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Marc Aurel ist zwar schon über 1.700 Jahre tot, aber in Trier kann man ihn jetzt dennoch kennenlernen: Eine große Landesausstellung beschäftigt sich mit diesem römischen Kaiser Marc Aurel. Das römische Reich ist längst untergegangen und welcher Kaiser wann gegen wen gesiegt oder verloren hat, ist Geschichte.
Kaiser Marc Aurel war aber gleichzeitig ein Philosoph. Und er hat aufgeschrieben, was für ihn wichtig war. Dabei ging es ihm um Haltung. Wie verhalte ich mich richtig, nicht nur von Fall zu Fall, sondern grundsätzlich? Natürlich sind das zunächst nur Worte. Aber Marc Aurel bemühte sich, sie mit Leben zu füllen und sie in die Tat umzusetzen. Solange er lebte, hat er immer wieder über seine Lebensführung nachgedacht. Er war keiner, der einfach in den Tag hinein lebte. Er war ein reflektierter Mensch. Und auch wenn kein Tag wie der andere ist, wollte er doch jeden Tag mit dem gleichen Grundgerüst beginnen. Da geht es immer und immer wieder nicht um die Theorie oder bloße Worte, sondern um das ganz konkrete Tun. Da nahm er auch sich selbst als Kaiser nicht aus:
„Es kommt nicht darauf an, über die notwendigen Eigenschaften für einen guten Menschen zu sprechen – es kommt darauf an, einer zu sein. Kann mir jemand überzeugend darlegen, dass ich nicht richtig urteile oder verfahre, so will ich’s mit Freuden anders machen. Denn derjenige nimmt Schaden, der an seinem Irrtum festhält.“
Stark, was Marc Aurel sich und uns da ins Stammbuch schreibt. Ob das immer so einfach war, zu hören, was man falsch macht? Ob das immer geklappt hat, sich einzugestehen, dass man nicht vollkommen ist?
Er hat sich selbst Mut zugesprochen für jeden neuen Tag und jeden neuen Anfang: „Lass deinen Eifer und Mut nicht sinken, wenn dir etwas nicht gelingt, sondern fange, wenn dir etwas misslungen ist, von neuem an.“
In Trier kann man Goldmünzen und Standbilder von Marc Aurel bestaunen. Da ist alles herrlich und toll und majestätisch. Seine Worte finde ich noch herrlicher, denn aus ihnen kann ich lernen: Auch ein Kaiser ist nur ein Mensch.
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Im archäologischen Museum in Frankfurt wird neuerdings ein ganz besonderer Fund ausgestellt: Ein kleines, völlig unscheinbares Amulett. Es stammt aus einem römischen Grab in Frankfurt und ist fast 1.800 Jahre alt. So ein Amulett trug man an einer Kette oder einem Band um den Hals. Es ist ein Anhänger, in den man etwas hineintun kann und das, was man hineintut, soll die Trägerin oder den Träger beschützen. In diesem Amulett aus Frankfurt steckt ein Stück zusammengerollte Silberfolie. Auf der Silberfolie stehen Buchstaben. Alles brüchig und sehr, sehr empfindlich. Alles würde zerbröseln, wenn man versuchen würde, es aufzurollen.
Beim Anschauen des Amuletts frage ich mich: Was ist mir so wichtig, dass ich es ständig bei mir tragen möchte? Was wäre für mich so bedeutsam, dass es mich auch ins Grab begleiten soll? Es wäre wohl etwas, das ganz untrennbar zu mir gehört. Etwas, bei dem es nicht nur darum geht, dass es zu Lebzeiten irgendwie nützlich ist.
Bei dem Frankfurter Amulett ist es jetzt gelungen, den Text auf der Silberfolie teilweise zu entziffern, dem Computertomografen sei Dank. Auf der Folie hätte alles Mögliche stehen können, zum Beispiel „Rette mich, Jupiter!“. Götter gab es in der Antike ja mehr als genug. Oder auf dem Silberzettelchen hätte jemand ein magisches Zeichen verewigen können. – Stattdessen ist auf der Silberfolie eingeritzt: „Im Namen von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“.
Ich staune: Das ist der älteste Fund nördlich der Alpen mit einem Hinweis auf Jesus. Tatsächlich scheint der Träger des Amuletts ein Christ gewesen zu sein. Der Name Jesu in seinem Amulett begleitet diesen Menschen auch noch im Tod. Das ergreift mich, wenn ich mir vorstelle, dass es nicht nur darum geht, im Leben geschützt zu sein. Selbst das Ende des Lebens kann sie nicht trennen. Eine Verbindung über den Tod hinaus. Da muss ich schlucken. Das Frankfurter Silberamulett mit dem Namen Jesu: So eine große Hoffnung. Ein Zettel Trost bis zuletzt.
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Im archäologischen Museum in Frankfurt wird neuerdings ein ganz besonderer Fund ausgestellt: Ein kleines, völlig unscheinbares Amulett. Es stammt aus einem römischen Grab in Frankfurt und ist fast 1.800 Jahre alt. So ein Amulett trug man an einer Kette oder einem Band um den Hals. Es ist ein Anhänger, in den man etwas hineintun kann und das, was man hineintut, soll die Trägerin oder den Träger beschützen. In diesem Amulett aus Frankfurt steckt ein Stück zusammengerollte Silberfolie. Auf der Silberfolie stehen Buchstaben. Alles brüchig und sehr, sehr empfindlich. Alles würde zerbröseln, wenn man versuchen würde, es aufzurollen.
Beim Anschauen des Amuletts frage ich mich: Was ist mir so wichtig, dass ich es ständig bei mir tragen möchte? Was wäre für mich so bedeutsam, dass es mich auch ins Grab begleiten soll? Es wäre wohl etwas, das ganz untrennbar zu mir gehört. Etwas, bei dem es nicht nur darum geht, dass es zu Lebzeiten irgendwie nützlich ist.
Bei dem Frankfurter Amulett ist es jetzt gelungen, den Text auf der Silberfolie teilweise zu entziffern, dem Computertomografen sei Dank. Auf der Folie hätte alles Mögliche stehen können, zum Beispiel „Rette mich, Jupiter!“. Götter gab es in der Antike ja mehr als genug. Oder auf dem Silberzettelchen hätte jemand ein magisches Zeichen verewigen können. – Stattdessen ist auf der Silberfolie eingeritzt: „Im Namen von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“.
Ich staune: Das ist der älteste Fund nördlich der Alpen mit einem Hinweis auf Jesus. Tatsächlich scheint der Träger des Amuletts ein Christ gewesen zu sein. Der Name Jesu in seinem Amulett begleitet diesen Menschen auch noch im Tod. Das ergreift mich, wenn ich mir vorstelle, dass es nicht nur darum geht, im Leben geschützt zu sein. Selbst das Ende des Lebens kann sie nicht trennen. Eine Verbindung über den Tod hinaus. Da muss ich schlucken. Das Frankfurter Silberamulett mit dem Namen Jesu: So eine große Hoffnung. Ein Zettel Trost bis zuletzt.
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„Alles Schwindel!“, ruft Gustav Mesmer. Wir schreiben das Jahr 1929, er ist 26 Jahre alt, als er den Konfirmationsgottesdienst in seinem Heimatdorf Altshausen stört. Was fängt man mit einem Menschen an, der einen Gottesdienst stört? Er wird wegen dieses Vorfalls in eine „Heilanstalt“ eingewiesen. Er leidet schrecklich unter den Umständen und der Unfreiheit in der Psychiatrie. Doch nach drei Jahren hat er für sich einen Weg gefunden zu überleben: Er beginnt zu zeichnen. Nicht irgendetwas, sondern selbst erdachte Flugmaschinen. Es dauert volle 35 Jahre, bis er aus der Psychiatrie wieder entlassen wird. Dann aber legt er erst richtig los: Mit einem umgebauten Damenfahrrad startet er Flugversuche. Immer wieder sonntags rast er damit steile Wege hinunter. Er lebt im Lautertal auf der Schwäbischen Alb und wird der „Ikarus vom Lautertal“ genannt. Seine Zeichnungen und selbst gebauten Flugmaschinen erregen Aufmerksamkeit. Es gibt erste Kunstausstellungen.
Ich glaube, die Bibel würde zum Leben von Gustav Mesmer sagen: „Wir sind schon Gottes Kinder. Aber was wir einmal werden, ist noch nicht sichtbar.“ Die Leute sehen in dem jungen Gustav einen ungebildeten Störer und doch ist er Gottes Kind. Gott sieht den Menschen. Seine Kreativität, seine Ideen, seine Kraft, um etwas zu schaffen. Wie gut, dass es einen gibt, der dich in seiner Familie haben will – als Sohn, als Tochter. Es spielt keine Rolle, wie alt du bist, was du bisher in deinem Leben gemacht hat. Da geht noch was. Du sollst du werden. Im Fall von Gustav Mesmer heißt das: Seine Bestimmung ist „Flugradbauer“.
Aber ist Gustav Mesmer denn einmal geflogen mit einer seiner Maschinen? Darauf hat er geantwortet, dass es ihn einmal fast 50 Meter weit ins Tal getragen hat. Nur leider, leider ist keiner dabei gewesen. - Wir sind schon Gottes Kinder. Aber was wir einmal werden, ist noch nicht sichtbar.
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„Alles Schwindel!“, ruft Gustav Mesmer. Wir schreiben das Jahr 1929, er ist 26 Jahre alt, als er den Konfirmationsgottesdienst in seinem Heimatdorf Altshausen stört. Was fängt man mit einem Menschen an, der einen Gottesdienst stört? Er wird wegen dieses Vorfalls in eine „Heilanstalt“ eingewiesen. Er leidet schrecklich unter den Umständen und der Unfreiheit in der Psychiatrie. Doch nach drei Jahren hat er für sich einen Weg gefunden zu überleben: Er beginnt zu zeichnen. Nicht irgendetwas, sondern selbst erdachte Flugmaschinen. Es dauert volle 35 Jahre, bis er aus der Psychiatrie wieder entlassen wird. Dann aber legt er erst richtig los: Mit einem umgebauten Damenfahrrad startet er Flugversuche. Immer wieder sonntags rast er damit steile Wege hinunter. Er lebt im Lautertal auf der Schwäbischen Alb und wird der „Ikarus vom Lautertal“ genannt. Seine Zeichnungen und selbst gebauten Flugmaschinen erregen Aufmerksamkeit. Es gibt erste Kunstausstellungen.
Ich glaube, die Bibel würde zum Leben von Gustav Mesmer sagen: „Wir sind schon Gottes Kinder. Aber was wir einmal werden, ist noch nicht sichtbar.“ Die Leute sehen in dem jungen Gustav einen ungebildeten Störer und doch ist er Gottes Kind. Gott sieht den Menschen. Seine Kreativität, seine Ideen, seine Kraft, um etwas zu schaffen. Wie gut, dass es einen gibt, der dich in seiner Familie haben will – als Sohn, als Tochter. Es spielt keine Rolle, wie alt du bist, was du bisher in deinem Leben gemacht hat. Da geht noch was. Du sollst du werden. Im Fall von Gustav Mesmer heißt das: Seine Bestimmung ist „Flugradbauer“.
Aber ist Gustav Mesmer denn einmal geflogen mit einer seiner Maschinen? Darauf hat er geantwortet, dass es ihn einmal fast 50 Meter weit ins Tal getragen hat. Nur leider, leider ist keiner dabei gewesen. - Wir sind schon Gottes Kinder. Aber was wir einmal werden, ist noch nicht sichtbar.
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Die ersten Christinnen und Christen vor zweitausend Jahren in Jerusalem waren verrückt. Total durchgeknallt. Heute erklären uns alle, dass wir uns bitteschön um unsere Altersvorsorge kümmern müssen. Und, wo immer es geht, noch zusätzlich etwas zurücklegen, damit es im Alter reicht. Nach der Devise: Es muss halt jeder auch selbst schauen, wo er bleibt. In der ersten Christengemeinde war das komplett anders. Die Bibel erzählt: Alle waren damals „ein Herz und eine Seele“. Da passte kein Blatt Papier dazwischen. Und das meinten sie nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch: Ihr gesamtes Hab und Gut soll allen zusammen gehören. „Liebeskommunismus“ wird das genannt, weil aus Liebe der Besitz vollständig geteilt wird.
Ehrlich gesagt, das bekomme ich nicht hin. Aber gleichzeitig geht mir dieses alternative Wirtschaftssystem nicht aus dem Sinn. Denn diese Liebe hat Folgen: Keiner muss hungern, keiner steht ohne Dach über dem Kopf da oder trägt kaputte Kleidung. Das Vermögen der einen gleicht den Mangel der anderen aus. Statt an sich und an ihre Zukunft zu denken, machen die Reichen ihren Grundbesitz oder ihre Immobilien bedenkenlos zu Geld, das sie der Gemeinde zur Verfügung stellen. Mit den Verkaufserlösen finanziert die Gemeinde dann die Unterstützung der Armen. Wie gesagt, völlig verrückt – kein Bewusstsein, dass man auch an sich denken muss. Stattdessen bekommt jeder zugeteilt, was er nötig hat.
Und dann ist da noch das Beispiel eines Mannes namens Josef: Er hat einen Acker, den er verkauft zum Besten der Gemeinde. Und weil danach kein Besitz mehr da ist, um den er sich kümmern muss, wird er stattdessen Missionar. Barnabas wird er deshalb genannt, Sohn des Trostes. Denn es ist tröstlich, wenn ein Mensch an die anderen denkt.
Zur Wahrheit über die ersten Christen gehört aber auch: Schon damals wollen nicht alle mitmachen. Miteinander teilen ist eine Kunst und bleibt ein Projekt, das man immer wieder üben muss. Ja, bis alle wirklich das Nötige haben, heißt es: Üben, üben, üben.
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Die ersten Christinnen und Christen vor zweitausend Jahren in Jerusalem waren verrückt. Total durchgeknallt. Heute erklären uns alle, dass wir uns bitteschön um unsere Altersvorsorge kümmern müssen. Und, wo immer es geht, noch zusätzlich etwas zurücklegen, damit es im Alter reicht. Nach der Devise: Es muss halt jeder auch selbst schauen, wo er bleibt. In der ersten Christengemeinde war das komplett anders. Die Bibel erzählt: Alle waren damals „ein Herz und eine Seele“. Da passte kein Blatt Papier dazwischen. Und das meinten sie nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch: Ihr gesamtes Hab und Gut soll allen zusammen gehören. „Liebeskommunismus“ wird das genannt, weil aus Liebe der Besitz vollständig geteilt wird.
Ehrlich gesagt, das bekomme ich nicht hin. Aber gleichzeitig geht mir dieses alternative Wirtschaftssystem nicht aus dem Sinn. Denn diese Liebe hat Folgen: Keiner muss hungern, keiner steht ohne Dach über dem Kopf da oder trägt kaputte Kleidung. Das Vermögen der einen gleicht den Mangel der anderen aus. Statt an sich und an ihre Zukunft zu denken, machen die Reichen ihren Grundbesitz oder ihre Immobilien bedenkenlos zu Geld, das sie der Gemeinde zur Verfügung stellen. Mit den Verkaufserlösen finanziert die Gemeinde dann die Unterstützung der Armen. Wie gesagt, völlig verrückt – kein Bewusstsein, dass man auch an sich denken muss. Stattdessen bekommt jeder zugeteilt, was er nötig hat.
Und dann ist da noch das Beispiel eines Mannes namens Josef: Er hat einen Acker, den er verkauft zum Besten der Gemeinde. Und weil danach kein Besitz mehr da ist, um den er sich kümmern muss, wird er stattdessen Missionar. Barnabas wird er deshalb genannt, Sohn des Trostes. Denn es ist tröstlich, wenn ein Mensch an die anderen denkt.
Zur Wahrheit über die ersten Christen gehört aber auch: Schon damals wollen nicht alle mitmachen. Miteinander teilen ist eine Kunst und bleibt ein Projekt, das man immer wieder üben muss. Ja, bis alle wirklich das Nötige haben, heißt es: Üben, üben, üben.
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Na, die haben aber ganz schön Hunger, denke ich: Vier junge Männer sitzen im Regionalzug um einen Vierertisch. Draußen wird es dunkel. Auf dem Tischchen sind: Fladenbrot, Brotaufstriche, Datteln, große Wasserflaschen. Das ist mal was Anderes, als verschämt in eine Brezel zu beißen. Guten Appetit, sage ich im Vorbeigehen. Das ist unser Iftar, meint einer der vier. Richtig, es ist ja Ramadan. Die vier sind den Tag über nüchtern geblieben und haben nichts gegessen und getrunken. Sie haben sich an eines der Gebote des Islam gehalten, gefastet und Verzichten geübt. Jetzt, nach Sonnenuntergang, dürfen sie das Fasten brechen und wieder essen und trinken.
Im Ramadan geht es Musliminnen und Muslime außerdem um vier Wochen ohne Lügen und Beleidigungen. Natürlich ist das auch sonst so, aber es wird noch einmal besonders betont.
Durch den Mondkalender ändert sich jedes Jahr der Zeitpunkt des Ramadan. Jetzt im März fällt das Fasten nicht so schwer wie im Hochsommer. „Aber wir packen das auch im Sommer“, meint einer der vier fröhlich.
Die Zeiten, in denen wir leben, sind nicht einfach. Zusammenhalt und Vielfalt zugleich kommen nicht von selbst, man muss etwas dafür tun. Aber es gibt so viele Menschen guten Willens. Das müssen wir doch hinbekommen, dass Angehörigen verschiedener Religionen sich respektieren und am anderen freuen. Dass wir neugierig aufeinander sind und für Verständnis und Toleranz eintreten. Dieses Jahr findet der Ramadan größtenteils zur gleichen Zeit statt wie die Passions- und Fastenzeit vor Ostern. Wir könnten uns erzählen, was uns wichtig ist, was uns Halt gibt und was uns trägt.
Den vieren im Regionalzug wünsche ich: Ramadan Mubarak! Menschen muslimischen Glaubens wünsche ich: Ramadan Mubarak! Einen gesegneten Ramadan. Und uns allen: Dass wir uns besser kennenlernen. Und frei und offen und ohne Angst voreinander friedlich zusammenleben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41737Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mariann Edgar Budde ist eine US-amerikanische Bischöfin. Sie lebt und arbeitet seit fünfzehn Jahren in der Hauptstadt Washington. Weltweit berühmt geworden ist sie vor zwei Monaten, im Januar. Denn sie hielt die Predigt im Gottesdienst zur Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten. In ihrer Rede bittet sie um Barmherzigkeit und Mitleid für geflüchtete Menschen und für Angehörige der queeren Gemeinschaft.
Dass sie „Bitte“ gesagt hat, darüber kann man lange nachdenken: Denn in einer Demokratie sind die Menschenrechte nicht verhandelbar. Sie gelten ungeteilt für alle. Doch Mariann Edgar Budde hat ja gar keine Rechte eingefordert und hat sich nicht darauf berufen, was jedem Menschen zusteht.
Stattdessen hat sie eine Bitte formuliert. Sie hat an das Mitgefühl appelliert und daran erinnert, dass es selbst in Ländern ohne Demokratie doch Mitleid und Barmherzigkeit gibt. Auch wenn man keine Rechte einklagt: um Milde kann man bitten. Für andere kann man bitten. Du bist der mächtige Präsident. Aber trotzdem will ich versuchen, frei heraus für andere zu sprechen und das zu tun, was die Nächstenliebe verlangt.
Manchmal braucht es selbst für eine bescheidene Bitte ganz schön viel Mut. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat die Ansprache der Bischöfin zuerst langweilig und nicht aufregend genannt. Anschließend verlangte er von ihr, dass sie sich für ihre Predigt entschuldigt. Ein Kongressabgeordneter wollte die Bischöfin am liebsten aus den USA deportieren.
Mut lässt sich lernen! Mariann Edgar Budde sagt: Mut ist ein Weg, den man geht. Mut besteht aus vielen kleinen Schritten. Mut wächst überall dort, wo Menschen sich zusammenfinden. Mut wird stark, wo man sich füreinander einsetzt.
Im Englischen ist die höfliche Anrede für eine Bischöfin „Right Reverend“. Das bedeutet so viel wie „richtig würdig“. Mariann Edgar Budde ist richtig würdig, weil sie ihren Mut zusammengenommen und sich für die Menschenrechte eingesetzt hat.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41736Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Fritz Rosenthal ist Jude und flieht als junger Mann aus Nazideutschland nach Jerusalem. Wenn schon, denn schon, denkt er sich und nimmt einen neuen Namen an: Schalom Ben-Chorin. Schalom, das heißt Friede, Ben-Chorin bedeutet Sohn der Freiheit. Sein Vorname und sein Nachname sind bewusste Zeichen in einer Zeit der Diktaturen und des Kriegs: Zeichen, die er selbst setzt. Dabei braucht auch er selbst immer wieder Zeichen. Er braucht eine Ermutigung von außen, dass es mit dem Frieden und mit der Freiheit gut ausgehen soll. Wenigstens einen klitzekleinen Hinweis wünscht sich Ben-Chorin, dass er mit seinen Wünschen nach Heil für diese Welt nicht auf dem Holzweg ist. Dass nicht alles vergeblich ist. Wenn er dann am Übergang von Winter zum Frühjahr aus dem Fenster sieht, dann sind da Mandelbäume. Und wenn er genau hinschaut, kann er erste Blütenblätter erkennen.
Er ist verzagt und ohne Hoffnung, aber dass vor seiner Haustür, ohne sein Zutun, ganz unabhängig von ihm, etwas neu beginnt, neu aufblüht, das ist, wie er selbst sagt, eine „geflüsterte Botschaft“ für ihn. Ein Zeichen. Und er macht aus dem, was er sieht, ein Gedicht:
Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?
Dass das Leben nicht verging,
soviel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering,
in der trübsten Zeit.
Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.
Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.
Wie schön! Das Gedicht des jüdischen Dichters ging um die Welt und wurde später vertont und ins evangelische Gesangbuch aufgenommen. Auch das ist ein Zeichen, ein Hinweis, dass Versöhnung kein leeres Wort ist. Draußen wird es Frühling. Es ist in einer verrückten Welt ein Fingerzeig, mehr nicht. Aber achtet das nicht gering, Freunde.
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