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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Was steht auf Ihrer Danke-Liste?
Ein kluger Mensch hat dazu geraten, eine Danke-Liste zu schreiben. Zum Beispiel, indem man sich einmal in der Woche hinsetzt und überlegt, was man Schönes erlebt hat, was geklappt hat oder wofür man dankbar ist im Leben. Die nervigen oder bedrückenden Dinge kommen einem ja von alleine in den Sinn. Die verweilen hartnäckig in den Gedanken und machen sich in der Seele breit. Das Gute, wofür ich dankbar werden könnte, das übersehe ich eher. Oder ich vergesse es leicht, weil sich wieder anderes in den Vordergrund schiebt. Darum die Idee mit der Danke-Liste. Den Gedanken hat der kluge Mensch aus der Bibel. Dort steht in Psalm 103: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Ich fand die Idee super, habe mich hingesetzt, ein Blatt Papier und einen Stift genommen, und habe angefangen, meine persönliche Danke-Liste aufzuschreiben. Sie hat sich unerwartet schnell gefüllt, mit ganz unterschiedlichem, Großem und Kleinem.
Danke, Gott. Danke für den Duft von Zwetschgenkuchen. Danke für den erholsamen Schlaf heute Nacht. Danke für die Bewahrung gestern, als mich der Autofahrer beinah übersehen hat. Das war knapp!
Danke für die Farben - allein schon für die Herbstfarben da draußen, in der Natur.
Danke für mein Leben. Danke, dass wir in diesem schwierigen Arbeitsgespräch letzte Woche doch noch eine Lösung gefunden haben.
Danke für meine Familie, jeden Tag. Für die Sonne auf meiner Haut und den Wind, der meine Haare zerzaust. Danke für das Lachen, das mich aufmuntert.
Für das Fußballspiel, bei dem mein kleiner, heißgeliebter Klub fast gegen den großen gewonnen hat. Danke auch für die schöne Melodie, die ich vor mich hinpfeife, und für den guten Spruch, der mir nicht mehr aus dem Sinn geht.
Danke für das fröhliche Abendessen mit Freunden neulich. Für die munteren Blaumeisen im Garten. Für die Eltern, die ihr Kind liebevoll durch Höhen und Tiefen begleiten.
Meine Danke-Liste. Als ich den Stift weggelegt habe, habe ich selbst gestaunt, was da alles drauf steht. Ich bin noch lange nicht damit fertig. Seite 2 liegt schon bereit.
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Was kann ich zum Frieden beitragen?
Vom Heiligen Franz von Sales wird erzählt, dass ihn einmal eine bedeutende Persönlichkeit besuchen wollte. Er ließ den Gast ziemlich lange warten. Zu lange, fand der wichtige Mensch, der mit der Zeit ziemlich erbost war. Als ihm endlich die Tür zum Arbeitszimmer des Heiligen geöffnet wurde, ist er aufgeregt eingetreten und hat die Tür deutlich lauter als nötig hinter sich zugemacht.
Jetzt konnte er endlich sein Anliegen, seine große Frage vortragen: „Was kann ich für den Weltfrieden tun?“ Der Heilige hat ihn eine Weile nachdenklich angeschaut und hat geantwortet: „Vielleicht fängst Du damit an, die Tür leise zuzumachen?“
Ich mag diese Geschichte. So eine große Frage, so eine kleine Antwort.
'Ich würde gern den Terror in Israel und das Elend in Gaza beenden helfen, zum Frieden in der Ukraine beitragen oder die Machthaber in Nordkorea zur Vernunft bringen. Aber das kann ich nicht. Zum Weltfrieden kann ich nichts beitragen. Aber zum Frieden in der Welt schon. Das fängt bei mir an. Bei mir daheim, in meiner Familie, in meinem Freundeskreis. Und in der Nachbarschaft, in meinem Stadtviertel. Es fängt damit an, wie ich auf andere zugehe, dass ich überhaupt auf sie zugehe, gerade wenn ich mich ärger oder wenn sich jemand anderes über mich ärgert.
Eine Bekannte, die sich über mich geärgert hatte, hat mich nach einigen Monaten angesprochen und gesagt: „Wir müssen reden.“ Ich hatte mich auch über sie geärgert, aber ich hatte nicht die Kurve gekriegt, auf sie zuzugehen. Sie hat angefangen. Nicht mit dem Streit, sondern mit dem ersten Schritt auf mich zu. Wir haben offen miteinander geredet, auch Klartext geredet, einander gut zugehört und versucht zu verstehen. Im Nachhinein war ich echt froh, dass sie mutiger gewesen ist als ich. Ich hätte mich noch eine Weile in meinem Schmollwinkel eingerichtet.
„Selig sind, die Frieden stiften“, hat Jesus gesagt. Frieden stiften auf der Welt, und genauso in der kleinen Welt um mich herum.
Das sind die Mutigen: die, die sich aufraffen, den ersten Schritt wagen und anfangen, Frieden zu stiften. Ich will von ihnen lernen. Und die Tür mache ich heute leise zu.
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Zweifeln können ist für mich ein hohes Gut. Ja, ich weiß, manche finden, zu einem gläubigen Menschen passt das nicht so gut, aber trotzdem: Zweifeln ist für mich wichtig.
In dem Wort „Zweifel“ ist die Zahl „Zwei“ versteckt. Wer zweifelt, hat also die Wahl zwischen mindestens zwei Möglichkeiten. Und wenn es nicht nur eine Möglichkeit gibt, dann macht es ja Sinn, darüber nachzudenken: Was ist jetzt richtig?
Wenn Eltern sich zum Beispiel fragen, in welche Schule sie ihr Kind schicken wollen: Was ist das Beste für das Kind? Und welche Entscheidungen treffe ich, wenn es um meine Arbeit geht? Oder bei politischen Fragen: wie kann es gut und verantwortungsbewusst weitergehen?
Das wünsche ich mir für unsre Diskussionen, im Großen wie im Kleinen: dass wir nicht gleich sagen „Es geht nur so!“ Wer weiß, vielleicht gibt es noch mehr Möglichkeiten und es geht auch anders.
Wer zweifelt, hinterfragt. Er hinterfragt auch das, was anderen womöglich ganz einfach und klar vorkommt. Wenn mir selbst etwas klar scheint, kann es mich schon nerven, wenn dann jemand um die Ecke kommt mit „Ja, aber“. Das kann anstrengend sein. Aber auch hilfreich. Denn zusammen schauen wir dann einen zweiten Standpunkt an, eine andere Sichtweise.
Verträgt sich der Zweifel mit dem Glauben? Ich denke, ja. Die Bibel ist voll mit Geschichten und Gebeten von Menschen, für die nicht gleich alles klar und einfach ist. Sie fragen und grübeln, ringen um die Wahrheit oder auch nur darum, herauszufinden, was jetzt gerade für sie dran ist. Dem Glauben schadet das nicht. Es tut ihm eher gut und wird ihm manchmal auf die Sprünge helfen.
Es gibt viele Situationen, in denen gibt es keine 100%ige Sicherheit. Das ist beim Glauben so und auch sonst im Leben. Da hilft dann auch der geübten Zweiflerin nur noch, mit den anderen und ihren Sichtweisen im Gespräch zu bleiben und Vertrauen zu riskieren. Das Vertrauen, dass da noch mehr ist als mein Zweifel.
Was Gott angeht: den kann ich ja auch nicht bis ins letzte ergründen. Und vertraue doch, dass er mich hält und aushält. Auch dann, wenn ich zweifel.
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Charlie Brown ist ein kleiner Junge aus der berühmten Comic-Reihe Peanuts. In einer Szene sitzt er mit seinem Hund Snoopy an einem See, schaut grübelnd in die Ferne und sagt: „Eines Tages werden wir alle sterben“. „Stimmt“, denkt sich Snoopy. „Aber an allen anderen Tagen nicht!“
Ich mag diese Szene. Charlie nimmt das Leben eher schwer und irgendwie hat er ja auch recht. Wir Menschen sind zerbrechliche, vergängliche Lebewesen und nicht unendlich lang auf der Erde unterwegs. Ich bin Mitte 5o: Laut Statistik habe ich deutlich mehr als die Hälfte meiner Lebenszeit hinter mir. Aber was fange ich mit dieser Erkenntnis an? Resigniert den Kopf hängen lassen, wie Charlie?
Snoopy jedenfalls macht das nicht. Dem ist zwar genauso klar, dass er nicht 200 Jahre alt werden wird. Aber er sieht auch die Tage, die er womöglich noch erleben kann. Für die ist er dankbar. Und an diesen Tagen will er auch wirklich leben.
Snoopy hat einen Seelenverwandten im Alten Testament, den sogenannten Prediger. Der macht sich auch nichts vor, was die Länge seines Lebens angeht. Aber er hat Ideen und Tipps dafür, was man mit seinem Leben anfangen kann. Und er rät ausdrücklich, es zu genießen!
Beim Prediger klingt das so: „Auf, iss mit Freuden dein Brot und trink fröhlich deinen Wein!... Genieße das Leben mit einer Frau, die du liebst! So verbringe alle Tage deines vergänglichen Lebens, die Gott dir unter der Sonne schenkt.“
Was für eine Ansage! Lebe! Lebe heute. Nicht erst morgen. Heißt nicht, dass ich alles, was irgendwie geht, in diesen Tag reinpacken muss, um ja nichts zu verpassen. Da wären wir wieder bei Snoopy, der seelenruhig am See sitzt und nichts tut. Auch so kann ich mich heute am Leben freuen und es genießen.
Genieß dein Leben. Der Prediger findet: Damit gibst Du Gott die Ehre! Er hat dir dein Leben und deine Zeit anvertraut. Also: Lebe. Heute auch.
Bibelstellenangabe für’s Internet: Prediger/Kohelet 9, 7ff
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Als ich das erste Mal im Freundeskreis erzählt habe: „Nach Weihnachten fahre ich ein paar Tage ins Schweigen“, da haben einige gekichert, andere nur eine Augenbraue hochgezogen und gefragt: „Ausgerechnet du fährst ins Kloster, wo man den ganzen Tag nichts redet? Sicher, dass Du das durchhältst?“ Nein, ich war nicht sicher, aber ich wollte es ausprobieren. Deshalb meine Fahrt zu einer christlichen Schwesternschaft, die dazu einlädt, ein paar Tage in Stille zu leben. Ich hatte das Gefühl: Mir fehlt Stille. Ich erlebe so viel Trubel. Und die vielen Worte! Von allen Seiten. Von mir auch. Manchmal denke ich: der Lärm ist nicht nur um mich herum. Er ist auch in mir drin.
Und wenn es für einen Moment doch einmal still ist, und niemand etwas von mir will, dann finde ich das sehr eindrücklich. Es tut mir gut. Es unterbricht das Lärmen. Auch das in mir drin.
Trotzdem: als ich zu der Schwesternschaft gefahren bin, war ich gespannt, ob ich die Stille tagelang aushalten könnte. Dreimal am Tag gab es eine Andacht in einer kleinen Kapelle: Da haben wir zusammen gesungen, gebetet und zugehört, wie jemand aus der Bibel vorgelesen hat. Ich habe gemerkt: ich habe aufmerksamer zugehört, weil ich nicht so reizüberflutet war. Auch innerlich bin ich in diesen Tagen ruhiger geworden.
Das Handy sollte man übrigens die ganze Zeit über aus der Hand legen. Gar nicht so einfach. Wenn in diesen Tagen jemandem die Decke auf den Kopf gefallen ist oder er das Schweigen nicht mehr ausgehalten hat, konnte er sich für ein Gespräch mit einer der Schwestern anmelden. Es kann ja sein, dass in der Stille auf einmal schwierige Fragen in einem laut werden, die sonst im trubeligen Alltag eher verschüttet sind. Damit muss man nicht alleine bleiben.
Mir hat diese Zeit gut getan. So gut, dass ich nach dem ersten Besuch noch mehrfach hingefahren bin. Und im Alltag versuche ich inzwischen auch, solche Zeiten der Stille einzuplanen. Das kann auch einfach mal ein Spaziergang sein, ohne Kopfhörer. Oder ich setze mich in eine Kirche. So geh ich raus aus dem Lärm, schalte die geschwätzige, geschäftige Welt um mich herum ab (das Handy auch!) und fahre mich runter.
Schweigen tut gut, finde ich.
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„Die Tür steht offen, das Herz noch mehr!“ In einer alten Klosterkirche habe ich diesen Spruch an der Wand entdeckt. Auf Latein: „Porta patet, cor magis.“
Ich habe mir vorgestellt, wie einstens jemand nach langer Reise in der Abenddämmerung am Kloster angekommen ist. Erschöpft, auf der Suche nach einer Herberge, nach Schutz in der Dunkelheit und etwas zu essen. Und dann erlebt er: Hier komme ich nicht einfach nur unter. Ich bin willkommen.
Manche Klöster hatten das als Wahlspruch: „Die Tür steht offen, das Herz noch mehr!“ Mich beeindruckt die Haltung, die hinter diesem Satz steht. Eine klare Botschaft an den, der da an der Tür geklopft hat: Du bist willkommen. Wir fragen nicht, wer du bist, wieviel Geld du hast. Trau dich, hierherzukommen. Wir versuchen, gute Gastgeber für Dich zu sein.
Wenige Tage, nachdem ich den Satz in der alten Klosterkirche gelesen hatte, ist er mir in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet. Auf dem Flyer von einem Kinderhospiz. Wo sterbende Kinder und ihre Familien begleitet werden.
Die Tür steht offen, das Herz noch mehr - für Familien, die ihr Kind verabschieden müssen. Und für die Kinder sowieso. Ihr habt so viel durchzustehen. Damit müsst ihr nicht alleine sein. Hier bist du willkommen. Mit deinem Schmerz und deinem Lachen.
Ich kann mir diesen Satz auch gut für die Obdachlosenhilfe in meiner Stadt vorstellen. Hier bist du willkommen, mit deinen Sorgen, mit deiner Geschichte. Hier gibt es eine Dusche und ein offenes Ohr, ein warmes Essen und Beratung.
Oder als Überschrift für eine Kirchengemeinde: hier bist du willkommen. Mit deinen Fragen und Themen, egal, wer du bist und ob du von hier bist oder nicht.
Oder als Überschrift für das Job-Center oder für die Flüchtlingsberatung oder für ein Pflegeheim.
Immer mit dieser Grundhaltung: Du bist hier willkommen. Einfach weil du Mensch bist. Ein Mensch auf Augenhöhe.
Ich bin froh, dass es in unserer Gesellschaft offene Türen und offene Herzen gibt. Wir Menschen brauchen es, dass andere offen für uns sind. Und wir können selbst offen für andere sein. Ein Mensch für den andern.
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Haben Sie diese Woche schon geweint? Eine sehr persönliche Frage. Und die meisten Erwachsenen reden nicht gern darüber – jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit.
In einem schlauen Artikel habe ich gelesen, dass wir im Lauf unseres Lebens etwa 70 Liter Tränen vergießen. Das ist eine Menge: 7 volle Wassereimer. 4,2 Millionen Tränen. Viele dieser Tränen weinen wir schon als kleine Kinder. Aber fürs Erwachsenenalter bleibt da noch einiges übrig. Auch Tränen, die im Verborgenen fließen. Wir weinen, wenn wir traurig sind oder zornig oder erschöpft oder völlig überwältigt. Auch vor Glück, die Freudentränen. Und wenn doch mal jemand öffentlich weinen muss – bei einer Beerdigung zum Beispiel - , dann erlebe ich bei trauernden Angehörigen manchmal, dass sie sich für ihre Tränen entschuldigen. Vor allem Männer. Dabei sind Tränen ja nichts, wofür wir uns schämen müssten. Sie erzählen etwas von uns, von unsrem Leben.
In einem Gebet der Bibel habe ich dazu einen Satz gelesen, den ich faszinierend finde: „Gott, sammle meine Tränen in einen Krug. Ohne Zweifel, du zählst sie.“ Ein ungewöhnlicher Gedanke: Gott sammelt Tränen. Sammeln oder aufbewahren, das mache ich eher mit etwas Schönem, das ich nicht vergessen will. Ein Reiseandenken oder Familien-Photos. Aber in dem Gebet möchte jemand, dass Gott seine Tränen sammelt. 4,2 Millionen. Da sagt jemand (übrigens ein Mann!): Meine Tränen sind wichtig. Sie erzählen auch eine Geschichte. Und Gott fühlt mit mir.
Ich habe um einen Menschen geweint, den ich vermisse. Ich war überwältigt von Glück. Ich habe zutiefst mitgefühlt mit einem Menschen, dessen Not mich beelendet hat. Und manchmal ist mir zum Heulen zumute, wenn ich in den Nachrichten von einer Katastrophe höre oder von schamloser Ungerechtigkeit.
Ich schäme mich meiner Tränen nicht. Ich schäme mich nicht dafür, dass mir manches nah geht. Vielleicht hilft mir gerade mein Mitgefühl dabei, einem anderen Menschen in seiner Not zu helfen, so gut ich kann. Dann wären die Tränen der Anfang davon, dass ich versuche, etwas zum Guten zu verändern.
Ich weiß nicht, bei der wievielten Träne ich inzwischen angekommen bin. Aber jedenfalls will ich sie nicht einfach wegwischen. Sie erzählen eine Geschichte. Meine Geschichte.
Bibelstelle: Psalm 56,9
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„Ach, da fragen wir den Mohammed!“ Meine Viertklässler hatten das gleich als Lösung parat, als ich auf eine schwierige Frage keine Antwort gewusst habe. Anna hatte gefragt: „Stimmt es, dass man eine Moschee mit dem rechten Fuß zuerst betreten muss?“ „Keine Ahnung“, habe ich gesagt, „aber ich kann mich schlau machen.“ „Ach, da fragen wir den Mohammed!“ Mohammed ist ein Mitschüler. Er ist Moslem. Jetzt ist er als Experte für seine Religion gefragt. Wenn ihm die Frage zu schwer ist, wird er einfach seine Eltern fragen.
Wir haben uns überlegt, dass Mohammed dann fairerweise auch die evangelischen Kinder etwas fragen darf. Schließlich sind sie so etwas wie Experten für ihren Glauben. Die Kinder warten jetzt gespannt auf seine Fragen. Wenn sie keine Antwort wissen, können sie sich ja immer noch schlau machen und lernen dann selbst etwas dazu.
Jan hatte in der Zwischenzeit schon weitergedacht. „Kennst Du einen Juden, hier an der Schule?“ Wieder musste ich passen: „Das weiß ich nicht. Das sehe ich einem Kind ja nicht an.“ Besorgt haben sie die nächste Frage hinterhergeschoben. „Und wen fragen wir dann, wenn wir etwas über das Judentum wissen wollen?“ Ihnen ist klar: In unsrer Stadt gibt es keine jüdische Gemeinde, die wir besuchen oder einladen könnten.
Ich vermute, so aufgeweckte Kinder wie meine haben dazu beigetragen, dass vor einigen Jahren eine Aktion erfunden worden ist, die Treffen mit jüdischen Menschen organisiert. „Meet a Jew“ heißt sie, „Triff einen Juden“. Schulklassen und Gruppen können einen jüdischen Menschen aus ihrer Region einladen, um mehr über sein Leben und seine Religion zu erfahren. In der Regel sind das junge Leute. Auch sie sind Experten, für ihre Religion. Also versuchen sie, die Fragen von Kindern und Jugendlichen zu beantworten. Fragen wie: „Feiert Ihr Weihnachten?“
Ich finde es gut, dass Menschen aus verschiedenen Religionen nicht nur übereinander reden, sondern miteinander. So lernen sie einander besser kennen und verstehen, was für die anderen wichtig ist.
Und was das Judentum angeht: schon meine kleinen Reli-Experten wissen, dass Jesus ein Jude war. Und dass unser Altes Testament das Heilige Buch des Judentums ist. Noch ein Grund mehr, miteinander ins Gespräch zu kommen.
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Haben Sie einen Tauf-Paten, eine Patin? Im Juni haben wir in meiner Kirchengemeinde ein großes Tauffest gefeiert: dabei sind 30 Kinder getauft worden. Da war richtig was los. Ein großer Tag für alle, für die Gemeinde, die Tauf-Familien und für die vielen, vielen Patinnen und Paten. Ich habe mich gefreut, sie zu erleben. So unterschiedliche Menschen haben dieses besondere kirchliche Amt übernommen. Leute aus der Familie oder aus dem Freundeskreis. Manche waren ganz jung, vielleicht 16, 17 Jahre alt. Andere haben schon einiges an Lebenserfahrung mitgebracht.
Ich habe selbst 2 Patenkinder und weiß noch: ich habe mich gefreut, als ich gefragt worden bin. Zugleich habe ich Respekt vor dieser Aufgabe gehabt.
Und ich musste an meinen eigenen Patenonkel denken. Er ist schon längst gestorben. Da war ich noch ein kleines Kind. Ich weiß aber noch, dass ich mich bei ihm gut aufgehoben gefühlt habe. Und wie er sich geduldig Zeit genommen hat, um mit mir zu üben, wie man Häuser malt.
Und meine Patentante hat oft für mich gebetet. Das fand ich gut als Jugendliche. Irgendwie beruhigend. Sie hat es auch noch gemacht, als ich schon konfirmiert war.
Mit der Konfirmation endet offiziell das Patenamt. Aber gute Weggefährten kann man ja auch später noch gebrauchen.
Es ist etwas Besonderes, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu begleiten. Im Grunde geht es darum, ihnen zu helfen, den christlichen Glauben kennenzulernen und zu entdecken, was es heißt, zur großen weltweiten christlichen Gemeinschaft dazuzugehören. Ihnen Zeit schenken und Liebe, das finde ich als Grundvoraussetzung wichtig. So dass sie spüren, dass sie mit ihren Fragen und dem, was ihnen wichtig ist, immer willkommen sind. Ich versuche, ihnen vorzuleben, was für mich wichtig ist. Gerade auch, wenn es um den Glauben geht.
Allen, die in diesem Sommer Pate oder Patin werden, wünsche ich jedenfalls alles Gute und Gottes Segen für ihre wunderschöne Aufgabe.
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Heute bin ich ganz Ohr. Ich glaube, wir hören einander nicht automatisch gut zu. Dazu muss man sich entscheiden und Zeit dafür reservieren. Sonst frage ich doch wieder nur im Vorbeisausen: „Wie geht’s Dir?“ Da mache ich ja durch mein Tempo schon deutlich: Ich habe gerade keine Zeit und keinen Nerv, zuzuhören. Aber wenn ich frage, dann will ich ganz Ohr sein für die Antwort. Das geht nicht nebenher, während ich parallel noch Nachrichten auf dem Handy checke. Wenn ich jetzt keine Zeit habe, könnten wir später telefonieren oder uns auf einen Kaffee verabreden.
Du bist wichtig. Was dich beschäftigt, was dir auf der Seele liegt, das verdient meine Zeit und meine Aufmerksamkeit. Also bin ich ganz Ohr. Heißt auch: Ich halte meine Zunge im Zaum. Ich versuche nicht, umgehend meine vielen guten Tipps loszuwerden. Ich erzähle jetzt keine spannenden Geschichten aus meinem Leben und dass mich das, was du erzählst, irgendwie an den Freund meines Schwagers erinnert. Jetzt geht es um dich. Nicht um mich. Also bleibe ich bei dir und versuche, dich zu verstehen.
Beim Zuhören ganz Ohr sein – dazu steht in der Bibel: „Jeder Mensch soll schnell bereit sein zuzuhören. Aber er soll sich Zeit lassen, bevor er selbst etwas sagt oder gar in Zorn gerät.“
Da ist sie wieder, die Sache mit der Zeit und den vorschnellen Antworten. Aber spannend finde ich auch den Gedanken: Manches will ich nicht gern hören. Da könnte ich mich sofort aufregen. Es passt mir nicht. Vielleicht will mir jemand etwas Kritisches sagen und ich bin gerade nicht bereit dafür. Lass dir Zeit, sagt der alte Bibeltext. Hör erstmal zu. Versuch zu verstehen, worum es geht. Frag nach. Und dann denk in Ruhe darüber nach. Frag vielleicht auch noch bei anderen nach, wie die das sehen. Aufregen kannst du dich dann immer noch. Und dann gibt es hoffentlich Menschen, die ganz Ohr für dich sind, und für das, was dich beschäftigt.
Jakobus 1,19 (Übersetzung: BasisBibel)
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