Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP


Jesus hat die Menschen ermahnt, auf die Zeichen der Zeit zu achten. Er sagte einmal:
„Wenn der Himmel abends rot ist, sagt ihr: Morgen wird es schön sein.
Wenn der Himmel morgens rot ist, sagt ihr: Es wird regnen.
Die Zeichen des Himmels könnt ihr deuten. Warum dann nicht die Zeichen dieser Zeit? Es wird nur ein Zeichen gegeben werden: Das Zeichen des Jona.“

Was ist das Zeichen des Jona? Jona ist ein Prophet aus dem AT. Eines Tages spricht Gott zu ihm: Jona soll in die Stadt Ninive gehen und den Menschen dort den Untergang verkünden. Denn die sind so gleichgültig und boshaft. Jona erkennt sofort: Das ist ein sehr unangenehmer Auftrag. Und er beschließt, mit dem Schiff abzuhauen, übers Meer, weit weg von Gott... Die Sache geht aber ziemlich daneben:

Mitten auf dem Meer wird Jona über Bord geworfen. Und er sinkt tiefer und tiefer... und droht zu ertrinken. – Da schickt Gott einen großen Fisch, der Jona verschlingt. Er überlebt, aber es ist entsetzlich eng und finster.

Aber das Erstaunliche ist: plötzlich fängt Jona an zu singen. Denn miteinemmal fühlt er sich seltsam geborgen. Denn er spürt:

Mitten in der Finsternis ist Gott. Am Tiefpunkt, am absoluten Nullpunkt geschieht eine Wandlung:
Da geht Jona auf, wer Gott wirklich ist.

Und nach drei Tagen wird er ins Leben zurückgeworfen. Und diesmal redet er in Ninive. Und Jona redet so, dass die Menschen von Ninive hinhören. Und ihm glauben. Und sie werden reumütig und ändern sich. Und wie Gott das sieht, tut es ihm leid um Ninive – um all die Menschen und die Tiere. Und er führt seine Drohung nicht aus.

Jesus hat die Menschen ermahnt, auf die Zeichen der Zeit zu achten. Es ist eine Mahnung an uns alle, hinzuhören und zu reagieren, um das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen. 

 

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„Wer da hat, dem wird gegeben“, steht in der Bibel. (Mt 13,12) Und manchmal kann man dabei zusehen, wie sich das bewahrheitet:

Ich verbringe ein Wochenende mit vier Freundinnen in Berlin. Wir schauen uns die Stadt an und lassen uns so treiben, da kommen wir an einer jungen Frau vorbei. Sie steht am Rande, unter einem Baum und hält ein kleines Schild hoch: „Free hugs“ steht darauf; kostenlose Umarmungen.

Sie bietet Nähe an. Sie steht wohl schon eine ganze Weile so rum, mit ihrem Schild. Und sie wäre mir gar nicht groß aufgefallen. Aber eine aus meiner Gruppe hat sie entdeckt; und sie läuft direkt auf sie zu und umarmt sie.

Was dann geschieht, ist einfach zu köstlich:
Die junge Frau fährt erschrocken zusammen. Offenbar hat sie geträumt und schon ganz vergessen, was sie da nach oben hält... „Free hugs“, erklärt ihr meine Freundin und weist auf das Schild.

Da bricht die junge Frau lachend zusammen und kann sich gar nicht mehr einkriegen. Und uns geht es genauso: wir stehen um sie herum und krümmen uns vor Lachen. Am Ende gehen wir alle zu der Frau hin und umarmen sie.

Und merkwürdig: es ist ein ganz schönes Gefühl. – So richtig Gänsehaut. Wie ein kleiner Segen, in aller Beiläufigkeit...

Eigentlich mag ich das gar nicht: so eine körperliche Nähe zu Fremden. Aber diese Fremde habe ich mit Freuden umarmt. Vielleicht, weil man sich gar nicht mehr fremd ist, wenn man so sehr miteinander lacht. Da entsteht unwillkürlich eine Beziehung, mag sie auch noch so flüchtig sein.

Aber das Schönste ist: Sie, die ja eigentlich anderen Umarmungen angeboten hat, hat am Ende selber ganz viele Umarmungen bekommen.

Und sicher wird sie noch manches Mal daran zurückdenken, wenn sie mit ihrem Schild wartet, um anderen etwas zu geben. Denn auf einmal ist sie selbst die Beschenkte gewesen...  - „Wer da hat, dem wird gegeben.“  

 

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„Gottlos glücklich“, das ist das das Motto einer Gruppe, die gegen den Kirchentag demonstriert. Und das steht auch in großen Lettern auf ihren T-shirts: „Gottlos glücklich.“ Von hinten wie von vorne.

Um sie herum stehen auch ein paar provokante Pappmasche-Figuren. Zum Beispiel ein Luther, der mit dem Ausdruck großer Boshaftigkeit seinen dicken nackten Bauch aus dem weit geöffneten Umhang herausstreckt, so dass alle Welt ihn in seiner ganzen Pracht bewundern kann. Darunter ist zu lesen: „Luther - der Anstifter zum Judenmord.“ Und so in dem Stil sind auch die anderen Figuren.

Bei mir erreichen die Provokateure direkt, was sie wollen: Ich werde zornig über so viel krude Halbwahrheiten. Und ich würde mich am liebsten direkt in eine hitzige Diskussion werfen.

Aber dann sehe ich mich um und beobachte die anderen Kirchentagsbesucher. Die bleiben ruhig und laufen in fröhlichem Gleichmut an der Gruppe vorbei.  Und das holt mich wieder runter.

Denn sie haben ja Recht: Genau so sollte die Antwort auf eine Provokation aussehen: Nicht dem erstbesten Impuls folgen und mit Empörung reagieren. Denn dann verhält man sich oft genauso, wie die Leute, über die man sich aufregt.

Stattdessen den Andersdenkenden mit Gelassenheit begegnen. Diese Leute nehmen schließlich auch nur ihr Recht in Anspruch, ihre Meinung zu äußern. Und die muss mir nicht gefallen.

Ob sie wirklich gottlos glücklich sind? – Schwer zu sagen. Nur dass sie gottlos sind, das wage ich zu bezweifeln. Denn Gott loszuwerden, das liegt nicht in unserer Macht. Ob nun glücklich oder unglücklich. Daran glaube ich fest.

 

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