Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Dieses Jahr werd ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Assisi reisen. Das ist der Ort in Italien, aus dem der heilige Franz stammt. Assisi liegt ganz idyllisch in Umbrien, das ist die italienische Region zwischen Florenz und Rom. Ich freu mich sehr auf die Tage dort. Zum einen auf die Landschaft, die Ruhe, das Essen. Aber ich freu mich auch sehr darauf, an den Ort zu kommen, an dem Franz von Assisi gelebt und gewirkt hat. Er ist einer meiner Lieblingsheiligen. Schon als Jugendliche hat er mich begeistert: Da war einer, der als junger Mensch aus seinem bisherigen Leben ausgestiegen ist, seinem Vater hat er die edlen Klamotten vor die Füße geworfen. Dann hat er sich um die Armen gekümmert und die reiche Kirche kritisiert. Und er hat Loblieder auf die Schöpfung Gottes gesungen hat. „Laudato si“, was haben wir dieses Lied mit dem Text von Franz von Assisi als Jugendliche geschmettert. 

Und dann kam vor vier Jahren sogar ein Papst, der sich nach diesem Franz von Assisi benannt hat, Papst Franziskus. Er kümmert sich, wie dieser Heilige, besonders um die Armen. Für Flüchtlinge setzt er sich ein und für die Menschen in den Ländern, die von der herrschenden Wirtschaft und dem Klimawandel bedroht sind. Eines seiner Schreiben hat Papst Franziskus „Laudato si“ genannt, wie das Lied des heiligen Franz von Assisi. Und es geht darin auch um die Schöpfung, die so schön ist, aber eben auch so bedroht. Ich finde es großartig, dass dadurch der heilige Franz von Assisi neu in den Blick kommt. Seine beiden großen Themen: die Armen und die Schöpfung, sie bekommen durch Papst Franziskus noch stärkeres Gewicht. 

Ich hab mir vorgenommen: Ich werde dieses päpstliche Schreiben „Laudato si“ mitnehmen auf meine Reise nach Assisi und es noch mal intensiv lesen. Und ich will dort am Heimatort des Franz von Assisi auch darüber nachdenken, wie ich seine großen Botschaften noch besser in die Tat umsetzen kann: Liebe die Armen! Und liebe die Schöpfung!

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Er ist ein Heiliger, um den sich der Westen und der Osten über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gestritten haben: der heilige Markus. Heute ist sein Gedenktag – und zwar in der römisch-katholischen Kirche genauso wie in der koptischen Kirche von Ägypten. Der Markusdom in Venedig ist nach dem Heiligen benannt – aber genauso die koptische St. Markus-Kathedrale in Alexandria in Ägypten. Der koptisch-orthodoxe Papst hat dort seinen Sitz. Der heilige Markus soll der Gründer und erste Patriarch des koptischen Christentums gewesen sein. Seine Gebeine lagen ursprünglich auch in Alexandria – bis sie im 9. Jahrhundert von italienischen Seeleuten gestohlen und nach Venedig gebracht wurden. Nur sein Haupt blieb in Alexandria und wird dort bis heute verehrt. 

Viel Streit also um den heiligen Markus – aber in den letzten Jahrzehnten gab es auch einiges Versöhnliches: 1968 hat der katholische Papst Teile der Reliquien aus Venedig an den koptischen Papst zurückgegeben, als ökumenisches Zeichen. Johannes Paul II. hat im Jahr 2000 als erster westlicher Papst Ägypten besucht. Diese Woche nun will Papst Franziskus nach Ägypten reisen. Und dabei geht es nicht nur um Versöhnliches zwischen der westlichen und östlichen Christenheit, sondern auch: um Versöhnung und Frieden zwischen den Religionen. Der Kreis wird größer: Der römische Papst will seinen koptischen Kollegen sprechen, aber er will sich auch mit dem muslimischen Großimam treffen. Beide, der römische Papst und der ägyptische Großimam, wollen dann an einer internationalen Friedenskonferenz an der Kairoer Al-Azhar-Universität teilnehmen. 

Ganz ungefährlich ist der Besuch nicht: Immerhin hat es in den letzten Wochen und Jahren immer wieder Anschläge auf christliche Kirchen gegeben in Ägypten. Aber umso wichtiger ist es zu zeigen: Vertreter unterschiedlicher Religionen und Konfessionen sollen sich nicht gegenseitig bekriegen, nicht bestehlen und töten. Sondern einander zuhören und voneinander lernen. Heute, am Gedenktag des heiligen Markus, will ich darum beten, dass Versöhnung und Frieden immer weiter wachsen. Zwischen christlichen Gläubigen und auch zwischen Christen und Muslimen.

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Heute geht für viele Menschen in Rheinland-Pfalz der Alltag wieder los. Die Osterferien sind rum, viele Osterurlaube auch. Und was bleibt von Ostern? Von den freien Tagen und auch von dem Fest, das da begangen wurde? Für mich bleibt vor allem eins: das Staunen. Das Staunen darüber, wie sich doch immer wieder das Leben durchsetzt, gegen allen Tod. Ostern ist ja christlich gesehen genau diese Botschaft: Das Leben besiegt den Tod. Und dieses Jahr, find ich, hat das man in der Natur ganz besonders gut erleben können. In den letzten Jahren war es ja an Ostern manchmal noch richtig kalt und kahl. Aber diesmal: Da hat sich alles grün und blühend gezeigt. Bei den Spaziergängen im Freien kam ich aus dem Staunen und Schwärmen gar nicht mehr raus: All diese neuen, frischen Blätter. Dieses leuchtende Grün. Und dazu all die Blüten, das Weiß, das Rosa und Gelb.
Eigentlich weiß man ja nach ein paar Jahrzehnten Lebenszeit: So sieht der Frühling eben aus. Und trotzdem war ich wieder so beeindruckt davon. Hab so gestaunt. Kaum zu glauben, wie nach all dem Winter und den kahlen Zeiten das Leben so explodiert! Und kaum zu glauben ist natürlich auch diese Ostergeschichte: Dass da einer aus dem Grab wieder auferweckt sein soll. Dass Tote wieder lebendig werden. Aber dieser Frühling an Ostern, der lässt es mich riechen und sehen und ahnen: Ja, das geht. Es ist möglich. Das Leben setzt sich durch.

 

Ich möcht mir dieses Staunen noch ein Weilchen bewahren. Auch, wenn im Alltag weniger Zeit dafür bleibt, weil wieder Stress und Routine aufkommen. Und auch, weil ich mich an das Grün an den Bäumen langsam wieder gewöhne.  Aber diese Erfahrung von Ostern, die will ich mir ab und zu in Erinnerung rufen: Wow, wie herrlich lebendig sieht das alles aus, wie unglaublich, dass das Leben zurückkehrt! Und vielleicht wird es ja ab und zu auch in diesen Wochen nach Ostern noch solche Momente geben. In denen ich denke: Wow, das Leben ist stärker als der Tod!

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