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SWR Kultur Wort zum Tag

13SEP2025
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Zuerst waren da seltsame Geräusche: so ein Rascheln, Schaben, manchmal ein Knabbern an Holz und vor allem auch ein Pieps-Ton, ein leises Pfeifen unter dem Terrassenboden, in der Ecke zum Wintergarten. Ich hörte nichts – Ehefrau Margret hat die besseren Ohren. Haben wir Ratten? Sind es die Mäuse? Mäuse-Dreck und unangenehme Mausgerüche hatten wir ja schon mal gehabt. Waschbär? Siebenschläfer? …

Tiere – unerwünschte Tiere in Haus und Garten zumal: sind oft ein Problem. Gar nicht zu reden von den Schnecken, die bei uns fast jedes Gemüse vernichten – und leider auch viele Blumen. Umso willkommener, was wir dann entdeckten: Die Terrassen-Geräusche kamen von einem Igel, der da ein sicheres Versteck gesucht und gefunden hatte. Schön – der tut bestimmt auch was gegen die Schneckenplage. Und vielleicht fängt er ja sogar auch Mäuse. Also haben wir versucht, unseren Gast möglichst wenig zu stören. Wenig Lärm machen auf der Terrasse; vorsichtig sein beim Blumengießen – solche Sachen eben.

Die ganze Wahrheit entdeckte sich nur allmählich. Ob ein Igel so seltsam piepst? Eines Abends im schönen Spätsommer entdeckt meine Frau dann zwei Igel – den großen kannten wir schon; und ein Jungtier. Noch ein bisschen klein, dachten wir. Ob er wohl sein Mindestgewicht kriegt, damit er den ersten Winter überlebt?

Noch ein paar Tage – und wir sehen: Zwillinge. Die Igelmutter hat zwei Kleine bei sich. Toll. Abenteuerlich. Wir haben sie dann ein wenig gefüttert – im Garten war einfach zu wenig Wasser – und es gab fast keine Schnecken. Und so kleine Tiere lösen einfach mütterlich-fürsorgliche Gefühle aus.

Unsere Igel sind dann leider weitergezogen, statt bei uns zu überwintern. Erinnern uns aber doch an die „Schöpfungszeit“: zu der laden jetzt gerade wieder die Kirchen im ganzen Land ein. Motto: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“. Dafür danken Christenmenschen ihrem SchöpferGott – und versuchen, auch ihrem Schöpfungs-Auftrag zu entsprechen: Die Erde zu nutzen und zu schützen damit auch kommende Generationen sie noch bewohnen können. Ist ja ziemlich dringend, angesichts von Dürre und Hitze und Klima und so.

Am vierten Oktober endet dieses Jahr die Schöpfungszeit. Das ist dann auch das Fest des heiligen Franziskus von Assisi. Für den waren alle Geschöpfe Schwestern und Brüder. Mit ihm zusammen haben wir unsere Schwester Igelmutter und ihre beiden Kleinen begrüßt und sie wieder verabschiedet… Auch wenn ihr jetzt anderswo seid: Wir tun was für euch! Versprochen.

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SWR Kultur Wort zum Tag

12SEP2025
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Also ich könnte mir einen schöneren Anlass vorstellen für ein neues Marien-Fest . Jedenfalls ist katholischerseits heute der Gedenktag „Mariä Namen“ – also sozusagen der Namenstag der Mutter des Jesus von Nazaret.

Mariä Geburt war heute vor vier Tagen, am 8. September. Heute also schon wieder ein Marien-Fest oder doch ein Gedenktag. Mit einer etwas schrägen, finde ich, mit einer jedenfalls sehr zeitbedingten und für mich eigentlich unerträglichen Geschichte: Ursprünglich hatte nur das spanische Bistum Cuenca Mariä Namen gefeiert. Aber dann, 1683, belagerten türkische Heere Wien und waren kurz davor, die HauptStadt einzunehmen – mit der Aussicht, dass sie dann bald auch ganz Westeuropa beherrschen.

Ein europäisches Heer von 65.000 Mann war gegen die dreimal so starken Türken aufgestellt; die zogen in die Schlacht, vorneweg ein Banner mit dem Bild der Gottesmutter. Am 12. September haben sie die Türken vernichtend geschlagen. Ziemlich blutig das alles – aber jedenfalls der Anlass, Maria als Retterin zu feiern. Und so hat der Papst den spanischen Feiertag für die ganze Kirche eingeführt.

Keine Frage: Maria – die biblische Maria jedenfalls – ist eine starke junge Frau. Das Lukasevangelium legt ihr einen LobGesang in den Mund: Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Das feiert einen starken Gott an der Seite der Schwachen und der Armen. Das haben sicher manche so gehört: Gott also an der Seite der sechzig- gegen die zweihunderttausend. Aber in Marias LobLied ist doch keine Rede von Krieg und Gewalt. Noch von Unterdrückung des unterlegenen türkischen Heeres.

Wer Maria so vereinnahmt, tut ihr Unrecht, glaube ich; jedenfalls aus heutiger Sicht. Ihre Stärke ist gewaltfrei – ganz bereit ist sie gewesen, sich auf Gott einzulassen und Jesus zur Welt zu bringen – und auch der ist alles andere gewesen als ein Kriegsherr oder gar KriegsGott…

Seltsame kriegerische Entstehung für ein Fest – aber trotzdem Glückwunsch an alle, die heute Namenstag feiern – die Marias und Marios, und Marion, Maja, Marietta, Mary, Mascha, Maruschka…

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SWR Kultur Wort zum Tag

11SEP2025
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Gerade wenn es frisch geregnet hat im Sommer, kriechen  ja die Schnecken aus allen Verstecken – immer auf der Suche nach leckerem Grünzeug oder nach Paarungs-Möglichkeiten. Ich bin viel mit dem Rad unterwegs, am liebsten auf Feldwegen und im Grünen – und seltsamerweise, finde ich, schleimen da besonders viele Schneckentiere herum. Obwohl es ihnen da ja eigentlich zu trocken ist – ganz zu schweigen von der Lebensgefahr.

Lebensgefahr einfach durch so viel Verkehr. Na gut, weniger als auf der Straße – aber hier wandern die Leute, sind Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs... Und da mache ich bei mir selbst eine seltsame Beobachtung: Gelegentlich mal überkommt mich so eine kleine Wut; die Viecher haben wieder unseren ganzen Salat vernichtet. Und hier auf dem Weg scheinen sie beinah zu demonstrieren: wir sind noch da. Also: drüberfahren, Schnecke platt machen. Wie gesagt: eine kleine Wut. Und mal kurz vergessen, was ich mir doch eigentlich vorgenommen habe: Gottes Schöpfung zu bewahren und zu beschützen. Mit ihr zu leben statt gegen sie. Und auch Schnecken sind Gottes Geschöpfe – wenn auch lästig, manchmal. Trotzdem jetzt einfach mal draufhalten…

Aber das misslingt ganz häufig; irgendein innerer Impuls lässt mich im letzten Augenblick doch wieder einen kleinen Schlenker machen, kaum bemerkbar, ungefährlich für mich auf dem Rad; aber lebensrettend für das Schneckentier. Als hätte der Schöpfer-Gott mir eine Hemmung, einen Instinkt mitgegeben, der sogar stärker wäre als meine kurze Vernichtungswut. Ja, kenne ich auch zu Hause: Fliegen und Wespen und Spinnen versuchen wir einzufangen, mit Glas und Papier oder mit einer extra Schiebefalle, und sie dann nach draußen zu setzen. Schon, weil Totschlagen so hässliche Flecken an der Wand machen würde. Auch da widerstehe ich der ersten Vernichtungs-Wut.

Und bin dankbar, dass da so eine instinktive Hemmung zu sein scheint – hoffentlich ja auch bei anderen Menschen. Die sollte und müsste noch stärker werden – vielleicht lässt sie sich ja trainieren? Jetzt im September laden die Kirchen zur Schöpfungs-Zeit ein; Christenmenschen denken an den Schöpfungs-Auftrag: die Erde zu bebauen und zu bewahren – auch für sich selbst und die nächsten Generationen. Und wenn dieser Auftrag instinktiv doch schon in den Menschen angelegt ist: Wäre sicher gut für sie und die ganze Welt – und im Zweifel: ausbaubar.

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SWR Kultur Wort zum Tag

19JUL2025
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Es war im Frühjahr vor zehn Jahren. Da hatte ich mir im Radio ein paar Gedanken gemacht über eher kleine Vergehen und Übergriffe. Und darüber, wie gern man sich bei sich selbst entschuldigt, mit einem Spruch wie „Trifft ja eh keinen Armen“…

Anlass war damals ein Schul-Flohmarkt in einer Trierer Schule. Ein Kunde hat sich für ein paar Altertümer entschieden – mit vierzig Euro wäre er dabei (billig, billig übrigens – war alles viel mehr wert). Er kommt an die Kasse, erfährt den Preis, entschuldigt sich, dass er gerade sein Portemonnaie im Auto vergessen hat, ob er es eben holen darf – „und da könnte ich doch schon mal die großen Teile mitnehmen.“ Klar, durfte er – und ward nicht mehr gesehen.

Sie, Herr Dieb, habe ich damals im Radio gesagt, das ist echt ärgerlich. Weil diesmal trifft es eben doch mal wieder die Armen… Ich mache ihnen einen Vorschlag: Überweisen sie mir die vierzig Euro – anonym – und ich gebe sie weiter. Sie können ihren Fehler wiedergutmachen; ich könnte wieder besser an das Gute im Menschen glauben – und die Schule kann das Geld für ihre Arbeit einsetzen mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.

Ob es eine Chance gab, dass der Typ mich hört – oder gar auf mich hört? Wohl kaum. Ich wollte einfach mehr tun als nur meinen Ärger teilen mit den Hörerinnen und Hörern. Herausgekommen ist dann sogar noch ein bisschen mehr.

Kurz nachdem meine Gedanken über den Sender gegangen sind, bekomme ich eine E-Mail: Habe das gerade im Autoradio gehört, ärgere mich auch. Ich bin nicht der Dieb – aber geben sie mir die Kontonummer, damit ich die vierzig Euro überweisen kann. Ich war überwältigt: Radiohören verändert die Welt! Oder jedenfalls den einen oder die andere da draußen…

Und fast endgültig wiederhergestellt war mein Glaube an das Gute im Menschen, als dann am nächsten Tag noch so eine Mail ankam. Ergebnis: doppelte Einnahme für die Schule, und – wie gesagt: Ein bisschen besser geworden ist die Welt dabei auch.

Sie, Herr Dieb – letzte Chance jetzt, nach all den Jahren: Sie können die Sache verdreifachen! Meine Mail-Adresse finden Sie auf www.kirche-im-swr.de

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SWR Kultur Wort zum Tag

18JUL2025
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Zwölf Stunden hat der Tag in Malawi im südlichen Afrika – kaum mehr Licht als am kürzesten Tag des Jahres hier in Trier. Kurze Dämmerung – und dann ist zwölf Stunden dunkle Nacht. Und das geht immer so, im Sommer wie im Winter.

Mehr Licht – das wäre wohl hilfreich gegen die Armut so vieler Menschen und damit für mehr Bildung, für mehr menschliche Entwicklung überhaupt. Liebes-Watt heißt eine Lösung – Watts of Love; sie hilft den Leuten, mehr Licht und damit mehr Zeit zu haben als bisher, in der langen, langen Dunkelheit. Mehr Licht bedeutet mehr Sicherheit auf den langen Fußwegen, mehr arbeiten und Geld verdienen, länger lesen und lernen, am Teich verjagt es nächtliche Diebe, die die Fische aus dem Zuchtbecken klauen wollten.

In Malawi haben Ordens-Schwestern es übernommen, die Lampen zu verteilen und die Leute zum sparsamen Einsatz zu unterrichten. Als Afrikanerinnen haben sie eine Art natürliche Autorität vor Ort, genießen jedenfalls mehr Vertrauen als ausländische Organisationen; zumal sie gut mit den lokalen Chiefs und mit den Stammes-Strukturen zusammenarbeiten. Hinter der Aktion steht eine US-amerikanische Non-Profit-Organisation – Watts of Love eben.

Mehr Licht haben die Leute im Dorf jetzt – deutlich mehr jedenfalls als bisher mit Öllampen oder Kerzen; bisher ging fast ein Drittel des Einkommens für Brennstoff und Batterien drauf. Und ohne offene Flammen kommt es auch seltener zu Feuersbrünsten. Der technische Aufwand ist überschaubar, braucht weder großartige Kraftwerke, noch Stromleitungen und Installationen. Die Hardware ist ein eigentlich unscheinbares schwarzes Kästchen, kaum größer als eine Zigaretten-Schachtel. Sehr stabiles Plastik-Gehäuse für manchmal ja harte Einsatz-Bedingungen. Auf der einen Seite wenige Quadratzentimeter Solar-Zellen und Batterie, auf der anderen Seite eine LED-Lampe mit drei Helligkeits-Stufen. An der Wand oder als Pendelleuchte an der Decke aufzuhängen – oder ganz leicht als Stirnleuchte zu tragen unterwegs oder bei der Arbeit. Strom für bis zu hundert Stunden sammelt das LiebesLicht tagsüber von der Sonne ein – und beleuchtet den Arbeitsplatz an der Nähmaschine oder den Stall oder den Schreibtisch für die Schulaufgaben.

Mehr Licht für mehr Leben – eigentlich doch gut, dass Schwestern vom „Orden vom heiligen Rosenkranz“ in Malawi dafür sorgen. Tun damit mehr als nur Lampen verteilen – verkünden ohne große Worte die Gute Nachricht von ihrem Gott, der Licht der Welt und Leben für die Menschen ist. Und machen Gottes Gute Nachricht sichtbar –  im wahrsten Sinn des Wortes …

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SWR Kultur Wort zum Tag

17JUL2025
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Das gab es schon in der Bibel oder in der ganz frühen Kirche: Da wurden Frauen beim Abschreiben der Texte gern schon mal als Männer überliefert. Die Apostelin Junia heißt auf einmal Junius. Und dass Maria aus Magdala als allererste dem auferstandenen Jesus begegnet ist und die Botschaft den Männern bringt: Das haben die Evangelisten erzählt, aber ohne sie deswegen auch ausdrücklich „Apostelin“ zu nennen. Gut, dass die Forschung da inzwischen weiter ist.

Das Heiligenlexikon kennt für übermorgen einen heiligen Justus – und erklärt dazu nur kurz „Ist wohl identisch mit Justa“ … und da komme ich zwei jungen Mädchen auf die Spur. Ich stoße auf Justa und ihre Schwester Rufina; Töchter eines Töpfermeisters im späten dritten Jahrhundert in Sevilla. Sie sind getauft und Christinnen – aber nur heimlich, wie ihr Vater. Mit Vaters Einkommen sorgen die jungen Frauen für arme Menschen in der Stadt – von frühen Formen der Caritas und Diakonie berichtet ja schon das Neue Testament; Dienst für andere, besonders für die Armen war geradezu ein Nachweis des Christseins.

Aber die zwei haben es dann wohl zu weit getrieben. Statt eine Spende zu geben, für eine Prozession zu Ehren der Göttin Venus, sollen Justa und Rufina die Venusstatue zerstört haben. Klar, dass das gefährlich war – wie die Legende beweist: Sie werden gefangengenommen, gefoltert, Justa muss zur Strafe den römischen Statthalter barfuß auf seinen Dienstreisen begleiten – damit alle Welt sieht: Christentum ist pfui … schließlich stirbt Justa im Gefängnis. Und gilt als Heilige – wie alle damals, die wegen ihres christlichen Glaubens ermordet worden sind.

Ihre und ähnliche Geschichten waren aber dann doch Anlass zu einem kirchlichen Beschluss: Eine Synode, eine Kirchenversammlung in Elvira bei Granada beschließt: wer ein Götzenbild zerschlägt (wie Justa und Rufina) und deswegen zum Tod verurteilt wird, wird nicht in das Verzeichnis der Märtyrer aufgenommen und kriegt so keinen Platz im Himmel.

Es ist ja schon anspruchsvoll genug (und weniger lebensgefährlich) – christlich ist, gut und gerecht zu leben und für andere Menschen da zu sein: Das macht auch heute Menschen zu heiligen Menschen. Unterwegs auf den Spuren des Jesus von Nazaret und der heiligen Justa – wie gesagt: Heilig war sie ja schon, weil sie für die Armen gesorgt hat, ganz ohne zerdepperte Venusstatue.

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SWR Kultur Wort zum Tag

04JUN2025
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Ob es auch heute noch stimmen würde? Wenn Jesus den Leuten erklären wollte, wie das geht mit dem Glauben und mit dem Gottes-Reich, wie seine Botschaft ankommt bei den Menschen und sich in ihren Herzen ausbreitet, dann hat er das mit Geschichten aus dem Leben getan. Den Alltag, die alltägliche Erfahrung greift er auf und macht sie zu Bildern der Hoffnung.

Da ist einmal der Sämann; der geht über den Acker und wirft das Getreide mit vollen Händen auf den Boden. Klar – den hat er vorher umgebrochen. Aber trotzdem fallen die Körner außer auf fruchtbaren Boden auch auf den Weg nebenan und werden zertreten, fliegen bis unters Gestrüpp und ersticken, landen auf steinigen Flächen und vertrocknen. Insgesamt aber – so verstehe ich diese Bildrede – insgesamt wird die Ernte reichlich sein. GOttes Reich eben, Liebe und Freundschaft und Solidarität schon auf der Erde und dann erst recht im Himmel…

Das Bild geht noch weiter: Nach der Aussaat geht der Bauer heim, schläft, wacht auf, schläft wieder… – und auf dem Acker wächst die Ernte ganz von selbst heran; muss er sie nur noch einbringen – hoffentlich hat er genug Platz im Speicher.

Wer einem Bauern heute zuhört – egal, ob hier im Land oder gar weltweit, könnte beinah verzweifeln angesichts dieser Zuversicht. Wieder steht überall – und vermutlich auch in Europa – ein heißester und trockenster Sommer aller Zeiten bevor. Dürre durchdringt alle Bodenschichten; die Wälder sterben vor sich hin. Und Äcker bringen nur noch Ernten hervor, wenn die Farmer sie großzügig bewässert haben – solange noch Wasser da ist. Und dabei haben viele schon sehr gezielt ausgesät; künstliche Intelligenz und GPS-Steuerung bestimmen, wo und wie viel gesät und gedüngt wird. Das hilft – aber ob es genug ist angesichts der rapiden Erwärmung oder gar Erhitzung der Erde?

Trotzdem: Was Jesus über Aussaat und Ernte sagt und damit auch über Gott und sein kommendes Reich, macht mir Hoffnung. Weil es davon erzählt, wie großzügig Gott ist. Gott sät ja aus ohne Rücksicht auf mögliche Verluste; Gott lädt ein – auch wenn Menschen gerade eher auf andere zu hören scheinen. Darum gibt es für jede und jeden und für alle die fröhliche Aussicht auf ein gutes Ende, auf eine reiche Ernte. Und für diese Hoffnung will ich gern auch weiter mitarbeiten: mit meinen kleinen Kräften gegen die Klimakatastrophe; das gehört für mich dazu, wenn ich die Gute Nachricht von Jesus und Gottes Reich verbreiten will.

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SWR Kultur Wort zum Tag

03JUN2025
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Kurz nacheinander waren der Patenonkel unseres Ältesten und seine Frau gestorben – beide in hohem Alter, beide eigentlich schwach und krank; aber eben doch sehr traurig, dass sie die Familie und uns als Freunde verlassen mussten.

Nach Auferstehungs-Gottesdienst und Beisetzung waren wir eingeladen zum Beerdigungs-Kaffee – ist ja immer schön, dass sich da Menschen treffen, die sich lange nicht mehr gesehen hatten – und jetzt gleich zweimal kurz hintereinander. Anderseits schade; weil: wir könnten uns doch eigentlich auch zu schöneren Anlässen wiedersehen, einfach so, ohne traurigen Anlass…

Aber gut – wenigstens jetzt ein paar Kontakte aufgefrischt, Erinnerungen ausgetauscht, noch mal gefragt, wie wichtig wir einander waren und sind. Und dabei lagen Papier-Servietten auf dem Tisch – mit einem dezenten Blumen-Schmuck und dem kurzen Satz: „Trauer ist liebevolle Erinnerung“. Ich fand das eine schöne Botschaft – einen freundlichen Hinweis oder sogar mehr: Trost vielleicht; oder sogar eine Einladung. Jede und jeder wird ja mit dem Tod eines lieben Menschen anders umgehen – eigentlich trauern die Menschen alle unterschiedlich. Manche wehren Trauer ab – weil sie das ein irgendwie schwächliches Gefühl finden; und wer mag sich schon schwach vorkommen oder sich aus dem Alltag herausreißen lassen. Viele zerfließen geradezu, verlieren eine Zeit lang jeden Halt, weil der oder die liebe Verstorbene so etwas wie die Mitte ihres Lebens war. Und die haben sie verloren…

Und dann gibt es die neunmalklugen Ratgeber, die dir sagen: Kopf hoch, geht vorbei, kommst du bald drüber hinweg. Solche Ratschläge eben – und das Wort Schläge ist da ganz richtig: Trauer braucht ihre Zeit – und da darf niemand dreinschlagen mit noch so gut gemeinten Hinweisen oder eben Rat-Schlägen.

Ich wünsche den Überlebenden oder Hinterbliebenen, dass sie sich alle Zeit nehmen und geben lassen, die ihre Trauer eben braucht. Die kann kurz sein – oder auch lang. Manche Trauer hört eigentlich nie auf – aber sie wird sich verändern. Wer aus diesem Leben gegangen ist, mit der oder dem bleibst du verbunden; mehr oder weniger, ein bisschen ähnlich wie die Verbindung auch im Leben schon war. Bald wird die Trauer aufhören, dich zu erdrücken; sie bleibt und wird – hoffenlich – zu liebevoller Erinnerung. Kann sein, dass die Papierserviette auf dem Beerdigungs-Kaffeetisch ein bisschen zu früh dran war – aber sie hat auf Dauer einfach recht: Trauer – auch bleibende Trauer – ist liebevolle Erinnerung.

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SWR Kultur Wort zum Tag

02JUN2025
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„Es ist das alte christliche Konzept: Zunächst liebst du die Familie, dann deinen Nächsten, dann deine Gemeinde – und dann die Bürger in deinem Land… Und erst dann sollte man sich auf den Rest der Welt konzentrieren.“ Wow – der Vizepräsident der USA predigt die christliche Liebe. Etwas weniger „Wow“ vielleicht, weil Glaube und Religion in USAmerika ja sowieso viel selbstverständlicher im Gespräch sind und irgendwie im Alltag als hierzulande. Und wie viele andere bezog auch JD Vance sich dabei auf die Bibel – zB auf das Johannes-Evangelium: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen und Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“

Und tatsächlich – es gibt in der alten Theologie Hinweise darauf, dass christliche Liebe sich so verteilt – von innen nach außen sozusagen. Kirchenvater Augustinus hat es die „Ordnung der Liebe“ genannt: „… vornehmlich für jene Sorge zu tragen, die einem durch die Verhältnisse des Ortes, der Zeit oder irgendwelcher anderer Umstände, gleichsam schon durch das Los näher verbunden sind.“ Diese geordnete Liebe würde also bei der Familie anfangen und sich dann allmählich heroisch vorarbeiten zu den eher fernen Nächsten. Das ist erst mal menschlich – und soll niemand überfordern.

Und trotzdem – noch einmal weniger „WOW“ für Mister VicePresident – trotzdem haben der damalige Papst und der damalige Kardinal Robert Prevost ihm widersprochen. Papst Franziskus so: „Christliche Liebe ist keine konzentrische Ausdehnung von Interessen…“ Jesus wolle eine „… Liebe, die eine ausnahmslos für alle offene Geschwisterlichkeit aufbaut.“ (Brief an die US-Bischöfe) Und der Kardinal: „JD Vance liegt falsch.“ (drprevost auf X) Das war damals Kardinal Prevost – inzwischen Papst Leo der Vierzehnte.

Lohnt es sich also, nochmal auf Jesus selbst zu hören: Die ihm nachfolgen, sollen einander lieben und daran erkennbar sein. Keine Rede von Familie zuerst und weiteren Kreisen danach. Und wie ist es mit dem Satz „Liebe deine Nächsten wie dich selbst“? Hört sich doch an wie „zuerst dich – und dann die anderen“. Sagt aber eigentlich doch: Die Liebe sollte immer gleich sein – die zu dir selbst und die zu den anderen Menschen, nah oder fern.

Ja, das ist eine ziemliche Herausforderung; kann sogar überfordern. Aber wer barmherzig mit sich selbst und dann auch mit anderen umgeht, wird auch mit dieser Herausforderung zurechtkommen. Wirkliche Liebe ist eben eigentlich grenzenlos – so grenzenlos wie Gottes Liebe für die Welt und die Menschen.

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SWR Kultur Wort zum Tag

23APR2025
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Jesus aus Nazaret war ein Mensch mit Gefühlen. Ganz klar. Jesus weint, als er die Nachricht vom Tod eines guten Freundes bekommt. Jesus ist traurig und wütend, weil Gegner ihn daran hindern wollen, eine Kranke zu heilen - nur weil Shabbat ist, Arbeitsverbot also.

Aber seltsam: nirgends ist auch nur ein Wort darüber zu finden, wie Jesus gelacht oder gescherzt hat, dass er Witze macht oder sonst einmal fröhlich gewesen wäre...

Na gut - als Gast bei einem Hochzeitsfest sorgt er mal dafür, dass genug Wein da ist. Und gelegentlich fordert Jesus seine Leute ausdrücklich auf, jetzt aber mal keine Trauer zu schieben, solange sie ihn noch bei sich haben. Das sind doch indirekte Hinweise darauf, dass der Mann kein Trauerkloß gewesen sein dürfte. Man hat ihn sogar als Fresser und Weinsäufer kritisiert; der hat doch sicher wenigstens gelegentlich auch mal gefeiert und gelacht.

Allerdings: Lachen ist in der Bibel sowieso ein eher seltenes und irgendwie auch seltsam negatives Wort. Lachen und Gelächter haben immer einen schlechten Unterton. Böse Menschen, Feinde, Unterdrücker: die lachen brutal und sarkastisch. Gelächter richtet sich anscheinend immer gegen andere – und das ist ja nun wirklich sehr hässlich...

Vielleicht lassen die JesusGeschichten der Bibel auch deswegen aus, dass und wie Jesus gelacht hat? Er war aber jedenfalls so menschlich und so nah bei den Menschen und geradezu vernarrt und verliebt in sie, dass er sicher auch mit den Fröhlichen gelacht hat. Schade, dass die Evangelisten das vergessen haben. So können und dürfen wir es nur stark und fröhlich vermuten.

In manchen Kirchen gehört ein fröhliches Gelächter als fester Brauch zum Oster-Gottesdienst. Hat sogar einen lateinisch-theologischen Namen: risus paschalis – österliches Gelächter heißt es. Die Leute im frühen Mittelalter hatten ja wenig zu lachen und so ein Ostergottesdienst konnte schon lange dauern; und damit die Christenleute ausgerechnet am Osterfest ein bisschen fröhlich in die Welt gucken sollten: Erzählte der Pfarrer am Ende einen guten Witz – den OsterWitz eben. War gelegentlich sehr derb oder direkt. Aber das lässt sich ja leicht vermeiden.

Das Ostergelächter, das ich mal selbst erlebt habe, war allerdings unfreiwillig und eher einem Versprecher geschuldet – zudem in der Fastenzeit drei Wochen vor Ostern. „Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben“, betete da ein alter Pfarrer, „damit es mit froher Hingabe dem Oktoberfest entgegeneilt.“

Ist noch ein bisschen bis dahin – aber „Frohe Ostern“ jetzt und weiterhin wünsche ich!

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