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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27DEZ2025
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Heute in einem Monat, am 27. Januar, denken wir wieder besonders an die Verbrechen der Nazizeit. Es wird an die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz erinnert.

Aber über diese schlimme Zeit zu „stolpern“ ,  das ist in vielen Städten, auch in Mayen, täglich möglich.

Einmal war ich bei der Verlegung der Stolpersteine dabei: Auf dem Bürgersteig kniete ein älterer Mann mit Hut. Gunter Demnig. An vorher markierten Plätzen verlegte er die quadratischen, etwa 10 mal 10 cm großen Steine mit goldfarbener Oberfläche.

Auf den Steinen stehen je ein Name, ein Geburts- und Sterbejahr und die Art des Todes: deportiert nach Auschwitz, ermordet in Sobibor, spurlos verschwunden und im Mai 1945 für tot erklärt. Einer hatte in den USA überlebt. Männer, Frauen, Kinder, ungefähr 50 jüdische Familien gab es in Mayen zu Beginn der Nazizeit. Nach dem Krieg  - es lässt sich nicht leicht herausfinden - vermutlich keine mehr.

Schülerinnen und Schüler aus der Berufsbildenden Schule Mayen haben das Schicksal der Familien erforscht. Besonders bedrückend war für sie, wenn Gleichaltrige oder Kinder deportiert und getötet worden sind.

Gunter Demnig betonte, dass er den Tötungsfabriken der Nazis, in denen Menschen nur noch Nummern waren, seine in Handarbeit hergestellten Stolpersteine gegenüberstellt.

Und der besondere Trick: um die Inschrift zu lesen, muss ich mich herunter neigen – normalerweise ein Zeichen der Ehrfurcht, eine Verbeugung.

Wir waren sehr berührt von dieser Aktion der Schulgemeinschaft. Es war eine Freude, ungefähr 150 junge Leute zu sehen, die sich mit der Vergangenheit beschäftigt haben, um in Erinnerung daran die Zukunft zu gestalten.

Ich setze da auf die Jungen. Vielleicht auch mit Hilfe von uns Älteren können sie dafür sorgen, dass die Worte, die wir als Aufruf der Überlebenden von Buchenwald  kennen, wahr werden: NIE WIEDER.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

26DEZ2025
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Als ich dieser Tage Klamotten in meinen Kleiderschrank sortierte, fiel mir auf, wie alt der schon ist und wie oft umgezogen. Ein „mädchenhafter“ Kleiderschrank, weiß, mit braunen Leisten verziert.

Ich habe ihn mir gekauft, als mein damaliger Partner auf einmal eine Andere  gefunden hatte, mit der er sich traf. Ich habe mich also getrennt, mir eine neue Wohnung gesucht und Möbel gekauft. Natürlich war ich sehr traurig damals, aber dann in der kleinen Wohnung mit meinen eigenen Sachen auch zufrieden.

Also Dankeschön, Kleiderschrank, es war tröstlich, dich entsprechend meinem eigenen Geschmack zu wählen und du hast mir schon viele Jahre gute Dienste geleistet.

Ich sage auch dem Wind oft Danke. Mit Asthma ist man auf frische Luft angewiesen und ich stelle mich gern ans offene Fenster und atme die klare Eifelluft und freue mich, dass ich nicht in einer engen Großstadt lebe oder in einer Gegend auf der Welt, die von Smog beherrscht wird.

Sauberes Wasser aus dem Kran. Keinesfalls selbstverständlich.

Dass mein Auto morgens anspringt und der Streudienst bei Glatteisgefahr vorsorglich feuchtes Salz streut, sodass wir Verkehrsteilnehmer ungefährdet die Serpentinen von Kirchwald ins Nettetal fahren können. Prima.

Der Weihnachtskaktus, der so prächtig blüht.

Die Grüße und Geschenke, die es Weihnachten gab.

Etwas Sonne an einem Tag, wo es in mir ganz düster ist.

Es gibt so viele Sachen, denen ich DANKE sagen kann.

Schöner noch ist die Vorstellung, dass GOTT mir da ein Zeichen schickt.

Ich sage Sachen gern Danke.

Menschen, wie zum Beispiel dem Winterdienst, sage ich noch lieber Danke.

Aber in meinem Kopf ist es immer GOTT, der das alles geschaffen hat.

Und dafür sage ich am liebsten IHM   Danke.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

25DEZ2025
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„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst”, so haben wir gestern, am Heiligabend, in der Kirche gesungen. Die Kinder konnten richtig mit schmettern, auch wenn die Orgel gespielt hat, ungewohnt.

Und die Erwachsenen, ziemlich textsicher, auch ohne Gesangbuch.

Ja, schön, dass Jesus geboren ist.

Aber was würden wir vermissen, wenn ER nicht auf die Welt gekommen wäre?

Die Adventszeit mit Kerzen und Plätzchen backen auf jeden Fall und die Traditionen, die jeder von uns mit Weihnachten verbindet. Adventskränze, Tannenbäume, Lametta.

Kartoffelsalat und Würstchen. Stille Nacht gäbe es nicht und kein Weihnachtsoratorium von Bach. Den Kölner Dom gäbe es nicht und nicht die Kirchen in aller Welt, keine Kapellen in Kirchwald und anderswo in der Eifel.

Was ich besonders vermissen würde, wenn Jesus nicht geboren worden wäre:

die Idee, dass alle Menschen Kinder Gottes sind und also untereinander Brüder und Schwestern. Manche denken ja, Schwarze Menschen oder Arbeitslose oder körperlich Eingeschränkte oder Geflüchtete wären zumindest weniger Wert als die anderen, aber seit Jesus wissen wir: das ist Quatsch.

Wenn Gott sich aus dem Himmel aufmacht und Mensch wird, um die menschliche Existenz mit uns zu teilen, dann werden in seinen Augen wohl die Menschen sehr viel Wert sein.

Nicht nur die Blonden mit blauen Augen, die auch, aber eben alle. Gott hier in der Welt hat einen Namen: sein Name ist ICH BIN DA. Wir können ihn in jedem anderen Menschen erkennen.

Und für die, die nicht an Gott glauben: es steht sogar im Grundgesetz: Alle Menschen sind gleich an Würde.

Deswegen singe ich Weihnachten mit Freude: „wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.”

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17SEP2025
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Im Krankenhaus habe ich mal einen ungefähr 50-jährigen Mann kennengelernt – da war er naturgemäß im OP-Hemd, weil er einen schweren Motorradunfall gehabt hatte. Ich sah ihn vor mir in Lederklamotten, mit Stiefeln, Handschuhen und Helm, auf einer schicken Harley oder so, und wollte grade anfangen, ihn wegen des Unfalls zu bedauern. Da sagte er, er sei erleichtert. Er nähme es als Buße. Er war als Sicherheitsmann auf Farmen in Afrika gewesen; mit dem Gewehr habe er die Reviere verteidigt. „Und dann auf große Tiere geschossen?“, fragte ich.

 „Auch“.

Das Wort schwebte zwischen uns und langsam dämmerte es mir: er hatte Menschen verjagt, notfalls erschossen, die unerlaubt auf die Grundstücke seiner Arbeitgeber eindringen wollten. Da musste ich erst mal atmen. Den Motorradunfall hatte er als Strafe Gottes empfunden. Ich glaube nicht, dass Gott so straft. Er verurteilt sicher die Tat, aber dem Menschen, diesem Täter, gibt er noch eine Chance. Wenn der ernsthaft bereut.

Aber ich glaube, dass wir in der Sterbestunde etwas erkennen werden. Wie war ich von Gott her gedacht. Welche Möglichkeiten hatte ich, ein guter Mensch zu sein, das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen.

Und dazu, möglicherweise im Gegensatz: wie war ich wirklich. Was habe ich Gutes unterlassen, das vor allen Dingen, und was habe ich Böses getan.

Die meisten von uns beruhigen sich ja mit dem Gedanken, nicht zu viel Böses zu tun. Aber ich unterlasse es oft – Sie vielleicht auch – das Gute zu tun.

Die Pfadfinder haben ja den Grundsatz: jeden Tag eine gute Tat.

Das sollte nicht die aus vielen Witzen bekannte alte Dame sein, die man über den Zebrastreifen begleitet, obwohl sie gar nicht auf die andere Straßenseite will.

Nein, echte kleine gute Taten: Das kann wirklich jeder, auch wenn er oder sie kein Pfadfinder ist.

Es ist noch früh am Tag.  Irgendwas Gutes wird mir heute schon einfallen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

16SEP2025
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Ich setze mich ins Auto, starte den Motor, sofort geht auch das Radio an. Der erste Ton schon katapultiert mich nach Schottland. Dudelsackmusik, ich höre sie und bin schwups in den Highlands, Nähe Pitlochry. Ich sehe Dudelsackpfeifer im Schottenrock, mit weißen Kniestrümpfen und der kleinen Gürteltasche. Sie stehen mit ihren Dudelsäcken auf den Hügeln. Vielleicht wollen sie den Touristen eine Freude machen. Vielleicht ist es auch zuhause zu laut, wenn sie üben, und die Familie beschwert sich. Jedenfalls bin ich in weniger als einer Sekunde in einer wunderbaren Welt voller Erinnerungen, Sehnsucht und Glück.

Und jetzt mach ich eine steile Kurve in den Himmel. Manche stellen sich das ja so vor, dass wir auf Wölkchen sitzen und ewig Harfe spielen und dass das ziemlich langweilig wird. Ok, ich weiß es ja auch nicht.

Aber auf einem Wölkchen sitzen, finde ich nicht schlecht. Da ja kein Körper im Himmel sein kann, nur die Seele, stelle ich mir meine Wolke so vor wie einen Sitzsack.

So wie der sich an meinen Körper anpasst, so passt sich die Wolke an meine Seele an; jedenfalls ist es bestimmt bequem da.

Wenn schon mein kleiner Geist mich durch ein paar Töne Dudelsack in die Highlands beamen kann, dann wird doch sicher auch der Geist des Allmächtigen mich in den Himmel katapultieren können. Und warum sollte ER nicht jedem Menschen auf seinem Wölkchen die Musik auf die Ohren geben, die dieses Individuum erfreut?

Egal ob Bach oder die Beatles, egal ob Rolf Zuckowski oder Frank Zappa, egal ob Dudelsack oder Drums.

Und dann das mit der Ewigkeit. Zeit ist, so glaube ich, eine irdische Kategorie, gibt’s im Himmel nicht. Keine Sekunden, Minuten, Stunden, keine Tage oder Jahre, nur JETZT.

Also irgendwann dann auf meinem gemütlichen Wölkchen mit Dudelsackmusik im Ohr den Himmel genießen, darauf könnte ich mich freuen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

15SEP2025
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Viele Menschen haben um diese Tageszeit Hektik: schon unterwegs im Auto zur Arbeit oder noch zuhause und alles vorbereiten für Kita, Schule, Arbeit und so. Frühstück, Klamotten, wo ist der Autoschlüssel, wer macht was?  Alltagshektik.

Kenne ich von früher, aber auch als Rentnerin renne ich durch meine Tage. Rentnerin kommt ja von rennen; habe ich mittlerweile kapiert.

Aber da ich ja Theologin bin, geht mir dann automatisch der schöne Text aus der Bibel durch den Sinn: Alles hat seine Zeit. Uralt, dieser Text, von 300 vor Christus ungefähr, und total aktuell.

Alles hat seine Zeit: geboren werden und sterben, pflanzen und ernten, weinen und lachen, schweigen und reden, Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.  Für mich füge ich noch hinzu: rennen und ausruhen hat seine Zeit.

Als Rentnerin habe ich mehr Zeit als früher, das zu tun, was mir Freude macht. Aber eigentlich konnte ich schon immer Schönes auch im Alltag finden: sowohl in der Arbeit selbst als auch nach Feierabend. So geht es vermutlich den meisten Menschen.  

Es gibt Zeit für alles, was wichtig ist. Fast jeden Tag gibt es schöne Momente. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, das auch zu bemerken, aber den Moment dafür gibt es immer.

Wenn ich sonntags mit Helga meine 10.000 Schritte gehe, dann besprechen wir immer die Sorgen der Woche, das blöde, was passiert ist, was uns belastet hat. Da gibt es genug. Und plötzlich unterbrechen wir, weil uns ein Spinnennetz mit Diamanten auffällt – Regentropfen, aber sie sehen aus wie Diamanten.  Oder eine schnelle Raupe. Husch, ist sie am Wegesrand verschwunden.

Soviel Zeit muss sein, sagt man manchmal, um zum Beispiel beim Schauspieler Sean Connery den Sir hinzuzufügen: Sir Sean Connery.

Soviel Zeit muss sein, in aller Tageshektik den schönen Moment zu bemerken.

Auch heute.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

14SEP2025
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„Hallo Frau Peters“, schallte es über den Krankenhausflur. Ich war da erst drei Wochen die Krankenhaus-Seelsorgerin in Mayen und der Krankenpfleger hatte sich schon meinen Namen gemerkt. „Sie haben aber ein gutes Namensgedächtnis“. Er: „Ich hieß früher auch Peters.“

„Ach, haben Sie den Namen Ihrer Frau angenommen?“ „Meines Mannes.“

„Ja klar, blöd von mir, ich hab Sie beide doch schon zusammen gesehen. Wie heißen Sie jetzt?“    „Wiese.“   „Das ist auch echt schöner als Peters.“

Diese kurzen kleinen Kontakte im Krankenhaus schaffen Verbindung; ich liebe das.

Und was genau war da jetzt blöd von mir?

Na, dass ich ihn in eine Schublade gesteckt habe. Der „Norm“-Mensch heiratet jemanden des anderen Geschlechts und nimmt vielleicht den anderen Namen an. Männer heiraten Frauen und Frauen Männer, so haben wir das abgespeichert, obwohl wir eigentlich wissen, dass es auch Menschen gibt, die anders lieben.

Vielleicht war die Bemerkung von Herrn Wiese nicht nur die Wahrheit, sondern auch ein Test. Ich war ja in dem Moment die katholische Kirche in diesem Krankenhaus. Vielleicht wollte Herr Wiese testen, ob ich seine Lebensweise verurteile. 

Wir haben uns danach öfters unterhalten. Er hatte schon seine Leidensgeschichte mit der katholischen Kirche, aber in den letzten Jahren ist es besser geworden, meinte er.

Wenn Gott diese ganze bunte Welt gewollt hat, dann sind in seinem Herzen Liebende jeder Couleur abgebildet. Und nicht nur Liebende, sondern auch die ganzen anderen Verschiedenheiten, die wir in der Welt entdecken: Männer und Frauen, Reiche und Arme, verschiedene Hautfarben und Religionen, alle möglichen Menschen.

Gott, so stelle ich mir vor, ist nicht einfältig. Er ist männlich und weiblich und divers.

Gott ist vielfältig.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

14JUN2025
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Ungefähr in der 10. Klasse bekamen wir die Möglichkeit, nach Englisch und Französisch auch Latein zu lernen.  Ich war in den Lehrer verknallt, also entschied ich mich dafür.

Nur: meine Rechnung ging nicht auf, statt des jungen Französischlehrers, der Latein aus Spaß unterrichten wollte, bekamen wir Herrn Jakoby, einen schüchternen, etwas freudlosen älteren Herrn.

Nach einem längeren Schul-Vormittag noch freiwillig Latein zu lernen, das muss man auch wollen, aber wir hatten unsere Tricks, um die Stunde zu verkürzen. Das hatte was mit der Klassengemeinschaft zu tun – dieses Jahr haben wir 50 Jahre Abitur und wir treffen uns immer noch.

Wenn damals die 6. Stunde begann, fingen wir einfach an zu singen. Herr Jakoby war jungen Damen gegenüber schüchtern – oder er mochte den Gesang – oder er hatte auch keine Lust – jedenfalls wartete er vor der Klassentür, bis wir aufhörten: diese Stunden waren deutlich kürzer als 45 Minuten.

Ein bisschen Latein haben wir trotzdem gelernt.

Mir ist das durch den Kopf gegangen, weil ich so gemeinsame Aktionen wie das gemeinsame Singen heute nicht mehr so oft erlebe.

Die Vereinzelung der Menschen nimmt zu, man kann es auch positiv Individualisierung nennen, aber es hat zwei Seiten.

Sportvereine verlieren Mitglieder, die Leute gehen allein in die „Muckibude“. Die Parteien verlieren Mitglieder. Wer sich politisch engagieren will, schreibt Kommentare in die sozialen Netzwerke – oder engagiert sich auf Zeit in einer Bürgerinitiative. Die Kirchen verlieren Mitglieder. Wer einen religiösen Impuls sucht, geht spontan in die Kirche oder engagiert sich den Kindern zuliebe in der Kommunionvorbereitung, aber dann ist wieder anderes wichtig.

Ich will nicht rumheulen nach der guten alten Zeit, aber der Zusammenhalt „in echt“ war anders früher, intensiver vielleicht.

In Kirchwald gibt es verschiedene Gruppen. Ob ich vielleicht doch mittwochs mal zur Gruppe  „Nadelspiel“ stricken gehe statt abends allein für mich zu stricken?

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

13JUN2025
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Wenn Helga und ich sonntags unsere 10.000 Schritte tun, dann auch gern in den Thürer Wiesen in der Eifel. Wir nennen es „wandern“, weil wir ja Wanderschuhe anhaben. Hätten wir High Heels an, wäre es „spazieren gehen“. 10.000 Schritte eben.

Jedenfalls sind die Thürer Wiesen ein Paradies. In der Stille hört man Frösche und Kröten. Der Wind fegt oder säuselt durch die Schilfhalme. Auf den flachen Wassern glitzert die Sonne. Enten ziehen ihren Weg, Fliegen tanzen. Ein Traum.

Seit ein paar Jahren leben auch Wasserbüffel dort. Kost und Logis frei und sie machen ihren Job: halten die Flächen sauber von zu hoch wucherndem Grünzeug.

Dann passierte der Unfall. Ein LKW mit 30.000 Litern Öl im Tank kippte um und das Öl floss in die Natur. Obwohl blitzschnell viel Hilfe kam, lässt sich die Natur nicht so schnell in Ordnung bringen. Die Wasserbüffel hatten wenig Probleme. Aber die ganzen Wasservögel, Störche, Reiher, Enten. Und die Kleintiere: Fliegen, Lurche, Libellen, keine Ahnung, wie sie alle heißen. Die hatten echt Schwierigkeiten. Tranken Öl. Ihre Flügel verklebten sich. Manche erstickten unter den Öllachen. Ein großes Elend.

In Kirchwald ist die Wildvogelstation aufnahmebereit. Freiwillige fangen die Tiere und bringen sie in die Station. Dort werden sie gereinigt und gefüttert und beruhigt, bis in den Thürer Wiesen die Welt wieder einigermaßen in Ordnung ist.

Hier wird Geld gebraucht für Tierfutter und Reinigungsmittel und Spritkosten für die Transporte.

Und – oh Wunder – der Mensch, der seinesgleichen oft verachtet oder bekämpft oder hasst und niedermacht:

zu den Tieren ist der Mensch freundlich. Spendet Trost, gute Worte, Geld, tatkräftige Hilfe. Vor meiner Tür stand auch eine Tasche mit Decken und Handtüchern, die ich  weitergeben sollte an die Wildvogelstation, da hab ich noch eine Tüte Vogelfutter dazu gelegt.

Ich finde es prima, dass Menschen Tieren in Not helfen.

Menschen in Not helfen, das finde ich auch gut.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

12JUN2025
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„Hallo Mechthild“, hörte ich einen Ruf auf dem Markt in Mayen.

Es war Reza, früher unser Nachbar in Kirchwald, ursprünglich aus dem Iran.

„Ich bin jetzt sieben“, teilte er uns mit.

Super, schon richtig groß, geht in die Schule, trug eine schicke Brille.

Wir waren da wegen einer Kundgebung zum Ende des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren.

Reza schaute sich die kleine Ausstellung an und entdeckte jemanden, den er kannte.

Den Namen wusste er allerdings nicht.

„Das war ein Böser“, sagte ich. „Adolf Hitler“.

„Warum war der böse?“, fragte er, wartete die Antwort aber nicht ab.

Das Interesse von Siebenjährigen geht schnell vorbei.

Wie wäre es vor 85 Jahren gewesen, also 1940 ungefähr?

Hätten freundliche Herren ihn angesprochen, woher er das Bild kennt? Und was seine Eltern ihm über diesen Mann erzählt haben?

Hätten seine Eltern einen Besuch der freundlichen Herren bekommen? Hätten sie den Hitlergruß zeigen und sich zum Führer bekennen müssen?

Hätten die Nachbarn erzählen können, dass die Eltern sich manchmal kritisch über die Regierung äußern? Und welche Folgen hätte das gehabt?

Finstere Zeiten damals, jeder konnte jeden verraten.

„Nie wieder“, der Ausdruck der Überlebenden von Buchenwald.

Und ich will auch, dass es nie wieder passiert.

Kein Genozid an Juden. Oder an anderen Menschengruppen.

Keine Konzentrationslager. Keine Ausgrenzung oder Tötung von Menschen mit Beeinträchtigungen. Von Schwulen. Von Sinti oder Roma.

Keine staatliche Mordmaschinerie. „Nie wieder!“

Alle Menschen sind gleich – vor dem Grundgesetz und vor Gott.

Ich bin seit vielen Jahren Blutspenderin. Niemand hat mich jemals gefragt, ob ich Jüdin bin oder nix glaube, niemanden hat meine Hautfarbe interessiert. Alle wollen nur wissen, welches Blut in meinen Adern fließt. A, B, AB oder 0.

In allen Menschen fließt nämlich der gleiche, kostbare Lebenssaft.

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