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SWR3 Gedanken
Sollen Menschen Tiere essen oder nicht? Dieses Gespräch habe ich mit einem jungen Mann geführt. Und ich fand es anstrengend und spannend gleichzeitig.
Anstrengend fand ich unser Gespräch, weil ich gemerkt habe, dass der junge Mann sehr klare Ansichten hat und ich innerlich immer ungeduldiger geworden bin. Vielleicht auch deshalb, weil ich zwischen seinen Worten immer wieder Vorwürfe gehört habe. Statt ihm wirklich zuzuhören, bin ich dann auf Abstand gegangen,
Erst im Laufe des Gesprächs habe ich verstanden, worum es ihm eigentlich ging. Er hat sich gewünscht, dass die Kirche eine stärkere Verbündete für die Anliegen des Veganismus ist. Und er war enttäuscht, dass sie seiner Meinung nach nicht eindeutig genug Stellung bezieht.
Als mir das klar geworden ist, wurde auch das Gespräch interessanter. Denn für mich ist Kirche kein Ort mit fertigen Antworten für jede Frage. Sie lebt vom gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren. Und das entdecke ich auch in der Bibel:
Dort finden sich Texte, die Tiere als Mitgeschöpfe Gottes ernst nehmen. Jesus sagt sogar, dass Gott den kleinen Spatz im Blick hat. Zugleich wird in der Bibel Fleisch gegessen, ohne dass dies grundsätzlich infrage gestellt wird. Gerade am Anfang der Bibel sind Texte, die diese Spannung aufzeigen, aber nicht auflösen. Man könnte auch sagen: Die Bibel selbst ringt um eine Antwort. Dabei war die Welt damals eine ganz andere als unsere. Tiere gehörten zum Alltag. Fleisch war etwas Besonderes und kam deutlich seltener auf den Tisch als heute in Zeiten industrieller Tierhaltung.
Mich beeindruckt, dass Menschen schon vor Jahrtausenden bereit waren, über ihr Handeln nachzudenken und darüber zu streiten, wie ein verantwortliches Leben aussieht.
Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Gesprächs: Wichtige Fragen werden nicht dadurch gelöst, dass alle sofort derselben Meinung sind. Sie brauchen Menschen, die sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen.
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Tobi hat sich für diesen Montag extra Urlaub genommen. Nicht, weil er wegfahren will. Oder ausspannen. Er nutzt seinen Urlaubstag, um gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen große Zelte für jeweils zehn Menschen und ein großes Festzelt abzubauen, zu reinigen, einzulagern und für den nächsten Einsatz vorzubereiten.
Dabei ist der Montag ja nur der Abschluss. Das ganze Wochenende hat Tobi bereits auf einem Konfi-Camp mitgearbeitet. Ein Konfi-Camp ist ein großes Zeltlager für fast 300 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Tobias war dabei Ansprechpartner für Jugendliche, hat kleine Verletzungen versorgt, Essen ausgegeben, Teller gespült und dort geholfen, wo Hilfe gebraucht wurde.
Für all das bekommt er kein Geld. Im Gegenteil: Er investiert sogar einen Urlaubstag. Und das machen Menschen zum Glück immer wieder in ihrem Ehrenamt. Ohne diese Investition würde bei uns so viel nicht funktionieren:
Die Jugendgruppen in den Vereinen. Die Feuerwehr. Das Rote Kreuz. Die Kirchengemeinden. Die Sportvereine. Viele Freizeiten und Ferienangebote.
Die Ehrenamtlichen fragen nicht zuerst: Was habe ich davon? sondern: Was kann ich beitragen? Ich finde, was sie da mitbringen, das ist nicht nur effektive Arbeit, sondern auch ein besonderer Geist. Sie erinnern uns daran, dass nicht alles einen Preis haben muss. Dass Gemeinschaft davon lebt, dass Menschen mehr geben, als sie müssten.
Darum bin ich dankbar für Menschen wie Tobi. Sie zeigen mir, dass Zusammenhalt dort entsteht, wo Menschen bereit sind, Zeit, Kraft und Herzblut zu investieren.
Deshalb: Herzlichen Dank an alle, die sich, ihre Zeit und ihren Urlaub investieren. Ich finde ja, dass dadurch sogar etwas von Gottes Geist spürbar wird, weil Menschen zusammengebracht und Gemeinschaft möglich gemacht wird.
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Mein Freund Christian hat mir erzählt, dass er als Kind eine ganze Sammlung von Schlümpfen hatte. Die mussten immer ganz genau in der richtigen Reihenfolge stehen. Wenn jemand einen Schlumpf verschoben hat, konnte Christian nicht schlafen gehen, bevor nicht wieder alles ordentlich sortiert war.
Bis heute ist ihm diese Liebe zur Ordnung geblieben. Er kennt Regeln und Vorschriften oft erstaunlich genau. Und wenn etwas nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, kann er leidenschaftlich darüber diskutieren. Manchmal sagen andere dann: „Nun sei doch nicht päpstlicher als der Papst.“
Als Christian mir von seinen Schlümpfen erzählt hat, habe ich ihm geantwortet: „Vielleicht geht es dir gar nicht in erster Linie um Regeln. Vielleicht magst du einfach Ordnung.“
Da musste er lachen und hat zugestimmt. Seitdem denke ich öfter darüber nach. Denn vieles von dem, was uns wichtig ist, halten wir zunächst für objektiv richtig. Wir glauben, dass es vernünftig ist. Oder logisch. Oder selbstverständlich. Dabei hat es oft damit zu tun, dass es uns selbst wichtig ist.
Der eine liebt Ordnung. Die andere schätzt Spontaneität. Der eine achtet auf Traditionen. Die andere freut sich über Veränderungen. Und oft wundern wir uns, warum die anderen das nicht genauso sehen wie wir.
Mit meinen Kindern habe ich oft dieses Spiel gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Und ich finde, das ist ein erstaunlich kluger Satz. Denn er erinnert daran, dass jeder Mensch die Welt ein wenig anders wahrnimmt. Jeder entdeckt etwas, das dem anderen verborgen bleibt.
Deshalb, finde ich, sind Gespräche so wichtig. Nicht damit am Ende alle dieselbe Meinung haben. Sondern damit wir verstehen, warum dem anderen etwas wichtig ist: und sei es nur die richtige Reihenfolge von Schlümpfen.
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Es war nur ein kleiner Platz am Wegesrand: einige Bänke an einem Bach im Schatten und eine große Jakobusstatue. Als ich ein Stück des Jakobswegs gepilgert bin, war dieser Ort für mich ein großes Geschenk. An einem heißen Tag kam diese kleine Oase genau zur richtigen Zeit.
Später habe ich erfahren, dass ein Mann, der direkt am Weg wohnt, diesen Platz aus eigener Initiative angelegt hat. Einfach, um Pilgern wie mir etwas Gutes zu tun. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das hat mich beeindruckt.
Denn dieser Mann kennt die Menschen ja gar nicht, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind. Trotzdem hat er gesehen, was sie brauchen können: einen Ort zum Ausruhen, Durchatmen und Kraftschöpfen.
Dabei ist mir etwas deutlich geworden: Wir sind auf unseren Wegen oft weniger allein, als wir denken.
Zwar habe ich häufig das Gefühl, alles selbst schaffen zu müssen. Doch immer wieder begegnen mir Menschen, die mich stärken, ermutigen oder entlasten. Oft sind es kleine Gesten, die einen großen Unterschied machen. Nicht nur zu sagen: „Melde dich, wenn Du etwas brauchst“, sondern aufmerksam zu sein und zu merken, was der andere gerade braucht.
Genau diese Aufmerksamkeit steckt hinter der kleinen Oase am Jakobsweg. Da hat jemand nicht gewartet, bis ihn jemand um Hilfe bittet. Er hat einfach vorausgedacht. Und ich glaube, unsere Gesellschaft könnte mehr von solchen Oasenbauern gebrauchen. Menschen, die aufmerksam hinsehen und handeln, bevor die Not laut wird.
Und im Übrigen, stelle ich mir so auch Gott vor: Er kennt unsere Wege. Er sieht, wo wir müde werden. Und er schenkt uns immer wieder Orte, an denen wir aufatmen und neue Kraft finden.
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Wenn ich mit Eltern über die Taufe ihres Kindes spreche, höre ich oft einen Satz, der mich sehr freut. Nämlich, wenn die Eltern sowas sagen wie: „Nächstenliebe ist uns wichtig. Das wollen wir auch unseren Kindern weitergeben.“
Dann denke ich: Ja, klar! Was könnte auch wichtiger sein?
Schließlich hat schon Jesus gesagt, worauf es ankommt: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. (Markus 12,29-31) Für viele Menschen gehört das einfach dazu. Man hilft einander. Man nimmt Rücksicht. Man lässt niemanden fallen.
Manchmal ertappe ich mich allerdings auch dabei, dass ich denke: Ist das nicht eigentlich selbstverständlich? So etwas wie das Mindestmaß menschlichen Zusammenlebens?
Aber dann höre ich doch tatsächlich andere Stimmen in meiner Umgebung oder in den Medien, die sagen:
„Die Starken müssen sich gegen die Schwachen durchsetzen.“ Oder: „Rücksicht ist nur ein Hindernis auf dem Weg des Fortschritts.“ Oder: „Wer erfolgreich sein will, darf sich nicht aufhalten lassen. Und überhaupt: Warum sollen die Starken für die Schwachen Verantwortung tragen?“ Und für viele ist dabei klar: Schwach sind immer die anderen.
Was Eltern sagen und vorleben, das werden die Kinder auch in aller Regel übernehmen. Ich weiß nicht, wie die Eltern, die ihre Kinder taufen lassen, sie dann erziehen. Aber wenn sie schon mal sagen: „Nächstenliebe ist uns wichtig“, dann will ich das doch gerne als hoffnungsvolles Signal verstehen. Nämlich, dass sie wirklich Nächstenliebe als das Wichtigste sehen, weil sie verstehen: Nächstenliebe ist nicht selbstverständlich und muss von jeder Generation weitergegeben und neu gelernt werden.
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Nach dieser gigantischen Fußballweltmeisterschaft ist es vielleicht nochmal gut sich dran zu erinnern: Das Leben ist kein Fußballspiel. Es ist etwas komplizierter als sich nur zu fragen: Zu welcher Mannschaft gehörst Du?
Nach einem Gottesdienst nämlich ist eine Frau auf mich zugekommen und hat gesagt: Sie finden doch auch, dass die Menschen inzwischen ganz ungläubig geworden sind und es wichtig ist, dass wir zusammenhalten als „wirklich Gläubige“ und dass wir auch immer klar machen: Wer gehört zu uns und wer nicht.
Ich kann ihr da nicht zustimmen. Mir ist das zu einfach. Ich finde, Menschen passen nicht in Schubladen. Die meisten von uns sind vielfältig und vielschichtig. Ich kann in einer Sache recht haben und gleichzeitig in einer anderen irren. Ich kann jemanden mögen und trotzdem nicht immer seiner Meinung sein.
Und noch etwas: Wer Menschen nur in „wir“ und „die anderen“ einteilt, hört oft auf, den anderen zuzuhören. Dann zählt nicht mehr, was jemand sagt oder tut, sondern nur noch, zu welcher Gruppe er gehört. Jesus hat genau das immer wieder durchbrochen. Er hat mit Menschen gesprochen, die andere längst abgeschrieben hatten. Für ihn ist es wichtiger gewesen, wer ein Mensch ist, als zu welcher Gruppe er gehört.
Für mich heißt das: Im Leben geht es nicht darum, dass wir als verschiedene Teams gegeneinander spielen und gewinnen oder verlieren. Wir schaffen das Leben und auch unseren Glauben nicht gegeneinander, sondern nur miteinander. Und da ist auch das wichtig, was ich nicht verstehe oder wo ich nochmal nachfragen muss.
Vielleicht ist die richtige Frage nicht: Gehörst du zu uns oder zu den anderen? Vielleicht ist die richtige Frage: Wer bist Du und welche Geschichte hast Du zu erzählen?
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Gleichschritt ist gefährlich. Deshalb, dürfen laut Paragraf 27 Abs. 6 der Straßenverkehrsordnung Gruppen tatsächlich nicht im Gleichschritt über Brücken marschieren. Der Grund: Wenn viele im selben Takt gehen, können sich die Schwingungen ihrer Schritte gegenseitig verstärken. Was mit einem kleinen Wippen beginnt, kann im schlimmsten Fall so gefährlich werden, dass eine Brücke einstürzt.
Und ich denke: Im Zweifel ist es sowieso besser nicht im Gleichschritt zu gehen und schon gar nicht durchs Leben. Aber wie oft habe ich mich an andere angepasst. Sei es im Verhalten, bei den Klamotten oder im Geschmack.
Natürlich brauchen wir Zusammenhalt. Aber es wird schwierig, wenn alle nur noch im Gleichschritt unterwegs sind. Wenn alle gleich sind, geht die Vielfalt verloren.
Ich glaube: Gott hat jeden Menschen als ein Original geschaffen – mit einer eigenen Geschichte, eigenen Begabungen und einer eigenen Art zu denken und zu leben. Wir selbst sind es, die uns manchmal zu Kopien machen wollen, weil wir dazugehören möchten oder Angst haben, aufzufallen. Dabei sind es gerade die Unterschiede, die eine Gemeinschaft stark machen. Vielleicht ist es deshalb auch besser, wenn wir nicht alle im gleichen Takt über die Brücken unseres Lebens gehen, sondern jeder seinen eigenen Rhythmus findet. Und ich glaube, das können wir auch gut aushalten, dass Menschen ganz anders sind als wir selbst.
Denn in der Geschichte wurde schon so viel kaputt gemacht, weil Menschen blind im Gleichschritt gelaufen sind. Neues und Spannendes entsteht eher dort, wo Menschen eigene Wege gehen und ihren eigenen Rhythmus fürs Leben wagen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44952SWR3 Worte
Samuel Falke war Programmierer und hatte einen gut bezahlten Job, der ihn allerdings stresste. Er hat sich getraut etwas zu verändern. Er ist inzwischen Lokführer und ganz begeistert, wenn er erzählt:
Meine Arbeit als Lokführer … ist ganz anders: Selbst, wenn alles durcheinander war an einem Tag, bleibt keine Arbeit liegen, wenn ich Feierabend habe… (und) Ich mag es, wenn ich zwei Minuten Verspätung habe, zum Beispiel, weil alle zur selben Tür einsteigen wollten, und ich trotzdem pünktlich in München ankomme. Das sehe ich als meine Challenge. 500 Pendler kommen pünktlich zur Arbeit – ja!
Chrismon Plus, das evangelische Magazin, März/April 2026
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Pfarrer Johannes Bräuchle macht Seelsorge bei Schaustellern und Zirkusleuten.So erzählt er von einer besonderen Trauerfeier:
Eine alte Artistin aus einer der ganz großen Circusfamilien ist verstorben. Sie ist 105 Jahre alt geworden… Ihre Leidenschaft in den „ruhigen“ Monaten der Coronazeit war, … Karten zu spielen und dazu ein Sektchen zu trinken. Sie hat verfügt, dass an ihrer Beerdigung niemand traurig sein darf und jeder auf ihr Wohl mit Sekt anstoßen soll. Als ich auf den Circusfriedhof an der Donau komme, sind dort … Piccolo-Fläschchen gerichtet und auch auf dem Altar ist für mich der Sekt ebenfalls bereitgestellt. Am Grab … sind für das Defilee zwei Schalen vorbereitet mit Spielkarten. Alle ca. 600 Gäste gehen am Grab vorbei, werfen eine Spielkarte auf den Sarg und prosten feierlich der Verstorbenen mit Sekt zu.
Perspektiven Magazin 92, Magazin für Glauben, Leben und Gemeinde
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Viele reden von Veränderung, Reformen, dass es anders werden muss. Damit das gelingt, ist es wichtig, dass jeder das einbringt, was er einbringen kann. Dabei hat die Professorin für Nachhaltigkeitstransformation, Maja Göpel eine Idee, was der Beitrag der Kirchen sein könnte:
Was die Kirchen … anbieten ist die spirituelle Praxis, kurz innezuhalten und die Frage zu stellen: Worum geht es eigentlich? Wer sind wir als Wesen? Was ist in uns angelegt? All das findet sich in Geboten und Psalmen und reicht bis zu dem Gedanken, dass Liebe schon eine ganz gute Energie ist. Auch Gesang ist wichtig. Wer gemeinsam singt, begegnet sich ganz anders und verbringt eine Zeit miteinander, in der man nicht alles ausdiskutieren muss.
Chrismon Plus, März/April 2026
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