Alle Beiträge

Die Texte unserer Sendungen in den SWR-Programmen können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.

Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2 / SWR Kultur

    

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

06JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Dreimal am Tag zu festen Zeiten beten. Das mache ich eine Woche lang bei Schwestern im Kloster. Jeden Morgen vor dem Frühstück, vor dem Mittagessen und dann noch einmal vor dem Schlafen – eine total intensive Zeit. Eine Zeit, in der ich mich Gott richtig nah fühle. Denn jeder Tag beginnt mit Gott und jeden Tag schließe ich mit ihm ab. Ich erzähle Gott alles, was mich beschäftigt. Das fühlt sich gut an; irgendwie warm und geborgen. Ich nehme mir vor, dieses Gefühl mit nach Hause zu nehmen. Aber zurück in meinem Alltag merke ich: Das funktioniert so nicht. Ich lebe nicht im Kloster und dreimal am Tag zu beten, das schaffe ich nicht allein daheim. Es ist auch nicht dasselbe ohne den wunderschönen Gesang der Schwestern. Oft passiert es mir, dass ich tagelang nicht dazu komme, zu beten. Weil ich so tief in meinem Alltagstrott drinstecke. Was aber immer da ist, ist die Sehnsucht: Ich merke, dass mir etwas fehlt. Ich vermisse es, mit Gott in Verbindung zu sein und ihm alles von mir zu erzählen.

Ich weiß nicht, ob es mir irgendwann gelingen wird, dass dieses Gefühl, Gott nah zu sein, immer da ist. Vielleicht geht das auch gar nicht. Und möglicherweise fühlt es sich auch für die Schwestern im Kloster gar nicht immer so an. Ich glaube aber, dass das ok ist. Und dass das Vermissen auch eine Art ist, wie ich in Beziehung bin. Wenn ich dann wieder mit Gott ins Gespräch gehe, fühle ich mich sofort wieder geborgen; nichts hat sich verändert. Wie mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe. Ich fühle mich Gott ganz nah – warm und geborgen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40028
weiterlesen...
05JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

In der Küchenwand unserer Wohnung ist ein Loch. Nicht groß, aber man kann durchschauen. Ein Elektriker hat es reingebohrt, als wir vor zwei Jahren mal einen Stromausfall hatten. Schön sieht es nicht aus, deshalb haben wir notdürftig eine Postkarte drüber geklebt. Jedes Mal, wenn mein Blick darauf fällt, denke ich: Ach ja, das müssten wir auch mal irgendwann angehen.
So wie in meiner Küchenwand gibt es auch in meinem Leben kleinere und größere Baustellen. Unfertiges, das ich vor mir herschiebe und eigentlich mal angehen müsste. Zum Beispiel die Freundin anrufen, zu der ich den Kontakt verloren habe, weil die letzten Monate so stressig waren. Aber auch Dinge, die immer unfertig bleiben werden. Weil zum Beispiel die Person, um die es geht, nicht mehr da ist. Oder weil die Zeit, in der etwas möglich gewesen wäre, verstrichen ist. Meine Freundin kann ich heute noch anrufen. Bei meinem Bekannten, der ganz plötzlich verstorben ist, geht das nicht. Wir wollten uns schon länger mal wieder treffen und ich hatte versprochen, dass wir dann über etwas sprechen würden, das ihm wichtig gewesen ist. Dieses Versprechen kann ich jetzt nicht mehr halten. Wenn das passiert - also wenn etwas unfertig bleibt und so bleiben muss – dann kann es ganz schön schwer sein, damit umzugehen. Neben der Trauer um meinen Bekannten ist da jetzt auch noch dieses Gefühl, dass etwas offen ist. Dass da ein ganz großes Loch übrig bleibt. Was mir in so einer Situation hilft, ist mein Glaube. Das Vertrauen, dass alles, was mir nicht gelingt oder was offen bleibt, bei Gott gut aufgehoben ist. Dass ich es mir nicht auf ewig vorhalten muss, sondern es abgeben darf. Ich kann das Loch, im Gegensatz zu dem Loch in meiner Wand, nicht mehr schließen. Aber ich kann es Gott zeigen – und hoffen, dass er sich darum kümmert.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40027
weiterlesen...
04JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Mein Mann hat seine Ausbildung abgebrochen. Und ich – bin deshalb richtig stolz auf ihn.

Klingt seltsam? Etwas abzubrechen fühlt sich nämlich ganz schön nach „Versagen“ an. Das weiß ich selbst ganz genau, denn auch ich habe mal ein Studium abgebrochen. Damit habe ich nicht nur meine eigenen Erwartungen, sondern auch die anderer enttäuscht. Meine Freunde zum Beispiel; die konnten damals nicht verstehen, warum ich es nicht einfach durchgezogen habe.

Und trotzdem – oder genau deshalb finde ich es richtig stark, dass er das gemacht hat. Die Ausbildung hat er neben seinem normalen Job gemacht. Und das ist richtig anstrengend gewesen. Er ist oft schlecht gelaunt und müde gewesen, weil er auch nach Feierabend ständig am Schreibtisch sitzen musste. Und so richtig begeistert von den Inhalten war er auch nicht. Weil aber gar nicht mehr viel gefehlt hat für das Zertifikat, haben auch ihm viele in seinem Umfeld geraten, es einfach durchzuziehen. Das hat ihm zu schaffen gemacht. Irgendwie dachte er, sich selbst und anderen damit etwas beweisen zu müssen. Als er schließlich abgebrochen hat, ist das ein Befreiungsschlag gewesen. Er hat sich entschieden, ganz ehrlich und auch gnädig mit sich selbst zu sein. Hat darauf geschaut, was ihm wichtig ist und nicht darauf, was andere von ihm denken. Dafür braucht es Mut, denn natürlich ist es ihm nicht egal, wie andere ihn sehen. Trotzdem hat er auf sich gehört und so gut auf sich Acht gegeben.

Mein Mann hat also seine Ausbildung abgebrochen – und damit etwas ganz Großes für sich geschafft. Und deshalb bin ich richtig stolz auf ihn.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40026
weiterlesen...
03JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Bald ist Sommer und ich fühle mich so richtig wohl in meinem Körper. Ich freu mich auf meine Sommerkleider und darauf, im See schwimmen zu gehen. Dieses Gefühl ist neu für mich. Denn die längste Zeit meines Lebens bin ich froh gewesen, wenn es wieder kälter wurde und ich lange Hosen und einen dicken Pullover anziehen konnte. Jedes Jahr habe ich mir vorgenommen, endlich mehr Sport zu machen und weniger zu essen, um mich im Sommer im Badeanzug wohlzufühlen. Und jedes Jahr habe ich irgendwann wieder aufgegeben. Habe in langen Hosen geschwitzt und mich nach dem Baden schnell in mein Handtuch eingewickelt.
Bis jetzt. Dabei ziehe ich auch dieses Jahr keinen Fitnessplan und keine Diät durch. Der Bauch ist alles andere als straff und es ist sogar eine ziemlich große Narbe dazugekommen, die ich letztes Jahr noch nicht hatte. Etwas anderes hat sich geändert: Wie ich meinen Körper ansehe. Diesen Körper, mit dem ich mein Leben lang hadere; denn er hat in den letzten Monaten einen kleinen Menschen zusammengebastelt und zur Welt gebracht. Für mich ist das ein Wunder, für das ich wahnsinnig dankbar bin. Gleichzeitig ist mir klar geworden: Nicht nur in der Schwangerschaft leistet mein Körper beeindruckend viel. Die Beine, von denen ich immer nur wollte, dass sie dünner sind, tragen mich jeden Tag durchs Leben. Die Arme, die ich nie mochte, können sich um Menschen schließen, die ich liebe. Und der Bauch, der mir immer zu groß und zu weich schien, ist zum liebsten Schlafplatz meines Sohnes geworden. Mein Körper ist nicht perfekt; aber er ist der einzige, den ich habe. Deshalb will ich gut zu ihm sein. Ihn mit Bewegung und gutem Essen stärken. Aber eben auch mit positiven Gedanken.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40025
weiterlesen...
02JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Noch immer flattern Glückwunschkarten und Geschenke in unseren Briefkasten. Und das obwohl es schon drei Monate her ist, dass unser Sohn geboren wurde. Karten und Geschenke von Freunden und Verwandten, aber auch von Menschen, mit denen wir nur entfernt zu tun haben. Sie alle scheint die Nachricht von der Geburt eines neuen Menschen zu berühren. Viele schreiben das in ihren Karten: dass die Geburt eines Kindes für sie ein Zeichen der Hoffnung ist – in einer Welt, die sonst gerade wenig Grund zum Hoffen bietet. Die von Kriegen und den Folgen der Klimakatastrophe erschüttert wird. Ein kleiner Mensch steht für die Zukunft. Er macht ihnen Hoffnung, dass es trotz allem irgendwie weitergehen wird. Dass wir Wege finden, um weiter und besser in dieser Welt leben zu können. Weil es nicht allein um uns geht, sondern wir auch für seine Zukunft Verantwortung tragen. Auch für meinen Mann und mich hat diese Hoffnung eine Rolle gespielt, als wir uns dazu entschieden haben, eine Familie zu gründen. Und sie hat auch mit unserem Glauben zu tun. Ich glaube an einen Gott, der will, dass es uns Menschen gut geht – allen Menschen. Die Bibel erzählt viele Geschichten, in denen Menschen gemeinsam mit Gott zu einem besseren Leben finden. Ihr Glaube gibt ihnen die Kraft, die sie brauchen, um sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung einzusetzen. Auch bei uns ist das so. Dass Gott an unserer Seite ist, auch dann, wenn es schwierig wird, macht uns Mut. Es gibt uns die Kraft, nicht aufzugeben, sondern uns weiter einzusetzen für eine Welt, in der auch unser Sohn gut leben kann. Und auch die Menschen, die sich über die Geburt eines Kindes freuen, machen mir Hoffnung. Dass wir viele sind, die sich nach einer besseren Welt sehnen. Dass wir viele sind, die nach Wegen dorthin suchen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40024
weiterlesen...
01JUN2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Nächste Woche am 9. Juni ist Europawahl und Kommunalwahl im SWR3-Land.

Dieses Jahr ist es für 16-Jährige besonders aufregend. Sie dürfen das erste Mal ihre Stimme abgeben.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich Erstwählerin war. Ich muss so 19 gewesen sein. Mir war in der Schule und im Elternhaus beigebracht worden, dass Wählen selbstverständlich ist. „Nur wer wählen geht, hat auch ein Recht auf Meinungsäußerung“, sagte mein Geschichtslehrer und es ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. 

Es war also klar, ich gehe meine Stimme abgeben. Aber meine Sorge betraf eher das: wie? Ich war noch nicht lange ausgezogen – allein in einer neuen Stadt. Ich wusste nicht genau, wo das Wahllokal war, und das machte mich schon nervös. Ich hatte tausend Fragen, die mir irgendwie peinlich waren, sodass ich sie niemandem im Vorhinein stellen wollte. Wie funktioniert das Wählen genau? Muss ich warten. Würde ich erkennen in welchen Raum ich muss? Und schaut mir da beim Wählen auch wirklich niemand zu?

Heute muss ich sehr darüber lachen. Das war so typisch für mich und am Schluss war alles völlig unkompliziert. Tatsächlich hätte ich mir aber damals jemanden gewünscht, der mich an die Hand nimmt und mir das alles zeigt. 

Da ich mittlerweile eine Menge Jugendliche im Erstwähleralter kenne, spreche ich sie dieses Jahr bewusst an. Ich ermutige sie nicht nur zur Wahl zu gehen, sondern zeige ihnen auch den Wahl-O-Mat. Ich diskutiere mit ihnen über die Parteiprogramme, versuche Antworten zu haben für die ganz praktischen Fragen zur Wahl und habe angeboten mit mir zum Wahllokal zu gehen. Für mich ist jede Wahl noch etwas Besonderes. Und für 16 / 17-Jährige – ist die Wahl auch ein Zeichen für das Erwachsenwerden. Für dieses Mitbestimmungsrecht braucht es manchmal einen kleinen Stups, oder eben eine, die es vormacht. Vielleicht lade ich im Anschluss noch zu mir nach Hause ein, denn die Wahl zu haben ist ein Geschenk – das sollten wir feiern!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39989
weiterlesen...
31MAI2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Luft vibriert. Der Boden auch. Nebel. Schwarzlicht. Scheinwerfer. Beat und Bass. Und ich mittendrin! Ich tanze. Springe. Bewege Arme und Beine. Lasse alles aus mir heraus. „Abzappeln“, nennt es ein Freund von mir, wenn du alles um Dich herum vergisst und mit der Musik und dem Raum eins wirst. Das sind die Momente in meinem Leben, in denen ich ganz und gar davon überzeugt bin, dass es einen Gott gibt. Weil ich dann mit Körper und Geist, mit meinen Ohren und bis in die Fingerspitzen spüre, dass Gott bei mir und sogar in mir ist.

Ob zu elektronischer Musik, zu Schlagerhits oder den aktuellen Charts: Beim Tanzen fühle ich mich froh und frei. Ja, tanzen ist Befreiung, von allem, was mir gerade zu schwer ist. Zeit spielt keine Rolle. Alltagszwänge und Sorgen sind passé.

Tanzen ist heilig - geradezu göttlich.

Naheliegend also in Kirchen zu tanzen. Heiliges Tun mit Heiligem Ort verbinden. In meiner Kirchengemeinde haben wir das neulich gemacht: wir haben zu einem Kirchenrave eingeladen. Mit DJ auf der Empore und Lichtershow. Unser großes goldenes Kreuz wurde angestrahlt und der Bass dröhnte durch den gesamten Raum.

Und eines ist sicher: Gott war da. Ich weiß nicht, ob alle Tanzenden Gott so gespürt haben, wie ich. Aber ich habe geschlossene Augen gesehen, wildeste Bewegungen, Lachen und Staunen.

So viele Menschen, die ihre ganze Energie in Gemeinschaft, Frieden und Freude rausgelassen haben. Ein echt heiliger Rave!

Wo, wenn nicht hier, könnte Gott sein?!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39988
weiterlesen...
30MAI2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich erinnere mich heute, wie ich vor ein paar Jahren schon frühmorgens auf der Straße saß. Nicht allein, sondern mit ein paar anderen Menschen aus dem Dorf. Mit größter Sorgfalt haben wir einen Teppich aus Blüten auf die Straße gelegt. Ein richtiges Kunstwerk. Nicht einfach so, sondern wegen Fronleichnam. Ja, heute ist

ein Katholischer Feiertag. Fronleichnam.

Oder wie ich früher immer zu sagen pflegte:

Happy Kadaver! Fro-hen-leichnam!

Das ist allerdings völliger Quatsch. Denn „Fron“ kommt vom mittelhochdeutschem Wort Vron, was so viel bedeutet wie „Herr“ und Leichnam hat damals nicht den leblosen Körper, sondern den Leib gemeint. An Fronleichnam geht es also nicht um eine frohe Leiche, sondern um den Leib des Herrn! Und zwar um den Leib von Jesus Christus.

Der steht heute im Mittelpunkt und die Erinnerung an das letzte Abendmahl, als Jesus Wein und Brot mit seinen Freunden teilte.

Es wird heute gefeiert, dass Jesus in einem kleinen Stück Brot – einer Hostie - ganz und gar anwesend ist. Deshalb finden an vielen Orten Prozessionen statt, in denen ein Priester ein besonderes Gefäß – eine Monstranz - indem die Jesus-Hostie gezeigt wird, vor sich trägt. Jesus wird so durch die Welt getragen. 

Ich bin evangelisch und mir waren das viele Brimborium und die bunten Prozessionen früher eher fremd. bis ich eben an diesem Morgen ein Teil des Ganzen war. Das Blütenlegen - eine wunderbar meditative Aufgabe. Eine Zeit zum Nachdenken. Eine Zeit etwas Schönes zu schaffen. Für einen selbst, für die Leute, die daran vorbeigehen werden und auch für Jesus, der ja heute durch die Welt getragen wird.

Auch wenn mir das kleine Stückchen Brot, das heute an vielen Orten durch die Straßen getragen wird nicht exakt das Gleiche bedeutet, wie vielen Katholiken, macht es trotzdem große Freude Jesus an diesem Tag zu feiern. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39987
weiterlesen...
29MAI2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Taylor Swift- und Kneipen-Gottesdienste.

Whiskey-Tasting in der Kirche.

Harry Potter-Predigten und Holy-Rave.

Es gibt so viele Leute, die sich freuen, wenn Kirche neue Idee hat und umsetzt. Doch in den Kommentarspalten auf Social Media sind besonders die präsent, die ein vernichtendes Urteil fällen. Auch wenn das vielleicht weniger sind – ihre Stimmen sind digital ziemlich laut. Da liest man dann: Wie verzweifelt kann Kirche bitte sein?“ „Reines anbiedern “, „Was hat das noch mit Gott zu tun?!“, Ich kann so einen Ärger einfach nicht verstehen!

Wenn ich als Pfarrerin einen Gottesdienst in der Kneipe feiere, dann ist meine Motivation, nicht Mitglieder für die Kirche zu gewinnen - wie es neulich in der Presse stand - noch irgendwie als Kirche cool zu sein. Ich feiere Kneipengottesdienste, weil es mir Freude macht. Weil ich am liebsten der ganzen Welt von Gott erzählen möchte. Weil ich Begegnungen liebe. Weil ich Menschen zeigen will, welche Schätze in biblischen Texten zu finden sind. Und das geht am besten, wenn ich an neue Orte gehe und nicht warte, bis die Leute den Weg über die Türschwelle einer Kirche geschafft haben. Ich gehe privat gern in Kneipen und bin ein Sonntagmorgen-Muffel. Zu mir passt es also in schummrigen Wirtshäusern und am Stammtisch Gottesdienst zu feiern.

Genauso ist es bei denen die weltliche Musik in ihren Gottesdiensten spielen. Pfarrerinnen und Priester hören doch nicht nur Choräle, Klassik oder Lobpreis. Die Christin Taylor Swift hat unglaublich aussagekräftige Songs, die sich wunderbar mit Gottes Botschaft der Liebe kombinieren lassen. Und wenn in Kirchenräumen ein DJ auflegt, dort getanzt, geklatscht und gelacht wird, dann tobt da einfach das Leben. Das Leben das Gott uns geschenkt hat. Pfarrerinnen und Pfarrer, die in ihrem Job das machen, was sie begeistert, biedern sich nicht an, sondern zeigen: so vielfältig wie unsere Leidenschaften sind – so vielfältig kann auch Kirche sein!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39986
weiterlesen...
28MAI2024
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ein Traktor mit angehängtem Planwagen fährt in unsere kleine Gasse vor die Kirche. Laute Party- Musik dröhnt aus einer Box und ca. 10 junge Frauen mit lustig-bunten Paddington-Mützchen und Sektgläsern in der Hand, winken mir lachend zu!

Junggesellinnenabschied. Und eine Station soll die Kirche sein. Lena ist die Braut und ihre Freundinnen haben sich überlegt und geplant, dass sie ihr für diesen ganz neuen Lebensabschnitt Gottes Segen mit auf den Weg geben wollen. Ein paar Tage zuvor haben sie sich bei mir gemeldet und ich habe mir als Pfarrerin etwas überlegt. Lena ist ehrenamtlich in unserer Gemeinde engagiert. Mit viel Liebe leitet sie unseren Jugendkreis. Ich finde Lena ist ein Engel. Deswegen habe ich auf

einer Stellwand einen Engelsflügel-Hintergrund vorbereitet und meine Tochter und ihre Freundin haben Blümchen gepflückt, die sie der Braut überreichen. Sie strahlt. Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet.

Grinsend stellt sie sich vor die goldenen Engelsflügel.

Um sie herum: ihre Mädels.

Ich beginne zu sprechen und sofort schießen Lena erste Tränen in die Augen. Ich hebe die Hände zum Segen, um diesen großzügig zu verteilen und meine beiden jungen Assistentinnen werfen zum laut ausgerufenen Amen, einen Schwall Konfetti.

Gottes Segen rieselt sichtbar auf die zukünftige Braut.

Weitere Tränen fließen, aber ich sehe und höre vor allem ganz viel Lachen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie Gottes Segen wirken kann:

Eine kleine Geste, die so viel Freude bringt und eine Braut, die mit Gott im Rücken, gestärkt in die Zukunft gehen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39985
weiterlesen...