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SWR Kultur Wort zum Tag
Immer schwieriger ist es anscheinend, festzustellen, welchen Nachrichten auf welchem Kanal noch zu vertrauen ist – nach welcher Nachricht sollst du dich denn also wirklich richten? Zu viele Sender, zu viele Medien – und einfach viel zu viele Meldungen Tag für Tag, Stunde um Stunde… Kein Wunder, das Zehntausende in Marokko Ende Juli auf die fake-news hereingefallen sind: „Grenzen offen nach Europa, wenn die Menschen durchs Meer kommen“. Sie haben sich ins Meer gestürzt und sind nach Ceuta gekrault und gepaddelt. Einige Dutzend Menschen sind unterwegs ertrunken. Schon das war eine menschliche Katastrophe – grauenhaft. Später dann: Viele tausend Immigranten waren schon wieder auf dem Rückweg aus Ceuta hinaus – und hinter der ARD-Reporterin war live zu beobachten, wie immer noch hunderte hereinzukommen versuchten. Hatten zu spät von den angeblich offenen Grenzen gehört …
„Alle Wege offen“ nach Spanien und Europa: das war lebensgefährlich. Menschen in Not sind ja ganz besonders empfänglich für sowas. Hören oder lesen genau das, was sie sich so sehr wünschen: ein besseres Leben als das, das sie zu Hause hatten. Da fragt niemand nach einer zweiten Quelle, wie das gute Journalistinnen tun. Da nimmt man die „News“ eins zu eins und die Beine in die Hand – oder stürzt sich eben in die Brandung. Zumal bei gutem Wetter.
Manche fake news haben weniger dramatische Folgen – auch wenn sie gezielt verbreitet werden. Papst Franziskus in päpstlich weißer Daunenjacke war so ein Ding. Waren KI-gefakte Bilder von irgendeinem SocialMedia-Kanal. Vom derzeitigen US-Präsidenten als Heiland Jesus mal ganz zu schweigen. Hatten er selbst oder seine Leute online getan.
Ganz anders ist das für mich bei der „Guten Nachricht“ – also bei der Botschaft des Evangeliums, die die Christenheit seit zweitausend Jahren postet: Sie verspricht Leben – nach dem Tod, aber auch jetzt schon. Das halten wohl viele sowieso auch für falsche Nachrichten. Sehe ich anders. Die christliche Botschaft verspricht, dass ich schon hier und jetzt in Gottes liebevoller Hand leben darf; und lädt ein, dass ich mein Leben gestalten soll – für mich und für andere; da, wo ich jetzt bin.
Und für die Wahrheit dieser Guten Nachricht und des Glaubens überhaupt spricht die Lebenserfahrung von Menschen – in früheren Generationen und vor allem die Erfahrung von Menschen heute, auch meine eigene: du darfst an Gottes Liebe glauben – du darfst daran auch zweifeln – aber vor allem: du darfst dich für dein Leben darauf verlassen.
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Wie schrecklich muss das für Steinzeit-Menschen gewesen sein: mitten am Tag wird es dunkel – keine Sonne mehr am Himmel, die doch eben noch da war und alles hell und warm gemacht hat. Muss sich angefühlt haben wie Weltuntergang – zumal auch die Tiere sich seltsam verhielten… Damals hatten sie ja noch kaum eine Ahnung, dass es da um ein Spiel zwischen Mond und Erde und Sonne geht – und dass es nur ein ganz kurzes Phänomen ist.
Vor zweieinhalbtausend Jahren dann – inzwischen gab es schon so etwas wie wissenschaftliche Astronomie – 612 vor Christus gab es eine große Schlacht zwischen Medern und Babyloniern in der Gegend von Kerkenes in Anatolien. Mittendrin: Sonnenfinsternis – wohl nur sechs Minuten lang aber totales Dunkel; und kaum ist der Spuk vorbei, verständigen die Kriegsparteien sich auf einen Waffenstillstand und schließen auch einen Frieden, der Babylons Weltherrschaft beenden sollte. Den Göttern sei Dank, haben wohl alle gedacht: sie haben uns so gerade noch vor der Apokalypse gerettet – wie könnten wir da weiter Krieg führen.
Heute abend wieder: auch über Deutschland wird es früher dunkel sein als sonst in der Sommerzeit; kurz nach sieben. Und mit bisschen Glück lässt sich wenigstens eine teilweise Sonnenfinsternis beobachten. Bitte nur mit Schutzbrille – und am besten von einem hohen Punkt aus – die Sonne steht ja schon ziemlich tief. Und jedenfalls in der ruhigen Gewissheit: alles in Ordnung – der Mond wird sich gleich wieder verziehen, der die Sonne verdeckt; und die Sonne wird wieder scheinen, auch für unser Land. Wohl immer noch viel zu heiß.
Ganz beruhigt können wir sein, weil wir es ja wissen: Erde und Mond und Sonne stehen sozusagen auf einer Linie – und der Mond verdeckt für einen Teil der Erde die freie Sicht auf die Sonne. Das nächste Mal übrigens für Deutschland erst in fünfundfünfzig Jahren. Es lohnt sich, hinzuschauen – wie gesagt: aber nur gut geschützt. Alle dürfen sehr beeindruckt sein von einem grandiosen HimmelsSchauspiel. Und wissen: Über Gute und Böse lässt Gott seine Sonne aufgehen; auch wenn sie zwischendurch mal kurz verschwindet – ausgerechnet hinter dem Mond, den sie sonst beleuchtet!
A propos Krieg und Frieden nach Sonnenfinsternis: Leider ist ja kaum zu hoffen, dass diese SonnenFinsternis Russlands Putin irgendwie beeindrucken könnte, vielleicht sogar so, dass er die Waffen anhält gegen die Ukraine – da waren die Menschen in der Antike vielleicht schon weiter als er.
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Angeblich hat der heilige Franziskus selbst ihr die Haare abgeschnitten – als Zeichen dafür, dass Chiara oder Klara auf alles Weltliche verzichten will, sogar auf ihre Schönheit. Schon klar: wie ihr Freund Francesco will Klara radikal anders leben als Gesellschaft und Familie es erwarten – und dass sie sich von ihrer Familie keinen Mann aussuchen lässt, ist schon skandalös genug im zwölften Jahrhundert damals. Sie ist total begeistert davon, wie Jesus zu leben – ganz ohne Geld, ganz ohne eigenes Haus, ganz frei von allem, woran ihr Herz hängen könnte – „arm den armen Christus umarmen“, hat sie gesagt. In tiefer Nacht flieht sie zu Franz und den Brüdern in San Damiano, der kleinen Kirche unten am Stadtrand.
Wie gesagt: Franziskus selbst begrüßt sie in seiner besitzlosen Lebensform, übergibt ihr ein ganz einfaches Gewand und bringt sie zunächst in einem Benediktinerinnen-Kloster unter. Aber sie will es viel radikaler… Klara und ihre ersten Schwestern ziehen nach San Damiano. Da können sie sich ganz und gar dem Gebet hingeben – und natürlich werden sie gelegentlich um Spenden bitten oder betteln, um Lebensmittel, um Reste vielleicht oder was die Leute aus der Stadt ihnen sonst so überlassen.
Dass sie so leben können, hat sich wohl bewiesen; dass sie auch dürfen – dazu brauchten Klara und ihre Schwestern erst noch eine kirchliche Erlaubnis – die haben sie dann auch vom Papst bekommen. War aber noch zu wenig. So eine klösterliche Gemeinschaft braucht eine Regel; und zwar eine neue, weil es bisher noch keine so radikale Frauengemeinschaft gibt. So eine Regel schreibt Klara auf – und bekommt tatsächlich nach langem Ringen auch den päpstlichen Segen. Wichtig – so strikt auch die Armut zu beachten ist: Sie will keine Schwester überfordern; Klaras Regel erlaubt eigene Entscheidungen, so etwas wie Selbstbestimmung. Klarissen haben die Schwestern sich nach Klaras Tod genannt – gestorben ist sie einen Tag nach dem Papstbrief mit der Bestätigung der Regel.
Lange galt Klara eher nur als „die Frau an der Seite des Franziskus“; heute schauen manche mehr darauf, dass sie die erste Frau war, die eine eigene Lebensregel für Frauen aufgeschrieben und durchgesetzt hat – fast schon ein bisschen eine Feministin. Arm wollte sie sein und auch dadurch unabhängig von den Männern, ganz ohne patriarchale Männerherrschaft… Glückwunsch zum Namenstag allen Klaras, Claires und Klarissas!
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Der Mann muss einen speziellen Humor gehabt haben – oder ist das nur Legende? Geschmacklos mögen manche es finden, dass da einer mit Feuer gequält wird bis zum Tod – und hat angeblich dem Henker zugerufen, er soll ihn jetzt mal rumdrehen – weil die andere Seite auch Hitze braucht…
Laurentius hieß er und war Diakon in der frühen römischen Christengemeinde; zuständig für die Caritas-Aufgaben. Und ob er wirklich im Feuer gestorben ist oder einen anderen Märtyrertod erleiden musste: auch sonst besaß Laurentius offensichtlich einen abgrundtiefen Humor.
Den hat er auch dem Kaiser gegenüber bewiesen. Die Geschichte – und die ist ungleich wichtiger – die Geschichte geht so: Diakon Laurentius verwaltete die Kasse der Christengemeinde. Und irgendjemand hatte dem Kaiser hinterbracht: diese Kasse ist reich gefüllt.
Der Kassenwart soll das gefälligst rausrücken, ordnet der Kaiser an. Laurentius bekommt drei Tage Frist – und nutzt die kurze Zeit: er verschenkt das wenige Geld, das noch da ist, an die Armen der Stadt. Die gab es auch damals reichlich. Am dritten Tag ließ er sie alle zusammenkommen und zeigte sie dem Kaiser vor: da ist der ganze Reichtum der römischen Christengemeinde.
Logisch, dass der Herrscher sich ausgetrickst gefühlt hat. Und abnehmen konnte er den Christen diesen besonderen Reichtum kaum – dann hätte er die ganzen sozialen Probleme selbst am Knie gehabt. War damals schon eher unerwünscht.
Laurentius hat also schon im vierten Jahrhundert gezeigt, was Papst Franziskus dann in den vergangenen Jahren wieder so wichtig war: Den Armen, den Benachteiligten, den Menschen am Rande soll die Kirche sich zuwenden. Denen soll die Aufmerksamkeit der Christen gelten. Für die sollen sie und ihre Kirche da sein. Wer wirklich keine und keinen Armen in der eigenen Umgebung kennt, darf etwa mit Spenden helfen für die Benachteiligten nah und fern. Oder mal mit einem freundlichen Wort für den Menschen neben sich anfangen, der dir sonst eigentlich egal geblieben wäre. Menschen am Rand nennt man sie – aber sie sind Gottes Reichtum für die Welt. „Bitte wenden“ heißt dann „dich ihnen bitte zuwenden“ – so kriegt das angeblich letzte Wort desMärtyrers Laurentius einen ganz neuen Klang, bis in unsere Zeit herüber.
Zu Recht ist er einer der beliebtesten Heiligen aller Zeiten. Wer Lorenz oder Laurenz oder Laurentius heißt: Glückwunsch zum Namenstag!
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Erster Juli: das zweite Halbjahr 2026 hat angefangen. Sechs Monate noch, in denen die Bundesregierung Zeit hat, ihre Versprechen zu halten: dass alles anders wird – oder wenigstens beinah alles: Steuern runter, Renten sicher auch für die nächsten Generationen, Deutsche Bahn pünktlich oder wenigstens pünktlicher, Pflegekosten finanzierbar für alle… Reformen soll es geben – und die Verhältnisse sollen sich ändern. Und nachdem Herbst und Frühjahr der Reformen ausgefallen sind, nach viel Streit auf offener Bühne im ersten halben Jahr '26 finden manche: ist jetzt mal fällig, trotz aller neuen Krisen…
Schon klar: da geht es der Regierung und den Parteien und übrigens auch dem Wahlvolk wie so oft mit Versprechungen für andere und mit Vorsätzen – guten Vorsätzen gar – für mich selbst: schwieriger einzuhalten als gedacht. Weil die Verhältnisse eben so sind wie sie sind – und sich gar einer schnellen Veränderung widersetzen. Und weil eigentlich alle daran interessiert sind, dass sie im Grunde so bleiben; jedenfalls für mich selbst und meine Blase. Die Reichen bleiben reich oder werden reicher; die Armen oder Ärmeren – naja, bisschen besser könnte es für die werden. Könnten sich aber auch selbst anstrengen, bitte. Und ja schon, war recht heiß im Juni – aber ich fahre ja mit Klimaanlage im Auto…
Vor Jahren habe ich ein Stück aus Händels „Messias“ nochmal neu gehört – im englischen Originaltext singt da der Chor: „And we shall be changed“. Wir werden verändert werden. Hallo, wer soll sich verändern und verbessert werden: ich und du und wir alle – oder doch lieber die Verhältnisse?
Beide und alle, glaube ich. Jeder Mensch verändert sich sowieso ununterbrochen – wie schlimm wäre es, wenn einfach alles weitergehen müsste, auch wenn es falsch läuft – oder wenn ich weiterlaufe, sogar in der falschen Spur!?
Gottes Vorstellung für die Welt ist jedenfalls, dass die Menschen besser werden; sind ja geschaffen als Gottes Ebenbild; beauftragt, Gottes Liebe weiterzugeben und einander solidarisch beizustehen, auf Augenhöhe miteinander umzugehen und zu teilen, was da ist. Noch viel Luft nach oben ist da – im eigenen Leben und weltweit. Dann könnten sich auch die Verhältnisse ändern und verbessern.
We shall be changed – Gott wird den Menschen bei dieser Verwandlung helfen. Weil – das ist ja ganz klar: Von selbst werden die Verhältnisse sich kaum bessern; aber wenn jede und jeder dazu beitragen würde...
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Da hatten die Zeitungen tage- oder wochenlang ein wichtiges Thema: Dürfen Fußballspieler bei der FIFA-WM beten oder sich sonstwie religiös zeigen? Ausgelöst hatte diese Debatte ausgerechnet ein Mitglied des DFB-Teams. Mittelfeld-Spieler Felix Nmecha hatte der Frage aber auch sozusagen die Krone aufgesetzt: Nach seinem Treffer zum Eins zu Null gegen Curacao kniet er nieder, bildet mit den Händen eine Krone auf seinem Kopf und legt die dann auf den Rasen. Könnte heißen: Ich bin ein King mit diesem Tor und mit meiner Leistung überhaupt – aber diese Ehre, diese Krone gehört Gott oder gehört Jesus Christus…
Felix Nmecha ist ein frommer Mensch – das zeigte sich auch nach dem Spiel noch auf dem Platz: Curacao hatte eins zu sieben verloren; und trotzdem oder vielleicht auch deswegen bilden Nmecha und Jonathan Tah und vier Mann aus der Karibik im Anstoßkreis einen kleinen Kreis und beten miteinander – deutlich erkennbar an gesenkten Köpfen und erhobenen Händen. „Im Spiel waren wir Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder und haben zusammen ein kleines Gebet gesprochen, weil wir alle sehr dankbar sind… und… Jesus (wird) durch das Spiel verherrlicht…“ Nmecha erklärt also genau das, was er nach dem Tor mit der Krone getan hat.
Der Begriff „Anstoßkreis“ hat seither eine ganz neue Bedeutung: Was die Jungs da getan haben, erregt Anstoß. Reaktionen reichen von „die sollen hier anständig spielen und ihren Glauben zuhause lassen oder in der Kirche, wenn sie wollen“ über Aufforderungen zur Toleranz – für und gegen den Gebetskreis gemeint – bis zu Jubel in manchen christlichen und evangelikalen Kreisen; als hätte Felix Nmecha es den Gegnern endlich mal gezeigt…
Ich kann verstehen, wenn Leute es ablehnen, missioniert zu werden – egal, ob sie einen Glauben haben oder ohne einen Gott leben und denken. Und fundamentalistische Bewegungen finde ich oft schwierig – in jeder Religion. Übrigens auch manche fundamentalistischen Sprüche von Felix Nmecha. Meinem Gott ist jeder Mensch wichtig – egal wie er oder sie liebt und lebt.
Andererseits finde ich es aber auch richtig gut, wenn Menschen öffentlich sichtbar machen, dass sie an einen Gott glauben, sich von dem beschützt wissen, Gott verehren und zugleich um Kraft bitten und meinetwegen auch um Schnelligkeit oder was sie brauchen. Und ich beneide sie gelegentlich, weil ich weiß, wie zurückhaltend Christenmenschen sind und wie zögerlich ich selbst bin, einfach so Zeugnis abzulegen von dem Glauben, der doch auch mich trägt.
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Vom Streit zwischen Petrus und Paulus berichtet die Bibel gleich zweimal: Die Apostelgeschichte hat die Story aus der Sicht des Evangelisten Lukas. Und aus eigener Perspektive und als Haupt-Beteiligter beschreibt Paulus in einem Brief an seine Gemeinden in Galatien, wie es damals zugegangen war: Grundsätzlich hatte die junge Christengemeinde in Jerusalem Paulus schon beauftragt, dass er das Evangelium in die damals bekannte Welt bringt. Sonst wären sie ja eine kleine sektiererische Gemeinde geblieben.
Aber kurz danach treffen Paulus und Petrus aufeinander. Da, schreibt Paulus, da „bin ich ihm offen entgegengetreten“. Es gab doch noch Streit: Müssen die so genannten Heiden erst Juden werden, bevor wir sie taufen und sie dadurch zu Christen werden dürfen? War in Jerusalem eigentlich schon entschieden: Nicht-jüdische Menschen können direkt getauft werden. Aber jetzt weigert sich der Petrus auf einmal doch, sich mit den nicht jüdischen Neugetauften an einen Tisch zu setzen – könnte ja die Juden in der Gemeinde irritieren, die sich haben taufen lassen. Aber in Wirklichkeit natürlich inkonsequent. Paulus hat sich durchgesetzt. Gott sei Dank. Und Petrus? Gilt trotzdem lange als der Anführer. Manchen als der erste Papst.
Die beiden sind dann verschiedene Wege gegangen; ihre letzten Jahre haben sie wohl in Rom verlebt und sind dort wegen ihres Glaubens hingerichtet worden. Paulus hatte römisches Bürgerrecht – darum haben sie ihn enthauptet; Petrus haben sie aufgehängt an einem Kreuz, wohl zu Zeiten des Kaiser Nero. Der frühere Fischer Petrus und der eifrige Theologe und Autor Paulus gelten als die beiden wichtigsten Säulen der Kirche: Dem Petrus hatte ja Jesus selbst die Führung übertragen; Paulus wusste sich von Christus und dem Heiligen Geist direkt berufen und hatte viele Gemeinden weltweit gegründet. Zwei Säulen, zwei Grundsteine sozusagen, obwohl sie offenbar ziemlich häufig miteinander gestritten hatten. So einen Konflikt und seine beiden zentralen Repräsentanten feiert die Kirche einfach beide zusammen, an einem Tag. Auch heute noch: Peter und Paul, am 29. Juni.
Gestritten und wieder zusammengefunden – eigentlich sollte Kirche auch heute so umgehen mit verschiedenen Ansichten und Meinungen: Streiten, miteinander ringen, Antworten suchen und dann gemeinsam weitergehen. Wäre ja auch gut gegen die Spaltung in unserer ganzen Gesellschaft.
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„unbegreiflich“, hatten sie Ende April in Trier plakatiert, an allen Einfahrten in die Stadt, auf großen Werbeflächen, wo sonst meist die Stadt auf eigene Highlights hinweist: „unbegreiflich: ich hoffe“. Das war das Motto, die Einladung zu zehn Feier-Tagen, zum Bistums-Fest rund um den Trierer Dom. „HeiligRock-Tage“ heißt das – weil die Kirche hier in Trier ja „das letzte Hemd von Jesus“ aufbewahrt und seit tausend Jahren verehrt – kaum zu begreifen schon das: warum soll jemand sich um ein zweitausend Jahre altes Untergewand kümmern. Sogar seine Echtheit steht ja in Zweifel.
Und da passten die zehn Tage Bistumsfest gerade dieses Jahr ganz gut: alles oder fast alles steht in Frage; Zweifel und Kritik sind an der Tagesordnung. Kriege und Umwelt-Zerstörung, Angst und Tod bestimmen den Alltag. Unbegreiflich, dass da von Hoffnung geredet wird; dass sogar behauptet wird: ich hoffe, tatsächlich. Unbegreiflich. Da scheint jemand mit dem Rücken zur Wirklichkeit zu stehen. Verweigert sich den wirklichen Fragen und Problemen.
Für mich war das anders – immer wieder, zehn Tage lang; da mitten in Trier, das natürlich seinen alltäglichen Gang ging, mit Pflasterarbeiten auf dem Hauptmarkt, mit Baustellen rundum, mit kleinen und großen Skandal-Geschichten in der LokalZeitung, mit meinem normalen Rentner-Alltag auch und mit den täglichen Problemen im Haushalt und auf den Straßen. Auch bei den HeiligRock-Tagen stellte sich die oft so unbegreiflich hässliche Wirklichkeit der Welt immer wieder ein – etwa beim Abendlob im Dom: da sprachen Realschülerinnen von ihren Fragen und Ängsten; ein bisschen wie im Poetry Slam fragten sie nach Krieg und Hunger in der Welt, nach der neuen Wehrpflicht, nach der Zukunft ihrer eigenen Rente… Beim Blaulicht-Gottesdienst suchten Polizistinnen und Sanitäter, Soldaten und Pflegerinnen nach neuer Kraft für ihren Dienst an den Menschen. Eine Kunstinstallation brachte die Menschen in Berührung mit Kindern in der Ukraine – wie sie um Väter weinen, wie sie in Metro-Stationen zur Schule gehen – und das Friedensgebet erinnerte an den 24. Februar vor vier Jahren, als Putins Armeen die Ukraine überfallen haben und an den grauenhaften Krieg seither.
Unbegreiflich, angesichts all solcher Übel zu hoffen, dass Gott für die Welt und für die Menschen eine bessere Zukunft will? Ja: unbegreiflich, unerklärbar, oft genug. Aber wer an den Gott glaubt, der Jesus aus dem Tod in ein Neues Leben holt, hofft eben auch mit Blick auf all das Bedrohliche. Ich hoffe – und höre es gern, wenn Ingo Zamperoni nach vielen schrecklichen Tagesthemen mich und alle einlädt: Bleiben sie zuversichtlich!
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Das Trierer MartinsKloster stammt aus dem Mittelalter; statt der Mönche leben im alten Gemäuer inzwischen Studentinnen und Studenten der Trierer Hochschulen. Ein Erweiterungs-Bau steht im Innenhof; und da gibt es jetzt eine ausdrückliche Erinnerung an den Namenspatron, eben den heiligen Martin. Martin von Tours war der römische Reiteroffizier, der ja seinen Soldatenmantel mit einem Bettler geteilt hat; danach ist er Christ geworden und schließlich Bischof von Tours an der Loire. In der damaligen römischen Hauptstadt Trier ist er wohl wenigstens zweimal gewesen – und hat von da vermutlich weniger gute Erinnerungen mitgenommen. Bischof Martin hat nämlich – das alles spielt im vierten Jahrhundert – versucht, dem römischen Kaiser in den Arm zu fallen. Die Bischofskollegen hatten den angeblichen Ketzer Priscillan angeklagt und auch schon verurteilt; der Kaiser sollte und wollte ihn hinrichten lassen. Martin fand das keine gute Lösung im innerkirchlichen Streit – den hätte er lieber ohne Gewalt beigelegt.
Bischof gegen Kaiser in der damaligen Hauptstadt Trier: das erinnert mich ein wenig an Papst Leo, der dem Präsidenten im Weißen Haus in Washington DC widerspricht. Dafür wird er unflätig abgekanzelt; dabei hat der Papst doch ganz recht, wenn er friedliche Lösungen fordert, möglichst ganz ohne Gewalt!
Der heilige Martin in Trier – daran erinnert also eine kleine Ausstellung im neuen Studi-Wohnheim im alten Kloster. Und macht es damit zu einem Haltepunkt auf dem Martinus-Weg, der von Szombately in Ungarn über viele Martins-Orte nach Tours führt – von Martins GeburtsOrt bis in seine BischofsStadt, quer durch Europa. Diese „via sancti Martini“ hat der Europa-Rat zur „Kulturroute Europas“ erhoben. Was der EuropaRat dazu online erklärt, klingt fast ein bisschen wie Predigt: „Die Sankt-Martin-Route steht für den Wert des Teilens, symbolisiert durch die wohltätige Tat des Heiligen…“ Und: „Tatsächlich ist das Teilen zu einer moralischen Notwendigkeit geworden, um die Menschheit angesichts der Herausforderungen zu bewahren, die mit Globalisierung, Bevölkerungsexplosion und Schädigung der Umwelt verbunden sind.“ Ganz ähnliches hält der Papst doch dem US-Präsidenten und allen anderen entgegen…
Heute feiert der Europa-Rat seinen Europa-Tag – erinnert an den „Vertrag von London“vom 5. Mai 1949. Mit dem großen Ziel, in ganz Europa die Menschenrechte zu schützen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu fördern und die zwischenstaatliche Völkerverständigung zu beflügeln.
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Morgen, am 5. Mai ist wieder der europäische Protest-Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Das macht klar: da ist immer noch viel Luft nach oben. Protesttag für Gleichstellung – es braucht mehr als freundliche Aufrufe und Appelle. Immer noch sind Menschen benachteiligt oder ausgeschlossen, weil sie eine körperliche oder geistige oder seelische Beeinträchtigung haben – egal, ob seit ihrer Geburt oder durch eine Krankheit oder ein Unglück.
Als unser ältester Sohn Johannes zur Schule kam, hatte er großes Glück: die Grundschule damals hätte ihn überfordert. Er war ein wenig langsamer als alle anderen – körperlich und geistig; er hatte ein paar kleinere Fehlbildungen an Händen und Füßen… Johannes war eben ein bisschen anders. Zum Glück hatte gerade ein Schuljahr vorher seine Grundschule ihre erste „Integrationsklasse“ eingerichtet. Für fünf Kinder mit und fünfzehn Kinder ohne Behinderungen waren zwei Lehrerinnen und eine Sozialpädagogin da. Und jetzt eben auch für Johannes – er war einer der fünf mit ganz verschiedenen Handicaps. Ein sehr buntes Bild.
Schwer gerührt waren Eltern und Lehrerinnen, als nach einer guten ersten Woche eins von den fünfzehn Kindern „ohne“ zu Hause eine dringende Frage hatte: Wann kommen denn jetzt die Behinderten (so hat man das damals gesagt…), die mit mir zusammen in die Schule gehen sollen? Ihm war schlicht entgangen, dass die schon seit dem ersten Tag dabei waren. Ohne weiter aufzufallen – obwohl doch etwa der Rollstuhl kaum zu übersehen war. Und obwohl alle immer Rücksicht nehmen mussten, weil Johannes bei manchen Sachen bisschen länger brauchte – ganz zu schweigen davon, dass die Klassenkameradin mit den Gehhilfen beim Fangen- oder Versteckspielen auf dem Schulhof nur zuschauen konnte oder der nicht hörende Kamerad eine ganz andere Ansprache brauchte.
Die Kinder hatten keine Behinderungen gesehen und schon gar keine Behinderten. Für sie waren da Kinder und Kinder – und dass du manchmal bestimmte Sachen erst noch lernen musst, wussten sie ja von sich selbst…
Ja – Menschen mit Handicap oder Beeinträchtigung oder Behinderung brauchen oft ein wenig oder auch sehr viel Unterstützung und Begleitung; aber sie sind Menschen wie du und ich – Gottes geliebte Töchter und Söhne. Wer sie ausschließt oder benachteiligt, wer ihnen Hindernisse in den Weg legt oder Barrieren wegzuräumen vergisst, schließt gleich auch sich selbst aus der Gemeinschaft aus. Dagegen protestiert der Protesttag – und manche Städte und manche Kirchen machen drumherum eine ganze Woche der Inklusion. Vielleicht auch bei Ihnen in der Nähe!?
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