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SWR3 Worte

13NOV2022
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Die Theologin Dorothee Sölle empfiehlt: heute am Sonntag mal auszusteigen aus der Routine. Sie schreibt:

“Du sollst Dich selbst unterbrechen
zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein und Freude
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
Sollst du es in dir singen hören
Gottes altes Lied von den sechs Tagen
Und dem einen der anders ist.”  

Dorothee Sölle, zitiert nach: Stephanie Brall und Ann Kathrin Blohmer, Lichtungen, bene!

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SWR1 Begegnungen

06NOV2022
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Janine Knoop-Bauer trifft Tim Kaufmann, Pfarrer und Leiter des LabORAtoriums der evangelischen Kirche der Pfalz, wo Erprobungsräume entstehen für eine Kirche der Zukunft.

Ein Labor erwartet man wahrscheinlich nicht als Grundausstattung einer Kirche. Die Evangelische Kirche in der Pfalz beschreitet hier neue Wege und hat im Jahr 2019 ein LabORAtorium eingerichtet. Dort wird überlegt, wie die Kirche der Zukunft aussehen kann. Aber nicht als Gedankenspiel, sondern ganz konkret: Tim Kaufmann und sein Team unterstützen Gemeinden, die neue Ideen umsetzen möchten. Erprobungsräume heißen die so angestoßenen Projekte. Sie alle stehen dabei unter der gleichen Fragestellung, die Tim Kaufmann so zusammenfasst:

wie kann das gehen, dass Kirche in Zukunft Formen von Gemeinschaft entwickelt, die für die Menschen tragfähig und funktionabel sind? Dass die Menschen da wirklich das Gefühl haben, hier ist eine Gemeinschaft, da gehöre ich dazu. Da kann ich meine Fragen loswerden, meine Zweifel loswerden, meine Hoffnung austauschen und erlebe eigentlich das, was im Heidelberger Katechismus so schön in der ersten Frage heißt: was mir Trost und Halt im Leben und im Sterben gibt.

Denn Glaube braucht Gemeinschaft. Schon ganz am Anfang der Bibel heißt es: es ist nicht gut, wenn der Mensch alleine ist. Aber genau das erleben Gläubige zurzeit häufiger, wenn sie am Sonntag in die Kirche gehen. Da sitzen sie dann fast alleine. Tim Kaufmann möchte die Lebendigkeit der Kirche aber nicht allein am Gottesdienstbesuch messen:

Über schlechten Gottesdienstbesuch hat man sich auch schon vor 200 Jahren beklagt. Natürlich bei ganz anderen Zahlen. Aber es gibt zum Beispiel vom Theologen Friedrich Schleiermacher ein Zitat, der sagt: „Es kommt eigentlich niemand, um meine Predigt zu hören. Die kommen alle entweder, weil ich sie im Examen prüfe oder weil sie von zuhause aus müssen oder weil sie die jungen Männer oder jungen Frauen sehen wollen, aber nicht, um an meinem Gottesdienst teilzunehmen.“ Also, das ist so alt wie die Kirche selber, glaube ich, dass man sich beklagt, dass zu wenig kommen.

Wenn nicht im Gottesdienst – wo trifft man sie dann, die Gemeinschaft der Gläubigen, aus der die Kirche doch besteht. Für Tim Kaufmann ist klar: da, wo Menschen ins Gespräch kommen über die wirklich wichtigen Dinge. Aber das ist gar nicht so einfach:

Also ich denke, vielleicht ist das ein Abbruch, der schon viel früher passiert ist, dass wir das so ein bisschen verlernt haben, uns darüber auszutauschen, weil Glauben halt auch Privatsache ist und man da nicht öffentlich darüber redet. Manchmal hat man das Gefühl, man redet mehr über Themen von Sexualität als … über Glauben und Hoffnung.

Es geht in den Erprobungsräumen also auch darum, sich im Austausch zu üben. Und dabei muss Kirche wortwörtlich auch mal über die Kirchenbänke hinausdenken, findet Tim Kaufmann:

Oft geht es vielleicht gar nicht darum, unsere Räume zu öffnen, sondern zu entdecken, wo das Gespräch stattfindet. Also vielleicht so ein bisschen wie auch früher, bei den ersten Christen. Da war es ja auch nicht so, dass es schon eine Infrastruktur gab, sondern die Dinge erst mal da stattfanden, wo sich die Leute versammelt haben, also entweder in den jüdischen Gemeinschaften oder eben auf den Marktplätzen der antiken Städte … oder bei Leuten zu Hause, die irgendwie einflussreich waren und Leute versammelt haben, also dass man wieder in den öffentlichen Raum kommt, sozusagen und sich da anschließt, wo Gespräche entstehen.

 

Eine dieser spannenden Ideen ist in der Tat das Küchengespräch aus Finkenbach, die eben wirklich ganz einfach angefangen haben. Mit Gesprächen in der Küche: kennt man von jeder Party, dass die besten Gespräche in der Küche stattfinden. Die haben eine Einbauküche in einem leeren Pfarrhaus. Und da haben Sie angefangen, sich zu treffen mit Leuten aus dem Ort, mit Landwirten, mit Politikern, haben auch Leute eingeladen, gezielt. Und da ist einfach wirklich ein Gespräch darüber entstanden, was vor Ort passiert, was vor Ort die Themen sind und was vor Ort gebraucht wird.

Kirche in der Küche – Gemeinschaft am Küchentisch. Mich erinnert das daran: ganz am Anfang haben Christen sich auch am Tisch getroffen. Sie haben sich zum gemeinsamen Essen versammelt um sich auszutauschen über ihren Glauben. Für Tim Kaufmann zeigt sich an dem Beispiel aber noch etwas: 

Das Spannende ist, dass wir also beobachten, dass manchmal die innovativen Aufbrüche jetzt auch nicht aus den Großstädten kommen. … Finkenbach ist jetzt alles andere als urban gelegen, und es ist halt ein echtes Dorf in der Nordpfalz. Insofern, da kommen manchmal auch die Ideen her, wo Leute wirklich was anpacken, weil die eine ganz andere Wahrnehmung dafür haben, was vor Ort gebraucht wird und auch vielleicht schneller merken, dass so herkömmliche Lösungen, wie sie jetzt oft probiert werden, dass man einfach größere Einheiten bildet und so in den Regionen eben nicht funktionieren, weil es eben wirklich weit ist in den nächsten Ort.

Für Tim Kaufmann ist die Erneuerung der Kirche eine Erneuerung von innen. Das leuchtet mir ein: denn ob eine Gemeinschaft wirklich trägt, hängt ja davon ob, wie sehr sich die einzelnen dazugehörig fühlen. Das kann von außen gar nicht verordnet werden. Für Kirche heißt das:  

Es muss klar sein: Leben vor Ort und Kirchengemeinde vor Ort hängt nicht am Pfarrer, sondern hängt eigentlich an den Menschen vor Ort, die vor Ort ihren Glauben leben. … Der Apostel Paulus hat in den Gemeinden, denen er Briefe geschrieben hat, nicht als erstes ein Gemeindehaus, eine Kirche gebaut, sondern hat Leute da versammelt, die das gemeinsam gemacht haben, auch wenn er weg war, bis hin zur Gemeinde in Rom, wo die Leute sogar schon vorher da waren, bevor er überhaupt da angekommen wäre. Also das funktioniert scheinbar auch ohne hauptamtliches Personal ganz gut. Und da sollten wir wieder hinkommen, dass wir das lernen, dass jeder einzelne Gemeinde ist und diese Gemeinschaft das ist, was uns ausmacht und nicht nur Organisationsformen oder eine Struktur.

Nur zusammen bleibt der Glaube lebendig – wenn aus vielen Ichs ein Wir wird. Tim Kaufmann sieht darin das bleibende Fundament der Kirche:

… das ist eines der Kernanliegen unseres Lebens als Christ, dass wir irgendwie eine Gemeinschaft und eine Geborgenheit erleben wollen mit Gott. Und dann natürlich auch bei anderen Menschen…. Das ist im Endeffekt das, was wir, wenn wir als Kirche fortbestehen wollen, brauchen, dass die Leute eben nicht nur eine Heimat in ihrem Dorf haben, sondern eben dann auch in ihrer Kirchengemeinde.

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SWR3 Gedanken

22OKT2022
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Katrin häkelt seit Neustem, Melanie näht. Und Ute kocht aus allem Marmelade, was nur annähernd nach Frucht aussieht. Fast überall wo ich hinkomme erzählen mir Freundinnen und Verwandte mit Stolz von ihren neusten Produkten: Mützen und Schals, Pullover und Brotaufstriche. Und überall klebt unsichtbar oder ganz buchstäblich das Label „Selbstgemacht!“ drauf. Das ist vor wenigen Jahren noch ganz anders gewesen. Da gehörten Handarbeit und Hausmannskost eher in das Gebiet der Großmütter.

Menschen schaffen wieder mit den eigenen Händen, weil sie sich dabei selbst als produktiv erleben. Und anders als in vielen anderen Gebieten hat man auch den gesamten Herstellungsprozess vor Augen. Das gibt einem das Gefühl von Überblick und Kontrolle. Diese Erklärungen leuchten mir ein, vor allem zur Zeit, wo die Welt so außer Kontrolle scheint. Da tut es gut wenigstens beim Nähen alles im Griff zu haben. Was ich bei all dem als große Chance wahrnehme: über das Selbermachen kommen die unterschiedlichen Generationen in Kontakt. Denn wer weiß besser wie man Socken strickt als Oma Maria, die das macht seit sie zwölf ist. Und wer kennt das beste Rezept für selbstgemachten Eierlikör? Genau, Tante Käthe! Von Gott heißt es übrigens auch, dass er gerne und viel selbstgemacht hat. Uns Menschen zum Beispiel. Wie wertvoll wir für Gott sind versteht man vielleicht auch besser, wenn man weiß, wie das ist: Liebevoll und stolz auf das Selbstgemachte zu schauen.

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SWR3 Gedanken

21OKT2022
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Wie sieht Gott eigentlich aus? Und wie ist er so? Viele Menschen haben schon versucht Gott zu beschreiben. Aber an einer Stelle in der Bibel gibt Gott selbst etwas von sich preis. Und zwar dem Prophet Mose. Der möchte Gott sehen. Er braucht das, um sich zu vergewissern, dass er wirklich auf dem richtigen Weg ist. Und nach langem Bitten hat Gott ein Einsehen und kündigt an: Ich werde in meiner unermesslichen Schönheit an Dir vorbeigehen und meinen Namen vor Dir ausrufen. Ich will allen wohl, denen ich Wohlwollen schenken will. Ich leide mit allen, die ich bemitleiden will (Ex 33,19).

Ich höre aus dieser Ankündigung zweierlei: Gott ist schön. Und: Gott tut was er will. Das überrascht mich nicht. Schönheit und Willensstärke, das sind Eigenschaften die erfolgreich machen. Aber viele Menschen schüchtert das auch ein. In Märchen sind die Schönen und Willensstarken oft die Bösen. Schneewittchens Stiefmutter. Und auch in romantischen Komödien hat der tollpatschige Held oft einen schönen, smarten Gegenspieler. Sind Schönheit und Willenskraft denn Gründe zum Fürchten? Vielleicht schon, wenn sie ein böses Ziel verfolgen. Aber genau das ist von Gott nicht zu befürchten. Er sagt Mose ja, was er sein will:  wohlwollend und mitleidend. Und genau das zeigt er im Laufe der Geschichte immer wieder. Gottes Willenskraft äußert sich darin, anderen Gutes zu wollen. Und seine Schönheit darin mitfühlend zu sein. Und das ist nicht zum Fürchten, aber zum Niederknien!

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SWR3 Gedanken

20OKT2022
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Auf meinem Heimweg komme ich immer an unserem Stammbäcker vorbei. Und heute liegt ein Mann davor. Im Rinnstein, zwischen parkenden Autos und einem Alleebaum. Der Kopf auf dem Pflaster. Um ihn herum Plastiktüten, halbleere Flaschen, Wein aus dem Tetrapack. Auf der Brust ein angebissenes Brötchen. Der Mann trägt zerschlissene und schmutzige Kleider. Ein übler Geruch geht von ihm aus. Im Vorbeigehen konzentriere ich mich kurz auf seine Brust. Sie hebt und senkt sich. Ich bin erleichtert: Er atmet. Er lebt. Und dann gehe ich hinein: „Entschuldigung! Haben sie den Mann…“ Aber die junge Verkäuferin lächelt mich an und unterbricht mich gleich:  „Ach, sie meinen den Mann da draußen. Der ist immer da. Sie sind nicht die erste die fragt.“ Und mit einem Blick auf das Handy, das ich mittlerweile in der Hand halte, meint sie:  „Sie brauchen niemanden anzurufen. Die kommen sowieso nicht mehr. Der ist hier bekannt.“„Haben sie denn gesehen, seit wann der Mann so da liegt?“ frage ich weiter. Die Frau nickt: „Der macht nur seinen Mittagsschlaf. Eben war er wach – jetzt schläft er wieder. Machen sie sich keine Sorgen - Ich pass schon auf ihn auf.“

Ich pass schon auf. Selten hat mich ein Satz so berührt. Die Angestellte in der Bäckerei war vielleicht Anfang 20. Klein und zierlich – eine schöne junge Frau. Der Satz ging ihr leicht von den Lippen, ganz selbstverständlich – und er war ernst gemeint, das spürte man. Sie passt auf ihn auf – und das Brötchen, auf der Brust des Mannes, das hat sie ihm sicher auch gegeben.

Ein Stück Frieden – denke ich. Hier findet es statt. Aufgespannt zwischen Bäckerei und Rinnstein. Zwischen dieser junge Frau und dem alterslosen Obdachlosen. Die Welt zwischen den beiden ist nicht heil. Hier ist nicht alles gut. Keine Idylle. Der Schmutz bleibt. Die Armut. Der Skandal, dass es in unserer reichen Gesellschaft Menschen gibt, die auf der Straße leben müssen. Aber hier guckt eine hin. Passt auf. Nimmt Verantwortung wahr. Und das tröstet mich.

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SWR3 Gedanken

19OKT2022
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"Wir dürfen die Demokratie nicht verplempern", das war der Grundsatz von Lore Lorentz. Die ist eine Kabarettistin gewesen und hat nach dem zweiten Weltkrieg Deutschlands erstes Nachkriegskabarett gegründet. In Düsseldorf, vor 75 Jahren.

Lore Lorentz hat fest daran geglaubt, dass jeder Mensch das Recht haben muss, mitzubestimmen. Dafür hat sie sich ein Leben lang eingesetzt. Und das auf ungewöhnliche und freche Weise: Ihr erstes Soloprogramm trug den Titel: „Positiv dagegen“.

„Positiv dagegen sein“ – das gehört für Lore Lorenz unbedingt zur Demokratie.  Also: Sagen, was man für falsch hält, aber auch dem Falschen etwas Positives entgegensetzen. Nicht einfach „Buh“ rufen, sondern konstruktiv bleiben. Zur Demokratie stehen, das ist echter Protest. Und protestieren bedeutet ja wörtlich: Zeugnis ablegen. Zeugnis ablegen davon, wofür man steht. Auch wenn Protestieren nicht immer leicht ist. Und noch schwerer ist es Ideen zu haben, wie es besser gehen könnte. Aber beides gehört zusammen. Nur zu nörgeln macht nichts besser. Und das Gute an der Demokratie ist ja – alle können etwas beitragen.  Lore Lorentz hat sich getraut, Stellung zu beziehen und eine Meinung zu haben. Sie hat die Dinge beim Namen genannt. Und eine Vision gehabt, wie es besser sein könnte. Sie war positiv dagegen. Ich glaube Menschen wie sie braucht es gerade dringend. Menschen, die miteinander um gute Lösungen ringen. Denn ich bin ganz Lore Lorentz Meinung: „Die Zeiten waren nie so ernst wie immer.“

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SWR3 Gedanken

18OKT2022
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Wir sind gewohnt den Erfolg einer Sache an Zahlen zu messen. Je größer die Zahl, desto höher der Erfolg! Das gilt auch für die Besucherzahlen von Veranstaltungen: auch bei einer Party, einem Seminar, einem Gottesdienst o.ä. Erst wenn viele Leute da waren, war die Sache ein Erfolg: Ziel erreicht.

In der Bibel wird anders auf den Erfolg geschaut. Es geht nicht um möglichst hohe Zahlen. Sondern um jeden einzelnen Menschen! Jesus sagt zum Beispiel:: „Es wird bei den Engeln Gottes Freude sein über eine sündige Person, die umkehrt.“  (BigS Lk 15,10) Gottes Ziel ist es, uns den richtigen Weg zu zeigen. Dazu lädt er ein. Und die Engel freuen sich, selbst, wenn das nur bei einem einzigen klappt. Ziel erreicht! Gottes Einladung war ein Erfolg.  Und ich finde das könnten wir Ihnen nachmachen: Ist es nicht ein Grund sich zu freuen, wenn auf meine Einladung hin genau die Menschen kommen, denen ich wichtig bin – auch wenn es nur wenige sind? Und wenn die 10 Besucher und Besucherinen eines Seminars, das für mehr gedacht war, intensiv bei der Sache sind und sich im kleinen Kreis eine vielschichtige Diskussion ergibt? Ist es nicht ein Grund zur Freude wenn eine der 15 Gottesdienstbesucher sich am Ausgang bedankt für den Trost, den sie erhalten hat?

Es spricht nichts gegen große Veranstaltungen und es ist schön, wenn viele Menschen sich für das interessieren, was man selbst mit Herzblut und Freude vorbereitet hat. Aber wir sollten nicht vergessen: „Eine macht schon einen Unterschied!“ Und ist ein Grund zur Freude.

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SWR3 Gedanken

17OKT2022
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Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit! So beschreibt Paulus, einer der ersten Christen, wie er Gottes Geist erlebt (2 Kor 3,17). Paulus fühlt sich frei. Und auch ich bin froh, dass ich frei leben kann, meine eigenen Entscheidungen treffe und mich nicht verbiegen muss. Für mich hat das viel mit Gottes Geist zu tun. Aber heißt das auch: Wo Menschen nicht frei leben können, da ist Gottes Geistkraft nicht? Das glaube ich nicht! Was sollte dann aus den Unterdrückten dieser Welt werden? Ich glaube, dass Gottes Geist gerade den Unfreien beisteht. Denen, die Unrecht erleiden und Gewalt erfahren. So wie die Menschen, die gerade im Iran protestieren. Sie leben unter einer Regierung, die sie unterdrückt – und jetzt erkämpfen sie sich die Freiheit laut auszusprechen, wer sie eigentlich sind und was sie selbst wollen – trotz der Gefahr. Sie lassen sich nicht länger verbiegen.

Wo ist Gottes Geist? Da, wo Freiheit ist! Wo wir uns frei fühlen die Menschen zu sein, die wir sind. Zum anderen steckt da auch eine Aufforderung drin, was wir mit unserer Freiheit anfangen sollen: Nämlich andere in ihrer Freiheit stärken. Wenn wir für die Freiheit kämpfen, wenn sie bedroht wird und wenn wir uns für die einsetzen, die unfrei sind. Ob das nun im Iran ist oder vor unserer eigenen Haustür. Wo Menschen beseelt von der Geistkraft Gottes handeln, da ist Freiheit, da werden Menschen frei. 

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SWR3 Gedanken

16OKT2022
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Man kann ja für vieles beten. Ein ganz besonders schöner Gebetswunsch steht in der Bibel. Da schreibt jemand: „Darum bitte ich in meinen Gebeten, dass Eure Liebe immer reicher werde an Erkenntnis und Erfahrung, damit Ihr prüfen könnt worauf es wirklich ankommt.“ (Phil 1,9-10a BigS) Zwei Sachen gefallen mir besonders: Zum einen ist da einer, der mir sagt: „Ich bete für Dich!“ Das ist eine schöne Vorstellung: Jemand denkt an mich, betet für mich und vertraut mich Gottes Schutz an. Mich tröstet dieser Gedanke.

Zum anderen finde ich schön, was sich der Beter da für mich wünscht: Meine Liebe soll reicher werden an Erkenntnis und Erfahrung, damit ich verstehe, worauf es wirklich ankommt. Ja, die Liebe ist wirklich eine Sache, in der es auf Erfahrung ankommt. Denn lieben kann man ja auf so unterschiedliche Art und Weise! Was tut gerade gut und was nicht? Manchmal heißt Liebe Nähe und manchmal heißt sie Abstand; manchmal heißt Liebe Reden und manchmal heißt sie Schweigen, manchmal heißt liebe Sturm und manchmal eben Ruhe. Und das trifft nicht nur auf die Liebe in Partnerschaften zu. Auch auf die zwischen Geschwistern oder zu den Eltern, zu den Kindern und den besten Freunden. Da ist es gut zu lernen worauf es ankommt. Und noch besser ist es, einen Experten an seiner Seite zu wissen, von dem man lernen kann. Das ist Gott wohl, denn von Gott heißt es doch: „Gott ist die Liebe!“ Wenn Gott nicht Bescheid weiß, wer sollte es dann wissen?

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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

01OKT2022
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Heute, am ersten Oktober, stecken sich viele Menschen rosa Schleifen an ihre Jacken. Sie zeigen damit ihre Solidarität mit Menschen, die an Brustkrebs erkrankt sind. In Deutschland sind das in jedem Jahr über Siebzigtausend – vor allem Frauen. Das bedeutet: Jede 8. Frau erkrankt in ihrem Leben an dieser Krebsart.

Ich bin eine davon. Vor drei Jahren habe ich die Diagnose erhalten. Wie bei vielen anderen Betroffenen gibt es seitdem ein Davor und ein Danach in meinem Leben: eine Zeit ohne Krebs und eine Zeit mit. Krebs ist für jede Erkrankte eine Zeitenwende, auch weil die Krankheit einem ein Stück Unbekümmertheit nimmt. Denn auch wenn ich heute gesund bin: die Sorge bleibt, dass der Krebs wiederkommt.

Heute frage ich mich: Was ist das für eine Schöpfung, in der Menschen krank werden, Schmerzen haben und sterben? Was hat Gott sich bloß dabei gedacht? Das wüsste ich manchmal gerne, aber ich glaube, darauf gibt es keine Antwort. Worauf ich aber eine Antwort bekommen habe, als ich krank war, ist die Frage: Wo ist Gott, wenn Menschen leiden? Ich kann sagen: Ich bin Gott begegnet. Gott war die Krankenschwester, die behutsam und vorsichtig gewesen ist, wenn sie die Infusionsnadel gesetzt hat. Gott war die Freundin, die Gulasch gekocht hat, weil das das einzige war, was gegen meine Übelkeit geholfen hat. Gott war in den Lehrerinnen, die meine Kinder besonders im Blick hatten während meiner Erkrankung. Gott war der Arzt, der nach für mich passenden Lösungen gesucht hat und ich bin sicher Gott zeigt sich auch in den Forscherinnen, die in den letzten Jahren so große Erfolge erzielt haben in der Krebsforschung. Ohne sie wäre ich wohl nicht mehr da. Gott zeigt sich in denen, die Leid lindern. Die mitgehen, annehmen, einfach da sind. Sich solidarisch zeigen.

Den ganzen Oktober über wird es Aktionen und Informationsveranstaltungen rund ums Thema Brustkrebs geben. Besorgen Sie sich doch auch eine rosa Schleife und tragen sie am Revers. Vielleicht zeigt sich für eine Betroffene genau darin, dass Gott die Menschen nicht alleine lässt.

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