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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Vergeben ist etwas Wunderbares, denn ohne Nachsicht und Vergebung ist ein friedliches Miteinander kaum denkbar.
Nur: Vergeben ist mühsam; und manchmal ist es unmöglich. Das wussten auch schon die Menschen zur Zeit Jesu. Deshalb hat ihn auch einer gefragt: „Meister, wie oft müssen wir eigentlich vergeben? Reicht siebenmal?“
Vielleicht hatte er jemandem schon so oft vergeben und hat gedacht, dass es jetzt mal reicht, damit. Aber Jesus hat geantwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“
Siebzigmal siebenmal… das ergibt vierhundertneunzig. - Vierhundertneun-zigmal vergeben! Das ist so eine große Summe, da würde ich direkt den Überblick verlieren. Und ich denke, genau das wollte Jesus auch damit sagen: Vergeben hört nie auf, solange wir leben...
Wie anstrengend… Auf der anderen Seite: Wenn ich meine Enkelkinder beobachte, fällt mir auf: Kinder vergeben ständig ohne jede Anstrengung. Und ohne nachzuzählen. Mein Enkel, drei Jahre alt, zum Beispiel liebt seine kleine Schwester über alles. Nur, sobald er auf dem Spielplatz ist, kann er es einfach nicht lassen: Jedes Mal, wenn er an ihr vorbeirennt, wirft er sie mit diebischer Freude um.
Was folgt, ist immer das gleiche: Seine Schwester schreit vor wilder Empörung. Wir Erwachsenen ermahnen und trösten. Doch eh wir uns versehen, rennt sie ihrem großen Bruder wieder hinterher, als sei nichts gewesen.
Warum gelingt Kindern vergeben so mühelos?
Vermutlich ist für sie entscheidend, was mehr Spaß macht: Schmollen oder weiterspielen? Und da ist weiterspielen offenbar sehr viel verlockender.
Für mich ist das leider nicht mehr so. Wenn sich jemand mir gegenüber rücksichtslos verhält und ich mich frage: Wovon habe ich mehr: Mich auf meinen Ärger zu fokussieren? Oder einfach darüber hinweggehen, um meiner guten Laune willen? - Dann entscheide ich mich sehr oft für den Ärger - obwohl ich nichts davon habe.
Und vielleicht ist das ja das Geheimnis: Wer Nachsicht übt, hat mehr vom Leben. Kinder wissen das. Und vielleicht kann ich mir ja mal was von ihnen abschauen...
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Es gibt sie, die heiligen Augenblicke. Für mich ist der erste Atemzug so ein heiliger Augenblick. Und der letzte Atemzug. Wenn ich mein Leben aushauche, alle Kontrolle verliere, und falle: Aus dem Leben falle, in die Ewigkeit.
Rätselhaft und furchteinflößend zugleich. Und ein heiliger Augenblick, weil ich glaube, dass Gott mein Leben zurücknimmt, das er mir mit dem ersten Atemzug gegeben hat.
Vielleicht ist das ja auch ein Grund, weshalb viele Angehörige so dringend dabei sein wollen, wenn einer ihrer Liebsten stirbt; und weshalb sie so lange mit sich hadern, wenn es ihnen das nicht gelingt. Weil sie spüren: „Das ist ein besonderer, ein heiliger Augenblick!“
Natürlich gibt es Sterbende, die genau das möchten: all ihre Lieben um sich haben. Und doch ist Sterben so unterschiedlich, wie alles im Leben, und es gibt auch viele, die möchten ganz ungestört für sich allein sein.
Ich habe einmal ein Trauergespräch mit einer Witwe geführt, die konnte sich nicht verzeihen, dass sie nicht dabei war, als ihr Mann gestorben ist.
„Jede Minute bin ich bei meinem Mann gewesen, im Krankenhaus“, hat sie gesagt. „Aber ausgerechnet, als er gestorben ist, war ich nicht da!“
Im Gespräch ist dann herausgekommen: Ihr Mann hatte sie mit einem völlig unsinnigen Auftrag weggeschickt.
„Bing mir bitte frische Socken“, hat er zu ihr gesagt. Dabei waren noch genügend Socken im Schrank. Aber er hat darauf bestanden. Und als sie zurückkam, war er tot.
Als sie mir die Geschichte erzählt, ist es ihr plötzlich selber aufgegangen: „Mein Mann wollte, dass ich weggehe! So war es leichter für ihn…“
Und vielleicht erklärt das auch manch andere Sterbegeschichte, bei der niemand anwesend war, obwohl sich die Angehörigen Tag und Nacht gekümmert haben.
So ist das mit dem letzten, heiligen Augenblick: Er bleibt rätselhaft. Nur in einem bin ich mir sicher: Dann wird alles von uns abfallen - jede Last, jede Not, jede Erwartung und jede Enttäuschung. Und das ist gut. Für alle.
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Jesus war ein Meister der paradoxen Intervention. Dabei hat erst die moderne Psychologie das so genannt. Und doch hat Jesus sie schon damals ganz gezielt eingesetzt. Er wollte seine Gesprächspartner verwirren, damit sie sich neu sortieren und ihre Meinung überdenken.
Einmal haben die Gegner von Jesus eine Frau vor ihn hingestellt; oder besser gesagt: vor ihn hin gestoßen haben sie sie; und gesagt:
„Diese Frau haben wir auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt.“
Für uns hier und heute vielleicht keine große Sache mehr, aber damals stand darauf die Todesstrafe. Und die Gegner Jesu wollten ihn in die Enge treiben.
Sie sagen:„Mose hat uns geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu?“ Und schon steckt Jesus mitten im tödlichen Dilemma:
Denn: tut er nichts, wird die Frau getötet. Und schlägt er sich auf ihre Seite, dann verstößt er gegen das Gesetz und wird mitangeklagt. Was tun?
Jesus antwortet nicht. Stattdessen bückt er sich nieder und schreibt mit dem Finger in den Sand. Was er da schreibt? Schwer zu sagen. Jedenfalls ist er ganz versunken dabei. Seine Gegner fragen ihn noch einmal, doch er schreibt einfach weiter. Sie lassen aber nicht locker:
„Was sagst du dazu, Jesus? Müssen wir sie nicht steinigen?“
Da richtet er sich auf und sagt diesen einen Satz: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“
Dann bückt er sich und schreibt weiter in den Sand. Und während er da vor sich hinschreibt, heruntergebeugt, seine Gegner gar nicht anschaut, können sie unbeobachtet in sich gehen. Er lässt ihnen Zeit. Er greift sie nicht an. Kein bohrender Blick; kein kontrollierendes Nachhaken. Jesus vertraut einfach auf seine Worte. Und lässt die Ankläger frei entscheiden.
Als er schließlich wieder aufsieht, sind alle gegangen, bis auf die Frau. Seine Gegner haben nicht das Gesicht verloren und die Frau nicht das Leben. Meisterhaft - in jedem Sinne!
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Normalerweise steige ich nicht zu Fremden ins Auto. Normalerweise quatsche ich auch keine Fremden auf der Straße an. Normalerweise… Aber dummerweise habe ich mich verirrt, überall Baustellen, und ich kann die Haltestelle für den Bus zurück zum Bahnhof nicht finden. Also spreche ich eine Frau an, die mir vertrauenerweckend erscheint:
„Wissen Sie, wo ich hier die Bushaltestelle in Richtung Bahnhof ist?“
„Tut mir leid“, sagt sie im Vorbeigehen, „ich kenne mich hier selber nicht aus.“ Und damit überquert sie die Straße. Sie überlegt es sich und kommt zurück.
„Soll ich Sie mitnehmen? Ich kann am Bahnhof vorbeifahren, ist kein Problem.“ Sie spricht mit südländischem Akzent.
„Wirklich?“, frage ich verdattert. „Das würden Sie tun?“
„Na klar“, sagt sie. „Kommen Sie! Kommen Sie! Da hinten steht mein Auto.“
Ich folge ihr. Sie fährt ein flottes Cabrio und erzählt freudestrahlend von ihrer Mutter in Tunesien, die schon immer gesagt hat:
„Mädchen, du bekommst nie einen Mann ab, so bestimmend, wie du bist!“
Ich muss lachen, denn das kann ich mir lebhaft vorstellen.
„Und sie hatte recht!“, sagt sie lachend und haut übermütig aufs Lenkrad. Plötzlich kommt uns ein Geldtransporter entgegen mit Polizeieskorte und viel Blaulicht. Sie winkt und sagt:
„So einen bin ich früher auch mal gefahren.“ Und wir unterhalten uns ein wenig über ihre beruflichen Erfahrungen. Dann wirft sie mir einen Seitenblick zu:
„Und was machen Sie?“
„Ich bin Pfarrerin.“
„Oh, dann sind Sie ja auch Fahrerin!“
„Nein, nein. Pfarrerin - in der Kirche.“
„Was??“, ruft sie und tritt vor Überraschung auf die Bremse. „So jemandem bin ich ja noch nie begegnet! Gut, ich bin ja auch Muslima. Trotzdem: das ist doch was Seltenes, oder? Das freut mich! Das freut mich sehr!“
Als wir am Bahnhof ankommen, tut es mir fast leid, auszusteigen. Es kam mir wie eine himmlische Fügung vor, so spielend verschiedene Religionen zusammenzubringen. Man glaubt ja gar nicht, was man alles versäumt, wenn man sich immer nur nach demselben Muster verhält.
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Eine Patientin im Krankenhaus hat mir erzählt: „Heute würde ich alles anders machen.“ „Was alles würden Sie anders machen?“, frage ich. „Wissen Sie, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich über so daher gesagte Sprüche aufgeregt habe! So Sprüche wie: Die Haare wachsen doch wieder... Oder: Anderen geht‘s doch noch viel schlechter.
Heute würde ich das von vorneherein verhindern. Heute würde ich so eine Art Phrasen-Hitliste erstellen. Und die würde ich allen Freunden und Bekannten in die Hand drücken und sagen: Passt mal gut auf: Alle Sätze, die auf diesem Blatt Papier stehen, werdet Ihr auf gar keinen Fall zu mir sagen.“
„Was stünde denn ganz oben auf Ihrer Phrasen-Hitliste?“ frage ich. „Also, ganz oben stünde: Du bist eine Kämpferin. Du schaffst das. Wer so etwas sagt, möchte sich nicht damit befassen, wie lebensbedrohlich meine Erkrankung ist. Stattdessen versteckt man sich hinter einer Phrase.
Und macht mich dann auch noch dafür verantwortlich, wie die Sache ausgeht:
Du bist doch eine Kämpferin. Es liegt nur an dir...- Und wenn ich sterbe, tja - dann hab ich mich wohl nicht genügend angestrengt...“
„Was stünde denn da noch so auf der Hitliste?“ frage ich. „Oh, ganz weit oben stünde auch: Du musst positiv denken. Also: ich muss überhaupt nichts; und schon gar nicht muss ich mir etwas Schlimmes schönreden. Denn davon geht kein Tumor weg. Was wirklich weggehen soll - das ist meine schlechte Stimmung...“
„Gibt es denn auch eine Hitliste an hilfreichen Tipps?“, frage ich. Sie lehnt sich zurück und überlegt eine Weile. Dann sagt sie:
„Also, was mir hilft ist, das ist das Gefühl, gesehen zu werden. Wenn ich echtes Interesse spüre, an mir und meiner Situation, das hilft mir. Und wenn die Leute anteilnehmend fragen, und dann auch wirklich zuhören.
Ja, und wenn sie auch meine schlechten Gefühle einfach mal so stehenlassen. Wenn man mich so nimmt, wie ich gerade bin, das hilft.“
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„Was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Was der Volksmund in diesem kleinen Reim zusammenfasst – das ist eine gute Regel für das friedliche Miteinander.
Jesus hat sie sogar noch zugespitzt. Er hat gesagt: „Was ihr wollt, dass die anderen Menschen euch tun, das tut ihnen zuerst.“ Das heißt: Wir sollen den anderen sogar noch zuvorkommen. Und: Es geht nicht nur darum, andere nicht schlecht zu behandeln, sondern ihnen explizit etwas Gutes zu tun.
Ein schöner Gedanke. Aber leider scheitert er bei mir oft schon bei der geringsten Provokation. Vor ein paar Tagen ist mir auf einem ganz engen Bürgersteig ein Radfahrer entgegengekommen. Um ihm auszuweichen, musste ich vom Bürgersteig auf die Straße wechseln.
„Das ist ein Bürgersteig und kein Radweg!“, habe ihn angeschnauzt. Was er mit einer wilden Schimpftirade beantwortet hat.
Ein paar Tage später habe ich eine junge Frau beobachtet, die hat sich so völlig anders verhalten: Sie hatte gerade ihr Auto eingeparkt, aber so, dass es etwas über die eingezeichnete Parkfläche hinausgeragt hat. Und direkt ist ein Mann aus der Einfahrt nebenan rausgekommen und hat sie beschimpft:
„So können Sie doch nicht parken! Da kommt ja kein Mensch mehr aus unserer Einfahrt heraus! Immer dieses rücksichtslose Verhalten!“
Die Frau hat ganz freundlich geantwortet: „Sie müssen nicht laut werden. Ich höre Ihnen zu. Wir können das in aller Ruhe besprechen und finden bestimmt eine Lösung...“ Der Mann hat noch eine Weile weiter herumgezetert, aber sie hat ihn ganz ruhig und geduldig herunterreguliert.
„Wissen Sie, ich rege mich ja nur so auf, weil das andauernd passiert“, hat er am Ende fast entschuldigend gesagt. Und er hat ihr sogar angeboten, dort stehenzubleiben, weil er ohnehin nicht vorhatte, sein Auto zu bewegen. Es war richtig schön, das mitanzusehen.
Vielleicht hätte ich ja bei dem Mann mit dem Fahrrad einfach stehenbleiben können und fragen: „So, und wie lösen wir das jetzt?“ Und zwar so freundlich und souverän, wie die junge Frau. Schließlich möchte ich selbst so behandelt werden. Und es ist ein richtig gutes Gefühl, wenn Konflikte friedlich enden.
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Früher war mehr Lametta... War das wirklich so?
Manchmal schaue ich mir sehr bewusst die Werbung im Fernsehen an; ich gehöre ja zu den sogenannten Boomern und sehe tatsächlich noch ganz klassisch fern. Das wissen die Macher offenbar, denn fast alle Produkte, die da beworben werden, zielen passgenau auf meine Generation.
Was mich an der Werbung nervt, das ist dieses ganze Anti-Aging Gedöns:
Denn da wird mir eingeredet: Du darfst auf gar keinen Fall alt werden! Und was noch viel schlimmer ist: Du darfst auf gar keinen Fall alt aussehen.
Und was es da alles an Präparaten und Versprechungen gibt, um zu verhindern, was nicht zu verhindern ist - das macht mich wirklich sprachlos!
Nein, ich finde meine Falten auch nicht schön. Aber sie stehen doch für die Jahre meines Lebens: Für mein Lachen, mein Weinen, meine Erfahrungen und Kämpfe. Und das lasse ich mir nicht nehmen.
Es gibt aber auch eine andere Seite an der Werbung, die mich fasziniert. Und das ist, wie sie mit gesellschaftlichen Tabus umgeht:
Da sieht man im Werbefilm beispielsweise eine Frau ü-sechszig, die sich mit ihren Freudinnen einen schönen Abend macht. Und wie sie ausgelassen miteinander lachen, wendet sich die Frau plötzlich an mich als Zuschauerin und erklärt mir fröhlich:
„Ich mach mir in die Hose. Wirklich!“ Und dann erfahren wir, welche Lösung sie für ihre Inkontinenz gefunden hat, und lässt sich in ihrer Freiheit einfach nicht einschränken.
Jetzt stellen Sie sich so eine Werbung einmal in den sechziger Jahren vor, in denen ich aufgewachsen bin. - Was für ein Skandal! Da haben sich die Frauen noch schamvoll versteckt und heimlich gelitten.
Und jetzt wird ganz frech und unbefangen über so ein Thema gesprochen, und das öffentlich! Ich finde, das gibt Frauen ein Stück Würde zurück. Und zwar ein Stück von der Menschenwürde, die uns Gott selbst verliehen hat.
Ja, es stimmt: früher war mehr Lametta. Aber weniger Lametta ist auch gut.
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Ein Frohes, Neues Jahr! Das sagt sich so leicht. Und mir fallen viele Gründe ein, gar nicht froh ins Neue Jahr zu blicken... Ich möchte aber zuversichtlich bleiben. Und dafür habe ich die perfekten Trainer gefunden, nämlich die Kinder. Denn Kinder sind die Lehrmeister des Augenblicks; und eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.
Vor ein paar Tagen habe ich mit meinem kleinen Enkel ein Bilderbuch angeschaut. Auf einem der Bilder entdecke ich im Hintergrund einen Luftballon, der in der Ferne davonschwebt. Und gleich daneben ist der Mond als eine dünne, silberne Sichel an den Himmel gemalt.
„Sieh mal, der Luftballon!“ sage ich. „Und da hinten, der Mond.“
Mein Enkel beugt sich vor und betrachtet den Mond genauer.
„Das ist ein kaputter Mond“, stellt er nüchtern fest. Und ich muss lachen. Denn bei diesem Gedanken erfasst mich eine Woge der Erleichterung:
„Gottseidank!“ denke ich. „Gottseidank ist die Menschheit nicht auch noch schuld am kaputten Mond! Gottseidank gehört der Mond zu den Dingen, die sich verlässlich von selbst reparieren. Und zwar immer wieder aufs Neue, solange die Erde sich dreht...“
Ja, und jenseits des Mondes: dieses gigantische, unvorstellbar große Universum. Dem können wir auch nichts anhaben. Und selbst, wenn die Welt untergeht - was ja nur ein Bild dafür ist, dass wir untergehen und nicht die Welt - selbst dann existiert dies alles noch unbeirrt fort.
Für mich ist das ein unglaublich beruhigender Gedanke:
Die Schöpfung in ihrer Fülle ist genau so unantastbar wie ihr Schöpfer selbst. Und der hat die Kinder unter seinen besonderen Segen gestellt. Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was macht das für einen Unterschied, angesichts des Elends, in dem so viele Kinder leben...?
In der Sprache der Seele macht es einen Unterschied. In der Sprache der Seele leuchtet Gottes Segen wie ein Hoffnungsbogen am Himmel auf; und verheißt sein Reich. Ein Reich, in dem er alle Tränen trocknen wird. Die der Kinder zuerst, da bin ich sicher. Ein frohes, Neues Jahr!
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Gute Vorsätze, haben Sie auch schon welche für das neue Jahr?
'Ich fasse Jahr für Jahr gute Vorsätze. Und Jahr für Jahr verlaufen sie sich schon nach ein paar Wochen wieder im Sande. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Das hat schon der Apostel Paulus erkannt, in der Bibel.
Und dennoch mache ich unverdrossen weiter, jedes Jahr aufs Neue. Warum eigentlich? Wäre es nicht sehr viel klüger, ich würde ein für alle Mal damit aufzuhören, mir irgendetwas vorzunehmen?
Ich finde: Nein. Ich kenne mich ja nun schon eine ganze Weile... Aber deshalb gebe ich noch lange nicht auf! Mag ich auch noch so oft an mir selber scheitern, ich glaube trotzdem: Ich kann mich ändern.
Nur schaffe ich das eben nicht aus eigener Kraft. Wenn es wirklich darauf ankommt, brauche ich einen ordentlichen Schubs von ganz oben. Mitunter sogar einen recht schmerzhaften...
Vor Jahren habe ich beispielsweise tatsächlich aufgehört mit dem Rauchen. Das hatte ich mir wohl tausendmal für das Neue Jahr vorgenommen; und genauso oft bin ich krachend daran gescheitert. Aber dann habe ich ein schweres Asthma entwickelt. Und da habe ich irgendwann begriffen:
„Das ist kein Spiel mehr. Wach endlich auf!“ Und plötzlich hatte ich die Kraft, mich zu ändern. Und im Übrigen: Gute Vorsätze sind auch der Ausdruck einer wunderbaren Fähigkeit: Unserer Fähigkeit nämlich, das eigene Leben kritisch zu überdenken. Und zu klugen Einsichten zu gelangen. Wie zu der Einsicht:
„Ich muss dringend etwas ändern!“
Auf die Einsicht folgt aber nicht gleich zwangsläufig der letzte und alles entscheidende Schritt. Dazwischen liegt mitunter ein mühsamer Weg; und manchmal auch eine Menge Verzweiflung. Das vergessen wir oft.
Natürlich habe ich auch heute wieder gute Vorsätze, Scheitern mitinbegriffen. Aber jetzt, am Vorabend zum neuen Jahr, weiß nur Gott allein, wie dringend ich seine Hilfe brauchen werde... Kommen Sie gut ins Neue Jahr!
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„Ist kein Gott drin“, das hat die Enkelin der Theologin Dorothee Sölle mal gesagt. „Ist kein Gott drin!“ Gemeint war eine Kirche. Dorothee Sölle ist gerne mit ihrer ganzen Familie auf Reisen gegangen. Und dabei hat sie sie immer in sämtliche Kirchen geschleppt, die auf dem Weg lagen. Und in einer besonders kargen und düsteren Kirche hat sich ihre Enkelin nur kurz umgeschaut und hat trocken festgestellt: „Ist kein Gott drin.“
Ich hatte meine Freude an dieser kleinen Geschichte. Weil sie mir mit so einfachen Worten klargemacht hat, was ich eigentlich in einer Kirche suche. Ich schaue nämlich auch so gerne in alle möglichen Kirchen rein. Aber nicht aus Kulturbeflissenheit. Für mich sind Kirchen Sehnsuchtsorte; da suche ich die Verbindung zu Gott. Und deshalb interessiert mich in erster Linie, ob eine Kirche auch ein Gotteshaus ist. Oder um es mit Sölles Enkelin zu sagen: Ob Gott drin ist.
Woran ich das festmache?
Das erste, was ich in einer Kirche wahrnehme, ist der Geruch. Jede Kirche riecht anders. Manche riechen so muffig, da möchte ich direkt wieder umkehren. Aber meistens riecht es auf ehrwürdige Weise alt; nach altem, geschichtsträchtigem Gemäuer, das schon viel gesehen hat; manchmal riecht dazu noch nach Blumen; oder nach Weihrauch.
Wenn ich dann weiter in den Kirchenraum hineintrete und mich dann eine gewisse Ehrfurcht ergreift, dann weiß ich: Hier bin ich richtig; hier fühle ich mich von etwas Größerem umfangen. Und ich suche mir einen Platz, an dem ich ungestört verweilen kann.
So kann ich lange schweigend sitzen. Ich versuche, mich mit Gott zu verbinden. Man könnte es auch meditieren nennen, oder beten. Manchmal fühle ich mich Gott ganz nah. Und manchmal tut mir einfach nur die Ruhe gut. Aber immer ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. Dann nämlich, wenn das Gotteshaus bewohnt ist. Also: Wenn Gott drin ist.
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