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SWR3 Gedanken
Ich liebe Regenbögen. Wenn ich sie am Himmel entdecke, aber auch sonst. Ich habe Regenbogensocken, Regenbogenarmbänder, Regenbogenschnürsenkel, einen Regenbogen auf dem Rucksack, am Briefkasten, im Vorgarten und auf T-Shirts. Für mich stehen Regenbögen für Gottes unendliche Liebe und Treue zu seinen Menschen.
In der Bibel wird von einem Regenbogen erzählt. Eigentlich wollte Gott die Menschheit vernichten. Er ließ es regnen, bis alles Land überschwemmt war. Gott war entsetzt, wie böse die Menschen waren. Wieviel Schlimmes sie einander angetan haben. Gott hat aber doch nicht alle vernichtet. Einige hat er gerettet. Menschen und Tiere. Weil er die Menschen eben doch liebt. Und als Zeichen, dass er nie wieder alle Menschen vernichten wird, hat er einen Regenbogen an den Himmel gesetzt. Solange der Regenbogen erscheint, verspricht Gott, soll es immer wieder Frost und Hitze geben, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Bis heute ist das so. Das Jahr nimmt immer wieder seinen gewohnten Gang und immer wieder steht ein Regenbogen am Himmel.
Der Regenbogen ist DAS Zeichen dafür, dass Gott uns Menschen liebt. Obwohl wir nicht besser sind als die Menschen damals. Dabei hätten wir seitdem viel lernen können. Besonders auch in der Kirche. Wenn Gott alle Menschen liebt, dann dürfen wir Gottes Segen und seine Liebe auch allen Menschen weitergeben.
Auch dafür steht für mich der Regenbogen. Dass Gottes Liebe für uns alle gilt. Ganz gleich wer wir sind, wie wir sind und wen wir lieben.
Deshalb trage ich gerne meine Regenbogensachen. Damit Menschen aufmerksam werden. Auf Gottes Liebe und seine Treue. Zu allen Menschen.
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Eine Kollegin an meiner Schule ist schon länger krank. Ich vermisse sie. Weil ich sie mag. Aber natürlich auch ganz praktisch. Weil sie fehlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man schnell vergessen wird, wenn man eine Weile nicht da ist. Irgendeiner übernimmt die Aufgaben und der Alltag geht weiter.
„Jede und jeder ist ersetzbar.“ Das sagt man so leicht dahin. Aber mir selbst hat das schon öfter weh getan, dass ich tatsächlich ersetzt worden bin. Wenn ich vorher das Gefühl hatte, dass ich wichtig bin und wertgeschätzt werde und sich am Ende doch keiner für mich interessiert.
Deshalb ist es mir wichtig, dass das bei meiner Kollegin anders ist. Dass sie weiß, dass wir sie nicht vergessen. Dass sie fehlt. Dass manches vielleicht ersetzt werden kann. Aber sie selbst eben nicht. Ich versuche ihr das zu sagen und auch zu zeigen. Und deshalb hat mich besonders gefreut, dass es den Schülern geht wie mir. Viele Unterrichtsstunden, die meine kranke Kollegin nun nicht halten kann, werden von anderen Kollegen übernommen. Manche Stunden müssen ausfallen. Und die Schüler freuen sich natürlich auch, wenn sie frei haben. Aber sie vergessen meine Kollegin nicht. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir ihr das zeigen können und von den Schülern kam die Idee, dass wir ihr eine Karte und ein kleines Geschenk schicken. Süßigkeiten, ein Buch und etwas, das sie an uns erinnert. Gemeinsam haben wir das vorbereitet und ihr geschickt.
Wir hoffen, dass unser Gruß ihr gefällt und gut tut. Sie soll wissen, dass sie uns fehlt, dass sie aber alle Zeit hat, um gesund zu werden.
Für mich zeigt das auch etwas von Gottes Liebe. Gott lässt keinen im Stich, jeder und jede ist ihm wichtig. Das versuche ich auch meiner Kollegin zu zeigen.
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Zum Holocaustgedenktag im Januar hat Tova Friedman eine Rede im Bundestag gehalten. Diese Rede hat mich tief berührt und immer wieder muss ich an sie und ihre Worte denken. Tova Friedman hat den Holocaust überlebt. Sie ist Jüdin. Deshalb kam sie als Kind mit 5 Jahren ins KZ Auschwitz. Sie sagt über sich selbst, dass sie das Kind ist, vor dem Hitler Angst hatte. Er wollte alle Jüdinnen und Juden töten. Keiner sollte überleben, damit keiner erzählen kann, was für eine Bestie Adolf Hitler war, und was für ein beispielloses Verbrechen er an Jüdinnen und Juden und so vielen anderen Menschen begangen hat. Aber Tova Friedman hat überlebt. Und sie hat sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Sie erzählt heute von dem, was sie damals erlebt hat. Vor allem, um andere Menschen zu warnen, damit so etwas nicht wieder passiert.
Und heute hat sie Angst, dass Ähnliches doch wieder passiert. Weil Hass gegen Jüdinnen und Juden wieder ganz offen gezeigt wird. Sie werden auf der Straße bepöbelt, bespuckt und verprügelt. In New York, Paris und auch bei uns in Deutschland.
Mich hat die Rede von Tova Friedman beeindruckt. Sie sagt, „dass diese Seuche, dass diese Epidemie des Hasses, dieser Antisemitismus sehr, sehr ernst genommen werden muss. Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität, sondern bedeutet Zustimmung.“
Ich habe mir deshalb vorgenommen, dass ich aufstehen will gegen den Hass. Gegen Hass jeglicher Art: Weil Neutralität angesichts des Hasses nicht möglich ist. In keiner Religion und auch sonst nicht.
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Meine Mutter spielt in einem Sinfonieorchester und das schon seit 32 Jahren. Sie spielt in der Zweiten Geige. Jedes Jahr gibt es zwei Konzerte, bei denen sie mitspielt und ich versuche, wenn möglich, dabei zu sein.
Mich fasziniert es, wie viele Menschen da zusammenspielen und wie wundervoll das sein kann. Wie schön es klingen kann, wenn so viele Musikerinnen und Musiker mit ganz unterschiedlichen Instrumenten zusammenspielen. Ein halbes Jahr lang wird jede Woche geprobt und am Ende steht das Konzert.
Geleitet wird das Orchester von einer Dirigentin. Aber ohne die Musikerinnen und Musiker könnte die Dirigentin nichts machen. Und umgekehrt: wenn die Musikerinnen und Musiker nicht auf die Dirigentin hören würden, dann würde niemand ein Konzert besuchen. Es wäre furchtbar. Es würden zwar alle Noten gespielt, die auf dem Papier stehen, aber es würde nicht schön klingen. Man könnte die Musik nicht genießen. Weil es eben einen gemeinsamen Takt braucht und die Bereitschaft, aufeinander zu hören, achtsam zu sein und Respekt aufzubringen für jedes einzelne Instrument und seinen Spieler. In einem so großen Orchester läuft nicht immer alles reibungslos. Es gibt Unstimmigkeiten und so manchen schrägen und schiefen Ton. Zwischen den Instrumenten und zwischen den Menschen.
Ich denke, dass es in unserem Zusammenleben genau so ist, wie in so einem großen Orchester. Wir können nur harmonisch miteinander leben, wenn wir aufeinander hören und aufeinander achten. Dann kann das Leben sein wie eine wunderschöne Sinfonie. Mit manchen schiefen Tönen. Aber alles in allem wunderschön.
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Die Holocaustüberlebende Tova Friedmann hat im Bundestag eine Rede gehalten. In ihrer Rede erinnert sie an die 6 Millionen getöteten Juden und hat einen wichtigen Appell an die deutsche Gesellschaft:
„Die jüngere Generation ist nicht verantwortlich für das abscheuliche und grauenhafte Verhalten Ihrer Vorfahren in Treblinka, Auschwitz-Birkenau, Majdanek, Bergen-Belsen, Dachau und anderen Konzentrationslagern der Nazis. Aber Sie – insbesondere diejenigen, die politische Verantwortung tragen – sind verantwortlich für die Welt, die sie jetzt gestalten, für Ihre eigene Zukunft und die Ihrer Kinder. Und das bedeutet, diese Seuche, diese Epidemie des Hasses, diesen Antisemitismus sehr ernst zu nehmen. Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität – sie bedeutet Zustimmung. (…)
Möge die Erinnerung zur Verantwortung führen.
Möge die Verantwortung zum Handeln führen.
Und möge das Handeln dafür sorgen, dass „Nie wieder“ nicht nur eine Parole ist, sondern eine bleibende Verpflichtung.“
Tova Friedmann in ihrer Rede im Bundestag am 27.02.2026: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw05-gedenkstunde-rede-friedman-1139878, abgerufen am 28.01.2026.
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Die Pfarrerin Josephine Teske hat einen Segen geschrieben für alle, die weitermachen. In ihrem Leben weitermachen, obwohl es gerade nicht sehr hoffnungsvoll zugeht. Einen Segen für alle, die weitermachen wollen:
„Gottes Segen sei in dir, damit deine Schultern leicht werden. Erinnere dich: Die Last der Welt liegt nicht allein auf dir! Leuchten soll er in dir, der Segen, damit du Hoffnung in der Zukunft siehst, Freude dein Handeln bestimmt – und nicht Perfektion. Vertrauen wünsche ich dir: Die Zukunft kann wunderschön werden! Habe keine Angst.“
Josephine Teske, Unsere Résistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
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Die iranisch-stämmige Ärztin Dr Shabnam Fahimi-Weber setzt sich von Essen aus für die Menschen im Iran ein. Sie bietet Online-Sprechstunden an für verletzte Demonstranten, die sich nicht trauen ins Krankenhaus zu gehen, weil sie dort den Tod fürchten. Sie erzählt über die Situation im Iran:
„Im Iran ist der jetzige Protest sogar noch größer als der nach dem Tod von Mahsa Amini. Und: Er erfasst wie ein Lauffeuer alle Schichten und Geschlechter. Alle leiden unter der Situation, jeden trifft es, wenn wochenlang die Geschäfte schließen. Die Menschen sprechen jetzt von Revolution. Obwohl die Behörden mit größter Brutalität vorgehen, demonstrieren die Iraner und Iranerinnen weiter gegen die Unterdrückung. Viele bringen sich in Lebensgefahr, aber sie sagen: „Die kriegen uns nicht alle tot
Dr. Shabnam Fahimi-Weber, in: Christina Wandt: So hilft eine Essener Ärztin im Iran, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 10.01.2026: https://parsimed.org/so-hilft-eine-essener-aerztin-im-iran/ abgerufen am 28.01.2026.
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Résistance. So heißt ein Buch von Pfarrerin Josephine Teske. Darin hat sie Gebete und Segen gesammelt, die sie selbst geschrieben hat. Und sie schreibt über ihren Glauben: Über das, was sie in schweren Zeiten trägt. Und woran wir Menschen uns immer festhalten können – weil wir es schon immer bei uns haben:
„Unsere Résistance. Entgegen allem Weltgeschehen halten wir an Hoffnung und Schönheit fest: Im Staunen, im Alltag, im Schweren, im Übergang, im Trotzdem, im Miteinander und im Immerdar. Wir geben nicht auf, weder in unserem eigenen kleinen großen Leben noch in der weiten Welt – daran zu glauben, dass es sich lohnt, ein weites Herz zu haben.”
Josephine Teske, Unsere Résistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
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Manchmal ist es unerträglich, was in unserer Welt geschieht. Auch für Pfarrerin Josephine Teske. Alles Leid, das geschieht – und die vielen bösen Worte, die die Menschen auseinandertreibt. Josephine Teske macht das hilflos und traurig, und dann betet sie zu Gott:
„Ich trage eine Traurigkeit, die nicht nur mir gehört. Sie sickert aus den Straßen, aus den Kriegen, aus dem Schweigen. Wo bist du, Gott, wenn alles schmerzt? Hilf mir, nicht hart zu werden und nicht blind. Lehre mich fühlen – ohne zu zerbrechen. Zeig mir das Kleine, das noch heilt: ein Lächeln, ein Baum, ein Händedruck. Gib mir Mut, trotz allem gut zu bleiben. Und Hoffnung, die nicht naiv ist, sondern standhält.“
Josephine Teske, Unsere Résistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
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Manchmal fehlen mir die Menschen, die schon gestorben sind, so sehr. Da tut mir dieses Gebet von Josephine Teske gut. Sie ist Pfarrerin, postet ihre Texte für ihre Follower auf Instagram, und erreicht auch mich, wenn sie schreibt:
„Ich wünsche mir einen Platz im Himmel. Bei dir, mein Gott, an deinem Tisch. Dir will ich all das erzählen, was war und wie es gewesen ist. Ich glaube, du wirst mir sagen: Das wei0 ich doch alles längst, aber erzähl mehr. Ich höre so gern von dir! Dann möchte ich mit all den anderen, die vor mir gegangen sind, lachen, bis sich die Balken biegen. Ich will sie in die Arme schließen. Und endlich heil sein“
Josephine Teske, Unsere Résistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
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