Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Immer im Sommer denke ich an Franka. Denn im Sommer ist Frankas Geburtstag. Das waren schöne Feste: Mit Butterkuchen unterm Sonnenschirm. Mit langen Gesprächen zum erstem Wein. Wenn ich daran zurückdenke blühen Klatschmohn und Kornblumen und immer scheint die Sonne. Und ich denke auch an die Träume, die wir miteinander geteilt haben. Wir wollten die Welt retten und Spaß haben; nach Berlin ziehen und gemeinsam studieren.

All das hat sich nicht erfüllt. Nach der Schulzeit haben wir uns aus den Augen verloren. Vielleicht hat es auch einen Streit gegeben, aber worum der ging, das weiß ich nicht mehr. Seit Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Und trotzdem: Immer im Sommer denke ich an sie. Das Hohelied in der Bibel ist ein Liebeslied. Aber ich finde: Was darin steht, das trifft auch auf Freundschaften zu. Zum Beispiel steht da: Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen!“ So habe ich das damals empfunden. Unter all den Mädchen hat Franka herausgestochen. Die Seelenfreundin, der ich alles erzählen konnte. Mit ihr konnte ich lachen und weinen. Wer so einen Schatz gefunden hat, sollte ihn nicht leichtfertig aufgeben. Denn im Leben lernt man schnell: oft gibt es mehr Dornen als Lilien. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die so jemanden wie Franka im Leben hat. Einen Menschen, der einem einmal ganz nah gewesen ist. Einen Menschen, der trotz der langen Zeit irgendwie fehlt im Leben. Natürlich ist seit damals viel Zeit vergangen. Ganz bestimmt habe ich mich verändert. Und auch Franka ist sicher nicht mehr die Abiturientin mit Baskenmütze und losem Mundwerk. Vielleicht haben wir uns nichts mehr zu sagen. Aber vielleicht eben doch. Ich werde versuchen Ihre Adresse herauszufinden. Und vielleicht gibt es im nächsten Jahr einen neuen Geburtstag – diesmal gemeinsam unterm Sonnenschirm. Freundschaft ist wertvoll – mit und ohne Butterkuchen.

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„Ich habe gar nicht gewusst, dass Kirche auch Spaß machen darf!“ Meine Freundin zwinkert mir zu und  schwärmt beim Abschied: „Was für ein wunderschöner Abend. Die Stimmung war so schön. Tolle Musik, leckeres Essen. Ich hoffe das machen wir bald wieder!“ 

Sie lacht und verabschiedet sich. Wir waren auf dem Gemeindefest gewesen. Und ich denke: da ist es wieder – das alte Problem. Meine Freundin ist getauft, und zahlt auch Kirchensteuer. Wegen all der sozialen Sachen, die die Kirche macht. Aber sie hat mit Kirche nicht viel am Hut. Die haben mir einfach nichts zu sagen, sagt sie. Da zieht mich nichts hin, in die Gemeinde. Und Sonntag früh möchte ich auch mal ausschlafen und mit meiner Familie frühstücken.

Ich kann sie gut verstehen. Sie arbeitet die ganze Woche, genau wie ihr Mann. Von Montag bis Freitag müssen alle funktionieren. Und da genießt sie jeden Moment, der nicht durchgetaktet ist. Ich habe sie trotzdem zum Gemeindefest eingeladen. Bei uns beginnt das abends im Kirchgarten. Unter Kastanienbäumen. Eine Band tritt auf. Aber so, dass man sich noch unterhalten kann. Es wird gegrillt. Alle essen und trinken miteinander. Für die Kinder gibt es spät noch openair kino und die Eltern sitzen zusammen und erzählen. Ja, Kirche darf auch Spaß machen. Sie soll es sogar. Immer wieder heißt es in der Bibel: Gott ist da, wo Freude ist. Wo Menschen einander begegnen und eine gute Zeit erleben.  Wo sie merken, hier ist es schön. Und hier kann ich sein – mit allem was ich so mitbringe.

Der Kirchenrebell und Autor Erik Flügge empfiehlt der Kirche daher: Erfindet Euch neu! Sucht nach neuen Wegen, um den Menschen von Gott zu erzählen. Und lasst Sie spüren, dass Kirche Spaß machen darf. Ein Ort ist an dem Leben gelingen kann. Miteinander nämlich. Im Teilen von Freude und Kummer. Er hat Recht, finde ich. 

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