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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

12JUL2026
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8 Cent für eine leere Bier-Flasche im Pfandautomaten im Getränkemarkt.

25 Cent für eine leere Plastikflasche.

Klar kannte ich diese Summen, aber es hatte keine Bedeutung für mich. Leergut zurück und Pfandbon einstecken und neue Getränke kaufen. Routine.

Das hat sich geändert bei meinem letzten Besuch in Berlin. Wir waren am Bahnhof Friedrichstrasse - mein Lebensgefährte und ich - und hatten Zeit und es war heiß und nur wenige Bänke im Schatten. Alle besetzt, aber wir wollten uns dann irgendwo dazu setzen. Höfliche Frage an einen Herrn mit zwei riesigen Plastiktaschen, ob wir uns neben ihn setzen dürften. Er rückte etwas beiseite und wir kamen ins Gespräch.

Peter Paul lebt von leeren Flaschen. An schlechten Tagen verdient er 12 Euro, das wären 48 große Plastikflaschen oder noch mehr kleine. Dann kann er jedenfalls abends etwas essen. An guten Tagen schafft er bis zu 200 Euro.

Also Minimum 800 große Flaschen an so einem Tag in verschiedene Pfandautomaten.

Dann muss er natürlich sparen für die schlechten Tage, kann sich aber auch mal was gönnen.

Er sprach gepflegtes Hochdeutsch, kam aus der Nähe von Rostock, fragte uns nach der Eifel aus und erklärte uns, wie man als Flaschensammler lebt. Er schläft irgendwo in den Bahnhöfen. Wo er duscht oder ob er Ärzte findet, die Menschen wie ihn behandeln im Notfall? Keine Ahnung.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Da er kein Handy hat, musste das vage bleiben: hier auf der Bank gegen 14 Uhr – und hat auch nicht geklappt.

Erst im Nachhinein ist uns aufgefallen: es war Pfingstsonntag. Das ist doch der Feiertag, wo sich auf einmal alle Menschen verstehen konnten. Egal, welche Sprache. Egal,welche Lebenssituation.  Steht so in der Bibel.

Pfingstsonntag. Gab es da in Berlin, Friedrichstrasse, auch.         

Schade, dass Peter Paul kein Handy hat, wir würden ihm gern weiter schreiben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44723
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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

08JUL2026
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Eine Grundschülerin fährt gegen Abend mit dem Fahrrad zur Kirche.

Die ist zu, es ist Mittwoch. Das hindert sie aber nicht. Sie faltet die Hände und bittet Gott, dass der ihr helfen möge.

In der Schule klappt es nicht. Ein Junge ärgert sie, sie hat noch keine richtigen Freunde; leider spricht sie auch die Sprache noch nicht gut, weil sie erst seit ein paar Monaten in Deutschland ist.

Manchmal sind die Lehrer sauer, weil sie die Hausaufgaben nicht verstanden hatte.

Sie steht enorm unter Stress. Ob Gott ihr helfen kann?

Bei mir hatte sie sich vorher nochmal versichert, dass Gott in der Kirche wohnt.

Und offenbar glaubt sie, dass man Gott auch erreichen kann, wenn man vor der Kirche betet.

Ich finde das sehr rührend. Ein Kind will seine Eltern nicht zu sehr belasten und wendet sich deshalb an Gott. Sie weiß, wo sie hinfahren kann; sie kennt die Adresse.

Ich glaube allerdings, dass Gott nicht nur in und an der Kirche wohnt, sondern auch in der Welt. Er wohnt überall und man kann ihn jederzeit und von jedem Ort aus ansprechen.

Trotzdem verstehe ich das Mädchen gut.

Es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn man sich auf den Weg macht, um Gott zu besuchen und mit ihm zu reden, als wenn man das einfach so von irgendwoher macht. Im Notfall geht das natürlich immer, ein Stoßgebet aus dem Auto oder im Krankenhausbett oder wenn ein gelber Brief im Kasten liegt. Notfall eben.

Aber schöner ist es, zu Gott zu fahren, in sein Haus zu gehen oder vor der Tür mit ihm zu reden. Ich glaube bestimmt, dass Gott der kleinen Schülerin auch Antwort gegeben hat.

Abends hat sie das doch noch ihren Eltern erzählt.

Im völlig fremden Land heimisch zu werden ist für Erwachsene schwer. Kinder lernen schneller, aber es ist trotzdem schwer für sie.

Wenn die Eltern ihr mehr zur Seite stehen und die Nachbarn sich engagieren und Gott hilft, dann klappt das hoffentlich in der Schule.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44722
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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07JUL2026
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8 Cent für eine leere Bier-Flasche im Pfandautomaten im Getränkemarkt.

25 Cent für eine leere Plastikflasche.

Klar kannte ich diese Summen, aber es hatte keine Bedeutung für mich. Leergut zurück und Pfandbon einstecken und neue Getränke kaufen. Routine.

Das hat sich geändert bei meinem letzten Besuch in Berlin. Wir waren am Bahnhof Friedrichstrasse - mein Lebensgefährte und ich - und hatten Zeit und es war heiß und nur wenige Bänke im Schatten. Alle besetzt, aber wir wollten uns dann irgendwo dazu setzen. Höfliche Frage an einen Herrn mit zwei riesigen Plastiktaschen, ob wir uns neben ihn setzen dürften. Er rückte etwas beiseite und wir kamen ins Gespräch.

Peter Paul lebt von leeren Flaschen. An schlechten Tagen verdient er 12 Euro, das wären 48 große Plastikflaschen oder noch mehr kleine. Dann kann er jedenfalls abends etwas essen. An guten Tagen schafft er bis zu 200 Euro.

Also Minimum 800 große Flaschen an so einem Tag in verschiedene Pfandautomaten.

Dann muss er natürlich sparen für die schlechten Tage, kann sich aber auch mal was gönnen.

Er sprach gepflegtes Hochdeutsch, kam aus der Nähe von Rostock, fragte uns nach der Eifel aus und erklärte uns, wie man als Flaschensammler lebt. Er schläft irgendwo in den Bahnhöfen. Wo er duscht oder ob er Ärzte findet, die Menschen wie ihn behandeln im Notfall? Keine Ahnung.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Da er kein Handy hat, musste das vage bleiben: hier auf der Bank gegen 14 Uhr – und hat auch nicht geklappt.

Erst im Nachhinein ist uns aufgefallen: es war Pfingstsonntag. Das ist doch der Feiertag, wo sich auf einmal alle Menschen verstehen konnten. Egal, welche Sprache. Egal,welche Lebenssituation.  Steht so in der Bibel.

Pfingstsonntag. Gab es da in Berlin, Friedrichstrasse, auch.         

Schade, dass Peter Paul kein Handy hat, wir würden ihm gern weiter schreiben.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06JUL2026
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Sportunterricht, für eine runde Völkerball wurden Mannschaften gebildet. Die guten Sportlerinnen durften sich ihre Mannschaft zusammenstellen und wählten natürlich so, dass sie hofften, gewinnen zu können.

Als letzte dann: Mecki (so nannten sie mich damals wegen meiner Frisur) und Helga. Immer das Gleiche, niemand wollte uns, wir waren ungeschickt und ließen den Ball fallen oder rannten nicht schnell genug. Aber die Sportlehrerin achtete darauf, dass wir wenigstens mitmachen durften, auch wenn wir als letzte noch notgedrungen  „gewählt“ wurden.

Damals fand ich diese Sportstunden furchtbar.

Es ist nicht schön, als Letzte gewählt zu werden. 

Und jetzt mal eine steile Kurve zu Gott hin:  da steht in der Bibel: die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten. Hammer! Jedenfalls für die Letzten.

Der Satz steht im Zusammenhang mit der Geschichte vom ungerechten Arbeitgeber. Der gab allen den gleichen Lohn, egal, ob sie eine Stunde oder 12 Stunden gearbeitet hatten.

Jeder bekam seinen Tageslohn. Jeder sollte den Tag überleben und abends zu essen haben.

Diesen ungerechten, aber fürsorglichen Arbeitgeber vergleicht Jesus mit Gott.

Wenn der Mannschaften zusammen stellt, dann wählt er eben nicht nur die Schnellen und Schönen. Er wählt auch die Langsamen, die Ungeschickten.

Egal welche Hautfarbe. Egal ob mit oder ohne Behinderung.

Herkunftsland egal. Kontostand egal.

Die Sportlichen sind auch prima, aber Gott wählt einfach ALLE, weil er will, dass ALLE leben.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

04APR2026
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Heute ist Karsamstag, der Tag der Grabesruhe Jesu.

An das Leid der Eltern Jesu habe ich früher nicht gedacht. Aber jeder weiß, dass es der größte Schmerz für Familien ist, wenn die Jüngeren vor den Älteren sterben. Sei es Krankheit, ein Unfall, wir haben das Gefühl: das darf nicht sein.

Das Sterben soll möglichst der Reihe nach gehen, sagt eine innere Überzeugung.

Erst die Großeltern, dann die Eltern, dann die Kinder.

So wird es auch Maria und Josef gegangen sein am Tag nach der Kreuzigung.

Es gibt aber nicht nur den körperlichen Tod, der Familienmitglieder voneinander trennt.

Etwas ganz anderes – aber auch ganz schlimm:

es gibt zunehmend mehr Familien, wo erwachsene Kinder sich von ihren Eltern trennen. Den Kontakt reduzieren oder ganz abbrechen. Das ist dann nicht „höhere Gewalt“, sondern eine bewusste Entscheidung.

Schmerzlich für beide Seiten: die Eltern können nichts tun, wenn Sohn oder Tochter schweigen. Die „Kinder“ treffen die Entscheidung natürlich auch nicht leichtfertig, und : es schmerzt sie vermutlich manchmal auch.

Wenn Enkel betroffen sind, wird es noch schwieriger: haben die ein Recht auf Opa und Oma, auch wenn die Eltern nicht dafür sind?

Für verwaiste und auch für verlassene Eltern gibt es heute Selbsthilfegruppen. Da können sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Trost finden.

Und ich persönlich glaube, dass es nach dem Tod, im Himmel, Platz gibt für alle getrennten Familien, dass Gott die Tränen abwischt und alle menschlichen Streitigkeiten durch seine umfassende Liebe auflöst.

Ich stelle mir vor, dass auch Jesu Eltern Maria und Josef das nach ihrem Tod so erlebt haben: dass sie wieder zusammen sein dürfen bei Gott.

Das ist meine Osterhoffnung.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

02APR2026
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Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz.

Betrieb wie immer in dem hohen, weitläufigen Treppenhaus. Nur im Erdgeschoss ist etwas anders:

Ein Tisch mit 12 Stühlen.

Auf dem Tisch ein Krug mit Wein und ein Teller mit Brot.

Spoiler: die Szene mit dem letzten Abendmahl, Jesus mit seinen Jüngern; es gibt wirklich viele Darstellungen davon.

Im Krankenhaus denkt man aber erst mal nicht an so was.

Mancher setzt sich an den Tisch, um kurz Pause zu machen oder um ein Formular auszufüllen. Ist das Brot für alle? Was ist in dem Krug? Manche riechen daran.

Viele schauen irritiert und überlegen, was das heute soll.

Und immer wieder stellt jemand den 13. Stuhl, der umgeflogen scheint, wieder ordentlich dazu. Das Team der Krankenhausseelsorge beobachtet die Szene und spricht diese ordentlichen Menschen an. Der 13. Stuhl soll Judas verdeutlichen, der vom Essen weggelaufen ist, um Jesus an die Römer zu verraten.

Das leuchtet unmittelbar ein und es ergibt sich manches gute Gespräch.

Die schönen freien Tage im Frühjahr sind ja nicht einfach so frei, sondern, weil wir Christen da etwas zu feiern haben. Aufgeteilt auf drei Tage:

den Gründonnerstag als Erinnerung an die Gemeinschaft von Jesus und seinen Freunden. Den stillen Karfreitag als Tag des Mitleidens mit Jesus und mit allen Menschen, die Leid ertragen müssen oder sterben.

Und den Ostersonntag als Fest für alle, die daran glauben, dass Gott Jesus nicht dem Tod überlassen hat. Und auch uns nicht dem Tod überlässt.

Diejenigen, die keine Christen sind, freuen sich einfach über das schöne lange Wochenende. Manche nennen es Hasenfest und rasen am Car-Friday über den Nürburgring.

Mir ist etwas anderes wichtig.

Ein Tisch mit 12 Stühlen erinnert mich heute daran:

Gott hat das letzte Wort, nicht der Tod. Seine Zeichen stehen auf Grün – nicht nur am sogenannten Gründonnerstag.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

01APR2026
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Orgelkonzert in Maria Laach, dem bekannten Kloster in der Eifel, mittags um 12.00.

Es ist Fastenzeit.

Auf dem musikalischen Programm steht der Kreuzweg von Jean Marie Plum, ein belgischer Komponist, leider ziemlich unbekannt bei uns. Geboren 1899. Gestorben schon mit 45 Jahren.

Den 1. Weltkrieg hat er als Jugendlicher miterlebt. Vielleicht hat er deshalb sein Werk „Via crucis“ (Kreuzweg) den Opfern des Krieges gewidmet. Er kannte das Elend ja aus dem 1. Weltkrieg und erlebte jetzt grade den Beginn des 2. Weltkrieges mit.

Es sind 14 kurze Orgelmeditationen zu den Kreuzwegstationen. Kreuzwege gibt es in vielen Orten in der Natur, als Bildstöcke. Und sie hängen in vielen Kirchen, so auch hier in der Abteikirche in Maria Laach.

  1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt. Ich höre das in der Musik: fremdartig, traurig. 2. Station: Jesus nimmt das Kreuz. Dunkle Molltöne.

Dann: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz, ich höre sein Stolpern und Fallen.

Jesus begegnet seiner Mutter – hier wird die Musik weicher, freundlicher, wechselt in Dur.

Noch heller: Simon hilft Jesus , das Kreuz tragen. Die Erleichterung ist hörbar. Endlich die Last teilen, ein Freund geht mit.

Es wird dann musikalisch wieder dunkler bis zur Kreuzigung,

die Hammerschläge sind klar zu erkennen.

Nach der letzten Station: Jesus wird ins Grab gelegt, wird es jetzt leise und sanft an der Orgel. Der Organist hatte gebeten, dass Stille sein soll, kein Applaus.

Also gehen wir ruhig in den hellen Mittag und sicher nicht nur ich denke an die vielen Menschen, die heute, auch in dieser Stunde, schwere Wege gehen und Leid ertragen müssen.

Jesus half die Hoffnung auf seinen Vater. Das ist auch meine Hoffnung: egal, wie schwer das Leben manchmal ist: Gott sieht die Tränen und wird sie abwischen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

31MRZ2026
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Felix muss ins Krankenhaus. Er ist 3 und eigentlich bedeutet ja Felix: der Glückliche, aber er hat Pech. Eine Fistel in seinem Hals geht seit Monaten nicht weg und die muss jetzt im Krankenhaus operiert werden. Ein Foto nach dem ersten Saft – ein Betäubungsmittel – zeigt ihn mit seligem Lächeln. Die Mutter hatte ihm das Ganze als Abenteuer dargestellt und eigentlich ist er stolz, morgen seinem Bruder erklären zu können, was er erlebt hat. Obwohl er auch ein bißchen Angst hat.

Dann geht es im Bett los über lange Flure in den OP. Jetzt weint er doch. Vor der Tür kommt eine Schwester, legt ihm einen Zugang für die Narkose und erklärt ihm: jetzt schläfst du gleich und wenn du aufwachst, ist schon wieder alles vorbei.

Felix schaut, überlegt sich das mit dem Schlafen und fängt dann an zu singen: Lalelu nur der Mann im Mond schaut zu wenn die kleinen

Babys schlafen, drum schlaf auch du.

Die Erwachsenen im Operationssaal sind sprachlos, einige gerührt, alle lächeln.

Ich finde, er macht seinem Namen Felix alle Ehre.

Das Abendritual von zuhause kann er selbst anwenden. Er glaubt seiner Mutter, dass alles gut gehen wird.

Als Erwachsene weiß ich: es geht nicht immer alles gut. Aber statt mich aufzuregen, könnte ich öfter versuchen, mich selbst zu beruhigen. Vielleicht mit dem Lied meiner Mutter: wer nur den lieben Gott lässt walten. Darin gibt es die Zeile: sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu.

Das hat meine Mutter in vielen Krisen ihres Lebens vor sich hingesummt. Ich summe es auch, wenn ich nachts zwischen 2 und 4 wachliege und mich Ängste plagen.

Das meine tun – und ansonsten auf Gott vertrauen – oder zumindest auf seine Hilfe hoffen – damit komme ich auch durch manche Krise.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

30MRZ2026
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Heute ist Karmontag. Klar, das Wort gibt es nicht, aber die Karwoche hat angefangen. Manche sagen Osterwoche, weil sie schon Osterferien haben, aber es ist die traurige Woche, kar kommt von kara, das bedeutet weinen. Viele Menschen gehen in dieser Woche in Gedanken den Weg von Jesus mit, der am sogenannten Kar-Freitag ans Kreuz geschlagen wurde und gestorben ist.

Als Kinder fanden wir schon die Fastenzeit traurig, so ganz ohne Schoko, aber obwohl die Mutter ein Süßmäulchen war, verzichtete sie selbst auch.

Seit vielen Jahren ist fasten wieder in. In ganz unterschiedlichen Arten. Handyfasten, das machen viele, einfach nicht mehr so viel mit dem Handy spielen, sondern am richtigen Leben teilnehmen.

Oder 7 Wochen ohne, wie es die evangelischen Christen nennen: 7 Wochen ohne Alkohol – oder weniger Zigaretten – oder ohne missmutige Reden –  in diesem Jahr:
ohne Härte.

Im Bistum Trier gibt es auch seit vielen Jahren das Auto-fasten. In diesen 7 Wochen so wenig wie möglich Auto fahren, lieber zufuß gehen oder Fahrrad oder Bus oder zumindest Fahrgemeinschaften bilden.

Ich kann es auch positiv fassen: 7 Wochen täglich 5000 Schritte gehen – oder täglich einen Anruf bei Bekannten machen und so Kontakte pflegen – oder jeden Tag 2 Euro in ein Marmeladenglas und nach Ostern einer Organisation spenden, der ich vertraue.

Es gibt 1000 Möglichkeiten, dem eigenen Leben eine andere Richtung zu geben.

Wenn es sich bewährt, kann ich es beibehalten.

Wenn es nach 7 Wochen zu schwer ist oder für mein Leben nicht geeignet, lasse ich es eben wieder.

Und wenn ich bis jetzt nix besonderes gemacht habe in dieser Fastenzeit, dann habe ich ab jetzt diese eine Kar-Woche, um heute damit anzufangen.

6 Tage anders als sonst, von heute bis Samstag.

Dann ist Ostern.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27DEZ2025
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Heute in einem Monat, am 27. Januar, denken wir wieder besonders an die Verbrechen der Nazizeit. Es wird an die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz erinnert.

Aber über diese schlimme Zeit zu „stolpern“ ,  das ist in vielen Städten, auch in Mayen, täglich möglich.

Einmal war ich bei der Verlegung der Stolpersteine dabei: Auf dem Bürgersteig kniete ein älterer Mann mit Hut. Gunter Demnig. An vorher markierten Plätzen verlegte er die quadratischen, etwa 10 mal 10 cm großen Steine mit goldfarbener Oberfläche.

Auf den Steinen stehen je ein Name, ein Geburts- und Sterbejahr und die Art des Todes: deportiert nach Auschwitz, ermordet in Sobibor, spurlos verschwunden und im Mai 1945 für tot erklärt. Einer hatte in den USA überlebt. Männer, Frauen, Kinder, ungefähr 50 jüdische Familien gab es in Mayen zu Beginn der Nazizeit. Nach dem Krieg  - es lässt sich nicht leicht herausfinden - vermutlich keine mehr.

Schülerinnen und Schüler aus der Berufsbildenden Schule Mayen haben das Schicksal der Familien erforscht. Besonders bedrückend war für sie, wenn Gleichaltrige oder Kinder deportiert und getötet worden sind.

Gunter Demnig betonte, dass er den Tötungsfabriken der Nazis, in denen Menschen nur noch Nummern waren, seine in Handarbeit hergestellten Stolpersteine gegenüberstellt.

Und der besondere Trick: um die Inschrift zu lesen, muss ich mich herunter neigen – normalerweise ein Zeichen der Ehrfurcht, eine Verbeugung.

Wir waren sehr berührt von dieser Aktion der Schulgemeinschaft. Es war eine Freude, ungefähr 150 junge Leute zu sehen, die sich mit der Vergangenheit beschäftigt haben, um in Erinnerung daran die Zukunft zu gestalten.

Ich setze da auf die Jungen. Vielleicht auch mit Hilfe von uns Älteren können sie dafür sorgen, dass die Worte, die wir als Aufruf der Überlebenden von Buchenwald  kennen, wahr werden: NIE WIEDER.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43536
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