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17JUL2024
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Letztes Jahr bin ich nochmal in dem Ort gewesen, in dem ich meine Kindheit verbracht habe. Zig Jahre war ich nicht mehr dort. Bin durch die Straßen und Gassen geschlendert, die ich jeden Tag auf dem Weg zur Schule gegangen bin. Vieles hat sich verändert. Anderes sieht noch genauso aus wie vor Jahrzehnten. Unzählige Erinnerungen verbinde ich damit. Und ja, auch so ein diffuses Gefühl von Heimat kam da wieder in mir hoch. Heimat, hab ich gedacht, könnte was mit Ankommen zu tun haben. Mit dem Gefühl, zu Hause zu sein. Aber ist das noch hier?

Der Regisseur Edgar Reitz hat sich in seinem Filmepos „Heimat“ damit beschäftigt. „Man sehnt sich vielleicht zurück“, hat er mal in einem Interview gesagt, „aber wehe, man tritt die Heimkehr an“. So ähnlich ging es mir dort auch. In Gedanken war ich zwar nochmal in meiner Jugend angekommen. Aber ich habe auch gespürt, hier gehöre ich nicht mehr hin. Erwachsen werden heißt schließlich, das Land seiner Kindheit hinter sich zu lassen. Aufzubrechen. Neues zu beginnen.

In der Bibel erzählen etliche Geschichten genau davon. Ob Abraham, Mose oder auch Jesus. Alle müssen erstmal die Heimat hinter sich lassen, um etwas bewirken zu können. Und wer weiß. Vielleicht gehört so ein diffuses Gefühl von Heimaltlosigkeit zum erwachsenen Leben ja auch einfach dazu. Weil Heimat immer neu entdeckt werden will. In meinem Glauben. In Menschen an meiner Seite. In mir selbst.

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16JUL2024
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Einmal mit dem Schiff die norwegische Küste entlangfahren bis hinauf über den Polarkreis. Eine Traumreise. Wie oft hat mein Vater davon gesprochen. Ich weiß, es war einer seiner Lebensträume. Nur erfüllt hat er ihn sich nie. Vor ein paar Jahren ist er dann gestorben. Seinen Traum, den hat er quasi mit ins Grab genommen.

Ich bin sicher, dass jeder Mensch Träume hat. Manche klein und leicht zu erfüllen. Andere nur mit großem Aufwand. Aber wie oft schieben wir die einfach beiseite? Ich kenne das ja auch von mir. Klar, es gibt immer Gründe, warum etwas gerade jetzt nicht geht. Weil ich den Aufwand scheue. Weil ich gerade keine Zeit oder kein Geld dafür habe. Weil ich zu jung, zu alt, oder was auch immer bin. Wie viele Lebensträume verkümmern so aber irgendwann? Bleiben am Ende ungelebt.

Aber was hindert mich, zumindest darauf hinzuarbeiten? Nicht nur davon zu träumen, sondern konkret was dafür zu tun. Auch wenn das im Moment vielleicht verrückt erscheinen mag. Und wenn am Ende dann doch nichts daraus wird – dann hab ich es immerhin versucht.

Die Reise jedenfalls, die mein Vater nie gemacht hat, die möchte ich noch machen. Ein bisschen wohl auch in Erinnerung an ihn. Und ich will damit nicht warten, so wie er. Bis es irgendwann vielleicht wirklich zu spät ist.

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15JUL2024
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Am Ende hat die Kraft wohl nicht mehr gereicht. Eine alte Dame aus unserer Straße ist vor einiger Zeit gestorben. Ihre große Leidenschaft: Ihr Schrebergarten. Jedes Jahr hat sie den bepflanzt, hat Unkraut gejätet und im Herbst dann Obst und Gemüse geerntet. Oft viele Stunden lang. Irgendwann aber ging das kaum mehr. Dann hat sie gejammert, wenn ich sie getroffen habe. Über den großen Garten, der ihr so viel Arbeit macht. Von ihm trennen aber konnte sie sich einfach nicht. Ihn in andere Hände geben? Undenkbar. Mir kam es so vor, als ob für sie die Zeit dafür noch nicht reif war.

Dass alles im Leben eine bestimmte Zeit hat, das weiß aber schon die Bibel. Eine Zeit zum Gebären und eine zum Sterben, heißt es da. Eine Zeit zum Suchen und zum Verlieren. Und eben auch eine Zeit zum Anfangen und eine zum Aufhören.

Zu spüren, wann etwas anfängt und wann es aufhört und den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Darum geht’s. Manchmal ist das gar nicht so leicht. Denn oft hat das ja mit Abschiednehmen zu tun. Damit, etwas loszulassen, das mir lange lieb und teuer gewesen ist. Es ist wohl eine große Kunst im Leben, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Den Moment, an dem die Zeit ist, zu etwas Adieu zu sagen. Und so vielleicht auch wieder offen zu werden für etwas Anderes, Neues, das dann kommen will.

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14JUL2024
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Eigentlich geht es bei uns zuhause heute Abend klassisch zu. Erst schieben wir Pommes in den Ofen und dann schauen wir mit Radler und Limo das EM-Finale zusammen. In solchen Momenten erwische mich ab und zu bei einem verrückten Gedanken: Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn Jesus heute Abend mit auf der Couch sitzen würde. Neben meinem Mann und den Kindern.

Schon sehe ich ihn vor mir, und mir scheint, wir kennen uns schon ewig. Eine unserer Töchter sitzt bei ihm auf dem Schoß, und ab und zu steht er auf und füllt Chips wieder auf oder holt was zu trinken aus der Küche. 

Jetzt zoome ich mich noch näher ran und will wissen: Hat Jesus eigentlich ein Fußball-Trikot an und eine Länderflagge auf die Backe geschminkt? Ja, aber Jesus ist Fan von den anderen. Das ist typisch für Jesus. Er ist schon immer gegen den Strom geschwommen und war für die, die weniger Unterstützung hatten.

Außerdem überlege ich mir: Würde Jesus das Spiel cool verfolgen oder würde er bei jedem Tor aufspringen und laut rummeckern, wenn der Schiedsrichter scheinbar falsch entschieden hat? Ich schätze mal, Jesus wäre leidenschaftlich dabei. Er wäre auf jeden Fall auf Gerechtigkeit aus, und bei irgendwelchen Gewaltattacken würde er eine Riesen-Wut kriegen.

Gleichzeitig weiß ich: Jesus würde sich über jeden Spieler freuen, der leidenschaftlich kämpft und ein weitsichtiger und fairer Teamplayer ist.

Und wenn die Verlierer es heute Abend schaffen am Ende stolz und voller Achtung vor den Siegern den Platz zu verlassen, dann kann ich mir so richtig vorstellen wie Jesus nickend anerkennt: „Nicht schlecht, genau nach meinem Geschmack!“

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13JUL2024
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Die Straßen Mannheims werden noch ein paar Tage glitzern. Und daran erinnern: Heute ist Pride Parade in Mannheim! Gewagte Outfits, Themenwagen, Regenbogenflaggen und -bemalung, Musik, die Lust zum Tanzen macht, strahlende Menschen und nicht zuletzt viel Glitzer – in der Luft, auf der Haut, in den Haaren. All das gehört zum Umzug der queeren Community, die heute durch Mannheims Straßen zieht. Der Umzug oder besser die Pride Parade zeigt, dass die Liebe so vielfältig ist wie die Menschen. Wer mitläuft und mittanzt, kann erleben: wo Menschen sich akzeptieren, bleibt kein Raum für Hass und Vorurteile.

In diesem Jahr ist zum ersten Mal auch ein Wagen der evangelischen und katholischen Kirche dabei. Denn Liebe tut der Seele gut. Davon ist Pfarrerin Nina Roller vom Vorbereitungsteam überzeugt. „Die Türen zu Gott sind weit geöffnet”, sagt Roller, “und Menschen in authentischer Gottes-, Nächsten-, und Selbstliebe zu stärken, das ist unsere Aufgabe.“ Und ihre Kollegin Kathrin Grein von der Katholischen Hochschulgemeinde ergänzt: „Gott diskriminiert nicht. Die Vielfalt auf der Pride Parade ist ein Teil von Gottes Schöpfung.“

Also: Raus mit dem Glitzer, in die Luft, auf die Haut, in die Haare. Zum Lob Gottes. Danke, für die Vielfalt der Schöpfung. Und für die Liebe!

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12JUL2024
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Ein Teller Suppe. Gratis. Für alle, die mögen. Oder eine Tasse Chai. Auch gratis.

Nathan Thurlow freut sich über jeden Teller Suppe, den er schöpfen kann. Damit ist wieder eine Person mehr auf dem asphaltierten Platz zwischen Bahnhof und Innenstadt und sorgt für ein noch bunteres Bild. Denn genau das ist sein Anliegen: Menschen zusammenbringen, sie zum Lächeln und ins Gespräch miteinander bringen. Dass das gelingt, zeigt sich an dem eher trüben Nachmittag in Freiburg: Dort stehen Leute mit Kindern zusammen und unterhalten sich auf Spanisch. Daneben sitzt ein junger Gambianer und löffelt zufrieden aus seiner Schüssel. Eine ältere Frau lächelt dem jungen Mann schüchtern zu und macht eine Bemerkung über die gute Suppe. Plötzlich klingt eine fröhliche Melodie über den Platz. Eine junge Frau hat sich ans E-Piano gesetzt. Ich mische mich unter die Leute mit meinem Chai. Rede ein paar Sätze mit der älteren Frau, schlendere zu einer Gruppe Studierender, spiele Fangen mit den Kindern.

Ist es echt so einfach? Genügt ein Gratis-Teller Suppe, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, um Ängste und Vorurteile abzubauen, vielleicht sogar neue Freundschaften zu stiften? „Nächstenliebe“ steht auf einem großen Banner über einem der Suppenwägen. Nathan Thurlow hat für sein Projekt eigens den Verein „New Heart Project“ gegründet. So kann er auch Spenden für sein Herzensprojekt verwenden. Und ein großes Team hilft ihm beim Gemüse schnippeln und Kochen.

Als ich beobachte, wie die ältere Frau und der junge Mann aus Gambia inzwischen ins Gespräch vertieft sind, weiß ich: Ja, es ist einfach. Ein gemeinsamer Teller Suppe kann der Anfang sein.

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11JUL2024
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„Ich brauch mal wieder Me-Time“, sagt meine Freundin Karo und schaut sich die unterschiedlichen Schaumbäder im Drogeriemarkt an. Sie nimmt das mit Lavendel.

„Geht das nur in der Badewanne?“ Ich bin irritiert. Karo guckt mich erstaunt an: „Natürlich nicht. Aber ich will’s mir doch richtig schön machen, wenn ich schon mal Zeit für mich habe.“

„Ach so“, sage ich. Und bin erst mal still. Me-Time, Zeit für mich - das einzuplanen und zu gestalten ist gerade irgendwie hip.

Ich habe eigentlich ziemlich oft Zeit für mich, oder besser gesagt: Me-Time. Also nachdem ich die Mails beantwortet, die Texte geschrieben, die Tagungen organisiert, den Haushalt geschafft habe und mit dem Hund draußen war. Aber dann hab ich Zeit, Zeit, in der ich einfach rumhänge, unverplant und ungestaltet. Ich schaue aus dem Fenster, und sehe die große Blutbuche im Garten. Das Licht spiegelt sich auf den Blättern. Oder ich gucke so vor mich hin und winke meine Gedanken vorbei. Bin einfach da und muss nichts und will nichts. In diesen absichtslosen Momenten kann ich das große Ja Gottes beinahe hören. Je weniger ich dafür tu, desto deutlicher kann ich es spüren. Gott ist da und sagt Ja. Ja zu mir.

Mir fällt das leicht, mir einfach Zeit für mich zu nehmen. Karo braucht da ein paar mehr Hilfsmittel. Das Schaumbad. Und sie hat eine spezielle Playlist für die Me-Time. Die Musik reicht für ziemlich genau zwei Stunden. „Zwei Stunden – das ist perfekt als Auszeit“, sagt Karo gutgelaunt und legt noch einen Wohlfühltee auf das Band an der Kasse.

Als ich später nach Hause komme, ist niemand da. Nicht einmal der Hund. Eigentlich wollte ich noch den Bericht fürs Büro schreiben. Aber wenn ich’s mir genau überlege: Ich schau lieber eine Weile aus dem Fenster, unverplant und ungestaltet. Zeit für mich? Zeit, das große Ja zu spüren. Und darum geht es eigentlich, glaube ich. Ob mit oder ohne Schaumbad.

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10JUL2024
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Und dann ist da nur noch dieses Gefühl des Schwebens ... Anja hat die Augen geschlossen und – ja, sie schwebt! Schwebt auf einer breiten Liege, die an elf Meter langen Seilen pendelt. Nur einen knappen Meter über dem Boden. Und trotzdem beinahe schwerelos. Die Schaukel schwingt weit aus in diesem Raum. Und von irgendwo tönt leise Musik.

Anja probiert die Himmelsschaukel in der Thomaskirche in Freiburg aus. Besser gesagt im Turm der Kirche. Immer Donnerstagabends öffnet sich dieser Raum fürs meditative Schaukeln.

Dann wird die hölzerne Liege mit den Seilen verbunden, und wer möchte, kann sich drauflegen und losschwingen. Die Atmosphäre ist ruhig und feierlich. Wer genug hat, gibt ein Zeichen. Die Schaukel wird angehalten, und jemand anderes kann erleben, wie es sich im Kirchenraum schwingt. Und wer noch wartet, genießt bereits die Musik und die Gemeinschaft.

Die Idee dahinter ist so schlicht wie einleuchtend: sinnlich erleben, wie Glaube Schwung gibt und trägt. Und was eignet sich dazu besser als ein Kirchenraum mit seinem in Generationen durchbeteten Raum! 

Nach einigen Minuten öffnet Anja die Augen und lässt sich anhalten. Sie lächelt: eine wunderbare Erfahrung! Doch anstatt aufzustehen, winkt sie ihren Mann her und rückt etwas zur Seite. Jetzt schwingen sie zu zweit durch den Raum. Eine bleibende Erfahrung: gemeinsam voller Schwung getragen!

Himmelsschaukeln – weil Glaube Schwung gibt, der uns trägt.

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09JUL2024
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Sarah Corbetts Leben als Aktivistin für soziale Gerechtigkeit war ziemlich anstrengend. Um sich zu entspannen, hat sie vor ein paar Jahren angefangen zu sticken. Dabei hat sie erlebt, dass sie beim Sticken und mit den fertigen Arbeiten ganz leicht mit Menschen ins Gespräch kommt.

Seither stickt sie Themen, die ihr als Aktivistin und Christin ohnehin wichtig sind. Sie stickt Bilder und Texte. Auf Kleidung, Banner, Tücher – was auch immer. Und das am liebsten in der Gruppe. Im Craftivism-Kollektiv, das sie gegründet hat.

Craftivism lässt sich auf Deutsch vielleicht am ehesten mit Handarbeitsaktivismus übersetzen. Hört sich niedlich an. Aber harmlos ist es nicht! Sarah Corbett hat es mit ihren Mitstreiter:innen geschafft, für Lohnerhöhungen bei Marks & Spencer zu sorgen.

Herzstück ihrer Kampagne waren Taschentücher von Marks & Spencer. Darauf hat sie mit ihrem Kollektiv für jedes Vorstandsmitglied eine persönliche Botschaft aufgestickt. So wurde ein Dialog mit dem Vorstand möglich. Und ein Dialog für einen sozialeren Kurs des Unternehmens erreicht.

Handarbeit kann mehr als ein Zuhause verschönern. Crafitivism setzt darauf, dass beim gemeinsamen textilen Arbeiten schon Gespräche entstehen. Und dazu gehört, sich den anderen gegenüber empathisch zu verhalten, freundlich zu sein. Von Anfang an werden hier Verständnis-Prozesse angestoßen, anstatt Gräben zu vertiefen. Und das geht beim gemeinsamen Sticken oder Häkeln einfacher, als wenn man den anderen wütend anbrüllt.

Ich glaube, Jesus wäre heute auch immer mal wieder bei Craftivism-Treffen zu finden. Und die Frage wäre höchstens: häkelt, strickt oder stickt er am liebsten. 

 

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08JUL2024
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Bin auf einer Tagung. Eine Pflichttagung, auf die niemand so richtig Lust hat. Unsere Zimmer im Gästehaus sind alle mit einem kleinen Spruch ausgestattet. Ich schaue mir also meinen Zimmerspruch an. Da steht: “Man sollte immer mit allem rechnen.“ Ja klar, denke ich. Dann entdecke ich die zweite Zeile: “… Auch mit dem Guten”.

Interessante Perspektive, überlege ich. Ich nehme mir vor, diesen Satz zu meinem Motto heute zu machen. Dann hole ich meine Unterlagen aus der Tasche und suche unseren Tagungsraum. Die meisten Plätze sind schon belegt. Ich habe die Wahl zwischen einem Stuhl direkt an der Türe oder neben der Kollegin, mit der ich schon zwei Mal in den letzten Wochen aneinandergeraten bin. Ich denke an meinen Zimmerspruch und setze mich neben die Kollegin. Sie schaut mich ein wenig erstaunt an. Mit dem Guten rechnen – ich schaffe es, sie anzulächeln. Sie lächelt vorsichtig zurück.

Unsere Tagung startet mit viel Input. Zwischendurch gibt es kurze Austauschphasen zu zweit. Pflichtbewusst unterhalte ich mich also mit der Kollegin über die jeweiligen Themen. Immer mit meinem Motto im Hinterkopf. Und siehe da: sie sagt ziemlich viele kluge Dinge. Unsere Gespräche bekommen richtig Drive. Als wir in größeren Gruppen weitere Schritte für unsere Abteilungen erarbeiten, achten wir darauf, zusammenzubleiben. Und stecken dann diese Gruppe an: mit aufmerksamem Zuhören und Konzentration auf die guten Gedanken. 

Am Abend stehen wir alle gutgelaunt an der Bar. Ganz nebenbei entstehen bei den Gesprächen Ideen für gemeinsame Projekte. Als ich mich schließlich aufraffe, doch mal schlafen zu gehen, höre ich im Rausgehen, wie die Kollegin zu einer anderen sagt: “Also, ich habe ja echt mit allem gerechnet. Aber nicht damit, dass diese Tagung so gut wird.”

Tja, man muss eben immer mit allem rechnen – auch mit dem Guten.  

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