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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

17AUG2022
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Begegnung ist alles! Alles, was wir erleben, ist von den Menschen geprägt, die wir unterwegs treffen. Und das kann ganz außergewöhnlich sein. Zum Beispiel, wenn wir mit dem Zug unterwegs sind. Ich bin in Hannover eingestiegen in den ICE. Neben meinem reservierten Platz saß ein Mann.

Freundlich hat er „HELLO!“ gesagt. Er hatte schwarze Haut, ich weiße. Ich habe Platz genommen und schon ging die Reise los. Er hat geschlafen, ich habe gelesen. In Göttingen ist er plötzlich aufgewacht und hat: „Hello again!“ gesagt. Wir haben uns angelacht  und ich habe mich wieder in meine Kirchendokumente vertieft. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, dass mein Nachbar jetzt  längst nicht mehr am Schlafen, sondern am Mitlesen ist. So wie man verschmitzt jemandem in die Karten schaut, so hat er neugierig abgekuckt, was ich da lese. Plötzlich hat er gefragt: „You are a Christian?“

Sind Sie ein Christ? Ich habe sofort freiwillig ein Geständnis abgelegt und „Yes, I am!“ gesagt. Da war es, als sei dieser junge Mann erst jetzt zum Leben erwacht, so präsent, so hellwach, so unglaublich strahlend hat er angefangen zu erzählen von seiner  Heimat, von seiner Arbeit in der Botschaft seines Landes hier bei uns. Und davon, dass viel Gutes durch die Hilfe von Christen bei ihm zuhause entstanden sei.  Schulen, Krankenhäusern, Infrastruktur. In einer Mischung aus Englisch, Deutsch und Suaheli  haben wir bestimmt nur die Hälfte voneinander verstanden, aber es hat gereicht, um uns miteinander zu freuen. In Frankfurt  ist er dann ausgestiegen. Wir haben uns verabschiedet. Er hat mich gesegnet und ich  ihn. Was für eine mitreisende Begegnung!

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16AUG2022
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Begegnung ist alles! Alles hängt davon ab, ob und wie wir aufeinander zugehen. Das fängt schon mit den Nachbarn an. Erstrecht, wenn die neu sind. Wir sind nämlich gerade dabei umzuziehen.

Meine Frau und ich brechen noch einmal auf in ein unbekanntes Land. Das ist spannend. Neue Begegnungen, neue Nachbarn! Der Verkäufer unseres Hauses hatte dazu eine ganz gute Idee.

Er hat uns  zu einem Treffen vor Ort eingeladen und ist dann mit uns die ganze Straße entlang von Haus zu Haus gegangen. Selber ortsbekannt und mit den Leuten seit Jahr und Tag vertraut, hat er sich nicht gescheut die Leute aus den Häusern zu klingeln. Die haben nicht schlecht gestaunt.

Manche waren etwas unsicher. Denen habe ich dann immer ganz schnell gesagt, dass wir nichts verkaufen wollen und schon waren sie ganz entspannt. „Ich will Euch Eure neuen Nachbarn vorstellen!“ Mit diesem Schlüsselsatz wurden wir dann an jeder Haustür präsentiert.

Und schon haben die Gesichter geleuchtet, wurden wir mit einem Lächeln willkommen geheißen, mitunter herein gebeten. Und so standen wir dann eine Weile auf der  Schwelle oder im Treppenhaus, haben uns freundlich ausgetauscht und sind dann wieder ein Häuschen weitergezogen.

Den ganzen Vormittag sind wir so auf ganz schöne Weise „hausieren gegangen“. Und schon war das Eis gebrochen, der Faden geknüpft,  die Verbindung hergestellt. Das ist auf den ersten Blick gar keine so große Sache gewesen, unser Verkäufer wird dafür wahrscheinlich auch nicht den Friedensnobelpreis bekommen, aber verdient hätte er ihn schon. Die Bibel sagt nämlich ganz deutlich: „So viel an Euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden!“ Und darum war für uns dieser Ortstermin so wertvoll. Begegnung ist alles! Mit  neuen Nachbarn kann  man das üben. Nachbarn haben doch alle. Und genau da fängt der Friede an.

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15AUG2022
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Begegnung ist alles. Mit anderen Menschen zusammen unterwegs zu sein, das macht unser Leben reich. Vor allem, wenn es Freunde fürs Leben sind. Das sind in der Regel nicht viele. Ich kann sie an einer Hand abzählen. Aber sie sind mir immer wertvoller, je älter ich geworden bin. Wir kennen uns zum Teil seit unserer Schulzeit oder seit Beginn des Studiums. Mit Unterbrechungen sind wir all die Jahre in Kontakt geblieben. Per Fernwärme oft, aber nie getrennt oder fremd.

Man muss sich gar nicht öfters sehen. Ein, zweimal im Jahr kann da schon reichen. Und bei jedem Wiedersehen ist es erneut wundersam leicht, gar nicht so gefährlich, aber ehrlich, offen, vertraut, heiter und nachdenklich. Und niemand muss sich erklären, sagen wer er oder sie ist, woher wir kommen, was uns bis hierher gebracht hat. Wir können einfach anknüpfen, weiter hören und sagen, was uns am Herzen liegt, so als wären wir nur kurz unterbrochen worden.  Nahtlos kommt zusammen, was zusammen gehört. Und je länger unser Leben dauert, umso unersetzlicher  sind diese Kontakte. Mich hat es immer schon beeindruckt, wie wenig Leute Jesus um sich schart, wenn es ernst wird. Für die Höhen und Tiefen seines Lebens braucht er nur wenige Vertraute bei sich. Ob auf dem Berg der Verklärung bei einem Erlebnis himmlischen Vergnügens oder im Garten der Angst bei den Ölbäumen von Gethsemane. Es sind immer nur eine Hand voll, nur die engsten vertrauten Weggefährten, die er braucht, um Glück und Unglück zu teilen.

Achten wir also sorgsam auf diese Herzensmenschen, denen wir nichts erklären müssen, die wie von selbst verstehen und uns aushalten, begleiten  und brauchen für sich. Und das Schöne daran ist, dass Jesus einmal versprochen hat, dass immer dann, wenn sich 2 oder 3 so liebevoll begegnen, er gerne mit dabei sein will.

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