Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Aufkleber mit dem Symbol eines Fisches - mir fällt immer direkt auf, wenn jemand so einen Aufkleber auf dem Auto hat. Meistens klebt er ja gut sichtbar hinten, auf dem Heck, der Fisch. - Das Symbol der frühen Christenheit...

Der Fisch war ihr Geheimzeichen.

In Zeiten der Verfolgung hat man so etwas gebraucht; das hat man dann irgendwo an die Wand gekritzelt; man musste ja erkennen können, wo man andere Christen findet.

„Ichthys“, so hieß Fisch in der damaligen Sprache: Griechisch. Und jeder Buchstabe dieses Wortes hat eine besondere Bedeutung: Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter. Außerdem hatten die frühen Christen und Christinnen von je her eine tiefe Verbindung zum Wasser; viele haben vom Fischfang gelebt – wie die ersten Jünger. Und: Wasser ist ja auch ein Symbol für die Taufe. Und das neue Leben, danach. 

Eigentlich finde ich es schön, dass viele auch heute noch dieses uralte Erken-nungszeichen nutzen; sie tragen ihr Glaubensbekenntnis sozusagen für jeden sichtbar auf dem Auto.

Auf der anderen Seite muss man sich natürlich auch im Klaren darüber sein, dass so ein Zeichen nicht ohne Wirkung bleibt. Es weckt Erwartungen an den Fahrstil. Wer sich da als Christ oder Christin ausweist, von dem erwartet man eine rücksichtsvolle und umsichtige Fahrweise, finden Sie nicht? Denn woran sonst sollte man etwas von der menschfreundlichen Gesinnung erkennen? 

Leider hat eine Untersuchung gezeigt, dass Menschen, die sich selbst als gläubig bezeichnen, sich im Straßenverkehr meist kein bisschen einsichtiger verhalten, als andere.

Gut, man könnte einwenden, dass viele Christen auch sonst nicht immer an ihrem Verhalten erkennbar sind... Aber das ist ja doch eine sehr bequeme Ausrede. Sicher, keiner schafft es, ständig ein Vorbild an Wohlverhalten zu sein. Aber dass wir Christen uns selber kritisch reflektieren, auch unser Fahrver-halten, das kann man schon verlangen, meine ich. Erst recht, wenn das eigene Auto so einen Christen-Fisch hinten drauf hat... Daran muss man sich dann schon auch messen lassen.  

Und deshalb meine Bitte, liebe Mitchristen und Mitchristinnen:

Lasst euch am Steuer nicht vom Teufel reiten!

Fahrt mit Gott! Das ist für alle sicherer...

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„Toi, toi, toi!“ sagt eine Bekannte zu mir. „Toi, toi, toi!“ Das sagen viele.

Die meisten denken sich sicher nichts dabei. So sagt man eben. Aber neulich bin ich zufällig auf die tiefere Bedeutung gestoßen. 

Also: Im besten Fall handelt es sich um einen alten Abwehrzauber:

In früheren Zeiten, als die Menschen noch sehr abergläubisch waren, hat man angenommen, dass Glückwünsche - oder ganz allgemein jedes Lob und jede Form der Anerkennung - die Aufmerksamkeit der bösen Geister auf sich ziehen könnten.

Böse Geister werden schnell neidisch, hat man gedacht - und das führt zu nichts Gutem. Also besser Vorsicht wahren, bei Glückwünschen! – Damit die bösen Geister nicht aufmerksam werden. Denn: Wer konnte schon wissen, wieviel Unglück das nach sich ziehen würde...?

Deshalb hat man ganz schnell eine Formel hinzugefügt, die die bösen Geister direkt wieder abwehrt, noch bevor sie es überhaupt merken: Man hat laut „unberufen“ gesagt. Und um die Schutzwirkung noch zu verstärken, wurde dreimal auf Holz geklopft. Oder dreimal ausgespuckt, je nach dem...

Aber das Spucken kam irgendwann nicht mehr so gut an. Und da hat man sich mit Lautmalerei beholfen - als Ersatz, sozusagen. Und daraus wurde dann „pfui“, oder „toi“, was ja vom Klang her immer noch entfernt an Spucken erinnert. Toi, toi, toi: ein Überbleibsel also von uraltem Aberglauben. 

Und was bedeutet „toi, toi, toi“ im schlechtesten Fall?

Einige Sprachforscher sind der Meinung, dass es eine Kurzform ist von „Teufel, Teufel, Teufel“. Und das wäre dann also so eine Art Teufel-Anrufung.

Der Teufel wird angerufen, damit er sich geehrt fühlt. Denn wenn man ihm nur ordentlich schmeichelt, besänftigt das womöglich seine Launen... – das steckt wohl dahinter. 

Mir gefällt das, ehrlich gesagt, alles nicht.

Dann gebe ich den Leuten doch lieber einen kleinen Alltagsegen mit auf den Weg. „Gott schütze dich.“ Oder „Alles Gute, leb wohl!“ Oder auch nur ganz schlicht: „Adieu.“ Denn das bedeutet „Gott befohlen“ und klingt auch besonders schön. In Norddeutschland ist daraus übrigens „Adjüs“ geworden. Und das wiederum hört man noch in unserem „Tschüss“. 

Also, für heute: Gott schütze Sie. Adieu.

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„Um ein Haar hätte ich mir die Radieschen von unten angesehen“, erzählt einer.

Und jeder weiß, was gemeint ist: Der ist dem Tod noch gerade mal so von der Schippe gesprungen. - Eigenartige Redewendungen, oder?

Und doch verraten sie ganz viel:

Das Bild mit den Radieschen kommt aus dem bäuerlichen Umfeld. Ein Städter wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, sich ausgerechnet Radieschen aus der Grabesperspektive vorzustellen. Und die Sache mit der Schippe stammt aus dem Totengräbermilieu. Da ist einer noch gerade mal so entkommen, obwohl die schon anfangen haben, sein Grab zu schaufeln... 

Von all diesen Redewendungen mag ich eine ganz besonders:

„Das Zeitliche segnen“.

Das Zeitliche ist ein alter Begriff für die vergängliche Welt. Wenn der Sterbende Abschied nimmt, wünscht er der Welt, die er verlassen muss, Gottes Segen.

Es ist sein letzter Wunsch. Und das macht ihn so bedeutsam.

Der Sterbende wünscht der Nachwelt das Beste. 

Das ist ja nicht selbstverständlich. Manche macht es auch fassungslos, dass sie sterben müssen. Sie sind wütend auf die, die zurückbleiben. Und traurig, dass sie keine Zukunft mehr erleben können. Und lassen am Ende wortlos und unglücklich alles hinter sich. 

In biblischen Zeiten haben die Sterbenden ihre Nachkommen gesegnet.

Sie haben den Segen, den sie einst empfangen haben, weitergegeben.

Das ist eine gute Tradition, die noch bis heute nachwirkt. Wenn es mir einst vergönnt sein wird, werde ich das am Ende auch tun: Meine Kinder segnen und die Hände auf sie legen. Denn dann verlasse ich ja die Welt. Und da würde ich meine Kinder gerne unter den Schutz Gottes stellen. Und ihnen - und der ganzen Welt - vielleicht auch noch einen Segenswunsch mit auf den Weg gegeben.

Wie in der Bibel:

„Gott gebe Euch vom Tau des Himmels

und von der Fruchtbarkeit der Erde und Wein in Fülle.“

In diesem Wunsch ist alles drin, was der Mensch braucht:

Wasser, Nahrung, Freude. 

Ich finde, das ist ein wunderschöner Gedanke:

Am Ende der Tage das Zeitliche segnen.

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Von Kindern kann man viel lernen, wenn es um Entscheidungen geht.

Jedenfalls, wenn man sie nicht unter Druck setzt, so wie ich das getan habe, bei meiner Tochter...

Das ist lange her; sie war noch sehr klein – aber alt genug, um mit dem Schnul-ler aufzuhören, fand ich. Die Leute haben ja schon Bemerkungen gemacht:

„Na, schon so groß - und immer noch einen Schnuller?“

Aber alles Reden hat nichts genutzt. Sie wollte ihn nicht hergeben.

Also habe ich ihr eines Tages lang und breit erklärt, warum das jetzt aufhören müsse. Und hab alle Schnuller eingesteckt.

Der Tag verlief noch ganz passabel, aber als es ans Schlafen ging, hat sie so lange und so herzerweichend geweint, dass ich ihr am Ende den Schnuller zurückgegeben habe. Und mir geschworen habe, dass sie ihn meinetwegen behalten soll, bis sie 20 ist... 

Ein paar Monate später kommt sie mit einem Bündel in die Küche und wirft es grimmig in die Mülltonne.

„Was war denn das...?“ frage ich verwundert.

„Kannst ja gucken“, sagt sie.

Ich schaue nach: Da liegen sämtliche Nuckeltücher, und in der Mitte, fein säuberlich zerschnitten, alle Schnuller, die sie finden konnte.

An diesem Abend hat sie nicht geweint. Sie hatte ja selbst die Entscheidung getroffen. Und um nicht rückfällig zu werden, hat sie die Schnuller auch gleich noch zerstört. – Das nenne ich eine klare und vorausschauende Entscheidung! Da könnte ich mir heute noch manchmal eine Scheibe von abschneiden. 

Ich schiebe unangenehme Entscheidungen nämlich oft lange vor mir her.

All diese ärztlichen Untersuchungen, zum Beispiel: Haut-Screening, Zahnärztin, Mammographie... - Gut, die habe ich dann doch irgendwann erledigt.

Aber die Darmspiegelung, die steht eigentlich schon seit drei Jahren wieder an. Ich müsste nur anrufen und einen Termin festlegen. - Das ist sozusagen mein „zerschnittener Schnuller“. Denn wenn ich mal einen Termin gemacht haben, dann steht die Sache für mich fast. Dann gibt es kein Zurück. - Aber Sie glauben ja gar nicht, wieviel Gründe mir jedesmal einfallen, den Hörer doch nicht in die Hand zu nehmen...  

Aber, wo ich schon darüber spreche – vielleicht ist ja heute der Tag!

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