Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Leben in Fülle… Alles haben, was man zum Leben braucht. Sich keine Sorgen machen müssen. Wäre das nicht schön? Ist das nur ein Traum? Oder kann es das wirklich geben?

Eine Freundin hat mir eine wunderbare Erfahrung über Fülle erzählt: Das Pilze sammeln. Wenn es Herbst wird, dann geht sie mit einem Korb in den Wald. Sie kennt sich gut aus, weiß welche essbar sind und welche nicht, und sie weiß auch wo sie stehen. Nach und nach füllt sich ihr Korb mit köstlichen Steinpilzen, Maronen, Ziegenlippen, Krauser Glucke. Wenn der Korb voll ist, kehrt sie um. Doch auf dem Rückweg findet sie noch weitere Pilze, die sie vorher übersehen hat. Jetzt muss sie die Jacke zum Traggefäß umfunktionieren. Sie hält den Saum vor dem Bauch hoch und sammelt weiter – und muss trotzdem ganz viele schweren Herzens stehen lassen. Aber es gibt ja noch andere Pilzsammler.

Zu Hause kippt sie dann alles auf dem großen Tisch aus. Weil sie das alles gar nicht bewältigen kann, ruft sie ein paar Leute an, dass sie sich Pilze abholen kommen können. Einen guten Teil bereitet sie zum Trocknen vor – und aus dem Rest wird ein schönes Pilzgericht in der Pfanne zubereitet.

Sie hat mir erzählt: Ich habe für die Pilze nicht gearbeitet – sie wachsen von selbst, in Hülle und Fülle. Ich muss sie nicht bezahlen und kann sie mit anderen teilen. – Was für ein Geschenk!! Dabei haben ihre Augen gestrahlt und wir haben beide gelacht.

Ich habe daraus gelernt: Bei Fülle geht es nicht um Preise, Kosten, Leistung und Verdienen. Fülle bedeutet: Ich kann mich beschenken lassen, denn es ist mehr da, als ich brauche. Fülle verleiht mir Lebenskraft und -freude. Fülle ist ein Geschenk von Gott, denn ich kann sie nicht selbst machen.

Jesus hat gesagt: wer sich an mir orientiert, der wird Leben in Fülle haben. Fülle, die Gott schenkt. Das Einzige was wir brauchen, sind leere Hände. Und die Bereitschaft, sich beschenken zu lassen.

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