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12FEB2024
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Kaffeedosen im Retro-Style, am besten verbeult und ein bisschen verrostet. Die mag ich. Bei mir daheim habe ich eine. Eine fröhliche Frau ist drauf, mit strahlend-weißen Zähnen wirbt sie für Kaffee. Und dann steht da noch dieser Satz: „Mache dumme Sachen schneller mit mehr Energie.“

Ich liebe diesen Spruch und er passt auch super in die närrische Zeit. Er heißt für mich: vergiss nicht verrückt zu sein und nimm das Leben leichter! Ich glaube Lachen ist ein Geschenk vom lieben Gott und es gibt ja auch diesen berühmten Satz aus der Bibel „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder!“ Und ein Kind lacht nun mal rund 30-mal häufiger am Tag als ich.

Verrückte und kindische Sachen zu machen, hat mir schon durch harte Zeiten geholfen. Als ich mich mit meinem besten Freund fast endgültig verkracht hatte, weil er politisch plötzlich völlig anders gedacht hat; oder als ich um einen lieben Menschen trauern musste.

Klar, fallen mir lustige Dinge in schweren Zeiten nicht zu. Aber gerade dann sind sie so wichtig. Wie es auf meiner Dose steht: „Mache dumme Sachen schneller mit mehr Energie.“ Diese dummen Sachen sind auch wichtig! Ich kann mit den Kollegen Bürofußball in einer Drei-Minuten-Pause spielen oder ich wandere mit meinem Kumpel am Wochenende in das kleine deutsche Dörfchen namens Korsika. Und dann gebe ich bei meiner Familie mit meinen Bildern aus dem Korsika-Kurzurlaub an. Solche Aktionen helfen mir das Leben leichter zu nehmen.

Wenn ich meine Portion Verrücktheit getankt oder eben meine kleinen Dummheiten ausgelebt hab, kann ich leben und weitergeben, was wohl alle in schweren Zeiten gut gebrauchen können: eine Prise Leichtigkeit.

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11FEB2024
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Meistens passiert es ausgerechnet dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann: die Küchenmaschine steht still eine Stunde bevor die Gäste auf der Matte stehen oder der Drucker streikt zehn Minuten vor der Präsentation.

Ich kenne das und es stresst mich ganz schön. Aber wenn der erste Ärger verflogen ist, macht sich in mir ein anderes Gefühl breit: eine Art Feuereifer das Problem anzupacken und Sachen wieder zum Laufen zu bringen. Und dafür hänge ich mich als begeisterter Bastler gerne rein.

Und wie sieht es mit anderen Bereichen im Leben aus, die auf einmal nicht mehr laufen? Wenn ich mit einem Freund einen heftigen Streit habe, oder wenn ich in den letzten Wochen viel zu wenig zu lachen hatte.

So verrückt es auch klingt, ich stelle mir dann vor, dass auch ich dann wie ein Gerät bin, das streikt und das jetzt einen Bastler mit Feuereifer braucht. Einen der mich nicht aufgibt, sondern mit mir zusammen an der Werkbank hobelt, hämmert und repariert. Den ersten Schritt muss aber ich tun: zur Ruhe kommen und hinhören. Und dann sage ich: Lieber Gott, hier bin ich mit meinem Problem.

Meistens spüre ich dann, wie Gott das reparieren möchte und was mein Part dabei ist. Wenn ich mit ihm zusammen die Ärmel hochkremple, kann ich im Streit die Sicht meines Freundes besser verstehen oder ich kann es leichter aushalten, dass ich gerade einfach eine harte Zeit habe.

Wenn ich Gott, diesen passionierten Bastler, in mein Leben lasse, dann wird mein Herz weiter. Durch Gott sehe ich mehr, kann wieder durchatmen oder werde selbst wieder leidenschaftlicher. Eins aber bleibt meine Aufgabe: Ihm den Platz an der Werkbank freihalten.

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10FEB2024
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Erst standen wir kurz da. Aber dann zogen wir schnell unsere Schuhe aus und gingen über den frisch gemähten, grünen Rasen – herrlich! Wir guckten uns Rosemaries Garten an und Rosemarie erzählte davon, was sie in ihrem Garten gelernt hat: Im Garten zu arbeiten, das hat etwas Mystisches. In einem Garten lernt man, die Natur zu beobachten.

Es geht um Vertrauen. Ich lege einen Samen in die dunkle Erde und dann kann man nur noch vertrauen: Es gibt ja keine Möglichkeit zu gucken, ob der kleine Samen sich gut entwickelt. Trotzdem muss ich einfach weiter machen: wässern und düngen. Pflanzen kann man halt zu nichts zwingen und man kann sie nicht zur Eile antreiben. Ich muss einfach das Vertrauen haben, dass da schon was wachsen wird!

Und was man im Garten noch entdecken kann: Es gibt keine Pflanzen, die 100 % perfekt sind. Hier ist ein verkrümmtes Blatt, dort hat ein Insekt ein Loch gemacht. Makel gehören einfach dazu und sie müssen nicht immer und unbedingt behoben werden, sie können einfach sein.

Und als letztes: Pflanzen sterben! Du kannst noch so vorsichtig und umsichtig sein, du kannst dich noch so sehr bemühen: manche Pflanzen werden von heute auf morgen braun ohne jeglichen Grund und werden wieder zu der Erde, aus der sie gekommen sind. Manche Sachen kann man einfach nicht retten. Im Garten enden Macht und Allmachtsphantasien von uns Menschen. Hier, im Garten können wir lernen, dass vieles im Leben außerhalb unseres Einflusses liegt.

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09FEB2024
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Armut hat viele Gesichter, sagt man, und es stimmt ja auch:
Bei uns im Stadtteil dreht morgens immer ein älterer Herr die Runde mit seinem Fahrrad. Er sammelt die Flaschen ein, die die Menschen liegen lassen oder in die Gegend schmeißen. Wen er genug Geld zusammen hat, bekommt es der Enkel.

Christine ist eigentlich ganz zufrieden, hat einen Job und eine nette Chefin, bekommt den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Sie kommt über die Runden. Aber groß sparen ist nicht drin. Und es darf halt nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommen. Sorge bereitet ihr das Auto. Sie braucht ein Auto für die Arbeit. Aber ihr Neffe, der ihr mit dem Auto hilft und es immer wieder repariert, hat gesagt, dass das nicht mehr lange gut laufen wird. Und dann?

Die Referendarin an unserer Grundschule macht sich gut. Schnell hat sie die Herzen der Kinder erobert, besonders das von Xenia. Vor ein paar Tagen hat Xenia ihre Hand genommen und ihr erzählt, dass sie morgen Geburtstag hat. Xenia hat von einem großen Geburtstagskuchen berichtet, den es geben wird, und von einem tollen Kinderfest.

Im Lehrerzimmer erzählte die Referendarin von Xenia. Die Klassenlehrerin schüttelte traurig den Kopf: „Davon träumt Xenia jedes Jahr. Aber es ist bei ihr Zuhause kein Geld für Kuchen und Feiern da.“ Die letzten Jahre hat sie, die Lehrerin, immer einen Kuchen mitgebracht. Damit Xenia wenigstens ein bisschen feiern kann. Die Referendarin und die Lehrerin gucken sich an. „Ich bringe morgen einen Kuchen mit“, sagt die Referendarin. Die Lehrerin lächelt: „Ich glaube, ich habe da noch ein paar Luftballons.“

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08FEB2024
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„Tante, ich kann jetzt nicht“, erklärt mir mein kleiner Neffe, „ich bin traurig.“ Sagt es, stapft in sein Zimmer, setzt sich auf sein Bett und bespricht sich mit seinem Stoffhund. Ein, zwei Stunden später kommt er gut gelaunt auf den Balkon, schnappt sich ein Stück Melone und spuckt mit großer Freude die Kerne unten auf die Wiese.

Traurigsein kann so schön sein!

Ich denke an meine Jugend: wenn ich als Jugendliche traurig war, habe ich es regelrecht zelebriert, habe mich dramatisch zurückgezogen, Gedichte geschrieben und große Bilder gemalt.

Heutzutage habe ich gar keine Zeit mehr, einfach mal traurig zu sein. Ich befürchte, wenn ich mal sage: „Sorry, heute nicht, ich bin jetzt mal kurz traurig.“ Meine Familie würde schon mal Depression googeln. Freunde würden fragen, ob ich Burnout hätte.

Und wehe, es weint mal jemand offen irgendwo…
Dabei hatten und haben wir ja durchaus Grund, auch mal traurig zu sein.
Es gab und gibt traurige Momente im Leben: Verletzungen, Trennungen, Menschen, die einem nahe standen, die gestorben sind.

Ich gehöre ja auch zu den Menschen, die weinen, wenn sie einen schönen Film sehen. Hilflos-traurig macht mich auch, wenn ich mitbekomme, wie Menschen anderen Menschen und Lebewesen weh tun.
Egal, warum. Ich denke, wir sollten hin und wieder traurig sein dürfen. Das ist wichtig, weil es zum Menschsein gehört, weil das Leben manchmal traurig ist. Wir sollten der Traurigkeit wieder ein bisschen mehr Raum geben in unserem Leben.

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07FEB2024
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Das Leben ist anstrengend. Ich weiß gar nicht: war das Leben schon immer anstrengend oder ist es erst in den letzten Jahren anstrengend geworden? Arbeiten, Haushalt, ein bisschen Zeit für Freunde – zu mehr kommt man fast gar nicht, zu mehr ist keine Zeit, anstrengend.

Dabei wird in jeder psychologischen Untersuchung, jeder soziologischen Umfrage, jedem sozialen Statement betont, wie gut es uns Menschen tut, wenn wir uns engagieren. Aber woher die Zeit nehmen und beim THW, beim Rotkreuz oder sonstwo zu helfen, im Sportverein die Kindergruppe zu trainieren oder im Kirchenchor zu singen? Keine Zeit, zu anstrengend.

Es ist einfacher, die Ohren und Augen zu verschließen vor den anderen und letztendlich ja auch vor sich selbst – denn sich sozial engagieren, hilft anderen und tut eben auch einem selbst gut. So einfach.

Es ist auch anstrengend, eine Meinung zu haben, geschweige denn, gar eine politische Meinung! Da ist es einfacher, den Mund zu halten, stumm, nichts sagen. Und denen die Debatte und das Stimmungsbild zu überlassen, die laut schreien, die herrlich vereinfachen, wo die Realität erschreckend kompliziert und vielschichtig ist.

In der Bibel steht, wer Jesus war: „Wie gut ist alles, was er getan hat. Er macht, dass die Tauben hören und dass die Stummen reden können.“ (Mk 7,37)

Manchmal wünschte ich, es wäre so einfach: Gott schickt einen Propheten oder den Heiligen Geist oder halt nochmal Jesus. Und Gott hilft, dass wir wieder auf uns und unsere Mitmenschen hören und uns engagieren und helfen, wo ‚Not am Mann‘ ist. Und Gott hilft, dass wir wieder reden: eine Meinung haben und sie vertreten. Zum Wohle aller! - Es wäre so einfach! Oder ist es sogar einfach?

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06FEB2024
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Wir müssen über sexualisierte Gewalt sprechen. Nicht, dass mir das Freude bereitet. Was Menschen anderen Menschen antun, erfüllt mich mit blankem Entsetzen, ich verstehe es einfach nicht. Aber ich weiß:

  • statistisch gesehen, sitzen auch in meinem Reli-Unterricht Kinder, die von Vätern und Onkels sexuell missbraucht werden;
  • wachsen meine jugendlichen Konfirmandinnen und Konfirmanden in einer Gesellschaft auf, in der ihre heranwachsenden Körper dauernd und überall beurteilt werden;
  • erfahren meine jungen Mitarbeitenden in der Gemeinde, in Klubs und Vereinen, auf Veranstaltungen und Freizeiten, in den social medias abwertende Blicke, gemeine Kommentare.

In seelsorgerlichen Gesprächen wird mir verschämt von Gewalt in der Ehe erzählt. Und in meiner Kirche und in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder Seniorenzentren gibt es übergriffiges Verhalten.

Und genau deswegen kämpfe ich.
Ich kämpfe dafür, dass meine Kirchengemeinde ein Ort ist, an dem sich alle wohl fühlen und keiner Angst hat.
Ich kämpfe für eine Kirche, die Gewalterfahrungen - auch in den eigenen Reihen - offen anspricht und zum Wohle aller gut reagiert.
Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der man aufeinander achtet, Unrecht und Gewalt sieht und hilft.

Und deswegen bete ich zu Gott:

Dass Gott Kraft und Stärke gibt, Nein zu sagen und Stopp.
Dass Gott Mut gibt, Unrecht anzusprechen.
Dass Gott uns hilft, das Richtige zu tun. Auch wenn es unbequem ist.

Wir müssen über sexualisierte Gewalt sprechen. Denn das geht in Gottes Namen gar nicht.

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05FEB2024
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Oh, so schön! Die beiden schreiten Hand in Hand durch unsere Kirche. Sie in einem so schönen Brautkleid, er in einem nicht minder schönen Anzug. Die Gemeinde erhebt sich, alle Augen sind auf die beiden gerichtet, die Band spielt und die beiden strahlen – der schönste Augenblick überhaupt!

Und ich, ich freue mich auch! Ich mache gerne Trauungen. Unter Pfarrkollegen werden manchmal die Augen gerollt: Trauungen sind so anstrengend geworden – jede muss etwas besonders Besonderes sein… Wobei ich denke: Ist doch auch so - jede Trauung ist schon etwas Besonderes, wenn zwei Menschen beschließen, gemeinsam Zukunft zu wagen.

Nach meiner Erfahrung als Pfarrerin gibt es drei Dinge, die wichtig für ein gemeinsames Leben sind. Plus einen Joker.

Erstens: Es ist wichtig, dass der Partner nicht nur Partner, sondern auch Freund ist. Ein Freund, der gerade in stressigen Tagen nicht verzagt und die Nerven behält.
Zweitens: sich zuhören können. Dem anderen zuhören können, die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen.
Und drittens: sich richtig streiten können. Nicht immer Recht behalten wollen, den anderen trotz aller Meinungsverschiedenheiten respektieren und akzeptieren.
Und der Joker? Na, der Humor! Sich hin und wieder zulächeln, gemeinsam kichern, miteinander lachen. Über einen Witz, über eine Situation, über sich selbst.

Und der Rest? Denn ja, wir haben ja nicht alles unter Kontrolle, vieles entzieht sich unserem Einfluss. Dafür ist Gott – und unsere Freunde und vielleicht die Gemeinde da. In der Trauung bitten wir Gott um seinen Segen für das Paar, für die Träume, Hoffnungen, Wünsche. Wir, wir sollen uns bemühen und das Beste geben, aber Gott ist gerade dann da, wenn es nicht gut läuft. Darauf vertrauen wir.

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04FEB2024
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„Fürchte dich nicht!“ – wenn Gott oder seine Engel Menschen begegnen, sind das meistens die ersten Worte. Zumindest nach der Bibel.

„Fürchte dich nicht!“ Man könnte den Eindruck haben, dass Gott denkt, wir Menschen brauchen erst einmal ein Mutmachwort gegen die Angst.

Und auch Jesus ist dieser Überzeugung. Im Gespräch mit seinen Jüngern sagt er „In der Welt habt ihr Angst.“ Und in der Tat, damals, als die Bibel entstand, hatten die Menschen allen Grund dazu, Angst zu haben: Sie waren dem Wetter und den Naturgewalten viel mehr als wir heute ausgeliefert und konnten damals fast täglich spüren, wie bedürftig und begrenzt sie waren – das kann einem ganz schön Angst machen. Ein Sommer mit wenig Regen bedeutete Hunger für einen großen Teil der Bevölkerung.

Seitdem hat sich viel verändert und es ist eine Menge passiert. Wir haben große Teile der Welt und unseres Lebens unter Kontrolle gebracht. Eins aber ist geblieben: die Angst. Wir fürchten uns immer noch vor realen Gefahren genauso wie vor eingebildeten oder gar eingeredeten Gefahren.

Aber der Satz von Jesus geht noch weiter: „In der Welt habt ihr Angst“ – ja, das stimmt bis heute – „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33) Soll heißen: Gott ist größer als diese Welt. Gott ist größer als alle unsere Ängste und Sorgen.

Für mich ist der Glaube an einen Gott, der größer ist als meine Ängste und Sorgen, beruhigend. Denn damit stehen nicht (mehr) meine Ängste und Sorgen im Mittelpunkt und werden übergroß in meinem Leben – sondern Gott. Ein Gott, der uns immer wieder Mut machen will. Fürchte dich nicht. Das gilt.

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03FEB2024
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Wenn sich zwei nach über vierzig Jahren trennen, denken erstmal alle: oh wie schlimm! Ganz anders gelaufen ist es bei den Eltern meiner ehemaligen Nachbarin Maria.

Als sie mich anruft ist sie gar nicht traurig. Sie sprudelt richtig los und erzählt: „Mama ist jetzt 65 und sie zieht zuhause aus. Meine Eltern trennen sich.“ So richtig überrascht mich das nicht, denn ihre Eltern hatten es immer mal wieder schwer miteinander. Und dann klingt Maria richtig erleichtert, als sie sagt: „Weißt du, es ist verrückt. Jetzt reden plötzlich alle wieder miteinander. Meine Schwestern mit meinem Vater, ich mit meinem Bruder, meine Mama mit mir. Und ich weiß auch warum: Wir wissen jetzt hundertprozentig: es muss nicht mehr alles heile Welt sein. Das war früher in unserer Familie so. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt traue ich mich auch und sage, was bei mir nicht heile Welt ist.“

Die Trennung scheint Marias ganzer Familie gut zu tun. Ich weiß natürlich, dass das in ganz vielen Fällen nicht gut klappt, wenn zwei sich trennen. Oft sind da richtig heftige Verletzungen im Spiel. Und ist es nicht auch so schön und wertvoll wenn zwei es schaffen, ein Leben lang zusammen zu bleiben?

Dass die Trennung bei Marias Eltern so gut funktioniert, das ist für mich ein Plädoyer.

Kein Plädoyer fürs Trennen, aber eins fürs Ehrlich sein.

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