Alle Beiträge

Die Texte unserer Sendungen in den SWR-Programmen können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.

Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2

    

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

22APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Es ist Montag und der hat ja bei manchen ein schlechtes Image. Außer vielleicht bei Friseurinnen und Friseuren. Die haben frei. Was aber auch nicht mehr für alle stimmt.

Jana mag Montage. Sie ist Busfahrerin, ihre Tour geht montags morgens um 6.20 Uhr los. Sie findet, der Montag verdient mehr Aufmerksamkeit als die anderen Tage. „Guten Montag“, sagt sie deshalb statt, „guten Morgen“. Manche, die einsteigen, verziehen das Gesicht. Sie denken wahrscheinlich daran, wie lang es noch bis zum nächsten Wochenende dauert.

Ängstlich gucken diejenigen, denen in dieser Woche schweres bevorsteht. Montags, wenn die Woche anbricht, wirkt es so als würde die ganze Last der Woche auf einmal anstehen. „Guten Montag!“, ruft Jana deshalb nicht mit einem Grinsen, sondern ganz neutral. Jana weiß, dass Montage auch schwer sein können.

Sie mag die Schulkinder, vor allem die Kleinen, die sich montags immer am allermeisten zu erzählen haben.

Jana mag auch den Mann mit der Mütze. Er fährt nur manchmal montags mit. „Guten Montag“, sagt sie während er seine Karte rauskramt. Und er schaut hoch, als sei sie seit Freitag der erste Mensch, der mit ihm spricht. Vielleicht ist’s ja auch so. Für manche ist der Montag ein Segen. Sie alle sitzen montags so zusammen im Bus.

Vor langer Zeit haben Menschen aufgeschrieben, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat. Irgendwann musste es angefangen haben mit der Welt. Und mit Gott. Vielleicht hatte der erste Tag damals auch schon so ein schlechtes Image. Weil wir Menschen immer ein bisschen Angst haben, wie wir alles schaffen sollen.

In der Bibel geht am ersten Tag alles mit zwei Wörtern los: Es werde.
Zwei Wörter, die der Startschuss sind für ein ganzes Gewusel an Stimmen, Ihre, meine, eben alle Stimmen. Stimmen, die sich austauschen, als hätten sie sich eine Ewigkeit nicht gesehen. Zwei Wörter, die das Chaos am Anfang der Welt ordnen. Und am Anfang der Woche wohl auch.

„Guten Montag!“, sagt Jana, die Busfahrerin. Und nimmt dem Montag ein bisschen von seinem schlechten Image. Was zwei Wörter alles können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39727
weiterlesen...
20APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mitten in der vielfältigen Kirchenkrise ermutigt mich, wie Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern umgeht. Er ruft seine zwölf engsten Freunde zusammen und sagt ihnen: Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!

Hier mutet Jesus seinen Anhängern eine Menge zu – Kranke heilen, sogar Tote auferwecken. Wunderbare Heilungen waren zur Zeit Jesu nicht so außergewöhnlich wie sie uns heute erscheinen. Sie waren jedoch einzelnen Wundertätern vorbehalten. Jesus aber beauftragt gleich eine ganze Jüngerschar. Und er mutet ihnen das nicht nur zu, er traut es ihnen auch zu. Er verleiht ihnen dazu seine Vollmacht. Er hütet seine Sendung und Vollmacht nicht ängstlich wie ein Magier sein Geheimwissen oder ein Zauberkünstler seine Tricks. Sondern er gibt sie weiter an seine Jünger. Er beteiligt sie aktiv an seinem großen Heilswerk. Das ist überraschend, wenn nicht ein Wunder. Und ein weiteres Wunder ist: Die Jünger machen mit. Sie sind Fischer, Steuereinnehmer und anderes, aber keine Mediziner oder Wunderheiler. Keiner sagt, tut mir leid, wie man mit Netzen und Steuern umgeht, das weiß ich, aber für’s Medizinerhandwerk habe ich zwei linke Hände. Sie vertrauen auf Jesus, auf die ihnen verliehene Kraft – und legen los. Und später wird Jesus noch viel mehr Menschen aus seiner Anhängerschaft beauftragen und so seinem Werk Breite und Wirkung verleihen.

So schickt Jesus voller Vertrauen seine Leute los: Er mutet ihnen etwas zu, aber er traut es ihnen auch zu. Er gibt ihnen reichlich von seinem eigenen Vermögen, seiner eigenen Vollmacht. Und er grübelt nicht, ob die Frauen und Männer wohl genug wissen und können, um dem Auftrag gerecht zu werden.

Ich finde das ungeheuer ermutigend für jede und jeden, die heute versuchen, an dem Werk Jesu mitzuarbeiten. Aller Schuld, allem Zweifel, allem Versagen zum Trotz dürfen Christinnen und Christen auf diesen Auftrag vertrauen. Weil Jesus es ihnen zutraut.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39695
weiterlesen...
19APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Worte können verletzen, ja regelrecht vernichten. Anfeindungen und Drohungen in den sozialen Netzwerken, Kränkungen und Beleidigungen perlen nicht einfach ab. Sie machen Angst und verwunden. Ehrenamtliche geben ihr Engagement auf, Kommunalpolitiker ihr Amt, weil sie den Shitstorm, die Anfeindungen gegen sich und ihre Familien nicht mehr ertragen. Dabei hat die Anonymität eine besondere Bedeutung: Sie erleichtert hinterhältige Gemeinheiten und erschwert die Gegenwehr.

Das Problem ist nicht neu, es existiert nicht erst mit dem Internet. Die Bibel ist voller Klagen über Verleumdung, Spott und üble Nachrede. Zunge und Mund, aus denen die verletzenden Worte kommen, werden als scharfes Messer, als Schwert und spitze Pfeile bezeichnet, die schlimmstenfalls töten können. Kein Wunder, dass viele Beter sich an Gott wenden und um Schutz bitten vor übler Nachrede und Beschimpfung.

Die Bibel schaut aber auch auf die Spötter, Lügner und Verleumder und was ihre hasserfüllten Reden mit ihnen selbst anstellen. Wer hasst, schadet nicht nur seinem Opfer, er verdirbt sich selbst, bringt sich selbst in Schwierigkeiten. Denn Hass ist wie ein seelischer Krebs, er verzehrt den Hassenden von innen, bringt ihn um gute Tage und verdunkelt sein Leben. Ganz anders, wer sich von Verleumdung und Lüge fernhält. Den vergleicht die Bibel mit einem lebendigen Baum, der ans Wasser gepflanzt keinen Mangel leidet, sondern Blätter treibt und Früchte bringt. Einfach mal den Mund halten und Ärger oder Wut nicht in die Tasten hacken – dann geht es einem vielleicht selbst besser.

Das hilft aber nicht denen, für die Hassreden im Netz ein Weg sind, sich selbst aufzuwerten, sich wichtig zu machen. Denn durch Schweigen und Selbstbeherrschung fällt man im Netz nicht auf. Hier macht die Bibel einen anderen Vorschlag: Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen, verschaffe dem Bedürftigen und Armen sein Recht. Auch mit dem Einsatz für andere kann ich mir Gewicht verschaffen und Bedeutung – ohne dass es mich innerlich zerfrisst.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39694
weiterlesen...
18APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich höre und lese es immer wieder: Die jungen Leute wollen nicht mehr so viel arbeiten. Sie wollen nicht mehr all ihre Kraft und Energie in Beruf und Karriere stecken. Sie wollen mehr Zeit für sich, für Familie und wichtige Dinge außerhalb der Erwerbsarbeit. Die junge Generation sei nicht bereit, den erreichten Wohlstand kraftvoll zu sichern, sich etwas abzuverlangen. Bequemlichkeit, mangelnde Einsatzbereitschaft werden unterstellt.

In krassem Gegensatz dazu steht eine Aktion, die heute beginnt: Heute startet die 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugend in Deutschland. „Uns schickt der Himmel“ heißt ihr Motto. In nur 72 Stunden stellen bis zu 100.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene komplette Projekte auf die Beine. Das kann ein Mehrgenerationenfrühstück für 1000 Menschen sein. Oder der Aufbau von Klettergerüsten in einer Kita. Oder die Anlage eines Nutzgartens auf einem Abenteuerspielplatz und eines Volleyballfeldes bei einer Unterkunft für Geflüchtete. Noch viele hundert andere soziale und ökologische, politische und religiöse Projekte gehören dazu. Die jungen Leute wollen ihrem Glauben Hand und Fuß geben, so sagen sie. Und sie wollen die Welt ein Stück besser machen. Das soll konkret und sichtbar geschehen. Dafür hängen sie sich 72 Stunden rein, bringen vollen Einsatz. Ohne materiellen Vorteil oder Gewinn. Vielmehr aus Glauben, sozialer Verantwortung und Einsatzbereitschaft.

Diese Aktion gehört auch zum Bild der jungen Leute von heute. Möglicherweise ist diese Generation gar nicht bequemer oder weniger einsatzbereit. Sie setzt nur andere Akzente. Statt des persönlichen Fortkommens in Beruf und Karriere ist ihnen vielleicht wichtiger, dass die Welt ein Stück besser wird. Dafür müssen sie dann auch Zeit haben neben Familie und Beruf. Und zugleich zeigen die Kinder und Jugendlichen: Man kann wirklich etwas ändern, schon in 72 Stunden. Das macht Mut. Zum einen denen, die sich um die junge Generation sorgen. Und zum anderen allen, die sich auch eine bessere Welt wünschen. Die Jungen machen‘s vor.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39693
weiterlesen...
17APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Caritas bei uns in der Eifel macht mit beim Aktionstag Schichtwechsel. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen lädt dazu ein.

Mir gefällt das prima, ich hatte in der Zeitung darüber gelesen.

Menschen aus der Caritas-Werkstatt St. Raphael in Mayen tauschen ihren Arbeitsplatz für einen Tag mit Menschen aus dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt.

In seinem normalen Alltag in der Werkstatt verpackt Michael zum Beispiel Heizrohrhalter für die Industrie. Die kleinen blauen Klemmen braucht man, um die Rohre von Fußbodenheizungen zu fixieren. Für manchen wäre es eintönig, diese kleinen Klemmen auf Rohre zu spannen und in 20ger Päckchen zu verpacken, aber Michael und seinen Kollegen gefällt grade die Ruhe in der Werkstatt und dass die Arbeit nicht schwierig ist – und mir gefällt, dass es bestimmte Arbeiten gibt, die die Maschinen nicht erledigen können. Einfache Arbeiten, die aber gemacht werden müssen und so sind die Kollegen in den Werkstätten genau so nützlich für unser Leben wie der Oberbürgermeister auf seinem Chefsessel.

Mit dem hat nämlich Michael einen Vormittag den Platz getauscht.

Und da hat es ihm auch gefallen: der Schreibtisch war aufgeräumt, er durfte ans Telefon gehen und mehrmals eine Unterschrift leisten. Dann führten die Leute aus der Verwaltung Michael durch das Haus und zeigten ihm die Büros und die Sitzungsräume. Er wäre gern länger dort geblieben, aber zum Mittagessen sollte er wieder an seinem eigenen Arbeitsplatz sein.

Der Oberbürgermeister hatte in der Zwischenzeit die Arbeit von Michael erledigt und hat auch einiges dazugelernt.

Die beiden trafen sich beim Mittagessen in der Kantine von der Werkstatt. Die Mitarbeiter essen da, aber auch die sogenannten Fremdesser, wie die Gäste genannt werden.

Die helfen manchmal, wenn jemand sein Schnitzel nicht durchschneiden kann.

Es ist schön zu erleben, wie aus den Fremdessern Vertraute werden.

Ein Vormittag in den Schuhen eines anderen Menschen macht aus Fremden Bekannte, und vielleicht mehr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39710
weiterlesen...
16APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Warum gibt es Schutzhäuser für Frauen und ihre Kinder? Weil es Gewalt gibt in engen Beziehungen, Gewalt von Männern gegen Frauen und Kinder.

Ehe jetzt jemand denkt: Frauen schlagen auch: ja, ungefähr 10 % der Betroffenen von häuslicher Gewalt sind Männer, allerdings 90 % Frauen und Kinder.

Und es kommt in allen Familien vor, egal, ob Ärzte oder Arbeitslose, Journalisten oder Handwerker, Migranten oder Deutsche.

Wenn die Frau die Gewalt in ihrem Leben nicht mehr ertragen kann, kann sie sich an die Polizei wenden oder an eine Hilfsorganisation und kann dann mit ihren Kindern in ein Schutzhaus gehen.

Ich wurde gefragt, ob ich eine Familie aus einem kleinen Dorf mit dem Auto in ein Schutzhaus fahren würde.

Die Familie kommt aus Syrien, lebt aber schon länger hier, die beiden Töchter, 6 und 8 Jahre alt, gehen in die Grundschule. Als ich fragte, wie lange sie schon in Deutschland seien, meinte die 6-jährige Dima: eine Woche. Ja, was eine Woche ist, kann sie nicht einschätzen, aber beide Kinder sprechen gut Deutsch, nur die Mama nicht. Die Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle hatte erklärt: Die mit dem grünen Auto, die kommt zu euch. Also fanden alle schnell Vertrauen. Im Auto erklärte die 8-Jährige, manchmal werde der Papa böse und die Mama hätte Angst, dass er sie tot macht. Deshalb würden sie wegfahren.

Das darf der Papa nicht, der Mama und euch so Angst machen, sagte ich. Sie hatte morgens in der Schule gelernt, in Englisch bis zehn zu zählen. Das machte sie ein paar mal. Dann sagte sie: der Papa soll der Mama nicht weh tun.

Nein, das darf er nicht, deshalb fahren wir jetzt weg.

Sie lächelte zufrieden: sind wir bald da?

Es ist schlimm genug, wenn Erwachsenen Gewalt angetan wird. Aber bei Kindern finde ich es unerträglich. Wie brauchen da viel mehr Aufmerksamkeit und auch Geld, damit Staat und Kirche ihre Schutzhäuser offenhalten können. Die Familien brauchen einen friedlichen Ort, um zur Ruhe zu kommen und sich neu zu orientieren.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39709
weiterlesen...
15APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Treppauf – treppab. Wenn ich zuhause aus dem 1. Stock nach unten gehe, nehme ich Kaffeebecher mit runter oder Milch oder meine Wanderschuhe. Und unten auf der Treppe liegen die Sachen, die nach oben müssen: Einkäufe, der Wäschekorb, damit sie beim nächsten Gang treppauf mitgenommen werden. Ich hatte also oben alte Zeitungen in der rechten Hand und mein Handy in der linken. Da ich Linkshänderin bin, ist die Linke meine Haupthand und ich warf das Handy in den Papierkorb und legte die Zeitungen auf den Tisch. Umgekehrt wäre besser gewesen.

Ich betrachtete das Handy im Papierkorb. Wie wichtig ist mir dieses Teil.

Wenn ich nachts wachliege, kann ich was lesen. Es ist mein Wecker. Ich führe da meinen Terminkalender, tausche Mails und andere Nachrichten, schau mir in den sozialen Netzwerken irgendwelche Belanglosnachrichten an.  Ich erfreue mich an Fotos der Zwillinge meiner Nichte und auf Wanderungen knipse ich schöne Aussichten, teile sie mit meinen Freunden und schreib noch dazu, wie viele Schritte es waren. Und die Bewegungsapp lobt mich, dass ich mein Ziel erreicht habe, dann freue ich mich.

Noch wichtiger ist mir die Brille, ohne die bin ich völlig aufgeschmissen. Dann kommt in der Wichtigkeit die EC-Karte, damit ich nicht ohne Geld dastehe. Aber dann schon das Handy.

Meine Schwester hat früher in der Familie gern Umfragen gemacht, so zum Beispiel:

was sind die 3 wichtigsten Dinge in deinem Leben.

Da war bei mir immer die Brille auf Platz eins und das Handy kam nicht vor.

Heute bin ich ziemlich abhängig davon, mehr, als mir eigentlich recht ist.

Als ich mein Gerätchen mal verloren glaubte und meiner Schwester mein Leid klagte, sagte sie mitleidlos: kannst du noch atmen?

Ja, konnte ich.

Lebensnotwendig ist die Luft zum Atmen.

Wasser und etwas zu essen.

Ein Dach über dem Kopf.

Familie und Freunde.

Ich glaub, das wars.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39708
weiterlesen...
13APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Als ich zehn Jahre alt war, habe ich einen Zauberwürfel geschenkt bekommen. Kennen Sie bestimmt. Ein Würfel mit farbigen Seiten in Rot, Orange, Blau, Grün, Gelb und Weiß. Die Würfelseiten sind in neun kleinere Würfel unterteilt. Und die kann man gegeneinander verschieben und verdrehen. Wenn der Würfel ganz verdreht und durcheinander ist, dann muss man ihn wieder richtig hinbekommen – sodass jede Seite nur eine Farbe hat. Das ist gar nicht so einfach. Als Kind hat mich der Würfel fasziniert, aber ich habe es nicht geschafft, diese Knobelaufgabe zu lösen.

Vor kurzem habe ich mir wieder einen Zauberwürfel gekauft. Das wollte irgendwie mein Kind im Manne so. Ich wollte es noch mal wissen. Aber ich gebe zu, dass ich mir diesmal Hilfe geholt haben. Es gibt nämlich Anleitungen, die erklären, wie man ganz grundsätzlich den Zauberwürfel lösen kann. Die genauen Lösungswege sind dann immer noch verschieden. Trotzdem hat mir die grundsätzliche Anleitung geholfen und ich habe es diesmal geschafft. Das war ein gutes Gefühl.

„Weise mir, Gott, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit“, steht in Psalm 86. Den Zauberwürfel habe ich natürlich nicht mit Gottes Hilfe gelöst, sondern mit der Anleitung eines erfahrenen Zauberwürfellösers.

Gott gibt ganz andere Anleitung – nämlich: wie wir gut zusammenleben können. Die bekannteste Gottesanleitung heißt Nächstenliebe. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wie ich das genau mache, ist von Mal zu Mal so verschieden wie das Lösen des Zauberwürfels. Nächstenliebe ist auch nicht immer so einfach. Aber die Anleitung funktioniert. Vor allem, das Ergebnis befriedigt am Ende nicht nur mich selbst, sondern es tut meinem Nächsten gut. Und darum sollten sich von dieser Knobelaufgabe immer wieder alle herausfordern lassen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39647
weiterlesen...
12APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich gehe gerne ins Museum. Denn ich lasse mich gerne von Kunst zum Nachdenken herausfordern. Am liebsten von Malerei. Zum Beispiel der von William Turner. Vor ein paar Wochen habe ich eine Ausstellung mit Bildern von ihm besucht. Turner war Engländer und hat vor etwa zweihundert Jahren gelebt. Zeit seines Lebens ist er viel gereist:  England, Wales, Schottland, Italien, Frankreich, Deutschland. Immer hatte er sein Skizzenbuch und Farben dabei, um zu zeichnen, was er gesehen hat. Von seinen Skizzen hat er zu Hause dann große Ölbilder gemalt. Turner wurde in seiner Zeit geliebt und gehasst, weil er nicht immer so malte, wie man es erwartet hat.

In der Ausstellung waren links die Bilder aufgehängt, die Turner für die Öffentlichkeit gemalt hat. Rechts, die er selbst behalten wollte. Und die haben mich besonders angesprochen. Denn je älter Turner wurde, umso abstrakter hat er gemalt.

Eines der Bilder hat einen Blick in den Alpen gezeigt. Die Berggipfel konnte man nicht genau erkennen. Alles hatte Turner in hellem Gelb und Rot gemalt. Ganz viel Weiß war in dem Bild. Dunstig und durchflutet von Licht konnte ich Gipfel und Tal und ganz viel Sonne erahnen.

„Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt“, hat der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief geschrieben. Daran habe ich denken müssen, als ich Turners Bild angeschaut habe.

Denn es gibt so Vieles, das ich nicht erkennen kann – von der Welt, von Gott, von den andern. Es gibt viel mehr als das, was ich sehe – wie in dem Bild von William Turner. Ich gucke es mir an und erkenne nichts Konkretes. Es gibt aber ganz viel Licht, das aus dem Bild leuchtet. Darum spüre ich mehr, als ich erkenne. Ich muss nur lange genug hinschauen und dem Moment etwas Zeit geben. Und ich werde entdecken. Und darum lasse ich mich gerne von der Kunst herausfordern.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39646
weiterlesen...
11APR2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute vor siebzig Jahren, am 11. April 1954 war der langweiligste Tag im zwanzigsten Jahrhundert. Das hat ein britischer Computerwissenschaftler herausgefunden. Er hat eine Suchmaschine konstruiert und sie mit dreihundert Millionen Fakten und Ereignissen des letzten Jahrhunderts gefüttert. Und dann kam raus: am 11. April 1954 ist in der Weltgeschichte nichts Erhebliches passiert.

Jetzt widersprechen hoffentlich alle, die heute vor siebzig Jahren geboren wurden. Denn natürlich wurden auch an diesem Tag Kinder geboren, und das war mindestens für Kind und Eltern alles andere als langweilig. Und: An diesem Tag sind auch Menschen gestorben. Ein einschneidendes Ereignis. Und zwischen Geburt und Tod eines Menschen ist auch sonst ganz viel passiert. Die große Liebe gefunden. Vom Schicksal getroffen. Unvergessliches erlebt. Das waren vielleicht keine Ereignisse für die große Weltbühne. Aber es war etwas für das persönliche Leben. Und es war nicht langweilig.

„Die Himmel erzählen von der Schönheit Gottes. Vom Tun seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sprudelt dem anderen Worte zu. Eine Nacht gibt der anderen Nacht Wissen weiter.“ So heißt es in Psalm Neunzehn.

Wer manche Tage langweilig nennt, der übersieht leicht, dass jeder Tag etwas zu erzählen hat. Persönliche Ereignisse. Erlebnisse. Nichts Langweiliges. Und selbst wenn: Ich persönlich finde ja sowieso: Langeweile ist gar nichts Schlechtes. Sie führt mich zu mir selbst und zu anderen. Denn sie macht mich frei, dass ich mich mehr auf andere einlasse. Weil ich nicht abgelenkt bin. Vielleicht entdecke ich an den angeblich langweiligen Tagen auch viel besser die Schönheit am Himmel und die Spuren von Gott.

So gesehen, hat die Suchmaschine ausgerechnet, dass am 11. April 1954 die Chancen am größten waren, ohne Ablenkung das Leben zu betrachten und zu bewundern. Mal schauen, was heute so geschieht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39645
weiterlesen...