Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Jerome Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller. Drei Fußballspieler. Drei Fußball-Weltmeister. Aber aus dem Jahr 2014. Das ist fünf Jahre her. Im Fußball eine halbe Ewigkeit. Alt sind sie geworden, die drei. Zu alt für die Nationalmannschaft. Meint der Bundestrainer. Und der hat das Sagen. Deshalb ist er vor zwei Wochen nach München gefahren. Da spielen die drei Fußball. Und er hat ihnen mitgeteilt, dass er für die Zukunft ohne sie plant. Mit anderen Worten: er hat sie rausgeschmissen.  Aus die Maus. Und zeitgleich informierte der Deutsche Fußball-Bund die Öffentlichkeit. Da hatten die drei noch gar nicht richtig verdaut, was sie gerade gehört hatten. 

Von anderen für vergangene Heldentaten gelobt und gleichzeitig zum alten Eisen erklärt zu werden, das tut weh. Natürlich: Niemand will Lobhudelei, aber mit einem freundlichen Lächeln abserviert zu werden, da kann wohl jeder gut drauf verzichten.

Frei sein von der ständigen Beurteilung durch andere: das wär’s doch. Sich nicht in den Himmel heben zu lassen, aber sich auch nicht niedermachen zu lassen. Der Apostel Paulus hat das hinbekommen. Denn er hat gewusst: es gibt einen, dessen Urteil ist wichtiger als das aller anderen zusammen. Darum kann er an seine Freunde in der griechischen Stadt Korinth schreiben: Gott ist mein Richter. Es ist mir ein Geringes, wenn ich von euch beurteilt werde. – Offensichtlich auch dort alles wie im richtigen Leben. Licht und Schatten. Denn bei aller Freundschaft haben die Korinther regelmäßig an Paulus herumgemäkelt.

Wie gut, wenn ich in so einer Situation reagieren kann wie Paulus. Wenn ich nicht abhängig bin von dem, was meine Mitmenschen über mich denken. Sondern wenn ich weiß: Gottes Urteil über mich ist verlässlicher und ehrlicher als jedes vergiftete Lob oder falsche Kritik. Denn Gott kennt mich viel besser als mein Nachbar oder der Bundestrainer. Gott kennt mich sogar besser als ich mich selbst kenne. Jerome Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller: noch viel Spaß beim Fußballspielen. Es sei euch ein Geringes, wenn der Bundestrainer über euch urteilt. Denn auch für euch gilt wie für alle Menschen: Gott ist euer Richter.

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Dreiundzwanzig Stundenkilometer. Ganze dreiundzwanzig Kilometer in einer Stunde. Diese Zahl hat das Auto eines Freundes ausgespuckt. Jeden Tag fährt er mit dem Auto zur Arbeit in die Stadt und abends wieder zurück. Und weil sein Auto einen Bordcomputer hat, weiß er jetzt, wie schnell er ist. Oder besser wie langsam. Denn für ein Auto, ob klein, ob groß, ist das ja nichts. Die können alle viel schneller. Aber wie so oft: nicht immer wird auch wirklich, was möglich ist.  Das ist niederschmetternd. Sitze ich nicht im Auto, um möglichst schnell von A nach B zu kommen?

Ich habe den Eindruck, wenn es um Fortbewegung geht, dann gibt es derzeit zwei Trends: Auf der einen Seite zählt Geschwindigkeit. Da kann es nicht schnell genug gehen. Und Menschen kämpfen mit aller Kraft gegen ein Tempolimit auf Autobahnen.

Auf der anderen Seite boomt das Pilgern. Entschleunigen. Weite Strecken einfach zu Fuß zurücklegen. Nur so schnell zu sein, wie es unsere Beine sind. Vielleicht könnte man ja beides kombinieren? Vielleicht braucht unser Autofahren wieder mehr vom Pilgern.

Darüber hat auch mein Freund nach der Datenauswertung seines Bordcomputers nachgedacht. Nein, er wird jetzt nicht aufs Fahrrad oder aufs E-Bike umsteigen oder mit der Regionalbahn fahren. Aber er will jetzt sozusagen ankommen im Unterwegs sein. Er hat sich vorgenommen, den Satz aus dem Verkehrfunk ernst zu nehmen: Allen unterwegs eine gute Fahrt! Denn gute Fahrt ist mehr als Geschwindigkeit. Gute Fahrt achtet darauf, dass es dem Fahrer gut geht. Dafür kann man etwas tun. Der Freund hat jetzt Musik dabei, um runterzukommen nach der Arbeit. Und er hat für sich den langen Atem entdeckt. Und Hörbücher. Ein Roman auf zwölf CDs. Das dauert. Das braucht viele Pilgerfahrten, bis das gehört ist. Zeit hat er ja jetzt, bei dreiundzwanzig Kilometern in der Stunde.

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Heute begeht die Weltgemeinschaft den Internationalen Tag gegen Rassismus. Weiß Gott immer noch allzu notwendig, das zu betonen.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Schöne Worte.  Leider sieht unsere Wirklichkeit oft anders aus. Menschen sind unterschiedlich. Und das ist gut so. Und dass jeder einzelne Mensch so sein darf, wie er ist, dadurch achten die anderen seine Würde. Leider halten Menschen Vielfalt oft schlecht aus. Sie schaffen sich stattdessen Schubladen, in die sie andere stecken. Um sie einzuteilen in besser und schlechter, klug und dumm, schön und hässlich, reich und arm, schwarz und weiß und gelb und rot und was weiß ich was nicht noch alles. Und dann geht sie los, die elende Vergleicherei. So, als wären wir nur dann gut, wenn ein anderer schlechter ist. Als wären wir nur dann wertvoll, wenn andere wertlos sind. So, als ob das Leben ein einziger Wettkampf wäre, wer am tollsten ist. Wer ganz oben steht, an der Spitze einer selbst erdachten Hierarchie. Was für ein Irrtum. Was für ein Irrsinn!

Das findet auch die Bibel. Und leistet Widerstand. Dort steht zum Beispiel geschrieben: Vor Gott gilt kein Ansehen der Person. Ein starker Satz. Da ist alles gesagt. Gott macht nicht mit bei der Vergleicherei. Ihm sind Menschen nicht nur dann recht, wenn sie besser dastehen als andere. Sondern jeder Mensch ist ihm recht, gerade so, wie er ist, und nicht nur, weil sich gerade nichts Besseres findet. Ein Mensch mag aussehen, wie er will, er mag sprechen, wie er will. Er kommt Gott gerade recht, denn vor ihm gilt kein Ansehen der Person. Rassismus ist Gott fremd. Wäre auch merkwürdig, wenn das anders wäre, schließlich hat er die Menschheit so vielfältig und unterschiedlich geschaffen, sich zur Freude und uns auch. Da bleibt kein Platz für Rassismus. Nicht nur heute, einen Tag lang, sondern jeden Tag.

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Heute ist Weltglückstag. Noch nie gehört? Die Vereinten Nationen haben ihn erfunden. Sie wollen damit Länder ehren, in denen Wohlstand nicht nur am Materiellen gemessen wird. Angefangen hat die ganze Geschichte in Bhutan. Das ist ein winzig kleines Land im Himalaja. Dort ist seit vielen hundert Jahren das Glück des Volkes ein hohes Gut und der Maßstab für die Qualität einer Regierung. Denn was hätte man von einer Regierung, die nur sich selbst glücklich macht? Um die Regierungen rund um den Globus zu mehr Nachhaltigkeit und Orientierung am Glück anzuspornen, hat die UNO einen Weltglücksbericht eingeführt. In den fließen ganz viele verschiedene Faktoren ein. Da geht es nicht nur um Geld, sondern auch um kaum Messbares.

Denn das Streben nach Glück ist mehr als ein gut gefülltes Bankkonto. Zinsen gibt es zur Zeit eh keine. Glück ist überhaupt viel mehr als der Besitz von möglichst vielen möglichst teuer gekauften Dingen.

Glück liegt in schönen Sätzen: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele, fragt Jesus. Da hat er recht. Glück liegt im ersten Atemzug mit Luft, die nach Frühling riecht. Da kann ich mich gar nicht sattatmen. Glück liegt darin, wenn ich sagen kann: ich habe genug, ich brauche nicht mehr.

Im aktuellen Weltglücksbericht der UNO schafft es Deutschland aktuell auf Platz sechzehn. Immerhin. Gar nicht schlecht. Auch ein Grund zum glücklich sein. Vielleicht würden wir es sogar noch weiter nach oben schaffen. Ich habe den Eindruck: da geht noch was! Auch wenn beim Bruttoinlandsprodukt derzeit nicht so viel geht und die Weltwirtschaftslage schwierig ist. Wir können ja investieren in Großzügigkeit. Als nachhaltige Kapitalanlage unseren Mitmenschen vertrauensvoller begegnen. Die Lebensentscheidungen der anderen und diese unglaubliche Vielfalt respektieren. Im Handumdrehen würden wir ein ganzes Land glücklich machen. Und uns selber noch dazu.

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Heute ist Josefstag. Ein Tag zur Erinnerung an Josef. Diese Aufmerksamkeit kann Josef zur Abwechslung einmal gut tun. Denn in der Regel wird Josef nur mitgenannt: Mann von Maria, Vater von Jesus. Das ist eine blöde Situation, wenn man nur beachtet wird, weil man zu jemand anderem dazugehört. Und wenn dann einmal etwas über dich geschrieben wird, geht es eigentlich um jemand anders. Mann von, Sohn von – das willst du doch nicht geschenkt. Du willst doch als du selbst ernst genommen werden. Um deiner selbst willen beachtet und geachtet. Fehlt nur noch, dass man nur deshalb mit dir redet, um an deine berühmte Frau oder deinen berühmten Sohn heranzukommen.

Dabei kann man gerade an Josef lernen, wie interessant und abenteuerlich jedes Leben ist. Zum Beispiel, wie er die hochschwangere Maria sicher und wohlbehalten quer durch halb Israel nach Bethlehem gebracht hat.

Zum Beispiel, wie er seine Familie schnell vor Mord und Totschlag ins Ausland nach Ägypten in Sicherheit gebracht hat. Zum Beispiel, dass Gott in Träumen zu ihm sprach. Und Josef verstand, was Gott ihm sagen wollte.

Zum Beispiel, dass er ein guter Handwerker war. Mit Holz und Steinen umgehen konnte und Häuser baute. Damals zur Zeit des Josef waren die Gewerke, wie wir sagen würden, noch in einer Hand. Wer baute, musste alles können: planen, mauern, schreinern, zimmern. Das muss Josef sehr gut gemacht haben. Denn ein Mal, wenigstens ein einziges Mal war er nicht der „Vater von“, sondern da war es umgekehrt: die Leute nennen Jesus den Sohn vom Zimmermann.

Josefstag. Sozusagen ein Tag für alle Angehörigen berühmter Menschen. Wir werden daran erinnert, auch auf die zu schauen, die nicht berühmt sind. Ihr Leben zählt. Ihre Leistung zählt. Sie sollen nicht vergessen gehen und nicht im Schatten stehen. Heute nicht. Heute ist ihr Tag.

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„Von Landau bis Bingen am Rhein gibt es nur noch einen einzigen rechtmäßigen Souverän: das freie Volk.“ Da können wir alle nicken und sagen: so ist das, ja. Eine Selbstverständlichkeit. Nichts Neues unter der Sonne. Doch das war einmal ganz anders. Kurfürsten, Grafen, Patrizier bestimmten hierzulande. Und alle anderen hatten zu kuschen.

Das würden sie vielleicht noch heute tun. Wenn nicht vor 226 Jahren die gewählten Vertreter des Volkes von Landau bis Bingen zusammengekommen wären. In Mainz im Deutschhaus, da, wo noch heute der Landtag diskutiert und Gesetze verabschiedet. Damals sagten die Volksvertreter: die Gesetze müssen für alle gelten. Die Gesetze gründen auf Freiheit und Gleichheit. Wieder so eine Selbstverständlichkeit. Ist doch klar, wie könnte es anders sein.

Aber damals, vor 226 Jahren, da sollte das in Deutschland zum ersten Mal Gesetz werden. In Mainz, unserer Landeshauptstadt, gründeten Männer die erste Republik auf deutschem Boden.  Allerdings: Frauen, so weit war man damals noch nicht, durften noch nicht mitentscheiden. Also noch viel Luft nach oben beim ersten Versuch,  Demokratie zu üben. Aber darauf kam es an: überhaupt einen Schritt zu machen. Demokratie zu wagen. Demokratie immer wieder zu üben. Denn nur was ich einübe, kann ich auch ausüben.

Mich erinnert diese alte Geschichte vom ersten Parlament auf deutschem Boden daran, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist. Man muss sie wollen und sich dafür einsetzen. Sonst wird es nichts. Demokratie muss verteidigt und gepflegt werden.

Für die Demokratie mit ihren auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Gesetzen ist damals wie heute Luft nach oben. Darum: Von Landau bis Bingen am Rhein und auch andernorts können wir, das freie Volk, der einzige rechtmäßige Souverän, alle etwas für die Demokratie tun: üben, üben, üben.

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