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Eine Nacht wieder so richtig dunkel erleben. So wie sie vor 150 Jahren war, ganz dunkel. Davon träumt die Initiative „Paten der Nacht“. Es geht dabei nicht um Nostalgie oder darum die gute alte Zeit zurückzuholen. Sondern darum, dass unsere Erde nachts viel zu stark beleuchtet ist! Deswegen hat die Initiative zum Ziel, dass zumindest einmal im Jahr, die Nacht wieder so dunkel ist wie vor 150 Jahren. Bevor künstliches Licht unsere Leben dauerhaft erhellt hat.
Das Ganze findet heute am 11. September statt. Denn heute ist die internationale „Earth Night“, also auf Deutsch die „Nacht der Erde“. Weltweit setzten sich heute Menschen gegen die sogenannte „Lichtverschmutzung“ ein. Städte und Gemeinden, aber auch Unternehmen und Privathaushalte schalten heute Nacht ihre Außenbeleuchtung aus oder reduzieren sie zumindest deutlich.
So eine dauerhafte Beleuchtung mit Kunstlicht tut der Umwelt, vielen Tieren und auch den Menschen überhaupt nicht gut. Vögel werden auf ihrem Flug in den Süden verwirrt, tausende Insekten sterben und Menschen schlafen schlechter. Sogar ganze Ökosysteme können wegen zu heller Nächte aus dem Takt geraten.
Natürlich nehme ich im Alltag die dauerhafte Beleuchtung nicht als Lichtverschmutzung wahr, ich schätze sie eher. Straßenlaternen sind wichtig, damit ich auch im Dunklen sicher nach Hause kommen kann und beleuchtete Reklamewände gehören einfach zum Stadtbild dazu. Wer aber nachts schon mal weit draußen im Wald oder auf einer Wiese unterwegs war, der kennt den Unterschied: Da kann man am Himmel wieder tausende Sterne sehen, wenn man Glück hat sogar die Milchstraße. Und man erlebt, wie wohltuend natürliche Dunkelheit sein kann.
Die Aktion „Earth Night“ erinnert genau daran: Dunkelheit ist ein Teil unserer natürlichen Umwelt und deshalb auch schützenswert. Damit die Nacht wieder dunkler wird, helfen schon ein paar kleine Tricks. Man kann Außenlampen nur dann einschalten, wenn sie wirklich gebraucht werden, Rollläden schließen, damit Licht nicht unnötig nach draußen strahlt, oder Fassadenlichter nach unten statt in den Himmel strahlen lassen. Die Earth Night zeigt, dass Dunkelheit ihren ganz eigenen Wert hat, den man erst dann erlebt, wenn man der Beleuchtung eine Pause gönnt.
In der Bibel wird die Schöpfung als ein Geschenk Gottes beschrieben, das die Menschen pflegen und bewahren sollen. Deshalb ist es doch heute Abend einen Versuch wert, das eine oder andere künstliche Licht auszuschalten. Und stattdessen draußen oder am Fenster den Blick zum Himmel zu richten, sich in Dunkelheit zu hüllen und wiederzuentdecken wie kostbar die Nacht sein kann.
Heute Vormittag um 11 Uhr war es fast überall richtig laut! Aus vielen Lautsprechern hat man diesen typischen heulenden Ton gehört. Denn heute war der bundesweite Warntag.
Auf einen Schlag haben Millionen Menschen die gleiche Nachricht erhalten, sie sind für einen kurzen Moment in ihrem Alltag unterbrochen worden. Mir kommt da ein Gedanke, und ich frage mich: Wenn ich die Möglichkeit hätte eine Botschaft zu senden, die alle Menschen erreicht, welche wäre das? Spontan fallen mir da einige Alltagsweisheiten ein.
Doch wenn ich gründlicher überlege, wäre meine ganz persönliche Botschaft eine andere. Ich würde an alle Handys schreiben: „Vertrau darauf, dass Gutes vor dir liegt“. Vertrauen haben und hoffen können, das ist für mich etwas typisch Christliches. Denn Gott begleitet den Weg jedes Menschen, auch wenn noch nicht klar ist, wohin er führt.
Und in meiner Fantasie, überlege ich auch noch, welche Botschaften Gott selbst auf die Handys schicken würde. „Du bist wertvoll“, fällt mir ein. Egal wie viel ein Mensch leistet oder was er erreicht hat: Alle haben das Recht würdevoll behandelt zu werden. Jeder Mensch hat seinen Wert und daran darf er auch immer wieder erinnert werden.
So eine Nachricht von Gott könnte aber auch eine Einladung sein: „Schau heute einmal nicht nur auf dich selbst.“ Egal ob ich einer Freundin für ihre tolle Geburtstagsrede ein Kompliment mache, einem Kollegen bei seinen Problemen mit einem Projekt beistehe oder meinem älteren Nachbarn mit seinem Tablet helfe. Solche kleinen Gesten machen den Unterschied.
Und noch was könnte Gott uns aufs Handy schreiben: „Du bist nicht allein“. Eine kleine Erinnerung daran, dass man im Leben nicht alles alleine schaffen muss und
dass es mit Unterstützung oft leichter geht. Alle können dazu beitragen, dass sich andere weniger allein fühlen.
Natürlich braucht Gott für seine Botschaften keine Lautsprecher und keine Handy-Nachrichten, die auf einen Schlag an Millionen Leute verschickt werden. Gott wirkt durch Menschen. Wenn jemand Hoffnung weitergibt, ein gutes Wort parat hat, oder einen anderen erleben lässt: Ich steh dir bei. Und Gottes Botschaften sind auch in der Natur zu finden: Wenn das kühle Wasser im Badesee mich erfrischt oder ein Mensch von seinem geliebten Hund getröstet wird, weil der einfach immer spürt, wenn es ihm nicht gut geht.
Gott braucht keinen Warntag. Bei ihm gibt`s für jeden Menschen Botschaften. Jeden Tag.
„Ich hab‘ es doch nur gut gemeint!“ Den Satz habe ich schon oft gehört und mindestens genauso oft auch selbst gesagt. Zum Beispiel als ich die Pflanzen meiner Schwester zu häufig gegossen habe als sie im Urlaub war, und die deshalb eingegangen sind. Oder als mein Kollege bei seiner großen Daten-Lösch-Aktion alle wichtigen Adressen und Termine aus unserem digitalen Kalender gelöscht hat.
Eine Episode aus dem Neuen Testament gibt einen super Hinweis, worauf es in solchen Situationen eigentlich ankommt.
In der Geschichte trifft Jesus den wohnungslosen Bartimäus. Der ist blind und sitzt am Straßenrand. Als er mitbekommt, dass Jesus da ist, fängt er an laut zu schreien: „Jesus, hab Erbarmen mit mir!“. Die Leute, die um Bartimäus herumstehen, sind genervt und schnauzen ihn an: „Sei doch leise, Jesus will nichts von dir wissen!“ Aber Jesus hört das Rufen und befiehlt den umstehenden Leuten: „Ruft ihn her!“. Und dann als Bartimäus vor Jesus steht, passiert der entscheidende Moment. Jesus sieht ihn an und fragt: „Was soll ich für dich tun?“ Jesus entscheidet nicht eigenmächtig, wie er unterstützen kann. Er zeigt mit der Frage seinen Respekt und will erstmal wissen, was der Mensch, der vor ihm steht eigentlich braucht. Dadurch ist Bartimäus nicht einfach nur ein „Hilfsbedürftiger“, dem etwas fehlt und der nicht alleine entscheiden kann. Er hat eine eigene Stimme und weiß ja auch selbst, was er möchte. Jesus gibt ihm die Möglichkeit, das auch zu sagen.
Bartimäus antwortet: „Ich möchte wieder sehen können.“ Dann erst heilt ihn Jesus.
Die Heilung steht am Ende der Geschichte. Aber die wichtigste Botschaft steckt weiter vorne, eben in der Frage: „Was soll ich für dich tun?“.
„Erst fragen und dann handeln“, das ist ein Motto, dass ich mir von Jesus abschauen kann. Denn oft genug ertappe ich mich dabei, wie ich die Probleme von anderen lösen will, ohne dass sie mich darum gebeten haben. Sei es, dass ich für meinen Partner aufräume, und er anschließend seine Sachen nicht mehr findet. Oder dass ich meine Freundin mit Ratschlägen überschütte, obwohl sie nur jemanden braucht, der ihr ganz in Ruhe zuhört.
Ich muss nicht immer sofort eine Lösung haben. Oft ist Zeit haben und aufmerksam sein was viel Wichtigeres. Wie bei meiner Freundin, die sich einfach nur den Frust von ihrer Seele reden will und gar nicht nach einer wirklichen Lösung sucht.
Gute Hilfe ist nicht das, was ich selbst für gut halte. Sie beginnt mit der einfachen Frage á la Jesus: „Was soll ich für dich tun?“
Vorstellungsrunden gibt es fast überall: im Job, der Schule, im Verein oder sogar auf Partys. Oft laufen sie nach demselben Muster ab: Name, Beruf, vielleicht noch ein Hobby. Manchmal sind sie zäh und fast schon langweilig. Ich erinnere mich aber an eine ganz besondere Vorstellungsrunde.
Das war auf einer Fortbildung und die Leiterin hat uns darum gebeten, dass wir anstelle der üblichen Floskeln, eine Anekdote zu unserem Vornamen erzählen sollten.
Es war verrückt. Von der ersten Person an, war ich voll dabei und habe allen aufmerksam zugehört. Was für ein bunter Blumenstrauß an persönlichen Geschichten da zusammengekommen ist. Von Zoe habe ich erfahren, dass ihr Name auf Altgriechisch „Leben“ heißt und dass sie so genannt wurde, weil ihre Oma kurz vor ihrer Geburt gestorben ist. Ulla hat erzählt, dass ihr eigentlicher Name Ursula ist, aber dass sie noch nie mit ihrem Geburtsnamen angesprochen wurde und dass ihr der Name auch ganz fremd ist. Und Jakob ist zu seinem Namen gekommen, weil seine Eltern sich beim Pilgern auf dem Jakobsweg kennengelernt haben.
Die zwanzig Männer und Frauen im Raum, von denen ich ja niemand vorher gekannt habe, sind viel greifbarer geworden. Denn sofort ist es um mehr gegangen, als nur um den eigenen Namen. Seit dieser Runde höre ich einen Satz aus der Bibel mit ganz anderen Ohren. Da sagt Gott einmal: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
Wenn hinter einem Namen so viele Geschichten und Erinnerungen stecken und Gott meinen Namen kennt, dann kennt er auch meine Geschichte. Und nicht nur die, die sich hinter meinem Namen versteckt.
Mir ist bewusst geworden: Namen schaffen Nähe. Wer mich beim Namen ruft, spricht immer auch ein Stück meiner Identität an. Und Namen drücken aus, dass man in Beziehung zueinander steht. Es macht einen Unterschied, ob ich mit „Entschuldigung, Sie da hinten“ angesprochen werde oder mit meinem Namen.
Eltern geben ihrem Kind einen Namen. Freunde sprechen einander mit Namen an. Und Gott kennt eben auch den Namen eines jeden Menschen. Auch bei ihm bin ich nicht eine unter vielen, sondern Gott nimmt mich bewusst wahr. Mit allem was mich ausmacht.
Von der Vorstellungsrunde von damals habe ich mir zwar nicht alle Namen merken können, aber mit jedem Namen ist ein Mensch sichtbar geworden. Und ich will mir vorstellen, dass es bei Gott genauso ist, wenn er sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“
Wenn eine Frau ihr erstes Kind erwartet, sind die Menschen drum herum oft auf ganz besondere Weise aufgeregt. Bei meiner Familie ist das gerade so, denn meine Schwester erwartet ihr erstes Kind. Besonders meine neunjährige Nichte Sophie, die Tochter meines Bruders, kann es gar nicht abwarten Cousine zu werden. Sie fiebert mit und ist total interessiert. Deshalb hat sie auch mitbekommen, dass meine Schwester lange nach einer Hebamme gesucht hat.
Als wir uns mal wieder mit der Familie getroffen haben, hat Sophie meine Schwester gefragt: „Hast du jetzt schon eine Bet-Amme?“. Wir haben uns alle amüsiert, denn sie hat mir nichts dir nichts, ein neues Wort erfunden, die „Bet-Amme“.
Was für ein goldiger Versprecher! Und irgendwie ist da ja auch etwas dran, an der Idee von einer Bet-Amme. Was die Hebamme für den medizinischen Bereich ist, das könnte eine Bet-Amme auf seelische Weise tun.
Denn ein Kind zu erwarten ist ja nicht nur etwas Medizinisches, da tut sich auch innerlich ganz viel. Das Leben verändert sich komplett. Aus einem Paar wird eine Familie, Verantwortungen wachsen, die Hoffnungen natürlich auch und manchmal auch die Sorgen. Und gerade die Geburt selbst ist unplanbar. Ein Ereignis bei dem man so sehr auf Hilfe angewiesen ist und doch über sich selbst hinauswächst.
Wie gut wäre es da, wenn alle werdenden Eltern eine oder gleich mehrere Bet-Ammen hätten. Also Menschen, die einfach da sind, zuhören und die kleinen und großen Veränderungen mit begleiten: Der Nachbar, der ein frisch gekochtes Mittagessen vorbeibringt, Freundinnen, die im Wochenbett zu Besuch kommen und die Wohnung aufräumen, oder Großeltern, die viel Zeit und Erfahrung mitbringen, bei
Fragen weiterhelfen und Sicherheit geben können. Und eben alle, die beten oder an die werdende Mutter und das Kind denken, wenn die Geburt losgeht.
Sophie hat ganz unbewusst ein Wort erfunden, dass in vielen Lebenslagen helfen kann: die Bet-Amme. Jemand, der begleitet, wenn das Leben eine neue Richtung einschlägt. Gerade wenn Neues beginnt, oder sich das Leben ganz plötzlich verändert, tut es gut zu wissen, dass da jemand ist, der einen im Herzen trägt und gute Gedanken zum Himmel schickt.
Was für ein Segen, wenn ich Menschen um mich habe, die sich nicht aufdrängen, aber mit mir mitgehen, Hoffnung schenken und gerade an den großen Wendepunkten des Lebens unterstützen. So eben wie eine ganz persönliche Bet-Amme.
In meinem Leben habe ich schon viele Prüfungen abgelegt: Abitur, Führerschein, Examen. Aber vielleicht steht mir die größte Prüfung noch bevor. In einem Buch habe ich gelesen: „Das Altwerden habe ich mir leichter vorgestellt. Heute glaube ich, dass es das schwerste Examen ist, das Gott uns zumutet.“ Ich finde: Da steckt viel Wahrheit drin.
Altwerden ist nicht leicht. Ich merke das an mir selbst. Mit Anfang Sechzig lassen meine Kräfte langsam nach. Ich werde schneller müde. Meine Augen brauchen eine Brille. Das alles macht mir bewusst, dass meine Zeit begrenzt ist. Ich weiß: Der größere Teil meines Lebens liegt schon hinter mir. Träume, die ich einmal hatte, werden sich vielleicht nicht mehr erfüllen. Möglichkeiten schwinden. Altwerden bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu akzeptieren.
Kein Wunder, dass manche Menschen mit aller Kraft dagegen ankämpfen. Sie möchten jünger aussehen, als sie sind. Sie färben ihre Haare, lassen Falten behandeln oder reden nur noch von den vergangenen Zeiten. Ich kann das verstehen. Wer wird schon gerne an die eigene Vergänglichkeit erinnert?
In unserer Gesellschaft gilt Jugend oft als Ideal. In der Bibel dagegen ist hohes Alter keineswegs das Ende der Geschichte. Im Gegenteil. Für einige biblische Gestalten fängt im hohen Alter noch etwas Besonderes an. Abraham hat schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel, als Gott ihn auf einen neuen Weg schickt. Mose war auch schon deutlich über die Lebensmitte hinaus, als Gott ihn beauftragt hat, sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens in die Freiheit zu führen. Diese Geschichten machen mir Mut. Sie zeigen: Für Gott ist ein Mensch in keinem Alter überflüssig. Natürlich setzt das Alter Grenzen. Aber Gottes Möglichkeiten enden nicht dort, wo meine Möglichkeiten enden. Viele ältere Menschen entdecken gerade im Alter neue Formen des Glaubens, der Gelassenheit und der Weisheit. Sie werden zu Ermutigern für andere. Sie schenken Zeit, Erfahrung und Lebenserkenntnis. Sie finden neue Berufungen.
Deshalb möchte ich das Altwerden nicht nur als Verlust betrachten. Es ist auch eine Lebensphase, in der Gott mir nahe sein will. Eine Zeit, in der er mich weiterhin gebraucht und begleitet.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45061Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar… – ich finde, das ist ein wundervolles Abendlied. Ich habe es früher meinen Kindern vorgesungen, wenn ich sie ins Bett gebracht habe. Und ich singe es heute immer noch gerne. Das Lied strahlt für mich Frieden und Geborgenheit aus. Und es lässt mich glauben, dass Gott diese Welt und auch mich in seinen Händen hält.
Wenn ich am Abend ins Bett gehe, dann tut es mir gut, wenn ich alle meine Gedanken und Sorgen, die mich den ganzen Tag umgetrieben haben, ablegen kann. Das ist oft gar nicht so leicht. Manchmal lassen mich meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen, sondern kreisen immer weiter in meinem Kopf herum. Wenn ich mir Sorgen um meine Kinder mache oder nicht weiß, wie ich meine Arbeit erledigen soll, dann wälze ich mich unruhig und schlaflos im Bett herum. Und so geht es vielen Menschen. Manche greifen dann abends nach Alkohol oder Schlaftabeltten, um endlich zur Ruhe zu finden.
Ich jedoch versuche dann Worte zu beten, die aus dem Lied von Matthias Clauius stammen: „Wie ist die Welt so stille und in der Dämm’rung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.“ Ich gebe zu: Diese Worte klingen sehr altertümlich. Aber ich verstehe, was Matthias Claudius sagt: Er lenkt meinen Blick auf Gott. Er gibt mir das Vertrauen, dass mein Leben, mein Nachtschlaf, ja sogar einst mein Sterben in Gottes Hand geborgen liegen. Gott kann meine aufgescheuchte Seele zur Ruhe bringen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses alten Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“: Ich darf loslassen. Ich muss nicht alles kontrollieren. Ich muss nicht für alles eine Lösung haben. Der Tag geht zu Ende. Die Nacht bricht herein. Der Mond geht auf. Und über allem steht die Zusage Gottes: Du bist nicht allein. Du bist gehalten. Ich, Gott, bin bei dir. Das hilft mir zur Ruhe zu kommen und von Gott geborgen einzuschlafen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45060Wo kann man Gott finden? Manche sagen: Gott begegnet mir in der Natur. Wenn ich auf einem Berggipfel stehe und weit ins Land schaue, fühle ich mich dem Himmel ganz nah. Andere erleben Gottes Gegenwart in der Musik. In einem Konzert oder beim gemeinsamen Singen im Chor. Wieder andere spüren etwas von Gott, wenn sie eine alte Kirche mit ihrer besonderen Atmosphäre betreten. An vielen Orten ahnen Menschen etwas von Gott. Und meistens handelt es sich dabei um irgendwie erhabene Momente.
Franz von Assisi dagegen hat Gott bei einer ganz anderen Gelegenheit gespürt. Es wird erzählt, dass Franz eines Tages seine Heimatstadt Assisi verlassen hat und unterwegs auf der Straße einem Mann begegnet ist, der an Aussatz erkrankt war. Aussatz war damals eine unheilbare und sehr ansteckende Krankheit. Auch Franz hat sich vor solchen aussätzigen Menschen gefürchtet. Doch an diesem Tag ist etwas Unerwartetes geschehen. Franz – er wusste nicht wie - ist auf den Kranken zugegangen und hat ihn in den Arm genommen. Noch selbst ganz überrascht von dem, was er gerade getan hatte, hat Franz sich noch umgedreht und dabei bemerkt, dass der Kranke wie Jesus ausgesehen hat. Bevor er sich darüber richtig wundern konnte, war der Fremde auch schon wieder verschwunden.
Ob die Geschichte genau so geschehen ist, weiß ich nicht. Aber sie bringt für mich etwas Wichtiges zum Ausdruck: Gott ist nicht nur in den großen und schönen Momenten zu finden. Er begegnet uns auch dort, wo Menschen leiden.
Jesus selbst hat das einmal so gesagt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)
Ein erstaunlicher Satz. Jesus sagt nicht nur, wir sollen den Notleidenden helfen. Er sagt: In jedem Menschen, der Hilfe braucht, begegne ich euch.
Vielleicht ist Gott mir deshalb manchmal viel näher, als ich denke. Nicht auf dem Berggipfel. Nicht wenn Musik mich begeistert. Nicht in der Kirche. Er ist viel mehr im kranken Kollegen zu finden, der Zuspruch braucht. Im Flüchtling, der eine neue Heimat sucht. In der einsamen Nachbarin, die sich danach sehnt, wahrgenommen zu werden. Wenn ich mich einem von ihnen zuwende, begegne ich Gott.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45059Der 1. September ist ein belasteter Tag in der deutschen Geschichte. Am 1. September 1939 haben deutsche Truppen auf Befehl Adolf Hitlers Polen überfallen. Und damit den Zweiten Weltkrieg angefangen. Millionen Menschen haben in den folgenden Jahren ihr Leben verloren. Jedes Jahr am ersten September denke ich daran. Und ich spüre, dass diese Geschichte nicht einfach vergangen ist. Sie gehört zu unserem Land. Sie erinnert mich daran, wohin Hass, Nationalismus und Gewalt führen können.
Daneben stehen für mich die Worte Jesu: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ So steht es in der Bergpredigt im Matthäusevangelium.
Diese Worte berühren mich. Und sie machen mich nachdenklich. Denn viele Menschen, die damals in Deutschland lebten, haben sich auch als Christen verstanden, aber den Krieg trotzdem nicht verurteilt. Manche haben sogar für den Sieg der eigenen Truppen gebetet. Ich möchte nicht vorschnell über die Menschen von damals urteilen. Sie haben in einer anderen Zeit gelebt und waren anderen Zwängen ausgesetzt. Wer weiß, wie ich mich an ihrer Stelle verhalten hätte. Und dennoch erschrecke ich über das Ausmaß der Kriegsbereitschaft. Denn Krieg ist so weit entfernt von dem, was Jesus gelehrt hat. Jesus hat nicht die Gewaltmenschen selig genannt, sondern die Friedensstifter.
Und heute? Von Frieden ist so wenig zu sehen. In der Ukraine wird weiter gekämpft. Im Nahen Osten leiden Menschen unter Gewalt und Angst. Die Spannungen zwischen Staaten nehmen zu. Auch in meiner Umgebung wächst die Sorge, dass es wieder einen Krieg geben könnte. Wie Frieden dauerhaft gesichert werden kann, darüber wird intensiv gestritten.
Ich selbst kenne die Antwort nicht. Ich weiß nicht, welche politischen Entscheidungen richtig sind. Aber eines möchte ich nicht zulassen: dass die Angst mein Handeln bestimmt. Ich möchte auf die Worte Jesu hören. Ich möchte daran festhalten, dass Frieden möglich ist. Und ich will zu Gott beten. Für die Menschen in der Ukraine und in Russland. Für Israel und seine Nachbarn. Für die Verantwortlichen in den USA, im Iran und überall auf der Welt. Ich bete um Weisheit, um Besonnenheit und um den Mut zum Frieden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45058Es gibt nichts, was es nicht gibt! Letzte Woche habe ich entdeckt: Es gibt tatsächlich einen „Tag des Toilettenpapiers“. Kein Scherz. Er wird jedes Jahr im August gefeiert. Erst habe ich gedacht: So ein Blödsinn! Aber dann: Warum eigentlich nicht? Denn mal ehrlich: Was würden wir ohne Klopapier tun? Die meisten von uns machen sich darüber vermutlich keine Gedanken. Erst wenn man auf der Toilette sitzt und feststellt, dass die Rolle leer ist und kein Ersatz in greifbarer Nähe, merkt man plötzlich, wie wichtig dieses unscheinbare Stück Papier ist. Klopapier gehört zu den Dingen, die ich als selbstverständlich hinnehme. Es kostet nicht viel, besteht aus keinem wertvollen Material und wird selten zum Gesprächsthema. Und doch macht es mein Leben jeden Tag ein wenig einfacher.
Vielleicht ist darum der Tag des Toilettenpapiers eine gute Gelegenheit, dass ich mich an all die kleinen, unscheinbaren und doch so wichtigen Dinge in meinem Alltag erinnere. Da ist das saubere Trinkwasser aus dem Wasserhahn, das Licht, das auf Knopfdruck angeht, die funktionierende Heizung im Winter oder das frische Brot am Morgen. So vieles erscheint mir oft selbstverständlich. Und erst wenn es fehlt, merke ich, wie wertvoll es eigentlich ist.
Das gilt übrigens nicht nur für Dinge. Auch Menschen sind oft wie diese kleinen, unscheinbaren Helfer. Die Nachbarin, die freundlich grüßt. Der Kollege, der zuverlässig hilft. Die Freundin, die zuhört. Sie stehen vielleicht nicht im Mittelpunkt. Aber sie tragen dazu bei, dass mein Leben gelingt.
Die Bibel erinnert mich immer wieder daran, dankbar zu sein. Im ersten Thessalonicherbrief heißt es: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes für euch.“ (1.Thessalonicher 5,18) Dankbarkeit verändert den Blick. Wer dankbar lebt, entdeckt, dass das Leben voller Geschenke ist. Nicht nur die großen zählen. Oft sind es gerade die unscheinbaren Dinge, die meinen Alltag gelingen lassen. Und vieles, was ich für gewöhnlich übersehe, verdient meine Aufmerksamkeit und meinen Dank an Gott.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45057
