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SWR3 Worte
Yoko Ono hat sich extrem für den Frieden engagiert. Einen Satz von ihr finde ich besonders schön.Er lautet:
Denke Frieden, tue Frieden, verbreite Frieden, stell dir Frieden vor. Gemeinsam werden wir die Achse der Welt in Richtung Frieden verschieben.
Quelle
Uwe Birnstein: Give Peace a Chance, in: Publik Forum EXTRA. Frieden. Die Sehnsucht der Menschen, Publik Forum Verlagsgesellschaft, Januar 2026, S.30.
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Kann man trotz der angespannten Lage in der Welt das Leben noch genießen? Der Autor Udo Baer meint, man muss es sogar. Er sagt:
Ja, ich habe Angst vor einem Krieg UND ich lebe das Leben so gut es geht. Hier hilft das große UND. Wir Menschen verwenden oft ein Entweder-oder. Ich nutze und empfehle das große UND. Ich kenne Menschen, die sagen, ich dürfe mich nicht mehr an einem Kuchen erfreuen oder kein Kind in die Welt setzen, weil ein Krieg droht. Dem widerspreche ich. Wer das Leben nicht leben und lieben darf, den verlässt auf Dauer auch die Kraft, sich für den Frieden einzusetzen. Also: Es lebe das große UND, […].
Quelle
Udo Baer: Was Krieg mit uns macht, in: Publik Forum EXTRA. Frieden. Die Sehnsucht der Menschen, Publik Forum Verlagsgesellschaft, Januar 2026, S.9.
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Der Autor und Schauspieler Samuel Koch erzählt:
Mein Vater hat uns Kindern, egal was wir gemacht haben, immer gesagt: „Du bist 1+.“ Als ich einmal die erste schlechte Schulnote mit nach Hause gebracht habe, hat er mir eines der teuersten Jojos geschenkt und hat damit unterstrichen, dass ich 1+ bin, ganz unabhängig von meinen Leistungen. Damit hat er gezeigt, dass ich wertvoll bin, weil ich einfach bin. So stelle ich mir auch einen Gott vor, er liebt mich, weil ich bin, mehr muss ich nicht leisten.
Quelle
Theresa Meier: „Ich bin wertvoll, weil ich bin“, in: Bonifatiusblatt. Menschen verbinden – Glauben leben, 03.25, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V., Bonifatius GmbH, Paderborn 2025, S.19.
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Kann man etwas für den Frieden tun? Der Autor Udo Baer meint ja. Er sagt:
Einfluss für den Frieden habe ich, wenn ich mich für die Unterstützung traumatisierter Kinder engagiere. Wenn ich den rassistischen Äußerungen eines Nachbarn widerspreche. Wenn ich der Gewalt gegen Kinder und Frauen entgegentrete. Das Denken für den »großen Frieden« ist untrennbar verbunden mit dem Denken und Handeln für den »kleinen Frieden«.
Quelle
Udo Baer: Was Krieg mit uns macht, in: Publik Forum EXTRA. Frieden. Die Sehnsucht der Menschen, Publik Forum Verlagsgesellschaft, Januar 2026, S.9.
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Margot Friedländer hat den Holocaust überlebt. Sie sah es als ihre Mission an, für die zu sprechen, die das nicht geschafft haben. Sie sagt:
Ich habe das Gefühl, dass diese Mission für mich so wichtig ist, weil das nicht wieder geschehen darf. Was gewesen ist, das können wir nicht mehr ändern. Was war, war. Ich konzentriere mich auf das Jetzt, besonders auf die jungen Menschen. Denn sie sind die Zukunft. [...]
Ich sage ihnen, dass in meinen Adern das gleiche Blut fließt wie in den ihren: „Es gibt kein christliches Blut, kein jüdisches Blut, kein muslimisches Blut – es gibt nur menschliches Blut, und wir müssen die Menschen respektieren.
Quelle
„Margot Friedländer: „Ich spreche für die, die nicht mehr sprechen können.“, Interview mit Margot Friedländer, in: Deutschland Archiv, 1.4.2022, aktualisiert am 10.5.2025. Link: www.bpb.de/506886
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43725SWR3 Worte
Einmal im Monat haben Menschen, die an den Rand gedrängt sind, bei Schwester Klarissa und ihrem Team im Hamburger Norden eine Anlaufstelle. Die Ordensschwester brennt für dieses Projekt, doch sie weiß auch, dass die eigene Energie begrenzt ist. Sie sagt:
Ich glaube, dass ich mit meinen 72 Jahren nicht mehr ausbrenne. Aber abends bin ich nach so einem Tag doch platt. In solchen Momenten hilft mir meine Beziehung zu Gott. Dann sage ich ihm: „So lieber Gott, ich hab‘ acht Stunden was gemacht und versucht, diesen Leuten zu helfen. Aber jetzt bist du dran.“
Quelle
Hartmut Salzmann: Eine Tafel für Leib und Seele, in: Bonifatiusblatt. Menschen verbinden – Glauben leben, 03.25, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V., Bonifatius GmbH, Paderborn 2025, S.9.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43724SWR Kultur Lied zum Sonntag
Es gibt Lieder, die tragen mehr Geschichte in sich, als man ihnen beim ersten Hören anmerkt. Das heutige Lied zum Sonntag gehört für mich dazu. „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen eurem tauben Ohr.“ So beginnt es. Nicht laut. Nicht anklagend. Aber klar.
Musik 1: Anfang der 1. Strophe –
„Ihr Mächtigen, ich will nicht singen eurem tauben Ohr!
Zions Lied hab ich begraben in meinen Wunden groß.“
Gesungen wird dieser Text zu einer Melodie, die viele aus dem Film „Schindlers Liste“ kennen. Das Lied mit dem Originaltitel "Yerushalaim shel Zahav", auf deutsch "Jerusalem aus Gold", wurde 1967 von Naomi Schemer geschrieben.
Sie legt in ihr Lied ihr ganzes Sehnen und die Erinnerung an ein Jerusalem, das es damals nicht gab und bis heute nicht gibt. Bis 1967 war Jerusalem besetzt, durch eine Mauer geteilt, und die Juden durften die Jerusalemer Altstadt nicht betreten. Es sprach so vielen aus dem Herzen, dass es in Israel im gleichen Jahr zum Lied des Jahres gekürt und zu einer Hymne der Hoffnung wurde. Wir hören eine Stelle aus dem hebräischen Originallied.
Musik 2: Passage aus dem hebräischen Originallied "Yerushalaim shel Zahav"
Keine drei Wochen nachdem das Lied veröffentlicht wird, beginnt der Sechstagekrieg. Der Krieg verändert alles. Das Lied wird zum Schlachtruf und erreicht den Status einer inoffiziellen Nationalhymne.
Die Melodie ist dieselbe – aber der Klang ist ein anderer geworden. Shemers Lied wird nun zu einem Symbol für den Sieg.
Auch diese Geschichte gehört zum Lied und manche fragen sich vielleicht, ob es unter diesen Umständen überhaupt legitim war, das Lied abzuwandeln und in Kirchen zu singen.
Ich denke ja. Denn die Textdichterin Christine Heuser übersetzt die israelische Hymne nicht einfach ins Deutsche. Sie schreibt einen ganz neuen Text. Ein Text der nicht politisch vereinnahmt wurde, sondern meiner Meinung nach dem Lied eine andere und tiefe Botschaft schenkt.
Musik 3: 2. Strophe –
„Die Mauern sind aus schweren Steinen, Kerker, die gesprengt,
von den Grenzen, von den Gräbern aus der Last der Welt.
Die Tore sind aus reinen Perlen, Tränen, die gezählt.
Gott wusch sie aus unsern Augen, dass wir fröhlich sind.“
Auch Heusers Text erzählt von einer Sehnsucht, doch nicht nach einer politischen Heimat, sondern danach, bei Gott daheim zu sein.
In dem neuen geistlichen Lied wird Jerusalem, die freie Stadt, zu dem Ort, an dem sich die Sehnsucht aller erfüllt. Zur Oase für alle, die tiefe Wunden mit sich tragen. Zum Zuhause für alle, die heimatlos und vertrieben sind. Zu einem Fest für alle, die traurig sind, auf dass sie wieder fröhlich sein können.
Es sind starke Bilder, und mich tröstet die Vorstellung von einem Ort, an dem alle Tränen gezählt und aufgehoben sind, an dem Grenzen überwunden, und alle Kerker und Fesseln gesprengt sind, wie es im Lied heißt.
Doch das Entscheidende steht am Anfang:
„Ihr Mächtigen ich will nicht singen eurem tauben Ohr.“
Die Botschaft ist nicht für die, die sich sowieso schon mächtig fühlen und nicht zuhören. Befreiung kommt nicht von oben. Sondern von denjenigen, die die Augen offen halten, die hoffen, auch wenn das Ersehnte noch fern ist. Für sie ist das Versprechen, dass sie eines Tages ankommen werden und aufatmen können.
Musik 1: Refrain -
„In deinen Toren werd‘ ich stehen, du freie Stadt Jerusalem!
In deinen Toren kann ich atmen, erwacht mein Lied!“
Text: Christine Heuser
Musik: Naomi Shemer-Sapir, nach einem baskischen Wiegenlied
Musikquellen
- Musik 1: Band und Singgruppe Hoffnungsschimmer: Wandlung, 1996, Track 6, LC 0896.
Musik 2: Shuly Natan: ירושלים של זהב (Yerushalaim shel Zahav), 1967, Track 1, Hed Arzi Ltd, BMN-554.
Musik 3: Kölner Jugendchor St. Stephan: Weihnachten in der Kölnarena - Live, „Ihr Mächtigen“, M0042736 (AMS).
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Haben Sie auch eine Bucketlist, und was steht da drauf? Auf der Liste der Theologin Urte Bejick stehen so ganz untypische Dinge. Sie erzählt:
Wenn mir noch ein paar Jahre vergönnt sind,
will ich die vollendeten Umgangsformen der Kühe studieren
in Ansätzen wenigstens [...] (die Sprache der Raben) lernen
noch immer im Wald
Käfer auf ihr(e) Füßchen drehen
das Kraut in den Ritzen gießen
Blumen auf verwaiste Gräber legen
immer noch Höflichkeit pflegen
Freundlichkeit streuen
und bis zuletzt
den eigenen Gewissheiten misstrauen.
Quelle
Urte Bejick: Zukunftspläne, in: Wunderlust! Der Frauenkalender 2025, KW 38, Heilig, Herzog & Langenbacher GbR, Esslingen 2024.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43723SWR Kultur Lied zum Sonntag
Die Advents- und Weihnachtszeit ist für mich auch eine Zeit der Musik und der Lieder. Und alle Jahre wieder werden da gerne die traditionellen Klassiker geschmettert. Neue Lieder hört man eher selten. Doch ein nicht so bekanntes Lied, bei dem sich das Hinhören durchaus lohnt, ist das Adventslied „Sehen können“ von Eugen Eckert und Joachim Raabe.
Erste Strophe : Sehen können, was kein Auge sieht,
hören können, was das Ohr nicht hört.
Spüren, dass da etwas ist,
noch nicht da, doch schon nah.
Manchmal gibt es Momente, in denen man spürt, dass etwas in der Luft liegt, ohne es benennen zu können. „Noch nicht da, doch schon nah“ heißt es im Lied immer wieder. Advent ist für mich genau dieser Zwischenraum: Warten und Sehnsucht auf der einen Seite und eine Ahnung bis hin zur Gewissheit, dass sich etwas anbahnt, auf der anderen.
Die Sehnsucht und die zarte Ahnung, von dem, was noch nicht da, aber schon nah ist, kommen auch musikalisch zum Ausdruck. Die Melodie steigt langsam, fast vorsichtig an, als würde sie die Nacht abtasten und nach dem ersten Schimmer suchen.
Sie drängt nicht. Sie lässt Raum. Und gerade dieser Raum schenkt die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen, um so neu zu sehen, Anderes zu sehen, sehen zu können, was für die Augen verborgen bleibt. Eugen Eckert hat sich da bei seinem Liedtext von dem Ausspruch des kleinen Prinzen inspirieren lassen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Diese einfache Wahrheit greift er auf und weitet sie auf die anderen Sinne aus. Nicht nur mit dem Herzen sehen, sondern auch mit dem Herzen hören und spüren.
Zweite Strophe: Stehen können, wo sonst Laufen zählt.
Warten können, still in sich vergnügt.
Spüren, dass da etwas wird,
noch nicht da, doch schon nah.
Ich mag diese Strophe besonders, weil sie einen anderen Takt in die dichte Vorweihnachtszeit bringt und einen Gegenimpuls zur Hektik und zum Rummel in diesen Tagen schafft. Termine, Erwartungen, Eile - im Advent zählt eigentlich ein anderer Rhythmus und den greift das Lied mit einem kleinen, aber wichtigen Impuls auf: Bleib stehen. Sonst verpasst du das Beste, nämlich die Vorfreude.
Ich bin überzeugt, Gott kommt - und da ist es egal, ob die Wohnung fertig geputzt ist, die Deko perfekt ist, man den Gästen 20 Sorten selbstgebackene Plätzchen anbieten kann.
Gott kommt auch mitten in den Stress, in den ganzen Mist dieser Welt, in die Nacht.
Gott kommt nicht nur dorthin, wo schon alles gut ist, sondern dahin, wo etwas gut werden soll.
Mitten hinein ins Unfertige, ins Suchende, in die Sehnsucht.
letzte Strophe: Hoffen können, auch in tiefster Nacht.
Leben können. Hier und jetzt und dort.
Spüren, dass da etwas folgt,
noch nicht da, doch schon nah.
Die letzte Strophe führt das Lied in die Tiefe. Nicht alles ist hell – auch an Weihnachten nicht.
Es gibt Nächte, die bleiben länger als einem lieb ist. Adventshoffnung ist leise. Das bedeutet nicht, die Dunkelheit zu überspielen oder zu behaupten, dass alles einfach wird. Aber sie traut dem Licht zu, dass es stärker ist als die Nacht.
„Hoffen können“ – vielleicht ist das der schönste Weihnachtswunsch überhaupt.
Eine Hoffnung, die nicht vertröstet, sondern Mut macht zu leben.
Ich möchte glauben, dass etwas folgt, dass etwas wird, dass Gott unterwegs ist zu mir.
Komponist
Text: Eugen Eckert
Musik: Joachim Raabe
Musikquellen
- Musik:
Arbeitskreis Kirchenmusik und Jugendseelsorge im Bistum Limburg (Hg.): Lass dein Licht leuchten! 2005, Track 9, LC 11262.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43478SWR3 Worte
Es gibt Bücher, die haben eine überirdische Kraft und bescheren heilige Lesemomente. Davon ist der Journalist Daniel Kaiser überzeugt. Er meint:
Es kommt nicht darauf an, ob man einen Roman nach dem anderen inhaliert oder nur gelegentlich zum Schmöker greift. Ich glaube: Jeder und jede kann diese heiligen Lesemomente erleben. Bücher und ihre Geschichten fallen in unser […] Leben. Und berühren uns. […]
Die raren wertvollen Momente des „heiligen Lesens“ machen mir klar, dass Bücher mehr sein können als ein Spiegel, mehr als eine Horizonterweiterung, mehr als eine Möglichkeit zum Perspektivwechsel. Sie sind Geschenke, die in einem ungeheuren Ausmaß Resonanzräume schaffen können für eine kleine Seligkeit.
Quelle
Daniel Kaiser: Heiliges Lesen, in: Andere Zeiten - Magazin zum Kirchenjahr, Andere Zeiten e.V., 03/2025, S. 5.
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