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SWR3 Gedanken
Longevity. Übersetzt heißt das: Langlebigkeit. Gemeint ist damit aber oft ein Trend, bei dem Menschen alles daransetzen, möglichst lange zu leben. Manche machen da echt seltsame Dinge. Stopfen etwa jeden Tag Pillen in sich rein. Andere schwören auf Kältekammern und manches mehr.
Eine viel einfachere Möglichkeit, zumindest für uns Männer, wäre es, Mönch zu werden. Na ja, für die meisten von uns vielleicht nicht ganz so einfach. Aber es lohnt sich trotzdem, mal genauer hinzusehen. Eine Studie zeigt nämlich: Ordensmänner sind klar im Vorteil – was das lange Leben angeht. Sie werden deutlich älter als der Durchschnittsmann. Bei Frauen ist der Effekt geringer. Offenbar tut ein geregeltes Leben uns Männern gut, mit klar strukturiertem Tagesablauf. Auch ein Leben in Gemeinschaft ist nachweislich gesünder. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, heißt es schon in der Bibel. Denn wer sich im Kloster jeden Tag begegnet, merkt einfach schneller, wenn es dem anderen nicht gut geht. Und dann ist da auch noch das geistliche Leben. Regelmäßiges Beten und Meditieren also. Weil es einfach guttut, wenn ich weiß, dass ich getragen bin. Von anderen Menschen und von Gott. Egal was kommt. Klar, das schützt nicht vor Krankheiten oder Sorgen. Aber es kann helfen, anders damit umzugehen. Gelassener, hoffnungsvoller. Und dafür muss ich nicht mal im Kloster leben.
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Glaube kann Berge versetzen. Sagt jedenfalls die Bibel. Jesus war davon fest überzeugt. Als er zu seinen Jüngern gesprochen hat, hat er nicht nur dieses bekannte Sprichwort geprägt. Er hat das immer wieder betont: Auf den Glauben kommt es an.
Eine Geschichte über die Macht des Glaubens ist heute auch in den Katholischen Gottesdiensten zu hören (Mt 14,22-33). Da wird erzählt, wie die Freunde Jesu mit einem Boot rausfahren auf den See Genezareth. Er selbst bleibt zurück. Als es in tiefer Nacht stürmisch wird und das Boot gefährlich schlingert, kommt er ihnen plötzlich mitten auf dem See entgegen. Über das Wasser! Die Männer im Boot sind entsetzt. Petrus, der immer besonders forsch auftritt, fängt sich als erster und sagt: Wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! Und dann steigt er aus dem Boot und läuft tatsächlich über den See. Wenigstens ein paar Schritte. Doch dann verlässt ihn der Mut und er fängt an zu sinken. Jesus hält ihn fest und stellt ihm die entscheidende Frage: Warum hast du gezweifelt? Soweit die Geschichte.
Klingt erstmal so, als ob das ganz simpel wäre. Nur richtig feste glauben und dann kann ich auch übers Wasser gehen. Wer absäuft, ist selbst schuld. Hat eben nicht genug geglaubt. Erwartet Jesus also eine Art von Super-Glauben? Einen ohne jeden Zweifel? Und was heißt das überhaupt: Ganz fest glauben? Sicher ist: Jesus ist es nie um Äußerlichkeiten gegangen. Bei ihm musste keiner die Bibel auswendig können. Nicht täglich den Gottesdienst besuchen und alle Gebote bis ins Kleinste erfüllen. Kurioserweise hat er stattdessen wildfremde Leute für ihren großen Glauben gelobt. Und zwar, weil sie ihn um Hilfe gebeten hatten. Weil sie vertraut haben, dass nur Gott ihnen helfen kann. Und er, Jesus, ihnen Gottes Hilfe vermittelt. Glauben, das hieß für Jesus also: Vertrauen können. Rückhaltlos. Ohne Wenn und Aber. Doch daran ist auch Petrus manchmal gescheitert.
Christsein heißt nicht, alle Fragen und Zweifel beiseite zu wischen. Meinen kritischen Verstand an der Kirchentür abzugeben. Aber die kleine Geschichte fragt mich, wie sehr ich vertrauen kann. Darauf, dass es da wirklich diesen Gott gibt. Der mir nahe ist. Auf den ich hoffen darf. Das tue ich zwar. Manche Fragen und Zweifel kann ich trotzdem nicht einfach beiseitelegen. Aber ich kann ja schließlich auch nicht übers Wasser gehen.
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Es gibt Worte aus der Bibel, die gehören eigentlich in den Giftschrank. „Vorsicht! Gefahr!“ müsste darüberstehen. Der Satz, mit dem der Bibeltext in den katholischen Gottesdiensten heute beginnt, fällt in diese Kategorie. Da sagt Jesus nämlich, an seine Jünger gewandt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Auf den ersten Blick ist das starker Tobak. So was zu sagen klingt anmaßend und unerhört. Und Jesus setzt sogar noch eins drauf: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
In den Giftschrank gehört der Satz aber nicht wegen der Worte an sich, sondern weil sie schon so oft in schlechten Predigten instrumentalisiert worden sind. Wenn etwa die Liebe zu Jesus ausgespielt wird gegen die Liebe zu den Menschen, die einem am allerwichtigsten sind. Oder wenn der Eindruck erweckt wird, dass echter, wahrer Glaube weh tun, ja, Leid bedeuten muss. Christenleben – Opferleben halt. Und so bleibt am Ende womöglich hängen: Der Allerwichtigste ist Jesus. Wichtiger als die eigenen Kinder. Wichtiger als das Lebensglück. Wie absurd!
Dabei kann ich sehr wohl in Konflikte kommen, nur weil ich Christ bin. Ich kann mitleidig belächelt, schräg angeschaut, gemieden werden, weil ich an Gott glaube. Kann beschimpft oder in Mithaftung genommen werden für abscheuliche Dinge, die Priester meiner Kirche getan haben. Die Konflikte reichen oft bis in die Familien hinein. Das war schon bei den ersten Christen so und ist es heute noch. Der Abt der Benediktinerabtei in Jerusalem etwa berichtet, dass Christen im Heiligen Land immer öfter von national-religiösen Israelis auf der Straße angespuckt, angepöbelt, sogar körperlich angegangen werden. Und die Situation werde schlimmer.
Wer sowas erlebt, kann seinen Glauben verstecken, dem Gottesdienst fernbleiben. Kann sein Christsein verleugnen, um bloß nicht aufzufallen. Doch genau dagegen wendet sich Jesus, wenn er seine Anhänger auffordert, ihr Kreuz auf sich zu nehmen. Aufrecht und ehrlich sollen sie bleiben, auch dann, wenn es ungemütlich wird. Es geht eben nicht darum, Kinder oder Eltern abzuwerten. Nicht darum, mir aus falsch verstandener Opfersehnsucht irgendein Leiden an den Hals zu wünschen. Das wäre grotesk! Es geht darum, was ich für meinen Glauben auf mich nehmen will. Ob ich stark genug bin, für ihn einzustehen, wenn es Ärger und Anfeindungen gibt. Kurz gesagt, wenn er für mich zum Kreuz werden sollte.
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Da ist das schicke Kleid, das angeblich fair und umweltschonend produziert worden ist. Und dann stellt sich raus, dass es in Fernost unter miesen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Da ist der Fußballtrainer, der seine Mannschaft ganz klar erstklassig sieht, und am Ende der Saison gegen den Abstieg kämpft. Der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist manchmal ganz schön breit. Ein Vorwurf, der auch den Religionsgemeinschaften immer wieder gemacht wird. Wasser predigen und Wein trinken, heißt es dann. Oder von Liebe und Güte schwadronieren und hinter den Kulissen ganz und gar nicht liebevoll mit Menschen umgehen. Zumindest für meine Kirche kann ich sagen: Ja, kommt leider vor. Die Regel ist das gewiss nicht. Zum Glück! Aber es passiert. In dem Bibeltext, der heute in den katholischen Kirchen gelesen wird, scheint so ein Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit sogar schon in der Bibel auf. Da wird nämlich erzählt, wie Jesus seine Jünger losschickt. Mit klarem Auftrag. Sie sollen Kranke heilen, sollen Menschen die frohe Botschaft bringen, sogar Tote aufwecken. Und im Evangelium, das Lukas aufgeschrieben hat, wird dieser Auftrag sogar noch zugespitzt (Lk 9,1-6). Wenn sie zu den Leuten gehen, so heißt es da, dann sollen sie nichts mitnehmen. Keinen Wanderstab, kein Brot, kein Geld, kein zweites Hemd zum Wechseln. Kurz: Wer den Menschen die frohe Botschaft bringen will, der soll das als mittelloser Wanderprediger tun. Als einer also, der von Ort zu Ort zieht und darauf angewiesen ist, dass die Leute gastfreundlich zu ihm sind. Dass sie ihn verpflegen und in ihre Häuser aufnehmen.
Nun ist ziemlich offensichtlich, dass es anders gekommen ist. Im Lauf der Jahrhunderte ist aus einer Truppe von Wanderpredigern eine weltweite Kirche geworden. Mit großem Verwaltungsapparat. Mit Gebäuden und Grundstücken. Mit vielen Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die natürlich nicht an Haustüren betteln oder um einen Schlafplatz bitten müssen. Die vielmehr einen festen Wohnsitz haben und, zumindest hier bei uns, auch nach Tarif bezahlt werden. Ein offener Kontrast also zu dem Auftrag, den Jesus seinen Jüngern damals gegeben hatte. Aber ist das wirklich auch ein Beispiel dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr zusammenpassen?
Es gibt Menschen, die legen die Bibel wortwörtlich aus. Für die ist zum Beispiel das ganze Universum in sechs Tagen entstanden. Genau so steht‘s ja in der Bibel und die ist schließlich Gottes Wort und deshalb nicht zu hinterfragen. Wer das so sehen will, der muss allerdings mit den Widersprüchen leben, die sich daraus ergeben. Mit Erkenntnissen der Wissenschaft etwa, die zu ganz anderen Schlüssen kommt.
Wenn nun erzählt wird, wie Jesus seine Jünger aussendet - nämlich als mittellose Wanderprediger - dann hatte das allerdings einen tieferen Sinn. Und die Zuhörer damals haben es verstanden. Viele glaubten nämlich, dass das Ende der Zeit bevorsteht. Und wer dann so umherzieht, ungebunden, ohne Besitz, der macht klar: Das Materielle ist sinnlos geworden. Wenn Gottes Herrschaft erstmal da ist, dann braucht man das alles nicht mehr. Konzentriert euch deshalb auf das, was wirklich wichtig ist – für euch und eure Seele.
Im Rückblick wissen wir: Darauf zu hoffen, dass Gottes Reich quasi vor der Tür steht, war ein bisschen zu optimistisch. Auch würde heute kaum noch jemand verstehen, was ein mittelloser Wanderprediger zu bedeuten hat. Deswegen muss man unterscheiden. Zwischen dem, was Jesus wichtig war, was ihm zutiefst am Herzen lag. Und manchen Anweisungen von damals, die heute aber irgendwie nicht mehr in die Zeit passen.
Das Himmelreich ist nahe. Das wollte Jesus den Menschen unbedingt nahebringen. Dafür hat er gebrannt. Nur, wie lässt sich heute noch erzählen vom Himmelreich? Schließlich sollen seine Jüngerinnen und Jünger die Botschaft ja weitertragen. Bis heute. Vielleicht geht es am besten ganz praktisch. Etwa, wenn Menschen Zeit und Mühen auf sich nehmen und sich freiwillig für andere engagieren. Wenn Traurige getröstet werden. Wenn Menschen, die völlig verzweifelt sind, wieder hoffen können. Wenn Leute sich dafür stark machen, dass die Schöpfung nicht ruiniert wird. Wenn Hass und Hetzerei ins Leere laufen und nicht mehr verfangen. Manchmal lässt sich dann ahnen, dass es wirklich existiert und da ist. Ein kleines Stückchen Himmel auf Erden.
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Signalstörung, Bahnübergangsstörung, Weichenstörung, Streckenstörung. Wer regelmäßig Bahn fährt kennt das alles. Vor kurzem ist mir das alles aber nacheinander passiert. Und weil ich auch noch einen beruflichen Termin hatte, zu dem ich nicht zu spät kommen wollte, bin ich vor Ärger kurz explodiert. Danach hab ich mich dann leise geschämt. Denn die anderen um mich herum saßen entspannt da, vertieft in ihre Handys. Entweder war es ihnen egal. Oder sie hatten sich einfach mit der Lage arrangiert. An dem Schlamassel war eh nichts zu ändern.
Es gibt die alte Weisheit, dass man Dinge, die man ändern kann, auch anpacken sollte. Die andern aber, die nicht zu ändern sind, am besten gelassen ertragen. Und ja, den Reflex auf „die da oben“ zu schimpfen, den spüre ich manchmal auch. Auf „unfähige Bahnmanager“, „inkompetente Politiker“. Das ist billig zu haben und trotzdem oft falsch. Weil es viele Probleme gibt, die keiner, der jetzt verantwortlich ist, verursacht hat. Und deshalb auch nicht beschimpft und bepöbelt werden sollte. Die Zugbegleiterin nicht und auch nicht der Politiker. Ärgern darf ich mich trotzdem – und immer wieder üben: Gelassen zu ertragen, was ich jetzt nicht ändern kann.
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Wie stark würde eine Flut nach einem schweren Unwetter meinen Wohnort treffen? Vor zwei Wochen konnte man das auf der Onlineseite einer großen Zeitung nachschauen. Hab ich natürlich gleich gemacht. In Kaiserslautern, wo ich wohne, sieht das noch recht entspannt aus. An anderen Orten im SWR3-Land ist das aber leider ganz anders.
Das passt gut zu einem Mottotag, der mal von der UNO eingeführt worden ist. Dem „Weltumwelttag“. Seit genau 50 Jahren gibt es den auch in Deutschland. Immer am 5. Juni. Ob solche Tage wirklich was bringen? Ich weiß nicht. Vielleicht hat die Horrorflut im Ahrtal vor fünf Jahren da mehr sensibilisiert als alle Umwelttage zusammen. Viele Menschen dort leiden bis heute darunter. Und die schrecklichen Bilder haben jedem gezeigt, was in Zukunft sogar öfter passieren könnte. Auch anderswo.
Als Christen reden wir oft von der Bewahrung der Schöpfung. Schlimme Ereignisse wie im Ahrtal machen klar, dass Schöpfung aber nicht irgendwas da draußen ist. Ich sitze mittendrin. Umwelt, Klima und Schöpfung bewahren. Am Ende schützt das auch mich selbst. Natürlich muss die große Politik da weiter liefern. Aber jede und jeder kann selbst was tun. Auch im ganz Kleinen. Die bequeme Ausrede, dass das eh nichts bringt, die gilt nicht. Und weil wir alle im selben Boot sitzen, ist alles, was die Schöpfung schützt, auch gut für alle. Wir Christen würden sagen: Ein Dienst am Nächsten.
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Heute Feiertag, morgen Brückentag, langes Wochenende. Für Viele zumindest. Fronleichnam sei Dank. Doch was da eigentlich gefeiert wird, das wissen deutlich weniger. Wenn ich mich ans katholische Westfalen erinnere, wo ich aufgewachsen bin, dann bedeutete Fronleichnam damals vor allem: Geschmückte Straßen. Blumenteppiche in Hauseingängen. Feierliche Prozessionen. Fronleichnam, das waren Blaskapellen und hunderte Menschen, die singend und betend durch den Ort zogen. Und ein Pfarrer, der mittendrin das geweihte Brot aus dem Gottesdienst feierlich durch die Straßen trug. Das alles gibt es auch heute noch. Nur vielleicht bescheidener als früher.
Mag sein, dass manches heute auch etwas aus der Zeit gefallen erscheint. Auch für viele Katholiken. Nicht aus der Zeit gefallen ist aber, worum es dabei gehen sollte. Denn Prozessionen erzählen ja immer von einer Hoffnung. Dass Gott mit dabei ist. Mit auf dem Weg. Überall. Und weil Gott nun mal nicht zu greifen ist, wird das Brot aus dem Abendmahl mit durch den Ort getragen. Das Brot als Zeichen der Gemeinschaft mit ihm. So wie Jesus es damals, bei seinem letzten Mahl mit seinen Jüngern, gewollt hatte. Wenn Katholiken Fronleichnam feiern, dann feiern sie also dieses Brot der Gemeinschaft. Und einen Gott, der sich nicht in Kirchen versteckt. Einen, der sich überall finden lässt.
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Jetzt im Frühjahr sind immer meine Himbeersträucher im Garten dran. Die alten Ruten vom vergangenen Jahr müssen raus. Übrig bleiben nur die jungen, frischen Triebe, die dann wieder genug Licht, Luft und Kraft zum Wachsen haben. Anfangs ist mir das ziemlich schwergefallen. Denn die alten sahen eigentlich noch ganz gut aus. Bekamen frische Blättern und neuen Blüten. Also hab ich immer nur ein bisschen weggeschnitten. Die Folge: Kranke, zugewucherte Sträucher und schlechte Himbeeren.
Das ist wie im Leben. Altes loszulassen, was ich oft viele Jahre liebgewonnen habe, ist mir immer schon schwergefallen. Die alten Klamotten etwa, die ich so gern angezogen habe, die jetzt aber abgetragen sind. Aber auch ganze Lebensabschnitte, die zu Ende gehen. Die Ausbildung. Die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Irgendwann auch das Berufsleben. Immer wieder geht’s da um Menschen, die mich ein ganzes Stück auf meinem Weg begleitet haben. Ich muss sie weiterziehen lassen. Meine erwachsenen Kinder, enge Arbeitskollegen. Solche Abschiede fallen mir oft besonders schwer.
Inzwischen weiß ich, dass das wohl zu den wichtigsten Lektionen gehört, die man im Leben lernen muss: Loslassen können. Dabei auch traurig sein dürfen. Und sich dann auf das freuen, was kommt.
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Der Künstler Banksy ist ein Mysterium. Oder ist es eine Künstlerin? Da gibts zum Beispiel das Kind mit dem roten Luftballon und noch vieles mehr. Was Banksy an Hauswänden und Mauern hinterlässt, fasziniert einfach. Als vor kurzem mal wieder einer getönt hat, dass er Banksy enttarnt habe, da hab ich nur gedacht: Sei einfach still und lass uns ein paar ungelöste Rätsel.
Denn was wäre das für eine Welt, in der es nichts Geheimnisvolles mehr gäbe? Einfach nichts mehr, das verborgen bliebe? Ich finde, die Welt würde damit ärmer und kälter. Natürlich ist es wichtig, immer mehr zu wissen. In der Medizin, beim Klimaschutz und vielem mehr. Aber für mich ist die Wirklichkeit einfach immer mehr als das, was ich sehen, riechen oder anfassen kann. Und zu diesem Mehr gehört für mich unbedingt auch der Glaube. Der Glaube an einen Gott, den keiner je beweisen kann und an den trotzdem Unzählige glauben. An etwas, das unendlich viel größer ist als diese kleine Welt. Und das vielleicht genau deshalb Trost und Hoffnung gibt, selbst in schweren Stunden. Denn eine Welt, in der es, trotz allem, was wir wissen, auch noch geheimnisvoll bleibt, die ist für mich jedenfalls einfach reicher und lebenswerter.
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Mein Bekannter ist echter FCK-Fan und wenn‘s eben geht beim Heimspiel auf dem Kaiserslauterer Betzenberg dabei. Deshalb regt er sich auf, wenn der Schiri eine umstrittene Entscheidung trifft. Wenn ein Elfmeter verweigert wird, obwohl er ein Foul gesehen hat. Oder ein Tor gegeben wird, obwohl es doch offenbar Abseits war. Gut möglich, dass er sich irgendwann nicht mehr aufregen muss. Weil hochpräzise Kameras alles zentimetergenau erfassen. Und weil die Technik Entscheidungen trifft, über die man gar nicht mehr diskutieren kann. All das gibt’s versuchsweise schon. Vielleicht wird ja irgendwann sogar der Schiri überflüssig.
Auch wenn ich kein riesiger Fußballfan bin – ich hoffe nicht. Denn für mich ist das ein bisschen wie bei der Musik. Wahrscheinlich kann ein Computer auch die schwierigsten Klaviersonaten von Beethoven perfekt und fehlerfrei spielen. Aber würde ich mich noch ernsthaft in ein Konzert setzen, um mir das anzuhören? Bestimmt nicht. Ich will mit dem Pianisten mitfühlen, mich von seiner Interpretation anrühren lassen. Will, dass da der Funke überspringt von ihm zu mir. Von Mensch zu Mensch. Für tolle Musik braucht‘s viel Übung und Können, und vor allem ganz viel Emotion. So wie beim Fußball. Und deswegen will auch mein fußballbegeisterter Bekannter nicht auf den Schiri verzichten. Auch wenn er sich manchmal über ihn ärgert.
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