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18SEP2026
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Da feiert jemand runden Geburtstag. Es gibt ein großes Fest mit Freunden und der Familie. Irgendwann steht ein Gast auf und trägt ein Gedicht für das Geburtstagskind vor. Und dann stimmen ein paar Freunde noch ein selbstgedichtetes Lied an.

Vor noch nicht allzu langer Zeit war das oft ziemlich peinlich. Aber auch ziemlich lustig, weil die Reime nicht richtig aufgingen oder der Gesangstext überhaupt nicht zur Melodie passte. Heute läuft das anders ab: die Reime sind glatt, harmonisch, elegant und der Gesangstext passt rhythmisch perfekt zum Lied. Dank künstlicher Intelligenz!

Mich macht das traurig. Denn es ging bei solchen Anlässen ja nie darum, perfekt zu sein. Es ging nie um den perfekten Reim. Sondern darum, dass sich jemand Zeit nimmt, sich mit dem Geburtstagskind zu beschäftigen. Das Lied oder das Gedicht brachten das dann zum Ausdruck. Außerdem schimmerten durch die Lieder oft die Eigenheiten durch. Tante Frieda dichtete eher wortkarg und kurzatmig, während Onkel Paul ganz lange Sätze bildete und überhaupt nicht zum Schluss kam. Das fehlt mir.

So hilfreich KI auch sein kann – so nervig finde ich an ihr, dass sie so tut, als könnte sie alles besser. Kann sie aber nicht. Sie nimmt sich keine Zeit für andere. Sie hat keine Eigenheiten, weil sie kein Mensch ist. Sie freut sich auch nicht über einen gelungenen Reim. Nein, früher war nicht alles besser. Aber mir fehlen inzwischen die Auftritte mit den schrulligen, verrückten, komischen und völlig unperfekten Beiträgen.

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17SEP2026
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Neulich war ich mit meinem achtjährigen Sohn im Schwimmbad. Es war einer dieser ultraheißen Tage, das Schwimmbad proppenvoll. Schon auf dem Hinweg machte mir mein Sohn klar, dass er heute vom Dreier springen würde. Er ist bis dahin noch nicht mal vom Einser gesprungen.

Als wir dort waren, traf er einen Freund aus seiner Fußballmannschaft. Beide sprachen sich Mut zu und stellten sich in die lange Schlange vor dem Sprungturm. Ich stellte mich an den Rand des Beckens und wartete. Dann war es soweit. Zögernd trat mein Sohn nach vorne an den Rand des Brettes und schaute nach unten. Ich sah ihm an, dass er sofort wieder umkehren wollte. Mehrere Sekunden stand er da. Blickte nach unten und zu mir. Dann fasste er sich ein Herz und sprang.

Diese wenigen Sekunden, die er allein oben auf dem Brett verbrachte, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Weil ich in diesem Moment nachfühlen konnte, wie er sich gerade fühlte. Und wie er sich dann entschloss, seinen ganzen achtjährigen Mut zusammenzunehmen und zu springen. Wären wir alleine gewesen, wäre er nicht gesprungen, da bin ich mir sicher. Aber es standen so viele andere dabei, dass ihm fast keine Wahl blieb.

Sein Mut, den er gezeigt hatte, trug ihn durch die folgenden Tage. Er hatte es geschafft, seine inneren Ängste innerhalb von ganz kurzer Zeit in Stärke und Selbstvertrauen zu verwandeln. Ich habe mich daraufhin selbst gefragt, wo ich in meinem Leben zögere oder ängstlich bin, obwohl ein Sprung mir guttun würde. Dabei sagt mir doch mein Glaube: Traue dich und fürchte dich nicht. Er sagt mir auch: habe Mut zu springen – hab Vertrauen, denn da ist jemand, der dich sicher auffängt.

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16SEP2026
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Ich kenne die ältere Dame seit über zwanzig Jahren. Wir sind gute Freunde, haben viel miteinander unternommen. Wir haben geredet und gelacht, und einfach viel Zeit miteinander verbracht. Vor kurzem habe ich sie im Seniorenheim besucht. Sie ist jetzt Ende 80.

Die Frau ist in sehr kurzer Zeit dement geworden. Früher war klar: Wir kennen uns. Jetzt weiß sie meinen Namen nicht mehr. Aber bei unserer Begegnung hat sie mich angeschaut und gelacht. Ihr Lachen war genau dasselbe wie früher. Sie hat sich gefreut und mich einfach liebevoll umarmt. So wie damals.

Als wir in der kleinen Kapelle im Heim waren, hat sie die alten Kirchenlieder mitgesungen. Die Melodien waren noch da und auch der Text. „Das ist schon erstaunlich“, habe ich da gedacht. „Da ist so vieles vergessen. Namen, Geschichten, gemeinsame Erlebnisse. Aber die alten Lieder sind noch da. Und ihr Lachen. Und ihre Freude, wenn wir uns sehen.“

Ich habe dadurch etwas verstanden, was ich vorher so nicht gesehen habe: Dass eine Begegnung nicht weniger wertvoll ist, nur weil der andere sie etwas später schon vergessen hat. Oft habe ich gedacht: Es muss doch schlimm sein, wenn jemand sich nicht mehr an Menschen und schöne Erlebnisse erinnern kann. Aber bei unserer Begegnung habe ich gespürt: Es kann trotzdem schön sein. Jetzt. In diesem Moment. Sie muss nicht wissen, wie ich heiße. Sie muss nicht wissen, was wir alles zusammen gemacht haben. Der Augenblick jetzt ist wichtig.

Es zählt allein der Moment. Und vielleicht ist das bei all meinen Begegnungen mit Menschen überhaupt das, was wirklich zählt.

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15SEP2026
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Heute ist der internationale Tag der Demokratie. Demokratie – für mich klingt das erstmal nach Politik. Nach Parlamenten, Wahlen und endlosen Debatten. Die Vereinten Nationen haben den Gedenktag 2007 ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für Demokratie zu fördern. Aber Demokratie beginnt viel früher als erst in der Politik. Sie beginnt beim ganz normalen Miteinander.

Ich habe das kürzlich bei einer Sitzung erlebt. Auf der Tagesordnung gab es nicht nur Punkte, über die wir diskutieren und dann entscheiden sollten. Es gab auch den Punkt „Freie Aussprache“: Jeder konnte einfach mal sagen, was er denkt und was ihn so bewegt. Da hat ein junger Mann davon erzählt, dass seine Arbeit für die Gemeinde im Grunde gar nicht richtig wahrgenommen wird von denjenigen, die verantwortlich sind. Weil sie nur schauen, wie viel seine Projekte kosten und nicht, wie vielen Menschen er damit hilft. Er hat angefangen zu weinen, als er das erzählt hat. Alle, die dabei waren, waren erstmal betroffen. In dem Moment ist es aber nicht darum gegangen, ob das nun richtig oder falsch war. Da ist es nur darum gegangen, dass dieser junge Mann sich mit seiner Arbeit, die er geleistet hat, von uns nicht wahrgenommen fühlte. Und dass er sich einfach mal Luft machen konnte, sich wirklich mal „frei aussprechen“ konnte.

Dass ich den anderen Menschen wahrnehme, als der, der er ist. Und dass der andere sich aussprechen kann, ohne ausgelacht oder runtergemacht zu werden. Das heißt für mich auch Demokratie! Und genau da kommt für mich der christliche Gedanke ins Spiel. Bei Jesus konnten sich die Menschen ganz frei aussprechen. Er hat ihnen zugehört. Er hat sie angeschaut. Hat ihnen im wahrsten Sinn „Ansehen“ gegeben. Wenn auch das ein wichtiger Teil von Demokratie ist, jedem zuzuhören, Menschen wahrzunehmen, sie einfach zu Wort kommen zu lassen, dann wäre Jesus sicher ein Demokrat gewesen.

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14SEP2026
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Kreuzerhöhung. Ein etwas sperriger Begriff für ein Fest, das die Kirche heute feiert. Es erinnert daran, dass vor rund 1700 Jahren das echte Kreuz Jesu wiedergefunden worden sein soll.

Vor kurzem habe ich im Gottesdienst eine ganz eigene Erfahrung mit dem Kreuz gemacht: Da hatte jemand mitten auf den Altar im Seniorenheim ein großes schwarzes Kreuz gestellt. Die Balken des Kreuzes waren aus flach gehämmertem Metall, der Fuß schwer wie Blei.

Ich habe in die Runde der Gottesdienstbesucher geschaut und gefragt, ob jemand weiß, woher das seltsame Kreuz stammt. Eine Frau hat offenbar nur auf meine Frage gewartet: „Dieses Kreuz habe ich heute mitgebracht. Es ist von meinem Großvater aus dem ersten Weltkrieg. Ein Freund von ihm hat es aus der Munition gemacht, die damals verwendet worden ist. Ein paar Kugeln hat er auch noch unten am Sockel eingearbeitet.“ Als ich dann genauer auf das Kreuz geschaut habe, habe ich die Jahreszahl erkannt: 1916. Es war also mitten im ersten Weltkrieg entstanden.

Das Kreuz aus Kriegsmunition erzählt davon, wie viele Menschen Leid durch Krieg erfahren haben. Es macht mir aber auch bewusst, dass auch heute noch so viele Menschen unter Kriegen leiden müssen. Und dieses Kreuz lässt diese Menschen da sein, macht sie gegenwärtig, wenn ich bete.

Die Munition, aus der das Kreuz gemacht worden ist, kann keine Menschen mehr töten. Sie ist zu einem Zeichen geworden, das Menschen verbindet. Und das mir sagt, dass Gott trotz allem neues Leben und Hoffnung schenkt. So wie damals bei Jesus. Das Kreuz steht jetzt bei jedem Gottesdienst auf unserm Altar.

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12SEP2026
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In der Zeitung lese ich die Schlagzeile „Ein bisschen Trost muss sein“[1].

Trost. Dieses Wort verbinde ich vor allem mit Kindertagen. Wenn ich mir als Kind das Knie aufgeschlagen habe, dann hat meine Mutter eine besondere Salbe rausgeholt und sie mir ganz sacht auf die Wunde gestrichen. Trost, das riecht für mich wie diese Salbe aus Kindertagen. Trost fühlt sich an wie die Hand meiner Mutter, die mir anschließend ein Pflaster auf die Wunde klebt. Als Kind dachte ich, irgendwann bin ich da rausgewachsen und brauche Trost nicht mehr. Wenn ich erwachsen bin.

Inzwischen weiß ich es besser. Trost, das braucht meine Kollegin Anne, deren Freund sehr krank ist. Trost, das braucht mein Bekannter Thomas, weil er seinen Arbeitsplatz verloren hat. Ja, auch Erwachsene brauchen Trost, nicht nur für die ganz großen Verluste – auch für das Kleine: den misslungenen Tag gestern zum Beispiel, an dem alles in die Hose gegangen ist, obwohl ich mich so angestrengt habe.

Ja, ich brauche auch Trost, immer wieder, immer noch. Keinen billigen Trost und kein vertröstet werden, das bitte nicht.

Nur, was tröstet wirklich? Was bringt echten Trost?
Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“[2]

Da erinnere ich mich an meine Mutter, an die Salbe und das Pflaster für mein Knie als ich klein war.

Ich denke daran, wie sie mir die Hand auf den Arm gelegt hat, wenn ich krank war. Daran, wie sie sich zu mir gesetzt und zugehört hat, wenn ich Kummer hatte.

Vielleicht ist es das, was tröstet: dass jemand kommt, wenn ich ihn brauche. Dass jemand bleibt. Dass ich nicht alleine bin mit dem, was weh tut. Manchmal braucht es dann gar nicht viele Worte. Eine Hand auf dem Arm. Jemanden, der zuhört. Jemanden, der einfach da ist.

Ich merke:  Einfach da sein und dabei bleiben, wenn es jemandem gut tut – das ist das Herzstück von Trost. Von echtem Trost.

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[1] Moritz Hackl, „Ein bisschen Trost muss sein“, in: DIE ZEIT, 13. August 2026, S.16.

[2] Aus Jesaja 66,13 (Übersetzung der BasisBibel).

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11SEP2026
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Meine Freundin Gabriele hat mir einen Schal gestrickt. Ein echtes Einzelstück ist das, nichts von der Stange: Aus weichem Garn ist dieser Schal, mit feinem Lochmuster, federleicht. Und er ist pink , eine meiner absoluten Lieblingsfarben. So einen Schal, den gibt es nicht noch einmal. Denn er ist handgemacht, mit viel Liebe. Und das macht ihn so besonders. Deshalb ziehe ich ihn so gerne an.

Ich kann das nicht, so einen Schal stricken. Aber andere Einzelstücke, die kann ich machen – in meinem Berufsalltag als Pfarrerin. Denn da gibt es wenig von der Stange. Stattdessen: Einzelstücke, handgemacht – immer wieder. Das mag ich so an meinem Beruf. So vieles in meiner Arbeit als Pfarrerin sind echte Einzelanfertigungen. Weil jeder Mensch einzigartig ist, ein Unikat, von Gott geschaffen und geliebt.

Da ist zum Beispiel Martha. Sie ist Seniorin und gerade in die Kirche eingetreten. Sie sagt zu  mir: „Eigentlich möchte ich gern konfirmiert werden – ginge das? Und könnten wir uns davor zusammensetzen und über Kirche und Glauben sprechen - ein bisschen wie Konfi-Unterricht, aber eben in meinem Alter?“ So etwas hat mich vorher noch niemand gefragt.

Jetzt braucht’s ein Einzelstück. Handgemacht, mit Liebe. Weil Martha einzigartig ist, ein Unikat, von Gott geschaffen und geliebt.

Da ist auch Hanna, die bald operiert wird. Sie fragt mich: „Kann ich von Ihnen eine Krankensalbung haben?“ Auch das hat mich noch niemand vorher gefragt. Hanna möchte, dass ich für sie bete, sie segne und mit Öl salbe, bevor sie ins Krankenhaus geht für eine große Operation. Zusammen überlegen wir dann, was ein guter Ort für ihre Krankensalbung sein könnte. Ich schlage ihr unsere kleine, helle Kirche vor und frage sie, ob Lavendelöl ihr recht ist. Hanna ist einverstanden und so machen wir einen Termin aus.

Und dann überlege ich mir für Hanna ein echtes Einzelstück. Handgemacht, mit Liebe. Weil Hanna einzigartig ist – wie wir alle – von Gott geschaffen und geliebt.

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10SEP2026
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In dieser Welt ist gerade so einiges zum Fürchten, finde ich. Die Nachrichten können einen das Fürchten lehren – Krieg, Polarisierung, Krisen...
Manchmal frage ich mich, was man dem entgegensetzen kann. Was hilft gegen die Angst, ohne sie kleinzureden? Vielleicht sind es nicht immer die großen Antworten. Vielleicht begegnet uns das, was wir brauchen, manchmal ganz unverhofft. Und dann – ist neulich ein Engel bei mir eingezogen.
Ausgerechnet bei mir! Mit Engeln konnte ich noch nie wirklich etwas anfangen – diese geflügelten Wesen mit Heiligenschein – blond, mit weißem Gewand, wie aus den Poesie-Alben.

Und jetzt ist einer bei mir eingezogen. Einfach ungebeten, als Gast. Eine freundliche Frau aus der Kirchengemeinde hat ihn mir mitgegeben, als Dankeschön. Und so einen Gast, den schickt man ja bekanntlich nicht gleich wieder weg.
Es ist übrigens nicht irgendein Engel – sondern der Erzengel Gabriel. So steht es auf der Engel-Ikone, die mir die Frau geschenkt hat. Ein kleines Bild, etwas kleiner als meine Hand.

Tja, was mache ich mit einem solchen Gast? Ich war mir etwas unsicher und habe den Engel dann erstmal in mein Arbeitszimmer hineingelassen. Da steht er nun auf meinem Schreibtisch, in Sichtweite.
Gabriel sieht übrigens ganz anders aus als in die Engel aus den Poesie-Alben. Er trägt ein blaues Gewand und hat braune Haare. Gabriel neigt den Kopf zur Seite, genau in meine Richtung. Er schaut mich etwas nachdenklich an. Hinter ihm leuchtet es golden, hell und warm sieht das aus.
Jetzt, wo der Engel bei mir zu Gast ist, schaue ich nochmal in der Bibel nach, was da über Gabriel drin steht.
„Fürchte dich nicht, Zacharias“ sagt Gabriel in der Bibel zu einem alten Mann.
„Fürchte dich nicht, Maria“ sagt der Engel dann später zu einer jungen Frau.
Fürchte dich nicht. Was für ein schöner Satz, hell und warm.
Fürchte dich nicht.

Diesen Satz kann ich gerade gut gebrauchen. Gegen alles, was in dieser Welt gerade zum Fürchten ist. Und so beschließe ich, der Engel darf bleiben und mir immer wieder zurufen: „Fürchte dich nicht, Jane.“

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09SEP2026
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Können Sie sich das vorstellen: Jesus als Grillmeister, der ein Barbecue für seine Freunde ausrichtet?
Die Geschichte gibt es wirklich. (Joh 21, 1-14) Und das kam so:
Eigentlich hatte an diesem Tag kein Mensch mit Jesus gerechnet. Denn eigentlich ist Jesus längst tot. Und seine Freunde müssen weiterleben, ohne ihn…
„Ich geh fischen!“, sagt Petrus. Denn er ist nun mal Fischer und die Arbeit beruhigt. „Wir kommen mit“, sagen die anderen. Sie fischen die ganze Nacht. Aber sie fangen nichts. Erschöpft und enttäuscht rudern sie zurück.

Im Morgengrauen sehen sie eine Gestalt am Ufer, die sagt:
„Kinder, habt ihr nichts zu essen? Werft das Netz doch einmal auf der anderen Seite aus.“

Normalerweise hätten sie nicht auf einen Fremden gehört. Aber was ist schon normal in diesen Tagen? Zu kraftlos, um zu widersprechen, werfen sie das Netz noch einmal aus. Auf der anderen Seite.

Aber was ist das? Sie trauen ihren Augen nicht: Das Netz ist brechend voll! Und ganz allmählich dämmert ihnen, dass der Fremde gar kein Fremder ist, sondern Jesus, ihr totgeglaubter Freund, ganz und gar lebendig, da am Strand.

Jetzt wollen sie alle so schnell wie möglich an Land, ihn begrüßen, mit ihm reden - sie haben so viele Fragen…

Aber als sie dann vor Jesus stehen, schwindet ihnen der Mut. Ist er ihnen denn so fremd geworden? Da entdecken sie das Kohlefeuer am Boden und die Fische darauf und das Brot. Und der Bann ist gebrochen. Jesus sorgt für sie:

Er hat für sie gegrillt. Er hat ihre Netze gefüllt. Er reicht ihnen das Brot. Er ist da, mitten im Alltäglichen und im Banalen. Beim Barbecue und am Grill, zwischen Ketchup und Majo, Grillsauce und Senf. In den kleinen Glücks-momenten. Und in den Tagen und Nächten, die kommen werden.

Das wird den Jüngern für immer in Erinnerung bleiben. Und diese Erinnerung wird sie stärken. Jesus ist da. Und mich stärkt das auch.

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08SEP2026
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Mein Enkel blickt nachdenklich vor sich hin.
„Weißt du was?“ fragt er plötzlich.
„Wenn man stirbt…“ und jetzt klingt seine Stimme sehr gewichtig, „wenn man stirbt, kommt nur der Po in den Himmel.“
„Wirklich…? Wie kommst du denn da drauf?“
„Wir waren mit der Kita im Museum. Und da habe ich ein Skelett gesehen. Und das hatte keinen Po mehr.“

So viel zur vielgerühmten Augenhöhe! Sonst wäre ihm vermutlich aufgefallen, dass auch die Schultermuskulatur gefehlt hat, das Gesicht, und was man sonst noch auf den Rippen hat… Wenn er allerdings recht hätte, und der Himmel wird tatsächlich nur von Hinterteilen bevölkert, dann hätte ich wirklich wenig Lust, dort zu landen. 

Aber ich glaube: So funktioniert das nicht, mit dem Himmel. Da finde ich es viel überzeugender, wie der Apostel Paulus es beschreibt:
Unser irdischer Körper stirbt mit allem drum und dran - auch der Po. Und dann erhalten wir einen neuen Leib - aber nicht aus Materie, sondern aus Geist. Komplett schwerelos, also - und das sind nun wirklich himmlische Aussichten, für meine Begriffe, jedenfalls!

Zu meinem Enkel habe ich gesagt:
„Ich glaube, alles, was wir an unserem Körper anfassen können, stirbt. Aber unsere Gedanken und alles, was wir fühlen - das lebt weiter.“

Aber ihm hat seine eigene Vorstellung besser gefallen. Kinder beschäftigen sich eben auf ihre ganz eigene Weise mit dem Tod; sie begegnen ihm ja auch schon auf Schritt und Tritt: Hier eine tote Hummel, da eine tote Fliege, dort ein paar tote Käfer…

Und was Kinder intuitiv begreifen:
Es kommt keine Angst davor auf, wenn man ganz natürlich darüber spricht.
Und so widersprüchlich es auch klingen mag: Im Tod liegt sehr viel Lebendig-keit. Er macht das Leben wertvoll. Und er stimuliert die Fantasie. Wie bei meinem Enkel…

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