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„Man hinterlässt immer Spuren, auch wenn man einfach nur rumsteht.“ Ein Satz, den uns ein Stadtführer mitgibt. In Halberstadt am Rande des Harzgebirges.
An der Außenwand der Martinikirche in Halberstadt stand nämlich jahrelang eine riesige aus Stein gehauene Ritterstatue. Vor fast 30 Jahren wurde diese Statue dann versetzt. An der Kirche kann man aber 30 Jahre später immer noch sehen, dass dieser große Ritter hier einmal gestanden hat. Die Mauersteine, vor denen der Ritter stand, sind viel heller und seine Silhouette ist auf der Kirchenwand deutlich erkennbar. Nachdem der Stadtführer uns das erklärt hat, sagt er: „Und das habe ich hier gelernt: Man hinterlässt immer Spuren, auch wenn man einfach nur rumsteht.“
Man hinterlässt immer Spuren… dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe ihn vor allem als Mutter gehört. Denn, ob ich es will oder nicht, ich präge ja die Welt für meine Kinder. Mit jedem Satz, den ich sage, mit allem, was ich tue, entstehen Spuren, die meine Kinder prägen. Sogar beim Rumstehen? Das finde ich beunruhigend. Aber ich weiß, dass da was dran ist. Denn die unbewussten Prägungen sind vielleicht am nachhaltigsten. Unüberlegte Sätze wie: „Du kannst das nicht – das habe ich Dir doch schon vorher gesagt, dass das nichts wird!“ Ich hoffe, dass solche Sätze, die ich meinen Kindern ganz sicher auch gesagt habe, nicht ihr Leben prägen.
Was ich meinen Kindern vor allem mitgeben möchte auf ihren Lebensweg? Einfach diese Gewissheit, die sie trägt, wenn Menschen sie klein machen wollen: „Gott hat euch wunderbar gemacht. Jeden und jede ganz anders und wunderbar. Das könnt ihr glauben!“
Ich möchte, dass meine Kinder später über mich sagen: Meine Mutter hat mir Mut gemacht. Sie hat mir Vertrauen mitgegeben – ins Leben, in die Menschen und zu Gott.
Man hinterlässt immer Spuren…ich will alles tun, dass es gute Spuren sind, die ich hinterlasse.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43996Ich bin Mitglied im Landfrauen Verband Rheinhessen. Ich bin zwar keine Winzerin oder Landwirtin und ich habe auch keinen besonders grünen Daumen. Aber ich habe als Pfarrerin immer wieder erlebt, wie die Landfrauen sich einsetzen für ihren Ort und für die Menschen am Ort. Dass sie besonders schöne und kreative Ideen haben. Das gefällt mir. Und deshalb bin ich stolz darauf, eine von ihnen zu sein.
In dem kleinen rheinhessischen Dorf Selzen haben die Landfrauen zum Beispiel vor Jahren eine Blumenzwiebel-Pflanz-Aktion durchgeführt. Sie haben an einem Wochenende im Herbst über 1000 Blumenzwiebeln in allen möglichen öffentlichen Beeten in ihrem Dorf vergraben. Im nächsten Frühjahr hatten alle im Dorf etwas davon. Von den Tulpen und Narzissen, die mit der Sonne um die Wette gestrahlt und auch bei trübem Frühlingswetter bunte Farben ins Dorf gebracht haben. Und nicht nur einmal. Diese Blumenzwiebel-Pflanz-Aktion war nachhaltig: Bis heute blühen die Tulpen und Narzissen jedes Frühjahr wieder in den Beeten.
Heute ist mir diese Pflanzaktion der Landfrauen wieder eingefallen. Denn heute ist der Pflanz-eine-Blume-Tag. Dieser Aktionstag ist eine Einladung: Pflanz eine Blume im Garten, auf dem Balkon oder noch besser: in einem Beet in Deinem Ort, von dem Du denkst, dass es wirklich mal eine Blume nötig hätte.
Klar, es ist nur eine Blume. Aber wenn ganz viele „nur eine Blume“ pflanzen, dann werden es ganz schön viele Blumen. Viele kleine Hoffnungszeichen. Und aus den vielen kleinen Hoffnungszeichen wird dann ein großes.
Ich glaube fest daran, dass es so ist, wie es in einem Lied heißt: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehn. Gottes Segen wird sie begleiten, wenn sie ihre Wege gehn.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43995In der vergangenen Woche konnte ich plötzlich nicht mehr auf mein Dienstemail-Konto zugreifen. Der Zugang funktionierte einfach für mehrere Stunden nicht mehr. Die Erklärung der Techniker für den Ausfall hat mich überrascht. Und dann auch erschrecken lassen: Der Dienstleister für mein Email-Konto hat seinen Sitz in Haifa in Israel. Er musste seine Dienste während eines Bombenalarms kurzfristig abschalten. Und da ist mir dieser Satz wieder eingefallen; ich hatte ihn längst verdrängt:
„Deutschland befindet sich aktuell nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.“
So haben die Leitungen der Nachrichtendienste ihren Bericht über die Lage in Deutschland im vergangenen Herbst zusammengefasst.
Kriege gibt es in so vielen Regionen dieser Welt. Und seit der vergangenen Woche ist er auch im Nahen Osten wieder eskaliert und breitet sich in der Golfregion aus. All diese Kriege beunruhigen mich. Und es beschäftigt mich, dass immer wieder neue Kriege ausbrechen oder alte aufflammen. Und ich gebe auch zu, dass ich mich gleichzeitig damit beruhige, dass diese Kriege ja nicht hier in Deutschland stattfinden. So versuche ich, all das Leid auch ein Stück von mir weg zu halten. Denn anders ist es für mich nicht auszuhalten.
„Deutschland befindet sich aktuell nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.“
Durch meinen Computerausfall ist mir diese Realität plötzlich wieder sehr nahe gerückt. Die Kriege dieser Welt sind nicht weit weg und fern. Alles hängt mit allem zusammen. Und was noch wichtiger ist: alle Menschen sind mit allen Menschen verbunden. Auf der ganzen Welt. Wir spüren die Folgen der Kriege dieser Welt auch hier auf unterschiedlichste und erschreckende Weise.
Trotzdem will ich die Angst nicht siegen lassen über die Hoffnung. Und jedes Mal, wenn ich meinen Computer öffne und der Zugang zu den Emails funktioniert, bin ich auf eine besondere Art verbunden mit den Menschen in Nah Ost: Es ist für mich ein kleines Hoffnungszeichen, dass dort vielleicht gerade keine Bomben fallen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44017Mein Mann und ich sind zu Besuch in Marburg. Es ist Februar. Es nieselt. Es ist kalt und ungemütlich. Wir gehen schnell, schauen kaum nach rechts und links. Die Hände in den Taschen, die Schultern hochgezogen, sind wir auf der Suche nach dem Café, in dem wir uns mit Freunden verabredet haben. An einer roten Ampel müssen wir stehen bleiben und warten. Ich schaue ungeduldig auf das rote Männchen und sehe darüber einen leuchtenden Schriftzug: Grün kommt!
Zwei Worte, die auf mich wirken. Was für eine Ansage! So bestimmt und ohne Wenn und Aber. Nicht: Wahrscheinlich wird es demnächst grün. Nur dieses Versprechen: Grün kommt!
Und dann wird es grün, das rote Männchen und die kurze Ansage erlöschen und wir können weitergehen. „Grün kommt!“ Dieser Satz begleitet mich weiter und zaubert mir an diesem kalten Februartag immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und Hoffnung ins Herz. Ja, denke ich, das gilt nicht nur für den Straßenverkehr. „Grün kommt!“ Auch in der Natur. Es bleibt nicht Winter. Der Frühling kommt. Früher oder später. Nicht vielleicht. Er kommt ganz sicher.
Das Grün kommt oft leise, nicht mit Ansage, sondern wie aus dem Nichts ist es plötzlich da. Das sehe ich jetzt, einen Monat später, im März. Am einen Tag schaue ich aus dem Fenster und die Äste der Kastanienbäume vor unserem Haus sind noch braun und kahl, kein Lebenszeichen. Und am nächsten Tag entdecke ich, wie die ersten Knospen an den Ästen anschwellen: noch ganz klein, rundlich und harzig. Aber sie sind da. Und es wird weitergehen. Das Grün kommt!
Und mit Gott ist das genauso, denke ich. Er ist auch so eine Grünkraft. Oft ist er ganz leise unterwegs, fast unbemerkt, wie eine Knospe, die über Nacht aufgegangen ist. Und deshalb manchmal noch kaum zu erkennen. Aber er ist da. Nicht vielleicht, sondern verlässlich. Das Grün kommt!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43993Wissen Sie, wer heute Geburtstag hat? Barbie! Vor 67 Jahren kam die erste Barbie-Puppe auf den Markt. Ich durfte als Kind keine haben. Meine Mutter fand diese Puppen einfach unmöglich. Deshalb waren Barbie-Puppen bei uns zu Hause verboten. Meine Mutter fand, dass kein Mädchen davon träumen sollte, so auszusehen wie Barbie: Blond, langbeinig, perfekte Taille. Sie wollte meine Schwester und mich zu emanzipierten Frauen erziehen, die ihren eigenen Weg finden im Beruf und im Leben.
Deshalb habe ich heimlich bei Freundinnen mit deren Barbies, ihren Barbiehäusern, -autos und -traumkutschen gespielt und mich dort in die Barbie-Welt hineingeträumt. Denn: „Du kannst alles sein!“ Das ist der Werbeslogan, mit dem Barbie auf die Welt gekommen ist. Und Barbie ist ja auch vieles: Sie ist nicht nur Freundin, sondern auch Ärztin, Rettungsschwimmerin, Prinzessin und Snowboarderin.
Heute gebe ich meiner Mutter recht, dass dieses pinkfarbene Barbieleben auch Druck ausüben kann. Barbie ist in allem perfekt. In jeder Lebenslage lächelt sie, und nie ist sie erschöpft.
Und trotzdem mag ich ihren Werbeslogan: „Du kannst alles sein“. Denn darin steckt auch ein Gedanke, der tief christlich ist: „Du kannst alles sein“. Ich höre diesen Satz als Einladung, die eigenen Möglichkeiten ernst zu nehmen.
Gott sagt nämlich: „Du bist schon jemand. Du bist mein Geschöpf und Ebenbild.“ Wenn ich ihm das glaube, dann verliere ich diesen Barbie-Zwang zur Selbstoptimierung. Dann kann ich mich in einem anderen Licht sehen: Ich bin Gottes gutes Geschöpf, von ihm mit Talenten beschenkt, um etwas zu erreichen.
Gott hat für mich keine perfekte Rolle vorgesehen, sondern ein lebendiges Leben. Ein Leben, in dem ich mich ausprobieren und mich verändern kann. Sogar scheitern darf. Und erhobenen Hauptes wieder aufstehen. Wie wunderbar, mit dieser Zusage leben zu dürfen: „Du musst nicht alles sein, aber du kannst so vieles sein.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43992Heute ist Samstag. Da kann ich mir beim Frühstück mehr Zeit lassen als sonst. Das passt zu dem etwas kuriosen Tag, den wir heute in Deutschland haben. Heute ist der „Tag der gesunden Ernährung“. Da soll es darum gehen, „wie wichtig es ist, gesund zu essen und bewusst zu genießen“[1]. Dass ich mich gesund ernähren soll, ist für mich nichts Neues.
Aber dass es an diesem Tag auch darum geht, dass ich „bewusst genieße“, darüber bin ich gestolpert. Bloß, was heißt eigentlich „genießen“?
Genießen heißt für mich, dass ich zunächst mal ganz da bin mit all meinen Sinnen. Dass ich die nötige Ruhe habe und nicht in Eile bin. Dass ich den herrlichen Duft von meinem frisch gekochten Kaffee wahrnehme. Ganz bewusst. Genießen, das heißt für mich das Besondere wahrzunehmen an dem, was ich da gerade schmecke oder rieche.
„Bewusst genießen“ - das hat für mich persönlich damit zu tun, dass ich ganz bewusst wahrnehme. Nicht nur das Essen, sondern alles, was um mich herum ist: Die Vögel, die jetzt schon so munter zwitschern. Das Leben draußen auf der Straße und die frische Luft, die den Frühling ankündigt.
Bei geistlichen Tagen, die ich im Schweigen verbracht habe, hat der Leiter mir am Anfang gesagt: „Machen Sie einfach mal gar nichts. Seien Sie präsent und nehmen Sie einfach mal alles um sich herum wahr. Und wenn Sie das tun, wenn Sie präsent sind, dann begegnen Sie auch dem, der immer da ist.“ Ich habe tatsächlich gespürt: Gott ist auch da. Mitten im Leben. Und ich erkenne seine Handschrift in meiner Umgebung, in der Natur und in meinen Mitmenschen, die mir heute begegnen. All das kann ich heute ganz bewusst genießen. Und mit dem duftenden Kaffee fange ich jetzt an.
[1]https://www.aok.de/pp/unser-engagement/gesundheitstage/tag-der-gesunden-ernaehrung/ (aufgerufen am 18.02.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43964Heute, am ersten Freitag im Monat, gehe ich die älteren Menschen unserer Kirchengemeinde besuchen. Es ist immer ein großes Hallo, wenn ich zu einer bestimmten Frau im Dorf komme. Sie hat mal eine Bäckerei geführt und hilft immer noch ein bisschen mit. Wenn ich bei ihr bin, lachen wir viel zusammen über Anekdoten aus dem Ort. Dann beten wir und singen die alten Kirchenlieder. Und das meistens sehr lautstark. Oft auch mit offenem Fenster. Manche Nachbarn haben, denke ich, auch ihre Freude daran.
Jedes Mal, wenn ich von dort weggehe, ruft mich ihr Sohn noch einmal in die Backstube rein. Er packt mir dann eine duftende, warme Brezel oder eine Laugenstange in eine Tüte: „Das ist für Sie“, sagt er und lacht mich an. Ich freue mich darüber. Aber es ist mir auch etwas peinlich. Eigentlich komme ich ja nicht wegen der Brezel. Die Hausbesuche gehören zu meinem Dienst als Seelsorger. „Das ist schon in Ordnung so“, sagt er dann jedes Mal.
Bei meinem letzten Besuch war er nicht da. Als ich mittags nach Hause gekommen bin, lag eine Bäckertüte vor meiner Tür. Mit drei frischen großen Berlinern drin. „Unglaublich“, habe ich gedacht. Der Mann hat sich die Mühe gemacht, extra noch zu mir zu fahren. Ich war gerührt und auch etwas beschämt. Aber er wollte mir einfach Danke sagen. Das war ihm wichtig.
Ich habe durch ihn gelernt, wie wichtig es ist, ein Danke auch anzunehmen. Und wenn ich mich über das Dankeschön noch freue, tut es auch dem anderen gut. Wo Menschen sich gegenseitig Gutes tun und auch danken, spüre ich: Da ist Gott mit im Spiel. Der Gott, der uns Menschen immer wieder beschenkt und auch miteinander verbindet, wenn wir uns mal Danke sagen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43963„Sie konnte nicht „Nein“ sagen. Sie war für alle da, nur für sich selbst nicht.“ Als ich das in der Ansprache bei einer Trauerfeier erwähnt habe, haben manche Trauergäste genickt.
Viele der Anwesenden hatten auf ganz unterschiedliche Weise erlebt, wie engagiert die verstorbene Frau war. Beim Gespräch mit der Familie haben wir gemeinsam überlegt, was wir von der Frau lernen könnten: „Eigentlich ist es doch gut, Ja zu sagen, wenn man gefragt wird, ob man helfen kann. Aber sich selbst sollte man nicht dabei vergessen. Und dann vielleicht auch mal ‚Nein‘ sagen“, hat die Enkelin gesagt.
Bewusst auch mal „Nein“ sagen heißt ja, dass ich mir darüber klar bin, was ich kann und was ich nicht kann. Was mich vielleicht überfordert. Da darf ich ganz getrost auch mal „Nein“ sagen: „Das kann ich nicht, das ist mir zu viel“. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ich ganz bewusst „Ja“ sagen kann, wenn ich spüre: „Hier bin ich gefragt und das kann ich auch machen!“ Es geht jedenfalls immer um eine klare Entscheidung: „Euer Ja sein ein Ja, euer Nein sei ein Nein“ (Mt 17, 37). So sagt es Jesus.
Ich denke, dass Gott jedem und jeder von uns ganz bestimmte Talente und Kräfte geschenkt hat. Wenn ich gefragt werde und spüre, dass ich etwas kann und es mir sogar Freude macht, sage ich ganz bewusst „Ja, das mache ich!“. Ich darf mir aber auch mal gönnen, „Nein“ zu sagen, wenn es mir zu viel wird. So bleibe ich „Ich selbst“. Ich nehme die anderen und auch mich selbst ernst. Und letztlich auch Gott, der alles in mich hineingelegt hat.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43962Die Stimmung in unserem Land ist schlecht. Jedenfalls habe ich oft den Eindruck, dass viele Menschen keine Hoffnung mehr auf eine gute Zukunft haben. Manche sind resigniert, weil vieles nicht gut funktioniert: zu viel Bürokratie, marode Schienennetze. Andere sind noch besorgter, weil der amerikanische Präsident Diktator spielt und Europa schwach wirkt.
Was mir hilft, den Kopf nicht in den Sand zu stecken? Beispiele, die zeigen, dass man hoffnungsvoll nach vorne schauen darf. Trotz allem. Neulich hatte ich eine Begegnung mit jungen Forscherinnen und Forschern. In einem Wettbewerb haben sie ihre Projekte vorgestellt. Es ging darum, alles möglichst unterhaltsam zu präsentieren.
Ein junger Mann hat mich besonders gefesselt. Er erforscht, wie Pflanzen Widerstandsfähiger gegen den Klimawandel gemacht werden können. Doch noch mehr als sein Thema hat mich seine Begeisterung fasziniert. Mit leuchtenden Augen und strahlendem Lachen erzählte er von seiner Arbeit. Und das Wichtigste: er blieb zuversichtlich und hoffnungsvoll für die Zukunft. Diese Begeisterung hat mich angesteckt. Und offenbar auch die anderen. Denn am Ende hat er den Wettbewerb gewonnen.
Meine Sorgen um die Zukunft sind dadurch nicht verschwunden. Aber Menschen wie dieser junge Mann lassen die kleine Flamme der Hoffnung und Zuversicht gleich viel heller leuchten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43958Seit einiger Zeit lerne ich Französisch. Ich möchte das endlich nachholen. Dazu habe ich mich bei einer Onlineplattform für Sprachkurse angemeldet. Seit fast einem halben Jahr treffe ich mich nun regelmäßig mit meinem Lehrer aus Frankreich. Wir üben viel. Aber wir unterhalten uns vor allem über alles Mögliche. Wir sprechen über gutes Essen, über Urlaube und über Politik. Mein Lehrer ist mit einer Frau aus China verheiratet und schwärmt von chinesischem Essen und chinesischer Gastfreundschaft. Und ich erzähle von deutschen Dialekten und meiner Heimat im Schwarzwald.
Irgendwie kamen wir letzte Woche auf das Thema Glauben zu sprechen. Plötzlich haben wir gemerkt, wie sich die Atmosphäre zwischen uns verändert hat. Ich hab mich gefragt: Wird das jetzt gleich ein Super-Gau, wenn ich ihm sage, dass ich Christ bin? Wird er mich auslachen? Ich musste meinen Mut zusammennehmen, als ich gesagt habe: ich bin katholischer Christ. Völlig unerwartet antwortete er ganz offen: ich bin auch Christ, Johannes. Ich bin Protestant.
Im Nachhinein frage ich mich, warum wir nicht schon viel früher den Mut hatten, über unsere Religion zu sprechen. Denn das Gespräch hat gutgetan. Vielleicht wollten wir eine unangenehme Diskussion vermeiden. Oder war uns der Glaube einfach zu intim?
Für mich war es wichtig, dass ich mich geöffnet habe. Auch wenn ich hätte verletzt werden können. Wir haben so eine Seite an uns kennengelernt, die beiden sehr wichtig ist. Dass wir uns an das heikle Thema Religion gewagt haben, war ein echter Gewinn. Und für unsere weiteren Treffen eine gute Vertrauensbasis.
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