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13JAN2026
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Mein Auto hat einen eingebauten Sicherheitsassistenten.
Das heißt: Immer, wenn ich mich nicht ganz genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte, gibt das Auto einen ziemlich schrillen Warnton von sich. Zuerst habe ich mich jedes Mal total erschreckt. Dann hat es mich genervt. Denn mein Auto ist extrem pingelig und piepst andauernd. Dabei gehöre ich wirklich nicht zu den Raserinnen. Aber offensichtlich fahre ich häufig so einen kleinen Tick zu schnell. Und dann wird jede Unterhaltung mit dem Beifahrer immer wieder durch den unangenehmen Warnton unterbrochen. „Betreutes Fahren“, brummelt mein Mann auf dem Beifahrersitz dann, während ich anfange, mit dem Auto zu schimpfen.

Glücklicherweise haben wir irgendwann herausgefunden, dass man diese Funktion auch anders einstellen kann. Jetzt ist der Ton nicht mehr so schrill, sondern eher ein freundliches „Pling“. Seitdem schimpfe ich nicht mehr mit dem Auto. Denn es macht nicht mehr jedes Gespräch kaputt. Oft denke ich sogar „Du hast ja recht“ und nehme den Fuß vom Gaspedal. Im Grunde weiß ich ja, dass es um meine eigene Sicherheit geht und um die der anderen Verkehrsteilnehmer.

An der Sache hat sich dabei eigentlich nichts geändert. Nur am Ton. Und trotzdem fällt es mir jetzt leichter, die Kritik an meinem Fahrstil anzunehmen. Der Ton macht eben die Musik.

In der Bibel werden die Menschen immer mal wieder dazu aufgefordert, aufeinander acht zu geben. Da heißt es dann manchmal sogar, man soll sich gegenseitig ermahnen, wenn jemand sich nicht gut verhält. Ich habe mich damit immer schwergetan. Ich möchte mir nicht anmaßen, andere zu beurteilen oder zu kritisieren.

Andererseits ist es richtig, den Menschen, die mir wichtig sind, zu sagen, wenn ich mir um sie Sorgen mache. Wenn mir zum Beispiel etwas an ihrem Verhalten aufgefallen ist, von dem ich glaube, dass es ihnen oder anderen nicht guttut. Wenn ich so etwas ansprechen will, ist es unheimlich wichtig, den richtigen Ton zu treffen.

Von meinem Auto habe ich gelernt: Ein penetranter, schriller Besserwisser-Ton wird jede Einsicht kaputt machen. Am besten versuche ich es wohl mit einem freundlichen „Pling“.

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12JAN2026
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Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen noch dunkel. Und wenn ich abends von der Arbeit komme, dann ist es wieder dunkel. Für meinen Körper ist das eine Herausforderung. Und auch für die Seele: Mich macht es so müde, dass das Sonnenlicht fehlt, und irgendwann schlägt das dann auch aufs Gemüt.

Die amerikanische Psychologin Kari Leibowitz wollte wissen, wie die Menschen in Norwegen mit der Dunkelheit umgehen. Denn in Norwegen ist der Winter noch länger als bei uns. Von Mitte November bis Ende Januar gibt es dort kaum Tageslicht.  Sie hat herausgefunden, dass die Norweger gute Strategien haben, um mit der dunklen Jahreszeit besser zurechtzukommen. Ich habe mir drei von ihren Tipps gemerkt.

Der erste lautet: Man muss ernst nehmen, dass die dunkle Jahreszeit Kraft kostet. Der Körper verbraucht mehr Energie. Manche Tiere halten ja sogar Winterschlaf. Und auch manchen Menschen tut es gut, sich etwas mehr Schlaf zu gönnen. Es ist okay, einfach mal früher ins Bett zu gehen.

Der zweite Rat lautet: Kopf und Körper müssen die Chance haben, sich auf den Winter einzustellen. Viele Norweger gehen mindestens 20 Minuten am Tag raus, bei jedem Wetter, und auch wenn es dunkel ist. So kann die innere Uhr verstehen, was jahreszeitlich gerade dran ist.

Und der dritte Tipp hat mir besonders gut gefallen: Die Menschen in Norwegen geben sich Mühe, ihr Zuhause schön einzurichten. In Skandinavien gibt es sogar ein Wort dafür: hygge. Es beschreibt eine gemütliche Einrichtung mit sanften Farben, weichen Stoffen und indirektem Licht. Ein Zuhause, das der Seele gut tut.

Was Kari Leibowitz herausgefunden hat, hilft mir. Ich lerne: Es ist keine Schwäche, wenn ich im Winter manchmal müder oder trauriger bin als sonst. Es ist ganz natürlich in dieser Zeit. Und es könnte klug sein, das nicht einfach zu ignorieren. Wir sind schließlich keine Maschinen. Sondern Menschen.

In der Bibel heißt es einmal: „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3) – und dass man das, was die Zeit mit sich bringt, annehmen soll. Ich glaube, jetzt im Winter ist es Zeit, auf die eigenen Kräfte achtzugeben. Und auf das, was die Seele so braucht.

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10JAN2026
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Da komme ich in einen Raum, zu einer Gruppe von Menschen, und spüre sofort: Da ist „dicke Luft“. Da gibt es atmosphärische Störungen, auf der Beziehungsebene knistert es – bis dahin, dass „die Luft zum Schneiden“ ist. Dann herrscht da ein unguter Geist, der das Miteinander beeinträchtigt, der die Menschen auseinanderbringt.

Gottseidank erlebe ich öfter das Gegenteil davon: Im Gespräch hören die Einzelnen aufeinander und fühlen sich verstanden. Es schwingt alles gut zusammen. Alle ziehen an einem Strang, es verbindet sie der gleiche Geist. Die Gemeinschaft untereinander wächst. Und ich kann im Zusammensein mit den anderen ganz bei mir sein und in innerem Frieden. Dann herrscht da ein guter Geist! Ein Geist, der die Menschen zusammenführt und tiefer verbindet. Für mich ist da der Geist Gottes am Werk, der Heilige Geist. Der ist nichts Abstraktes oder irgendwie „über den Wolken“. Der ist oft wie „zum Greifen nahe“. Der Heilige Geist ist in unseren Herzen, kann unsere Haltungen und unser Verhalten prägen. Er kann Beziehungen untereinander verstärken – und auch heilen. Der Heilige Geist schafft es, dass wir gut in Verbindung mit Gott und untereinander sind. Damit das Leben fließt und damit das Miteinander eine Wohltat für alle ist.

Das erlebe ich vor allem in so manchen Freundschaften - in denen uns viel verbindet, in denen ein tieferer Austausch möglich ist. Das habe ich aber auch im Dienst erlebt, bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – da waren die meisten Besprechungen eigentlich Vergnügungssteuer-pflichtig. Weil auch bei kniffligen Fragen das Miteinander einfach wohltuend war. Den Geist, der das Mitmenschliche fördert, den erlebe ich aber auch im Alltag, z.B. an der Supermarkt-Kasse, bei der Angestellten, die freundlich und zuvorkommend ihren Dienst tut, bei der durch ein paar persönliche Worte das Bezahlen an der Kasse zu einer Begegnung von Mensch zu Mensch wird.

Ich freue mich über jede und jeden, durch den ich etwas von diesem guten Geist Gottes erleben kann. Und ich gebe solchen Erfahrungen Raum in meinem Herzen, damit sie mich innerlich aufbauen. Je mehr ich selbst von diesem Geist der Mitmenschlichkeit erfüllt bin, desto leichter kann ich ihn dann auch meinerseits ausstrahlen. Damit das Schöne am Leben Kreise zieht.

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09JAN2026
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Jammern und Klagen hat Hochkonjunktur. Was alles schlecht ist, was nicht gut läuft, was anders sein müsste, wer es nicht bringt – das ist fast in aller Munde. Ich habe den Eindruck, dass sich inzwischen eine regelrechte „Kultur des Jammerns und Klagens“ entwickelt hat. Mit welchem Erfolg? Klar: Wer jammert, der will dadurch natürlich etwas für ihn Gutes erreichen. Er oder sie möchte wahrgenommen werden in seinem Anliegen, in seiner Not. Wer jammert, erhofft sich Erleichterung in inneren Spannungen. Er sucht Bestätigung und Gleichgesinnte, Zuwendung in dem, was ihn bedrückt. Das alles sind verständliche Ziele.

Aber Jammern und Klagen hilft meistens nicht wirklich. Erst recht nicht, wenn dabei andere runtergemacht werden, wenn die eigene Sicht sich immer mehr verdüstert und innerlich runterzieht. Dann führt das eher dazu, dass jemand freudlos und lustlos ist oder gar blockiert. So bewirkt Jammern selten, dass sich etwas ändert. Es hält eher davon ab, sich persönlich für etwas Besseres einzusetzen. Schade!

Ich möchte eine Alternative dazu vorschlagen. Das, was nicht gut läuft, was nicht stimmt, was anders sein sollte - das möchte ich sehr wohl realistisch sehen. Aber ich möchte mir dadurch nicht den Blick trüben oder mich runterziehen lassen. Ich möchte dem Ungutem keine Macht über mein Inneres geben. Im Gegenteil: Ich möchte einen inneren Abstand dazu bewahren – dann kann ich besser damit umgehen. Und dafür hilfreich ist auch, dass ich den Fokus nicht nur auf das Betrübliche und Schlechte lege. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich zunächst vor allem das Gute und Wohltuende wahrnehme und in mein Herz lasse, das, was mir gut tut, was mich aufbaut und neue Kräfte verleiht.

Wer ganz bewusst das wahrnimmt und genießt, was ihm Freude macht, was ihm guttut, innerlich aufbaut, der hat weniger Grund zu jammern. Der bekommt neue Lebensfreude und Energie. Gerade auch, um das anpacken zu können, was sich wirklich ändern muss.

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08JAN2026
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Was beschäftigt die Menschen? Was bewegt sie innerlich? Das kommt auf ganz verschiedene Weise heraus. Zum Beispiel an der Weihnachtskrippe. Im Speyerer Dom kommen die meisten Besucher pro Tag nicht im Sommer oder im Herbst, in der Hauptreisezeit. Die besucherstärksten Tage im Jahr sind die Tage nach Weihnachten – wenn die wunderschöne Krippe dasteht. Da kamen an einem Tag fast 8500 Kinder und Erwachsene, und sie haben im Dom über 2000 Kerzchen angezündet.

Die Menschen stehen Schlange, um die Weihnachtskrippe betrachten zu können. Weil sie innerlich davon angerührt werden. Die schön gestaltete Krippenlandschaft, die Tiere an der Krippe, der Stern, der über allem steht, die Engel mit ihrer frohen Botschaft, der Stall mit Jesus-Maria-und-Josef – das strahlt etwas aus von Heimeligkeit, Heimat, geborgen sein, Hoffnung, Frieden. So ruft die Krippe etwas in uns wach, was viele sich für ihr Leben wünschen. Im Dom zumindest ist es deutlich spürbar: Die Weihnachtskrippe bringt die Menschen mit ihrer eigenen Sehnsucht in Berührung, sie lässt diese Sehnsucht innerlich aufsteigen und verstärkt sie.

Und das tut gut. Ich bin überzeugt: Im Herzen jedes Menschen wohnt eine Sehnsucht. Dazu gehört, dass ich geachtet und geliebt werde. Ich möchte eine Heimat haben und geborgen sein, möchte in äußerem und innerem Frieden leben. Ich möchte meine Begabungen und Interessen verwirklichen – und immer mehr ich selbst werden. Die Sehnsucht nach einem erfüllten und geglückten Leben hat viele Facetten. Diese Sehnsucht hat Gott tief in unsere Seele eingepflanzt – weil sie uns zum Leben führt. Wer seiner Sehnsucht folgt, der ist ausgerichtet auf das, worauf es im Leben ankommt.

Im Alltag kann uns vieles von unserer Sehnsucht abbringen oder sie überlagern. Deshalb ist es gut, wenn es immer wieder etwas gibt, das uns mit unserer persönlichen Sehnsucht in Kontakt bringt. So wie die Weihnachtskrippe.

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07JAN2026
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Es droht eine gewaltige Flut, eine alles vernichtende Überschwemmung – so erzählt schon die Bibel. Damit nicht auch der rechtschaffene und gläubige Noah in dieser Katastrophe untergeht, warnt ihn Gott vor der Flut. Er trägt ihm auf, eine Arche zu bauen, ein riesiges Schiff, in dem er, seine Großfamilie und die Vertreter aller Tierarten Platz finden sollen. Im Vertrauen auf Gott baut Noah diese Arche. Er handelt anscheinend völlig irrational, baut das Schiff mitten auf trockenem Land. Noah macht sich so zum Gespött der Leute. Doch der Spott hört auf, als der große Regen einsetzt. Alles Land verschwindet unter den Fluten, nur Noah und alle in der Arche schwimmen oben auf und werden gerettet.

Diese Geschichte hat einige Parallelen zu unserer Zeit. Auch wir haben mit zunehmenden Fluten und Überschwemmungen zu kämpfen. Die setzen zwar nicht gleich die ganze Erde unter Wasser. Aber sie bedrohen schon jetzt Inselstaaten und Küstenländer, denen bis zum Ende des Jahrhunderts der geographische Untergang droht. Und auch heute werden viele Kritiker und Warner lächerlich gemacht und so behandelt, als wenn sie mitten auf dem trockenen Land eine Arche bauen wollten – für eine Flut, die ja doch nicht kommt.

Doch bisher sind alle negativen Veränderungen eingetroffen, die die Klimaforscher vorausgesagt haben. Die Kombination aus Raubbau an der Umwelt, übermäßiger CO2-Produktion und rücksichtslosem Konsum gefährdet die Lebensgrundlagen anscheinend schneller als erwartet. Vielleicht brauchen wir doch wieder eine Arche, um der hausgemachten Klimakatastrophe zu entkommen. Fragt sich nur, wer dann in die Arche reindarf. Und wo die Arche überhaupt hinsoll.

In Wirklichkeit ist das keine Lösung. Wir können nicht Archen für die ganze Menschheit bauen. Müssen wir allerdings auch nicht. Denn wir haben eine Arche für alle. Unsere Arche heißt Erde. Und die darf nicht untergehen.

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06JAN2026
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Heute feiern Christinnen und Christen das Fest der „Heiligen drei Könige“. Das Matthäusevangelium erzählt, schon bald nach der Geburt Jesu seien Sterndeuter, wohl aus Persien, zur Heiligen Familie nach Bethlehem gekommen. Die Tradition machte daraus die heiligen drei Könige. In der Bibel aber handelt es sich um Gelehrte, Weise, erfahrene Männer, die sich auch in Astronomie und Astrologie auskannten. Solche Wissenschaftler waren damals geachtete Berater an Königs- und Fürstenhöfen.

Und jetzt sind sie bei der Familie Jesu aufgeschlagen. Sie sagen, sie seien einem Stern gefolgt, der sie nach Bethlehem geführt habe. Und sie wollen den neugeborenen König der Juden sehen, Jesus.
Die Geschichte ist voller Rätsel. Warum sollten sich angesehene Wissenschaftler in das Kaff Bethlehem aufmachen, um ein Baby zu suchen? Und was hat es mit dem Stern auf sich?
Wir wissen nicht genau, was die weisen Männer in den Sternen gelesen haben. Aber offenbar war es Grund genug, sich auf die lange Reise zu machen. Und sie haben eine Vorstellung, wer dieses Jesus-Baby ist: Der König der Juden. Deshalb bringen sie auch königliche Geschenke mit. Und als sie Jesus finden, verehren sie ihn, als König, ja sogar als Gott.

Viele halten diese Geschichte für eine Legende, andere Bibelwissenschaftler sind vorsichtiger und sehen einen historischen Kern. Mich fasziniert an dieser Geschichte, dass da eine Gruppe gebildeter, angesehener Männer Jesus aufsucht. Nüchterne Wissenschaftler, die einen Ruf zu verlieren haben und deshalb wahrscheinlich eher zur Vorsicht neigen, wenn es um fantastische Nachrichten geht.

Auch heute bekennen sich viele Frauen und Männer aus der Wissenschaft zu Jesus Christus. Physikerinnen und Astronomen, Medizinerinnen und Chemiker – die Liste ist lang. Sie sind für mich ein Argument gegen den gern beschworenen Gegensatz von Vernunft und Glaube, von Wissenschaft und Religion. Und sie haben ein allererstes Vorbild in den klugen Männern aus Persien, die ihre Wissenschaft zu Jesus führte.

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05JAN2026
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„Das Fest der Faulenzer ist vorbei!“  Mit dieser Ansage wendet sich der Prophet Amos im Alten Testament gegen seine reichen Mitbürger. Er wirft ihnen vor, dass sie die Armen ausbeuten und auf deren Kosten ein Luxusleben führen. Statt selbst zu arbeiten, bürden sie alle Mühen ihren Sklaven auf, liegen auf Betten aus Elfenbein und räkeln sich auf ihren Polstern. Und das Schicksal der einfachen Menschen und Armen interessiert sie nicht. Diesen Menschen sagt Amos: Das Fest von euch Faulenzern ist vorbei. Weil Gott sich – wieder einmal – auf die Seite der Armen stellt und für sie Recht und Gerechtigkeit fordert.

Ich finde die Kritik des Propheten Amos auch heute bedenkenswert. Die Diskussion in unserem Land bewegt sich ja häufig in eine andere Richtung. Da sollen Menschen, die von Bürgergeld oder Grundsicherung leben, stärker zur Arbeit angehalten werden. Die Zeit, sich im Sozialsystem auszuruhen, sei für sie vorbei. Denn die Zeiten seien härter geworden und das Sozialsystem werde überfordert. Da mag im Einzelfall was dran sein. Und es dient ja auch der Menschenwürde und Freiheit, wenn jemand auf eigenen Füßen stehen und von seinem Arbeitseinkommen leben kann.

Aber wenn Amos die Reichen seines Landes überspitzt als „Faulenzer“ bezeichnet, dann weist er auf eine wichtige Tatsache hin: Faulheit, Bequemlichkeit und fehlendes Verantwortungsbewusstsein – das findet man nicht nur unter einfachen und armen Menschen. Das findet man auch unter denen, die ohne Arbeit ein Leben im Luxus führen können, weil ihr – vielleicht geerbtes - Vermögen es ihnen erlaubt. Oder jene, die ihr Besitz blind gemacht hat für die Not der Mitmenschen. Und das muss heute wie damals ein Ende haben. Gerade wenn die Zeiten härter geworden sind. Auch Wohlhabende tragen Verantwortung – nicht nur für ihr Vermögen, sondern mit ihrem Vermögen. Und sie müssen sich einsetzen für ihre Mitmenschen. Denn in Zeiten wie den unseren ist das „Fest der Faulenzer“ für alle vorbei.

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03JAN2026
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Als Kind habe ich es komisch gefunden, wenn die Erwachsenen von „zwischen den Jahren“ gesprochen haben. Das hat mir zwar keine Angst gemacht, aber es war ein bisschen rätselhaft und geheimnisvoll. Ich habe es nicht verstanden. Was für ein „Dazwischen“ haben die Erwachsenen gemeint, wenn doch eigentlich das alte Jahr an Silvester um Mitternacht aufhört und zeitgleich, Schlag Zwölf, das neue beginnt.

Später habe ich gelernt „zwischen den Jahren“ ist die Zeit zwischen dem ersten Weihnachtstag und dem Dreikönigstag. Ganz früher hat man entweder an Weihnachten oder an Dreikönig den Beginn eines neuen Jahres gefeiert. Deswegen heißt die Zeit zwischen diesen Festtagen „zwischen den Jahren“.

Also ist „zwischen den Jahren“ doch gar nicht so rätselhaft und geheimnisvoll. Obwohl – es gibt nicht wenige Menschen, die gerade in dieser Zeit Horoskope lesen oder die Wohnung ausräuchern oder keine Wäsche waschen. Das sind alles irgendwie rätselhafte Gewohnheiten und Bräuche zwischen den Jahren. Sie sprechen dafür, dass es ein Bedürfnis gibt, den Übergang vom Alten zum Neuen zu gestalten.

Ich finde: die Kunst des Übergangs besteht besonders darin, nicht im Alten hängen zu bleiben, sondern vorwärts zu gehen. Ähnlich wie bei dem Satz, den Gott im Buch Jesaja spricht: „Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“ (Jes 65,17)

Also nach vorne leben, auch wenn ich selbst natürlich keinen neuen Himmel oder Erde schaffen kann. Aber in meiner kleinen Welt kann ich schon ein paar Dingen anpacken. Vor allem will ich mir nicht mehr alles zu Herzen nehmen.

Mein Brauch dazu ist eine Wanderung zwischen den Jahren. Möglicherweise allein und im eigenen Rhythmus gehen. Mich an das vergangene Jahr erinnern. Mir Empfehlungen für das Neue geben. Und sogar das Dazwischen hinter mir lassen, um mit Zuversicht dem Neuen entgegen zu gehen.

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02JAN2026
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Es ist eine grundlegende Überzeugung im Christentum, dass Gott jeden Menschen mit Würde ausgestattet hat. Auch in unserem Grundgesetz kommt diese Überzeugung zum Ausdruck, wenn es heißt: die Würde des Menschen unantastbar. Trotzdem muss ich feststellen, wie oft Menschen unwürdig behandelt werden. Darum finde ich es total wichtig, sich für die Würde einzusetzen. Und ich frage: was wäre, wenn Würde endlich würde – also geschehen würde?

Ich denke: Wenn Würde würde, dann wäre es Franzi egal, welche Kleidergröße sie hat und Metin wüsste gar nicht, was „in shape sein“ bedeutet.

Wenn Würde würde, dann würde miteinander anstatt übereinander gelacht werden.

Wenn Würde würde, dann würden wir uns gegenseitig etwas gönnen ohne  neidisch zu schauen. Und Donald würde nicht auf Grönland spitzen.

Ich glaube, wenn Würde würde, dann wäre die Frage „Was kann ich für dich tun?“ wichtiger als die Worte „Ich will haben!“

Wenn Würde würde, dann würde Frau Zimmermann im Pflegeheim gefragt werden, ob es in Ordnung ist, wenn man sie duzt.

Wenn Würde würde, dann würden Diskurse mit Argumenten in der Sache geführt und keine Person bräuchte persönliche Bedürfnisse in die Waagschale werfen.

Wenn Würde würde, dann würde Alexander angesichts von mehreren Millionen Opfern des Dritten Reiches nicht vom Vogelschiss sprechen.

Wenn Würde würde, dann wäre Würde bestimmt bald ein Fach in der Schule, weil man fürs Leben lernen soll.

Wenn Würde würde, dann würden die Frisörin Kim und die Pflegerin Melissa  angemessen entlohnt.

Wenn Würde würde, dann würden die Opfer von Missbrauch nicht nur gehört, sondern ihre Täter auch zur Rechenschaft gezogen.

Wenn Würde würde, dann würde fürs Tierwohl nicht nur Bobby, der Hund, gestreichelt werden, sondern auch Fanny, die Kuh, auf eine Weide gelassen.

Wenn Würde würde, dann wäre das für alle würdevoll und es würde ein gutes Jahr werden.

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