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SWR3 Worte
Unsicherheiten sind schwer auszuhalten. Und in Krisenzeiten wäre es schön, wenn uns jemand genau sagen könnte, wie wir aus ihnen herauskommen. Helga Kohler-Spiegel, Humanwissenschaftlerin und Psychotherapeutin, kennt diesen Wunsch und sagt:
„Vielleicht liegt die eigentliche Antwort auf die Unsicherheit der Gegenwart nicht im Wunsch nach schneller Eindeutigkeit, sondern im Mut, Spannungen zu ertragen; nicht im Rückzug, sondern in der Entscheidung, Mensch zu bleiben – und Menschlichkeit weiterzugeben. […]
Menschsein ist uns gegeben, Menschlichkeit aber will bewusst gelernt, gelebt und geübt werden. Gerade im Angesicht von Krisen.“
Helga Kohler-Spiegel, Was tun in den Krisen der Gegenwart? Ein Plädoyer gegen die Verlockungen einfacher Antworten. In: Feinschwarz. Theologisches Feuilleton, 2.10.25, https://www.feinschwarz.net/was-tun-in-krisen-der-gegenwart/
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Genussmomente – die Theologin und Journalistin Kirsten Westhuis wirbt dafür, offen und sensibel für diese besonderen Augenblicke durchs Leben zu gehen und sie sich auch zu bewahren. Sie erzählt:
„Meine Augen weiden sich am leuchtenden Gelb der weiten Rapsfelder. […] Bei einer Radtour in der Abendsonne spüre ich den lauen Fahrtwind im Gesicht. […] Die Umarmung eines lieben Menschen fühle ich auf meiner Haut und in meinem Herzen.
Genussmomente wie diese notiere ich in meinem sonnengelben Notizbuch. […]
Diese Liste nach einiger Zeit durchzusehen und die Momente nachzuschmecken, ist noch mal ein ganz eigener Genuss, der nicht nur Freude, sondern auch eine tiefe Dankbarkeit entfaltet. Es sind kleine, alltägliche Dinge, die zum genussvollen Leben gehören.“
Kirsten Westhuis, Genuss lässt die Seele strahlen, in: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr 2/2025
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Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Aber was ist das, der Heilige Geist? Was bewirkt die Geistkraft Gottes? Für Pfarrer Quinton Ceaser ist sie eine Kraft, die uns hilft, auch in schwierigen Situationen den Mund aufzumachen. Er beschreibt das so:
„Im Neuen Testament heißt es, dass Gottes Geistkraft für uns mit einem Seufzen eintritt, das keine Worte braucht [Röm 8,26]. Diese Kraft […] ist ein Atemholen, ein Seufzer, ein erster Laut gegen Sprachlosigkeit. […]
Pfingsten ist die Einladung dieser Kraft zu vertrauen. Nicht naiv, sondern wach. [ … zu vertrauen], dass unsere brüchigen Stimmen sich verbinden […] zu einer Gemeinschaft in Bewegung, tastend, widersprüchlich und lebendig.“
Quinton Ceasar, Eine heilige Störung, in: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr, 2/2026
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An Pfingsten feiern Christen das Hereinbrechen des Heiligen Geistes in die Welt. Gar nicht so einfach, sich vorzustellen, was das heißt. Die Schriftstellerin Christina Brudereck hat da eine originelle Idee. Sie vergleicht die Kraft des Heiligen Geistes gern mit Pippi Langstrumpf. Sie erzählt:
„Ja, ich persönlich stelle mir die Heilige Geistkraft am liebsten als eine Pippi Langstrumpf vor. Wenn ich verzagt bin, allzu angepasst oder mich klein fühle, schickt sie diesen „Annika-Seiten“ in mir Besuch von nebenan vorbei.
Die Heilige Geistkraft ist die Nachbarin aus der Villa Kunterbunt, die mich in eine andere Welt lockt. Sie ist die Stimme, die mich ermutigt, meine Stimme zu nutzen. Die mich auffordert, beherzt zu sein. Die mich mitreißt, die Welt zu verändern, zu beschenken und neu zu sehen. […] Sie ist die Kraft, die ich nie beweisen könnte, die mich aber trägt.“
Christina Brudereck, Hoffnung für müde Herzen in: Andere Zeiten, Magazin zum Kirchenjahr, Heft 2/2013
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Manchmal bin ich unsicher, wie ich einem traurigen Freund oder Freundin helfen kann. Gern würde ich irgendetwas tun. Die folgende kleine Geschichte eines unbekannten Autors erzählt, wie Hilfe und Mitgefühl auch aussehen kann:
"Ein kleiner Junge kam später nach Hause, als die Mutter erwartet hatte. Als sie nach dem Grund der Verspätung fragte, antwortete das Kind: „Ich habe Julia geholfen. Ihre Puppe ist kaputtgegangen.“ „Hast Du geholfen sie zu reparieren?“ fragt die Mutter. „Nein“, antwortete das Kind. „Ich habe ihr geholfen zu weinen.“
Erste Hilfe in: Andere Zeiten e.V., Hoppla! Neue Geschichten für andere Zeiten
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Wie an jedem ersten Freitag im März wird er auch morgen wieder gefeiert: der Weltgebetstag, der immer von Frauen vorbereitet wird. In über 150 Ländern der Welt kommen Frauen und Männer zusammen, um über die Grenzen hinweg solidarisch zusammenzustehen. Die Schauspielerin Marianne Sägebrecht sagt dazu:
„Frauensolidarität ist mir wichtig. […] Und Ökumene ist mir ein großes Anliegen. Wenn Menschen, egal welcher Konfession, Schulter an Schulter in der Kirche sind und gemeinsam beten, gibt das eine tolle Energie. […] Jeder Mensch ist in seiner Einzigartigkeit von Gott bestellt, aber wir müssen das annehmen und damit umgehen.“
Marianne Sägebrecht
In: https://weltgebetstag.de/aktuelles/einzelansicht/news/interview-mit-marianne-saegebrecht
SWR3 Worte
Sieben Wochen anders leben – nach diesem Motto richten sich viele Christinnen und Christen in den sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Die evangelische Theologin und Journalisten Kathrin Althans erzählt:
„Wer in der Fastenzeit auf etwas verzichtet, darf nach protestantischem Verständnis selbst entscheiden, was ihm guttut […]. Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwerfällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte. […]
So kann das Fasten ein jährlicher kleiner Entwurf sein: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich nicht jeden Abend auf dem Sofa zu bewegten Bildern einschlafen würde? Wenn ich z.B. jeden Tag eine neue Begegnung wagen würde? Wenn ich vorwärtsschauen würde, statt zurück? Ja, Fastenzeit bedeutet die Skizze eines anderen Alltags“.
Kathrin Althans, Warum fasten wir eigentlich?
In: https://7wochenohne.evangelisch.de/warum-fasten-wir-eigentlich
SWR3 Worte
Wie es wohl im Himmel aussieht? Beim Betrachten des Sternenhimmels hat ein kleines Mädchen dazu eine Idee. Davon erzählt die folgende, kurze Geschichte eines unbekannten Autors:
„Ein kleines Mädchen aus der Stadt besuchte seine Großmutter auf dem Land. Kurz zuvor war der Großvater gestorben. Eines Abends saßen sie gemeinsam vor dem Haus auf der Bank und schauten in den wunderschönen Sternenhimmel. Das kleine Mädchen hatte diese Himmelsschönheit in der Stadt noch nie so erlebt, zu hell war der städtische Abendhimmel. In Gedanken versunken sagte es plötzlich zu seiner Großmutter: ‚Wenn der Himmel von der falschen Seite schon so schön ist, wie viel schöner muss er dann erst von der richtigen Seite sein!‘
Auf der richtigen Seite in: Andere Zeiten e.V., Hoppla! Neue Geschichten für andere Zeiten
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Viele Kirchengemeinden haben in diesem Winter dazu eingeladen, in der Kirche zu essen. Vesperkirche nennt sich das. Unzählige ehrenamtliche Hände haben die Kirchenräume zu Ess- und Aufenthaltsräumen umgebaut und warme Mittagessen für alle zubereitet – egal, ob für Menschen mit oder ohne Geld. Die Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann erklärt:
„Hinter all unserem Tun steht diese große Vision vom gemeinsamen großen Gastmahl, zu dem alle eingeladen sind. Ich glaube, ein Stück von dieser Vision von Gottes Reich, dem Reich der Liebe, blitzt immer wieder in der Vesperkirche auf (...). Es spielt keine Rolle, welchen Sozialstatus jemand hat, wo er herkommt, wie viel Geld er hat, welcher Kultur er zugehört. Wir sind so verschieden, so unterschiedlich und trotzdem sitzen wir gemeinsam an einem Tisch.“
Gabriele Ehrmann; Armut, Einsamkeit und Würde
In: https://www.domradio.de/artikel/stuttgarter-vesperkirche-arbeitet-seit-30-jahren-diakonisch
SWR3 Worte
Sonntag - die Hamburger Pfarrerin Susanne Richter sieht ihn als Ausnahmetag, der uns hilft, locker und biegsam zu bleiben. Sie sagt:
„Ausnahmen sind das beste Mittel gegen Verstockung und Verkrampfung im Kopf. Macht man eine Ausnahme, gibt man damit zu verstehen: Ich versteife mich nicht auf mein Tun, sondern bleibe biegsam. Der Sonntag ist der Inbegriff einer Ausnahme: Nach der Bibel ist er der allwöchentliche Feiertag, an dem wir nicht arbeiten, sondern unsere Befreiung feiern. Nicht, weil Arbeit schlecht ist, sondern weil eine genussvolle Pause ein Vorgeschmack darauf ist, was Leben auch sein kann: Fülle.“
Susanne Richter, Ausnahmetag in: sonntags. Erfindung der Freiheit. Andere Zeiten e.V.
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