Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2 / SWR Kultur

     

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

16JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Durch Zufall bin ich neulich beim Zappen durch die Fernsehprogramme einem alten Freund wiederbegegnet. „Michel aus Lönneberga“ - dem schwedischen Jungen vom Katthult-Hof, der in ganz Småland für seine Streiche berühmt und berüchtigt ist.

Die Filme nach den Büchern von Astrid Lindgren haben mich durch meine Kindheit begleitet:

Michels Kopf in der Suppenschüssel, seine Schwester Ida auf der Fahnenstange, der Fuß seines Vaters in der Rattenfalle, das betrunkene Schweinchen und die von Armenhäuslern leergegessene Speisekammer - Ich finde Michel toll. Immer noch.

Und immer noch fühle ich mit ihm, wenn er im Holzschuppen eingesperrt Männchen schnitzen muss, weil er mal wieder etwas ausgefressen hat.

Denn eigentlich meint Michel es ja immer gut. Er will helfen, will das Richtige tun. Doch er denkt das Ganze manchmal nicht zu Ende - und dann passiert die nächste Katastrophe, und es wartet der Holzschuppen.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht – das kenne ich auch von mir. Oder wie Michel es einmal formuliert: „Unfug denkt man sich nicht aus, Unfug wird’s von ganz allein. Aber dass es Unfug war, weiß man erst hinterher.”

Michel ist mein Held, weil er sich trotzdem nicht unterkriegen lässt. Holzschuppen hin oder her, Michel bleibt herzensgut. Will da sein für die Menschen, die ihm wichtig sind. Will die Welt ein Stück besser machen. Aus Liebe. Auch wenn am Ende vielleicht wieder nur „Unfug“ herauskommt - Michel macht weiter.

Diesen „inneren Michel“ möchte ich mir gerne bewahren und bei allem Unfug, den ich anstelle, nicht nachlassen. Ruhig mal Fehler machen. Hinfallen, aber dann auch wieder aufstehen und es nochmal versuchen. Aus Liebe.

Dass das geht, sehe ich bei Michel. Und bei Martin Luther.   
„Sündige tapfer!“ hat Luther einmal gesagt. „Und glaube noch tapferer!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43651
weiterlesen...
15JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

An Weihnachten habe ich eine neue Uhr geschenkt bekommen. So eine digitale, die auch Bewegungen misst und Schritte zählt. Genau so eine habe ich mir auch gewünscht, denn: Bewegung ist wichtig, aber ich bewege mich einfach nicht genug!

Und wirklich: Seit ich die Uhr habe und genau weiß, welche Strecke ich heute gelaufen bin und wie viele Kalorien ich verbrannt habe - seitdem bewege ich mich mehr.

Laufen, Gehen, Radfahren - die Uhr zeichnet alles auf und am Ende des Tages weiß ich, ob ich meine selbstgesteckten Ziele erreicht habe, oder nicht.

Meine Fitness-Uhr ist eine gute Gegnerin für meinen inneren Schweinehund. Der sagt nämlich gerne: „Es ist grade so schön gemütlich, du willst doch jetzt nicht wirklich rausgehen!“

Doch es gibt auch Tage, da ist es anstrengend mit der Uhr. Da motiviert sie mich nicht, sondern setzt mich unter Druck.

Manchmal gibt es wirklich gute Gründe, warum ich morgens mal nicht laufen gegangen bin und zum Einkaufen nicht das Fahrrad genommen habe - weil ich zu müde war oder weil es in Strömen geregnet hat. Dann gibt mir die Uhr das Gefühl: Du hast dein „Soll“ nicht erfüllt! Du hättest noch mehr tun müssen!

Es bleibt dieses blöde Gefühl, dass ich den Ansprüchen nicht gerecht geworden bin. Darum habe ich angefangen, mit der Uhr zu reden - Nein, nicht laut, sondern leise, in Gedanken.

Wenn die Uhr mir mitteilt, dass ich noch etwas machen müsste, sage ich manchmal: „Danke, dass du mich erinnerst, aber mir reicht das für heute“. Und wenn ich sehr genervt bin, sage ich: „So, jetzt lass mich in Ruhe“ und schalte einfach die Mitteilungsfunktion aus.

Seitdem geht‘s. Seitdem arbeiten wir gut zusammen. An manchen Tagen schaffe ich mein Soll, an manchen nicht, und das ist auch okay. Die Uhr hilft mir. Aber ich bin nicht ihr Angestellter.

In der Bibel heißt es: „Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich“ (1. Korinther 10,23). Das habe ich auch meiner Fitness-Uhr gesagt und sie hat nicht widersprochen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43650
weiterlesen...
14JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Eigentlich wollte Katrin nur den Müll rausbringen. Aber jetzt steht sie seit zehn Minuten draußen bei den Tonnen in der Kälte und quatscht mit ihrer Nachbarin. Die beiden kennen sich eigentlich nicht besonders gut. Aber sie haben sich immer gleich was zu erzählen, wenn sie sich zufällig begegnen. Katrin findet: Das ist echt eine Nette, ihre Nachbarin.

Draußen bei den Mülltonnen wird es den beiden jetzt langsam zu kalt. Katrin zögert. Sie hat ihre Nachbarin noch nie zu sich in die Wohnung eingeladen. Sie will nicht übergriffig wirken. Und sie ist auch überhaupt nicht auf Besuch eingestellt. Aber dann gibt sie sich einen Ruck und sagt: „Du, wenn es dir nichts ausmacht, dass bei mir nicht aufgeräumt ist, könnten wir eine Tasse Tee zusammen trinken.“ Und ihre Nachbarin sagt ja.

Als die beiden Katrins Wohnung betreten, ist es Katrin dann doch furchtbar peinlich. „Tut mir leid, hier liegt alles rum, ich bin noch gar nicht zum Aufräumen gekommen“, murmelt sie, und stellt schnell ihr benutztes Geschirr in die Spüle. Es liegen auch noch Krümel vom Frühstück auf dem Tisch. Und auf dem Boden auch, zusammen mit relativ viel Staub. Aber Katrins Nachbarin grinst nur und sagt: „Entspann dich, bei mir zu Hause hätten wir erst über meinen Wäscheberg klettern müssen, um überhaupt in die Küche zu kommen.“ Und Katrin entspannt sich. Während sie den Tee aufgießt, erzählen sich die beiden von ihren größten Haushaltskatastrophen. Sie einigen sich darauf, dass hinter jeder perfekten Fassade irgendwo Staub und Krümel liegen. Und sie versprechen einander, sich in Zukunft nicht zu stressen, wenn die andere spontan vorbeikommt.

Katrin ist froh, dass sie über ihren Schatten gesprungen ist. Sie hat das Gefühl, dass eine neue Nähe entstanden ist zwischen ihr und ihrer Nachbarin. Und das geht eben nur, wenn man jemanden hinter die eigene Fassade schauen lässt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43649
weiterlesen...
13JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mein Auto hat einen eingebauten Sicherheitsassistenten.
Das heißt: Immer, wenn ich mich nicht ganz genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte, gibt das Auto einen ziemlich schrillen Warnton von sich. Zuerst habe ich mich jedes Mal total erschreckt. Dann hat es mich genervt. Denn mein Auto ist extrem pingelig und piepst andauernd. Dabei gehöre ich wirklich nicht zu den Raserinnen. Aber offensichtlich fahre ich häufig so einen kleinen Tick zu schnell. Und dann wird jede Unterhaltung mit dem Beifahrer immer wieder durch den unangenehmen Warnton unterbrochen. „Betreutes Fahren“, brummelt mein Mann auf dem Beifahrersitz dann, während ich anfange, mit dem Auto zu schimpfen.

Glücklicherweise haben wir irgendwann herausgefunden, dass man diese Funktion auch anders einstellen kann. Jetzt ist der Ton nicht mehr so schrill, sondern eher ein freundliches „Pling“. Seitdem schimpfe ich nicht mehr mit dem Auto. Denn es macht nicht mehr jedes Gespräch kaputt. Oft denke ich sogar „Du hast ja recht“ und nehme den Fuß vom Gaspedal. Im Grunde weiß ich ja, dass es um meine eigene Sicherheit geht und um die der anderen Verkehrsteilnehmer.

An der Sache hat sich dabei eigentlich nichts geändert. Nur am Ton. Und trotzdem fällt es mir jetzt leichter, die Kritik an meinem Fahrstil anzunehmen. Der Ton macht eben die Musik.

In der Bibel werden die Menschen immer mal wieder dazu aufgefordert, aufeinander acht zu geben. Da heißt es dann manchmal sogar, man soll sich gegenseitig ermahnen, wenn jemand sich nicht gut verhält. Ich habe mich damit immer schwergetan. Ich möchte mir nicht anmaßen, andere zu beurteilen oder zu kritisieren.

Andererseits ist es richtig, den Menschen, die mir wichtig sind, zu sagen, wenn ich mir um sie Sorgen mache. Wenn mir zum Beispiel etwas an ihrem Verhalten aufgefallen ist, von dem ich glaube, dass es ihnen oder anderen nicht guttut. Wenn ich so etwas ansprechen will, ist es unheimlich wichtig, den richtigen Ton zu treffen.

Von meinem Auto habe ich gelernt: Ein penetranter, schriller Besserwisser-Ton wird jede Einsicht kaputt machen. Am besten versuche ich es wohl mit einem freundlichen „Pling“.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43648
weiterlesen...
12JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen noch dunkel. Und wenn ich abends von der Arbeit komme, dann ist es wieder dunkel. Für meinen Körper ist das eine Herausforderung. Und auch für die Seele: Mich macht es so müde, dass das Sonnenlicht fehlt, und irgendwann schlägt das dann auch aufs Gemüt.

Die amerikanische Psychologin Kari Leibowitz wollte wissen, wie die Menschen in Norwegen mit der Dunkelheit umgehen. Denn in Norwegen ist der Winter noch länger als bei uns. Von Mitte November bis Ende Januar gibt es dort kaum Tageslicht.  Sie hat herausgefunden, dass die Norweger gute Strategien haben, um mit der dunklen Jahreszeit besser zurechtzukommen. Ich habe mir drei von ihren Tipps gemerkt.

Der erste lautet: Man muss ernst nehmen, dass die dunkle Jahreszeit Kraft kostet. Der Körper verbraucht mehr Energie. Manche Tiere halten ja sogar Winterschlaf. Und auch manchen Menschen tut es gut, sich etwas mehr Schlaf zu gönnen. Es ist okay, einfach mal früher ins Bett zu gehen.

Der zweite Rat lautet: Kopf und Körper müssen die Chance haben, sich auf den Winter einzustellen. Viele Norweger gehen mindestens 20 Minuten am Tag raus, bei jedem Wetter, und auch wenn es dunkel ist. So kann die innere Uhr verstehen, was jahreszeitlich gerade dran ist.

Und der dritte Tipp hat mir besonders gut gefallen: Die Menschen in Norwegen geben sich Mühe, ihr Zuhause schön einzurichten. In Skandinavien gibt es sogar ein Wort dafür: hygge. Es beschreibt eine gemütliche Einrichtung mit sanften Farben, weichen Stoffen und indirektem Licht. Ein Zuhause, das der Seele gut tut.

Was Kari Leibowitz herausgefunden hat, hilft mir. Ich lerne: Es ist keine Schwäche, wenn ich im Winter manchmal müder oder trauriger bin als sonst. Es ist ganz natürlich in dieser Zeit. Und es könnte klug sein, das nicht einfach zu ignorieren. Wir sind schließlich keine Maschinen. Sondern Menschen.

In der Bibel heißt es einmal: „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3) – und dass man das, was die Zeit mit sich bringt, annehmen soll. Ich glaube, jetzt im Winter ist es Zeit, auf die eigenen Kräfte achtzugeben. Und auf das, was die Seele so braucht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43647
weiterlesen...
10JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Da komme ich in einen Raum, zu einer Gruppe von Menschen, und spüre sofort: Da ist „dicke Luft“. Da gibt es atmosphärische Störungen, auf der Beziehungsebene knistert es – bis dahin, dass „die Luft zum Schneiden“ ist. Dann herrscht da ein unguter Geist, der das Miteinander beeinträchtigt, der die Menschen auseinanderbringt.

Gottseidank erlebe ich öfter das Gegenteil davon: Im Gespräch hören die Einzelnen aufeinander und fühlen sich verstanden. Es schwingt alles gut zusammen. Alle ziehen an einem Strang, es verbindet sie der gleiche Geist. Die Gemeinschaft untereinander wächst. Und ich kann im Zusammensein mit den anderen ganz bei mir sein und in innerem Frieden. Dann herrscht da ein guter Geist! Ein Geist, der die Menschen zusammenführt und tiefer verbindet. Für mich ist da der Geist Gottes am Werk, der Heilige Geist. Der ist nichts Abstraktes oder irgendwie „über den Wolken“. Der ist oft wie „zum Greifen nahe“. Der Heilige Geist ist in unseren Herzen, kann unsere Haltungen und unser Verhalten prägen. Er kann Beziehungen untereinander verstärken – und auch heilen. Der Heilige Geist schafft es, dass wir gut in Verbindung mit Gott und untereinander sind. Damit das Leben fließt und damit das Miteinander eine Wohltat für alle ist.

Das erlebe ich vor allem in so manchen Freundschaften - in denen uns viel verbindet, in denen ein tieferer Austausch möglich ist. Das habe ich aber auch im Dienst erlebt, bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – da waren die meisten Besprechungen eigentlich Vergnügungssteuer-pflichtig. Weil auch bei kniffligen Fragen das Miteinander einfach wohltuend war. Den Geist, der das Mitmenschliche fördert, den erlebe ich aber auch im Alltag, z.B. an der Supermarkt-Kasse, bei der Angestellten, die freundlich und zuvorkommend ihren Dienst tut, bei der durch ein paar persönliche Worte das Bezahlen an der Kasse zu einer Begegnung von Mensch zu Mensch wird.

Ich freue mich über jede und jeden, durch den ich etwas von diesem guten Geist Gottes erleben kann. Und ich gebe solchen Erfahrungen Raum in meinem Herzen, damit sie mich innerlich aufbauen. Je mehr ich selbst von diesem Geist der Mitmenschlichkeit erfüllt bin, desto leichter kann ich ihn dann auch meinerseits ausstrahlen. Damit das Schöne am Leben Kreise zieht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43635
weiterlesen...
09JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Jammern und Klagen hat Hochkonjunktur. Was alles schlecht ist, was nicht gut läuft, was anders sein müsste, wer es nicht bringt – das ist fast in aller Munde. Ich habe den Eindruck, dass sich inzwischen eine regelrechte „Kultur des Jammerns und Klagens“ entwickelt hat. Mit welchem Erfolg? Klar: Wer jammert, der will dadurch natürlich etwas für ihn Gutes erreichen. Er oder sie möchte wahrgenommen werden in seinem Anliegen, in seiner Not. Wer jammert, erhofft sich Erleichterung in inneren Spannungen. Er sucht Bestätigung und Gleichgesinnte, Zuwendung in dem, was ihn bedrückt. Das alles sind verständliche Ziele.

Aber Jammern und Klagen hilft meistens nicht wirklich. Erst recht nicht, wenn dabei andere runtergemacht werden, wenn die eigene Sicht sich immer mehr verdüstert und innerlich runterzieht. Dann führt das eher dazu, dass jemand freudlos und lustlos ist oder gar blockiert. So bewirkt Jammern selten, dass sich etwas ändert. Es hält eher davon ab, sich persönlich für etwas Besseres einzusetzen. Schade!

Ich möchte eine Alternative dazu vorschlagen. Das, was nicht gut läuft, was nicht stimmt, was anders sein sollte - das möchte ich sehr wohl realistisch sehen. Aber ich möchte mir dadurch nicht den Blick trüben oder mich runterziehen lassen. Ich möchte dem Ungutem keine Macht über mein Inneres geben. Im Gegenteil: Ich möchte einen inneren Abstand dazu bewahren – dann kann ich besser damit umgehen. Und dafür hilfreich ist auch, dass ich den Fokus nicht nur auf das Betrübliche und Schlechte lege. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich zunächst vor allem das Gute und Wohltuende wahrnehme und in mein Herz lasse, das, was mir gut tut, was mich aufbaut und neue Kräfte verleiht.

Wer ganz bewusst das wahrnimmt und genießt, was ihm Freude macht, was ihm guttut, innerlich aufbaut, der hat weniger Grund zu jammern. Der bekommt neue Lebensfreude und Energie. Gerade auch, um das anpacken zu können, was sich wirklich ändern muss.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43634
weiterlesen...
08JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Was beschäftigt die Menschen? Was bewegt sie innerlich? Das kommt auf ganz verschiedene Weise heraus. Zum Beispiel an der Weihnachtskrippe. Im Speyerer Dom kommen die meisten Besucher pro Tag nicht im Sommer oder im Herbst, in der Hauptreisezeit. Die besucherstärksten Tage im Jahr sind die Tage nach Weihnachten – wenn die wunderschöne Krippe dasteht. Da kamen an einem Tag fast 8500 Kinder und Erwachsene, und sie haben im Dom über 2000 Kerzchen angezündet.

Die Menschen stehen Schlange, um die Weihnachtskrippe betrachten zu können. Weil sie innerlich davon angerührt werden. Die schön gestaltete Krippenlandschaft, die Tiere an der Krippe, der Stern, der über allem steht, die Engel mit ihrer frohen Botschaft, der Stall mit Jesus-Maria-und-Josef – das strahlt etwas aus von Heimeligkeit, Heimat, geborgen sein, Hoffnung, Frieden. So ruft die Krippe etwas in uns wach, was viele sich für ihr Leben wünschen. Im Dom zumindest ist es deutlich spürbar: Die Weihnachtskrippe bringt die Menschen mit ihrer eigenen Sehnsucht in Berührung, sie lässt diese Sehnsucht innerlich aufsteigen und verstärkt sie.

Und das tut gut. Ich bin überzeugt: Im Herzen jedes Menschen wohnt eine Sehnsucht. Dazu gehört, dass ich geachtet und geliebt werde. Ich möchte eine Heimat haben und geborgen sein, möchte in äußerem und innerem Frieden leben. Ich möchte meine Begabungen und Interessen verwirklichen – und immer mehr ich selbst werden. Die Sehnsucht nach einem erfüllten und geglückten Leben hat viele Facetten. Diese Sehnsucht hat Gott tief in unsere Seele eingepflanzt – weil sie uns zum Leben führt. Wer seiner Sehnsucht folgt, der ist ausgerichtet auf das, worauf es im Leben ankommt.

Im Alltag kann uns vieles von unserer Sehnsucht abbringen oder sie überlagern. Deshalb ist es gut, wenn es immer wieder etwas gibt, das uns mit unserer persönlichen Sehnsucht in Kontakt bringt. So wie die Weihnachtskrippe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43633
weiterlesen...
07JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es droht eine gewaltige Flut, eine alles vernichtende Überschwemmung – so erzählt schon die Bibel. Damit nicht auch der rechtschaffene und gläubige Noah in dieser Katastrophe untergeht, warnt ihn Gott vor der Flut. Er trägt ihm auf, eine Arche zu bauen, ein riesiges Schiff, in dem er, seine Großfamilie und die Vertreter aller Tierarten Platz finden sollen. Im Vertrauen auf Gott baut Noah diese Arche. Er handelt anscheinend völlig irrational, baut das Schiff mitten auf trockenem Land. Noah macht sich so zum Gespött der Leute. Doch der Spott hört auf, als der große Regen einsetzt. Alles Land verschwindet unter den Fluten, nur Noah und alle in der Arche schwimmen oben auf und werden gerettet.

Diese Geschichte hat einige Parallelen zu unserer Zeit. Auch wir haben mit zunehmenden Fluten und Überschwemmungen zu kämpfen. Die setzen zwar nicht gleich die ganze Erde unter Wasser. Aber sie bedrohen schon jetzt Inselstaaten und Küstenländer, denen bis zum Ende des Jahrhunderts der geographische Untergang droht. Und auch heute werden viele Kritiker und Warner lächerlich gemacht und so behandelt, als wenn sie mitten auf dem trockenen Land eine Arche bauen wollten – für eine Flut, die ja doch nicht kommt.

Doch bisher sind alle negativen Veränderungen eingetroffen, die die Klimaforscher vorausgesagt haben. Die Kombination aus Raubbau an der Umwelt, übermäßiger CO2-Produktion und rücksichtslosem Konsum gefährdet die Lebensgrundlagen anscheinend schneller als erwartet. Vielleicht brauchen wir doch wieder eine Arche, um der hausgemachten Klimakatastrophe zu entkommen. Fragt sich nur, wer dann in die Arche reindarf. Und wo die Arche überhaupt hinsoll.

In Wirklichkeit ist das keine Lösung. Wir können nicht Archen für die ganze Menschheit bauen. Müssen wir allerdings auch nicht. Denn wir haben eine Arche für alle. Unsere Arche heißt Erde. Und die darf nicht untergehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43632
weiterlesen...
06JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute feiern Christinnen und Christen das Fest der „Heiligen drei Könige“. Das Matthäusevangelium erzählt, schon bald nach der Geburt Jesu seien Sterndeuter, wohl aus Persien, zur Heiligen Familie nach Bethlehem gekommen. Die Tradition machte daraus die heiligen drei Könige. In der Bibel aber handelt es sich um Gelehrte, Weise, erfahrene Männer, die sich auch in Astronomie und Astrologie auskannten. Solche Wissenschaftler waren damals geachtete Berater an Königs- und Fürstenhöfen.

Und jetzt sind sie bei der Familie Jesu aufgeschlagen. Sie sagen, sie seien einem Stern gefolgt, der sie nach Bethlehem geführt habe. Und sie wollen den neugeborenen König der Juden sehen, Jesus.
Die Geschichte ist voller Rätsel. Warum sollten sich angesehene Wissenschaftler in das Kaff Bethlehem aufmachen, um ein Baby zu suchen? Und was hat es mit dem Stern auf sich?
Wir wissen nicht genau, was die weisen Männer in den Sternen gelesen haben. Aber offenbar war es Grund genug, sich auf die lange Reise zu machen. Und sie haben eine Vorstellung, wer dieses Jesus-Baby ist: Der König der Juden. Deshalb bringen sie auch königliche Geschenke mit. Und als sie Jesus finden, verehren sie ihn, als König, ja sogar als Gott.

Viele halten diese Geschichte für eine Legende, andere Bibelwissenschaftler sind vorsichtiger und sehen einen historischen Kern. Mich fasziniert an dieser Geschichte, dass da eine Gruppe gebildeter, angesehener Männer Jesus aufsucht. Nüchterne Wissenschaftler, die einen Ruf zu verlieren haben und deshalb wahrscheinlich eher zur Vorsicht neigen, wenn es um fantastische Nachrichten geht.

Auch heute bekennen sich viele Frauen und Männer aus der Wissenschaft zu Jesus Christus. Physikerinnen und Astronomen, Medizinerinnen und Chemiker – die Liste ist lang. Sie sind für mich ein Argument gegen den gern beschworenen Gegensatz von Vernunft und Glaube, von Wissenschaft und Religion. Und sie haben ein allererstes Vorbild in den klugen Männern aus Persien, die ihre Wissenschaft zu Jesus führte.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43631
weiterlesen...