eben.
Aber schöner ist es, zu Gott zu fahren, in sein Haus zu gehen oder vor der Tür mit ihm zu reden. Ich glaube bestimmt, dass Gott der kleinen Schülerin auch Antwort gegeben hat.
Abends hat sie das doch noch ihren Eltern erzählt.
Im völlig fremden Land heimisch zu werden ist für Erwachsene schwer. Kinder lernen schneller, aber es ist trotzdem schwer für sie.
Wenn die Eltern ihr mehr zur Seite stehen und die Nachbarn sich engagieren und Gott hilft, dann klappt das hoffentlich in der Schule.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=447228 Cent für eine leere Bier-Flasche im Pfandautomaten im Getränkemarkt.
25 Cent für eine leere Plastikflasche.
Klar kannte ich diese Summen, aber es hatte keine Bedeutung für mich. Leergut zurück und Pfandbon einstecken und neue Getränke kaufen. Routine.
Das hat sich geändert bei meinem letzten Besuch in Berlin. Wir waren am Bahnhof Friedrichstrasse - mein Lebensgefährte und ich - und hatten Zeit und es war heiß und nur wenige Bänke im Schatten. Alle besetzt, aber wir wollten uns dann irgendwo dazu setzen. Höfliche Frage an einen Herrn mit zwei riesigen Plastiktaschen, ob wir uns neben ihn setzen dürften. Er rückte etwas beiseite und wir kamen ins Gespräch.
Peter Paul lebt von leeren Flaschen. An schlechten Tagen verdient er 12 Euro, das wären 48 große Plastikflaschen oder noch mehr kleine. Dann kann er jedenfalls abends etwas essen. An guten Tagen schafft er bis zu 200 Euro.
Also Minimum 800 große Flaschen an so einem Tag in verschiedene Pfandautomaten.
Dann muss er natürlich sparen für die schlechten Tage, kann sich aber auch mal was gönnen.
Er sprach gepflegtes Hochdeutsch, kam aus der Nähe von Rostock, fragte uns nach der Eifel aus und erklärte uns, wie man als Flaschensammler lebt. Er schläft irgendwo in den Bahnhöfen. Wo er duscht oder ob er Ärzte findet, die Menschen wie ihn behandeln im Notfall? Keine Ahnung.
Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Da er kein Handy hat, musste das vage bleiben: hier auf der Bank gegen 14 Uhr – und hat auch nicht geklappt.
Erst im Nachhinein ist uns aufgefallen: es war Pfingstsonntag. Das ist doch der Feiertag, wo sich auf einmal alle Menschen verstehen konnten. Egal, welche Sprache. Egal,welche Lebenssituation. Steht so in der Bibel.
Pfingstsonntag. Gab es da in Berlin, Friedrichstrasse, auch.
Schade, dass Peter Paul kein Handy hat, wir würden ihm gern weiter schreiben.
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